Tag Archives: Stelios Malezas

Angenehmer Rollentausch am Betze

11 Dez

Unsere Jungs fahren am Betzenberg einen Auswärtssieg ein, der sich wahrlich gut anfühlt. Es war sicherlich viel Glück dabei. Doch das hat sich das Team durchaus erarbeitet. Oliver Reck feiert einen gelungen Einstand Dank Hoffers Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Endlich mal wieder ein Spiel, bei dem die Fortuna einfach mal Fortuna sein darf: So, wie sie es kann. Die Jungs waren die komplette Vorrunde mit der Favoritenrolle als Bundesligaabsteiger absolut überfordert. Die Vorgabe der Verantwortlichen, dominanten Fußball zu spielen, stellte die Jungs vor größte Probleme. Schließlich war es der selbe Kader, mit dem man zuvor auf Konter spielte. Jahrelang war es die Mannschaft unter Meier gewohnt, den Gegner das Spiel machen zu lassen und selber auf Gegenangriffe zu setzen. Bereits in der Aufstiegssaison, als wir die Rückrunde in der Zweiten Liga als Aufstiegsaspirant bestritten, taten wir uns unendlich schwer. Doch eben diese Außenseiter-Rolle durfte unsere Truppe nun in Lautern wieder aufnehmen; schließlich war der Hausherr klarer Favorit.

Aufstellung & Formation

Tja, und wen sollte (Interims?)Trainer Oliver Reck beim heißen Tanz auf dem Betzenberg nun aufs Feld schicken? Wir waren gespannt wie Flitzebögen! Nach seinem mystischen Bankdrückertum fand Stelios Malezas endlich wieder  den Weg in die Innenverteidigung neben Latka; Levels verteidigte auf Rechts und etwas überraschend spielte der wiedergenesene Bomheuer den linken Part der Viererkette. Wie gegen den KSC übernahmen Fink und Gartner das zentrale Mittelfeld. Ben Halloran bepflügte die linke Außenbahn und mit Tugrul Erat durfte im rechten Mittelfeld ein echter Jung-Fortune ran, der großen Anteil am derzeitigen Höhenflug der „Zwoten“ hat (stolze 12 Scorerpunkte – darunter vier Tore). Kurzum: ein hoch verdientes Debut. Hoffer und Benschop komplettierten die Startelf und es entstand ein 4-4-2 mit zwei echten, wenn auch flexibel und beweglichen Stürmern; taktisch war die Mannschaft trotzdem sehr defensiv eingestellt. Das war aber auch in Ordnung so, denn FCK Trainer Kosta Runjaic hatte  sein mit 2.Liga Top-Spielern (Idrissou, Occean, Löwe, Fortounis, Dick) gespiektem Team eher eine offensive Marschroute eingeimpft.

1. HZ: Catanacio Deluxe & „italienische“ Effizienz

Direkt ab Anpfiff machen sich die taktischen Ausrichtungen sofort bemerkbar: Lautern setzt komplett auf Angriff- und unsere neuformierte Abwehr sofort unter Druck. In den ersten 20 Minuten spielen eigentlich nur die „Roten Teufel“, die Fortuna steht tief in der eigenen Hälfte und attackiert den Gegner erst ab der Mittellinie. Aber man merkt zu Beginn, dass sich die Jungs erstmal finden müssen. In dieser Phase spielt sich der Gegner einige gute Chancen heraus, die aber allesamt leichtfertig oder glücklos vergeben werden. Giefer steht zudem absolut sicher. Danach werden unsere Jungs auf einmal sicherer und ziehen einen klassischen Catanacio auf, während Lautern anfängt, an dem angerührten Fortuna-Beton zu verzweifeln. Der handlungsschnelle und passsichere Gartner und „Grätschmeister“ Fink machen die Mitte dicht und beginnen nun auch, das Konterspiel anzukurbeln. Benschop rackert wieder für Zwei und selbst Hoffer merkt man an seiner alten Wirkungsstätte an, dass er besser im Spiel ist als bei seinen bisherigen Auftritten für die Fortuna. Die Angriffe der Lauterer werden zusehends ratloser, denn es wird immer öfter das hohe Anspiel in die Spitze probiert, aber Fabian Giefer, der an diesem Tag eine exzellente Strafraumbeherrschung zeigt, fängt die Pfälzer Bemühungen ab.

In der 31. Minute wird dann der erste gefährliche Angriff von der Fortuna direkt in Zählbares umgemünzt. Bei den Gastgebern versagt die Abseitsfalle kläglich und Benschop schickt seinen österreichischen Sturmpartner mit einem Traumpass in die Gasse Richtung Tor: „Jimmy“ macht das dann richtig klasse: gute Ballannahme, schneller Antritt, Torwart Sippel beim Rauslaufen schön ausgeguckt und mit einem satten und flachen Linksschuss markiert er dann sein erstes Liga-Tor für F95! Der Treffer tut unseren Jungs merklich gut und spielt uns taktisch bestens in die Karten. Mittlerweile sitzt die Abwehr sattelfest und wir haben gezeigt, dass wir vorne watt hinkriegen. Die Fehlerrate ist überraschend gering und Lauf- und Kampfbereitschaft stimmen auch. Die Fortuna zieht nun die Betonwand sogar noch ein Stück höher,  Benschop ist so oft beim Aushelfen am eigenen Strafraum zu finden – fast so, als wäre er etatmäßiges Mitglied der Viererkette. Wir müssen jedoch festhalten, dass unsere Defensive enorm viel zulässt; aber die Belzebuben waren einfach nicht konsequent. Also: Führung zur Pause!

2. HZ: Lauterer Verzweiflung und ein bißchen Glück 

Oliver Reck war schon während der ersten Halbzeit ein echter Aktivposten in der Coachingzone; Anfeuern, Dirigieren und Verbessern, alles dabei; lautstark und dynamisch coacht er die Jungs von der Seitenlinie. In einer exemplarischen Szene gestikuliert er zu seinen Spielern, sie sollen mit breiter Brust auf dem Platz agieren. Ein wichtiges Signal und es scheint zu fruchten: Denn unsere Jungs sind genau so entschlossen wie in der ersten Halbzeit und strahlen insgesamt wesentlich mehr Sicherheit aus. Lautern versucht zwar sofort wieder das Heft in die Hand zu nehmen, findet aber weiterhin kein Mittel, unseren Kasten wirklich zu gefährden. Als dann in der 68. Minute (für uns zunächst etwas überraschend) Paurevic für Benschop eingewechselt wird, findet der Gegner in unserer Hälfte noch weniger Raum. Und wir verstehen es, immer besser, Konter zu setzen. Erat und Hoffer verpassen es leider, den Sack frühzeitig zu zumachen. Sippel pariert zwei Mal stark. FCK-Trainer Runjaic leitet mit den Einwechslungen von den Offensivakteuren Zoller und Ex-Fortune Marcel Gaus die Schlussoffensive ein und wird dafür sogar fast noch belohnt. In der 86. Minute erzielt Zoller nach einem Zuspiel von Olivier „Billy“ Occean den eigentlich regulären Ausgleichstreffer… aber auch wir haben mal Glück: Das gute (weil ansonsten sehr unscheinbare) Schiedsichtergespann entscheidet auf Abseits! Puh – Schwein gehabt! In der Nachspielzeit zelebriert dann der überragende Giefer noch eine kleine Flugeinlage – als Zoller knapp am Tor vorbei semmelt, dann: Abpfiff, Erleichterung, Jubel!

Personelles & Ausblick

Klar, Lautern hat eine Chancenverwertung an den Tag gelegt, die fast schon peinlich anmutete. Jedoch hat Giefer einen enorm starken Auftritt hingelegt. Die Wechselgeschichte zu Schalke wurde wieder ausgebuddelt – fast exakt ein Jahr nach den ersten Spekulation. Doch diesmal war er unbeirrt und strahlte beeindruckende Präsenz aus. Er hat einen großen Anteil am „zu null“. Dahingegen ist Latka noch weit von Normalform entfernt. Er foult viel häufiger als sonst und ist auch nicht mehr so eine Bank im Zweikampf. Hoffen wir, dass er sich mit Malezas, der im Vergleich sicherer war, schnell wieder einspielt. Levels war auf Rechts unauffällig, Bomheuer hingegen machte in vielen Szenen klar, dass er kein Außenverteidiger ist. Er wurde häufig ausgespielt, da er auf den Punkt den Zweikampf suchte, statt den Gegner im Lauf zu „stellen“. Garnter dürfte sich seinen Stammplatz nun sicher erarbeitet haben. Fink war „okay“. Kurz vor Schluss leistete er sich aber erneut einen fatalen Ballverlust, den der 1. FCK an anderen Tagen gerne zum last-minute-Ausgleich genutzt hätte. Erat hat ein riesiges Debut gespielt. Er harmonierte gut mit Levels und konnte gefährliche Offensivakzente setzen. Halloran war da etwas blasser. Das mag aber eben auch an seinem Partner auf link gelegen haben. Bomheuer tat eben nichts für die Offensive. Benschop ist wirklich ein unermüdliches Arbeitstier, der nach 60-70 Minuten völlig ausgepumpt ist. Sein Assist auf Hoffer war spitze – und Jimmy hätte es eigentlich verdient gehabt, vor Jubel zu explodieren. Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber tat er es jedoch nicht.

Kommenden Samstag geht es zur krisengebeutelten Kotzbusser Energie. Auch wenn wir auf dem Papier dann nicht mehr Außenseiter sind, sollten wir die Hausherren ebenso wie in Lautern einfach kommen lassen. Schließlich sind die mächtig unter Zugzwang. Mit dem Aufwind aus Kaiserslautern könnten wir auch dort dann wieder gezielt zustechen. Fink hat seine Fünfte Gelbe bekommen. Somit dürfte Lumpi wieder ins Team rücken. Gianniotas dürfte auch wieder fit sein. Vielleicht darf auch er sich Chancen ausrechnen – für Halloran? Hinten links war Christian Weber wesentlich stärker als Bomheuer. Mal sehen, was sich Olli Reck da einfallen lässt.

Wir können nur hoffen, dass unsere Jungs den Geist vom Betze positiv aufgreifen und sich weiterhin stärken, um am 22. Dezember… Ja, Ihr wisst schon 😉 Aber jetzt erst mal den Blick nach Cottbus richten, richtig? Richtig! In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Advertisements

Geeeeht doch, Maaaaaaann!

9 Okt

Nach einer fürchterlichen ersten Halbzeit drehen unsere Jungs ein umkämpftes Spiel gegen Fürth und fahren einen Dreier ein, der unendlich wertvoll ist und vielleicht sogar die große Wende in dieser bisher vorkorksten Saison einleitet. Vielleicht…

Die katastrophalen Leistungen aus dem Spiel gegen den FSV sowie die ewigen Verletzungssorgen veranlassten Mike Büskens erneut dazu, gegen seinen Ex-Club die Startelf komplett durcheinander zu würfeln. Diesmal waren wir aber positiv überrascht: Unser Trainer entschloss sich dazu, mit Paurevic und Halloran gleich zwei unverbrauchte Startelf-Debütanten ins Rennen zu schicken. Dazu verdrängte Benschop vorne Bancé und Axel begann auf Links für den verletzten Gianniotas. In der Innenverteidigung gesellte sich Soares wieder neben Malezas. Unser aller Flehen nach Einsatzchancen für unsere Jungspunde wurde also zumindest teilweise erhört; das Konzept der Doppelsechs bestehend aus einer Kombination der drei F95-Recken Bodzek, Fink und Lumpi wurde duchbrochen. Eine deutliche Leistungssteigerung blieb vor allem die ersten 50 Minuten aus – widmen wir uns mal dem Spielgeschehen…

HZ1: Beschissener geht´s nicht!

Wie beschreibt man die wohl schlechteste Fortuna-Halbzeit, an die wir uns erinnern können? Am besten gar nicht, denn wir haben uns in den letzten Wochen und Monaten eh schon die Fingerkuppen wund gehackt, weil wir über unzählige Fehlpässe, lahmes Umschaltspiel, nicht-vorhandene Präzision oder Konzentrationsmängel der Rot-Weissen zu schreiben hatten. Bis zur 14. Minute läuft die Partie eigentlich ganz ok. Unsere Jungs scheinen gewillt, was zu zeigen. Das hatten wir ebenfalls des Öfteren gesehen. Aber nach der Abtast-Phase klappt das Nervenkostüm der Mannschaft zusammen, wie ein im Wind gebautes Kartenhaus. Ein Mißverständnis der Marke „Nimm Du ihn, ich hab ihn sicher!“ zwischen Soares und Malezas führt zu einem Freistoß gute 25 Meter vor Giefers Kasten. Der Ex-Bremer Trinks läuft an und schießt. Die Mauer springt natürlich genau an der entscheidenden Stelle nicht hoch. Der scharf geschossene Ball zischt drüber und Giefer kann das Spielgerät nur noch aus dem Netz holen. Wieder mal ein Sonntagsschuss, wieder liegen wir hinten. Danach folgt der bereits angedeutete spielerische Offenbarungseid der Fortuna und wir können froh sein, dass wir nur mit einem Tor Rückstand in die Pause gehen. Wir waren so schwach, dass Fürth offenbar keine Notwendigkeit sah, hier frühzeitig den Sack zuzumachen. Aufs Tor brachten sie nichts – aber durchaus gefährliche Distanzschüsse. Kurzum: Schwein gehabt!

HZ2: Fortuna versöhnt sich mit der Glücksgöttin

Wie gerne hätten wir bei der Halbzeitansprache von Mike Büskens Mäuschen gespielt… Es muss etwas Besonderes gewesen sein. Hat er die Jungs damit angestachelt, dass man über die gesamte Länderspielpause von 14 Tagen ein mediales Horror-Szenario zu erwarten habe, wenn die Leistung so bliebe? Hat er die Spieler bei der Ehre gepackt und sie energisch auf die „Wir wollen Euch kämpfen sehen“ Rufe hingewiesen, die es seit Uhrzeiten nicht mehr in Düsseldorf gegeben hatte, oder hat „Buyo“ eine „Braveheart-Rede“ gehalten, in der er die Fortunen auf den einen Moment einschwört, in dem alles möglich ist und der Knoten endlich platzt? Wir wissen es nicht, aber es hat gewirkt!

Denn die Fortuna kommt wie verwandelt aus der Kabine. Nachdem in der 40. Minute schon Heinrich Schmidtgal für den verletzten Ramirez ins Spiel gekommen war, wechselt der Trainer zur zweiten Halbzeit Reisinger für Kenia ein und stellt damit das Spielsystem auf ein 4-4-2 um. Die diversen Maßnahmen fruchteten, denn auf einmal steht eine Mannschaft auf dem Platz, die Zweikämpfe gewinnt, wach und aggressiv wirkt und auch mit mehr Mut nach vorne spielt. Dieser Mut wird dann auch direkt beim ersten ernstzunehmenden Angriff belohnt. Wir trauen in der 52. Minute unseren Augen nicht, als nach einer schnellen und direkt gespielten Passstaffette über fünf Stationen, der Ball über den agilen Schmidtgal bei Axel landet. Der setzt entschlossen zum Sprint an und zieht energisch bis zur Grundlinie des gegnerischen Strafraums, legt den Ball flach in die Mitte und Benshop drückt die Kirsche zum 1-1 Ausgleich aus 5 Metern über die Linie. Wir jubeln freudentrunken und etwas ungläubig. Noch während wir uns in den Armen liegen und den Ausgleich feiern, werden wir Zeugen eines besonderen Moments: Der in der ersten Hälfte äußerst unglücklich spielende Halloran stibitzt energisch einem Führter am Mittelkreis das Leder und spielt es gekonnt zum aufgerückten Malezas weiter. Der Grieche macht den Lucio, schreitet nach vorne und spielt in Bedrängnis einen sauberen Pass auf Heinrich „Heini“ Schmidtgal, der den Ball gekonnt zum durchstartenden Benschop weiterleitet. Charlison lässt den Ball kommen, macht dem Verteidiger das Leben so schwerer und schießt ansatzlos flach ins linke untere Toreck! Die 2-1 Führung!! Alles und alle rasten vollkommen aus! Besonders Büskens. Wieviel Anspannung in diesem Mann steckt und wie sehr die spielerische Krise seiner Mannschaft an ihm nagt, zeigt sein Torjubel-Wahn! Was für eine emotionale Entladung! Dass das Tor eigentlich Abseits war, passt auch irgendwie zu diesem Moment. Für den  sprichwörtlichen Sinneswandel zur zweiten HZ, von verängstigtem Zögern zu selbstbewußtem Handeln wird die Mannschaft direkt von der Glücksgöttin belohnt und bekommt mal eine fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidung nicht gegen sich ausgelegt. Wir haben ENDLICH ein Spiel gedreht. Die Jungs scheinen jetzt vor Selbstbewusstsein und Entschlossenheit zu platzen. Sie gehen frühzeitig, entschlossen und teilweise zu zweit auf den ballführenden Fürther und gewinnen einen Zweikampf nach dem anderen. Spielerisch bleibt das fußballerische Niveau zweifellos schwach. Doch die Jungs wälzen sich immer wieder Richtung Fürther Tor. Und genau DAS ist der Unterschied. Große Techniker werden die Jungs selbst bei gesundem nicht. Aber man konnte sofort sehen, zu was jeder Einzelne in der Lage ist, wenn der Kopf die richtigen Signale sendet. Dann erzwingt man auch sein Glück. In einigen kniffeligen Situationen haben wir nämlich jede Menge davon. Allein Monsieur Füllkrug (noch ein Ex-Bremer) hat zwei Mal das leere Tor vor sich, verbrät‘ aber die Chance zum Ausgleich – wenn auch aus spitzem Winkel. Und kurz vor Schluss muss Soares auf der Linie retten, nachdem Giefer im Tiefflug durch den 16er jettet und das Tor erneut leer lässt. Doch eben dieser Soares hat Minuten zuvor so dermaßen energisch die Kurve angestachelt, dass man merkte, wie sich selber jemand total emotional hochputscht. In einer solchen Verfassung rettet man dann einfach auch mal auf der Linie. Der Abpfiff hat dann entsprechende Jubelarien auf dem Platz ausgelöst – ein wirklich wichtiger Sieg, auf dem aufgebaut werden kann und muss.

Personelles / Teampsychologie

Es ist doch wirklich erstaunlich, was plötzlich aus unseren Jungs wird, wenn es mental zu stimmen scheint. Die Jungs wirkten wie verwandelt in dieser Hinsicht. Jemand wie Fink hatte in der zweiten Halbzeit eine Präsenz auf dem Platz, die beeindruckend war. Er gewann im zentralen Mittelfeld nahezu jeden Zweikampf. Zusammen mit Paurevic störten sie das Fürther Spiel entscheidend. Beachtlich, also WIRKLICH beachtlich, war die Leistung von Stefan Reisinger. Zur Erinnerung – das ist derselbe Reisinger, der gegen den FSV und auf Pauli offenbar nicht wusste, wo, wie und warum er auf dem Platz steht. Er machte gegen Fürth dermaßen vorne Alarm, dass das Fürther Aufbauspiel schon bei der Defensivreihe um Mavraj entscheidend beeinträchtigt wurde. Heinrich Schmidtgal hat seineszeichens dadurch für Begeisterung gesorgt, dass er von jetzt auf gleich ins Spiel fand. Er begann unmittelbar nach seiner Einwechslung, Anweisungen zu geben und das Defensivspiel zu ordnen. Seine energischen Vorstöße lassen auf mehr hoffen – mit ihm und Axel auf links haben wir jede Menge Potenzial für mächtig Dampf und Kampf. Wirklich großartig war auch die Leistung von Ben Halloran in der zweiten Halbzeit. Durch die Umstellung auf 4-4-2 ohne einen 10er hinter der Spitze war mehr Platz für ihn. Er leistete bereitwillig mehr Laufarbeit und arbeitete defensiv und offensiv sehr gut mit. Das 2-1 kann er sich aufgrund seiner tollen Balleroberung am Mittelkreis mit auf die Fahne schreiben. Es war herrlich zu sehen, wie ihn Büskens nach Abpfiff feierte – völlig zurecht natürlich. Was ebenfalls bestens funktionierte, war das Spiel mit zwei Spitzen. Beim 1-1 waren sowohl Benschop als auch Reisinger im 16er zur Stelle – im Normalfalls wäre es nur Benschop gewesen. Viele Rechnungen gingen also auf.

Einen Spieler müssen wir jedoch in Sachen „Psychologie“ negativ erwähnen: Was bitte ist mit Fabian Giefer los? Warum muss er in jedem auch nur ansatzweise stattfindende Zweikampf mit dem Gegner austreten? Selbst wenn überhaupt nichts passiert ist? Am Montag stand er DREI MAL kurz vor einer Gelben Karte mit diesen Aktionen – der Schiri hätte es nur sehen müssen. Als er dann für Spielverzögerung die Gelbe Karte sah, war er latent rotgefährdet. Wenn man bereits drei Mal gewechselt hat – wie es im Spiel der Fall war – enden wir plötzlich mit einem Feldspieler im Tor, weil Freund Giefer irgendwelchen Unsinn fabriziert. Da muss ihm echt mal einer zureden – das scheint noch wichtiger als die verzögerte Spieleröffnung. Denn das ist halt einfach seine Schwäche…

Der wahre Wert des Spiels

Erst bei der nächsten Partie in Ingolstadt werden wir wirklich wissen, was dieses Spiel, genauer: was dieser Sieg wirklich wert sein wird. Nur, wenn die Jungs an die Leistung der zweiten Halbzeit anknüpfen und ebenso entschlossen und siegeswillig spielen, können wir von einem wirklichen Befreiungsschlag sprechen. Schaut man sich die Tabelle an, wird klar, wie unendlich eng das alles ist. Gegen Ingolstadt, Paderborn, Sandhausen, und Aalen sind mit der Leistung aus der zweiten Halbzeit 10 Punkte drin. Damit könnten wir sogar auf den vordersten Rängen landen. Leisten wir uns jedoch zu viele Punktverluste gegen diese Tabellennachbarn wird es sehr schnell wieder düster. Ob nun die Länderspielpause zur richtigen oder aber falschen Zeit kommt, kann man diskutieren. Es scheint aber eigentlich ganz sinnvoll zu sein, den emotionalen Ausbruch vom Montag Abend in aller Ruhe zu analysieren und eben auch nüchtern zu betrachten, was selbst in der guten zweiten Halbzeit problematisch gewesen ist. Für’s Erste scheint die Position von Mike Büskens gerettet. Er hat sehr mutig aufgestellt, ebenso mutig gewechselt (besonders: Bance für Benschop) und an der Seitenlinie auch endlich wieder richtig mitgefiebert. Von daher ist der Sieg sicher auch ein persönlicher Triumpf für ihn.

Jetzt werden wir uns erst mal gedulden müssen, bis wir erleben, was unsere Jungs aus diesem Sieg machen werden. Von Euch möchten wir diesmal gerne wissen, wer für Euch „Mann des Tages“ gewesen ist. Da gibt es ja manchen Kandidaten. Wir haben mal eine kleine Vorauswahl getroffen.

Nun geniessen wir alle noch ein wenig dieses wichtige Erfolgserlebnis.

In diesem Sinne – 95OLÉ

Ingo & Adnan

PS: War das nicht schön mit dem Riesenkreis, den alle Fortunen nach Spielschluss unter Jubel der Kurve gebildet haben? Tolle Momente!

Unsere Bundesligasaison in der Retrospektive

3 Jun

Knapp zwei Wochen sind seit dem bitteren Last-Minute-Abstieg der Fortuna vergangen. In dieser Zeit versuchten Vorstand und Aufsichtsrat, die Gründe des Rückrunden-Absturzes zu analysieren. Dabei machte die Chefetage der Fortuna trotz bester Absichten keine glückliche Figur. Auf der Zielgeraden der Saison 12/13 stolpert die Fortuna über die eigenen Füße und sieht die zur Saisonhälfte meilenweit entfernte Konkurrenz freudentrunken an sich vorbeiziehen. Das Relegationsdrama zum Aufstieg und die „Maulwurfaffäre“ zum Abstieg rahmen diese Saison „fortunesk“ ein. Die launische Diva vom Rhein macht ihrem Ruf auch nach Jahren der Bundesligaabstinez wieder alle Ehre.

Als „Anfang vom Ende“ können getrost das verlorene Pokalspiel gegen Offenbach und die unnötige Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Augsburg betrachtet werden. In beiden Begegnungen kam unsere Mannschaft mit der Favoritenbürde nicht zurecht, leistete sich gegen Offenbach einen streckenweise arroganten Auftritt. Und gegen Augsburg taten wir irgendwie alles, um ihnen klarzumachen, dass für sie noch alles drin ist. Das war dumm und ärgerlich. Denn in der Hinrunde begeisterten uns unsere Jungs und überraschten die gesamte Liga mit diszipliniertem Defensivspiel und effizientem Konterfußball. So konnten sie den spielerisch eigentlich immer überlegenen Gegnern 21 Punkte abluchsen. Aber wie auch schon in der Rückrunde der Aufstiegssaison begann das Nervenkostüm der Protagonisten mit der steigenden Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und des Umfeldes zu bröckeln. Angst vor der eigenen Courage nennt man wohl so etwas! Gegen Offenbach war die Mannschaft damit überfordert, einem unterklassigen Gegner klarzumachen, wer hier der fußballerische Boss ist – wir ließen „unsere“ Tugenden missen, mit denen aber die Kickers in die Partie gingen und uns genau aus diesem Grund besiegten. Die Überheblichkeit, die wir dort zeigten, war einigen Bundesligisten in der Hinrunde gegen uns bereits zum Verhängnis geworden – Hochmut kommt schließlich vor dem Fall! Die dämlich bis dramatische Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen die Pupsburger Augenkiste sollte leider ein warnendes Beispiel für die gesamte Rückrunde werden: F95 baut den Gegner durch eigene Fehler auf, semmelt sich die Gegentore im „The Three Stooges“-Style teilweise selbst slapstickartig in die Maschen; hohe Fehlpassquoten, Konzentrationsmängel und technische Defizite nagen am Selbstvertrauen. Die Mannschaft wacht zudem erst in der Schlussphase auf und scheitert dann äußerst knapp daran, noch etwas zählbares mitzunehmen – na, kommt Euch dieses Muster bekannt vor…? Auch das vom Schiedsichter fälschlicherweise anulierte Ausgleichstor in der Nachspielzeit durch Reise ist ebenfalls ein gutes Beispiel für einige unglückliche Schiedsrichterentscheidungen, die gegen uns entlang der Rückrunde getroffen wurden. Gegen Dortmund und Nürnberg wurden uns im Endspurt zwei eindeutige Elfmeter verweigert – Stichwort „wahre Tabelle“. Bei anderen Spielen (Frankfurt, Hamburg) standen einer erfolgreich abgeschlossenen Aufholjagd die eigene fehlende Präzision und Qualität oder einfach auch nur Pech im Weg…

Aber das war ja lange nicht alles… Die unerträgliche Verletztenmisere tat ihr Übriges und zwang die sportliche Leitung an beinahe jedem Spieltag dazu, Umstellungen in der Startelf vorzunehmen. Zahlreiche Spieler fielen mehrfach mit Muskelverletzungen aus, so dass immer wieder wichtige Säulen und Alternativen in der Truppe kurz- bis mittelfristig wegbrachen. Diese Häufigkeit zu kompensieren, würde auch Top-Teams der Liga schwer fallen. Bei einem Aufsteiger und Verein mit dem geringsten Kaderwert der Liga ist diese Anzahl an Ausfällen mitsamt ihrer fast schon peinlichen Regelmäßigkeit fatal.

Was aber jeden Fortunen am heftigsten schockierte, war diese vermaledeite Lethargie und „Blutleere“, mit der die Mannschaft in der Rückrunde teilweise auftrat. Das, was die Mannschaft unter Norbert Meiers Leitung eigentlich immer ausgezeichnet hatte, schien auf einmal gestört. Seit dem Abstieg und durch das damit verbundene Medienchaos sind nun diverse Gerüchte öffentlich geworden. Es habe Risse in Mannschaftsgefüge und Trainerteam gegeben, heißt es. Wer genauer hinsieht, konnte dies auf dem Platz, beim Aufwärmen und auch nach den Spielen von der Tribüne aus erkennen. Da war irgendetwas gebrochen. Negativer Höhepunkt hierzu bleibt das Ausbleiben jedweder Gratulation für Dani Schahin, als er in Frankfurt den Anschlusstreffer zum 1-2 erzielte. Wie wichtig der mannschaftliche Zusammenhalt ist, und wie wertvoll die Floskel „11 Freunde müsst Ihr sein!“ ist, zeigten – ja, Ihr müsst jetzt stark sein – die Bayern auf recht beeindruckende Weise. Klar, das fällt einem leicht, wenn man erfolgreich ist. Aber Erfolgsdruck kann auch zermürbend sein. Wenn man sieht, wie die Bayern mit Zusammenhalt, Hingabe und Leidenschaft die Übermacht FC Barcelona in Grund und Boden spielten, wird deutlich, dass es auf allen (Qualitäts-)Ebenen notwendig ist, Einsatzwillen zu zeigen und über sich hinauszuwachsen. Bei unseren Jungs war gerade zum Ende der Saison einfach jedwede Galligkeit weg. Überzeugung und Selbstvertrauen zeichnen den Profi neben technischen Fertigkeiten aus. Im Falle unserer Jungs sind aber gerade diese „softskills“ weggebrochen.

Understatement – oder der Drang, sich selbst schwach zu reden.

In den letzten Spielzeiten sind wir eigentlich immer als Underdog gestartet. Zumindest aus eigener Sicht. Die Strategie des Understatements funktionierte ja auch prächtig: zwei Aufstiege in fünf Jahren sind eine eindrucksvolle Bilanz. Dabei wurde eine sparsame Transferpolitik an den Tag gelegt, die den Verein in der Zwischenzeit auch noch finanziell gesunden ließ. Es wurden keine Sprüche gekloppt – weder im Erfolg, noch in der Krise. Man war sich immer bewusst, wo man herkommt. Diese Einstellung ist an sich sehr löblich und sympathisch – das eigene Licht aber zu oft unter den Scheffel zustellen, birgt auch eine gewisse psychologische Gefahr in sich: dass man sich nicht wirklich vergegenwärtigt, wo man im hier und jetzt eigentlich steht.

Da zeigen die letzten zwei Jahre des Auf- und Abstiegs deutliche Parallelen: In der Aufstiegssaison 11/12 spielte die Fortuna eine Rekordhinrunde. Als Spitzenreiter mit bis dato unerreichter Punktzahl waren wir klarer Favorit auf den direkten Aufstieg. Das entwickelte sich aber für unsere Jungs zu einer Bürde; anstatt die Herausforderung anzunehmen und Selbstbewußtsein zu demonstrieren, wurde betont „dass wir nicht aufsteigen müssen“ und wir doch wirklich „gar nichts zu verlieren“ hätten. Der Verein versäumte zudem, dem Rösler-Veh-Theater etwas entgegenzusetzen und der Transferwirbel um Leistungsträger wie Beister und Luki kamen erschwerend hinzu: die Jungs wirkten weniger fokussiert und die spielerischen Dinge, die Wochen zuvor noch funktionierten, misslangen nun. Es schien beinahe, als würde das „Aufstiegsgespenst“ rumgeistern. Am Ende retteten wir uns nur durch das um vier Treffer besser Torverhältnis in die Relegation. Damals funktionierte es, von Spieltag zu Spieltag „auf pump“ durchzukommen… Warum dieser Rückblick auf 2011/12, fragt Ihr vielleicht. Naja, weil die Ähnlichkeit zu der gerade beendeten Spielzeit fast schon erschreckend ist. Der entscheidende Unterschied ist aber eine andere psychologische Ausgansposition und das andere Klassement: im letzten Jahr ging es in der Endphase gegen Union, Führt und den MSV, mit der Möglichkeit vor Augen, in die Bundesliga aufzusteigen. Also immer noch mit einem positiven Ziel vor Augen und gegen Gegner, die von der Qualität her im höchsten Fall auf Augenhöhe waren. Diesmal sollten es nun mal Hamburg, Dortmund, Frankfurt, Nürnberg und Hannover sein…

2012/13 erkämpften wir uns als Abstiegskandidat Nr.1 grandiose 21 Punkte in der Hinrunde und waren 12 Punkte von #17 entfernt. Längst hatte unser Team unter Beweis gestellt, dass es in diese Liga gehört. Auch diesmal bleibt die Fortuna bescheiden und erzählt jedem, der es nicht hören will, dass das aber nochmal eng werden wird. Natürlich muss man Realist bleiben. Gerade in Düsseldorf und bei der Fortuna, denn bei manchen erwachten schon Phantasien zur Euro-League-Teilnahme! Aber die psychologische Message an die eigenen Spieler war dann eine falsche; zumindest wirkte es so bei uns. Statt dem Team und der Öffentlichkeit klar zu machen, dass wir gekommen sind, um zu bleiben, wurden Unsicherheiten geweckt. Deplatzierte Demut könnte man das nennen. Von Spieltag zu Spieltag, von Misserfolg zu Misserfolg schien das Gesamtego schwächer zu werden und Norbert Meier verlor den Zugang. Die Mannschaft baute auch in puncto Zusammenhalt ab. Kloppereien im Training waren da der negative Höhepunkt. Da hatte unser Chefcoach die Jungs bereits nicht mehr im Griff und konnte kein Feuer, kein Selbstbewusstsein und keine Willensstärke mehr entfachen. Dies führt bei der hohen Qualität in der Bundesliga leider nun mal zum Abstieg. Die Frankfurter Eintracht ist mal mit 26 Punkten aus der Hinrunde abgeschmiert… „Auf Pump“ von Spieltag zu Spieltag krebsen, ist nicht. Denn so geht erste Liga einfach nicht.

Aber einen nicht zu verachtenden Mosaikstein zum Abstieg haben leider auch wir Fans geliefert. Die aus dem Platzsturm resultierenden, zwei halben Geisterspiele zu Beginn der Saison führten zu Unruhe unter den Fans, der zwischenzeitliche Supportrückzug der Ultras im Zuge der Diskussionen um das Sicherheitspapier und die damit verbundenen Reibereien zwischen den verschiedenen Fangruppen (mit peinlichsten Medienberichten und Foreneinträgen) haben den Support in wichtigen Phasen „zerknüsselt“ und fatal beeinträchtigt. Die Fans waren teilweise zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben sich nicht auf das Wesentliche – das Supporten – konzentriert. In diesem Punkt haben sich Mannschaft und Fans durchaus geähnelt. Dabei ist der Schulterschluss bei uns so enorm wichtig. Wir mögen unsere Gründe gehabt haben – zweifellos – sollten uns aber auch einer gewissen Mitverantwortung stellen.

Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg!

Seit letzter Woche ist es nun amtlich, Norbert Meier ist nicht mehr unser Chefcoach. Wie es die Spatzen schon seit Tagen von den Dächern plärren, ist der Düsseldorfer Jong, Mike Büskens, nach einheitlichen Medienberichten, der neue Mann auf unserer Trainerbank. Wir finden: Das passt wie die Faust auf’s Auge! In der Saison 89/90 standen wir als halbwüchsige Pimpfe Fahnen schwenkend im 36er des zugigen und kläglich unterbesetzten Rheinstadions. Ein blonder Jüngling spielte sich auf der linken Seite der Fortuna direkt in unsere Herzen. In seinen Jahren als Fortuna-Stütze war Büskens der Axel Bellinghausen seiner Zeit und dazu noch in Flingern geboren. Er ist einer von uns. Dynamik, Laufbereitschaft und Leidenschaft auf dem Spielfeld zeichneten den späteren Europapokal-Sieger aus. Diese Tugenden vermittelte er als Trainer den Fürthern (davor ewig Zweitligavierter), die in der Saison 11/12 unter ihm souverän und einen guten Ball spielend, in die Bundesliga aufgestiegen…

Die Aussicht auf Büskens als Chefcoach weckt die Lust auf die neue Saison, in der wir nun seit Jahren auch ENDLICH mal wieder den Kölnern schöne Derbyniederlagen zufügen können. Der Kader der Fortuna ist für die 2. Liga hervorragend aufgestellt. Mit Latka und Malezas haben wir zwei Bomben-Innenverteidiger für’s Unterhaus; mit Bolly, Garbuschewski, Omae, Axel, Lumpi und dem neuen Aussi-Flitzer Halloran schon einige Spieler, die die Offensive ankurbeln werden; Bodzek ist als 6er ’ne echte Bank und Reisinger und Schahin haben das Zeug, in der 2. Liga um die Torjägerkanone mitzuballern. Mit den Neuzugängen Rensing und Schmidtgal hat die sportliche Leitung die Abgänge von Almer und Jojo mehr als kompensiert. Wenn sich Wolf Werner und Mike Büskens noch auf 1-2 Zugänge einigen, die den Kader gezielt in der qualitativen Spitze verstärken (wir hätten ja gerne Occean oder Poté), kriegen wir die Truppe richtig rund. Gleichzeitig sollten aber manche Neuzugänge dieser Saison noch ihre Chance bekommen – Wegkamp und Garbuschewski allen voran. Schaut an sich aber dieses Team an, haben wir gute Chancen, nächstes Jahr um diese Zeit wieder den Aufstieg zu feiern. … und vielleicht diesmal ohne Relegationsdrama!  🙂
Hechzlischen Dank

Zu guter Letzt wollen wir uns nach dieser spannenden Saison und des Starts unseres Blogs explizit bei Norbert Meier bedanken. Für die viele sagenhaft schönen Momente und eine „geile Zeit“, wie er selbst so schön gesagt hat. Die Reinkarnation von F95 ist eng mit seinem Namen verbunden und er wird uns allen als positiver Meilenstein der Fortunageschichte in Erinnerung bleiben.

Danke auch an Euch, die Ihr sogar mal zu zweieinhalbtausenden (!) unsere Spielberichte gelesen habt. Das macht uns mächtig stolz und befeuert die Motivation, unseren Blog kommende Saison fortzuführen. Also: bleibt uns als Leserschaft erhalten!

Vorerst verbleiben wir mit einem inbrünstigen 95 OLÉ

Ingo & Adnan

Die Wölfe (fast) zum Heulen gebracht

16 Mrz

Unsere Jungs sichern sich einen Punkt in Passat-City. Sicher war mehr drin, aber man muss die Punkte nehmen, wie sie kommen. Da beiden Teams im Spiel nach vorne nicht sonderlich viel einfällt, geht das 1-1 wohl in Ordnung.

Wir werden heute mit einer satten Hasstirade anfangen. Während Adnan mit einem imposanten Mob bestehend aus 70 Fortunen aus Berlin (Videoclip) nach Golfsburg reiste, musste Ingo mal wieder Sky gucken. Und so bekommen WOB und SKY erst mal, was sie verdienen: HASS!

Adnan scheißt auf WOB: Um 18.20 am Hauptbahnhof angekommen, hatte man das Gefühl, diese Stadt sei weiträumig evakuiert worden – nichts war da los. Sämtliche Gebäude drumherum waren hässlich, eckig, maximal 30 Jahre alt, seelenlos und irgendwie meist mit einem kleinen VW-Logo versehen. Die Arena sieht einfach mal aus wie eine zu groß geratene Niederlassung – im Prinzip wie ein riesiges Bürogebäude mit Spielwiese in der Mitte. Und innen drin ist mal GAAAAR NICHTS los. Mit peinlichen Animationen mit Wolfsgeheule und irgendeinem Blödsinn mit Vollmond auf der Anzeigetagetafel wurde versucht, für Atmo zu sorgen. Die gab es aber ausschließlich bei der Schweigeminute, welche die WOB-Mannschaft Arm in Arm vor ihrer Fankurve abhielt. Das gefiel. Alles Andere war erbärmlich. Wenn man sich nun auch die Geschichte dieser Stadt durchliest (der Führer wünschte sich in der Hochzeit des Nationalsozialismus eine Residenz in dieser Stadt), kann man verstehen, dass kein wirklicher Stolz von der Tribüne hervorschallt. Zu allem Überfluss war es ARSCHKALT in dieser seelenlosen Arena. Wenigstens hat unsere Kurve aber mächtig Alarm gemacht und für ein Heimspiel in Polo-Town (Videoclip) gesorgt.

Ingo scheißt auf SKY: Der allseits beliebte Bezahl-Sender Sky schaffte es auch diesmal, bereits vor dem Spiel massivst zu nerven: In dem halbstündigen Vorbericht zum Spiel muss man unter anderem ein stümperhaft langweiliges Interview mit Naldo und Diego in schlimmsten „Denglisch“ ertragen, welches die Finger magisch auf die „Mute-Taste“ der Fernbedienung zu ziehen scheint. Die Mannschaftsaufstellung der Fortuna wird in diesen 30 Minuten zwei Mal eingeblendet: Erst schafft es Latka gleich doppelt (?) in die Startelf, doch die taktische Darstellung wird uns leider vorenthalten – schade, wäre mit dem doppelten Latka sicher spannend geworden. Kurz vor Anpfiff dann ein zweiter Versuch: Leider werden die Grafiken aber so schnell durchgejagt, dass sie während des ersten Griffs in die Chipstüte schon wieder verschwunden sind. Immerhin gibt es diesmal keine Talk-statt-Experten-Runde und der Kommentator war nicht ganz so schrecklich wie der gute, alte Fritz vom letztem Mal. Doch diese amerikanisierte Aufbereitung der Spielübertragung ist echt zum Kotzen. Alle paar Sekunden wird wild zwischen den 400 Kameras hin- und hergeswitched, bei Kontern und Sprints auf den ballführenden Spieler gezoomt, sodass man einfach nicht mitbekommt, wer vielleicht sonst noch so mit läuft und anspielbar ist. In den kleinsten Unterbrechungen werden Zeitlupen von Nebensächlichkeiten aus 25 Blickwinkeln zelebriert, während das Spiel längst weiter läuft. Eine weite „Totale“ gehört leider zu den absoluten Seltenheiten. So kommt der Taktikfuchs höchst selten auf seine (viel zu hohen) Kosten. Kurz gesagt: Diese Übertragungsform ist zum Haare raufen und rausreißen!

1. HZ: Erst lahm, dann brutal effizient!

Unsere Mannen um Ersatz-Kapitän Bodzek starten mit der Elf wie gegen Bayern – außer dem Einsatz von Ilsö für den verletzten Lumpi. Sie verschlafen die ersten zehn Minuten komplett und rennen eigentlich nur Gegner und Ball hinterher; trotzdem stehen wir gut und machen alle Räume zu. Wie gegen den FCB ziehen wir uns weit zurück und attackieren erst in der eigenen Hälfte. Dass das Wolfsburger Rudel ohne Diego, ihr Alphatier, ziemlich planlos wirkt, zeichnet sich recht früh ab. Da fehlen Ideen, sich aus der Enge zu befreien. Die erste gute Offensiv-Szene der Fortuna kommt durch unseren neuen Norweger zustande, der auf dem linken Flügel zu einem Sprint mit Ball ansetzt und zwei VWs wie Trabis aussehen läßt. Leider kommt nicht viel dabei rum, aber solche Aktionen von Bolly machen Lust auf mehr und bauen ihn Stück für Stück auf. Die Fortuna ist jetzt im Spiel angekommen und versucht durch bewährtes Konterspiel dem Gegner gefährlich zu werden, die Wölfchen haben das Spiel aber weitesgehend unter Kontrolle. Da es beiden Mannschaften an Kreativität und Präzision fehlt, dümpelt das Spiel ohne große Höhepunkte vor sich. Unsere Schrecksekunden passierten aus dem Nichts. Etwa in der 17. Minute, als Balogun in Höhe der Mittellinie einen Rückpass durchschliddern lässt. Der wieselflinke Orozco düst dankend mit Ball Richtung Tor. Doch Balogun rast hinterher. Seine Denkblase über’m Kopf konnte man erkennen: „Das MUSS ich wieder gut machen, sonst spielt Levels nächstes Mal!“ Mit einer Wahnsinns-Schrittlänge spurtet er dem Wolfsburger Zwergnase hinterher, überholt ihn nach 25 Metern, sichert abgeklärt und ohne Foul denn Ball und passt Selbigen nach vorne. Schön wieder ausgebügelt! Zwei Minuten später schrecken wir jedoch erneut auf: Rodriguez fasst sich ein Herz und ballert aus 30 Metern einfach mal auf Giefers Tor. Der fiese Aufsetzer klatscht allerdings nur laut an den Pfosten und wir haben Schwein gehabt. In der 31.Minute bekommen wir dann mal einen Freistoß in aussichtsreicher Position halblinks zugesprochen. Ilse schnappt sich das Leder und unsere (vermeintlichen) Kopfballungeheuer versammeln sich im 16er. Aber wat macht Ilse? Er spielt einen furchtbar unpräzisen Pass in den Rücken von Tesche, der den Ball nicht vernünftig annehmen kann und es entsteht ein Konter für die Wölfe, die zum Glück nichts draus machen… Eine haarsträubende Situation – die Idee ist sicher nicht schlecht, aber da muss doch wenigstens der Pass von Ilsö auf Tesche gut kommen. Merkwürdig sowas. In Minute 37 ist es dann aber so weit. Wir kommen endlich mal schnell und zielstrebig vor’s gegnerische Tor und Bolly macht mit seinem zweiten Torschuss in der Liga seine zweite Bude. Bei einem Konter über  die linke Seite nimmt Axelao Bellinghausinho die Kirsche zuckerhut-esk mit der Hacke mit und chippt das Leder somit in den Lauf von Kruse, der den Turbo anschmeisst. Dutt-Träger, Simon Kjaer, der optisch auch wunderbar in die Frauenfußball-Mannschaft der Wolfsburger passen würde, hat das Nachsehen und kann Robbie nicht am Hereinziehen in den 16ner an der Auslinie hindern. Bolly läuft im Rückraum der Abwehr mit und schleicht sich genau im richtigen Moment aus dem Schatten des Abwehrspielers. So heißt es wie schon gegen Bayern für ihn: Fuß hingehalten und eingenetzt. So kann’s weitergehen, Mathis!

Eine 2. Halbzeit zum gegenseitigen Vergessen

Die Halbzeitpause nutzt Dieter Hecking dazu mit Dost einen zweiten Stürmer zu bringen; unsere Trainer wechselt den sehr enttäuschenden Ilsö aus und bringt dafür Reisinger. Taktisch hat dies zur Folge, dass Bolly vermehrt die rechte Seite übernimmt, während Kruse und Reisinger durch die Mitte kommen. An der Spielqualität ändern diese Wechsel jedoch wenig. Zwar fällt bereits in der 51. Minute durch einen schnell gespielten Angriff der Ausgleich durch „Ibiza“ Olic – der bei der Konzernabteilung für Bewegungssport als einziger für so etwas wie Leidenschaft und Kampfgeist steht – aber ansonsten gelingt es beiden Seiten nicht, ein halbwegs ertragreiches Angriffsspiel aufzuziehen. Beide Mannschaften scheitern innerhalb ihrer taktischen Ausrichtung an fehlender Konzentration und Präzision, so dass sich das Spiel mit vielen Fehlpässen und Abstimmungsschwierigkeiten fortsetzt und bis auf wenige Höhepunkte (z.B. der Lattenkracher von Tesche) so dahin eiert. Wenige Sekunden vor dem Abpfiff haben wir sogar noch eine richtig gute Chance, doch Benaglio kann den unplatzierten Ball von Schahin nach Flanke von Balogun parieren. Betrachtet man den Spielverlauf, all die Unzulänglichkeiten hüben wie drüben, geht das Ergebnis sicher in Ordnung. Hätten unsere Jungs, die vielen Kontermöglichkeiten besser zuende gespielt und nicht so erschreckend oft unpräzise Zuspiele, harmlose Flanken und Torschüsse wie Rückpasse fabriziert, wäre mal wieder mehr drin gewesen…

Personelles

Ken Ilsö hat gestern wahrhaftig eine Chance vergeigt, seinen Wert für die Mannschaft in Erinnerung zu rufen. Dass er keine Kämpfersau und Defensivmaschine ist, sieht man ihm dann nach, wenn er wenigstens technisch versiert für Kreativität sorgt. Das ist ihm gestern (wie auch zuletzt) absolut nicht gelungen. Nicht nur der oben angesprochene Gau beim Freistoß; auch seltsam schwache Ballannahmen und eine Reihe weiterer ungenauer Zuspiele lassen einen etwas fraglos erscheinen – watt is da los? Da Reise in der zweiten Halbzeit auch nichts hinbekommen hat, fiel die Auswechslung von Ilsö nicht sonderlich auf – beide waren schwach. Robbie Kruse, der den sehenswerten Treffer durch Bolly aufgelegt hat, war bereits ab der 60. Minute anzumerken, dass ihm langsam die Kraft zu schwinden scheint. Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich auch bei ihm immer mehr Konzentrationsfehler ein. Den Spielerwechsel mit Omae hätte NM durchaus zehn Minuten eher erwägen können. Als Kruse rausging, verweigerte er den Handschlag mit dem Trainer und schmiss seine Trainingsjacke wütend auf den Boden. Er hatte kurz vorher schwache Szenen gehabt und dürfte sich darüber noch geärgert haben; oder aber er war sauer, weil er früher oder gar nicht rauswollte, oder aber nix von dem stimmt 🙂 Leider werden ihn in der Länderspielpause anderweitige Aufgaben und Reisestrapazen erwarten. Ansonsten täte ihm eine längere Pause wohl mal ganz gut. Mathis Bolly hingegen hat sich mit diesem Spiel definitiv für die Startelf empfohlen – bis er in der 75. Minute total ausgepowert und mit Krämpfen ausgewechselt wurde, konnte er einige Male andeuten, was Wolf Werner da für einen Knallertransfer zum Schnäppchenpreis für die Fortuna eingetütet hat. Pfeilschnell, torgefährlich, dribbelstark und dazu Dank seiner Statur auch brauchbar für Kopfbälle und Ballbehauptung. Wie er in der 59. Minute die halbe Hintermannschaft von WOB mit seinem Sprintdribbling auf engstem Raum vernaschte, war schon beeindruckend – und er kam sogar zum Abschluss; wenn auch leicht verzogen. Da scheint es uns, wir erleben gerade die Inkarnation des Bröker 2.0 …allerdings mit mehr fußballerischer Klasse. Im Laufe der zweien Halbzeit wurde dafür ein anderer Fortune immer stärker: Stelios Malezaz. Während sich Martin Latka erneut als bärenstarker Abwehrchef mit gutem Auge präsentierte, kam unser Grieche im Laufe des Spiels zur Form seiner ersten Bundesligaspiele. Das letzte Spieldrittel klärte er so häufig, dass man gar nicht mehr mitzählen konnte. Er pfiff Balogun und Reisinger mehrmals an, da die beiden die links Angriffseite der WOBs munter flanken ließen – sie verließen sich wohl auf die Innenverteidiger. Mit diesen beiden Granaten wird es für unseren Jens schwierig, wieder ins Team zu kommen. So leid es uns persönlich für ihn tut (da er ja nur aus Verletzungsgründen pausieren musste), so erfreulich ist es doch, dass wir dennoch eine solche Innenverteidigung haben.

Augsburg muckt weiter da unten und Nürnberg gewinnt völlig unnötig gegen Schalke. Fünf Punkte Vorsprung sind definitiv kein Ruhepolster. Aber das ist auch in Ordnung so. Da soll sich bloß keiner ausruhen – das stand unserer Forteng noch nie gut zu Gesicht. Jetzt ist erst mal Länderspielpause angesagt. Dann folgt das sicherlich sauschwierige Spiel zu Hause gegen Vizekusen. Fest steht: Wir freuen uns darauf!

Bis dahin,

Adnan & Ingo

Stuggitown 3-1 verhau’n

3 Feb

Wiiiiir sind wiiiieder da! Von Beginn an spielen wir gut sortiert, sind effektiv im Abschluss und lassen uns auch vom Anschlusstreffer und einem gigantisch aufgelegten Traoré nicht aus der Fassung bringen. Meier bringt in Fink den zweiten Matchwinner neben Kruse rein und wir zwingen Stussgart zur genau richtigen Zeit in die Knie. 3-1 und 24 Punkte!

Da der gute Ingo dieses Wochenende in Wien sein Unwesen treibt, muss Adnan sich bei der Betrachtung des Spiels auf seine Sitznachbarn Niko & Niko verlassen und möchte sich bereits an dieser Stelle für deren Senf vor, während und nach dem Spiel recht herzlich bedanken („Ingo, komm zurüüüüüück!“). Während der Autofahrt zum Spiel tönte Adnan von der Rückbank: „Das wird heute groß. Ich sach: 3-0 oder 3-1.“ Blicke des Mitleids brachte ihm das ein; allerdings untersetzt von der leichten Hoffnung, er möge Recht haben. Denn mal im Ernst, Freunde: Teams wie Stuttgart sind gemalt für die Fortuna. Sie neigen allesamt dazu, die Herausforderung Forteng nicht ganz ernst zu nehmen. Auf dem Papier sind sie schließlich in jedweder Hinsicht überlegen. Doch dann verzagen sie an ihrer letztlich doch fehlenden Qualität, wenn sie wiederholt gegen unsere Defensive anrennen. So ging es Hamburg, so ging es Frankfurt, so ging es Hannover und eigentlich ging es sogar Bremen so; doch denen haben wir dann manchen Gefallen an Defensivfehlern getan. Doch diesmal stand unsere Abwehr sicher. Und, da dem VfB mit dem hoch geschätzten Martin Harnik der einzige Spieler mit echtem Offensivdampf fehlte, blieb unser Gegner in der ersten Halbzeit harmlos. Feine Techniker wie Hajnal und selbst jemand wie Kvist können eigentlich alles, kriegen es aber schlichtweg nicht hin. Natürlich lag das auch an unserer super organisierten Abwehr. Unser sehnlichst vermisster Rückkehrer Malezas brauchte zwar drei, vier Zweikämpfe, um die Anfangsnervosität zu überwinden, bildete dann aber mit Latka aka „Fortuna-Valujev“ ein sicheres Innenverteidiger-Duo (das sechste IV-Duo dieser Saison). Da auch Freund Balogun und der konkurrenzlose Jojo sich keine Fehler leisteten und ihre Aufgaben erfüllten, stand unsere Defensivreihe wieder richtig gut.

„Sauber, Lumpi – Boah, Hammer, Lumpi!“

Norbert Meier brachte in der Startelf Lumpi statt Fink und Ilsö statt Schahin. Vor allem letzterer Wechsel überraschte uns ein wenig. Schahin gehörte zu den Besseren gegen Gladbach. Reisinger, Kruse und Ilsö stehen jedoch für mehr Dynamik und Beweglichkeit. Allerdings fehlt ihnen körperliche Stärke, um Bälle im Luftkampf zu erobern, oder sie abzuschirmen und abzulegen. So blieb Reisinger bis auf seine enorme Laufbereitschaft etwas blass. Bei Ilsö war es irgendwie andersrum. Im Spiel ohne Ball wirkte er enorm zurückhaltend, fast schon lustlos. Bei den vielen, vielen Kontergelegenheiten, die wir bereits in der 1. HZ hatten, lief er sich nicht frei und ließ zudem das Gespür und Geschick missen, dem ballführenden Teamkollegen den Weg durch gekonntes Kreuzen freizuräumen. Dafür war er wiederum an den ersten beiden Toren (in-)direkt beteiligt. Vor dem 1-0 setzte er einen Freistoß in die Mauer. Tesche war gedankenschnell am Ball und spielte Ilsö an, der aber irgendwie wohl noch mit seinem Freistoß haderte und so gar nicht mitbekam, wie ihm geschah. Glücklicherweise reagierte er erst gar nicht, weshalb der schnell gespielte Ball von Tesche wie ein „gemogelter“ Doppelpass zu ihm zurückkam, sodass er Kruse bedienen konnte. Robbie hielt sofort drauf und der Jubel war groß. 1-0. Und ihm sollte wenig später der Doppelschlag gelingen. Ilsö eroberte (endlich mal beherzt agierend) den Ball in der gegnerischen Hälfte und schickte fix Kruse steil. Dieser hatte mit dem noch jungen Erfolgserlebnis im Kopf alle Ruhe, die es braucht, um in die von Ullreich doch recht früh geöffnete Torwartecke vorbeizuschieben. So einfach kann Fußball sein, denkt man sich bei solchen Toren. Und vieles, das bei Fortuna besser – weil einfacher – aussieht, hat mit Robert Tesche zu tun. Er ist mit seinem wohldosierten aber effektiven Offensivdrang für das zentrale Mittelfeld goldwert. Absolut sehenswert die flinke Ballstaffette samt „echtem“ Doppelpass mit Lumpi (!) auf links, mit der er in der 8. Minute in den 16er drang und um ein Haar – oder besser gesagt: um einen Pfosten – sein erstes Tor für uns geschossen hätte. Dieser Spielzug brachte echte Begeisterung hervor und er sollte der Vorbote dessen sein, was uns Lumpi an diesem Tag zu bieten hatte: sein bis dato bestes Bundesligaspiel. Von Anfang an störte Lumpi Stussgart im Spielaufbau effektiv; bekam seine knallgelben 46-er Riesenlatschen immer wieder dazwischen, gewann nahezu jeden Zweikampf und eroberte so enorm viele Bälle. Und er behielt sie, spielte in Ruhe und präzise ab. Viele hatten – völlig zurecht – unseren Liebling kritisiert. Zu häufig waren eroberte Bälle gleich wieder weg. Doch diesmal folge auf „Sauber, Lumpi“ eben nicht direkt ein „Ach Mann, Lumpi“ – diesmal brüllte man bei fast jeder Aktionen „Sauber, Lumpi – Boah, Hammer, Lumpi!“ Die Moral dieser Geschicht: Auch Lumpi schadet Konkurrenz und Bankdrücken nicht.

Herzlichen Dank, Bruno Labbadia

Nach nur fünf Minuten der zweiten Halbzeit fiel uns ein riesiger Stein vom Herzen: Labbadia sei Dank hat die Flügelrakete aus Guinea namens Ibrahima Traoré nicht von Anfang an gespielt. Schon zu seiner Augsburger Zeit fanden wir Gefallen an diesem dribbelstarken und pfeilschnellen Flügelspieler. Und gestern sollte er Angst und Schrecken verbreiten. Zunächst über rechts kommend, lud er Lumpi und Jojo zum Tanz und vernaschte sie ein ums andere Mal. Gab es auch nur ein 1 gegen 1, das er verlor? Trickreich ließ er einen nach dem anderen stehen. Und just als Freund Balogun sich wohl dachte „Zum Glück spielt der auf der anderen Seite“, und als Adnan etwas nervös seine beiden Nikos fragte „Höh? Wo is’n der Traoré“, machte es sich dieser nun auf dem linken Flügel bequem. Es war die 60.Minute, als er mit gefühlten 180 Sachen an allem, was rote Trikots trug, vorbei schoss und aus vollem Lauf maßgenau auf den zweiten Pfosten flankte, wo Gentner direkt abnahm und zum 2-1 verkürzte. Zugegeben: Es konnte einem etwas Bange werden. Der Spielverlauf ließ nichts Gutes ahnen und 30 Minuten Restspielzeit sind arg lang. Doch Meier reagierte genau richtig und brachte Fink für Ilsö. Noch viel wichtiger: Fortuna wurde nicht nervös, obwohl Stussgart drückte. Und ähnlich wie bei einem Boxer, der sich zu viel vornimmt und „überpest“ (schreibt man das so???), kam Traoré nach seinem beeindruckenden, 20-minütigen Auftritt nicht mehr zur Geltung. Balogun hatte seine Seite wieder im Griff.

Perfektes Timing für K.O.-Schlag

Richtig verlässliche Spieler zeichnen sich dadurch aus, dass sie da sind, wenn man sie braucht. Zu stark schwankt Fink’s Formkurve bisweilen. Doch gestern war auch er sofort da. Nach einem ersten Schussversuch, der nahe der Seitenauslinie landete, setzte Fink nach. Er war hungrig und gallig – Meier hat selbst bei der PK noch gesagt, wie enttäuscht Fink davon war, auf der Bank sitzen zu müssen. So wollte er unbedingt sofort was zeigen und vollbrachte nach seiner Einwechslung sofort effektive Abwehrarbeit im Mittelfeld. Tasci (hat die Haare schön) leistet sich einen dicken Schnitzer in der eigenen Hälfte und unser „Finki“ nimmt Fahrt auf. Da ihm Kruse den Gefallen tut, zu kreuzen, bekommt er viel Raum geboten und hält mangels Abspielstation einfach drauf. Ullreich ist noch dran, aber das Ding ist zu platziert. 3-1! Feddich! Das war’s!! Gerade, als Stussgart drückte, lauerte Fink, holte mit der linken Klebe aus und setzt den K.O.-Schlag. Auch für ihn scheint der Denkzettel „Bank“ gut gewesen sein. Und mit Schahin bekam wenig später der zweite auf die Bank verwiesene Starter vom Gladbach-Spiel seine Einsatzzeit. Viel konnte und brauchte er nicht verrichten. Schön anzusehen, war das sogar von der Tribüne zu erkennende Grinsen von Bellinghausen, als er bei seiner Einwechslung mit Kruse abklatschte. Und Axel dachte sich: „Watt mein ehemaliger Kollege, Traoré, kann, kann ich schon lange.“ Er setzte kurz vor Schluss auf links zu seinem Traoré’sken Pirouetten-Tanz-Dribbling an – doch es sollte nicht so richtig klappen… Tja, dann war auch schon Schluss und wir durften wieder „An Tagen wie diesen“ singen…

Ein australisches „Humba-chen“

Während sich der etatmäßige Humbaflüsterer, Lumpi, nach der Ehrenrunde sichtlich geschafft Richtung Kabine schleppte, sammelte sich die Mannschaft zum Feiern mit der Südtribüne vor selbiger ein. Doppeltorschütze Kruse war natürlich fällig und Jojo half ihm dabei. Wer vor Anpfiff beim Einmarsch des Karnevalsprinzen den kleinen Buben erlebt hat, der nach der durchaus gelungenen Einlage des Prinzen und der wiederum unerträglichen Darbietung seiner Gattin das Mikro bekam, fühlte sich bei Kruse’s Humba ein wenig an den eingeschüchterteten Knirps erinnert. Et is halt nit jeder ’ne Rampensau, ne! Trotzdem machte es Freude, mal wieder einen Sieg zu besingen. Apropos Singen: Es scheint, dass die Südtribüne etwas an Support-Form gewinnt. Es wird zwar immernoch munter im Kanon gesungen, aber immer häufiger wird es ordentlich laut. Schön auch, dass sich manche dazu berufen fühlen, mit der Trommel den Takt vorzugeben. Jaja, es wirkte noch ein wenig hilflos bzw. taktlos und irgendwann gab er/sie ja von selber auf. Aber es zeigt, dass sich da etwas bewegt. Dennoch: Wenn man in den Gästeblock sieht: die vielen Fahnen, das synchrone Gehüpfe und die lautstarken Gesänge vernimmt, merkt man, dass es einem weh tut, in der eigenen Bude in Sachen Support schwach auf der Brust zu sein. Die UD fehlen merklich. Schauen wir mal, wie sich das fortan entwickelt. Keiner von uns hat den notwendigen Einblick in die Szene, um abschätzen zu können, ob wir das noch in dieser Rückrunde wieder hinbekommen. Wir wünschen es uns in jedem Fall und stehen damit ganz sicher nicht allein.

Einziger Wehmutstropfen des gestrigen Spiels ist die Gesichtsverletzung von Latka. Das sah schon recht heftig aus; und, dass er auf einer Trage weggefahren werden musste, zeigte, dass es kein leichter Bruch ist. Hoffen wir sehr, dass er kommendes Wochenende mit Gesichtsmaske auflaufen kann. Es dürfte dann jedoch zu dem oben bereits genannten Spitznamen ein weiterer dazu kommen: Bane.

Die beiden Burgs (Augs und Wolfs) nahmen sich schööön die Punkte weg. Das doofe Hoffenheim und der fränkische Club hingegen gewannen ihre Spiele. Tja, und Kräuter Fürth entführt doch tatsächlich einen Dreier beim S04. Umso wichtiger also, dass wir gewonnen haben. Vielleicht ist das dritte Burg aus Frei nach der gestrigen Niederlage auch gegen uns (an-)fällig. Schon ein Punkt wäre toll – denn eigentlich ist der SCF kein Team, das uns liegt. Tabellarisch zwar irgendwie schon, aber ihr spirit ist schon enorm. Wir dürfen gespannt sein.

Bis nächste Woche: 95 OLÉ

Adnan & Niko K. & Niko S. & Ingo (im Geiste)