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0 Durchblick. 0 Spirit. 0 Punkte.

31 Aug

Unsere Fortuna präsentiert sich desolat im Brutkasten der Nürnberger, bleibt über das gesamte Spiel ideenlos und kann mal wieder das entscheidende Gegentor nicht verhindern. Rote Laterne Olé!

Letzter der Rückrunde-Tabelle und nach dem 5. Spieltag nun auch letzter der neuen Spielzeit. Das Wort mit den fünf Buchstaben, das mit KRI anfängt und mit SE aufhört, setzt sich bedrohlich zusammen und ist kaum noch zu leugnen. Nein, man steht hier nicht vor einem Ruin und noch ist absolut gar nichts über den Verlauf der Saison gesagt. Wenn man jedoch sieht, wie orientierungslos die Mannschaft auf dem Platz wirkt, sieht man nicht so recht, warum es Grund zu Zuversicht und Hoffnung auf bessere Zeiten geben sollte. Abstieg? Ach Quatsch! Dritte Liga Mannschaft? Schlechter Kader? Nein!! – System? Konzept? Vision? Passende Rollenverteilung auf dem Platz? Leider auch nein! Die heutige Aufstellung machte das deutlich:

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Kramer hält Axel immernoch für einen Gewinn im Team. Diesmal lässt er ihn als LV auflaufen. Da er das aber nicht ganz so gut macht, soll ihm Ya Konan, der diesmal als LM spielen muss, hinten aushelfen. Ya Konan? Der erfahrene Mittelstürmer, unser designierter Goalgetter soll hinten aushelfen? Hat der nicht andere Aufgaben? Die soll van Duinen erfüllen. Er wird auf die #9 gestellt. Bodzek ist nicht mal im Stadion. Haben wir erst mal nichts gegen. Koch und Sobottka bilden das junge ZDM-Duo. Rechts außen darf Bolly düsen. Tja, und dann das erste Fragezeichen: Warum 4-2-3-1 mit einem 10er?? ML10 wird verkauft. Unter anderem, weil es heißt, Kramer spiele nicht mit einem 10er. Aber genau da stellt er Sararer hin – der Mann, der die besten Spiele vom linken oder rechten Flügel kommend spielte. Er Vorbereiter, kein „Abschließer“. Okay, kann man versuchen… Muss man aber wirklich nicht, denken wir.

Nürnberg darf auch 11 Mann aufs Feld schicken. Aber deren Mannschaft ist auf Schlüsselpositionen dünn besetzt. Vor allem die Abwehr hat sich zuletzt super wackelig angestellt. Das kann ja dann nur bedeuten: VOLLGAS UND ÜBERRENNEN und den Gegner zu Fehlern zwingen. Als Zweck- und Daueroptimisten glaubten wir sogar dran…

HZ1: Nichts zu sehen. Nichts zu erkennen.

Als die Mannschaften den Platz betreten wird Folgendes klar: Man sieht vor lauter dunkler Trikots die Teams nicht. Bei senkrecht stehender Sonne und zwei Mannschaften mit dunklen Trikots erkennt man fast durchgehend gar nicht recht, wer eigentlich wer ist. Für uns unbegreiflich, wie man so etwas überhaupt anpfeiffen kann. Hätte Nürnberg nicht wenigstens weiße Hosen und Stutzen tragen können? Es war in sehr vielen Situationen mit zur Aktion eines Spielers kaum ersichtlich, welche Mannschaft einen Zweikampf gewann, die Kirsche führte oder bei einem Luftduell in aussichtsreicherer Position steht.

Aber wir waren in puncto „fehlendem Durchblick“ nicht allein: Unsere Jungs auf dem Platz wussten auch nicht, was zu tun ist. Und das lag wirklich nur bedingt an den Trikotfarben. Das lag viel eher daran, dass von Anfang deutlich wurde, wie wenig jeder einzelne weiß, was er eigentlich tun soll. Und noch schlimmer: Spieler sollen Aufgaben erfüllen, von denen man eigentlich wissen müsste, dass sie es nicht können. Oder aber – sie kommen nicht dazu, die Dinge zu tun, die sie gut können, weil sie anders aufgestellt werden. Hierbei vor allem Ya Konan und Sararer. YK is eine Wühlmaus, ein Strafraumspieler und jemand, der sich – in seinen besten Tagen – dadurch hervorhebt, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht und Hereingaben verwertet. Was bitte soll er, der weder dribbelstark ist und noch nicht mal einen starken Antritt hat, auf dem Flügel? Schlimmer noch: Was soll er in der Defensive? Wie oft war er an der eigenen Grundlinie oder in der Nähe des eigenen 16ers, um Axel hinten zu unterstützen? Und der Gegner war ja nun mal nicht gerade Douglas Costa, den man zu zweit bearbeiten müsste…

Der zweite Fall von falsche Aufgaben für den falschen Mann: Sararer macht Alarm, wenn er mit Ball am Fuß außen ins 1-gegen-1 geht, Tempo entwickelt und im besten Fall einen Kollegen bedient. Aus der Mitte als #10er hat er noch nie glänzen können – vielleicht mal in der F-Jugend; oder gegen eine F-Jugend. Und dennoch wird er genau dort hingestellt. Dort wird er aber nicht steilgeschickt. Hat überhaupt keinen Raum und muss sich ein gänzlich neues Rollenverständnis zulegen.

Bolly kommt in diesem Spiel nicht in Fahrt. Er muss sich die Bälle hinten holen, weil er keine Zuspiele kriegt. Und in der 41. Minute trabt er plötzlich zur Seitenlinie. Auswechslung. So schlecht war er nicht, als dass er ausgewechselt werden müsste. Also muss wieder ein Muskel gezwickt haben. Nach viereinhalb Spielen sollten wir uns also auf die erste Verletzungspause von Bolly – einem der wenigen Highlights dieser bisherigen Saison – vorbereiten. Für ihn kommt Bebou. Ihm hatte Kramer zuletzt keine wirkliche Chance gegeben. Somit freuen wir uns, ihn zu sehen.

Aber weiterhin… Hier geht spielerisch überhaupt nichts. Keine Kombinationen. Standards und Ecken werden lächerlichst vergeigt. Dass sowohl Nürnberg als auch unsere Jungs regelkonforme Tore schießen, erscheint einem irgendwie an so einem Tag egal. Erwähnen müssen wir es aber. Denn wenigstens hat Koch einen schönen Flachschuss ausgepackt, der kurz vor der Halbzeit die Führung bedeutet hätte, hätte, hätte liecht im Bette…

HZ2: Formvollendete Harmlosigkeit

Auch die zweite Halbzeit war öde und langweilig, aber vielleicht einen Ticken besser – zumindest zeitweise. Unsere Jungs hatten mehr vom Spiel (Ballbesitzt) – aber gelenkt haben sie das Spiel trotzdem nicht. Zu keinem Zeitpunkt. So harmlos wie unsere Jungs nach vorne Spielen, könnten die Nürnberger auch getrost einen Feldspieler ins Tor stellen. Die Idee, man könne ja mal eine generell wackelige Abwehr überrennen, geht halt nicht auf, wenn man gar nicht erst weiß, wie man einen Angriff aufbauen kann/will/soll/muss. Kick and rush war zeitweise die Devise. Macht nur keinen Sinn, wenn vorne kein Sturmtank solche Bälle verwerten kann.

Nürnberg beschloss irgendwann dann noch mal, etwas für einen möglichen Sieg zu tun. Und in der 67. Minute klingelte es, nachdem es zuerst mächtig schäpperte: Irgendein Heini (Mähwald? Möhwald?) hält volle Suppe drauf, trifft den Pfosten, von wo das Spielgerät einem Spielkollegen vor die Füße tröpfelt, der die Kirsche dann locker einschiebt. Kein Vorwurf an niemanden. Einfach geiler Torschuss. Sie machen’s halt…

Und jetzt? Die Antwort? Pustekuchen! Es geht immernoch nichts. Doch wenig später kam der größte Aufreger für uns: Die Auswechslung von Bebou. Mal ganz abgesehen davon, dass van Duinen vorne so absolut gar nicht stattfand und viel eher hätte Platz machen müssen, ist es für einen Youngster wie Bebou einfach die Höchststrafe, in der 41. ein- und in der 76. wieder ausgewechselt zu werden. Bebou ist neben Bolly und Sararer der einzige im Team, der mal mit Ball am Fuß Dynamik entwickeln und für Unruhe sorgen kann. Aber nein! Er muss runter – Herr Kramer wird sich was dabei gedacht haben.

Für ihn kam unsere neue #10 Demirbay zu seinem Debut. Er durfte auch gleich mal einen Standard aus dem linken Halbfeld ausführen – doch das Resultat? Er trifft die 1-Mann-Mauer… Auch der neueste Neuzugang kann nichts für unser Spiel tun. Natürlich fehlt ihm noch jedwede Bindung. Ya Konan kommt kurz vor Schluss noch mal am 16er in gute Schussposition, jagt den Ball aber an die Latte – kommt uns bekannt vor, hm?! Ansonsten bleibt unser Team bis zuletzt völlig harmlos. Und so geht das vierte Spiel in Folge verloren. Die Negativserie steht.

Szene des Spiels

Sararer erobert in der Nähe des Mittelkreises den Ball nach schlampigen Nürnberger Pässchen. Er marschiert Richtung Clubberaner 16er. Er marschiert, marschiert, marschiert, marsch… Niemand, der sich anbietet, keine Idee, was er machen soll, und so wird ihm der Ball abgeluchst. Was hier NICHT stattgefunden hat, war Umschaltspiel. Unsere Mannschaft wusste NICHTS mit einem eklatanten Fehlpass des Gegners mitsamt viiiieel Platz anzufangen. Besorgniserregend.

Fazit

Diese Mannschaft hat noch überhaupt kein Grundsystem. Spieler werden in Systeme und Aufgaben gesteckt, die sie nicht erfüllen können. Wenn der Vorstand zu geizig ist, ins Spieler zu investieren, dann muss eben das System den Spielern angepasst werden und nicht andersum. ABER: Unser Trainer sollte für die Länderspielpause alle Zeit und Ruhe der Welt bekommen, um echte Feinjustierungen in der Mannschaft vorzunehmen. Noch immer ist nichts passiert – Fehlstarts sind dafür da, das Feld von hinten aufzurollen. Sollte sich aber ein oder zwei Spiele nach der Pause immer noch nichts ändern, und die Mannschaft sich so präsentieren wie gegen Heidenheim oder nun gegen Nürnberg, kann auch Kramer nicht die Antwort auf unsere Trainerseuche sein.

Ausblick: ohne Durchblick in der Personalie?

Die Personalie Liendl ist bei uns FUPPESinhos auch noch nicht verdaut. Ein begnadeter Kicker, der weder Konkurrenz, noch klare Rollenzuteilung bekam, und aus diesen Gründen genauso uneffektiv war wie der Rest. Fortuna schafft es einfach nicht, schwierige Spielertypen zu integrieren. Wenn man so ein Potenzial in einem Spieler sieht, muss es doch gelingen, dieses aus ihm herauszukitzeln. Denn trotz all dem war er Topscorer der vergangenen Saison – ganz egal, wie viele Elfmeter dabei waren. Seine Assists sprechen für ihn. Jetzt ist er bei einem Ligakonkurrenten. Stellt Euch mal vor, er blüht dort auf – das wird ein direkter Nachteil.

Und wir haben eine neue 10. Aber wieder ohne Konkurrenz. Ohne klare Rollenzuteilung. Oder sollen er und Sararer jetzt um die 10 kämpfen? Und wer spielt dann links? Axel? Aber der soll doch hinten…? Aber dann muss Ya Konan ja helfen… Und Schmitz will ja lieber ins zentrale Mittelfeld… Aber da ist ja jetzt Sobottka neben Koch – aber der ist zu jung… Und Fink? Kann Grätschen, aber nicht Spiel aufbauen… Ah ja: Bodzek! Ne, doch nicht. Moment, klar: der Gartner! Gut, aber weiß Kramer überhaupt, was der kann? Koch ist wohl als Einziger gesetzt. Rechts Bolly… Oh, der hat schon wieder Muskeln kapott – okay, dann Bebou… neee: dem hat man ja mal gerade so richtig einen reingewürgt. Vorne van Duinen – oder Pohjanpalo… Oder doch Ya Konan – aber der muss doch hinten Links dem Axel helfen… Oder macht das Demirbay, weil ja doch Sararer auf die 10 muss…? Aber ach, wir wollen ja ohne 10 Spielen. Und wo spielt dann überhaupt Akpoguma? Ach… Da ist doch Schauerte – der geht aber nicht nach vorne…. Also muss sich Bolly die Bälle hinten holen, aber… Ach, der fällt jetzt sicher aus. Also doch wieder Bebou!?

Ihr seht: Wir blicken nicht mehr durch. Und wir sind besorgt. Trainerdiskussion? Ne! Kriegen Sie es einfach hin, Herr Kramer. Länderspielpause nutzen. Sonst wird’s Mitte nächsten Monats ungemütlich. Eine Drohung? Nein: Das hier ist nur Fußball.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Keine Antwort ist auch ’ne Antwort!

3 Nov

Das Heimdebakel gegen Paderborn hat es unbedingt notwendig gemacht, dass die Mannschaft ein Signal sendet: Ein Signal, das darauf hinweist, dass sie lebt und gewillt ist, sich eigenständig aus dem Dreck zu ziehen. Und wieder wurden wir bitter enttäuscht.

Da „leider“ weder Ingo noch Adnan sich das Elend von Aalen live ansehen konnten, haben wir unseren guten und fachkundigen Freund Oliver gebeten, uns auszuhelfen. Hier seine Sicht des Spiels…

Nach dem Paderborner Einlauf in der vergangenen Woche konnte man als Fortuna Fan die folgenden Tage recht entspannt angehen. Jedem war klar, dass das Spiel gegen Aalen eigentlich nur besser werden konnte. So blieb Zeit für Diskussionen um den verbalen Kniefall von Lambertz vor heimischen Publikum. Der Matchplan für das Spiel Freitag Abend war daher klar (5 Euro ins Sport1-Phrasenschwein) „Die Antwort muss auf dem Platz gegeben werden“. Tja, und die Mannschaft gab eine Antwort – die Frage ist nur, in welcher Form und an wen diese Antwort gerichtet war? Aber der Reihe nach.

Die Aufstellung – Einmal Stirnrunzeln zum mitnehmen bitte!
Wie immer wurde über das „soziale Netzwerk“ die Aufstellung der Fortuna früh vor Spielbeginn präsentiert. Gleich vier Positionen wurden neu besetzt, und während zwei Wechsel auf den Außenbahnen logische, weil verletzungsbedingte Gründe hatten, sorgten die anderen beiden Wechsel für Sorgenfalten. Lambertz rutschte zurück auf die Sechser Position und verdrängte Paurevic, der trotz ordentlicher Leistung gegen Paderborn wieder die Bank mit seinem Gesäß wärmen durfte. Lumpi und Fink in der Zentrale – da konnte man schon mal ein gefühlvolles „Auf Wiiiiederseehn“ zur Offensivausrichtung anstimmen. Dafür rückte Bolly auf den rechten Flügel, obwohl dieser im Spiel gegen Paderborn nicht mehr Gefahr ausgestrahlt hatte als der Balljunge hinter ihm an der Werbebande. Und dann war da ja noch der Sturm. „Big Toe“ Benshop musste seinen Zeh schonen, so dass man mit „dat Astrid“ als gutem Muskelpaket-Ersatz rechnen konnte. Doch Büskens brachte Reise, zusammen mit Hoffer, dessen Leistung gegen Paderborn sehr „unglücklich“ ausfiel, um es diplomatisch auszudrücken. Das bedeutete zwei ähnlich ausgerichtete Stürmertypen, die eher Ihr Heil im Wuseln als in der Ballbehauptung suchen. Lange Bälle konnten somit auch schon mal in die Trickkiste zurückgelegt werden…

Auf geht’s Fortuna, kämpfen und siegen!
Aber man ist ja Fortune, und dazu gehört auch eine ordentliche Portion Zweckoptimismus. Die Fortuna beginnt auch gar nicht mal so schlecht, und damit ist auch der Trainer gemeint, der unentwegt in seiner Zone dirigiert und rumfuchtelt, als ob er sich für das Londoner Philharmonie Orchester bewerben würde. Die Fortönn nimmt den Takt an, schafft es sogar, den Gegner im eigenen Stadion zurückzudrängen und erspielt sich in der 6. Minute eine erste gute Chance. Reise spielt einen perfekten Pass nach rechts durch die Schnittelle rüber zu Bolly, doch der Flügelspieler zeigt leider wieder einmal seine akute Torungefährlichkeit und bekommt den Ball nicht unter Kontrolle. Der Ball verspringt und wird verknüsselt…

Die Lanzen werden stumpf
Nach einer Viertelstunde realisiert Aalen, dass die Fortuna in der Offensive letztendlich sehr harmlos ist. Dem zentralen Mittelfeld fehlt es – welch Überraschung – an Kreativität. Wenn dann mal doch die langen Bälle gespielt werden, reiben sich die beiden Innenverteidiger der Aalener mit freudiger Erwartung die Hände wie ein Kneipenbesucher um 2h morgens vor dem noch offenen Dönerladen. Sowohl Reise als auch Hoffer sehen in solchen Situationen keinen Stich. Hoffer spielt zudem wieder mal sehr unglücklich und wechselt immer zwischen schlecht getimten Pass oder falschem Stellungsspiel. Bolly verdribbelt sich permanent (Ballführung Olé) und Axel kämpft mit Reise um das berühmte „Er war stets bemüht“-Zeugnis.

Die Fortuna zeigt erneut ihre eklatante Offensivschwäche: wahnsinnig behäbiges Aufbau- und Umschaltspiel. Während Aalen durch schlechtes Stellungsspiel der Fortunen häufig nach 2-3 Pässen bereits an unserem Straufraum anklopft, kommt bei der Fortuna jeder Pass 2-3 Sekunden zu spät und meist auch noch quer oder nach hinten, so dass die Aalener jedes mal in Ruhe die Tür zu machen können. Das verleitet Aalen dazu, mutiger zu werden und drückt die Fortuna langsam wieder zurück in Ihre Hälfte. In der 23. Minute wird der Mut der Aalener belohnt. Bei dem Versuch einen Pass abzufangen, rutscht Balogun aus und legt Buballa den Ball perfekt zur Mitnahme vor. Der (f)linke Verteidiger der Aalener sagt Danke und zieht mit Ball Richtung Mitte des Strafraums. Was dann passiert, findet man im Fußball-Duden auch unter „Hühnerhaufen“. Ganze vier Fortunen wollen dem Aalener gleichzeitig ans Leder. Der daraus resultierende Freiraum ist logisch. Buballa behält die Übersicht und spielt links rüber zu dem gänzlich frei stehenden Lechleiter, der entspannt rechts an Giefer vorbei einlocht…

Fortuna scheint zunächst die richtige Reaktion zu zeigen. Bolly wird zu einem wütenden Monster, wie einst Bud Spencer in „Sie nannten ihn Mücke“ kämpft er sich mit sehenswertem Dribbling durch die gesamte Aalener Abwehr, bleibt dann aber seiner Linie als Anti-Knipser treu und wählt den Außenriss, statt den Ball mit der Innenseite in eine Ecke zu schlenzen. Somit kann sich Keeper Fejsic durch den unpräzisen Schuss gekonnt in Szene setzen. Der Ball prallt nach links ab, wo Axel den Ball nochmal scharf reinbringen könnte, doch stattdessen klebt er eine Postkarte auf den Ball und schiesst ihn gekonnt aus dem Stadion. Damit war das Pulver auch symbolisch verschossen und die Fortuna zeigt das, was man auch schon letzte Woche gesehen hat: kein Aufbäumen, keine Torchancen. Auch Büskens wird wieder ruhiger und fällt langsam wieder in sein lethargisches Muster zurück. Da Aalen keinen Bedarf sieht, jetzt noch einen drauf zu setzen, wird schon mal vorsorglich der Beton gemischt, so dass das Spiel vor sich hin plätschert. Selbst ein „Wir wollen Euch kämpfen sehen“ der 2000 mitgereisten Fortuna verpufft genauso wie die Angriffsbemühungen der Fortuna.  Doch als Fortuna-Fan setzt man wieder auf den guten alten Zweckoptimismus und hofft auf eine gute HZ-Ansprache und DANN eine Reaktion.

Aufstellung, die Zweite
Wer jetzt glaubte, Büskens würde etwas an der Aufstellung ändern, wurde erneut eines Besseren belehrt. Getreu dem Motto „Was schlecht ist, könnte vielleicht irgendwann besser werden“ wird mit den selben Spielern weiter gekickt und wenig überraschend plätschert das Spiel genau so vor sich hin wie in der ersten Halbzeit. So kommt es zu dem Moment, zu dem es kommen musste, weil er sich in den letzten Wochen einfach angedeutet hat wie ein Satz tiefdunkler Wolken vor einem Platzregen: Erstmals wird von den Fortuna-Fans lautstark „Büskens raus!“ gefordert. Richtig oder nicht, zumindest bringt es Büskens dazu in der 75. Minute (!!!) zu reagieren. Er nimmt (endlich) Lambertz und Hoffer raus und bringt „dat Astrid“ und Kenia. Der Wechsel bringt spürbar mehr Torgefahr und Bancé erspielt sich innerhalb von 5 Minuten mehr Chancen als Reise und Hoffer zusammen im gesamten Spielverlauf. Doch die Bemühungen kommen letztendlich zu spät – ebenso wie die Einwechslung von Gianniotas. In den letzten Minuten des Spiels entscheidet sich der Fortuna-Block dafür, Ihrer Mannschaft in Sachen Unvermögen in Nichts nachstehen zu wollen und sorgt mit dem Werfen von Bengalos und anderen Gegenständen auf dem Platz für ein Berlin-Relegationsspiel-Revival und einer Spielunterbrechung von 5 Minuten. Extrem unspektakulär wird nach Wiederanpfiff weiter gespielt und der Schiedsrichter beendet aus Gnade das Grauen ohne lange Nachspielzeit.

Die Antwort auf dem Platz?
Was war das nun für eine Antwort und an wen war Sie gerichtet? Sicherlich nicht an die mitgereisten Fans. Die 5 Minuten Pause aufgrund der Spielunterbrechung waren leider sehr aufschlussreich: Das fragwürdige Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft zeigte sich deutlich. Statt die Zeit der Unterbrechung zu nutzen um sich AUF SICH zu konzentrieren, noch mal in einem Kreis zu formieren und sich anzufeuern, zu motivieren und eventuell noch 2-3 taktische „Randale, ALLES NACH VORNE!!!“-Anweisungen zu geben, stehen alle Spieler und Trainer vor sich hin und lamentieren über das Geschehen im Gästeblock. Die Mannschaft ist derzeit nicht in der Lage, ein Spiel in der Endphase zu drehen, wie wir es in der Rösler-Beister Saison vor dem Aufstieg gesehen haben. Hier ist keiner in der Lage, ein „Jovanovic“ Tor in der letzten Sekunde zu schießen. Dafür fehlt einfach der Spirit. Man kann auch nicht von der Mannschaft erwarten, dass Sie sich in dieser Situation selber „aus der Scheiße“ reißt, wie es vom Vorstand im Moment gefordert wird. Wenn das so wäre, bräuchte man auch keinen Trainer mehr! Im Gegenteil: genau für solche Aufgaben ist ein Trainer die Schlüsselperson. Büskens scheint kaum noch dazu in der Lage zu sein. Die Mannschaft hat gegen Aalen genau darauf die Antwort gegeben hat. Wenn die Vereinsführung Ihre Fans nach der Saison nicht nochmal auf eine „Über die Dörfer“-Tour schicken will, sollte sie sich über gebotene Antwort schleunigst Gedanken machen.

Und wieder gilt: Es kann nur besser werden.

Oliver

Die Nullnummer gegen den FSV und die Frage des eigenen Anspruchs!

29 Sep

Unsere Jungs schieben fast neunzig Minuten lang den Ball langsam aus der eigenen Hälfte in die des Gegners. Doch nichts passiert. Keine zündende Idee, keine Kreativität. Da wir zudem einen Elfmeter vergweigert bekommen, und Giefer ein Mal gut pariert, endet die Partie gegen FSV Frankfurt 0-0. Ein Ergebnis, das unheimlich viel aussagt: Null Konzept! Null Spirit! Null Anspruch?

Fortuna Fan zu sein, bedeutet, trotzdem hinzugehen. Fortuna Fan zu sein bedeutet, immer wieder zu hoffen, dass diesmal der Knoten platzen und das Team uns begeistern wird. Fortuna Fan heißt, es zu begrüßen, dass jedes Spiel bei 0-0 anfängt. Doch damit einhergehend lebt auch die Hoffnung, dass die Null lediglich hinten steht und man etwas Zählbares mitnimmt. Naja, immerhin sind wir seit drei Spielen ungeschlagen. Wer weiß, wie wertvoll diese Punkte sind. Aber WELCHEM ANSPRUCH genügt das? Für WAS GENAU sind diese Punkte wertvoll? Für den Ligaerhalt? Oder für einen noch immer rechnerisch möglichen Kampf um den Aufstieg? Der Klärungsbedarf scheint dringender denn je. Das Publikum hat gestern völlig zurecht so genervt wie noch nie auf das Gegurke auf dem Rasen reagiert. Pfiffe aber auch Anfeuerung aus der Kurve zogen sich durch die gesamte Partie. Es liegt ein „Wir haben die Schnauze voll!“ in der Luft. Wir wollen mal beleuchten, was uns so dermaßen stinkt. Blicken wir erst mal auf das Spiel…

SPIELVERLAUF – DAS EWIG GLEICHE ELEND!

Aufgrund der Verletzungen aus dem Spiel gegen St.Pauli, ersetzte Gianniotas Lumpi auf der linken Seite und Bomheuer kam für Soares in der Innverteidigung. Ansonsten schickte Büskens die gleiche Truppe auf das Spielfeld wie in der Vorwoche… leider nicht die einzige Parallele. Wie schon in Hamburg spielt die Fortuna in der ersten Halbzeit zaghaft und ohne Mumm. Spielaufbau und Passspiel finden nur unzulänglich statt und haben mit ambitioniertem Profifussball wenig zu tun. Es ist kein Offensivkonzept zu erkennen. Während die Fortuna in den ersten Spielen unter Büskens noch versucht hat, Dominanz auszustrahlen, ist von diesem Ansatz mittlerweile nichts mehr zusehen. Frankfurt für Arme ging mit der liga-typischen Einstellung an dieses Spiel: Fortuna ist auf dem Papier der Favorit. Und so setzen die „kleineren“ Teams gegen uns auf eine starke Defensive und bauen Offensiv nur auf schnelles Umschaltspiel und Konter. Den Fachleuten auf den gegnerischen Trainerbänken ist natürlich nicht entgangen, was bei der Fortuna im Argen liegt. Die eklatanten fußballerischen Schwächen in unserem zentralen Mittelfeld laden den Gegner durch zu wenig Tempo und viel zu viele (unbedrängte) Fehler immer wieder zu gefährlichen Angriffen ein. Auch gegen den FSV sah es nicht anders aus.

Da aus dem Spielverlauf heraus kaum mal eine ansehnliche Passstaffette über mehr als zwei Stationen zustande kommt, ist Fortunas beste Chance im Spiel den fußballerischen Mängeln der Frankfurter geschuldet. Bancé setzt an der Mittellinie den Gegner gut unter Druck, der  den letzten Innenverteidiger mit einem hohem Ball in Bedrängnis bringt. Kenia stibitzt die Kirsche per Kung-Fu-Einlage und sprintet auf das Tor zu – die gesamte FSV-Abwehr hinterher. Kenia macht in diesem Moment eigentlich eine Menge richtig, denn er versucht das Spielgerät aus ca. 15 Metern flach Rechtesunten einzunetzen… Leider bekommt Gästekeeper Klandt aber noch die Fingerkuppen an den Ball und lenkt ihn an den Pfosten. Danach dümpelt das Spiel grottig vor sich hin und ist schlichtweg langweilig. In der 30. Minute erinnert sich Fink jedoch an seinen genialen Pass von letzter Woche und zeigt gegen Frankfurt nun auch mal EINEN! Auf Höhe der Mittellinie lupft er einen hohen Ball auf Gianniotas, der das Leder schön mitnimmt und im Strafraum dann an Gegenspieler und Torwart vorbeigeht; doch leider ist der Winkel zu spitz und Giannis zu sehr auf den Ball fixiert. Denn so sieht er den einschussbereiten Bancé am 11er-Punkt nicht…

Wenigstens steht die Abwehr stabil, was allerdings gegen so einen ungefährlichen Gegner kein Wahnsinns-Kunststück ist. Die einzige Szene, in der Giefer wirklich aktiv werden muss, ist die 39. Minute, in der Görlitz nach einem schnellen Spielzug der Gäste einen schönen Volleyschuss loslässt. Giefer hat ihn im Nachfassen. Mal von dem erheiternden Schiri-Bancé-Pogo, bei dem Schiedsrichter Leicher (zu dem kommen wir gleich noch) rückwärtslaufend in Bancé reinrennt und beide hinplumpsen, abgesehen, bietet diese Halbzeit nichts Ermutigendes. Der schnarchige und viel zu vorsichtige Auftritt der Fortuna wird beim Halbzeitpfiff mit Pfiffen belegt, die dann aber schnell in Anfeuerung aus der Kurve übergehen.

KURZES AUFWACHEN IN DER 2HZ – DOCH ES BLEIBEN DIE ALTEN SCHWÄCHEN

Aus der Pause kommt die Fortuna dann mit frischem Mut und für einige Minuten wird sogar so etwas wie Druck aufgebaut, aber so richtig gefährlich wird es für die Frankfurter trotzdem nicht. Leider dauert diese Phase dann auch nur ungefähr zehn Minuten, denn danach bekommt das Nervenkostüm wieder Risse. Die Fehlpässe häufen sich wieder, eine klare Linie ist nicht erkennbar und in der Abwehr kommt es zu immer mehr Unkonzentriertheiten, die der Gegner aber nicht für sich nutzen kann. So wird das Spiel immer grausamer für den Zuschauer und lediglich in der Schlussphase kommt noch mal etwas Feuer in die Partie. Dies liegt an dem bis dahin ziemlich unauffälligen Schiedsrichter Leicher, der ein Handspiel der Frankfurter im eigenen Strafraum nicht ahndet. Sofort gibt es einen Sündenbock! Klar, wieder mal eine Fehlentscheidung gegen uns! Dass bei den Fortunen wirklich die Nerven blank liegen, sieht man an den gelben Karten, die unsere Jungs dann noch für’s Meckern kassieren. Als dann der eingewechselte Hoffer in der Nachspielzeit noch im Strafraum zu Boden geht und es wieder keinen Elfer gibt (diesmal allerdings zurecht), reicht es den meisten Fortuna-Fans. Unter lauten Pfiffen wird das frustrierende Spiel beendet – wie viele dieser Pfiffe an den Schiedsrichter oder das eigene Team gerichtet waren, ist schwer zusagen. Verletzungsmisere hin oder her – mal wieder hat sich gezeigt, dass eklatante Mängel im Spielaufbau aus dem zentralen Mittelfeld herrschen. Das war schon in Bundesligarückrunde das größte Problem! Dies hätte WW in der Transferperiode angehen MÜSSEN – gerade, wenn mit Büskens ein Trainer mit neuer Spielphilosophie kommt, wo alles auf Ballbesitz und Dominanz ausgerichtet sein soll.

DIE FRAGE NACH DEM EIGENEN ANSPRUCH

Warum ist die Frage nach dem eigenen Anspruch so wichtig? Weil man nur, sofern der Anspruch klar definiert ist, sagen kann, ob man auf gutem Wege ist oder eben nicht. Mannschaft und Fans – das wagen wir jetzt mal so hierhin zu setzen – sprachen stets vom Wiederaufstieg; oder zumindest davon, oben mitzumischen. Die Stimmung unter den Fans konnten wir ja selber miterleben: im Stadion, in Fanforen, auf Facebook, etc. – und die Spieler vermittelten diesen Eindruck in ihren Interviews. Es fällt nun aber im Nachhinein auf, dass weder bei der sportlichen noch bei der geschäftlichen Leitung je klar definiert wurde, was man eigentlich will. Zumindest nicht öffentlich.

Vielmehr gab es ein Rumgeeiere, zu viel gleichzeitig und nichts ernsthaft: Einerseits Aufstiegsambitionen, gleichzeitig Neuanfang, ebenfalls Stabilität erreichen, junge Spieler aufbauen, etc. etc… Und was erleben wir? Nichts von all dem. Von den oberen Rängen sind wir spielerisch noch weiter entfernt als rechnerisch. Ein Neuanfang ist absolut nicht auf dem Platz zu erkennen, da wir genau so uninspiriert zu Werke gehen wie in der Rückrunde. Stabilität geht aufgrund der unzähligen Verletzungen und den absolut unzuverlässigen (angeblichen) Säulen der Mannschaft flöten. Aufbau junger Spieler? Ein bitterer Witz! Was muss bitte noch passieren, damit Halloran auf dem Flügel eine Chance bekommt? Wie viele Ballverluste müssen Fink, Bodzek und Lumpi fabrizieren, damit Paurevic oder Gartner mal zentral zum Einsatz kommen? Wie viele Chancen müssen vorne versiebt werden, bevor Bebou erneut und Wegkamp überhaupt mal zum Einsatz kommt? Wie kann Mike Büskens ein Spielsystem auf Biegen und Brechen fortsetzen, für welches er gar nicht die richtigen Spieler hat? Eine Doppelsechs erlahmt das Spiel, wenn die Spieler keinen Aufbau ankurbeln können. Wie oft muss er das noch beobachten, bevor er mal über nur EINEN defensiven Mittelfeldmann nachdenkt? Ein einzelner Stürmer bringt bei uns seit dem Abgang von Sascha Rösler keinerlei Gefahr mehr. Warum bitte kann man nicht mal mit zwei Sturmtanks ran? Und noch viel wichtiger: Wieso sind wir nicht in der Lage, uns bei der Systemfrage auch mal nach dem Gegner auszurichten? Vor und während es Spiels? Wenn man sieht, dass ein Team so tief steht wie der FSV, kann man doch bitte mal eine offensivere, taktische Ausrichtung oder einen Personalwechsel zur Halbzeit erwarten, der mehr Offensivgeist bringt…

Nein. Es ist einfach überhaupt kein Konzept zu erkennen. Wie sich jetzt endgültig zeigt, auch bei der Personalpolitik nicht. Statt sich punktuell clever zu verstärken, wurde wieder ein Rundumschlag vollzogen. Der Fokus auf Jungspunde war leider trügerisch. Denn sie kriegen keine Chance. Schaut Euch zum Vergleich nur mal die Personalpolitik des stinkenden EffZeh oder der verschissenen Hertha an. Manche Investition war natürlich übel riskant, zahlt sich aber unter Umständen genau so aus, wie es bei Eintracht Frankfurt geglückt ist. Keine Sorge. Wir wollen nicht den Verein tauschen. Aber wir müssen auch mal auf das schauen, was andere Vereine tun, um unsere eigenen Verantwortlichen bewerten zu können. Und leider sinkt das Vertrauen in deren Arbeit mehr und mehr…

AUSBLICK & UMFRAGE

Kommenden Montag kommt nun Kräuter Fürth. Die haben einen richtig guten Start hingelegt. Vermutlich liegt uns das Team viel eher als die bisherigen Gegner. Denn gegen die Fürzer werden unsere Jungs reagieren müssen – das war die vergangenen Jahre eigentlich immer unser Erfolgsgarant. Ihr merkt, die zu Beginn beschriebene Hoffnung TROTZ des desolate Zustands, lebt schon wieder auf… 😉

Und nun seid Ihr wieder dran. Lasst uns wissen, was Euer Anspruch an die Fortuna in dieser Saison ist. Lasst Euch dabei nicht davon „blenden“, wo wir in der Tabelle stehen. Gebt ruhig an, mit welchen Erwartungen Ihr an die Saison 2013/2014 gegangen seid. Denn dieses Stimmungsbild ist wichtig, um herauszufinden, ob der Verein in unseren Augen im Soll ist oder nicht.

Dem Allgemeinzustand angemessen gibt es diesmal zum Abschluss nur ein: 95OHJE

Ingo & Adnan

Führung und Überzahl reichen mal wieder nicht!

26 Sep

Unsere Jungs geben mal wieder kurz vor Schluss einen Sieg her. Nach zwischenzeitlicher Führung durch Bancé gelingt es ihnen wie schon gegen Dresden nicht, die Null hinten zu halten.

Montagsspiele sind aus vielerlei Hinsicht ätzend – auch für uns Blogger. Die viele Zeit, die wir uns nehmen möchten, um das Spiel zu resummieren, Interessante Aspekte aufzugreifen und es möglichst lesbar aufzubereiten, ist unter der Woche gar nicht so leicht zu finden. Daher haben wir diesmal länger gebraucht als sonst. Seht es uns nach, Freunde. Kommendes Wochenende dürfte es wieder schneller gehen. Und WIR FORDERN, VERDAMMT NOCH MAL, dass wir uns mal wieder in voller Freude und Begeisterung zu Wort melden dürfen. Denn auch diesmal ist die Stimmungslage eher bescheiden. Kommen wir zu dem, was in Pauli abging…

Aufstellung: Routine statt Unbekümmertheit

Beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung  haben wir uns erstmal etwas fragend an der Rübe gekratzt! Mike Büskens nahm den während der Woche  leicht angeschlagen Bomheuer aus der Startelf und brachte dafür den ENDLICH wieder genesenen Malezas in der Innenverteidigung neben Soares. Also direkt zwei ehemalige Langzeitverletzte mit wenig, bzw. gar keiner Spielpraxis in der Abwehrzentrale. Zudem rückte Bodzek wieder auf seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld, wofür der eigentlich zuvor gute Gianniotas wieder auf der Bank Platz nehmen musste. Zu Bodzek gesellten sich mit Fink, Lumpi und Reisinger drei weitere Routiniers, so dass mit Kenia im Mittelfeld und Ramirez in der Viererkette nur zwei F95-Jungspunde in der Startelf standen. Sturmtank Bancé und RV Levels erhöhten dafür sogar noch den Erfahrungsfaktor in der Truppe. Besonders nach den schwachen Auftritten unserer Mittelfeld-Haudegen mit Erfahrung  in den letzten Spielen (wir zählen Reisinger auch ganz klar dazu!), waren wir etwas unglücklich über die von Büskens aufgebotene Elf. Allerdings konnten wir auch direkt seinen Ansatz verstehen, eine Mannschaft mit Erfahrung auf den Platz zuschicken, die den hohen nervlichen Anforderungen auf St. Pauli gewachsen sein würde. Zudem gab der Kader (siehe Verletztenliste) auch nicht mehr besonders viele Alternativen her.

1. HZ: Laaaaangweilig!

Das Spiel beginnt direkt mit einer guten Chance für die Fortuna. In der dritten Minute kommt Kenia im gegnerischen Strafraum an den Ball und verzögert etwas, um auf einen nachrückenden Mitspieler abzulegen. Bodzek meldet sich freiwillig und bekommt das Spielgerät von Kenia mustergültig aufgelegt. Aber obwohl „Bodze“ (relativ) viel Zeit hat, wählt er für den Torschuss seinen linken Fuß und fabriziert leider nur einen harmlosen Flachschuss, der in gefühlter Zeitlupe auf das Pauli-Tor zurollt. Da wäre echt mehr drin gewesen! Danach entwickelt sich ein Spiel das wenig Höhepunkte bereit hält. Die Fortuna-Routiniers machen ihre Sache in der Defensive recht souverän und lassen bei guter Ordnung wenig Tormöglichkeiten für den Gegner zu. In der Offensive gibt es hingegen wenig Souveränität von F95 zusehen. Besonders im Spielaufbau! Wenn wir uns angestrengt zurückerinnern, gab es in der gesamten ersten Halbzeit nur einen guten Spielzug über mehrere Stationen, der dann natürlich vom überforderten Schiedsrichter mit dem Halbzeitpfiff frühzeitig beendet wurde. Falls es für uns mal nach Vorne geht, ist dies eher dem versemmelten Spielaufbau der Hamburger geschuldet, welcher ähnlich viele Stockfehler, Fehlpässe und Unkonzentriertheiten enthält wie der Unsrige. In der Abwehr steht Pauli aber auch recht gut in der Ordnung, so dass Bancé nur einmal wirklich in Erscheinung tritt, als er in der 23. Minute einfach mal aus guten 35 Metern draufballert. Das Geschoss fliegt zwar knapp am Tor vorbei, aber wenigstens traut sich mal wieder einer etwas! Wenig später muss dann unser Kapitän angeschlagen vom Spielfeld, da er sich zuvor bei einem Block verletzt hatte. Für Lumpi kommt dann in der 35. Minute Gianniotas auf den Platz. Er wird wenig später Zeuge von Paulis größter Chance in im ersten Durchgang. Fin Bartels bereitet unsere Abwehr größte Probleme, ist aber zum Glück nicht abgewichst genug, um seinem sehenswerten Alleingang in der 39. Spielminute erfolgreich abzuschließen. So geht es ohne Tore und mit wenig positiven Höhepunkten in die Pause, dafür haben Zweikampfverhalten und Einstellung gestimmt.

2. HZ: Blitzstart, Knipsertor und der Fluch der Überzahl!

Diesmal scheint die Halbzeitansprache des Trainers wohl gefruchtet zu haben, denn nur eine Minute nach Wiederanpfiff geht die Fortuna etwas überraschend – und gar nicht mal verdient – in Führung. Zuerst spielt Fink völlig unbedrängt einen ganz grausamen Pass auf Ramirez, der im Seitenaus landet. Noch während unseres Frustausbruchs vor’m Bildschirm ob des Fink’schen Pass-Fails, kommt Monsieur „Finki“ erneut in Ballbesitz und macht es diesmal viel besser: nach schönem Zuspiel von Ramirez spielt er einen diesmal Xavi’esken hohen Pass präzise mit perfekter Flugkurve in die Sturmspitze. Aristide Bancé nimmt das Zuspiel bedrängt von zwei Verteidigern geschickt mit dem rechten Fuß an, legt sich den Ball kurz und knapp auf links und schließt aus 16 Metern mit links sein erstes Tor für die Fortönnski. Die Kirsche kommt flach und mit Spin und schlägt unhaltbar in der rechten untere Ecke des Tores ein. Ein echtes Knipsertor – humorlos und schnell. Annahme und Abschluss in einer Bewegung!

Wir freuen uns über die Führung, aber gleichzeitig wird uns bange. Denn mit einer Führung sind unsere Jungs in den letzten Wochen nicht besonders gut umgegangen. Aber obwohl St. Pauli jetzt merklich mehr investiert, scheinen die Fortunen trotzdem halbwegs Herr der Lage zu sein und nicht in sich zusammen zufallen wie zuletzt. Denn die Ordnung auf dem Platz stimmt weiterhin und man erkennt tatsächlich mehr Kampf; Löcher werden gestopft, der Gegner wird früh gestört und das Zweikampfverhalten stimmt. Pauli beißt auf Granit. Um die 70. Minute gibt es dann sogar durch Kenia und Bancé sogar noch gute Kontermöglichkeiten für unsere Jungs, die aber genauso liegen gelassen werden, wie in den Wochen zuvor, wenn sich die Chance bot, den Sack zuzumachen. Und so erliegen wir am Ende doch den drei chronischen Krankheiten der Fortuna. 1) Die Schlussphase eines Spiels liegt uns gar nicht; 2) Eine Führung über die Zeit zu bringen ebenso wenig; 3) Und Überzahl war in der jüngeren Geschichte der Forteng immer ein Nachteil. Und dann kommt auch noch Kringe. Bei seiner Einwechslung sagt Adnan noch „Immer, wenn der für Dortmund getroffen hat, waren das Megabuden.“ – im Nachhinein leuchtet ein, warum Ingo das mit einem „Alter, halt‘ doch de Schnüss!“ beantwortete. Das Publikum peitscht die Reeperbahn-Kicker infolge des völlig überzogenen Platzverweises lautstark nach vorne. Und wie soll es anders kommen…. In der 82.Minute, nur eine Minute nach der roten Karte für Thorandt, hämmert der eingewechselte Kringe aus über 20 Metern einen Sonntagsschuss in Giefers Maschen und stellt den 1:1 Endstand her. Die Schimpftiraden und verbalen Auswürfe, die uns dann über die Lippen gingen, müssen aus Sicherheitsgründen zensiert bleiben… Sagen wir es mal so: Wir ärgerten uns ein wenig.

Obwohl Die Hamburger von der Statistik her den Punkt verdient haben, fühlt sich dieses Unentschieden MAL WIEDER wie eine Niederlage an. Dabei geht es nicht um eine eventuell zu hohe Erwartungshaltung, sondern eher darum, dass die Jungs diesmal nicht eingebrochen sind oder den Gegner zu Toren eingeladen haben. Der Gegentreffer war eher ein Glückstreffer als ein Zeichen von Stärke des Gegners und nach der eigentlich überzeugenden Defensivleistung und dem betriebenen Aufwand wäre ein Sieg so wichtig gewesen. Es scheint aber derzeit für die Namensvettern der Glücksgöttin schwierig zu sein, das Glück zu erzwingen!

Personelles / Fragen / Ausblick

Zur Einzelleistung der Spieler lässt sich nicht allzu viel sagen. Alle waren recht blass. Erfreulich war sicherlich die augenblicklich starke Leistung von Stelios Malezas. Wir sehnen uns den Tag herbei, an dem er und Latka mehr als 2 oder 3 Spiele hintereinander das IV-Duo bilden. Das wird zusätzlich Stabilität bringen. Ramirez hat Defensiv überzeugt, macht aber keine Offensivläufe mehr. Das mag an seinen ständig wechselnden Partnern auf links liegen. Die Gesamtausrichtung der Mannschaft war sehr defensiv eingestellt. Und, wenn man MB vor dem Spiel hat reden hören, vernahm man seinen (vielleicht übertriebenen) Respekt vor St. Pauli. Wirklich positiv war „dat Astrid“ aka Aristid Bancé. Er hat endlich mal wieder ein echtes Knipsertor geschossen. MB sollte wirklich mal versuchen, mit einer Doppelspitze plus 10er dahinter zu spielen. B+B im Sturm bringen zusammen fast 4 Meter und 180 Kilo zustande. Daran könnte eine Abwehrreihe kapott jehen. Aber dazu würde eine Portion Mut gehören. MB wirkt derzeit jedoch etwas verunsichert. Bei allem Verständnis für die schwierigen Umstände – neues Team, Verletzungsmisere, etc. – da kann man von einem Coach durchaus mehr Souveränität erwarten. Seine Teilnahmslosigkeit am Spielfeldrand ist mitunter besorgniserregend. Er muss ja nicht gleich wie Klopp den Vierten Offiziellen bedrohen, aber doch zumindest mal Alarm machen. Alarmglocken ertönen derzeit nur bei den vielen neuen Hiobsbotschaften. Nun ist auch noch Gianniotas verletzt – unser mit Abstand bester Standardschütze. Wir bleiben dabei und wiederholen uns zum x-ten Mal: Das hat nicht mehr viel mit Pech zu tun… Da läuft methodisch etwas falsch.

Mit Blick auf kommenden Samstag würden wir gerne von Euch wissen, was Ihr vom Spiel gegen FSV Frankfurt erwartet. Seht Ihr positive Ansätze, auf die man bauen kann, oder erwartet Ihr die nächste Pleite? Lasst es uns (und Euch selbst) in der Umfrage wissen.

So, und nun bauen wir mal wieder daran, Hoffnung zu schöpfen.

95 Olé,

Ingo & Adnan

Gastbeiträge: „11-0 Ecken, 1-2 Tore“ & „Tagesablauf 3. Spieltag“

11 Aug

Da weder Ingo noch Adnan die Gelegenheit hatten, das Spiel gegen 1860 live zu sehen, haben wir unsere werte Leserschaft gebeten, diesmal fuer einen Spielbericht fuer uns einzuspringen. Der hoch geschaetzte Luis Frias hat uns sein Stadionerlebnis fuer diese Woche zur Verfuegung gestellt. Und der gute Fortuna-Micha liefert uns seinen wunderbar nachempfindbaren Spieltagsablauf. Wir danken beiden herzlich dafuer.

11-0 Ecken, 1-2 Tore

Ungläubig habe ich das Stadion verlassen. Ungläubig ob so viel Dummheit? Oder war es Unvermögen? Oder zahlen wir Lehrgeld für unsere offensive Ausrichtung?

Fassen wir die Geschehnisse zusammen. In den ersten 10 Minuten hatte ich Angst, unsere Mannen wollen die Löwen auffressen. Dem Feuerwerk an permanentem Pressing konnte man kaum folgen. Man hatte phasenweise das Gefühl, wir hätten 2-3 Spieler mehr auf dem Platz.

Dann aus dem Nichts ein weiter Einwurf, Kopfballverlängerung, Lauth steht mutterseelenalleine, drin ist die Kirsche. Unglaublich. Während Teile der Zuschauer noch nach Knochen von gefressenen Löwen auf dem Rasen suchen, reiben sich andere immer noch ungläubig die Augen. Was war das denn?

Unsere Jungs schütteln sich ein paar Mal und weiter geht’s. Weiter gibt es nur eine Richtung, die in Richtung des Fussball-Rentners in seinen Uncle-Sam-Gedächtnishosen. Was jedoch dem stillen Beobachter auffällt, einige Spieler bringen keine Normalform. Das Mittelfeld findet kaum statt. Die extrem hoch stehenden Aussenverteidiger werden meistens aus der Innenverteidigung angespielt. Bodzek, sonst eine Bank an Zuverlässigkeit, spielt in der ersten Halbzeit kaum einen Ball, der einen Mitspieler findet. Was war los Bodze? Katzenallergie? Lumpi, heute durchgehend müde wirkend, versucht wieder all die Dinge, die er leider nicht kann, Abspiele diagonal über den Platz, Doppelpässe, Pässe in die Tiefe. Lumpi, hör auf deinen Trainer, Ball erobern und abspielen, das kannst du und dann bist du wertvoll für die Mannschaft. Axel, wie immer als Duracell-Häschen unterwegs, ab und an unglücklich im Abspiel, dann glänzend, wenn er direkt mit Ramirez kombinieren kann.

Bolly, für mich enttäuschend bisher. Gute Aktionen, seiner überragenden Schnelligkeit geschuldet, macht er sich selber kaputt. Wenn schon seine Augen seinem Tempo nicht folgen können, so sollten seine Ohren, trotz des „Laufwindes“, das Rufen seiner Mitspieler hören. Vielleicht ist aber unser Kenia ganz einfach nur zu klein und zu leise und man muss ihn übersehen. 4 Mal hat er damit aussichtsreiche Möglichkeiten ausgelassen. Bolly, du bist sicher ein Rennpferd, aber nimm bitte die Scheuklappen runter.

Das 1-1, längst überfällig, wird gut herausgeholt von Kenia. Sein Mut zum Dribbling wird hier belohnt. Wenn der Junge fitter und spritziger wird, bereitet er uns noch sehr viel Freude. Benschop, die Kante, hämmert das Ei vom Punkt trocken hoch ins rechte Eck.

Apropos Benschop, wirkt für manch geneigten Betrachter unauffällig, ist aber immer präsent. Immer anspielbar, den Ball gut abdeckend, Räume machend mit seinem wuchtigen Body, nicht vom Ball zu trennen und einen mächtigen Bums im rechten Fuß. Kurz vor Schluss leider am Tor vorbei.

Die zahnlosen Löwen weiter beeindruckt, kriegen kurz vor der Pause fast noch das 2-1. Bolly ist leider kein Knipser, somit ein sehr schmeichelhaftes 1-1 für die zahnlosen Löwen. Die müssen beim Pausentee sehr ungläubig dreingeschaut haben.

Nach der Pause versuchen unsere Mannen weiter auf Sieg zu spielen. Ein verbesserter Bodzek bringt mehr Bälle an den Mann, aber irgendwie kriegt man das Gefühl, hier passiert nichts mehr. Die zahnlosen Löwen haben über das gesamte Spiel nicht den Anschein gemacht, das sie hier überhaupt was holen wollen. Defensiv eingestellt, schon in der ersten Halbzeit das Spiel verzögernd, hier passiert nichts mehr.

Und dann, wieder aus heiterem Himmel, der zweite Torschuss der Miezen, Tor. Unfassbar. Was war das denn jetzt wieder? Reise verlängert einen Abschlag von Uncle Sam unglücklich in den Lauf einer Mietze, Tobi stellt sich im Zweikampf etwas dämlich an (Wiedenbrück noch im Kopf?) und drin ist das Ding. Man schaute sich um und sah noch mehr ungläubige Blicke als nach dem 0-1. Man war anscheinend im falschen Film.

Danach nicht mehr viel Berichtenswertes, weiter Druck nach vorne, aber auch MB hat heute nicht seinen besten Tag. Keine der Auswechslungen war von Glück behaftet, waren sie überhaupt sinnig? Reise fiel kaum auf, war er wirklich auf dem Platz? Genki lief mit seinen kurzen Teckelbeinen von Löwe zu Löwe, aber eigene Aktionen blieben in der vielbeinigen Löwenabwehr hängen. Gerrit kam zu spät um noch was zu reißen.

So kommt, was heute wohl kommen musste, wir verlieren ein Spiel, dass man nach dem Spielverlauf eigentlich gar nicht verlieren kann. Kommt vor, darf aber nicht häufiger passieren.

Noch die Kurzkritik zu den nicht erwähnten Akteuren, Balogun sehr schwach, Ramirez wieder Extraklasse, Giefer arbeitslos, man hätte heute auch ohne Torwart nicht mehr als 2 Tore bekommen, Bomheuer zuverlässig, wie auch Levels, der sich am Ende noch gegen die Niederlage gewehrt hat.

Schliesslich: Fans, die ihren eigenen Spieler auspfeifen, sind keine Fans. Geht nachhause, kommt nicht wieder und schaut den FC Bayern.

95 Ole

Euer Luis (Fuppes95 Gast)

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Tagesablauf 3. Spieltag!

Freitag Morgen 7 Uhr: Ich werde wach und sofort schiesst es mir in den Kopf…Heute: FOOOORTUUUUUNNNAAAA !!!
7.30 Uhr.:Unter der Dusche werden die ersten Fortuna-Lieder gesummt.
7.40 Uhr: Aus dem Summen wird langsam ein lautes Singen.
8.15 Uhr: Ich streife mir mein Trikot über und beschliesse nicht ins Büro zu fahren und von zu Hause aus zu arbeiten.
12.30 Uhr: Es macht sich ein mulmiges Gefühl breit…(Mann…Hoffentlich gewinnen wir heute)
13.15 Uhr: Ich stelle gerade fest,dass ich mulmige Gefühle hasse und ich mal unter Gleichgesinnten muss.
13.30 Uhr: Lappy heruntergefahren…Auf gehts zum „SCHLÜSSEL“ !!!
14.30 Uhr: Da es mir in letzter Zeit immer schwerer fällt unsere „Launische Diva“ bei klarem Verstand und klarer Sicht zu betrachten
                 treffe ich die notwendigen Vorkehrungen und order in kurzen bestimmten Zeitabständen die „Tränen Gottes“….BIER !!!
15.00 Uhr: Sämtliche Freunde,Bekannte und Fortunen sind eingetroffen.
15.30 Uhr. Das mulmige Gefühl weicht einem noch nicht ganz so breitem Dauergrinsen.
16.30 Uhr: Aufbruch zur Arena…das Grinsen breiter.
17.15 Uhr: Das übliche Stelldichein vorm Block kommt in Fahrt. 0,25l Gläser werden nun durch 0,5 liter Becher ersetzt.
18.15 Uhr: Ab in den Block…Sieges-und Biertrunken schreie ich die Mannschaftsaufstellung mit und freue mich meines Lebens.
18.30 Uhr: Es geht los und es sieht gar nicht schlecht aus.Zufriedenstellend bis Gut.Dann trifft 60 aus dem Nichts zum 0:1.
                 Na ja…es ist ja noch früh und unsere Tuna spielt alles andere als schlecht…Mittlerweile hab ich auch schon meinen 6. Humpen drinne
                 und vielleicht die Altbierbraune Fortuna-Brille auf.
                 Nöööö…hab ich nicht…Schöne Aktion von Kenia…ELFMETER !!!…Benshop macht das 1:1 !!!…Prima…darauf erst mal ein Bier !!!
19.15 Uhr: Ich bin im Geiste schon bei der Ehrenrunde…bei der HUMBA und bei „An Tagen wie Diesen“ und male mir gerade aus wie hoch unser
                 Kantersieg ausfallen wird…Wir sind ja soooooo überlegen.
19.30 Uhr: 2. Halbzeit beginnt.Ist ja nur eine Frage von Minuten bis wir in Führung gehen…denke ich mir mit meinem 9. Humpen in der Hand.
19.55 Uhr: das Spiel plätschert dahin….genau wie das Bier in meinem Wanst….Mein Grinsen hat nun Optimabreite !!!
20.00 Uhr: Machen wir die Sache rund und greifen Humpen Nummer 10 an.Während ich auf mein Bier warte (man war so nett und hat mir immer
                 geholt) kam ich zur Überlegung,dass es mit dem Kantersieg wohl nix mehr wird.
20.03 Uhr: Mein Bier ist da !!!…und dachte mir:WENN WIR NOCH 5 ELFER BEKOMMEN,KÖNNTEN WIR DAS DING VIELLEICHT NOCH 3:1
                 GEWINNEN.
                 Aber dann kam alles anders:
                 Effektive 60er kommen das 2.Mal in 90 Minuten vor das Tor und machen dann auch die Hütte
                 Von der Überlegenheit der Fortuna war ja eh schon nichts mehr zu sehen.Es kam einem vor als findet das Spiel
                 im Mittelkreis statt.
                 Na ja…die Jungs werden sich wohl nochmal aufbäumen…Sind ja noch so ca. 13,14,15 Minuten.
                 Allerdings hatten die Spieler mal wieder andere Überlegungen als ich.
                 Die etwas anderen Überlegungen bestätigten sich auch.
                 Mein mittlerweile 12.Humpen konnte mich auch nicht mehr trösten…allerdings kam jetzt zum überbreiten Dauergrinsen
                 ein hysterisches Kichern dazu.
                 Wie auch schon in beiden Spielen zuvor.
20.25 Uhr: Und wieder verliess ich die Arena ohne Ausbeute…Selbst der Becherpfand wanderte in den Sammelsack.
                 Also…wieder mehr Promille als Punkte…aber da muss man sich ja bei mir nicht wundern…..!!!!
                 Ausserdem hatte ich ja noch mein Grinsen und mein Kichern…Beides habe ich mir während des Spieltags hart erkämpft.
                  Also ging es nach diesem anstrengenden Spiel zum lockeren „AUS-SAUFEN“ !!!
Samstag-Morgen 16.00 Uhr: Ich wurde wach…natürlich noch das Trikot an.
16.05 Uhr: Nachdem ich dem Nachdurst Paroli geboten habe kam mir wieder der Gedanke an das Spiel. Ich dachte mir mal wieder…MUND ABWISCHEN UND WEITER !!!…Nächste Spiel!!! UND WIEDER FING DIESES HYSTERISCHE KICHERN AN !!!
16.30 Uhr: Man denkt über seinen Verein nach und überlegt was man besser machen kann. Dann keimte Hoffnung auf : Sollten wir in dieser Saison ca. 90 Elfmeter bekommen kann es für einen einstelligen Tabellenplatz reichen. Trotz allen Ärgernissen und Fortunabedingten erhöhtem Alkoholkonsum sehen wir uns natürlich in Berlin. Ich kann jetzt nicht anfangen meiner „DIVA“ die kalte Schulter zu zeigen.  Und ausserdem würde es meinen Ablauf stören. Wollen wir mal hoffen,dass die 90 Minuten Fussball bald nicht mehr das störende und nervende Element bei einem schönen Fussballabend-oder nachmittag sind.
Das war mal ein kleiner Einblick von einem Spieltag von Fortuna Opa Micha !!!
Lg Micha

Vom Punkt drei Punkte zum Auftakt

24 Jul

Der Saisonauftakt ist gelungen. Unsere Jungs bezwingen Energie Cottbus nach einer richtig guten Partie mit 1-0. Dabei feiern besonders die drei Neuen auf dem Platz ein großartiges Pflichtspieldebut. Das Wiedersehen mit Robert Almer war indes zum Verzweifeln schön…

Jaaaaaa, verdammt!!! Nach 26 Wochen (= einem HALBEN Jahr) haben wir endlich wieder unsere Mannschaft Siegen sehen. Das Schöne daran: Es war ein wirklich verdienter Sieg. Wir begannen topmotiviert und mit offensichtlichem Vorwärtsdrang. Und es war einfach nur dem aberwitzig gut aufgelegten Robert Almer geschuldet, dass wir nicht in Führung gegangen sind und es sich erst nach einem Elfer „ausgealmert“ hatte. Natürlich war er bis in die Handschuhspitzen motiviert, an seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu zeigen, was für ein guter Torwart er ist. Und natürlich dachte manch einer sofort „Boah, hätte der mal die Rückrunde gespielt!“, blaaablaablaa. Müßiger, spekulativer Unsinn. Wir sind im Hier und Jetzt. Und eben diese Gegenwart fühlt sich gut an, weil das Stadion trotz Zweite Liga und Montagsspiel mit 34.000 sehr gut gefüllt war und die Stimmung teilweise alle Blöcke ergriff. Dass dann Cristian Ramirez bei seinem allerersten Pflichtspiel gleich als gefühlter „man of the match“ die Humba machen darf, krönt einen wundervollen Abend. Schauen wir uns aber mal genauer den ersten Auftritt unserer Jungs an:

Wer, warum, wo auf dem Platz stand!

Nachdem sich Mike Büskens also in der Torwartfrage für Fabian Giefer als neue Nummer 1 entschieden hatte, gab es für die Startaufstellung im 4-4-2 System eigentlich nur noch zwei, drei weitere Positionen, die offen waren: Wer spielt hinten rechts (RV)? Wer vorne rechts (RM)? Und wer stürmt neben Reise? Als RV setzte sich Levels gegen Balogun durch und komplettierte die Viererkette um Abwehrchef Latka, neben dem mit Ramirez und Bomheuer gleich zwei vielversprechenden Abwehrtalente ein großartiges Debut für die Fortuna gaben. Auf den Außen begannen als RM Bolly (der den Vorzug vor Giannotas bekam) und Bellinghausen. Die Mittelfeldzentrale war, wie zu erwarten, mit Bodzek und Lumpi besetzt. Als Sturmpartner für „Reise“ durfte Neuzugang Benschop ran. Auf Seiten der Gäste stellte Fortuna-Ikone und Cottbus-Trainer Rudi Bommer eine Truppe auf, die schon aufgrund der Namen auf dem Spielbericht zu den Geheimfavoriten der Saison zählen dürfte. Mit Jendrisek, Sanogo, Kruska, Möhrle und Takyi haben die Lausitzer einige Spieler in ihren Reihen, die auch schon ihre Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt haben. Mit Robert Almer haben sie zudem einen erstligataugliche Torhüter, der gegen seine alten Kollegen zur (fast) unüberwindbaren Nemesis werden sollte.

1. HZ Offensivdrang und Torchancen!

In den ersten Minuten der Partie ist der Fortuna deutlich ihre große Motivation, aber auch Nervösität anzumerken. Es ist viel Hektik im Spiel und die misslungenen Passstaffetten („Fortuna-Tiki-Taka“) erinnern ein wenig an die letzte Saison. Dies ist aber auch dem guten Pressing der Cottbusser geschuldet, die unsere Jungs gerade in der Mitte früh unter Druck setzen. Es dauert ein paar Minuten, bis die Fortuna die Nerven in den Griff bekommt und echter Spielfluss entsteht. Bomheuer gelingen nun sehr gute, schlichte Spieleröffnungen – mal ein hoher Ball; mal flach gespielt. Und besonders unsere linke Seite mit Ramirez und Axel setzt der Energie ordentlich zu. Bei der wohl schönsten Kombination spielen die beiden in hohem Tempo einen Doppelpass am gegnerischen Strafraum; der Ball wird auf den starken Benschop in den Strafraum gespielt, der dann die Pille mit der Hacke in den freien Raum legt, wo der anpesende Axel die Kirsche gekonnt in Richtung Strafraummitte mitnimmt und auf’s Tor zimmert. Ex-Fortune Almer zeigt aber in dieser Situation einen tollen Reflex und pariert, obwohl der Ball gegen seine Laufrichtung kommt. Die Aktion hätte echt ein Tor verdient gehabt. Aber solche Szenen machen uns Mut – für das Spiel und die gesamte Saison. Denn in der ersten Halbzeit gibt es noch weitere Darbietungen unserer Jungs, die dem Liebhaber der filigranen Ballkunst ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und tausendfache „Jawoll!!!“ und „Sauber, Junge!!!“ Aufschreie in der Arena ertönen lassen. Bis zum Ende der Halbzeit erspielt sich die Fortuna 4-5 richtig gute Chancen und scheitert eben nur am überstark parierenden Almer. Der Junge war so gut aufgelegt, dass „Reise“ ihm zwei Mal zu seinen Paraden gratulierte (nominiert für den Adnan-Fairness-Preis!). Es gab nach etwa 25 Minuten eine kleine Schwächephase, in der sich unser Team etwas gehen ließ und Cottbus Spielanteile gewann. Doch bis auf einen satten Distanzschuss kam nichts Gefährliches auf Giefers Tor.

2. HZ: Noch mehr Offensivpower und echter Siegeswille

Auch in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff ist die Partie etwas zerfahren und unsere Jungs brauchen wieder eine (kurze) Weile, um sich auf den Gegner einzustellen und über die Außen in Fahrt zu kommen. Dies gelingt dann aber immer besser. Es spielt nach 50-55 Minuten eigentlich nur noch die Fortuna. Die Gäste werden hinten eingeschnürt. In der 64. Minute ist es dann endlich so weit und wir machen uns bereit für den ersten Torjubel der Saison – Elfmeter – und zwar völlig zurecht. Bellinghausen kommt über die linke Seite angestürmt und spielt einen wirklich guten Pass in die Tiefen des Strafraums; „Reise“ bekommt den Ball und wird aber von seinem Gegenspieler Schulze ziemlich unbedarft umgeholzt. Dem Totalausfall von einem Schiri bleibt da nichts anderes als der Elfer-Pfiff übrig. Wider der alten Weisheit „der Gefoulte soll nicht selbst schießen“, tritt Reisinger zum Elfmeterduell gegen seine alten Spezi Almer an und trifft souverän. Dabei war es amüsant, dass sich Almer für genau die Ecke entscheidet, in die „Reise“ seinen Elfer gegen Monaco verwandelt hatte. Pech gehabt, Robert! 😉 Es hat schon einen Elfmeter gebraucht, um ihn zu überwinden. Nach der verdienten Führung wechselt Büskens zum ersten Mal und bringt für Bolly Neuzugang Gianniotas (ausgesprochen: Janjotas). Dieser bringt sich sofort und ohne große Anlaufschwierigkeiten in das Spiel ein und macht über die rechte Seite mächtig Dampf – mit Zug zum Tor. Nur wenige Minuten später geht Benschop nach toller Leistung, ausgepumpt und mit Wadenkrämpfen vom Platz. Für ihn kommt Youngster Wegkamp. Unsere Jungs drücken weiter und erarbeiten sich weitere Chancen. Allein Gianniotes suchte zwei Mal den Abschluss. Die wollten noch einen drauflegen. Aber Cottbus wollte nun auch nicht so leicht die Punkte hergeben. In der Schlussphase holen sie die Brechstange (hohe Bälle) raus, um doch noch den benötigten Ausgleichstreffer zu erzielen. Dabei besitzt die Fortuna aber in diesem Spiel das Glück des Tüchtigen und fängt sich nach einer starken mannschaftlichen Leistung eben KEINEN Treffer mehr, so dass die drei Punkte absolut verdient in Düsseldorf bleiben.

Tolle Debutanten und „Ramirez, ooohoooh! Ramirez ooohohoho!“

Beim ersten Spiel der Saison gab es schon einige Dinge, die uns hoffnungsvoll auf den weiteren Saisonverlauf blicken lassen, denn die Handschrift des neuen Trainers ist direkt erkennbar – Fortuna ist viel offensiver ausgerichtet als in den letzten Jahren. Das Team wirkt zudem insgesamt passsicherer. Alle Neuen haben beim Debut einen richtig guten Eindruck hinterlassen; Charliston Benschop (alias Will Smith) hat eigentlich in allen relevanten Belangen überzeugt. Ballan- und mitnahme, Schnelligkeit, Passspiel und Handlungsschnelligkeit haben gut ausgesehen; zudem hat er ordentlich gepresst und auch nach hinten gearbeitet. Seine geschmeidige Kopfballverlängerung nach Freistoß von Bellinghausen hätten andere Torhüter nicht rausgefischt. Auch Dustin Bomheuer war richtig stark. Er strahlt für sein Alter eine Wahnsinns-Souveränität aus und spielt neben Latka, als hätte er nie etwas Anderes getan. Er hat sehr gute Ansätze im Spielaufbau gezeigt. Unsere für Bolly eingewechselte #22 Gianniotas hat deutlich gemacht, dass er sich für die Startelf empfehlen wird. Er war sofort in der Partie, hat zu Flügelläufen angesetzt und war torgefährlich. Wer allerdings am meisten rausgestochen hat, ist der kleine Ecudorianer auf links: Cristian Ramierz lässt allein mit seiner Körpersprache und dem absolut fokussierten Gesichtsausdruck auf ein riesiges Selbstvertrauen schließen, das er am Montag auch auf dem Platz gezeigt hat. Die Szene an der Seitenlinie, als er mit seinem Gegenspieler aneinander rasselt und in die cottbusser Trainerbank semmelt, sprach Bände: Beide Spieler drängeln und rempeln, fallen hin; der Cottbusser stürmt auf Ramirez zu und baut sich wild gestikulierent vor ihm auf – aber was macht unser Jungspund? Vermeintlich südländisches Temparament zeigen? Nix da! Er bleibt einfach stehen, verzieht keine Miene, die Brust raus und das Kreuz durchgestreckt und schaut dem Gegner mit eiskaltem Blick in die Augen! Cooler und abgezockter geht nicht – und das mit 18 Jahren, beim Pflichtspieldebut in der Arena – Hut ab!!! Ohne jetzt die Erwartungen zu hoch hängen zu wollen, aber Cristian Ramirez erinnert einen doch irgendwie an David Alaba. Zwar ist er Linkfüßer, aber kann auch mit rechts passen oder die Pille führen. Neben dem Selbstvertrauen (bitte auf keinen Fall mit Arroganz verwechseln), bringt Ramirez Schnelligkeit, Cleverness, Zweikampfstärke und eine dicke Portion fußballerische Qualität auf den Platz – der Junge ist mehr als ein Rohdiamant. Wie viele andere Talente, muss dieser aber noch von unserem Coach geschliffen werden, dies ist unserem Trainer aber absolut zuzutrauen. Vor allem wenn man sich mal anschaut, wie sehr Mike Büskens jetzt schon auf die Jugend baut und ihr Selbstvertrauen durch Einsätze und Zuspruch gibt. Herzerwärmend war auch die Szene nach Abfiff, als sich Büskens zum Jubeln auf Ramirez stürzte. Dass unsere „Young Guns“ auf ihrem Weg auch den ein- oder anderen Fehler machen werden, wird nicht zu vermeiden sein, aber bei der Freude, die sie uns bereiten,  werden Verein und Fans ihnen vieles nachsehen.

Keine Zeit für Eklats und Theater, denn ES IST DERBY-TIME!

Das Beste am sogenannten Eklat von Montag ist, dass er eigentlich schon wieder vorbei ist. Rensing hat sich entschuldigt, und jut is‘! All diejenigen, die ihn jetzt am liebsten suspendiert sehen wollen, sollen echt mal… ähm, Moment. Abhaken, feddich!! Blicken wir lieber mit UNFASSBARER Vorfreude auf den kommenden Sonntag: Nach einer EWIGKEIT geht es endlich wieder in einem Pflichtspiel gegen die Scheiße vom Dom. Eine absolut sensationelle Einstimmung ist der FORTUNA KLAUT KOLN PUNKTE Clip. Absolut gewaltfrei und ohne Palaver unter der Gürtellinie und dennoch entwürdigend – so geht Fanrivalität!

Oft werden ja Spieler und ganze Mannschaften dafür kritisiert, während eines Spiels mit den Köpfen schon beim nächsten Spiel zu sein. Diesmal könnte man uns Fans diesen Hut aufsetzen 🙂 Schon vor Abpfiff unseres Spiels gegen Cottbuss brüllten wir AUSWÄRTSSIEG, AUSWÄRTSSIEG! Und selbst die obligatorische Feier-Hymne unserer Hosen mussten wir mit „Cologne, Cologne, die Scheiße vom Dom!“ übersingen. Ist doch aber super so. Diese Freude ist vollkommen berechtigt und lässt so ein wenig die Frage aufkommen: Wer oder was ist dieser Abstieg?

Wir freuen uns auf das Derby und können es kaum abwarten, darüber zu schreiben. Ja, auch wir sind schon beim nächsten Spiel 🙂

In diesem Sinne

Adnan & Ingo

PS: Ab sofort gibt es eine „Frage der Woche“, zu der wir unbedingt Eure Antworten wissen wollen. Los geht das:

Meins? Eins! Mainz? Eins!

4 Mrz

Unsere F95 holt einen Punkt gegen ZDF-City. An sich ist datt joot. Doch, wenn man sich das Spiel anschaut, ist es allzu verständlich, wenn Spieler, Trainer und Fans ein wenig enttäuscht sind. Aufgrund mangelhafter Chancenverwertung und einem unnötigen Gegentreffer verpasst unser Team einen allemal möglichen Sieg. Mit dem 1-1 kommen die Mainzer sehr gut weg.

Also, zu allererst: Der Titel für unseren Spielbericht musste sein. Bereits unmittelbar nach der Niederlage gegen Schalke fragte der unbändig nach vorne blickende Adnan den Ingo, was er, sofern Fortuna zu Hause 1:0 gegen Mainz gewinnt, die Überschrift „Meins? Eins! Mainz? Keins!“ halten würde. Breit grinsend und großzügig wie Ingo ist, beteuerte er sein Gefallen daran – und so hatten wir eigentlich Sicherheit, dass wir jetzt nur noch ein paar Leute bei DFB, Fortuna und Mainz schmieren müssten, damit es dann auch 1-0 ausgeht. Und die Mainzer taten ihren Job: Das Eigentor von Svensson hätte etwas unauffälliger sein können, aber so isset auch okay. Warum uns dann aber Fabi Giefer einen Strich durch die Rechnung ziehen musste… Wir werden mit ihm reden. In jedem Fall aber – und, da unsere Lobbyarbeit nichts nutzte – haben wir nun einfach das „k“ bei der zweiten „eins“ weggelassen und so berichten wir über ein 1-1 zu Hause gegen Mainz.

Neue Startelf-Gefühle

Als sich die Jungs warmmachten, und die Startelf zu sehen war, stellte sich ein interessantes Gefühl ein: Lumpi und Axel stehen in der Startelf und trotzdem wägen wir uns in absoluter Sicherheit. Das ist ein Zeichen für die zuletzt bärenstarke Leistung dieser beiden. Ja, wir haben ordentlich und zurecht, aber vielleicht auch mehr als andere die beiden kritisiert – und gerade deshalb möchten wir deren (Wieder-)Auferstehung so betonen. Denn es ist toll, dass aus dieser manchmal romantisierten Geschichte in Medien und Foren nun auch etwas fußballerisch Großartiges auf dem Platz wird. Nach der bitteren Verletzung von Reisinger war eigentlich klar, dass Schahin gesetzt und wieder in der Startelf stehen würde. Kruse kam nach auskurierter Grippe ebenfalls wieder zurück und sollte hinter Schahin Alarm machen. Bodzek und Tesche waren für das zentrale Mittelfeld zuständig, sodass Oliver Fink erneut auf die Bank musste. Interessant war wohl, dass mit Ken Ilsö und Robert Almer zwei „Konstante“ der Reserve nicht im Kader standen. Wir sparen uns jetzt aber Spekulationen daürber, warum das jetzt so war.

Mit breiter Brust auf Führung gespielt

Der Auftritt unserer Jungs war von Anfang an ansehnlich. Keine Spur von der Schiss-inne-Bux-Attitüde vom Gastspiel auf Schalke. Natürlich steht mit Mainz ein anderer Gegner auf dem Platz – aber auch die können tollen und schnellen Offensiv-Fußball spielen. Von daher war es das genau richtige Rezept, sofort mitzuspielen und Druck auszuüben. Die Mainzer wurden im Spielaufbau sehr früh gestört, teilweise gedoppelt und unsere Jungs stellten mit enormer Laufbereitschaft die Räume zu. Und bei Ballbesitz gelang auch sofort das Umschaltspiel. Es kam also nicht von ungefähr, dass wir die Mainzelmännchen quasi zu einem Eigentor drängten. Lumpi flankte über rechts, Schahin verlängerte eigentlich recht ungefährlich, doch Svensson sah sich gezwungen, dazwischen zu gehen, und düpierte mit einem Kopfball seinen eigenen Keeper, der seinem Namen nach auf der Toilette Glücksspiele betreibt. So gingen wir also früh in Führung und unser Team spielte weiter druckvoll auf Sieg. Da es weiterhin blitzschnell ging nach Balleroberungen im Mittelfeld, kamen wir auch zu Torchancen. Die Beste hatte zweifellos Axel, der von Kruse mit gutem Zuspiel aus dem rechten Halbfeld bedient wurde, mit vollem Tempo in den 16er drang und nur sehr knapp die Kugel rechts am Tor vorbeischob. Es waren diese Minuten, in denen man regelrecht spüren konnte, dass die Meier-Elf sofort nachlegen und Sicherheit erlangen wollte, statt das 1-0 zu halten.

Spielunterbrechung raubt Fortuna den Flow

In der 35. Minute gehen der Mainzer Zabavnik und Lumpi vor dem Düsseldorfer 16er ein Kopfballduell und verschaffen sich gegenseitig einen ordentlichen Brummschädel. Der Mainzer wird sogar bewusstlos. Es ist immer gruselig, wenn Spieler regungslos am Boden liegen und Schiri und Spieler etwas hektisch werden. Zabavnik wurde minutenlang behandelt und es machte sich allgemeine Erleichterung breit, als man sehen konnte, dass er wieder bei Bewusstsein ist. Schiri Brych (oder lieber „Brech“?) forderte Sanis und eine Trage. Was sich dann diese Sanis erlaubten, geht auf keine Kuhhaut. Gefühlt eine halbe Stunde brauchte der Mann mit der Trage, um über den Platz zu Zabavnik zu gelangen – solange, dass Zabavnik schon wieder auf den Beinen stand, als der Sani noch gute 10 Meter von ihm weg war. Was bitte war das denn? Was wäre denn gewesen, wenn der Mainzer dringende Behandlung gebraucht hätte? Keine Ahnung, ob der Sani seine „minutes of fame“ genießen wollte, oder verhindern wollte, auzurutschen… Aber so dahin zu spazieren, kann echt nicht sein. Jedenfalls erntete Zabavnik fairen Applaus vom Düsseldorfer Publikum und wurde durch Caligiuri ersetzt. Diese Spielunterbrechung tat der Fortuna irgendwie nicht gut. So ein wenig war die Anspannung, die absolute Präsenz kurzweilig abhanden gekommen – allzu verständlich, aber eben fatal. Denn der gerade noch eingewechselte Caligiuri drang über unsere rechte Abwehrseite in den Strafraum. Axel versuchte seinen Körper zwischen Gegner und Ball zu bringen und den Mainzer zu abzudrängen, doch die Flanke kam trotzdem. Giefer hatte den Anspruch, den Ball zu pflücken und festzuhalten, statt ihn über die Latte zu lenken – doch leider sollte das gänzlich misslingen. Ivan Klasnic stand goldrichtig (und leider allein) hinter Giefer und nickte den Ball aus nächster Nähe ins Tor. Van den Bergh war vorher noch bei Klasnic, ließ ihn dann aber gewähren. Unter’m Strich steht also drei Mal „hätte“: Axel hätte gewiefter verteidigen können, Giefer das Ding über die Latte lenken müssen und Jojo den Klasnic nicht allein lassen dürfen. Aber gut – das lässt sich hinterher wunderbar aufzählen. Es war gut, dass diese, erste Halbzeit dann recht fix vorüberging, denn man hatte das Gefühl, dass Mainz jetzt nachlegen wollte.

Bärenstarke 2. Halbzeit ohne Glücksmoment

Zur Halbzeitpause fragten wir uns, wie unser Team sich nun in den zweiten 45 Minuten präsentieren würde. Würde der Knacks nach der Verletzung Zabavniks und dem Ausgleichstreffer anhalten? Keineswegs! Zwar wollten die Mainzer jetzt auch was reißen, doch unser Team fand sofort in die Grundausrichtung zurück, verteidigte bärenstark und ließ nur noch eine Mainzer Chance durch einen Distanzschuss zu, den Giefer großartig parierte. Es war beeindruckend, wie gut sortiert unser Team war. Jeder Einzelne machte seine Aufgabe in der Defensivarbeit richtig gut. Und das schnelle Umschalten in die Offensive funktionierte beeindruckend. Axel war immer wieder mit Vollgas auf links unterwegs – Kruse über rechts. Lumpi – der nach dem Zusammenprall einen Original-Hoeneß-Turban trug – rannte, ackerte, klammerte, grätschte und erkämpfte Ball um Ball. Auch Bodzek glänzte in dieser Hinsicht. Etwas blass blieb erneut Tesche. Er spielte viel unauffälliger als zuletzt. Nichts ist derzeit zu sehen von seinem Offensivdrang der ersten Spiele, als er auch mal zu Soli ansetzte oder spieleröffnende Pässe spielte. Doch der mit Abstand schwächste Fortune war leider Dani Schahin. Einen Schüsselmoment gab es, als Axel zu Beginn der zweiten Halbzeit über links losstürmte und im Moment des Abspiels Schahin nicht weit genug vorgerückt war. Axel drehte zurecht durch und brüllte Dani vehement an. Fast schon lethargisch wirkte Schahin – fast so, als wolle er nicht dorthin, wo es um die Wurst geht. Es gab Szenen im Spiel ohne Ball, in denen der 15-20 Meter hinter Dani stehende Lumpi schneller nach vorne rückte. Und, als Schahin bei einem der vielen Konter viel zu behebig agierte und den Ball verlor auf Höhe der Mittellinie verloren gab, kriegte Meier zu viel. Gerade noch Bolly’s Einwechslung (für Tesche) angeordnet, gab er noch das Signal, Nando Rafael für Schahin bringen zu wollen. Und hier müssen wir auch mal Meier loben. Er hat volle Suppe auf Sieg eingewechselt. Während er in manchen Spielen diesen Punkt hätte halten wollen, schickte er diesmal sein Team unerschrocken nach vorne – denn der Sieg war möglich. Mainz kam gar nicht mehr zum Zug. Leute wie Nicolai Müller (für Klasnic eingewechselt), Szalai (ebenfalls eingewechselt), Parker, Ivanschitz, Baumgartlinger oder auch Neuzugang Zimling blieben völlig harmlos, weil sie großartig verteidigt wurden. Aber vorne… Was ist da los? Unsere Schüsse glichen teilweise Rückpässen. Wir arbeiteten uns ein ums andere Mal sehr gut nach vorne und blieben dann aber erschreckend harmlos. Äußerst sehenswert war der 40 Meter Pass von Axel auf Nando Rafael, der das Ding mit vollem Risiko verwerten wollte. Aber auch dieser Ball kam nicht auf’s Tor. Es wird wohl eine Mischung sein aus fehlender Routine und fehlender Spielpraxis. Instinktiv macht kaum ein Fortune vor dem Tor alles richtig derzeit. Wichtiger denn je scheint es deshalb momentan zu sein, zu null zu spielen, damit, falls wir mal treffen, diese Bude reicht.

Der Hype um Giefer

Niemand ist Fabi böse, dass er auch mal ein Tor verschuldet. Es häuft sich nur etwas in der Rückrunde: 2 Tore gegen Augsburg, 1 in Freiburg und nun dieses Ding gegen Mainz. Nie war er alleine Schuld und er rettete in jeder Partie auch weitere Hochkaräter des Gegners. Dennoch: Hier zeigt sich, was ein Hype um einen Spieler auslösen kann. Und, wenn man sich manche Dinge auf Fabi’s Facebook Auftritt ansieht, so sieht man, dass er selber (oder diejenigen, welche die Seite für ihn basteln) diesen Hype auch ein wenig mitmacht. Unvergessen diese komische „F wie Fabelhaft“ oder „G wie Gigant“ Aktion. Das wirkte ein wenig hochmütig. Daher sind diese Rückschläge für seine Karriere sicher gut – auch wenn sie für die Fortuna unter Umständen etwas teuer sind. Wir sind weit davon entfernt, ein echtes Problem mit solchen Gegentoren zu haben. Es ist nur zu hoffen, dass Fabi diese wichtige Phase seiner Entwicklung gut überbrückt und sich nicht verunsichern lässt. Wir erinnern uns daran, wie stark er gegen Gladbach parierte – unmittelbar nach der Nummer gegen Augsburg. Von daher muss man sich keine Sorgen um sein Selbstbewusstsein machen. Große Dienste erweist ihm auch Martin Latka. Er deutet Giefer immer an, wann er rauskommen soll und spielt so gut wie nie zurück zu ihm, um Fabi erst gar nicht in Verlegenheit zu bringen. So kann man den eigenen Keeper auch stützen und stärken.

UD wieder da!

Abschließend und in aller Kürze: Uns freut es sehr, dass die ULTRAS wieder aktiv sind. Noch mehr freut es uns, dass Niko wieder Capo ist. Das Rückkehr-Statement ist ähnlich stark wie das Pausen-Statement. Hut ab, dass das so schnell ging und unsere Fortuna die verbleibenden Spieltage auf unseren lautest möglichen Support setzen kann. Sie werden es brauchen.

Kommenden Samstag in München sollten wir eigentlich nur an die Wahrung unserer sehr guten Tordifferenz denken. Denn die ist so unendlich viel wert weiterhin (schaut Euch mal den 11.-platzierten Stuttgart mit -16 an). Augsburg muckt da unten ordentlich auf und punktet unentwegt. Fürth könnte die rote Laterne bald an Hoffenheim übergeben und fängt sich auch irgendwie. Dafür hat WOB uffe Schnüss gekriegt. Klar, wir sind noch lange nicht durch. Aber das ist selbst Hannover 96 mit 33 Punkten noch nicht. Es bleiben noch 10 Spieltage und noch 6-8 weitere Punkte könnten für uns in dieser Saison reichen. Das trauen wir unseren Jungs doch wohl zu, oder? Also, wir tun es 🙂

Nun verlebt erst mal eine schöne Woche und bis zum nächsten Spielbericht.

Adnan & Ingo