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Last-Minute-(Breis)Gau

12 Feb

Unsere Jungs bringen sich wieder mal selbst um den verdienten Lohn. Nach einer ordentlichen Leistung und liegen gelassenen Torchancen fangen wir uns nach einer Ecke in der Schlussphase einen Gegentreffer, der uns alle Punkte kostet.

Ach, es fing doch alles so schön an… Es ist immer wieder herrlich, vor Stadien vorzufahren, die mitten in einer Wohngegend liegen. Als Auswärtsfahrer hat man dann besonders das Gefühl, ungemütlich auf die Anwohner zu wirken, die von gegenüber auf das kleine SCF-Zu Hause blicken. Das Ding sieht man auch nicht sofort: Die gute Lotte stieg aus dem U-95 Bus und fragte verdutzt: „Wo is’n das Stadion?“. Zurecht, denn die Freiburger Bude wirkt von außen ein wenig wie das gute alte Eisstadion auf der Brehmstraße; man sieht erst auf dem zweiten Blick, dass da Tribünen sind. Es wirkte alles sehr entspannt vor den Eingängen und umgeben von freudentrunkenen Karnevals-Fortunen begaben wir uns in den Gästeblock. Uns stand eine schnuckelige Stehplatz-Kurve zur Verfügung, in der man irgendwie das Gefühl hatte, man wäre in den Keller ins hinterste Eck geschickt worden. Die Sicht auf Grashalmhöhe sollte es schwer machen, das Spiel vernünftigt zu verfolgen. Da waren die schneebedeckten Bäume im Hintergrund wesentlich besser zu erkennen. Ständig musste man sich fragen, ob der Pass ankommt, oder der Ball überhaupt noch im Feld ist. Doch diese „Kurve in der Ecke“ förderte den Zusammenschluss der angereisten Fans. Von Anfang an war die Stimmung richtig gut und es sollte das gesamte Spiel über durchgesungen werden. Das hat richtig Freude gemacht. Die Karnevalskostüme taten hierbei ihr Übriges.

Die „4-2-3-1 zu 3-4-2-1“-Taktik und ein gewisser Hannibal Latka

Als sich unsere Jungs warmliefen, sahen wir das, worauf wir uns alle insgeheim und in unseren finstersten Phantasien gefreut hatten: Martin Latka aka „Hannibal Latka“ aka „Bane“. Gut, dass er einsatzbereit war – und die Maske machte sein Erscheinungsbild noch gnadenloser. Auch, wenn er selbstkritisch beim Gegentor die Mitschuld auf sich nimmt, machte er wieder ein wirklich gutes Spiel. Er ist sehr abgeklärt, erkennt sofort, wenn Bälle des Gegners harmlos sind und zeigt mit einer Handbewegung, dass er die Lange voll im Griff hat. Man könnte dazu geneigt sein, sich zu wünschen, dass er seine Maske (ähnlich Edgar Davis mit seiner Brille oder Petr Czech mit seinem „Fahrrad-Helm“) als Schutz-Utensil nie mehr ablegt. Sein IV-Kollege, Malezas, wird noch einige Spiele mehr benötigen, um wieder der alte zu werden. Sein Bock zum Ende der ersten Halbzeit hätte zum Rückstand führen können, wenn unser werter Herr Giefer-Giefer-Giefer nicht sensationell gegen Flum geklärt und Makiadi den Nachschuss versemmelt hätte. Der konkurrenzlose Jojo und Freund Balogun waren insgesamt unauffällig – weder besonders stark in der Defensive noch im Spiel nach vorne. Doch gerade die beiden spielen in der taktischen Neuorientierung von Meier eine bedeutende Rolle. Es war interessant zu beobachten, wie beide Außenverteidiger beim Spielaufbau bis auf die Mittellinie vorrücken und Herr Bodzek mit Malezas und Latka eine breite Dreierkette vor dem eigenen 16er bilden. Jojo und Balogun sind so gemeinsam mit Tesche und Lumpi die Anspielstationen im Mittelfeld als Zwischenstationen zu den Offensivleuten, Ilsö, Kruse und Reisinger. Tesche ist bestens geeignet für die Rolle als „offensive 6“ – oder eben die „8“. Er hat auch den Mut und die Technik, mal selber mit dem Ball zu marschieren. Gleichzeitig geht er in den Zweikämpfen beherzt zur Sache – eine Tugend, die Ilsö leider bisweilen vermissen lässt.

Ilsö beißt nicht – „Reise“ reißt nicht(s)

Ken ist ein Spieler, dessen Leistungsbewertung stark davon abhängt, ob er Scorerpunkte sammelt oder nicht. Mal als Vergleich: Tesche, Bodzek, Lumpi oder auch ein formstarker Fink erhalten häufig beste Noten, ohne ein Assist gespielt oder ein Tor erzielt zu haben. Bei Ilsö ist es jedoch so, dass er entweder an Toren beteiligt ist oder ein schwaches Spiel gezeigt hat. Die Leichtigkeit, die sein Spiel ausmacht, führt leider immer wieder zur Leicht(fert)igkeit im Spiel ohne Ball – besonders was die Defensive anbelangt. Zu selten zwingt er Gegner durchs Nachsetzen zu Fehlern; oder gewinnt wie gegen Stuttgart selber den Ball durch richtiges Beißen. Mag sein, dass er als Typ „Luftikus“ nicht unbedingt den notwendigen Willen mitbringt. Um seinen Stammplatz zu rechtfertigen, müsste er dann aber mehr Zählbares liefern – scoren eben. Tja, und „Reise“… Es war richtig cool, wie er vom gesamten Stadion gefeiert wurde bei der Verkündung unserer Startelf. Sicherlich war er auch topmotiviert – aber er konnte einfach nichts reißen. Er wurde gut verteidigt, sodass er nur selten Offensivakzente setzen konnte. Beeindruckend war insbesondere der Kampfgeist von Robbie Kruse. Er hat unter der Woche noch ein Länderspiel durchgespielt und wurde gegen den SCF gleich zu Beginn der Partie zwei Mal fies gefoult: jene berüchtigten „Zeichen“ der Verteidiger zu Beginn eines Spiels. So humpelte er auch eine Zeit lang über’s Feld; doch er riss sich zusammen, überwand die Schmerzen und ließ keinen Zweikampf aus. In manchem 1 gegen 1 scheint es ihm aber noch an der Physis zu fehlen. Da schieben ihn noch zu viele Verteidiger im Laufduell weg. Das kann er nur mit Dribblings kompensieren, wenn er voll im Saft steht.

Torgefahr ohne Abschluss

Es gilt, anzuerkennen, dass unsere Jungs sich teilweise richtig gute Chancen erspielten und erkämpften. In der ersten Hälfte, luchste „Reise“ Diagné den Ball kurz vor der Grundlinie ab und versuchte, aus spitzem Winkel Baumann zu überraschen – als Idee sicher nicht schlecht, aber Baumann ist eben auch kein schlechter Mann. Mit gerade mal 20 Gegentoren hat nur Manuel Neuer diese Saison mit nur 7 (!) seltener hinter sich greifen müssen. Doch besonders in der zweiten Halbzeit kamen unsere Jungs zu guten Schusschancen, die aber zumeist gar nicht erst aufs Tor kamen. Latka per Kopf, Bodzek und Reise aus der Distanz und später auch Fink nach ansehnlichem Konter zwangen Baumann zu keiner Parade. So war es Lumpi, der die beste Chance des Spiels hatte. Kruse hatte leicht verzögert und Lumpi gut bedient – nu isset aber einfach so, dass unser „Fußballgott“ die Kirsche nicht technisch fein unter Kontrolle bringt und mit ungünstiger Schusshaltung weder Druck noch Präzision hinbekommt. Baumann stand richtig und pariert problemlos. Schon gegen Stussgart war Lumpi seinem ersten Bundesligator sehr nah; dabei würde sich wohl JEDER aus dem Fortuna-Universum über ein Tor von ihm mindestens genau so freuen wie er selbst. Doch anders als gegen Stussgart musste dieser Torchance später nachgeheult werden…

Die Punkteteilung schien doch ausgemacht…

Da die Forteng in der zweiten Halbzeit eigentlich die gefährliche Mannschaft war, kam einem nicht so recht in den Sinn, dass der SCF hier noch richtig Alarm machen würde. Zwar kam mit der Hereinnahme des angeschlagenen Caligiuri etwas mehr Druck ins Freiburger Spiel, aber auch deren Abschluss war harmlos und unsere Verteidiger hatten auch eigentlich alles im Griff. Irgendwie hatten sich doch alle Akteure auf das Unentschieden geeinigt, oder? Bis eine etwas unnötig aussehende Ecke in der 86. Minute zustande kam… Kruse gibt die Ecke rein, Giefer verschätzt sich böse, sodass der unserem Hannibal Latka enteilte Pavel Krmas aka „Christmas“ vor ihm hochsteigt und den Ball mit dem Kopf entspannt reinnicken kann. Seltsamerweise war sofort klar, dass trotz verbleibender Minuten nichts mehr gehen würde – nicht nur, weil man Freiburg zutraut, das Ding zu wahren; sondern auch, weil unser Torabschluss einfach nicht effektiv war. Aber unsere Truppe konnte nach Abpfiff erhobenen Hauptes Richtung Fankurve kommen und erhielt auch einen aufrichtigen, aufmunternden Applaus. Wenn man daran zurückdenkt, wie die Stussgarter letztes Mal bei uns von ihrer Kurve beschimpft wurden, ist man ein weiteres Mal froh, Fortune zu sein. So etwas ist bei uns – zum Glück – unvorstellbar.

Tja, und watt erwartet uns jetzt gegen Kräuter Fürth? Eigentlich „müssten“ wir ja wieder patzen. Es ist schließlich ein ungeschriebenes Gesetz, dass wir diese Sechspunktespiele nicht für uns entscheiden. Gerade in solchen Spielen „launt“ unsere geliebte Diva gerne. ABER: Diesmal wird es anders. Zu frisch ist die Pleite gegen Augsburg; und auch die Niederlage in letzter Sekunde gegen Freiburg wird die Mannschaft wach halten. Und im Gegensatz zu Augsburg gibt es bei Fürth keinen sportlichen Aufwind – gut, sie haben auf Schalke gewonnen. Aber das dürfte in deren jetziger Verfassung jeder schaffen. Hoffen wir, dass Keller noch bis zu unserem Gastspiel Trainer dort bleibt. Durch die Sperren für Bodzek und Lumpi wird es Umstellungen geben müssen. Fink dürfte somit gesetzt sein. Mit einer Hereinnahme von Schahin könnten Kruse und Reise die Flügel bedienen und Ilsö auf der 10 ein weiteres Mal auf einen genialen Moment hoffen. Oder bringt Meier etwa Bellinghausen von Anfang an? So gern wir ihn haben – vielleicht lieber doch Schahin bringen und Ilsö drin lassen…

Wir sehen und lesen uns – hoffentlich nach einem Sieg am Samstag,

Adnan & Ingo

PS: Die Videos stammen vom myf95-YouTube-Kanal

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