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Auftaktpunkt nach Maß in Köpenick

29 Jul

Unsere Jungs lassen ein frühes Standardtor zu, wehren sich dann aber mit allem, das sie haben gegen die Niederlage. Kurz vor Schluss belohnen sie sich mit dem verdienten Ausgleich. Ein aus vielerlei Hinsicht positiver Auftakt.

Wenn zwei Minuten vor Schluss der Fortuna-Block tobt und sich genau vor ihr eine Spielertraube türmt, muss etwas Geiles passiert sein. Und so war es: Mit echter Leidenschaft und spielerischer Klasse erzwingt unser Team ein Unentschieden und geht nach 90 Minuten wie der gefühlte Gewinner vom Platz. Dabei zeigte eine Reihe von Spielern wirklich viel versprechende Ansätze, sodass man sich auf diese Saison freuen darf. Wir waren alle gebeutelt von der vergangenen Spielzeit und eigentlich nur froh, dass sie vorbei war. Jetzt, hingegen, ist die Vorfreude groß. Klar, es war nur ein Spiel, aber es steckte viel drin.


Aufstellung und Ausrichtung
In der ersten Startaufstellung der neuen Saison waren direkt sechs von elf Neuverpflichtungen auf dem Platz. Nach dem sich Kramer für Rensing als Nummer 1 entschieden hatte, wurde die Innenverteidigung komplett neu besetzt. Neu-Käpt´n Karim Haggui und Christian Strohdiek sollten die gegnerischen Stürmer zermürben und als RV wurde Abwehr-Talent und U-20 Nationalmannschafts-Kapitän Kevin Akpoguma auf den Platz geschickt. Auf der linken Seite verteidigte Lukas Schmitz. Im Mittelfeld ging es auf der linken Seite mit dem neuen Tempo-Dribbler Sercan Sararer los, Sprint-Star Bolly wurde als Pendant auf die rechte Seite gestellt. Michael Liendl und der neue Vize-Käpt´n Julian Koch, der übrigens am 11.11. Geburtstag hat (Helau), übernahmen die Mittelfeldzentrale.  Das beachtlich offensiv ausgerichtete 4-4-2 wurde vom dynamisch-finnischem Jungspund Pohjanpalo und dem routinierten ivorischen Sturm-Veteran Didier „Didi“ Ya Konan im Angriff abgerundet. Wen die Eisernen so auf´s Feld schickten, war erstmal zweitrangig und eher so Schnuppe… Einzig schöner Moment im Stadion: als der (immer noch wirklich sympathische) Stadionsprecher erwähnte, dass der gegen Lymphdrüsenkrebs kämpfende Benjamin Köhler im Stadion sei. Da applaudierte auch der Fortuna-Block voller Respekt. Top!

HZ:1 Start verpennt
Endlich geht es wieder los. Die Teams kommen auf den Rasen und wir haben richtig Bock. Den haben die Berliner aber leider auch und legen gut los, während die Fortunen sich erstmal merklich finden müssen. So geht dann bereits in der 5. Minute die neue Saison genau so besch….en los, wie die letzte geendet ist: mit einem dämlichen Gegentor! Und alle so „Nicht schon wieder“! Eine Freistoßflanke von Rechts segelt in den Strafraum, Strohdiek passt nicht auf und neu Unioner Kessel köpft das 1:0 für die Gastgeber. So’n Driss. Danach bleibt Union erstmal am Drücker. Es dauert knapp bis zur 20. Minute, bis die Fortuna die Regie übernimmt und sich die Gastgeber weit zurückziehen. Haggui köpft knapp am leeren Tor vorbei, nach dem Union-Keeper Haas im wahrsten Sinne des Wortes einen „Ausflug“ nach einer Ecke hinlegt. Der immer stärker werdende Sararer zeigt Zug zum Tor und zwingt Haas zu manch starker Parade. Ungläubig brüllt jeder Fortune als das Schirigespann Kessels Faustball-Aufschlag im eigenen Strafraum ungeahndet list. Die Szene hat das Zeug zum klarsten nicht-gegebenen Handelfer der Menschheitsgeschichte. In dieser Phase machen unsere uns verstärkt Druck. Union kriegt aus dem Spiel nicht sehr viel. Außer, wenn sie über ihre linke Seite kommen – denn dort zeigt unser Youngster Akpoguma, dass er noch ein wenig Zeit braucht. Viele Zweikämpfe verliert er leichtsinnig aus offensichtlicher Nervosität. Doch vor allem Strohdiek, aber auch Haggui machen innen dicht. Eigentlich war der Ausgleich bereits kurz vor der Halbzeit drin. Aber es fehlt am entscheidenden Abschluss. Beim Pausenpfiff sind sich alle sicher: Da geht noch was.

HZ 2: Wir kommen besser in Fahrt UND belohnen uns
In der Anfangsphase der zweiten Halbzeit tun wir uns wieder etwas schwer. Da liegt aber auch daran, dass den Köpenickern in der Halbzeit sicher mit auf den Weg gegeben wurde, den Sack zuzumachen. Jedenfalls tanken sich Brandy & Co. immer wieder gefährlich durch. Sie treffen den Pfosten (aus aberwitziger, ungeahndeter Abseitsposition) und zwingen Rensing zwei Mal zu großartigen Paraden im direkten 1 gegen 1. Hier haben wir also durchaus jede Menge Glück. Wir sehen aber auch, dass der schon in der ersten Halbzeit starke Koch zusammen mit Liendl und allen voran Sararer auf rechts unser Offensivspiel immer schneller vorantreiben. Je länger das Spiel andauert, desto besser werden unsere Chancen. Kramer wechselt goldrichtig ein. Zunächst Bebou für Bolly. Anschließend van Duinen für Pohjanpalo und schließlich Schauerte für Koch. Die Wechsel zeigten Wirkung. Bebou mische auf der Außenbahn (erst rechts, dann links) ordenlich mit. Van Duinen machte im Sturm Alarm und Schauerte bediente den linken Abwehrflügel, nach dem Schmitz auf die Koch-Position rückte. Über links entstand auch das Tor. Schauerte bediente Bebou. Der setzte sich an der Strafraumgrenze mit einem gekonnten Stop samt Drehung durch und passte maßgenau auf Ya Konan in der Mitte: ein Schuss. Ein Tor. Extase. Das Tor wurde frenetisch gefeiert. Es bedeutete eben mehr als nur ein Unentschieden! Hier hat sich eine Mannschaft belohnt. Hier hatte eine Truppe erzwungen, was ihr zustand. Fortuna drückte weiter, aber es sollte beim 1-1 bleiben.

Besondere Freude bereiteten:
Abwehrhühne Strohdiek: Tolles Stellungsspiel. Super Quote in Luftduellen und richtig starke, spieleröffnende Pässe. Zusammen mit Haggui dürfte er eine Bank werden. Mittelfeldstratege Koch: Beachtlich, wie schnell sich dieser Jungspund eine zentrale Rolle im Team gesichert hat. Über ihn ging sehr viel aus der Zentrale. Mit dem noch offensiveren Liendl kann man sich eine funktionale Aufgabenverteilung im zentralen Mittelfeld vorstellen. Flügelflitzer Sararer: Was hat der für Alarm gemacht. Er ist eben dieser Spielertyp, der brilliert, wenn er sich wohlfühlt. Und derzeit scheint er sich pudelwohl zu fühlen. Tolle Dribblings, super Pässe (der hohe Ball in den Lauf von Bebou war genial) – für uns eigentlich Mann des Spiels. Wenn der genau so weitermacht, wird er uns jede Menge Freude bereiten. Sein Pendant Bolly zeigt viel Spielfreude. Schafft er es, den Ball am Gegner vorbeizulegen, ist er nicht aufzuhalten. Am entscheidenden Pass oder dem Abschluss hat es noch gefehlt. Aber datt kütt. Hoffentlich bleibt er fit! Sturmrecke Ya Konan. Als Vollblutstürmer muss man vor allem Eines: Wissen, wo man zu stehen hat. Er stand goldrichtig in der 88. Minute und hat die nötige Ruhe vor dem Tor. Aber auch er wird Zuspiele brauchen. Kriegt er die, wird es häufig klingeln.

Ansonsten hat die Mannschaft in der Summe bestens funktionert. Und es wurde noch direkt deutlich: Spieler wie Fink oder Bodzek werden es sehr schwer haben, hier eine Rolle zu spielen, die über „Ergänzungsspieler“ hinausgeht.

Szene des Spiels
Unvergesslich, was sich in der ersten Halbzeit auf der rechten Seite abspielte. Ein steiler Ball nach außen bringt Bolly in Bedrängnis. Er rettet die Kirsche Richtung Akpoguma. Der war aber ohnehin in seiner Findungsphase und jagt den Ball im Zweifkampf mit einem heranstürmenden Berliner gefühlte 20-30 Meter in die Höhe. Es sieht fast so aus, als flöge (Konjukntiv Olé) der Ball aus der Alten Försterei. Damit rechneten alle – außer Bolly. Der blieb auf der Seitenlinie stehen, schaute seelenruhig nach oben und nahm den im Tiefflug befindlichen Ball in absolut beachtlicher Ronaldinho-manier völlig entspannt an, als hätte kurzweilig eine Magnetfunktion eingesetzt. Bravo, Bravo, Monsieur Mathis.


Streitthema
: Das Ausweichtrikot
Während Adnan meint, sich das Ausweichtrikot nicht nur kaufen, sondern auch noch mit seinem Geburtsjahr und eigenen Namen bedrucken lassen zu müssen, kriegt Ingo gar ein wenig das Kotzen bei dem Ding. Grün? Okay. Dunkelgrün? Naja. Aber PINKE Rückennummern??? Das Heim- und Auswärtstrikot sind erste Sahne. Aber warum wählt man dann als drittes Trikot ein Dunkelgrünes? Dazu mit pinken Nummern? Ingo hat wie gut 10% aller Männer eine Rot-Grün-Sehschwäche – das heißt: wenn, wie am Sonntag Dunkelgrün genen Rot spielt, erkennt man nicht so richtig gut, was auf dem Feld abgeht. Fernab von der Geschmacksfrage müssen Verantwortliche natürlich auch so etwas bedenken. Zumal man sich nun fragt: Mit welchem Trikot spielt man denn gegen die dunkelroten Betzebuben? Rot? Geht nicht. Schwarz? Geht nicht. Dunkelgrün? Geht ja irgendwie auch nicht.  Warum also kein Ausweichtrikot in Weiß! Daher Ingos explizite Bitte: „Liebe Fortuna-Marketingabteilung, macht die verkauften Grünen Trikots zu Sammlerstücken und stampft den Rest der Produkrtion ein. Danke.“ – Adnan ist da voll gegen und mag das ausgefallene Design. Und Ihr so?

In jedem Fall hat dieser Auftakt doch echt Spaß gemacht. Kommenden Sonntag dann schon der nächste Knaller. Wir empfangen im eigenen Wohnzimmer den BuLi-Absteiger Paderborn. Die haben ja ihren Auftakt ordentlich vergeigt. Da lässt es sich doch ansetzen.

Auf dass es wieder Spaß macht – 95 OLÉ

Ingo & Adnan

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Erst Last-Minute-Frust, dann Last-Minute-Lust

23 Dez

Während unsere Fortuna in Braunschweig in letzter Sekunde die Niederlage eingeschenkt bekommt, beschert sie sich selbst und uns allen vorweihnachtlichen Siegesjubel in letzter Sekunde gegen Union.

Was es bedeutet, Fortuna-Fan zu sein, durften wir in den letzten Tagen des Fußballjahres 2014 mal wieder leibhaftig erleben. Frust und Enttäuschung wechseln sich ab mit Freude und Stolz. Wir waren frustriert, dass unser Team in augenscheinlich leichtfertiger Manier einen soliden Tabellenplatz #2 einfach so hergab.

Wir waren enttäuscht darüber, dass unsere Mannschaft sich irgendwie gehen ließ und die vielen, vielen Patzer der Konkurrenz nicht dazu nutzte, sich auf einem Aufstiegsplatz festzusetzen. Ja, verdammt. Wir reden hier von Aufstieg. Denn die Mannschaft hat über weite Strecken der Hinrunde sehr ordentlichen Fußball geboten, der zumindest in der Zweiten Liga der absoluten Spitzengruppe zuzuordnen ist. Doch dann kamen eben erst holprige oder (positiver formuliert) „dreckige“ Siege und plötzlich setzte Punktverluste und gar Niederlagen nach 10 Spielen ohne Nullnummern.

Wir sind jedoch weiterhin froh darüber, dass unser Team oben mitspielt. Trotz der peinlichen Pleiten gegen Sandhausen und Aalen, und der durchaus vertretbaren Niederlage in Braunschweig bleiben wir auf zwei Punkte am direkten Aufstiegsplatz dran. Und wir können wirklich stolz sein auf eine Mannschaft, die in der letzten Partie gegen Union wirklich den Sieg erzwungen hat. Dabei war die Strategie nicht frei von Risiko.

Oliver Reck hat nach der 60. Minute voll auf Sieg eingewechselt. Er nahm Liendl raus, obwohl dieser zwei gute Torabschlüsse vollbracht hatte. Doch er wechselte mit Mathis Bolly den Matchwinner ein. Zwei Mal hat der junge nach sehenswertem Antritt fulminant mit links abgeschlossen. Das zeugt von gesundem Selbstbewusstsein und absoluter Entschlossenheit. Zudem spielte er ein, zwei richtig gute, Spiel eröffnende Pässe in seiner kurzen Einsatzzeit. Sein zweiter linker Hammer war leicht verdeckt und zudem diesmal aufs kurze Eck gezielt. Der ansonsten großartig parierende Haas war chancenlos – als er die Kirsche sah, war es schon zu spät. Der Torjubel entschädigte dann fast schon für all das Gegurke, das unsere Forteng in den vergangenen Wochen gerne mal aufbot. Die Spielertraube gehört einfach zu den schönsten Dingen im Fußball.

Überhaupt muss man sagen, dass die Mannschaft einen erstaunlichen Siegeswillen offenbarte. Sie haben offenbar von dem Spiel in Braunschweig gelernt. Denn da merkte man in der Schlussviertelstunde, dass die Heimmannschaft voll auf den Dreier geht. Und da wurde unsere Abwehr dann doch überrannt. So ähnlich war es auch gegen Union. Denn als dieser nicht zu bändigende Wille plötzlich da war – und nein, er kam nicht erst auf, als Liendl draußen war; er war Teil dieses Zugs zum Tor – wurde Union immer dichter hinten reingedrängt und unser Team erspielte sich endlich auch mal Chancen.

Genau diese Durchschlagskraft und Kreativität hat in den letzten Wochen absolut gefehlt. Völlig ohne Ideen versuchte unsere Truppe immer wieder mit langen Bällen das Mittelfeld zu überbrücken. Hoffer ist für so was zu klein. Benschop braucht bei der Ballannahme gefühlt 5 Meter Radius – einzig Pohjanpalo (BESTER Mann gegen Union) kann solche Bälle gut verwerten. Was uns gegen Braunschweig überhaupt nicht gelingen sollte, war immerhin in der letzten halben Stunde der Partie gegen Köpenick City dann im Minutentakt zu sehen. Bolly spielte hierbei eine beeindruckende Rolle. Sein Antritt ist wirklich nicht zu verachten. Schon bei seiner Einwechslung in Bochum brachte er enormen Druck rein. Bleibt zu hoffen, dass er das mal konstant abruft.

PERSONELLES & AUSBLICK

Wagen wir mal einen Rundumschlag aus den beiden Spielen und nehmen unsere Jungs im Einzelnen unter die Lupe:

Unnerstall sah gegen Braunschweig bei beiden Gegentoren nicht gut aus. Beim 0-1 steht er dermaßen breitbeinig vor dem Gegner, dass der Tunnel fast schon zwangsläufig passieren musste. Und beim 1-2 reagiert er gar nicht erst – schon klar, den mit dem Fuß zu parieren, wäre schon weltklasse, aber wir hatten schon mal einen 1,97m Goalie, der solche Dinger auch mal pariert hat. Gegen Union war er wenig gefordert. Aber als Fazit seiner Einsatzzeit würden wir dazu tendieren, zu sagen: Rensing sollte nach Genesung wieder rein. Wir sind on jedem Fall aber weit entfernt von einem Torwart-Problem.

Schauerte hat sich zu einer Konstante entwickelt und spielte auch gegen Braunschweig und Union so. Ihm fehlt aber nach wie vor der kongeniale Partner auf dem Flügel – einer, mit dem er sowohl nach vorne als auch nach hinten die Aufgaben verteilen kann. Und, der Junge braucht Konkurrenz. Sonst wird er sich nicht verbessern. Erat spielte nach seiner Einwechslung auf der Position. Vielleicht wäre es den Versuch wert, unsere #25 umzuschulen? Auf der offensiveren Flügelposition war er nämlich bislang diese Saison zu harmlos – nach hinten aber fleißig.

Soares hat nach seiner persönlichen Krise und der Rückkehr ins Team eigentlich nur noch überzeugt. Seine Partie gegen Braunschweig dürfte zu seinen stärksten gehört haben. Er gewinnt alle Kopfballduelle, steht meist goldrichtig. Nur das Aufbauspiel ist nicht seins. Aber da haben wir alle wohl insgesamt eine Sorgenfalte weniger. Mit ihm stabilisiert sich unsere Abwehr.

Tah wirkte auf der 6er-Position etwas verloren. Es leuchtet aber wohl jedem ein, dass das schlicht und ergreifend an der neuen Aufgabe lag. Seine Zweikampfwerte waren schon gegen Braunschweig sehr gut, obwohl er leider den einen entscheidenden vor dem 0-1 gegen Unsympath Nielsen verlor. Wir freuen uns auf die verbleibende Zeit mit ihm.

Bodzek hat sich glücklicherweise schon gegen Braunschweig – aber auch gegen Union – wieder gefangen. Es war ja schon zum Haare raufen, was er sich gegen Fürth, Aalen und Sandhausen geleistet hatte. Er kriegte die Aufgabe als Linksverteidiger (zumindest die Defensivaufgaben) gut hin und spielte auch wieder ordentlich in der Innenverteidigung. Trotzdem scheint derzeit das Duo Soares-Tah etwas stärker zu sein. Schwierig für Reck – immerhin ist Bodze unser Captain.

Axel bekam sehr viel zu tun, weil unsere Gegner ganz offensichtlich diese Abwehrseite seit der Verletzung von Schmitz als Schwachstelle ausgemacht haben. In Braunschweig war Axel nicht dabei (nur kurz zum Ende der Partie), aber gegen Union spielte er solide. Sein Volldampf nach vorne kam aber selten auf. Vielleicht tut ihm die Pause jetzt ganz gut. In jedem Fall war sein Spirit wieder voll zu spüren.

Pinto hat wegen der 5. Gelben Karte gegen Union gefehlt. Gegen Braunschweig ließ er wieder manche Qualitäten missen – im Passspiel, bei der Pflicht, Ruhe in den Spielaufbau zu bringen. Da fehlt auch noch bei ihm die Konstanz. Als Typ halten wir ihn aber für eine absolute Bereicherung. Und er hat in vielen Partien (den vielen Spielen, bei denen wir Rückstanden hinterherlaufen mussten) für den richtigen Kampfgeist gesorgt. Das tut dem Team gut.

Avevor dürfte insgesamt zu den absoluten Gewinnern der Hinrunde gehören. Gegen Braunschweig war er der Einzige, der wirklich überzeugen konnte. Viele Bälle erobert, sehr gut behauptet und manchmal auch gute Pässe gespielt – da gibt es aber noch Luft nach oben. Seine Verletzung war daher sehr schade – so musste sein Buddy Tah ran; und der konnte ihn natürlich nicht ersetzen. Unsere #5 ist ein echt guter Ty

Liendl ist schon eine Nummer für sich. Kann man sich leisten, so jemanden mal auf die Bank zu setzen? Ihn nicht spielen zu lassen? Er ist einfach der Typ Spieler, dem 9 von 10 Aktionen misslingen, doch die 1 kann ein Tor oder ein Assist sein. Sprich: wenn man ihn nicht bringt, wird man die 1 Szene eben nicht zu sehen bekommen. Davon haben wir aber zuletzt zweifelsohne zu wenig gesehen. Und deshalb musste er trotz seiner guten Abschlüsse auf die Bank und Bolly hat ihm dann gezeigt, wie es eben gehen kann. Reck wird sich um Liendl kümmern müssen. Jeder weiß, was unser #10er kann – er muss es nur wieder abrufen können.

Gartner spielte gegen Union wieder viel besser. Unvergessen, wie er nach seinem großen Bock im Mittelfeld (fürchterlicher Fehlpass) wie von der Tarantel gestochen, hinter dem Berliner hinterherrante und mit ein wenig Mithilfe seiner Abwehrreihe die soeben verlorene Pille zurück eroberte. Anspielbar ist er auch – bewegt sich unheimlich viel. Das Auge für die „großen“ Pässe hat er – in der Umsetzung scheint es aber noch zu hapern. Nun denn – mit 21 Jahren ist man zwar im Fußball heutzutage schon nicht mehr „Jungspund“, aber es ist jawohl klar, dass so einer noch sehr viel Entwicklungspotenzial hat. Auf datt da noch watt kütt!

Halloran wacht so langsam aber sicher aus seinem post-WM-Dornröschen-Schlaf auf. Er war sicher kein Highlight gegen Braunschweig trotz seiner Bude. Und gegen Union war er nicht mehr als „sehr bemüht“. Aber er wirkt nicht mehr apathisch und etwas entschlossener in seinen Aktionen – auf dass er in der Winterpause zu alter Form findet. Und er muss verdammt nochen’s mehr nach hinge donn…

Golley war Teil des Offensivwahnsinns, den Reck zum Ende der Partie gegen Union noch aufbot. Hoffentlich HOFFENTLICH haben ihm diese Einsatzminuten gut getan. Er hat doch zum Ende der letzten Saison so viel Alarm gemacht. Wir wünschen uns sehr, dass er dieses Talent in sich wiederfindet und auf den Platz bringt. Seine Überraschungsaktionen und genialen Momente könnte unser Team noch vorne gut gebrauchen.

Benschop zeigte sich zuletzt eher von seiner harmloseren Seite. Umständlich in der Ballbehandlung und daher leicht zu verteidigen. Ihm sollte weder nach der Einwechslung in Braunschweig noch gegen Union Nennenswertes gelingen. Da er aber viel unterwegs ist, macht er die Abwehr müde und schafft Freiräume. Gegen Union war das mit ein Grund, warum die Berliner Abwehr zum Ende hin nicht mehr hinterher kam. Kurzum: Er braucht wieder mehr Tore.

Pohjanpalo war für uns „man of the match“ gegen Union Berlin. Er hat viele hohe Zuspiele verwaltet (= erobert und abgelegt), Spiel eröffnende Pässe gespielt und auch mal drauf gehalten. Gegen Braunschweig konnte er nicht glänzen – machte aber deutlich, dass er da vorne gefährlicher ist als Hoffer. Somit ist das Stürmerduo Benschop-Pohjanpalo in vielerlei Hinsicht das Stärkste, was wir derzeit aufbieten können.

Wir sind gespannt, was es ausmachen wird, wenn Lukas Schmitz wieder fit ist. Ebenso die Frage nach der Rückkehr der Langzeitverletzten Fink und Schmidtgal. Letzterer wird es enorm schwer haben. Nicht nur seine Verletzunganfälligkeit, sondern auch die starken Leistungen von Schmitz und Axel jeweils alleine auf links oder aber als „LuXel“-Duo auf links sprechen nicht unbedingt für ihn – so sehr es einem um ihn leid tut…

So, jetzt läuten aber schon die Weihnachtsglocken. Das FUPPES95-Duo INGO&ADNAN wünscht Euch allen Rot-Weiße Weihnacht (sofern Ihr es feiert) und kündigt an, sich in der Winterpause mit einer generellen Bestandsaufnahme und Wünschen für die verbleibende Rückrunde zu melden. Da haben wir alle ja bekanntermaßen dezidierte Meinungen und Vorstellungen 🙂

In diesem Sinne – Ho ho ho & 95OLÉ

Adnan & Ingo

Copy + Paste + Aluminium = 1-1

12 Aug

Die Fortuna gibt nach einer Führung wieder den Sieg aus der Hand; irgendwie erinnert das Spiel bei Union Berlin nicht nur an die Punkteteilung  der Vorwoche, sondern weckt leider sogar Erinnerungen an den Start in die letzte Saison. In der ersten Hälfte spielen wir die Hausherren an die Wand und laden sie praktisch im zweiten Durchgang dazu ein, den Ausgleich zu erzielen.

Die alte Försterei war mit knapp 20.000 Zuschauern gut besucht, ca. 2000 davon hofften auf einen Fortuna-Sieg. Den gab es ja in der Vorwoche bekanntlich leider nicht, da die Fortönn zwei mal die Führung aus der Hand gegeben hatte und den in der 2.HZ stark aufspielenden Braunschweigern wenig entgegen setzte und sich immer weiter in die eigene Hälfte drängen ließ. Wir waren gespannt wie unsere Jungs die dann doch gerechte Punkteteilung der Vorwoche verdaut hatte und wie sie das Match in Berlin angehen würden. Bevor wir dahingehend aber ins Detail gehen, schauen wir uns noch mal, wen Oliver Reck wo und warum aufs Feld geschickt hat.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Olli Reck würfelte die Truppe gehörig durcheinender, neben den beiden Neuzugängen Schauerte und Schmitz empfahl sich Benschop durch seinen Doppelpack im Testspiel gegen Turu für die Startelf, dadurch wurden Weber, Pohjanpalo und WM-Fahrer Halloran auf die Bank rotiert. Taktisch stellte unser Trainer auf ein 4-4-2 um, in dem sich die beiden Stürmer Hoffer und Benschop auch hin und wieder auf den Außenpositionen tummelten. Unser Trainer wollte also ein Zeichen setzen, um drei Punkte aus Berlin mitzunehmen und den faden Beigeschmack der Punkteteilung des 1.Spieltags mit dem zuckersüßen Geschmack des Sieges vergessen zumachen.

HZ1: Dominanz & verdiente Führung

Nach einer kurzen Abtastphase entwickelt sich eine ziemlich gute Halbzeit, gerade aus Fortuna-Sicht. Zwar hat Union die erste nennenswert Chance (die von Rensing hervorragend pariert wird), danach setzen sich aber immer mehr unsere Jungs durch. In der elften Minute tankt sich Heini Schmidtgal auf „seiner“ linken Seite durch und bedient Jimmy Hoffer , der eiskalt vollstreckt. Leider steht der Gute aber einen Mikrometer im Abseits… und der Linienrichter hat´s  auch gesehen, also kein Tor. Auch wenn es kein regulärer Treffer war, gab die Aktion der Fortuna doch ordentlich Auftrieb und nach und nach reißen Recks Recken das Spielgeschehen an sich. Unsere beiden Außenverteidiger werden nun immer wieder gut freigespielt und schaffen es, hinter die gegnerische Abwehr zu kommen. Liendl führt mit klugen Pässen die offensive Regie und die Dreierreihe um da Silva Pinto, Gartner und Schmitz dominiert das  Mittelfeld. Der Neuzugang aus Bremen ist es dann auch, der den Angriff einleitet, der uns jubeln läßt. Wie einstudiert, wird in der 30. Minute Kraftpaket Heini die  linke Linie lang geschickt und der kasachische Nationalspieler flankt flach in den Strafraum; Benschop und Pinto verpassen, aber Liendl steht goldrichtig und netzt souverän zur 1:0 Führung für die Fortuna ein. Ein Spielzug wie am Reißbrett geplant. Sehr schönet Dingen!

Berlin wirkt nun angeknockt und F95 hat jetzt die Möglichkeit den Sack zuzumachen, zwar gibt es bis zur Pause keine 100%igen Chancen mehr, trotzdem dominieren unsere Jungs deutlich das Geschehen auf dem Platz. So geht es dann also mit der absolut verdienten Führung in die Pause und wir hoffen darauf, dass der Sack halt in der zweiten Hälfte geschlossen wird.

HZ2: Kein Zugriff & Einladung an den Gastgeber

Die Gastgeber kommen mit komplett anderer Chuzpe aus der Kabine; die Eisernen stehen nun weitaus höher, attackieren früher und versuchen das Heft des Handelns wieder in die eigene Hand zu nehmen. Dies geht dann fast sofort in die Hose, da unsere Jungs zu diesem Zeitpunkt immer noch fokussiert sind und den zweiten Treffer erzielen wollen. Dank schnellem und präzisem Umschaltspiel kommt die Fortuna über Schmidtgal und die linke Seite vor das Tor der Berliner, Gartner kommt aus der Tiefe des Raums angerauscht und pöllt einfach mal voll drauf. Das Geschoss bollert mit einem lauten Knall gegen den linken Pfosten – Keeper Haas hätte keine Chance gehabt den Schuss zu halten. Schade, eigentlich! Kurzzeitig denken wir, dass es genauso weitergeht…. aber weit gefehlt! Wie in der Vorwoche zieht sich die Fortuna nun immer weiter zurück und will anscheinend den Gegner kommen lassen und per Konter zum zweiten Erfolg des Tages kommen. Hierbei gibt es jedoch ein gravierendes Problem: unsere Jung stehen einfach zu weit vom Gegner weg und bekommen einfach keinen Zugriff. Berlin scheint hingegen gut aufgepasst zu haben, denn das, was Fortuna mit den Gastgebern in der erste Hälfte angestellt hatte, kopieren die Hausherren nun 1:1. Mit schnellem Passspiel wird unsere Abwehr nun beinahe im Minutentakt aus den Angeln gehoben. Die Berliner scheinen unsere rechte Seite als Schwachpunkt ausgemacht zuhaben, denn Schauerte sieht sich nun oft zwei Gegenspielern gegenüber und hat dort meist das Nachsehen; eine gefährliche Flanke nach der anderen segelt in unseren Strafraum. F95 kann sich nun nur durch Fouls und wildes wegkloppen des Spielgeräts helfen. Es ist nichts mehr zu sehen von sicherem Aufbau aus der eigenen Hälfte. Bodzek und Soares klären ein- ums andere Mal zur Ecke und die Zahl der Standards für den Gegner steigt und steigt. Dass es dann nur eine Frage der Zeit ist, bis es dann mal scheppert, ist eigentlich nur logisch. In der 64.Minute kann Schauerte gerade noch zur Ecke klären, bevor wiederholt eine Flanke über Rechts in Rensings Strafraum segelt. Özbeck schlägt die Ecke auf den ersten Pfosten, Brandy verlängert und Benschop verliert  Gegenspieler Kreilach aus den Augen, der dann aus kurzer Distanz den Ausgleich erzielt.

In der Folge fehlt Berlin die Ruhe um ihrerseits den zweiten Treffer zu markieren, Fortuna bekommt immer noch keinen Zugriff und unsere Offensive findet einfach nicht mehr statt. In der 72.Minute bringt Reck dann Urgestein Lambertz für Juwel Gartner, um Löcher zu stopfen und über den Kampf wieder ins Spiel zu finden. Lumpi macht seine Sache ordentlich, denn in der Folge neutralisieren sich nun die Teams. Das Tempo bleibt hoch, aber Torchancen sind  Mangelware – auf beiden Seiten. Unser Trainer bringt dann noch Bolly für Hoffer um vielleicht noch mit der Flitzer-Trumpfkarte zum Siegtreffer zu kommen. Und tatsächlich, in der Nachspielzeit setzt sich Mathis durch und wird durch ein Foul in Strafraumnähe gestoppt. Da Silva Pinto schnappt sich die Kirsche und zirkelt sie gekonnt über die Mauer, aber leider auch gegen das Quergebälk; den Abpraller setzt Bodzek dann leider per Kopf über das Gehäuse der Berliner. Dann iset vorbei!

Personelles

Rensing hat ein ordentliches Spiel abgeliefert, zwei-drei Mal richtig stark reagiert und war am Gegentreffer schuldlos. Für den Rest der Truppe müßte man eigentlich beide Spielhälften einzeln bewerten, so unterschiedlich waren doch teilweise die Leistungen. Die beiden Innenverteidiger Bodzek und Soares waren aufmerksam und in der Defensive sicher, das Aufbauspiel in der 2.Hälfte hingegen war zu hektisch und unpräzise. Schmidgal war einer der Besten auf dem Platz, Schauerte konnte zeigen, dass er für einen AV eine Menge Offensivpotential mitbringt, wurde aber oft auf seiner Seite allein gelassen und in der Folge zu oft ausgespielt. Gartner, da Silva Pinto und Schmitz beherrschten in der ersten Hälfte das Mittelfeld mit Kampfkraft und klugen Pässen, im zweiten Durchgang waren alle Drei kaum zu sehen und konnten das Spiel der Fortuna nicht mehr ordnen;  ähnlich verhält es sich mit unserem 10er Liendl: Spielwitz, Sahnepässe und Führungstor wurden gefolgt von Lethargie und Abtauchen.  Hoffer und Benschop waren stetige Unruheherde bis zum Halbzeitpfiff und hingen nachher eigentlich nur noch in der Luft, da nichts Verwertbares aus dem Mittelfeld mehr kam. Der eingewechselte Lambertz hat in typischer Manier das Kampfschwein gemimt und Löcher gestopft und Bolly hat es wenigstens nochmal probiert und zumindest eine leichte Brise frischen Wind gebracht.

Fazit & Ausblick

Also, irgendwie war es doch ein Fehler in der Matrix, oder? Wir hatten die Berliner doch voll im Griff und haben ihnen kaum Platz zum Luft holen gelassen. Dabei haben wir erneut nach einem wunderbaren Angriff eine geile Liendl-Bude zur Führung gesehen. Leider haben wir dann aber doch wieder das Spiel dem Gegner überlassen und den Ausgleich kassiert. Wieder waren wir zu weit weg vom Mann und haben gar keinen Zugriff mehr auf die Partie bekommen. Aber halten wir mal fest: Es ist wichtig, solche Spiel erst mal NICHT zu verlieren. So blöd das klingt; es ist einfach wichtig, nicht als Verlierer vom Platz zu gehen. Und mal ehrlich: Wären entweder Gartners Granate oder Pintos Kunstschuss reingegangen, wären wir nun voller Euphorie – jaja, hätte hätte, Fahradkette; es geht nur darum, zu verdeutlichen, wie wenig eigentlich gefehlt hat. Nun ist erst mal Pokal: Wir haben einen schwächeren – aber nicht zu unterschätzenden – Gegner vor uns. Hier denken vielleicht viele, dass dies ein guter Test für das darauffolgende Heimspiel gegen den stark startenden KSC sein könnte. Aber diese Denkweise ist gefährlich, gerade in einer Situation wie dieser, denn die Erwartungshaltung: „Die Lullis hauen wir doch locker weg!“ ist in der jüngeren  Vergangenheit zu oft nach hinten losgegangen. Wichtig ist es nun, dass das Spiel gewonnen wird und unsere Truppe Selbstvertrauen tankt. Die Erinnerungen an die letzte Saison sind irgendwie immer noch zu frisch; auch hier wurde zu Beginn unter Büskens phasenweise richtig schöner Fußball gespielt, aber ebenso ziemlich dämlich Punkte hergeschenkt, weil die Mannschaft nur jeweils für eine Halbzeit dazu in der Lage war „die PS auf die Straße zu bringen“.  Also, bitte den Gegner ernst nehmen, in die nächste Runde einziehen und Mojo tanken!

Nun wollen wir mit unserer Frage der Woche ein erstes Stimmungsbild zeichnen und von Euch wissen, wie Ihr die Situation nach den ersten beiden Spielen beurteilt:

 

Wir hoffen auf jeden Fall darauf beim nächsten mal von einem Sieg berichten zu können!

In diesem Sinne – 95OLÉ!

Adnan & Ingo

Montags-Tristesse in Köpenick

20 Aug

Unsere Jungs zeigen eine Leistung, die stark an die schwache Rückrunde der Vorsaison erinnert. Auch in der 2. Bundesliga reicht es nicht, bis zur 15. und ab der 75. Minute Gas zu geben. So verlieren wir verdient mit 1-2 gegen wenig gefordere Köpenicker.

Halten wir zu Beginn mal kurz fest: Der 1. FC Union Berlin gehört zu den wenigen Glanzlichtern des deutschen Profifußballs. Denn dieser Verein ist im Gegensatz zum durchkommerzialisierten FC St. Pauli tatsächlich alternativ und unabhängig. Das wurde im Zuge der Debatte um das DFL-(Un)Sicherheitspapier besonders deutlich, als sich der Verein alleinstehend dagegenstemmte. Aber auch das Erlebnis in der kleinen, aber feinen „Alten Försterei“ zeigt, dass im Köpenicker Club viel Herzblut steckt. Und sie dürften nach unserem André Scheidt den wohl sympathischsten Stadionsprecher haben. Nun aber genug der Lobhudelei…

Vorzeichen und die Startelf

Schon im Vorfeld des Spiels war uns irgendwie mulmig zumute. Union hat uns schließlich noch nie gelegen. Die letzten Ergebnisse mitsamt der mageren Torausbeute ließen ebenfalls keine echte Hoffnung auf ein Fortuna-Feuerwerk zu. Aber vielleicht würden wir ja eine Antwort der Mannschaft auf das Pokalaus und die Heimpleite gegen 1860 kriegen. Natürlich stellte sich die Frage, was für ein Team Mike Büskens aufstellen würde. Setzt er Levels ein? Gibt es Änderungen in der zuletzt so uneffizienten Offensivabteilung? Da der Tansfer von Ösi-Stürmer Hoffer sich natürlich nicht mal eben über’s Wochenende arrangieren ließ, musste unser Coach erst mal auf eine neue Option im Angriff verzichten. Und so ließ er die gleiche Elf beginnen wie am letzten Spieltag. Das macht aus zweierlei Gesichtspunkten Sinn: Zum einen wurde abgesehen von der mageren bis gar nicht existenten Torausbeute teilweise ansehenlicher Fußball gespielt. Zum anderen ist klar, dass sich die Jungs vorne einspielen müssen. Da ist es richtig, nicht ständig Umstellungen vorzunehmen. Gerade bei lauffreudigen und sprintstarken Spielern wie Bolly, Kenia und Axel macht es Sinn, die jeweiligen Laufwege miteinander abzustimmen. Und Benschop müsste ebenfalls von seinen Teamkollegen „verstanden“ werden, um entsprechend in Szene gesetzt zu werden.

Nach gutem Start das Feld dem Gegner überlassen.

Der Start ins Spiel verlief eigentlich gar nicht so schlecht. Union schien abzuwarten, was von uns so kommt. Das ein oder andere Mal, kamen wir auch gut vorwärts, doch wie so oft fehlte der präzise Pass oder der gefährliche Torabschluss. Doch schon die ersten Angriffe der Unioner machten nach etwa 10-12 Minuten klar, wer hier den direkten Zug zum Tor hat. Fast jede Flanke, jede Ecke und jedes Zuspiel Richtung Tor wurden gefährlich. Unter dem Pressing der Gastgeber schaffte es die Fortuna immer weniger, ihr eigenes Spiel aufzuziehen. Es häuften sich Fehlpässe bereits im Spielaufbau der Verteidigungslinie. So erspielen sich die „Eisernen“ mit wachsendem Selbstvertrauen und aufopferungsvollem Kampf dann so langsam die ersten Chancen. Besonders über unsere rechte Seite machen die Berliner über den starken (aber immer noch ätzenden) Köhler reichlich Druck. Giefer kann zunächst die anschwellenden Gefahrenherde bändigen und zeigt als einziger Fortune Normalform. Die Pressing orientierte Spielweise beider Mannschaften resultiert in hektisch anmutendem Tempo in der ersten Hälfte, was dazu führt, dass die Schwächen im Aufbauspiel unserer Jungs wieder sehr deutlich werden. Der wie immer sehr bemühte Lumpi (Stichwort: Praktikumszeugnis), aber auch Bodzek schaffen es leider nicht, unser Spiel zu ordnen oder mal Ruhe rein zubringen. Kenia hat ebenfalls zu wenig Zugriff auf die Spielordnung, da er als hängende Spitze taktisch zu weit vorne positioniert ist und keine Gestaltungsmöglichkeit im Mittelfeld hat. Ab Mitte der ersten Hälfte wird die Partie zudem ruppiger. Schiri Dingert lässt dabei jedwede Linie vermissen. Während die Hausherren unsere Jungs wegholzen, ohne verwarnt zu werden, bedeutet jedes härtere Einsteigen von unserer Seite fast direkt Gelb. Das hemmt natürlich im Zweikampfverhalten und man hat es schwer gegen eine robuste Truppe wie die „Eisernen“.

Das 0-1

Unser Mathis Bolly ist ja nun wirklich ein schneller Zeitgenosse. Das aber körperliche Schnelligkeit wenig wert ist, wenn man nicht schnell schalten und rechtzeitig antizipieren kann, wird leider bei ihm immer augenscheinlicher. Wenn er mal zum Flügellauf ansetzt, kommen selten Abschluss oder Abspiel zur richtigen Zeit. Seine zu offene Ballführung macht es dem Gegner zudem recht leicht, ihn zu verteidigen. Wenn dann ein Team so auf die Hacken geht wie Union, ist unser norwegischer Ivorer leider überfordert. So auch bei der Entstehung des 0-1. Levels spielt einen (zugegeben) zu schwach gespielten Pass zur Spieleröffnung auf Bolly. Das MUSS Bolly eigentlich sofort erkennen und genau das tun, was Ingo sich in der D-Jugend immer von seinem Trainer hat sagen lassen müssen: DEM BALL ENTGEGEN GEHEN! Doch das tut Bolly nicht, sodass ein Unioner auf Höhe der Mittellinie, resolut dazwischengehend die Pille erobert und den Konter einleitet. In solchen Situation stimmt dann bei unseren Jungs derzeit gar nichts. Wie ein Hühnerhaufen fehlt jede Zuordnung und Orientierung. Das nutzt Nemec und netzt nach mustergültig hereingegebener Flanke von unserer rechten Abwehrseite zum 0-1 ein. Zwei verdammte Minuten vor der Pause… Doch nach dem Spielverlauf leider nicht unverdient.

2. HZ: Der lähmende Geist der Rückrunde ist noch da

Wir erhoffen uns zur zweiten Halbzeit eine Reaktion der Mannschaft. „Buyo“ kann doch die Mannschaft in der Kabine wachrütteln, oder nit? Und tatsächlich scheint der Berliner Flow auch erstmal unterbrochen zu sein und zaghaft werden erste ansehliche Fußballmomente bei der Fortuna erschaffen. Auch die Körpersprache stimmt. Der für Bolly eingewechselte Gianniotas, der sich in der Halbzeit warm macht, als würde er gleich um sein Leben spielen, hat sicherlich auch damit zu tun. Ohne Anlaufschwierigkeiten bringt er sofort seine Dynamik ins Spiel. Aber genau in dieser Phase, in der wir langsam etwas Mut schöpfen, machen uns die Berliner einen ziemlich fetten Strich durch die Rechnung. Union-Legende Mattuschka zwirbelt die Kirsche nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld angeschnitten und scharf in den Fortuna-Strafraum. Solche Hereingaben sind ohnehin schwer zu verteidigen. Doch wenn der Innenverteidiger dann noch seinen kopfballstarken Gegenspieler aus den Augen verliert, klingelt es eben recht fix im eigenen Kasten klingelt. Nemec enteilt Bomheuer und nickt erneut unhaltbar für Giefer zum 0-2 ein.

Die Mannschaft wirkt mental angeschlagen, so dass einem ein wenig bange wird. Da merkt man, dass das Rückrunden-Trauma eben noch nicht komplett aufgearbeitet wurde und der Stachel im Selbstvertaruen ziemlich tief sitzt. Das Ausbleiben der eigenen Erfolgserlebnisse in den ersten Saisonspielen hat den positiven Spirit des Trainerwechsels bereits ins Wanken gebracht. Seltsamerweise sitzt Herr Büskens auch fast durchgehend, anstatt – wie im ersten Spiel gegen Cottbus – an der Seitenlinie Alarm zu machen. Die Eisernen sind jetzt entspannt und nehmen ordentlich Tempo raus. Sie passen sich das Spielgerät in den eigenen Reihen mühelos hin- und her und unsere Jungs rennen nur hinterher. Wenn sie mal in Ballbesitz sind, ist die Kugel nach zwei, drei Kontakten wieder futsch. Hierbei „glänzt“ jeder (von Giefer bis Benschop) mit eklatanten Abspielfehlern ohne Druck vom Gegner. Dazu singen die Berliner Fans in ohrenbetäubender Lautstärke das ewig gleiche Lied und zermürben den Spassfaktor noch weiter.

Positiver Ruck kommt viel zu spät

Nach der x-ten misslungen Offensivaktion von Lumpi reagiert Büskens das erste Mal und bringt für ihn Fink ins Spiel. Da auch er offensiv nicht viel beweg, bringt Büskens dann noch Reise für Bodze. Fortan wird im 4-1-3-2 gespielt. Jetzt endlich spielt Kenia auf einer echten 10 und hat zwei Stürmer vor sich. Das bringt natürlich wesentlich mehr Druck. Auch wenn sich Union jetzt bewusst zurück zieht, merkt man, dass unsere Jungs nun etwas mehr wagen wollen. Doch dabei zeigt sich in einigen Szenen, dass die Laufwege absolut nicht stimmen – etwa, als Axel in Volltempo auf den 16er zurennt und Kenia augenscheinlich nicht weiß, wo er hinrennen soll und Axel so keine Abspielmöglichkeit sieht. Solche Angriffe gehen natürlich ins Leere. Besonders bitter war auch die Situation, in der sich Reise und Benschop regelrecht über den Haufen rennen. Wie stellt man so etwas ab…? Immerhin gelingt aber der Anschlusstreffer. Nach schöner Flanke von Levels, lässt Benschop den Ball (den er aber auch nicht gekriegt hätte) gewähren und Axel trifft allein stehend mit etwas Glück zum 1-2. Danach bäumt sich unsere Truppe noch mal auf und Reise hat den Ausgleich tatsächlich auf dem Kopf, doch der vor dem Spiel zum Unioner des Jahres gekürte Torwart Haas bedankt sich dafür mit abartig großartigem Reflex und hält den Sieg für sein Team.

Alt bekanntes Muster deutlich erkennbar. 1-2, unser Standardergebnis!

Das Spiel hat bedauerlicher Weise Erinnerungen an die vergangende Rückrunde wach gerufen. Zu offensichtlich waren da die Parallelen: der Gegner geht mit „unseren“ Tugenden ins Spiel, wir geraten durch zwei unnötige Eiertore in Rückstand. Die wenigen erspielten Chancen werden liegen gelassen und die Standards verpuffen wirkungslos. Das Selbstvertrauen sinkt von Minute zu Minute und in der Schlussphase fällt der Mannschaft (HUCH!) auf, dass das Spiel ja fast vorbei ist und man ja vielleicht doch noch mal wat reiße kann… Dann plötzlich doch noch der Anschlusstreffer, aber nur damit die Enttäuschung dann noch größer wird, weil’s zum Ausgleich natürlich doch nicht mehr reicht. Beim Schreiben dieser Zeilen wird einem wirklich klar, wie sehr dieses Muster aus den letzten Monaten bekannt ist. Es wird wirklich Zeit, dass gegen Bochum das Ruder rumgerissen wird, denn vom Gefühl und von der Tabellensituation her ist die Fortuna dem Negativstrudel der letzten Rückrunde noch nicht entkommen. Hoffen wir also, dass Ösi-Sturmkanone Hoffer unserem Angriffsspiel neue Impulse verleiht und wir Neururers Ruhrpott-Truppe am Sonntag mit Ilsö aber ohne Punkte wieder nach Hause schicken – wir geben zu, dass das ein wenig nach Durchhalteparole klingt, aber watt soll’s…

Personelles

Es kann wohl gesagt werden, dass das Team in Gänze ein absolut schwaches Spiel abgeliefert hat. Wir wagen dennoch den Vorschlag einiger personeller Änderungen, die besonders notwendig erscheinen: 1) Latka unbedingt fit kriegen und für Levels in die Innenverteidigung. Ob Levels dann auf die Bank oder auf die rechte Seite geht, ist uns schnurz. 2) Lumpi mal bitte eine Pause gönnen. Fink hat einen Startelfeinsatz verdient. Oder aber Büskens wagt es, mit nur einem Sechser zu spielen und stattdessen einen zweiten Stürmer zu bringen. So könnte Kenia eine echte #10 beziehen und Benschop mit Reise von Anfang spielen. 3) Gianniotas mal von Anfang an rechts auflaufen lassen. Bolly war zuletzt leider viel zu schwach. Darüber hinaus wäre es mal wünschenswert, jemanden wie Wegkamp oder die neue #23 Halloran auf dem Platz zu sehen. Muss ja nicht gleich die Startelf sein, aber ein wenig mehr Umsetzung der vielen Transfers gäbe uns auch das Gefühl, dass da wohlüberlegt transferiert wird.

Alles in Allem haben wir erst den vierten Spieltag. Es ist nun mal einiges neu bei der Fortuna. Da kann es dauern, bis das Team in Tritt kommt. Hoffen wir nur, dass bis dahin die Tabellenspitze nicht bereits enteilt ist.

Kommenden Sonntag gegen Bochum wissen wir mehr.

Bis dahin – 95 Olé

Ingo & Adnan

P.S.: Ach ja… Sky… wir können einfach nicht aufhören, uns über Euch aufzuregen. Es ist jedesmal leider zum Haarerausreißen, wie Fußballübertragungen mit schlechten Schnitten, grenzdebilen Grinsehühnern mit Mikrofon, hörgeschädigten Praktikanten an den Audio-Reglern und einer unerträglichen Amerikanisierung der Gesamtübertragung von Euch verschandelt werden! Wenn Ihr dann noch die Gebühren für Kneipen einfach mal so VERDOPPELT und man als Nicht-Sky-Nutzer Montags keine Highlights mehr auf Eurer Webseite schauen kann, vollendet Ihr echt mal das Scheiße-Sein.