Tag Archives: Veltins Arena

Knapp den Knappen unterlegen

24 Feb

Unsere Jungs spielen anfangs zwar zu ängstlich, aber dafür durchgehend höchst konzentriert gegen motivierte S-Null-Vierer, sind zeitweise die spielbestimmende Mannschaft und bringen sich doch aufgrund zweier Standardsituationen um den verdienten Lohn.

Zähneknirschend mussten wir beide hinnehmen, nicht gemeinsam mit 5.000 weiteren Fortunen vor Ort unserem Gastspiel auf Schalke folgen zu können. So waren wir dazu verdammt, die SKY-Übertragung zu verfolgen. Adnan war immerhin in geselliger Runde mit den Berliner Havelpralinen in der von Fortunen eingenommenen Kreuzberger Kneipe USCHI Nation. Per modernster Mobiltechnologie (ja, auch Ingo & Adnan nutzen sie 🙂 ), tickerten wir zwei munter bei wichtigen Szenen hin und her.

Nu isset ja so: Je mehr Freunde und Bekannte Fans der gegnerischer Mannschaft sind, umso voller nimmt man im Vorfeld der Partie de Schnüss. Und, da es ja durchaus Sinn machte, zuversichtlich dieser Partie entgegenzufiebern, tönten wir ausgiebigst rum: „Die Scheiss-Knappen sind fällig!“ oder „Nach der Pleite gegen uns muss Euer Trainer gehen!“. Doch als die Aufstellung der Schalker eingeblendet wurde, mussten wir einander ein „krasses S04-Mittelfeld, Alter“ mobil zutexten: Neustädter, Jones als zentrale Defensiv-Strategen, sowie Bastos, Draxler und Farfan als Offensivtrio mit Huntelaar als Sturmspitze sind auf dem Papier echt mal ’ne Ansage. Statt aber in Ehrfurcht die Hosen voll zu kriegen, glaubten wir daran, dass unsere Jungs mit der richtigen Attitüde und Präsenz auf dem Platz eben diesen Sportskameraden das Leben äußerst schwer machen würden. Bei der graphischen Einblendung unserer F95-Elf musste ein gewaltiger FACEPALM her, als unsere Nummer #28 vorgestellt wurde. Diese Praktikanten bei SKY haben einfach mal das Gesicht von Timo Furuholm bei Martin Latka eingeblendet. Dieser besagte Prakti wird den Kader in seinem Kicker-Sonderheft durchgeschaut und Furuholm mit der #28 entdeckt haben – dass sie aber inzwischen ein Anderer trägt (nämlich Hannibal Latka aka Bane aka The Rock aka Valujev), muss ihm entgangen sein. Seltsam, solche Peinlichkeiten… Und auch sonst könnte man jetzt über diese unsäglich Experten-Runde mit Matthäus & Co. zeilenlang abkotzen. Wir machen’s aber mal nicht…

S04-Lawine überstanden – „standardisierter“ Rückstand

Kommen wir lieber zum Spiel: Vor Anpfiff war bereits klar, was auf uns in der Anfangsphase zu kommen würde: Eine menge Druck! Wenn ein Team wie Schalke am Mittwoch ein schweres CL-Auswärtsspiel in Istanbul hatte und danach ein Aufsteiger zu Gast im eigenen Stadion ist, versucht eine clevere Truppe bereits im ersten Spieldrittel den Sack zu zumachen. Folgerichtig entscheidet sich Norbert Meier für eine sehr defensive und laufstarke Startelf, um die Schalker auf Granit beißen zu lassen. Für Schahin (der nach 11 Minuten Reisinger ersetzte) und den grippegeschwächten Kruse, rücken die zuvor gelbgesperrten Bodzek und Lamberts zurück ins Team. Schlacke beginnt mit wütenden Angriffen und attackiert die Fortuna bereits am eigenen 16er. Unsere Jungs wirken, ähnlich wie beim Hinspiel, arg eingeschüchtert von der Gelsenkirchener Spielfreude und Angriffslust; Draxler, Bastos, Farfan und Huntelaar sind ja nunmal nicht irgendwelche Halunken. Allein diese vier Spieler haben einen fast doppelt so hohen Transferwert wie der gesamte Kader der Fortuna. So stemmen sich die tief stehenden Mannen um Capt’n Lumpi mit Laufbereitschaft, Team-Spirit und Leidenschaft gegen die Schalker Angriffslawinen, die auf den Düsseldorfer Strafraum hereinbrechen. Folgerichtig bekommen wir bis auf wenige Ausnahmen in der ersten halben Stunde wenig bis nichts nach vorne zu Stande. Aber Schalke hat aus dem Spiel heraus gegen unsere gut geordnete Mannschschaft Probleme. Wirklich gefährlich wird es nur, wenn es schnell geht, wie bei Farfans Pfostenschuss in Minute 19. Unsere beste Chance ist Dani Schahins Geschoss in der 24. Minute, das ein schönes Tor des Monats abgegeben hätte, wenn, ja wenn die Kirsche 50 cm tiefer im Torwinkel der Schalker eingeschlagen wäre, anstatt über die Latte zu zischen. Beinahe haben wir das erste, schwierige Drittel des Spiels überstanden, als es leider eine Freistoß-Flanke von Farfan gibt, die Matip nach einer Kopfball-Ablage durch Jones über die Torlinie drückt. Leider war anhand der Spielanteile die Führung verdient; aber trotzdem ärgerlich. Die Hereingabe von Farfan war richtig stark, denn so ein Ball treibt die Defensive an den Rand des 16ers, und wenn dann ein Kopfballduell verloren wird und die Kirsche ins Zentrum zurückkommt, wird es eben gefährlich – und sowatt können die Schalker nun mal…

Mit Kampf und Passspiel das Zepter in die Hand genommen

Nach der Führung passiert genau das, worauf wir gehofft hatten: Schalke lockert etwas die Zügel und die Fortuna findet langsam ins Spiel – wie im Hinspiel. Nach dem Halbzeittee werden wir mutiger und stehen auch nicht mehr so tief – dies liegt aber auch daran, dass man den „Knappen“  langsam das physisch und psychisch anspruchsvolle Mittwoch-Spiel ankmerkt. Unser Spielaufbau wird nicht mehr so bissig gestört und Konzentrationsfehler häufen sich bei den Schlackern. In dieser Phase wird das Spiel immer ausgeglichener. Nur über Bastos und Farfan wird es ab und an gefährlich, aber unsere Außenverteidiger lösen ihre Aufgaben gegen diese Kaliber richtig gut. Da durch die Ausfälle von Kruse und Reisinger Fortunas stärkste Solisten nicht dabei sind, werden wir hauptsächlich durch Passstaffetten (hört, hört!) gefährlich und sorgen so für Entlastung, da diese mit zunehmender Spieldauer immer besser gelingen. Besonders Axel knüpft an seine Leistungen aus dem Führt-Spiel an. Sogar seine zidanesquen Dribbel-Pirouetten funktionieren nun und er scheitert nicht wie in der Hinrunde an seinen eigenen Beinen oder seiner spürbaren Aufregung. Als er mal ins Abseits gelaufen ist, wurde in der Zeitlupe klar, warum genau er im Abseits war: Er sprintet im unvergleichlich nach vorn gebeugten Stil, als würde er einen Bob anschieben und gleich reinspringen wollen. Ihm scheint die kurze (und von uns geforderte 😉 ) Pause von der Startelf gut getan zuhaben. Zu seiner vorbildlichen Einstellung gesellt sich nun merklich mehr Ruhe und Freude am Spiel. Seine Wille, Verantwortung zu übernehmen, wirkte bis dato zu verbissen, doch das scheint er hinter sich gelassen zu haben. Der neue/alte Axel ist es dann auch, der uns den viel umjubelten Ausgleich beschert. Er vernascht Höger auf links, schmeißt den Turbo an und peitscht in der 56. nach Zuspiel von Malezas die Seitenlinie entlang. Schahin zeigt ihm per Handzeichen in Strafraumnähe an, wo er die Pille hinhaben will. Axel folgt maßgenau und schickt unseren besten Torschützen mit Flanken-Auftrag zur Grundlinie. Während Schahin das Spielgerät scharf und flach in den Strafraum spielt und unser Kapitän im Volltempo auf den langen Pfosten zuhält, spurtet Axel in gespannter Erwartung zum Fünfmeterraum durch. Danis Zuspiel erreicht tatsächlich Lumpi und dieser ballert in bester Mario-Basler-Manier das Leder als flache Flanke zurück in die Mitte auf den heranstürmenden Axel, der das Runde nur noch eben ins Eckige buchsieren muss. Ein herrlich herausgespielter Treffer! Es freut uns sehr, dass  gerade Lumpi und Axel diese schöne Kombination erfolgreich abgeschlossen haben. Auch Lumpi (kongenialer Kampfsaupartner von Axel) wächst immer mehr in das Bundesliga-Tempo hinein und reduziert kontinuierlich seine Fehlerquote. Unvergessen eine Szene Mitte der ersten Halbzeit, als er im Stile einer Abrissbirne einfach den ewig langen Ballbesitz der Schalker am rechten Flügen durchbrach und den Ball in der Schalker Hälfte eroberte. Wenn man dem Jong beim Ackern zuschaut, weiß man, warum bei uns der Funken überspringt und die Mannschaft selbst bei Niederlagen mit Respekt und Wohlwollen behandelt wird. Da können sich einige Fußballprofis ’ne Scheibe abschneiden- schönen Gruß nach Hoffenheim!

Rückkehr der Standardiritis?

Dass wir im Endeffekt doch keine Punkte aus der Fällt-hin-Arena mitnehmen können, liegt am an dem Abend viel zu torgefährlichen Joel Matip, der uns erneut in die Suppe spuckt. Zwar gelingt es der Fortuna mit zunehmender Spieldauer, die Schalker weiter unter Druck zu setzen und spielt gegen die immer müder werdenden Gastgeber auf Sieg, aber durch ihre individuelle Klasse bleiben die Ruhrpottler stets brandgefährlich. Für Draxler wird der in der Vergangenheit von Todesangst geplagte Ex-Herthaner Raffael eingewechselt, der bei den Schalkern neue Impulse setzen soll; dies gelingt nur bedingt. Viel mehr erinnert seine gezogene Flappe nach einer mißglückten Aktion an die Miene eines Dreijährigen, der seinen Kuschelhasen verloren hat. Tja, und, wenn aus dem Spiel nichts gelingt, müssen halt Standards her – und es scheint, als schleiche sich erneut so etwas wie eine Standardiritis bei uns ein. Nach einer Ecke (KORREKTUR: Es war in Freistoß aus dem rechten Halbfeld – Danke für Hinweis, Daniel Bonner) in der 81. Minute vermiest uns Matip dann gänzlich den Tag. Der Ball landet bei Bastos, der nahezu den ganzen Fortuna-Kader im Strafraum auf sich zieht. Die Ordnung geht komplett verloren. Bastos schießt – das Leder wird von Malezas abgefälscht und hoppelt dem am 5er wartenden, von allen Fortunen allein gelassenen und von Balogun nicht ins Abseits gestellten Matip genau vor die Füße. Mit augenthalerischer Bierruhe dreht sich dieser noch auf dem Bierdeckel, zieht die Hose kurz hoch, während Giefer schon zum Hechtsprung ansetzt und netzt zur zu dem Zeitpunkt völlig unverdienten Führung für Schalke ein. Giefer, der sich im Laufe des Spiels wieder einige male auszeichnen konnte, trifft bei beiden Treffern keine Schuld. Später holt er sich noch Gelb nach wichtigem, taktischen Foul an Hildebrand und der Verhinderung eines Schalker Konters auf’s leere Tor. Das hat uns unsere Tordifferenz gesichert – muss man auch sehen. Meier hatte zuvor erst Omae und später Ilsö für die Schlussoffensive gebracht. Beide kommen recht spät und finden nicht so recht rein. Grund zum Wechseln hatte Meier aber eigentlich auch nicht – denn eigentlich lief unser Spiel ganz gut…

An unsere Grenzen gestoßen?

Was hätten unsere Jungs besser machen können? Klar, Standards besser verteidigen. Aber an irgendeinem Punkt sind gute Fußballer nunmal schwer zu verteidigen. Vielleicht hätte Balogun Matip vor dem 1-2 Abseits stellen können – andererseits geht das alles so schnell, dass man diesen Vorwurf nur schwerlich stehen lassen kann. Tja, und offensiv? Es scheint weiter der berühmte letzte präzise Pass, oder ein gefährlicher Abschluss – wenn auch mal aus der Distanz – einfach (noch) nicht möglich. Eigentlich liegt genau hierin die noch bleibende Schwäche der Fortuna – auch zu sehen, nachdem in der 1. HZ Balogun zu einem imposanten Offensivsolo ansetzte, den Schalker Verteidiger „reisingeresk“ per Bauerntrink überwand, dann aber niemandem im 16er auflegen konnte. Fink war von einem Schalker abgelaufen worden. Oder aber auch Jojo, der die Technik und die Sprintstärke besitzt, auf dem Flügel richtig Gas zu geben; dann aber, wenn es darauf ankommt, weder flanken, noch maßgenau passen oder aber auf’s Tor zimmern kann. Man hatte sich in dieser Hinsicht ein wenig was von Tesche verhofft. Leider hat seine Passqualität nach dem Freiburg-Spiel etwas nachgelassen. Wir wollen bei all dem aber eines nicht vergessen: das sind Fortunen. Und, wenn irgendwann Grenzen der Fähigkeiten erreicht sind, nimmt es ihnen niemand übel. Erst recht nicht, solange sie alles geben. Und das haben sie – alle. Fink und Bodzek haben wieder phantastisch abgeräumt und ebenso wie Latka und Malezas (bis auf sein Luftloch) mit sehr gutem Stellungsspiel und Zweikampfstärke aufgetrumpft. Ihnen und dem Außenverteidiger Duo ist es zu verdanken, dass Schalke trotz ihrer Qualität in der Offensive aus dem Spiel heraus kaum bis gar nicht gefährlich wurden. Dies ist auch der Grund, warum unsere Tordifferenz so viel besser ist, als die anderen Clubs da unten.

Wir halten fest: Wir haben Dank Tordifferenz vier Spieltage Vorsprung auf den Relegationsplatz, aber nur 1 Spieltag Rückstand auf Rang #11. Mit den schweren Spielen, die nun anstehen, ist das ein zunächst mal gutes Polster. Schon jetzt gegen Mainz wird es schwierig – sehr schwierig. Die sind nicht arrogant; lassen sich ihre Spielfreude nicht so leicht rauben wie etwa Schalke. Aber bestehen kann unsere Fortuna auch gegen die allemal – erst recht in der heimischen Bude. Also – peitschen wir sie an, damit noch mehr als 100% auf dem Rasen möglich sind.
In diesem Sinne, 95OLÉ
Adnan & Ingo

Advertisements