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The Verkrampfung is back!

5 Okt

Die Fortuna verliert das zweite Spiel in Folge und läßt sich am Betzenberg drei Tore einschenken, ohne selbst auch nur einen Treffer zu produzieren und das, obwohl drei gelernte Stürmer von Beginn an den Roten Teufeln das Fürchten lehren sollten. Trainer? Ratlos! Spieler? Ratlos! Alle anderen irgendwie auch…

Wieder so ein Spiel, was keinen Spaß gemacht gemacht hat. Davon hatten wir in den vergangenen Jahren wahrlich genug. Nur mit viel Frust kann man im Moment als Fortune den Blick auf die Tabell der 2.Liga ertragen. Wir stehen punktgleich mit dem Vorletzen nach 10 Spieltagen auf dem Relegationsplatz – das hatten wir und alle Beteiligten sich wohl anders vorgestellt. Klar, die Fortuna steckt mitten im Umbruch und da gehören Rückschläge leider dazu. Das Problem hierbei ist aber, dass der besagte Umbruch bereits drei Jahre dauert und der Geduldsfaden langsam wirklich extrem dünn wird. Dies belegen auch ziemlich offensichtlich die Zuschauerzahlen in der Arena. Die Parallelen zu den vorherigen Spielzeiten sind da leider auch nicht wegzudiskutieren, obwohl das komplette Personal (bis auf wenige Ausnahmen) ausgetauscht wurde. Auch unter Mike Büskens ging es damals ähnlich los wie jetzt: ein neuer Trainer mit offensivem Konzept und zahlreiche neue Spieler kamen – Aufbruchstimmung in da House! Die Saison geht los; spielerisch überzeugt die Mannschaft, spielt erfrischenden Fußball, zwar nicht über 90 Minuten aber in jedem Spiel wird zu Saisonbeginn deutlich, was in der Truppe steckt. Was fehlt sind Konstanz und vor allem eins: Siege und die dazugehörigen Punkte! In der gleichen Situation stecken wir nun wieder: die letzten beiden Spiele ausgenommen, waren unsere Jungs in jedem Spiel mindestens ebenbürtig. Freiburg und Bochum, die beiden Spitzenreiter, wurden zu großen Teilen sogar an die Wand gespielt. Was aber komplett fehlt, ist der Ertrag in Form von Toren und Punkten. Fußball ist nun mal ein Ergebnissport und wenn die entsprechenden Ergebnisse fehlen wird dies zu einem Problem. Für die hieraus resultierende Verkrampfung, war das Spiel in Kaiserslautern leider ein allzu bezeichnendes Beispiel:

Aufstellung und Taktik

Wieder wählte Coach Kramer die 4-2-3-1 Variante, allerdings sollte diesmal die personelle Brechstange die nötigen Punkte herbeiführen. Mit van Duinen, Ya Konan und Pohjanpalo standen direkt drei Mittelstürmer auf dem Platz, der Holländer in der Mitte und die anderen Zwei sollten (hierauf liegt die Betonung) über die Flügel Alarm machen. Demirbay begann auf der „10“ und die Doppelsechs wurde erstmals von Startelf-Rückkehrer Fink und Julian Koch besetzt. Somit rückte Mr.Schmitz wieder auf seine angestammte Position als LV und wie schon zuletzt komplettierten Haggui, Strohdiek und Schauerte die Viererkette. Rensing begann wie gewohnt im Tor. Bei den Gastgebern war Ex-Fortuna Gaus in der Startelf und irgendwie fürchteten sich alle davor, dass der dritte Ex-Fortune in Folge gegen seine alte Mannschaft treffen würde, wenigstens dies sollte uns aber erspart bleiben.

HZ1: Wiederholter Antrag auf Ecken-Verzicht

Minutiös werden wir dieses Spiel bestimmt nicht aufarbeiten, dafür gibt es einfach zu wenig Positives zu berichten! Wir legen mal damit los, wie wir uns zum wiederholten, wiederholten, wiederholten, wiederholten Male ein Gegentor nach einer eigenen Ecke einhandeln. Jetzt mal ganz ohne Ulk, es ist in den letzten zwei Jahren bestimmt schon das 10. Mal, dass wir die gleiche Spielszene beschreiben: wir haben einen Eckball, der Gegner blockt diesen ab, schaltet schnell um, unsere Hintermannschaft ist unsortiert und wird überlaufen und am Ende zappelt die Murmel in unserem Gehäuse! Wie kann das sein? Passiert dies 1-2 mal, gut, blöd gelaufen! Aber so? Die Fortuna ist seit Ewigkeiten komplett ungefährlich bei eigenen Eckbällen, an mehr als ein eigenes Tor nach einer Ecke können wir uns beim besten Willen nicht erinnern; dafür aber an zahlreiche Kontergegentore! Eckbälle, die ja eigentlich zu guten Chancen des eigenen Teams werden sollen, sind bei der Fortuna einfach nur kontaproduktiv und gefährlich – also, liebe Fortunen, bolzt beim nächsten Eckball das Spielgerät einfach direkt ins Seitenaus und lasst die Abwehrkette hinten in Formation bleiben! Der von uns vor einigen Monaten geforderte Antrag beim DFB auf Eckenverzicht, wäre auch immer noch eine Option…

Das Spiel selbst ist Chaos pur: beide Teams ackern und kämpfen, Spielfluss und geordneter Aufbau sind dafür absolute Mangelware. Unsere Jungs wollen zwar, rennen sich aber andauernd in der defensiven Ausrichtung der Gastgeber fest. Gute Einfälle und Zuspiele auf die drei Stürmer finden nicht statt. Hier liegt auch zumindest ein Teil des Hundes begraben, denn eigentlich war in den vorherigen Partien das Spiel über die Außenpositionen ein wichtiger Bestandteil der F95-Offensive, da hier aber nun „gelernte“ Mittelstürmer stehen und Linien-Flitzer wie Axel, Sararer und Bolly fehlen, funktioniert das Flügelspiel überhaupt nicht. Ernüchtert geht es in die Halbzeitpause.

 

HZ2: Schneid zu verkaufen!

Hatte sich Lautern in der ersten Hälfte noch so ziemlich darauf konzentriert defensiv gut zustehen, die Fortuna-Angriffe abzublocken und gelegentlich zu kontern, kam der Gastgeber mit forschem Offensivdrang aus der Kabine. Sofort brennt es lichterloh in Rensings Strafraum. So dauert es dann auch nur neun weitere Minuten, bis nach einem Freistoß irgendein pfälzer Verteidiger die Kirsche per Kopf zum 2:0 in unserem Tor versenkt. Wir haben zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Bock mehr auf das Spiel und glauben (leider, leider, leider) nicht daran, dass unsere Jungs das noch umbiegen können. Darin bestärken sie uns dann auch, denn die Offensiv-Bemühungen unserer Jungs bleiben leider genauso uninspiriert und erfolglos wie zuvor. Die Fortunen kämpfen zwar, aber die Gastgeber eben auch und die tun dies leider effektiver. Kaiserlautern hat dann noch ein paar Chancen den Sack komplett zuzumachen; nutzen tun sie dann erst die letzte Chance des Spiels in der Nachspielzeit und stellen den 3:0 Endstand her.

Fazit des Spiels

Verkrampfung macht sich breit. Dies begann bereits beim Heimspiel gegen Sandhausen, wo man unseren Jungs den Willen zu Siegen nicht absprechen konnte, die Mittel um diesen herbeizuführen aber gefehlt haben. In der Pfalz wurde dies nun fortgesetzt, kopf- und ideenlos wird angerannt, um den Sieg zu erzwingen. Leider haben unsere Kontrahenten aber auch immer Scouting-Abteilungen oder zumindest Fernsehgeräte, so dass sie sich gut auf die Fortuna in misslicher Lage vorbereiten können. Jedem ist klar, dass bei uns derzeit der Baum brennt. Nach dem Ausbleiben von Erfolgen, sei es durch Pech (bereits 12 Aluminium-Treffer) oder Unvermögen (dämliche Gegentore), ist jedem klar, dass sie Fortuna unter Druck steht. Aufgrund der offensiven Ausrichtung des Teams und der dazugehörigen Philosophie von Kramer, ist selbst dem debilsten Gegner bewußt, dass man sich gegen die Fortuna derzeit nur hinten reinstellen und mauern muss – denn Tore schießen wir eh zu wenige bis gar keine und hinten sind wir immer für mindestens einen dämlichen Lapsus zu haben. Die spielerische Leichtigkeit, die uns gegen Freiburg, Bochum und 1860 noch begeistert hat, ist komplett weg und alles ist bereits wieder genauso negativ verkopft wie im letzten Jahr. Ratlosigkeit wo man hinschaut.

Ausblick

Nun ist erstmal Länderspielpause und die Fortuna kann hoffentlich etwas durchatmen und sich neu sammeln, aber bringt das noch was? Wir hoffen schon, denn die Ansätze waren teilweise doch sehr gut anzusehen. Wichtig ist, dass die Verkrampfung gelöst wird, denn sie ist der Todfeind des Spiels. Die Querelen um Vorstands-Chef Kall und Aufsichtsrat sind bestimmt auch nicht hilfreich um wieder in die Spur zu finden, ebenso wenig wie mediale Panikmache (vielen Dank hier an die Herren „Journalisten“ von Bild, Express, RP und wie sie alle heißen!) oder Spieler-Bashing bei diversen sozialen Netzwerken. Hierzu noch ein kleiner Zusatz, da man, wenn es nicht läuft, immer wieder Stänkereien über die bösen Fußball-Söldner in den diversen Sozialen Netzwerken lesen kann: Leute, wacht doch bitte mal auf! Das ist PROFI-Fußball!!! Die Spieler verdienen damit ihren Lebensunterhalt, es ist ihr Beruf. Wenn man hier und da noch so Typen wie den Axel dabei hat, der Identifikation mit jeder Faser seines Seins vorlebt, dann kann man sich als Fußballromantiker glücklich schätzen, so jemanden in seinem Verein zu haben. Alles andere ist nostalgischer Irrsinn. Auch die „bösen Söldner“ wollen aus diversen Gründen gewinnen – denn verlieren ist auf so viel Ebenen total für den Allerwertesten!

Ein Trainer-Rausschmiss wäre aus unserer Sicht (noch) nicht die richtige Entscheidung. Bis zur Winterpause sollte das Trainer-Team noch Zeit bekommen das Ruder rumzureißen. Hoffen wir darauf, dass die Länderspielpause dazu genutzt werden kann die Verkrampfung zu lösen und das die Truppe wieder in die Spur findet. Wichtig ist es, dass die Fortuna zumindest aus den unteren Regionen der Tabelle herausfindet und sich in sicheren Gefilden der Tabelle wiederfindet, damit wieder Ruhe einkehren kann. Wenn das gelingt, dann können vielleicht in der nächsten Saison wieder andere Ansprüche formuliert werden.

Also, liebe Herren Profis und liebes Trainer-Team, krempelt die Ärmel hoch und gebt Vollgas, bevor der Druck auf dem Kessel nicht mehr zu regulieren ist!!

 

Hoffen wir das Beste gegen Bielefeld, denn viel mehr bleibt leider derzeit nicht übrig!

In diesem Sinne,

Adnan & Ingo

 

P.S. …das mit Kall hat sich ja wohl dann schonmal erledigt! 😉

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Findungsphase Olé

5 Aug

Unsere Jungs bescheren uns zunächst ein Fußballfest im eigenen Wohnzimmer, werden dann aber von cleveren Paderbornern ausgehebelt und letztlich gar nicht mal unverdient besiegt.

Mit großer Vorfreude fieberte die rot-weiße Fangemeinde dem ersten Heimspiel der Saison entgegen. Und dann auch direkt gegen einen Bundesligaabsteiger, der vor gar nicht zu langer Zeit meinte, uns zu Hause mit einer historischen Niederlage peinigen zu müssen. Mahir Saglik… Diesen Namen hatten wir uns gemerkt. Vier Buden hatte er uns vor zwei Jahren eingeschenkt. Und an seiner Laune in den 90 Minuten vom vergangenen Sonntag konnte man den Spielverlauf ablesen. Super genervt und Schiri Kircher auf den Sack gehend, rannte er im ersten Durchgang wie ein dauerhaft schimpfender Kobold über das Grün. In der zweiten Halbzeit hingegen war er wieder ein Motor seiner Mannschaft und hatte plötzlich nichts mehr zu meckern. Was war geschehen? Und wie gingen wir eigentlich ins Rennen?

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Eigentlich copy+paste vom Union-Spiel. Hier und da hätte man sicher etwas Neues ausprobieren können. Aber es ist auch wirklich mal wieder an der Zeit, dass die Forteng eine echte Stammelf hat. Das war zuletzt in unserer Aufstiegssaison so. Und so spielte Kramer also mit Rensing im Tor, der Abwehrkette Akpoguma, Haggui, Strohdiek und Schmitz, der MIttelfeldzentrale Liendl & Koch, der Flügelzange Bolly und Sararer, sowie dem Sturmduo Pohjanpalo und Ya Konan. Erneut ein offensives 4-4-2.

Und Paderborn spielte mit… ähm… also diesem Saglik halt, mit Ouali, Sturmtank Proschwitz und öhm… Kruse hieß der Torwart. Ach ja, und Ex-Fortune Ndjeng.

1 HZ: Beste Fortuna-Heimperformance seit voll lange so…
Unsere Jungs bestätigten vom Anpfiff weg, warum knapp 30.000 Fortunen voller Vorfreude den Weg in die Arena gefunden hatten und legten mit einem Offensivspektakel los. Angriff über links. Sararer hat die Kirsche, Schmitz überläuft, kriegt den Ball, spielt schnell zu Ya Konan im Halbfeld, der direkt wieder auf die Außenposition auf Schmitz, der mittlerweile an der Grundlinie angekommen ist, überhaupt nicht lange fackelt, sondern sofort in die Mitte passt, wo Bolly goldrichtig steht und den Ball cleverst an Kruse zum 1-0 vorbeischiebt. Alter… Watt ne Buuuuude! Sensationell. Die „Kühe-Schweine-Paderborn“-Kicker waren von diesem Tempo sichtlich überfordert. Und die Fortönn macht weiter. Immer wieder rollt ein Angriff über Links. Gleichzeitig ist ML10 endlich der Mittelfeldregisseur, den wir alle in ihm sehen wollen. Immer anspielbar, mit geilen Pässen in die Tiefe. Die Lulatsche in der Innenverteidigung des EssZehPee kommen mit unserer „Flach-spielen-hoch-gewinnen“-Spielweise nicht klar. Selbst unsere Ecken kommen bisweilen völlig überraschend rein. ML10 und SS22 (okay, sieht politisch schwierig aus – machen wir nur genau ein Mal) stehen an der Eckfahne und man fragt sich, was das soll. Schließlich läuft Sararer an und flankt butterweich auf die linke Klebe von Schmitz, der den Ball volley nimmt. Eine Paderborner Birne ist dazwischen und es gibt direkt noch mal Ecke, die (Ihr ahnt es) nichts einbringt. Aber auch diese Szene zeigt: Diese Mannschaft hat endlich wieder Cojones! Doch es sollte nicht gelingen, die sehr schön anzusehenen Angriffe zu etwas Zählbarem zu machen. Tja, und da war dann leider noch unser Youngster Kevin Akpoguma. Sichtlich beeindruckt von der Kulisse und überfordert von seinem routinierten und quirligen Gegenspieler Ouale verlief das Spiel suboptimal für unsere Nummer 6. Viele wollten „SECHS, SETZEN“ rufen. Doch Kramer wollte nicht gleich zu brutal sein. Richtig, wie wir finden. Paderborn kam jedenfalls zu Chancen – genau wegen unserer Schwachstelle hinten rechts. Man muss aber auch sagen, dass der Turbo-Mathis wenig nach hinten gearbeitet hat. Das kam erschwerend für Akpoguma dazu. Nach 25 Minuten war in jedem Fall die Partie ausgeglichen. Wir hätten nachlegen müssen, aber auch Paderborn hätte ausgleich können.

2. HZ: Ja, isset denn schon wieder so weit…?

Naja, dann kam eben die zweite Halbzeit. SCP-Trainer Gellhorst hatten offenbar genau ausgemacht, wie sein Team fortan agieren sollte. Denn sie machten effektiv unsere Passräume zu. Flache Ballstaffetten wollten uns nicht mehr gelingen. Zudem schienen die Blau-Schwatten wachsamer und aggressiver – vielleicht sogar frischer. Sie kamen schnell zu Chancen, weil sie unsere Abwehr einfach aushebelten: Back-from-the-UK-Proschwitz stand plötzlich mit viel Platz und Zeit am Sechzehner allein vor Rensing. Doch unsere Nummer #1 legte einen lupenreinen Telemark hin und parierte mit dem rechten Bein glänzend. Wenig später konnte aber auch Rensing nichts tun… Auf unserer linken Abwehrseite entwischte die SCP-22. Schmitz war einfach zu langsam und konnte die Hereingabe nicht verhindern. Und leider eskortierten Haggui und Akpoguma Sir Proschwitz statt ihn zuzustellen. So erreichte ihn die Hereingabe und mit einem Mix aus Knie, Wade und vielleicht doch ein wenig Fuß netzte Proschwitz ein. 1-1! Schöne Kacke. Eben dieser Proschwitz hatte Blut geleckt, forderte nach einer Ecke Rensing erneut zu einer Hanspara… äh… Glanzparade. Unsere Jungs waren sichtlich beeindruckt. Hinten stimmte die Zuordnung nicht. Akpoguma wackelte, Haggui und Strohdiek verstanden nicht, sich die Räume vernünftig aufzuteilen. Tja, und dann musste es halt passieren… Saglik und Wydra rollten über unsere rechte Abwehrseite in unseren 16er, die gesamte Abwehrreihe versemmelte die Abwehrversuche und so landete der Ball bei Ndjeng, der keine Mühe hatte, diesen seltsamen Angriff mit einem Tor abzuschließen… 1-2, also! Hässliche Kacke! In der Folge drehten unsere Jungs wieder auf und machten Druck. Doch da kommt dann die Cleverness einer guten Mannschaft zum Vorschein: Paderborn wusste effektiver zu stören und uns wollte der Abschluss nicht gelingen. Super sehenswert war Bollys 360-Move vor dem Paderborner Tor, den er leider nicht vollenden konnte. Schön war auch die Schussstaffette beginnend mit Sararer und Koch und endend mit Schmitz. Die Schüsse schmerzten Paderborner „Nüsse“ – aber ein Tor wollte nicht gelingen. So endet diese Partie dann leider mit 1-2! Ernüchterung, wo man hinsah.

Szene des Spiels
27. Minute: Definitiv der schönste Angriff in der Arena seit vielen Jahren: Langer Ball von der linken Abwehrseite von Schmitz. Sararer nimmt den Ball an, hält ihn mit dem Fuß hoch, ein Mal, zwei Mal, legt dann genial rüber zu Liendl, der schickt sofort Ya Konan, der den Ball ebenfalls mit dem „first touch“ über Kruse lupft – aber leider vorbei. Klar, Ihr kennt die Szene und braucht dafür keine Erinnerung. Naja, aber eigentlich schon: Denn die Szene steht für das, was diese Saison geht. Rein spielerisch. Das ging jetzt ein paar Zentimeter vorbei, aber das Potenzial sehen wir ja jetzt alle.

Fazit
Wenn eine Mannschaft so unterschiedliche Halbzeiten spielt, hat es vor allem damit zu tun, dass sie noch nicht ihre Balance gefunden hat. Die notwendigen Automatismen greifen noch nicht. Offensivleute wie Sararer und Bolly müssen womöglich mehr an die Abwehrarbeit denken, um ihre Kollegen der Außenverteidigung zu unterschützen. Haggui und Strohdiek müssen Stellungsspiel und Laufwege besser aufeinander abstimmen und Freund Akpoguma muss internalisieren, dass auch in der 2. Bundesliga nur auf Rasen und mit einem Ball gespielt wird. Dann wird er auch ruhiger. Und die Jungs vorne müssen ihre Chancen konsequenter nutzen. Dann wird schnell alles besser. Wir wehren uns mit aller Vehemenz dagegen, jetzt damit zu beginnen, vom Horror der letzten Saison zu sprechen, der sich jetzt wiederholt. Das ist eine fast komplett neue Mannschaft. Das wird noch etwas brauchen.

Highlights im Team
Der Turbo-Mathis. Auch, wenn er nach hinten zu wenig tut. Er zeigt, was in ihm steckt und das Tor wird ihm gut tun. Es ist gut, dass Kramer ihn nur 60 Minuten spielen lässt. Sein Körper ist vielleicht nur für so viel gemacht. Ballstreichler-Sercan hat in der ersten Halbzeit effektiver gezaubert. Aber insgesamt einer der besten Techniker, den wir seit langem in unseren Reihen sehen. Er bleibt ein Highlight, auch wenn er wie die anderen in der zweiten Halbzeit abgebaut hat. Breakdance-Micha zeigt auf der Linie und im 1 gegen 1, dass auf ihn Verlass ist. Er muss vielleicht noch einige „Unhaltbare“ mehr halten, weil unsere Abwehr noch zu viel zulässt.

Was würden wir als Coach anders machen?
Gegen RWEFUV (Ihr wisst schon ;-)) könnte man Akpoguma noch mal bringen. Einfach, damit er jetzt nicht die volle Breitseite kriegt. Aber danach sollte Schauerte mal wieder randürfen. Vorne vielleicht mal van Duinen für Pohjanpalo. Und vielleicht doch lieber Bebou als Axel bringen, wenn Bollys Muskeln geschont werden müssen. Kommt natürlich auf den Spielstand an – aber Bebou ist eigentlich bislang immer ein Garant für Alarm gewesen, wenn er eingewechselt wurde.

Ausblick

So, und nun darf es kommendes Wochenende eigentlich nur Eines geben: Den Einzug in die 2. Runde des DFB-Pokals. Alles Andere wäre nie und nimmer zu entschuldigen und gar ein wenig vernichtend. An all die Fortunen mit Schaum vor’m Mund sei mit auf den Weg gegeben, dass es wirklich, wirklich, wirklich bei Sprechchören, Shirts, Parolen und großer Fresse bleiben sollte. Randale braucht keine Sau – und unser Verein am wenigsten. Macht den Essenern Angst. Schreit heraus, dass Ihr sie nach dem Candlelight-Dinner gleich wieder vergessen möchtet, aber tut ihnen nichts… 🙂

Welch vernünftiger Schlusston.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Auftaktpunkt nach Maß in Köpenick

29 Jul

Unsere Jungs lassen ein frühes Standardtor zu, wehren sich dann aber mit allem, das sie haben gegen die Niederlage. Kurz vor Schluss belohnen sie sich mit dem verdienten Ausgleich. Ein aus vielerlei Hinsicht positiver Auftakt.

Wenn zwei Minuten vor Schluss der Fortuna-Block tobt und sich genau vor ihr eine Spielertraube türmt, muss etwas Geiles passiert sein. Und so war es: Mit echter Leidenschaft und spielerischer Klasse erzwingt unser Team ein Unentschieden und geht nach 90 Minuten wie der gefühlte Gewinner vom Platz. Dabei zeigte eine Reihe von Spielern wirklich viel versprechende Ansätze, sodass man sich auf diese Saison freuen darf. Wir waren alle gebeutelt von der vergangenen Spielzeit und eigentlich nur froh, dass sie vorbei war. Jetzt, hingegen, ist die Vorfreude groß. Klar, es war nur ein Spiel, aber es steckte viel drin.


Aufstellung und Ausrichtung
In der ersten Startaufstellung der neuen Saison waren direkt sechs von elf Neuverpflichtungen auf dem Platz. Nach dem sich Kramer für Rensing als Nummer 1 entschieden hatte, wurde die Innenverteidigung komplett neu besetzt. Neu-Käpt´n Karim Haggui und Christian Strohdiek sollten die gegnerischen Stürmer zermürben und als RV wurde Abwehr-Talent und U-20 Nationalmannschafts-Kapitän Kevin Akpoguma auf den Platz geschickt. Auf der linken Seite verteidigte Lukas Schmitz. Im Mittelfeld ging es auf der linken Seite mit dem neuen Tempo-Dribbler Sercan Sararer los, Sprint-Star Bolly wurde als Pendant auf die rechte Seite gestellt. Michael Liendl und der neue Vize-Käpt´n Julian Koch, der übrigens am 11.11. Geburtstag hat (Helau), übernahmen die Mittelfeldzentrale.  Das beachtlich offensiv ausgerichtete 4-4-2 wurde vom dynamisch-finnischem Jungspund Pohjanpalo und dem routinierten ivorischen Sturm-Veteran Didier „Didi“ Ya Konan im Angriff abgerundet. Wen die Eisernen so auf´s Feld schickten, war erstmal zweitrangig und eher so Schnuppe… Einzig schöner Moment im Stadion: als der (immer noch wirklich sympathische) Stadionsprecher erwähnte, dass der gegen Lymphdrüsenkrebs kämpfende Benjamin Köhler im Stadion sei. Da applaudierte auch der Fortuna-Block voller Respekt. Top!

HZ:1 Start verpennt
Endlich geht es wieder los. Die Teams kommen auf den Rasen und wir haben richtig Bock. Den haben die Berliner aber leider auch und legen gut los, während die Fortunen sich erstmal merklich finden müssen. So geht dann bereits in der 5. Minute die neue Saison genau so besch….en los, wie die letzte geendet ist: mit einem dämlichen Gegentor! Und alle so „Nicht schon wieder“! Eine Freistoßflanke von Rechts segelt in den Strafraum, Strohdiek passt nicht auf und neu Unioner Kessel köpft das 1:0 für die Gastgeber. So’n Driss. Danach bleibt Union erstmal am Drücker. Es dauert knapp bis zur 20. Minute, bis die Fortuna die Regie übernimmt und sich die Gastgeber weit zurückziehen. Haggui köpft knapp am leeren Tor vorbei, nach dem Union-Keeper Haas im wahrsten Sinne des Wortes einen „Ausflug“ nach einer Ecke hinlegt. Der immer stärker werdende Sararer zeigt Zug zum Tor und zwingt Haas zu manch starker Parade. Ungläubig brüllt jeder Fortune als das Schirigespann Kessels Faustball-Aufschlag im eigenen Strafraum ungeahndet list. Die Szene hat das Zeug zum klarsten nicht-gegebenen Handelfer der Menschheitsgeschichte. In dieser Phase machen unsere uns verstärkt Druck. Union kriegt aus dem Spiel nicht sehr viel. Außer, wenn sie über ihre linke Seite kommen – denn dort zeigt unser Youngster Akpoguma, dass er noch ein wenig Zeit braucht. Viele Zweikämpfe verliert er leichtsinnig aus offensichtlicher Nervosität. Doch vor allem Strohdiek, aber auch Haggui machen innen dicht. Eigentlich war der Ausgleich bereits kurz vor der Halbzeit drin. Aber es fehlt am entscheidenden Abschluss. Beim Pausenpfiff sind sich alle sicher: Da geht noch was.

HZ 2: Wir kommen besser in Fahrt UND belohnen uns
In der Anfangsphase der zweiten Halbzeit tun wir uns wieder etwas schwer. Da liegt aber auch daran, dass den Köpenickern in der Halbzeit sicher mit auf den Weg gegeben wurde, den Sack zuzumachen. Jedenfalls tanken sich Brandy & Co. immer wieder gefährlich durch. Sie treffen den Pfosten (aus aberwitziger, ungeahndeter Abseitsposition) und zwingen Rensing zwei Mal zu großartigen Paraden im direkten 1 gegen 1. Hier haben wir also durchaus jede Menge Glück. Wir sehen aber auch, dass der schon in der ersten Halbzeit starke Koch zusammen mit Liendl und allen voran Sararer auf rechts unser Offensivspiel immer schneller vorantreiben. Je länger das Spiel andauert, desto besser werden unsere Chancen. Kramer wechselt goldrichtig ein. Zunächst Bebou für Bolly. Anschließend van Duinen für Pohjanpalo und schließlich Schauerte für Koch. Die Wechsel zeigten Wirkung. Bebou mische auf der Außenbahn (erst rechts, dann links) ordenlich mit. Van Duinen machte im Sturm Alarm und Schauerte bediente den linken Abwehrflügel, nach dem Schmitz auf die Koch-Position rückte. Über links entstand auch das Tor. Schauerte bediente Bebou. Der setzte sich an der Strafraumgrenze mit einem gekonnten Stop samt Drehung durch und passte maßgenau auf Ya Konan in der Mitte: ein Schuss. Ein Tor. Extase. Das Tor wurde frenetisch gefeiert. Es bedeutete eben mehr als nur ein Unentschieden! Hier hat sich eine Mannschaft belohnt. Hier hatte eine Truppe erzwungen, was ihr zustand. Fortuna drückte weiter, aber es sollte beim 1-1 bleiben.

Besondere Freude bereiteten:
Abwehrhühne Strohdiek: Tolles Stellungsspiel. Super Quote in Luftduellen und richtig starke, spieleröffnende Pässe. Zusammen mit Haggui dürfte er eine Bank werden. Mittelfeldstratege Koch: Beachtlich, wie schnell sich dieser Jungspund eine zentrale Rolle im Team gesichert hat. Über ihn ging sehr viel aus der Zentrale. Mit dem noch offensiveren Liendl kann man sich eine funktionale Aufgabenverteilung im zentralen Mittelfeld vorstellen. Flügelflitzer Sararer: Was hat der für Alarm gemacht. Er ist eben dieser Spielertyp, der brilliert, wenn er sich wohlfühlt. Und derzeit scheint er sich pudelwohl zu fühlen. Tolle Dribblings, super Pässe (der hohe Ball in den Lauf von Bebou war genial) – für uns eigentlich Mann des Spiels. Wenn der genau so weitermacht, wird er uns jede Menge Freude bereiten. Sein Pendant Bolly zeigt viel Spielfreude. Schafft er es, den Ball am Gegner vorbeizulegen, ist er nicht aufzuhalten. Am entscheidenden Pass oder dem Abschluss hat es noch gefehlt. Aber datt kütt. Hoffentlich bleibt er fit! Sturmrecke Ya Konan. Als Vollblutstürmer muss man vor allem Eines: Wissen, wo man zu stehen hat. Er stand goldrichtig in der 88. Minute und hat die nötige Ruhe vor dem Tor. Aber auch er wird Zuspiele brauchen. Kriegt er die, wird es häufig klingeln.

Ansonsten hat die Mannschaft in der Summe bestens funktionert. Und es wurde noch direkt deutlich: Spieler wie Fink oder Bodzek werden es sehr schwer haben, hier eine Rolle zu spielen, die über „Ergänzungsspieler“ hinausgeht.

Szene des Spiels
Unvergesslich, was sich in der ersten Halbzeit auf der rechten Seite abspielte. Ein steiler Ball nach außen bringt Bolly in Bedrängnis. Er rettet die Kirsche Richtung Akpoguma. Der war aber ohnehin in seiner Findungsphase und jagt den Ball im Zweifkampf mit einem heranstürmenden Berliner gefühlte 20-30 Meter in die Höhe. Es sieht fast so aus, als flöge (Konjukntiv Olé) der Ball aus der Alten Försterei. Damit rechneten alle – außer Bolly. Der blieb auf der Seitenlinie stehen, schaute seelenruhig nach oben und nahm den im Tiefflug befindlichen Ball in absolut beachtlicher Ronaldinho-manier völlig entspannt an, als hätte kurzweilig eine Magnetfunktion eingesetzt. Bravo, Bravo, Monsieur Mathis.


Streitthema
: Das Ausweichtrikot
Während Adnan meint, sich das Ausweichtrikot nicht nur kaufen, sondern auch noch mit seinem Geburtsjahr und eigenen Namen bedrucken lassen zu müssen, kriegt Ingo gar ein wenig das Kotzen bei dem Ding. Grün? Okay. Dunkelgrün? Naja. Aber PINKE Rückennummern??? Das Heim- und Auswärtstrikot sind erste Sahne. Aber warum wählt man dann als drittes Trikot ein Dunkelgrünes? Dazu mit pinken Nummern? Ingo hat wie gut 10% aller Männer eine Rot-Grün-Sehschwäche – das heißt: wenn, wie am Sonntag Dunkelgrün genen Rot spielt, erkennt man nicht so richtig gut, was auf dem Feld abgeht. Fernab von der Geschmacksfrage müssen Verantwortliche natürlich auch so etwas bedenken. Zumal man sich nun fragt: Mit welchem Trikot spielt man denn gegen die dunkelroten Betzebuben? Rot? Geht nicht. Schwarz? Geht nicht. Dunkelgrün? Geht ja irgendwie auch nicht.  Warum also kein Ausweichtrikot in Weiß! Daher Ingos explizite Bitte: „Liebe Fortuna-Marketingabteilung, macht die verkauften Grünen Trikots zu Sammlerstücken und stampft den Rest der Produkrtion ein. Danke.“ – Adnan ist da voll gegen und mag das ausgefallene Design. Und Ihr so?

In jedem Fall hat dieser Auftakt doch echt Spaß gemacht. Kommenden Sonntag dann schon der nächste Knaller. Wir empfangen im eigenen Wohnzimmer den BuLi-Absteiger Paderborn. Die haben ja ihren Auftakt ordentlich vergeigt. Da lässt es sich doch ansetzen.

Auf dass es wieder Spaß macht – 95 OLÉ

Ingo & Adnan

Ein Schuss vor den Bug

4 Dez

Die Fortuna kommt in Aalen einfach nicht ins Spiel und verliert vollkommen verdient beim Tabellenletzten. Kein Zugriff, keine Leidenschaft und kein Esprit  – die Chance, sich in der Tabelle ganz oben festzusetzen, wurde leichtfertig verspielt.

Wenn am Ende der Saison die Endabrechnung ansteht, werden wir uns hoffentlich nicht an diesen Graupenkick erinnern müssen. Denn es sind dann oft nämlich genau diese Spiele (und Punkte) auf die es ankommt. Die Fortuna geht als klarer Favorit ins Spiel und kommt mit dieser Rolle anscheinend überhaupt nicht zurecht. Ein wenig erinnerte das Ganze dann auch an die klägliche Pokal-Schlappe gegen Würzburg. Auch hier gingen unsere Jungs als klarer Favorit ins Match, wovon dann aber auf dem Platz NÜSCHT zu sehen war. Wie auch in Aalen, kam es einem so vor, als würden sich die Jungs denken, dass man einen schwächeren Gegner mal so eben im Vorbeigehen abwatschen könnte und der Sieg mit 70-80 % Einsatz auch gelänge… aber falsch gedacht… schon wieder! Dem großen FC Bayern ist es mittlerweile in Mark und Bein übergegangen (…na gut, die sind ja auch in fast jedem Spiel Favorit); man muss beim Wettkampf in jedem Spiel alles raushauen und kann sich nicht ausruhen, denn Fußball ist ein Teamsport, wo Leidenschaft und Einsatzwillen nicht selten den Ausschlag geben, selbst wenn der Gegner fußballerisch über größeres Potential verfügt. Die Unterschiede in der 2.Liga sind auch nicht so groß, dass der Schlendrian irgendeine Daseinsberechtigung hätte. Vor dem Spiel hatte Oliver Reck zwar genau darauf hingewiesen, zugehört hatten seine Mannen aber wohl leider nicht.

 

Zum Spiel

Da sich unsere Jungs im ganzen Spiel lediglich eine Torchance rausgespielt haben, verzichten wir diesmal lieber auf unseren üblichen Spielbericht, wir sind nämlich nicht masochistisch veranlagt; dafür war die Darbietung der Fortuna einfach zu gurkig! Trotzdem kommen wir wohl nicht drumrum ein paar  Zeilen zum Spielverlauf zu verlieren…. Leider war auch bis auf Unnerstall eigentlich niemand dabei, der Normalform erreichte oder im Stande war, seine Teamkameraden aus dem Dornröschenschlaf zu reißen. Bomheuer, der neu in die Startelf gekommen war und die Position des linken Verteidigers einnahm, hat sich erstmal nicht für neue Einsätze empfohlen, beim ersten Gegentor läßt er seinen Gegenspieler flanken und betreibt auch im weiteren Spielverlauf nicht gerade Eigenwerbung. Ihn aber rauszupicken, wäre unfair, denn seine Nebenleute haben es nicht gerade besser gemacht. Die Leistung von Jonathan Tah, der uns in den Wochen zuvor so begeistert hatte, war irgendwie sinnbildlich für die Leistung von F95. In der 12.Minute wird von ihm im Spielaufbau auf Höhe der Mittellinie erstmal ein haarsträubender Hackentrick probiert, der Gegner holt sich mit Dynamik und Einsatzwillen die Kirsche und der Konter läuft. Dass wir hier noch nicht in Rückstand gehen, ist ein eher glücklicher Umstand. Eine Minute später agiert Bodzek im eigenen Strafraum äußerst rustikal, über einen Elfmeterpfiff hätten wir uns an dieser Stelle nicht beklagen können. Kurz danach fällt dann aber das Tor für die Gastgeber, weil der besagte Bomheuer eben die Flanke über die linke Seite nicht unterbindet.

Wenn die Fortuna den Ball hat, agiert sie unkonzentriert und fahrlässig. Ein Zugriff auf das Spiel und strukturierter Aufbau sind leider nicht zu erkennen. Dafür sehen wir Mißverständnisse, Fehlpässe und keinen Mumm. Lediglich in den letzten 2-3 Minuten der Halbzeit scheinen die Jungs endlich aufzuwachen und ins Spiel zu kommen.

Die zweite Hälfte beginnt dann auch so, als hätte Oliver Reck seiner Truppe in der Kabine einen (verdienten) Einlauf verpasst. Denn in Minute 47 gibt es die erste  Chance für F95 durch Benschop – diese sollte dann aber leider doch die einzige bleiben, denn die Fortönn fällt zurück in ihre leidenschaftslose und schlafmützige Lethargie. Die Wirkung der Kabinenpredigt ist bereits verflogen. Der Trainer probiert´s mit allen Mitteln und bringt mit Bolly für Bomheuer einen weiteren Offensivspieler. Kurz darauf folgt dann aber die spielentscheidene Szene in unserem 16er: Tah blockt den Ball mit dem Oberkörper und der Schiedsrichter entscheidet wahnwitzigerweise auf Elfmeter für Aalen. Dieses Geschenk lassen sich die Hausherren nicht nehmen und erhöhen ihren Vorsprung auf 2:0. Der Elferpfiff an sich war ein Witz! Aber beklagen dürfen wir uns trotzdem nicht, da es in den letzten Woche in fest jedem Spiel eine äußerst strittige, foulbedingte Strafraum-Entscheidungen gab, die jedoch immer für uns gewertet wurden. Gerade und Soares und Bodzek können davon ein Lied singen.

Bezeichnend für die Gemütslage der Fortunen ist dann in 68.Minute ein Frustfoul von Charly, wofür er vom Schiri dann auch noch mit der Gelben Karte belohnt wird. Unser Trainer versucht zwar noch Einfluss auf des Spielgeschehen zu nehmen und ändert die taktische Ausrichtung auf ein 4-3-3, zusätzlich bringt er noch Jimmy Hoffer für seinen Landsmann Gartner. Leider verpuffen aber alle Versuche die Mannschaft wachzurütteln. Das Spiel endet 2:0 für Aalen.

Fazit

Wir hoffen, dass unsere Jungs die richtigen Lehren aus dem Spiel ziehen, denn es war ein Warnschuss vor den Bug! Wenn die Fortuna sich in der Spitzengruppe festsetzen will und vorhat um den Aufstieg zu spielen, kann man sich solche Auftritte wie in Aalen nicht leisten. Dafür gibt es in dieser Liga einfach zu viele Teams, die gerne in die 1.Bundesliga aufsteigen wollen und nur auf Ausrutscher der Konkurrenz warten. In diesem Spiel ist auch das Fehlen von da Silva Pinto und seiner Galligkeit aufgefallen, da im Mittelfeld einfach zu wenig Biss zu sehen war. In diversen Gazetten ist jetzt schon die Begriffe „Krise“ aufgetaucht… so weit wollen  wir natürlich nicht gehen, aber es ist schon wichtig, dass am morgigen Freitag gegen Sandhausen auf dem Platz die richtige Antwort gegeben wird, damit die gute Ausgangssituation nicht verspielt wird . Als Zeichen an die Fans, die Konkurrenz und auch an die vermaledeiten Medien. Einsatz und Leidenschaft MÜSSEN einfach bei 100% sein, dann ist die Fortuna in der Lage auch jeden Gegner in dieser Liga zu besiegen. Mit angezogenen Handbremse, wie in Aalen, wird dies aber nicht gelingen. Also Jungs: Arschbacken zusammenkneifen, volle Konzentration und zeigen, dass der vergangene Samstag ein Ausrutscher war! Ihr habt gegen Sandhausen sofort die Chance den herzlosen Auftritt in Aalen vergessen zu machen!

In diesem Sinne, 95 Olé!

 

Adnan und Ingo

 

Vom Punkt drei Punkte zum Auftakt

24 Jul

Der Saisonauftakt ist gelungen. Unsere Jungs bezwingen Energie Cottbus nach einer richtig guten Partie mit 1-0. Dabei feiern besonders die drei Neuen auf dem Platz ein großartiges Pflichtspieldebut. Das Wiedersehen mit Robert Almer war indes zum Verzweifeln schön…

Jaaaaaa, verdammt!!! Nach 26 Wochen (= einem HALBEN Jahr) haben wir endlich wieder unsere Mannschaft Siegen sehen. Das Schöne daran: Es war ein wirklich verdienter Sieg. Wir begannen topmotiviert und mit offensichtlichem Vorwärtsdrang. Und es war einfach nur dem aberwitzig gut aufgelegten Robert Almer geschuldet, dass wir nicht in Führung gegangen sind und es sich erst nach einem Elfer „ausgealmert“ hatte. Natürlich war er bis in die Handschuhspitzen motiviert, an seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu zeigen, was für ein guter Torwart er ist. Und natürlich dachte manch einer sofort „Boah, hätte der mal die Rückrunde gespielt!“, blaaablaablaa. Müßiger, spekulativer Unsinn. Wir sind im Hier und Jetzt. Und eben diese Gegenwart fühlt sich gut an, weil das Stadion trotz Zweite Liga und Montagsspiel mit 34.000 sehr gut gefüllt war und die Stimmung teilweise alle Blöcke ergriff. Dass dann Cristian Ramirez bei seinem allerersten Pflichtspiel gleich als gefühlter „man of the match“ die Humba machen darf, krönt einen wundervollen Abend. Schauen wir uns aber mal genauer den ersten Auftritt unserer Jungs an:

Wer, warum, wo auf dem Platz stand!

Nachdem sich Mike Büskens also in der Torwartfrage für Fabian Giefer als neue Nummer 1 entschieden hatte, gab es für die Startaufstellung im 4-4-2 System eigentlich nur noch zwei, drei weitere Positionen, die offen waren: Wer spielt hinten rechts (RV)? Wer vorne rechts (RM)? Und wer stürmt neben Reise? Als RV setzte sich Levels gegen Balogun durch und komplettierte die Viererkette um Abwehrchef Latka, neben dem mit Ramirez und Bomheuer gleich zwei vielversprechenden Abwehrtalente ein großartiges Debut für die Fortuna gaben. Auf den Außen begannen als RM Bolly (der den Vorzug vor Giannotas bekam) und Bellinghausen. Die Mittelfeldzentrale war, wie zu erwarten, mit Bodzek und Lumpi besetzt. Als Sturmpartner für „Reise“ durfte Neuzugang Benschop ran. Auf Seiten der Gäste stellte Fortuna-Ikone und Cottbus-Trainer Rudi Bommer eine Truppe auf, die schon aufgrund der Namen auf dem Spielbericht zu den Geheimfavoriten der Saison zählen dürfte. Mit Jendrisek, Sanogo, Kruska, Möhrle und Takyi haben die Lausitzer einige Spieler in ihren Reihen, die auch schon ihre Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt haben. Mit Robert Almer haben sie zudem einen erstligataugliche Torhüter, der gegen seine alten Kollegen zur (fast) unüberwindbaren Nemesis werden sollte.

1. HZ Offensivdrang und Torchancen!

In den ersten Minuten der Partie ist der Fortuna deutlich ihre große Motivation, aber auch Nervösität anzumerken. Es ist viel Hektik im Spiel und die misslungenen Passstaffetten („Fortuna-Tiki-Taka“) erinnern ein wenig an die letzte Saison. Dies ist aber auch dem guten Pressing der Cottbusser geschuldet, die unsere Jungs gerade in der Mitte früh unter Druck setzen. Es dauert ein paar Minuten, bis die Fortuna die Nerven in den Griff bekommt und echter Spielfluss entsteht. Bomheuer gelingen nun sehr gute, schlichte Spieleröffnungen – mal ein hoher Ball; mal flach gespielt. Und besonders unsere linke Seite mit Ramirez und Axel setzt der Energie ordentlich zu. Bei der wohl schönsten Kombination spielen die beiden in hohem Tempo einen Doppelpass am gegnerischen Strafraum; der Ball wird auf den starken Benschop in den Strafraum gespielt, der dann die Pille mit der Hacke in den freien Raum legt, wo der anpesende Axel die Kirsche gekonnt in Richtung Strafraummitte mitnimmt und auf’s Tor zimmert. Ex-Fortune Almer zeigt aber in dieser Situation einen tollen Reflex und pariert, obwohl der Ball gegen seine Laufrichtung kommt. Die Aktion hätte echt ein Tor verdient gehabt. Aber solche Szenen machen uns Mut – für das Spiel und die gesamte Saison. Denn in der ersten Halbzeit gibt es noch weitere Darbietungen unserer Jungs, die dem Liebhaber der filigranen Ballkunst ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und tausendfache „Jawoll!!!“ und „Sauber, Junge!!!“ Aufschreie in der Arena ertönen lassen. Bis zum Ende der Halbzeit erspielt sich die Fortuna 4-5 richtig gute Chancen und scheitert eben nur am überstark parierenden Almer. Der Junge war so gut aufgelegt, dass „Reise“ ihm zwei Mal zu seinen Paraden gratulierte (nominiert für den Adnan-Fairness-Preis!). Es gab nach etwa 25 Minuten eine kleine Schwächephase, in der sich unser Team etwas gehen ließ und Cottbus Spielanteile gewann. Doch bis auf einen satten Distanzschuss kam nichts Gefährliches auf Giefers Tor.

2. HZ: Noch mehr Offensivpower und echter Siegeswille

Auch in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff ist die Partie etwas zerfahren und unsere Jungs brauchen wieder eine (kurze) Weile, um sich auf den Gegner einzustellen und über die Außen in Fahrt zu kommen. Dies gelingt dann aber immer besser. Es spielt nach 50-55 Minuten eigentlich nur noch die Fortuna. Die Gäste werden hinten eingeschnürt. In der 64. Minute ist es dann endlich so weit und wir machen uns bereit für den ersten Torjubel der Saison – Elfmeter – und zwar völlig zurecht. Bellinghausen kommt über die linke Seite angestürmt und spielt einen wirklich guten Pass in die Tiefen des Strafraums; „Reise“ bekommt den Ball und wird aber von seinem Gegenspieler Schulze ziemlich unbedarft umgeholzt. Dem Totalausfall von einem Schiri bleibt da nichts anderes als der Elfer-Pfiff übrig. Wider der alten Weisheit „der Gefoulte soll nicht selbst schießen“, tritt Reisinger zum Elfmeterduell gegen seine alten Spezi Almer an und trifft souverän. Dabei war es amüsant, dass sich Almer für genau die Ecke entscheidet, in die „Reise“ seinen Elfer gegen Monaco verwandelt hatte. Pech gehabt, Robert! 😉 Es hat schon einen Elfmeter gebraucht, um ihn zu überwinden. Nach der verdienten Führung wechselt Büskens zum ersten Mal und bringt für Bolly Neuzugang Gianniotas (ausgesprochen: Janjotas). Dieser bringt sich sofort und ohne große Anlaufschwierigkeiten in das Spiel ein und macht über die rechte Seite mächtig Dampf – mit Zug zum Tor. Nur wenige Minuten später geht Benschop nach toller Leistung, ausgepumpt und mit Wadenkrämpfen vom Platz. Für ihn kommt Youngster Wegkamp. Unsere Jungs drücken weiter und erarbeiten sich weitere Chancen. Allein Gianniotes suchte zwei Mal den Abschluss. Die wollten noch einen drauflegen. Aber Cottbus wollte nun auch nicht so leicht die Punkte hergeben. In der Schlussphase holen sie die Brechstange (hohe Bälle) raus, um doch noch den benötigten Ausgleichstreffer zu erzielen. Dabei besitzt die Fortuna aber in diesem Spiel das Glück des Tüchtigen und fängt sich nach einer starken mannschaftlichen Leistung eben KEINEN Treffer mehr, so dass die drei Punkte absolut verdient in Düsseldorf bleiben.

Tolle Debutanten und „Ramirez, ooohoooh! Ramirez ooohohoho!“

Beim ersten Spiel der Saison gab es schon einige Dinge, die uns hoffnungsvoll auf den weiteren Saisonverlauf blicken lassen, denn die Handschrift des neuen Trainers ist direkt erkennbar – Fortuna ist viel offensiver ausgerichtet als in den letzten Jahren. Das Team wirkt zudem insgesamt passsicherer. Alle Neuen haben beim Debut einen richtig guten Eindruck hinterlassen; Charliston Benschop (alias Will Smith) hat eigentlich in allen relevanten Belangen überzeugt. Ballan- und mitnahme, Schnelligkeit, Passspiel und Handlungsschnelligkeit haben gut ausgesehen; zudem hat er ordentlich gepresst und auch nach hinten gearbeitet. Seine geschmeidige Kopfballverlängerung nach Freistoß von Bellinghausen hätten andere Torhüter nicht rausgefischt. Auch Dustin Bomheuer war richtig stark. Er strahlt für sein Alter eine Wahnsinns-Souveränität aus und spielt neben Latka, als hätte er nie etwas Anderes getan. Er hat sehr gute Ansätze im Spielaufbau gezeigt. Unsere für Bolly eingewechselte #22 Gianniotas hat deutlich gemacht, dass er sich für die Startelf empfehlen wird. Er war sofort in der Partie, hat zu Flügelläufen angesetzt und war torgefährlich. Wer allerdings am meisten rausgestochen hat, ist der kleine Ecudorianer auf links: Cristian Ramierz lässt allein mit seiner Körpersprache und dem absolut fokussierten Gesichtsausdruck auf ein riesiges Selbstvertrauen schließen, das er am Montag auch auf dem Platz gezeigt hat. Die Szene an der Seitenlinie, als er mit seinem Gegenspieler aneinander rasselt und in die cottbusser Trainerbank semmelt, sprach Bände: Beide Spieler drängeln und rempeln, fallen hin; der Cottbusser stürmt auf Ramirez zu und baut sich wild gestikulierent vor ihm auf – aber was macht unser Jungspund? Vermeintlich südländisches Temparament zeigen? Nix da! Er bleibt einfach stehen, verzieht keine Miene, die Brust raus und das Kreuz durchgestreckt und schaut dem Gegner mit eiskaltem Blick in die Augen! Cooler und abgezockter geht nicht – und das mit 18 Jahren, beim Pflichtspieldebut in der Arena – Hut ab!!! Ohne jetzt die Erwartungen zu hoch hängen zu wollen, aber Cristian Ramirez erinnert einen doch irgendwie an David Alaba. Zwar ist er Linkfüßer, aber kann auch mit rechts passen oder die Pille führen. Neben dem Selbstvertrauen (bitte auf keinen Fall mit Arroganz verwechseln), bringt Ramirez Schnelligkeit, Cleverness, Zweikampfstärke und eine dicke Portion fußballerische Qualität auf den Platz – der Junge ist mehr als ein Rohdiamant. Wie viele andere Talente, muss dieser aber noch von unserem Coach geschliffen werden, dies ist unserem Trainer aber absolut zuzutrauen. Vor allem wenn man sich mal anschaut, wie sehr Mike Büskens jetzt schon auf die Jugend baut und ihr Selbstvertrauen durch Einsätze und Zuspruch gibt. Herzerwärmend war auch die Szene nach Abfiff, als sich Büskens zum Jubeln auf Ramirez stürzte. Dass unsere „Young Guns“ auf ihrem Weg auch den ein- oder anderen Fehler machen werden, wird nicht zu vermeiden sein, aber bei der Freude, die sie uns bereiten,  werden Verein und Fans ihnen vieles nachsehen.

Keine Zeit für Eklats und Theater, denn ES IST DERBY-TIME!

Das Beste am sogenannten Eklat von Montag ist, dass er eigentlich schon wieder vorbei ist. Rensing hat sich entschuldigt, und jut is‘! All diejenigen, die ihn jetzt am liebsten suspendiert sehen wollen, sollen echt mal… ähm, Moment. Abhaken, feddich!! Blicken wir lieber mit UNFASSBARER Vorfreude auf den kommenden Sonntag: Nach einer EWIGKEIT geht es endlich wieder in einem Pflichtspiel gegen die Scheiße vom Dom. Eine absolut sensationelle Einstimmung ist der FORTUNA KLAUT KOLN PUNKTE Clip. Absolut gewaltfrei und ohne Palaver unter der Gürtellinie und dennoch entwürdigend – so geht Fanrivalität!

Oft werden ja Spieler und ganze Mannschaften dafür kritisiert, während eines Spiels mit den Köpfen schon beim nächsten Spiel zu sein. Diesmal könnte man uns Fans diesen Hut aufsetzen 🙂 Schon vor Abpfiff unseres Spiels gegen Cottbuss brüllten wir AUSWÄRTSSIEG, AUSWÄRTSSIEG! Und selbst die obligatorische Feier-Hymne unserer Hosen mussten wir mit „Cologne, Cologne, die Scheiße vom Dom!“ übersingen. Ist doch aber super so. Diese Freude ist vollkommen berechtigt und lässt so ein wenig die Frage aufkommen: Wer oder was ist dieser Abstieg?

Wir freuen uns auf das Derby und können es kaum abwarten, darüber zu schreiben. Ja, auch wir sind schon beim nächsten Spiel 🙂

In diesem Sinne

Adnan & Ingo

PS: Ab sofort gibt es eine „Frage der Woche“, zu der wir unbedingt Eure Antworten wissen wollen. Los geht das:

Ende des Abenteuers Bundesliga

19 Mai

Das war’s. Nach dem 0-3 in Hannover und den Siegen von Augsburg und Hoffenheim ist unser Schicksal besiegelt. Es geht wieder ins Unterhaus. Gerade unser letztes Spiel zeigte jedoch deutlich, dass wir da sportlich auch hingehören.

34 Spieltage bedeuten 3060 Minuten „Abenteuer Bundesliga“. Von diesen 3060 Minuten verbrachten wir satte 3006 oberhalb der Gefahrenzone. Und erst nach 3052 Minuten – nur 8 Minuten vor Ende der Saison – rutschten wir plötzlich unwiderruflich auf einen direkten Abstiegsplatz. Natürlich wirkte dieser Absturz am gestrigen Tag hochgradig brutal. Nur wird wohl kaum ein Fortune leugnen, dass es sich in den vergangenen Wochen und Monaten abgezeichnet hatte – gestern wurde lediglich eiskalt abgerechnet. Das Ganze wurde emotional dadurch zugespitzt, dass wir in gewisser Weise unseren „Schalke-Moment“ erlebten, als plötzlich die Nachricht des Dortmunder Ausgleichtreffers einging und sich alle nach und nach in Armen lagen, Spieler plötzlich wieder ihre Fäuste ballten. Doch wenig später sickert durch, dass dieser Treffen nicht gegeben worden ist. Ähnlich war es zu Beginn des Spiels mit dem Elfmeter von Fürth, der wiederholt werden musste. Auch da kam erst Jubel auf, der dann wieder im Keim erstickt werden musste. Und so realisierten nach dem Spiel ca. 6.000 Fortunen auf den Rängen und die Mannschaft unten auf dem Feld, dass es nun aus ist. Viele hatte Tränen in den Augen, andere ihre Gesichter hinter Händen und Schal versteckt. Wiederum andere blickten mit blassen Gesichtern Richtung Mannschaft und hätten wohl am liebsten jeden Einzelnen umarmt. Viele von unseren Spielern weinten bitterlich. Diese Momente des nervösen Wartens auf die anderen Ergebnisse haben die Jungs da unten und uns auf den Rängen, ebenso wie die daheimgebliebenen vor Fernsehern und Leinwänden in der Alstadt nah zueinandergeführt. Überhaupt erlebte unsere Mannschaft in Hannover wieder einen Support, der vom Allerfeinsten war. Unmittelbar vor Spielbeginn hat es vermutlich einen der emotionalsten Momente dieser Saison gegeben – als es zwischen Mannschaft und Fans einen Schulterschluss gab, der manchem bereits zu dem Zeitpunkt die Tränen in die Augen schießen ließ: Nach der Platzwahl wurde auf dem Rasen – wie üblich – untereinander abgeklatscht. Doch dann liefen unsere Jungs geschlossen und mitsamt der Ersatzspieler auf unsere Kurve zu (hier im Clip ab 07.30min zu sehen). Gebfalle Fäuste, kampfbereite, leidenschaftliche Blicke und Schreie erfolgten in unsere Richtung – und die Kurve antwortete mit den lautesten „Fortuna, Fortuna, Fortuna“-Rufen, die man an diesem Tag erleben sollte. Nach diesem Moment hatte man wahrlich das Gefühl, nun gemeinsam Berge versetzen zu können…

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Motiviert, engagiert, aber leider zu harmlos.

Zum Spiel: In die Kategorie „Muskelverletzung“ gesellte sich kurzerhand noch Stelios Malezas, sodass unser Chefcoach Einiges umzustellen hatte. Er entschied sich dazu, Bodzek und Langeneke in der Innenverteidigung beginnen zu lassen und stellte überraschend Paurevic und Fink ins zentrale Mittelfeld. Bolly und Schahin sollten in der Offensive für Gefahr sorgen, Lumpi und Weber (ein gefeierter Rückkehrer) übernahmen die rechte Seite. Unser Trainer versprach sich von dieser Aufstellung die Umsetzung seines taktischen Konzepts: aus einer sicheren Defensive heraus schnell über die Außen in die Spitze zu spielen, um so mit schnellem Umschaltspiel zu Torchancen zu kommen. Mit diesem System sind wir aufgestiegen und haben in der Hinrunde dieser Saison 21 Punkte geholt. Leider ist aber das Spielsystem von H96 Trainer Mirko Slomka identisch und ihm stehen zudem die besseren Einzelspieler zur Verfügung. Slomkas „10 Sekunden-Philosophie“ – max. 10 Sekunden von Balleroberung bis Torabschluss – ist bei den Hannoveranern in Mark und Bein übergegangen. Dass die 96er zusätzlich noch den psycholgischen Vorteil auf ihrer Seite hatten und uns kommen lassen konnten, sollte es für uns noch schwieriger machen. Aber unsere Fortunen präsentieren sich vom Anpfiff weg mutig und gut organisiert. Sie versuchen das Heft in die Hand zu nehmen. Der Gegner zieht sich zurück und schaut sich erstmal an, was wir in der Offensive so zu bieten haben. Es dauert allerdings recht lang, bis wir zum ersten mal gefährlich vor Zieler auftauchen. Mächtige Aufregung gibt es allerdings schon, da Fürth in Augsburg in der 3. Minute einen Elfer bekommt und diesen auch verwandelt. Die Kurve, wo Adnan zugegen war, freut sich, und die Altstadt, die Ingo mit massig Fortunen in einen virtuellen Auswärtsblock verwandelt hatte, tobt. Bis wir merken, dass selbiger Elfmeter wiederholt und verschossen wird – welch ein Elend. Doch dann kommen endlich unsere Jungs mit zwingender Aktion. In der 25. Minute, schlägt der überzeugende Weber eine der wohl besten Flanken, die wir in dieser Saison erleben durften, auf unseren Kapitän, der jedoch leider am Tor vorbei köpft. Aber wir schöpfen Mut. Unsere Jungs kommen immer wieder gut über’s Mittelfeld, doch danach fehlen Ideen, Vermögen und Entschlossenheit. Und die Hannoveraner setzen in der 36. Minute zum ersten Mal das Spielsystem ihres Trainers an diesem Nachmittag perfekt um. Freistoss für die 96er am eigenen 16er, Pinto verlängert auf Cherundolo, dieser passt in den Lauf von Diouf, Bodzek kann nicht ausreichend stören und der Stürmer schiebt den Ball ganz simpel an Giefer vorbei ins Tor. Schnell, einfach, effektiv in unter 10 Sekunden – Slomka dürfte mit der Zunge geschnalzt haben. Alle Fortunen kommen bei diesem Angriff, den Hannover direkt und eiskalt vorträgt, zu spät. Trotz des Rückstands stecken die Fortunen aber nicht auf. Wenig später nach schönem Pass von Paurevic läuft Bolly mit gelungener Ballannahme alleine auf des Gegners Tor zu, umspielt Zieler, wird dabei aber zu stark nach aussen gedrängt, so dass sein Torschuss vom zurückgeeilten Djourou auf der Linie per Hüfte geblockt wird. Es wäre ein so guter Zeitpunkt… Ach… lassen wir die „wäre, hätte“-Geschichten gleich bleiben – wir haben den ganzen Keller voll davon… DENNOCH: Zur Halbzeitpause haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Hannover liegt nur mit einem Tor vorne, wir erspielen uns Chancen, Augsburg führt auch nur mit einem Treffer gegen Fürth und der BVB liegt gegen Hoffenheim in Führung.

Erst verlässt uns die Hoffnung, dann das Verlassen auf Andere

Die Zweite Hälfte beginnt auch wieder ganz ordentlich; die Fortuna setzt den Gegner unter Druck, schafft es aber weiter nicht, wirklich gefährlich vors Tor zu kommen. Wie schlecht es um unsere Abschlussqualitäten bestellt ist, offenbarte besonders die vergebene Chance vom eingewechselten Reisinger in der 55. Minute: Reise bekommt den Ball am Strafraum, legt ihn an zwei Gegnern vorbei und schießt den im Abseits stehenden Schahin an… Einfach bitter! Die 96er setzen die Philosopie ihres Trainers in Minute 61 hingegen erneut viel zu gut um. Mit drei schnellen Pässen wird unsere gesamte Defensive ausgehebelt und Ya Konan erhöht den Rückstand um ein weiteres Tor. Der Stimmung versetzt dies leider einen empfindlichen Schlag. Zwei bis drei Tore sind unseren Jungs wahrhlich nicht mehr zuzutrauen. Die Hoffnung schwindet. In der 67. Minute wird’s allerdings noch einmal für einen Moment spannend: Diouf spielt einen recht fragwürdigen Rückpass, der beim allein auf Ziegler zustürmenden Reisinger landet. Ein echtes Geschenk. Doch dessen in diesem Moment leider nicht existente Ballbeherrschung (bei FIFA und PES würde man sagen „Turbotaste durchgedrückt“) verhindert unseren Anschlusstreffer. Wieder ein Beispiel für die viel zu zahlreichen Unkonzentriertheiten bei der Fortuna. Der Gegner macht es zu unserem Leidwesen besser und schließt in der 76. Minute erneut eine schnelle Kombination durch den Ivorer Ya Konan zum 3:0 Endstand ab. Spätestens zu diesem Zeitpunkt bleibt nur noch der Blick nach Dortmund, wo in genau diesen Minuten der Ausgleich für „Plastik FC Sinsheim“ fällt. Mit Entsetzen vernehmen wir wenig später auch noch die Nachricht der Hoffenheimer Führung. In der Kurve fliegen Becher. Die Altstadt-Meute wirkt wie gelähmt. Kann es wirklich sein, dass sich die Dortmunder das Vergnügen nehmen lassen, die verhassten Hoppis aus der Liga zu schießen??? Als ob das nicht genug wäre, zeigt uns das Schicksal erneut den Stinkefinger! Schmelzer erzielt in der 94. Minute den Ausgleich – die Bolkerstraße dreht durch; in der Kurve kommt Hoffnung auf – das dann wiederum schleichende Entsetzen, als bekannt wird, dass das Dortmunder Tor nicht zählt, haut uns alle dann gänzlich und final um.

Momente, die verbinden!

Bei all der Dramatik war die Nähe zwischen Mannschaft und Fans in diesen Momenten von besonderem Wert. Diese Nähe wird es zulassen, dass nach einiger Zeit, in der die Enttäuschung und Trauer versackt ist, langsam aber sicher die Vorfreude auf eine neue Saison mit dem geilsten Club der Welt wieder hervorsteigen wird. ABER: Die Enttäuschung darf und muss man zulassen. Das haben die Spieler auch getan. Zweckoptimismus und Schönrederei braucht man nicht. Wir haben’s einfach nicht gepackt, sind aber die letzten Minuten dieser Saison ganz nah bei der Mannschaft gewesen…

Tja… So kommt auch der letzte Spielbericht unserer ersten Blogsaison zum Ende. Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen und an einer Gesamtanalyse der Saison 12/13 arbeiten. Wir möchten von unserer Perspektive erarbeiten, was, wann, wie und warum geschehen ist und dabei einige für uns wichtige Punkte und Gründe des Abstiegs darstellen.

Bis dahin wünschen wir, dass Ihr ebenso wie wir schnell über die Enttäuschung hinweggkommt.

In diesem Sinne,

Ingo & Adnan

PS: Jetzt sind wir übrigens geschlossen für die Bayern im CL-Finale
PPS: Da hilft auch Kloppos netter Kommentar nix.

Ohne Leidenschaft Richtung Relegation

12 Mai

Unsere Jungs zeigen 40 Minuten lang Abstiegskampf und erzwingen die Führung. Doch dann brechen sie ein und laden Nürnberg zum ersten Sieg nach vier Niederlagen ein. Von Gegenwehr und Leidenschaft leider keine Spur.

Letzte Woche hatten wir die Schnauze gestrichen voll von Durchhalteparolen. Diese Woche, so müssen wir einräumen, haben wir keinen Bock auf Wiederholungen: blutleer, leidenschaftslos, ängstlich, unkreativ, unkonzentriert, inkonsequent… Diese Adjektive nutzten wir zuletzt in inflationäre Weise. Darum wollen wir es heute bei einem, die deutsche Sprache so unendlich bereichernden Wort zur Beschreibung des Spiels belassen: SCHEISSE!

Anfangs lag etwas in der Luft

Vor Anpfiff und während sich beide Teams aufwärmten, spürte man im Stadion wirklich eine zuversichtliche „JETZT PACKEN WIR’S“-Stimmung. Als die Startelf zum Warmlaufen auf das Feld kam, erschallte ein lautes „FORTUNA-FORTUNA“. Endlich erklangen mal wieder aus unserer Südtribüne Supportgesänge lange vor Anpfiff. Mit zwei großen Bannern stimmten die Ultras das Team zudem deutlich lesbar auf das KÄMPFEN und SIEGEN ein. Und pünktlich zum Einlauf der Teams bekam Lumpi eine wirklich sehenswerte Choreo gewidmet, in der er als Legende gefeiert wurde. Das musste doch alles Mut machen, oder?

1. HZ: Nur 40 Minuten lang Abstiegskampf

Es schien wirklich zu helfen. Die Mannschaft begann mit Biss und die Körpersprache stimmte. Fußballerisch mochte unseren Jungs, die sichtlich darum bemüht waren, das Spiel zu machen, nicht sonderlich viel gelingen. Was aber deutlich besser war als die vergangenen Spiele, war die Verbissenheit, mit der Bälle noch in der Nürnberger Hälfte gewonnen wurden. Besonders Bodzek, aber auch Tesche, Lumpi und Bellinghausen gefielen in dieser Hinsicht. Langeneke zeigte mal wieder sein hervorragendes Stellungsspiel. Bodzek spielte einige, richtig gute Pässe, die spieleröffnend waren, weil sie nicht nur den Mitspieler erreichten, sondern auch noch so in den Lauf gespielt wurden, sodass die Offensivaktion unentwegs hätte starten können. Doch es kam das, was diese Halbzeit für neutrale Beobachter so qualvoll werden ließ: Beide Teams spielten konzept- und kopflos nach vorne und überboten sich zudem gelegentlich in Hektik und aberwitziger Harmlosigkeit. Dennoch: Die Präsenz unserer Truppe stimmte. Man fühlte es: Die Mannschaft ist mental auf Linie. Und dann wird sie sogar dafür belohnt. Es ist der durch die Choreo verehrtet Kapitän, der sich in seiner unnachahmlichen Art gegen den Abstieg stemmt. Lumpi wuselt sich am Strafraum der Nürnberger durch, rutscht aus (ja, die Hand war auch mit im Spiel – so what?), steht wieder auf und passt den Ball am Boden liegend noch steil in den Fünfmeterraum des Gegners. Kruse verpasst, aber der freundliche Herr Balitsch tut uns einen Gefallen und buchsiert die Kirsche ins eigene Netz! GENAU DAS hatte dem Team gefehlt in den letzten Wochen: GLÜCK! Und niemand Geringerer als Lumpi hat’s erzwungen. Folgt jetzt der Ruck, der Orkan, der losbricht und die Nürnberger in Schutt und Asche legt…? Nein – stattdessen: GAR NICHTS. Denn die Verunsicherung wird nun minütlich spürbarer und zieht mit unsichtbarer Hand die Bremse an. Die Offensivabteilung findet bis zur Pause folglich nicht mehr statt und hinten laden wir die wirklich erschreckend schwachen Gäste sogar noch zwei Mal zu Schüssen ein, die beide aber neben dem Kasten von Giefer landen. So begannen wir, Nürnberg pünktlich zum Halbzeitpfiff langsam und solide aufzubauen.

2. HZ: Mit vollen Hosen den Gegner zum Sieg geführt

Schon während der Pause fällt uns auf, dass Co-Trainer Uwe Klein den wiedergenesenen Mathis Bolly auf seinen Einsatz vorbereitet. Wir hoffen auf einen Tausch mit Kruse, dessen Leistung in der 1. HZ wirklich unterirdisch war. Leider muss aber unser Capitano verletzt in der Kabine bleiben, sodass Kruse auf die rechte Seite rückt und der schnelle Norweger sich zu Schahin in die Spitze gesellt. Dennoch kommt Hoffnung auf, dass mit Bolly mehr Spritzigkeit ins Offensivspiel kommt. Doch, machen wir es kurz: Die Mannschaft hat sich in der zweiten Halbzeit präsentiert, als wäre sie schon seit Wochen abgestiegen. So spielt keine Truppe, die selbst noch die Kohlen aus dem Feuer holen kann. Das wirklich Erschreckende an der gestrigen Partie gegen den 1. FCN war die Erkenntnis, dass die Fortuna selbst im Falle einer Führung – eines ERFOLGSERLEBNISSES – ihre Tugenden nicht wachrufen kann: Bis auf wenige Ausnahmen ist nichts zu sehen oder zu spüren von Leidenschaft, Dynamik,Laufbereitschaft und Kampfeswille. Das kommt im Abstiegskampf einem Offenbarungseid nahe. Den Jungs sind die Eier flöten gegangen. Und so kommt plötzlich der seit vier Spielen punktlose Club ins Rollen. Wie aus einem Skript erfolgt dann logisch der Ausgleich in der 58. Minute. Langeneke klärt per Kopf einen Ball, der von den Franken direkt wieder in den Strafraum befördert wird. Alle Fortunen befinden sich schon in der Vorwärtsbewegung, um die Gegner Abseits zustellen – leider ist jedoch der gute Axel hierbei einen Schritt zu langsam. Der nicht im Abseits stehende Mak bekommt den Ball und schießt ansatzlos an Axel und Giefer vorbei ins Tor. Unter den im vermeintlich „passiven Abseits“ befindlichen Nürnbergern blockiert jedoch einer Axels Laufweg. Durch diesen entscheidenden Eingriff ins Spiel ist der Nürnberger aber auch nicht mehr „passiv“, sondern „aktiv“ im Abseits. Also, ein irreguläres Tor. Aber, Pustekuchen: Ausgleich! Es ist sofort zu sehen, wie sich Langeneke die Seele aus dem Leib schreit und die Jungs aufzubauen versucht. Doch es tat sich gar nichts. Die Nürnberger, denen mit Chandler, Nilsson und Kiyotake wichtige Stammspieler fehlten – spielten jetzt plötzlich kombinationssicher und unsere Jungs kamen schlichtweg nicht mehr hinterher. Standen sie den Nürnbergern in der 1. HZ noch auf den Füßen, ließen sie ihnen jetzt Platz ohne Ende. Mak dribbelte sich in einen Rausch und musste, nachdem Bodzek einfach nicht hinterherkam, von Langeneke gemäht werden. Es tritt der zur Halbzeit für Esswein eingewechselte Plattenhardt an. Nach Sahin und Alex Meier darf sich nun auch eben dieser Plattenhardt über ein Traumtor Marke „Sonntagsschuss“ gegen uns freuen. Er zirkelt das Ding unhaltbar aus 20 Metern rein. Fink wird dabei gekonnt in der Mauer von einem Nürnberger beim Hochspringen behindert – es fehlen genau diese Zentimeter. Axel brüllt nun noch als Einziger. Er bittet zudem die Nürnberger inständig darum, ihre Jubeltraube aufzulösen. Nebenbei sei bemerkt, dass der Club seit 2011 kein Auswärtsspiel mehr gedreht hatte. Dies sollte ihnen bei uns gelingen. Was dann folgte ist bestenfalls halbherziges Aufbäumen. Abstiegskampf sieht anders aus.

Keine Mannschaft. Kein Kampf. Kein Klassenerhalt

Die an diesem vorletzten Spieltag (!) offenbarten Missstände in unserer Mannschaft sind so zahlreich, dass man kaum auf alle eingehen kann. Eklatant ist jedoch Eines: der fehlende mannschaftliche Zusammenhalt. Nehmen wir nur mal das Zusammenspiel von Jojo und Axel. Dass sie sich in erschreckender Häufigkeit einfachste Bälle in den Rücken spielen, ist das Eine. Dass sie dann aber nicht miteinander kommunzieren – z.B: der Eine hebt die Hand, der Andere klatscht aufmunternd, etc. – ist das wirklich Erschreckende. Niemand wird vom Anderen aufgebaut, motiviert, angespornt. Und Meier? Wenig ist zu erkennen von einem Trainer, der sich die Kehle während des Spiels wundbrüllt. Aber, was soll man auch sagen, wenn sich die Jungs Bälle auf Oberschenkel- oder Kehlkopfhöhe zuspielen. Wie soll da auch nur ansatzweise Spielfluss entstehen? Was soll man sagen, wenn Schahin Bälle gut annimmt, behauptet, aber dann einfach nicht weiß, wohin, weil KEINER brüllt „Schick‘ mich!“ oder dergleichen. Festzuhalten ist, dass bei der Fortuna derzeit weder das Spiel mit, noch das Spiel ohne Ball stimmt. Konsequenz: Annahme dauert zu lange + Niemand bietet sich an = Ballverlust. Ein solcher Auftritt wird am letzten Spieltag ganz sicher nicht reichen. Da kann man noch so sehr die Dinge selbst in der Hand haben. Ohne den notwendigen Willen, rutschen einem genau dieselben Dinge unentwegt wieder aus den Fingern.

F95: Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

Keine Frage: Als Fortuna Fan hat man das Leiden mit in die Wiege gelegt bekommen. Wer die Fortuna liebt, hat gelernt, Niederlagen zu verzeihen. Wer Fortuna liebt, glaubt bis zuletzt, dass alles gut wird. Doch „an (Spiel-)Tagen wie diesen“ geht auch uns Fans die Puste aus. So wunderte es nicht, dass nach Abpfiff der Partie erschreckende Stille im Stadion herrschte. Einige Spieler sanken zu Boden, andere blickten leer durch die Gegend. Besonders schmerzhaft war es, Jens Langeneke zu beobachten. Er wird vermutlich sein letztes Spiel für die Fortuna zu Hause bestritten haben. Und dann sowas. Er weinte offensichtlich, zog sich das Trikot über den Kopf und verschwand fast taumelnd Richtung Kabine. Wir als Fans müssen ihn in Hannover eigentlich noch mal explizit besingen. Der Rest der Mannschaft verteilte sich auf dem Rasen und auf der Auswechselbank. Einige applaudierten Richtung Südtribüne. Diesmal – und das war auch gut so – blieb die obligatorische Ehrenrunde aus. Das Publikum verließ sehr langsam die Ränge. Auch da herrschte greifbare Leere. Das war mehr als eine Niederlage. Die letzten Spiele waren ein regelrechter Vertrauensverlust. 11 Mal in Folge nicht zu gewinnen, ist wahrlich bitter. Was aber wirklich schmerzt, ist, dass sich die Jungs weitestgehend nicht mehr wehren. Das muss ihnen auch nicht verziehen werden – es tut einem vielmehr für diejenigen leid, die sich dagegenstemmen. Am kommenden Samstag müssen es 11 Mann sein, die genau das tun.

Fakten, Fakten, Fakten

Bei aller Betroffenheit und Enttäuschung – Fakt ist: Wir sind noch nicht abgestiegen. Dies hat Meier bei seinem Auftritt im Aktuellen Sportstudio mit Nachdruck klargestellt. Unsere Ausgangssituation durch die hohen Niederlagen von Augsburg und Hoffenheim ist groteskerweise sogar besser als nach dem 32. Spieltag. Den Abstieg als beschlossene Sache zu erachten, ist genau so daneben wie das Runterbeten von Floskeln und Durchhalteparolen. Sollte unsere Mannschaft in Hannover 90 Minuten so spielen wie die ersten 40 gegen Nürnberg, können wir gewinnen. Eine Mannschaft, die nichts mehr zu gewinnen oder verlieren hat, spielt nur dann auf, wenn es Spaß macht. Den müssen wir ihnen nehmen. Und zwar exakt so wie anfangs gegen Nürnberg. Wenn wir dann ein Tor erzwingen, und durch konzentriertes Verteidigen ENDLICH MAL WIEDER ZU NULL spielen, wird es reichen. So, und nur so wird es gehen. Sonst droht das 96/97 erlebte Szenario

Wir als Fans müssen die Hoffnung bewahren; denn es bleibt uns nichts Anderes übrig!

In diesem Sinne,
Ingo & Adnan