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Findungsphase Olé

5 Aug

Unsere Jungs bescheren uns zunächst ein Fußballfest im eigenen Wohnzimmer, werden dann aber von cleveren Paderbornern ausgehebelt und letztlich gar nicht mal unverdient besiegt.

Mit großer Vorfreude fieberte die rot-weiße Fangemeinde dem ersten Heimspiel der Saison entgegen. Und dann auch direkt gegen einen Bundesligaabsteiger, der vor gar nicht zu langer Zeit meinte, uns zu Hause mit einer historischen Niederlage peinigen zu müssen. Mahir Saglik… Diesen Namen hatten wir uns gemerkt. Vier Buden hatte er uns vor zwei Jahren eingeschenkt. Und an seiner Laune in den 90 Minuten vom vergangenen Sonntag konnte man den Spielverlauf ablesen. Super genervt und Schiri Kircher auf den Sack gehend, rannte er im ersten Durchgang wie ein dauerhaft schimpfender Kobold über das Grün. In der zweiten Halbzeit hingegen war er wieder ein Motor seiner Mannschaft und hatte plötzlich nichts mehr zu meckern. Was war geschehen? Und wie gingen wir eigentlich ins Rennen?

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Eigentlich copy+paste vom Union-Spiel. Hier und da hätte man sicher etwas Neues ausprobieren können. Aber es ist auch wirklich mal wieder an der Zeit, dass die Forteng eine echte Stammelf hat. Das war zuletzt in unserer Aufstiegssaison so. Und so spielte Kramer also mit Rensing im Tor, der Abwehrkette Akpoguma, Haggui, Strohdiek und Schmitz, der MIttelfeldzentrale Liendl & Koch, der Flügelzange Bolly und Sararer, sowie dem Sturmduo Pohjanpalo und Ya Konan. Erneut ein offensives 4-4-2.

Und Paderborn spielte mit… ähm… also diesem Saglik halt, mit Ouali, Sturmtank Proschwitz und öhm… Kruse hieß der Torwart. Ach ja, und Ex-Fortune Ndjeng.

1 HZ: Beste Fortuna-Heimperformance seit voll lange so…
Unsere Jungs bestätigten vom Anpfiff weg, warum knapp 30.000 Fortunen voller Vorfreude den Weg in die Arena gefunden hatten und legten mit einem Offensivspektakel los. Angriff über links. Sararer hat die Kirsche, Schmitz überläuft, kriegt den Ball, spielt schnell zu Ya Konan im Halbfeld, der direkt wieder auf die Außenposition auf Schmitz, der mittlerweile an der Grundlinie angekommen ist, überhaupt nicht lange fackelt, sondern sofort in die Mitte passt, wo Bolly goldrichtig steht und den Ball cleverst an Kruse zum 1-0 vorbeischiebt. Alter… Watt ne Buuuuude! Sensationell. Die „Kühe-Schweine-Paderborn“-Kicker waren von diesem Tempo sichtlich überfordert. Und die Fortönn macht weiter. Immer wieder rollt ein Angriff über Links. Gleichzeitig ist ML10 endlich der Mittelfeldregisseur, den wir alle in ihm sehen wollen. Immer anspielbar, mit geilen Pässen in die Tiefe. Die Lulatsche in der Innenverteidigung des EssZehPee kommen mit unserer „Flach-spielen-hoch-gewinnen“-Spielweise nicht klar. Selbst unsere Ecken kommen bisweilen völlig überraschend rein. ML10 und SS22 (okay, sieht politisch schwierig aus – machen wir nur genau ein Mal) stehen an der Eckfahne und man fragt sich, was das soll. Schließlich läuft Sararer an und flankt butterweich auf die linke Klebe von Schmitz, der den Ball volley nimmt. Eine Paderborner Birne ist dazwischen und es gibt direkt noch mal Ecke, die (Ihr ahnt es) nichts einbringt. Aber auch diese Szene zeigt: Diese Mannschaft hat endlich wieder Cojones! Doch es sollte nicht gelingen, die sehr schön anzusehenen Angriffe zu etwas Zählbarem zu machen. Tja, und da war dann leider noch unser Youngster Kevin Akpoguma. Sichtlich beeindruckt von der Kulisse und überfordert von seinem routinierten und quirligen Gegenspieler Ouale verlief das Spiel suboptimal für unsere Nummer 6. Viele wollten „SECHS, SETZEN“ rufen. Doch Kramer wollte nicht gleich zu brutal sein. Richtig, wie wir finden. Paderborn kam jedenfalls zu Chancen – genau wegen unserer Schwachstelle hinten rechts. Man muss aber auch sagen, dass der Turbo-Mathis wenig nach hinten gearbeitet hat. Das kam erschwerend für Akpoguma dazu. Nach 25 Minuten war in jedem Fall die Partie ausgeglichen. Wir hätten nachlegen müssen, aber auch Paderborn hätte ausgleich können.

2. HZ: Ja, isset denn schon wieder so weit…?

Naja, dann kam eben die zweite Halbzeit. SCP-Trainer Gellhorst hatten offenbar genau ausgemacht, wie sein Team fortan agieren sollte. Denn sie machten effektiv unsere Passräume zu. Flache Ballstaffetten wollten uns nicht mehr gelingen. Zudem schienen die Blau-Schwatten wachsamer und aggressiver – vielleicht sogar frischer. Sie kamen schnell zu Chancen, weil sie unsere Abwehr einfach aushebelten: Back-from-the-UK-Proschwitz stand plötzlich mit viel Platz und Zeit am Sechzehner allein vor Rensing. Doch unsere Nummer #1 legte einen lupenreinen Telemark hin und parierte mit dem rechten Bein glänzend. Wenig später konnte aber auch Rensing nichts tun… Auf unserer linken Abwehrseite entwischte die SCP-22. Schmitz war einfach zu langsam und konnte die Hereingabe nicht verhindern. Und leider eskortierten Haggui und Akpoguma Sir Proschwitz statt ihn zuzustellen. So erreichte ihn die Hereingabe und mit einem Mix aus Knie, Wade und vielleicht doch ein wenig Fuß netzte Proschwitz ein. 1-1! Schöne Kacke. Eben dieser Proschwitz hatte Blut geleckt, forderte nach einer Ecke Rensing erneut zu einer Hanspara… äh… Glanzparade. Unsere Jungs waren sichtlich beeindruckt. Hinten stimmte die Zuordnung nicht. Akpoguma wackelte, Haggui und Strohdiek verstanden nicht, sich die Räume vernünftig aufzuteilen. Tja, und dann musste es halt passieren… Saglik und Wydra rollten über unsere rechte Abwehrseite in unseren 16er, die gesamte Abwehrreihe versemmelte die Abwehrversuche und so landete der Ball bei Ndjeng, der keine Mühe hatte, diesen seltsamen Angriff mit einem Tor abzuschließen… 1-2, also! Hässliche Kacke! In der Folge drehten unsere Jungs wieder auf und machten Druck. Doch da kommt dann die Cleverness einer guten Mannschaft zum Vorschein: Paderborn wusste effektiver zu stören und uns wollte der Abschluss nicht gelingen. Super sehenswert war Bollys 360-Move vor dem Paderborner Tor, den er leider nicht vollenden konnte. Schön war auch die Schussstaffette beginnend mit Sararer und Koch und endend mit Schmitz. Die Schüsse schmerzten Paderborner „Nüsse“ – aber ein Tor wollte nicht gelingen. So endet diese Partie dann leider mit 1-2! Ernüchterung, wo man hinsah.

Szene des Spiels
27. Minute: Definitiv der schönste Angriff in der Arena seit vielen Jahren: Langer Ball von der linken Abwehrseite von Schmitz. Sararer nimmt den Ball an, hält ihn mit dem Fuß hoch, ein Mal, zwei Mal, legt dann genial rüber zu Liendl, der schickt sofort Ya Konan, der den Ball ebenfalls mit dem „first touch“ über Kruse lupft – aber leider vorbei. Klar, Ihr kennt die Szene und braucht dafür keine Erinnerung. Naja, aber eigentlich schon: Denn die Szene steht für das, was diese Saison geht. Rein spielerisch. Das ging jetzt ein paar Zentimeter vorbei, aber das Potenzial sehen wir ja jetzt alle.

Fazit
Wenn eine Mannschaft so unterschiedliche Halbzeiten spielt, hat es vor allem damit zu tun, dass sie noch nicht ihre Balance gefunden hat. Die notwendigen Automatismen greifen noch nicht. Offensivleute wie Sararer und Bolly müssen womöglich mehr an die Abwehrarbeit denken, um ihre Kollegen der Außenverteidigung zu unterschützen. Haggui und Strohdiek müssen Stellungsspiel und Laufwege besser aufeinander abstimmen und Freund Akpoguma muss internalisieren, dass auch in der 2. Bundesliga nur auf Rasen und mit einem Ball gespielt wird. Dann wird er auch ruhiger. Und die Jungs vorne müssen ihre Chancen konsequenter nutzen. Dann wird schnell alles besser. Wir wehren uns mit aller Vehemenz dagegen, jetzt damit zu beginnen, vom Horror der letzten Saison zu sprechen, der sich jetzt wiederholt. Das ist eine fast komplett neue Mannschaft. Das wird noch etwas brauchen.

Highlights im Team
Der Turbo-Mathis. Auch, wenn er nach hinten zu wenig tut. Er zeigt, was in ihm steckt und das Tor wird ihm gut tun. Es ist gut, dass Kramer ihn nur 60 Minuten spielen lässt. Sein Körper ist vielleicht nur für so viel gemacht. Ballstreichler-Sercan hat in der ersten Halbzeit effektiver gezaubert. Aber insgesamt einer der besten Techniker, den wir seit langem in unseren Reihen sehen. Er bleibt ein Highlight, auch wenn er wie die anderen in der zweiten Halbzeit abgebaut hat. Breakdance-Micha zeigt auf der Linie und im 1 gegen 1, dass auf ihn Verlass ist. Er muss vielleicht noch einige „Unhaltbare“ mehr halten, weil unsere Abwehr noch zu viel zulässt.

Was würden wir als Coach anders machen?
Gegen RWEFUV (Ihr wisst schon ;-)) könnte man Akpoguma noch mal bringen. Einfach, damit er jetzt nicht die volle Breitseite kriegt. Aber danach sollte Schauerte mal wieder randürfen. Vorne vielleicht mal van Duinen für Pohjanpalo. Und vielleicht doch lieber Bebou als Axel bringen, wenn Bollys Muskeln geschont werden müssen. Kommt natürlich auf den Spielstand an – aber Bebou ist eigentlich bislang immer ein Garant für Alarm gewesen, wenn er eingewechselt wurde.

Ausblick

So, und nun darf es kommendes Wochenende eigentlich nur Eines geben: Den Einzug in die 2. Runde des DFB-Pokals. Alles Andere wäre nie und nimmer zu entschuldigen und gar ein wenig vernichtend. An all die Fortunen mit Schaum vor’m Mund sei mit auf den Weg gegeben, dass es wirklich, wirklich, wirklich bei Sprechchören, Shirts, Parolen und großer Fresse bleiben sollte. Randale braucht keine Sau – und unser Verein am wenigsten. Macht den Essenern Angst. Schreit heraus, dass Ihr sie nach dem Candlelight-Dinner gleich wieder vergessen möchtet, aber tut ihnen nichts… 🙂

Welch vernünftiger Schlusston.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

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Es lebe der spiritus „recktor“

7 Apr

Ein Sieg, der viel mehr wert ist als 3 Punkte: Unsere Jungs legen in Paderborn einen Spirit an den Tag, der uns alle begeisterte. Olli Reck treibt die Mannschaft zu ihrer besten Saisonleistung.

Ne, was war das schön anzusehen: Eine Fortuna mit richtig breiter Brust und ausgeprägtem Siegeswillen. Ingo und Adnan waren am Wochenende in Prag, verfolgten aber über den Laptop ein richtiges Saisonhighlight. Mit Ausnahme einer kleinen Schwächephase zu Beginn der zweiten Halbzeit erlebten wir eine Truppe, die den Gegner mächtig unter Druck setzte, mit aggressivem Pressing schnell den Ball eroberte und sich gekonnt mehrere gute Torchancen herausspielte. Wenn man das so liest, könnte man meinen, die Mannschaft sei verwandelt gewesen. Und, ehrlich gesagt, wirkte das bisweilen so. Nichts zu sehen von der Verunsicherung und Lethargie vergangener Spiele. Das sah von Anfang an ganz anders aus.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Im Vergleich zum letzten Spiel gab es personell gar nicht so viele Unterschiede; durch Erats Muskelverletzung rutschte Gartner in die Startaufstellung. Was allerdings eine Veränderung zur letzten Woche darstellen sollte, war die taktische Ausrichtung. Das gespielte 4-1-3-2 zeigte diesmal eine klarere Aufgabenteilung im Mittelfeld mit nur einem „6er“ – Oliver Fink. Gartner, Liendl und Halloran wechselten häufig die Flügelpositionen, um beim Gegner Verwirrung zu stiften, wobei Gartner am ehesten in der Mitte zu finden war. Zusätzlich war es sehr auffällig, dass Oliver Reck den Jungs wohl mit auf den Weg gegeben hatte, früh zu attackieren. Denn anders als unter LGK, spielte die Fortuna ein viel früheres Pressing und setzte die Paderborner bereits in der eigenen Hälfte unter Druck und wartete nicht darauf, bis die Gegner 30 Meter vor dem eigenen Tor aufkreuzten.

1. HZ: 

Direkt ab dem Anpfiff sind wir guter Dinge, denn man merkt den Fortunen eine andere Körpersprache an als in den letzten Wochen: Brust raus ist die Devise! Wie bereits erwähnt, werden die Westfalen früh beim eigenen Spielaufbau angegangen und unsere Jungs versuchen nach Ballgewinn sofort das Spiel schnell zu machen und zum Torabschluss zu kommen. Bereits in der 5. Minute setzen wir zum Torschrei an, als der glänzend aufgelegte Liendl von rechts eine flache Flanke in den Strafraum bringt. Aber Hoffer hat etwas zu kurze Beine und Benschop wurschtelt die Pille leider über das Tor. Aber es wird hier schon deutlich: Hier steht heute eine andere Fortuna auf dem Platz! Zehn Minuten später schickt Benschop Hoffer mit einem Traumpass in Richtung Tor des SCP, aber Jimmy lässt die Chance zur Führung kläglich liegen und verzieht derbe. Paderborn kommt nun langsam auch ins Spiel, da sie vorher von der neuen taktischen Ausrichtung der Fortuna überrascht zu sein schienen. Das Spiel ist nun ausgeglichen, aber unsere Abwehr steht ordentlich. Das einzige Problem sind die Fouls in der Nähe des eigenen Strafraums, die immer wieder gefährliche Freistoßsituationen für den Gegner bringen.

In der 42. Minute springen wir dann urplötzlich ungläubig und freudentrunken von der Couch: Wir führen 1:0! Nach einer Wahnsinnsballeroberung macht Gartner das Spiel augenblicklich schnell und bedient Liendl. Der zieht mit guter Körpertäuschung und sattem Antritt weiter in Richtung gegnerisches Tor und erspäht den durchgestarteten Halloran. Er flankt aus dem Halbfeld maßgenau und Halloran muß nur noch den Fuß hinhalten. Eine Ösi-Ösi-Aussie-Kombo!! Fast eine Kopie des Tores gegen 1860 München! Auch diesmal macht Halloran deutlich, dass Fußball echt einfach sein kann. Wir sind beim Halbzeitpfiff wirklich zufrieden: Führung inne Täsch und zudem es macht ENDLICH Mal wieder Spaß, ein Spiel unserer Jungs zu verfolgen. Undenkbar ist außerdem, dass Reck nach der Pause auf „halten“ spielen lässt; dafür wirken Trainer und Mannschaft zu selbstbewusst.

2. HZ

Als die Teams aus der Kabine kommen, merkt man sofort, dass sich der Tabellendritte für die 2.Hälfte einiges vorgenommen hat. Aber unsere Jungs halten dagegen und wollen den Schneid nicht kampflos rausrücken. Trotzdem kommen die Gastgeber vermehrt zu Chancen und unsere Abwehr kann den Vorwärtsdrang hier und da nur mit Fouls unterbinden. Leider haben die Paderborner mit Maher und Saglik zwei ausgezeichnete Standardspezialisten an Bord, was sich leider auch für sie auszahlt: in der 53. Minute gibt es wieder Freistoß, ca. 25 Meter vor unserem Tor. Maher Alban Meha schnappt sich die Kugel und zirkelt sie aberwitzig gekonnt über die Mauer in die Maschen. Prädikalt: Unhaltbar! Da kannste nix machen! 1-1; Driss!

In dieser Phase befürchten wir, dass das Spiel komplett kippt, denn Paderborn spielt augenscheinlich auf den Führungstreffer, aber unsere Jungs fighten tapfer und setzen immer wieder gefährlich Konter-Angriffe, allein Hoffer scheitert zwei, drei Mal am Keeper der Gastgeber oder sich selbst. Als wir schon Jimmys Auswechslung herbeisehnen, verletzt sich der starke Halloran. Wir hatten unmittelbar vorher gemutmaßt, dass Reck bald Golley für Hoffer bringen würde, so bleibt der Österreicher jedoch im Spiel und unser Australier muss vom Platz. Nur fünf Minuten später zahlt sich dann auch die Hereinnahme von Golley bereits aus; trotz seiner Schlacksigkeit strahlt der Junge am Ball eine gewisse Eleganz aus und setzt sich mit dieser schön auf der rechten Seite durch und flankt halbhoch in den Strafraum, Hoffer wirft sich mit der Stirn voran in den Ball und versenkt die Murmel per Flugkopfball im Gehäuse! JAAAHHH! Die erneute Führung! Damit hat sich Jimmy (und auch uns) an diesem Tag wirklich den Allerwertesten gerettet, denn er hatte zuvor größte Chancen liegen lassen. Nun lässt Reck hinten dicht machen und Paderborn rennt gegen Beton. Mit Piette bringt er in dieser heiklen Phase sogar noch einen Debütanten – wie geil ist der denn? Reck und die Fortuna werden für ihren couragierten Auftritt dann auch wirklich belohnt: Unser Kasten bleibt bis zum Ende des wohl besten Saisonspiels von F95 sauber und unsere Jungs gehen als verdiente Sieger vom Platz.

Personelles und Einzelkritik nach einer bärenstarken Teamleistung 

Fabi Giefer hat uns in zwei, drei Situationen mit einer Glanzparade im Spiel gehalten. Von seiner gelegentlichen Schwäche bei Distanzschüssen war diesmal nichts zu sehen. Beim Megafreistoß von Paderborns Maher Meha war er chancenlos. Unsere Abwehrreihe um Adam Bodzek stand gut organisiert, sodass die Paderborner nur durch Standards gefährlich wurden. Gartner und Fink haben sehr gute Aufgabenteilung im Mittelfeldzentrum hinbekommen: der Eine sichert die Defensive; der andere dirigiert das Umschaltspiel. Michael Liendl hat wohl sein bisher bestes Spiel für uns gezeigt. Eine großartige Torvorlage auf Halloran und tödliche Pässe in die Spitze haben ihn zu unserem „Fortuna-Iniesta“ gemacht. Halloran hat nicht nur wegen seines Tores ein tolles Spiel gemacht. Über ihn ging viel nach vorne. Er wirkte dabei sehr entschlossen und mutig. Hoffen wir, dass seine Verletzung nicht schwerwiegend ist. Benschop hat zwei Mal Hoffer sehr gut bedient, aber auch ab und an wieder Schwächen beim „Lesen des Offensivspiels“ gezeigt. Hoffer haben wir regelrecht verflucht, nachdem er drei richtig gute Chancen liegen gelassen hatte. Wir warteten nur auf seine Auswechslung… Tja, und dann kam der großartig freche und großartig aufspielende Timm Golley. Er fand wieder sofort ins Spiel und setzte Hoffer gekonnt ein. Die Schimpftiraden auf „Jimmy“ waren so gut wie vergessen 🙂 Olli Reck setzte noch weitere wichtige Zeichen: Zur Absicherung der Führung brachte er nicht etwa Paurevic sondern unseren Jung-Kanadier, Samuel Piette. Kurz vor Schluss brachte er dann auch noch Stelios Malezas, der unter LGK gänzlich aussortiert zu sein schien. Es sind auch solche Personalentscheidungen, die deutlich machen, dass Reck eine wirklich andere Linie fährt als sein Chef.

Olli Reck an die Seitenlinie!!!

In aller Deutlichkeit: Olli Reck hat mit der Mannschaft in nur zwei Spielen einen sehr deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Es war nicht nur der Sieg, sondern der absolute Siegeswille, der begeisterte. Und unsere Jungs verloren ihn zu keinem Zeitpunkt: Wenn man so viele Chancen versiebt, verliert man schnell den Glauben an sich selbst. Doch unsere Jungs haben unerschrocken weitergearbeitet. Und das, obwohl der SCP nach dem Ausgleich näher als wir an der Führung war. LGK hätte ohne Zweifel auf ein 1-1 gespielt – vermutlich den Gegner damit noch mehr gestärkt. Doch Reck hat unserer Jungs nach vorne gepeitscht. Er hat ihnen eingetrichtert, dass sie gewinnen KÖNNEN. Unter ihm haben die Jungs in den letzten zwei Spielen vermutlich mehr hochkarätige Chancen herausgespielt als in den gesamten Spielen davor zusammen.
GENAU SO macht Fortuna wieder Freude – nicht nur, weil die Jungs gewonnen haben, sondern weil unter Reck eine Truppe auf dem Platz steht, die an sich glaubt und den Willen hat, etwas zu bewegen. Das hat er nun in kürzester Zeit (vier Monate) zum zweiten Mal der Vereinsführung und uns allen gezeigt. Somit muss es heißen: OLLI RECK AN DIE SEITENLINIE!!!

Es wird schon vermeldet, dass Chefcoach Köstner noch eine weitere Woche krankgeschrieben ist. Somit wird Olli tatsächlich weiter die Mannschaft leiten. Es ist schon jetzt schwer vorstellbar, dass das noch mal je anders aussehen wird. Freuen wir uns nun aber erst mal auf die Partie am Sonntag gegen Aalen. Wenn der SPIRITUS RECKTOR weiter besteht, darf man sich nämlich wieder auf die Fortuna freuen.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Ingo & Adnan

PS: Wir Banausen haben an zwei Stellen aus Paderborns Alban Meha einfach „Maher“ gemacht. Dank der Hinweise von einem Fortunen und dem SCP-Blogger haben wir dies nun korrigiert.

95OHJE! Ein Debakel – viele Fragen!

27 Okt

Das unfassbare 1-6 zu Hause gegen Paderborn wirft vor allem eines auf: Fragen!

Und wieder klaffen Möglichkeiten, Erwartungen und Ergebnis aberwitzig auseinander. Statt mit einem konzentrierten und fokussierten Auftritt zu zeigen, dass die F95 die Kurve in dieser Saison gekriegt hat und ihre Linie fortsetzt, lässt sich unser Team zu Hause von einem durchschnittlichen Zweitliga-Verein regelrecht abschlachten.

Wir sind sprachlos und möchten diese Woche statt einem Spielbericht eine Latte von Fragen an Euch raushauen. Wenn Ihr Antworten habt, oder aber weitere Fragen, steht Euch das Kommentarfeld zur Verfügung.

Und los geht’s:

1) EINSTELLUNG & GRUNDAUSRICHTUNG

  • Warum geht unsere Mannschaft, die immerhin 5 Spiele ungeschlagen ist, und die letzten beiden Partien gewonnen hat, so zaghaft in ein Spiel?
  • Wie kann man bei der Ausgangslage (Fürth verloren; Pauli unentschieden) so defensiv im Heimspiel gegen Paderborn zu Werke gehen?
  • Wie kann man sich derart sang- und klanglos vor eigenem Publik aufgeben?
  • Wo ist auf dem Feld das Zeichen des Trainers, oben angreifen zu wollen?
  • Wie kann es nicht gelingen, den einzigen guten Spieler im Dienste des SCP, Maher Saglik, aus dem Spiel zu nehmen?
  • Wie kann man nach den Erfahrungen der letzten beide Spiele das sogenannte „Erzwingen des Glücks“ gänzlich dem Gegner überlassen?
  • Ist die Mannschaft nicht intakt, oder das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer?
  • Hat das Chaos im Vorstand sich auf die Mannschaft niedergeschlagen?

2) AUFSTELLUNG

  • Warum spielt Büskens trotz all der Alternativen mit Lumpi auf rechts?
  • Warum ist Halloran nach dem super Spiel gegen Fürth nicht mal mehr im Kader?
  • Warum ist Kenia nur noch in der Spielerloge zu sehen?
  • Warum bleibt Gianniotas weiter Statist auf der Bank?
  • Warum bekommt Bolly immer wieder eine Chance, während andere offenbar raus sind?
  • Warum muss man plötzlich Erwin Hoffer vorne ausprobieren, wenn sich Reise und Benschop einzuspielen scheinen?
  • Erstmals kann der Trainer seine Wunschelf aufstellen, da keiner verletzt ist. Was sagt uns das nach diesem Ergebnis?

3) AUSWECHSLUNGEN!

  • Warum wird nicht schon zur Pause die Offensive gestärkt, obwohl der Ausfall von Hoffer und Lumpi bereits augenscheinlich waren?
  • Warum destabilisiert Büskens die Zentrale, in dem er für den defensiv gut stehenden Paurevic Lumpi in die Mitte zieht?
  • Warum glaubt Büskens, mit Bolly ein Spiel drehen zu können?
  • Warum nimmt Büskens beim Doppelwechsel Paurevic statt Lumpi raus?

4) UNVERMÖGEN!

  • Warum spielten wir vorne wieder so überhastet?
  • Warum trifft Hoffer kurz nach dem 1-1 das leere Tor nicht?
  • Warum brüllt weder Giefer noch ein anderer Ramírez „Hintermann“ zu vor dem 1-2? (s. Fernsehbilder)
  • Warum pesen erst Axel und später Benschop mit Ball am Fuß ins Aus?
  • Warum bleibt Lumpi vor dem 1-3 dem Gegenspieler konsequent fern und ermöglicht so erst die scharfe Hereingabe?
  • Warum spielen wir uns in einem Heimspiel keine einzige richtig gute Chance heraus?
  • Wie kann man mit 3 „gelernten“ Sechsern, einem guten Torwart und einer erfahrenen Abwehrreihe 6 Buden kassieren?

5) SUPPORT!

  • Ist es wirklich angebracht, zynische Lieder wie „Deutscher Meister wird nur die Fortuna!“ oder „Europapokal“ anzustimmen?
  • Hat unsere Kurve es verlernt, ein enorm schwaches Team aufzurütteln, oder „spürt“ uns die Mannschaft nicht?
  • Andererseits: Ist der Mannschaft klar, dass sie sich vor einem Publikum, das bei einem solchen Ergebnis NICHT pfeifft, schämen sollte?
  • Gehen auch wir beim Support zur Tagesordnung über?

6) ZUKUNFTSVISIONEN!

  • Wird von den Verantwortlichen jetzt mal einer auf den Tisch hauen?
  • Wird jetzt irgendetwas passieren? Trainer raus? Kaderumsturz? Oder Business as usual?
  • Ist den Verantwortlichen klar, was man sich mit solch einem Debakel alles zerstört – sportlich und psychologisch?
  • Was ist überhaupt die Idee von dem, was diese Saison erreicht werden soll?
  • Haben wir alle einfach zu viel erwartet und uns von den letzten beiden Siegen blenden lassen?

7) DIE LUMPI-ENTSCHULDIGUNG NACH SPIELSCHLUSS

  • Was sagt eine solche Aktion aus?
  • Was bedeutet es, wenn man Spieler bewusst diese Aktion meiden und zur Bank laufen?
  • Sollte man sich verbal oder lieber spielerisch auf dem Platz entschuldigen?
  • Sollten wir eine solche Entschuldigung annehmen?
  • War das zu dem Zeitpunkt überhaupt angebracht?
  • Bewahrt sich Lumpi jetzt seine Startplatz-Flatrate mit seiner Aktion?

Haben wir was vergessen? Habt Ihr Antworten? Dann schreibt uns!

Wir haben fertig,

Ingo & Adnan