Tag Archives: Oliver Fink

Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg!

19 Okt
Unseren Jungs gelingt endlich wieder ein Heimsieg. Keine Gala, nein. Aber vom Spirit her 100%ig bei der Sache überzeugt unser Team gegen harmlose und limitierte Bielefelder.
Der Krampf hatte uns längst eingeholt. Wieder mussten wir während einer Länderspielpause hoffen, dass sich etwas tut bei der Forteng und endlich Wege gefunden werden, Lockerheit, Zuversicht und Teamgeist in diese Mannschaft zu impfen. Doch dann ist da dieser Lärm im Vorstand des Vereins. Kaum einer blickt da noch durch und wir erleben den klassischen Fall, dass ein unruhiges Umfeld in der Vereinsführung sich negativ auf die Saison auswirkt. Die Stimmung unter den Fans ist angespannt, und auf dem Platz will der Knoten einfach nicht platzen. Schon wieder so unendlich viele Dinge, um die man sich Gedanken machen muss, statt sich einfach nur auf 34 Saisonspiele zu freuen. Nun denn – das ist Fortuna; auch 2015. Da müssen wir jetzt durch. Ein Blick auf die Aufstellung machte deutlich, dass Kramer sich ebenfalls ein paar Gedanken gemacht hatte…
Aufstellung und Taktik
Für die dringend nötigen Optimierungen zauberte Coach Kramer einige Änderungen in der Startaufstellung aus dem Hut. Bereits in der Viererkette gab es ersten Änderungen. Als RV begann Julian Koch und Schauerte wurde auf die linke Seite verschoben; die Innenverteidigung bildeten die Routiniers Haggui und Bodzek, der nun erst mal Strohdiek verdrängt zu habe scheint. Auf der Bank fand man keinen Lukas Schmitz – hier wird gerüchteweise gemunkelt, dass es zwischen Schmitz und Kramer gekracht hatte! Im Mittelfeld wurden unsere Fortunen auch ordentlich durcheinandergewürfelt; zentral standen Sobottka und Dermirbay und auf den Außenpositionen kehrten die beiden Tempomacher Bolly und Sararer zurück. Durch die Aufstellung der beiden Stürmer Pohjanpalo und Ya Konan ergab sich somit eine 4-4-2 Formation – ohne 10er, mit zwei Stürmern. Und wir erlauben uns zu schreiben, dass wir genau diese Formation zuletzt gefordert hatten 🙂 Unser Ex-Trainer Norbert Meier – mit Applaus begrüßt – und seine Aufsteigertruppe aus Bielefeld bot keine allzu bekannten Namen auf. Außer dieser Riese Klos vorne, der schon die ein oder andere Bude gemacht hatte. Auf dem Papier also mal wieder eine eindeutige Sache.
 
HZ1: Der Selbsttunnel
Der Spielstart ist dann wirklich keine große Überraschung – Bielefeld zieht sich weit zurück, überlässt der Fortuna mehr oder weniger das Spielfeld und hofft darauf, dass unsere Jungs wie in den Spielen zuvor gegen „Maurer“ verzweifeln und die Gäste somit selbst durch Konter zum Erfolg kommen können. Die Fortönn macht aber zunächst erstmal selbst einen gemächlichen Eindruck und rennt nicht wie in den letzten Spielen krampfhaft nach vorne, um sofort den Sieg erzwingen zu wollen. Daraus ergeben sich erstmal 20 Minuten Mittelfeldgekicke ohne nennenswerte Chancen. Zumindest ist aber zusehen, dass sich die Jungs ins Zeug legen und konzentriert sind. Beide Teams werden nach und nach wacher. Innerhalb von zwei Minuten bollert erst Linksfuß Demirbay zum ersten Mal nennenswert auf den Kasten von Gästekeeper Hesl und im direkten Gegenzug muss auch Rensing zum ersten Mal in diesem Spiel einen Kopfball aus kurzer Distanz parieren.
Wenig später gibt es dann endlich Dank Ballkünstler-Sercan Grund zum Jubeln! Zusammen mit Julian Schauerte setzt sich der Deutsch-Türke auf der linken Seite durch und zwei Bielefelder beteiligen sich freundlicherweise  (aber wohl unfreiwillig) am Kombinationsspiel, da ihre Klärungsversuche wie perfekte Zuspiele auf die beiden Fortunen wirken. Am Ende dieser etwas kuriosen Kombination tankt sich Sararer bis zur Grundlinie durch und läßt ein flaches Zuspiel in die Mitte folgen; der Winkel ist für einen gefährlichen Pass in den Rücken der Abwehr eigentlich schon viel zu spitz aber wir können uns über die freundliche Beihilfe des gegnerischen Keepers bedanken, da sich Hesl nach der Hereingabe Sararers mit der eigenen Hacke irgendwie selbst tunnelt und die Kirsche im Tor versenkt. So was nennt man: Tor erzwingen. Bravo, Sercan!
Ein paar Minuten später „feiern“ wir den obligatorischen Alu-Treffer des Spiels, als Schauerte deftig aus der 2.Reihe drauf pöhlt. Leider schmettert das Pfund gegen die Latte – schade! Die Gäste probieren es nun hin und wieder auch mal mit einem Torabschluss aber Rensing ist auf dem Posten und auch die Feldspieler schmeißen sich im Kollektiv zum Blocken bereitwillig in die abgegebenen Schüsse der Gäste. So passiert dann bis zum Pausenpfiff nicht mehr besonders viel Erwähnenswertes, da auch die Offensivbemühungen (besonders durch Unruheherd Sararer) der Fortuna nicht Zählbares mehr hervorbringen.
HZ2: Als Team die Führung verteidigt
Die Teams kommen unverändert aus der Kabine; zumindest was des Personal betrifft, denn in puncto taktischer Marschroute kann man schon die ein oder andere Änderung wahrnehmen. Bielefeld versucht nun selbst, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, während die Fortuna auf Konterspiel setzt. Bis aber mal gefährliche Konterattacken durch Demirbay und unseren Didi zu Ende gespielt werden, dauert es bis zur 70. Minute. Dass diese dann nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt am guten Gästekeeper Hesl. Auf der anderen Seite verteidigt die Fortuna als Team und macht es diesmal richtig gut. Zwar kommen die Bielefelder ein paar Mal zum Torabschluss, aber spätestens bei Rensing ist Schluss – der Mann ist wirklich konstant eine Bank. Die beste Chance der zweiten Hälfte sollte dann unser „Iceman“-„Palimpalim“ Pohjanpalo beisteuern, der in der 86. Minute nach einem dynamischen Lauf aufs Gästetor zimmert, aber Torhüter Hesl nicht überwinden kann.
Da eine Ein-Tore-Führung immer eine gewisse Unruhe in der Schlussphase mit sich bringt, sind wir heilfroh darüber, dass die Fortuna sich diesmal eben NICHT den Schneid am Ende abkaufen lässt, sondern genau das zeigt, was wir sehen wollen – leidenschaftlichen Kampf! Die Jungs unterstützen sich gegenseitig und bügeln etwaige Fehler des Mitspielers bereitwillig aus! Coach Kramer entschließt sich in der Schlussphase dann dazu die Kampfkraft des Teams zu erhöhen und den Fortuna-Beton zu kräftigen und bringt mit Akpoguma und Strohdiek weitere Absicherungen. Auch Fink soll das defensive Mittelfeld stärken und macht es diesmal wieder richtig klasse. Wie wichtig dieser dreckige Sieg für den Teamspirit und die Ruhe in der Mannschaft und im Verein ist, kann man jedem einzelnen Spieler am Gesicht ablesen. Dass dies aber nur EIN Schritt in die richtige Richtung ist, scheint diesmal jedem klar zu sein, da Aussagen über Siegesserien etc. nicht getätigt wurden!
Szene des Spiels
Diesmal hat Ballkünstler-Sercan die Szene des Spiels geliefert. In der ersten Hälfte – es war nach seinem Tor – bekam er ein weites Zuspiel aus dem rechten Flügel. Der Ball kam hoch und war lange unterwegs. Während die Kugel auf dem Weg zu ihm war und er sich auf die Annahme vorbereite, winkte er in derbst cooler Manier Schauerte aus der Außenverteidigung zu sich heran, damit dieser ihn direkt überlaufen kann. Nach gelungener Annahme rechnete so ziemlich JEDER (inkl. uns) mit einem Pass in den Lauf von Schauerte. Doch Sercan schob die Kirsche in die Mitte, wo sowohl Pohjanpalo als auch Ya Konan, wenn sie denn bloß aufmerksam gewesen wären, frei in Szene gesetzt worden wären. Dies ist so ein genialer Moment, der nur dann funktioniert, wenn das im Team jemand antizipiert. Wir können hoffen, dass das noch kommt. Aber es macht auf ein Neues deutlich: Sercan ist immer für ein geiles Ding gut.
Personelles & Fazit
In diesem Spiel konnten eigentlich alle überzeugen. Rensing auf der Linie bärenstark. Koch machte seine Sache als RV unauffällig. Dass über rechts nicht viel ging, hat aber natürlich auch mit ihm zu tun. Bodzek bot eine ordentliche Partie und hat teilweise gute lange Bälle auf Sararer gespielt. In dieser Form, dürfte er Strohdiek auf die Bank verweisen. Schauerte war zusammen mit Sercan Aktivposten auf Links. Sobottka gehörte zu den Gewinnern dieser Partie. Gutes Auge, unauffällig, aber beherzt ging er zur Sache. Der wird in seine Rolle reinwachsen. Demirbay defensiver aufzustellen, hat sich ausgezahlt. Er konnte wesentlich früher im Spielaufbau das Spiel an sich reißen. Sein Wechselspiel mit Sobottka funktionierte gut. Bolly war unauffällig, hat aber fleißig hinten ausgeholfen. Ihm hat nach vorne der Druck des RV gefehlt – sehen wir es Koch als RV-Debüttanten nach. Pohjanpalo und Ya Konan waren beide sehr viel unterwegs. Sie verteidigten sehr gut mit, ließen nach vorne bis auf wenige Szenen jedoch Torgefahr missen. ABER – auch sie beteiligten sich am kompakten Defensivspiel, was diesmal ein Erfolgsgarant war. Von den Einwechselspielern möchte wir Fink hervorheben. Er packte zwei Mal seine unnachahmliche Grätsche aus und leitete bei einer Szene auch eine gute Torchance ein, indem er einen Traumpass auf Pohjanpalo spielte, der jedoch von den Verteidigern gestellt wurde.
Es gab sehr viel Positives und nur wenig zu meckern. Das ist ein erheblicher Fortschritt. Ein Sieg ist und bleibt ein Sieg. Egal, ob es nun ein Eigentor war, Bielefeld harmlos spielte, oder was auch immer… Solche Spiele haben unsere Jungs auch schon verloren. Daher sagen wir: einfach nur stolz auf diesen Sieg und die Mannschaft sein. Und weil es so schön ist, dann bitte Freitag Abend gegen den letzten Rotz von einem Reagenzglasclub aus Leipzig auswärts punkten.
In diesem Sinne – 95 Olé,
Ingo & Adnan
Advertisements

Alarmstufe Rot-Weiß!

29 Sep

Unsere Fortuna holt in den „Englischen Wochen“ nur 2 Punkte von möglichen 9 und verliert gegen Sandhausen mal wieder ein Heimspiel. Besonders dieser letzte Auftritt sorgt für tiefe Sorgenfalten.

Mit einem gellenden Pfeiffkonzert endete vergangenen Freitag die „Englische Woche“. Unsere Forteng hatte soeben ihr Heimspiel gegen ein erstaunlich spielschwaches Team aus der Fußball-Weltstadt Sandhausen verloren. Damit war all die positive Energie, die nach dem Heimspiel gegen 1860 und der Auswärtspartie gegen Bochum getankt wurde, fast schon wieder in Gänze aufgebraucht. Eine Mannschaft auszupfeiffen, weil ihr nichts gelingt, ist und bleibt das Allerletzte. Dass die Fans gefrustet sind, ist jedoch nachzuvollziehen. Immer und immer wieder hat man das Gefühl – und natürlich die Hoffnung – dass die Mannschaft endlich ins Rollen kommt. Doch dann setzt es wieder diese Rückschläge. Dabei schien doch eigentlich eine stabile Startelf gefunden.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

In beiden Partien griff Frank Kramer auf das gute alte (bisweilen jedoch schon nervende) 4-2-3-1 zurück. Rechts hinten wechselten sich Schauerte und Akpoguma ab. Hinten links etablierte sich Axel. In der Mitte steht das konkurrenzlose Innenverteidiger-Duo Strohdiek und Haggui. In der Zentrale hat sich Schmitz neben Koch festgespielt. Die Flügel bedienen Sararer und Bebou (oder Bolly, wenn er fit ist) und vorne stürmt Ya Konan – oder aber zuletzt Pohjanpalo. Auf der #10 hatte Demirbay bereits Monsieur Liendl mehr als ersetzt. Auf vielen Positionen gibt es auf der Bank adäquaten Ersatz. Insofern fällt es zumindest uns sehr schwer, die Probleme unseres Teams am Kader festzumachen. Und so ist es klar, dass unser Team in den meisten Spielen die spielbestimmende Mannschaft ist bzw. sein muss. Und genau hier liegt wohl das entscheidende Problem. Igelt sich ein Gegner ein, kütt unser Team nit klar.

Was schief lief gegen KSC und Sandhausen

Es lässt sich recht simpel sagen, woran konkret es derzeit hapert: Fehlt unserer Mannschaft der Raum im Mittelfeld und vor dem gegnerischen Sechzehner findet sie kein Mittel, durch eine zündende Idee, den gegnerischen Abwehrriegel zu knacken. Das Spiel ist zu durchsichtig, weist überhaupt keine Überraschungsmomente auf und entbehrt jedwedem genialen Moment eines Einzelspielers, der sich durch einen Traumpass oder einem Dribbling hervortun würde. Flanken, Ecken und Standardsituationen sind zu nahezu 100% harmlos. Dabei sind Haggui, Strohdiek, Koch oder auch Akpoguma groß gewachsene Spieler und Ya Konan, Pohjanpalo oder van Duinen (noch im Angebot „fan düinen“?) wuchtig und sprunggewaltig. Doch auch da passiert nichts.

Dies führt dazu, dass unsere Truppe sehr viel Ballbesitz hat, aber absolut nichts Zählbares daraus machen kann. In Bochum war es anders. Da spielte sich das Team Chancen um Chancen heraus, scheiterte aber an Luthe und Latte. Entscheidend war in Bochum jedoch, dass unsere Jungs gegen eine Mannschaft spielten, die ihrerseits nach vorne spielte. Es entstand so sehr viel Raum für das zwar gefällige, aber auf großen Räumen angewiesen Fortuna-Dreiecks-Passspiel. Stellt ein Gegner diese Räume zu, geht nichts mehr. Hier sind dann die Herren Sararer, Demirbay und Bebou (oder Bolly) gefragt. An ihnen liegt es, mit verrückten Moves den Gegner auszuspielen. Und das will einfach nicht gelingen.

Ballkünstler-Sercan hatte uns bis jetzt durchaus gezeigt, dass er bisweilen in der Lage ist, uns eine Sararer-Torte zu servieren. Bebou hat mit seiner engen Ballführung das Zeug, mehrere Gegner hinter sich zu lassen, ist aber im Laufduell wegen seiner Statur leicht abzudrängen. Im Stand kriegt er den Ball gut abgeschirmt, aber im Sprint hat er oft das Nachsehen. Bolly hingegen muss erst in Fahrt kommen, um unaufhaltsam zu sein. Ein 1 gegen 1 gewinnt er aus dem Stand zu selten. Und Demirbay muss aus seiner beachtlichen Präsenz (immer anspielbar) noch mehr machen, schneller wissen, wann er wie wen bedienen kann. Doch dafür müssen sich die Mitspieler aber auch in Position bringen.

Doppelsechs veraltet? #10 oder falsche #9? Doppelsturm?

Insgesamt scheint es problematisch, dass unsere #10 eher als falsche #9 aufläuft. Dadurch ist Demirbay einfach zu weit vorne. Und wenn er sich zurückfallen lässt, überschneidet sich sein Raum mit Koch und/oder Schmitz. Zwischen den beiden ist auch nicht ganz so klar, wer jetzt der Holzer/Abräumer und wer der Stratege ist. Schmitz spielte grandios gegen 1860 im Spiel nach vorne und Koch zeichnete sich durch Fink’sche Abwehrarbeit aus. Doch davon ließen beide zu viel missen. Koch holt sich zudem in bester Bodzek-Manier zu viele Gelbe Karten. Zudem muss die Frage erlaubt sein, ob die Doppelsechs denn nun wirklich zeitgemäß ist? Sind zwei zentrale Mittelfeldspieler, die eher defensiv stark sind, nicht einfach zu viel? Vor allem dann, wenn sie einem #10er, der das Spiel machen soll, den entscheidenden Raum zum Umschaltspiel eher wegnehmen? Überlegenswert scheint daher, mal zu versuchen, mit zwei echten Stürmern aufzulaufen. Ein 4-4-2 mit der klassischen Raute (ein #6er, ein 10#er), oder die Variante mit einem #6er und einem #8er in der Zentrale wären mal einen Versuch wert.

Pohjanpalo war gegen Sandhausen einer der Besten. Er war unheimlich viel unterwegs, hat sehr viele Kopfballduelle gewonnen und nach Eroberung hoher Bälle sehr gut die Außen bedient. Er im Zusammenspiel mit Ya Konan könnten vorne für mehr Wucht und Durchschlagskraft sorgen als jeweils alleine.

Ständiges Anlaufen bis Frust entsteht und das Gegentor-Abo!

Denn ohne diese Durchschlagskraft entsteht genau der Frust, den wir gegen Sandhausen gesehen haben. Irgendwann glauben die Spieler selber nicht mehr dran, dass es ihnen gelingt, eine echte Chance herauszuspielen – geschweigedenn ein Tor zu schießen. Besonders gegen Sandhausen wirkten die Jungs in der zweiten Halbzeit irgendwann fast schon apathisch und hilflos. Ständig nach vorne zu spielen, ohne dabei irgendwas Gefährliches zu produzieren, ist eben hochgradig frustrierend. Vor allem dann, wenn man in nahezu jedem Spiel das obligatorische Gegentor kassiert. Allesamt bedingt durch zum Teil gravierende Abwehrfehler. Vor allem gegen den KSC (Monsieur Strohdiek) und gegen Sandhausen (Senor Rensing) führten eklatante individuelle Fehler zum Gegentor. Das darf man Einzespielern nicht übel nehmen – schon gar nicht, wenn sie wie bei Rensing wochenlang konstant Leistung gebracht haben. Nur ist dieses Gegentor-Abo ein weiterer Grund, warum unsere Jungs DRINGEND an der Effizienz ihres Offensivspiels arbeiten müssen.

Besorgniserregende Szenen der Partie gegen Sandhausen

Es gab drei Szenen – beides Standardsituationen – die deutlich machten, dass noch viel Arbeit vor Coach Kramer steht.

Die erste Szene zeigte das Fehlen des Verhaltens einer verschworenenen, intakten Truppe. Bebou, unser Youngster, wird recht früh im Spiel vor dem Sechszehner der Sandhausener gefoult. Der #17er der Sandhausener kassiert die Gelbe Karte, regt sich tierisch auf, beugt sich auf den noch am Boden liegenden Bebou und schnauzt ihn in aggressiver Manier an. Hier nun die Frage: Wo waren die Axels, Hagguis, Kochs, Sararers, Strohdieks und Schmitzs, die dazwischengehen und dem Gegner in dieser Sekunde mal so richtig in die Schranken weisen – getreu dem Motto: „Alter, verpiss Dich und mach‘ meinen Teamkollegen nicht an, sonst kriegst Du Ellebogen und Sohle zu schmecken!“ Warum richtet sich Bebou nicht sofort auf, giftet den Gegner zurück und zeigt ihm, wer hier eigentlich Heimspiel hat? Hier bedarf es noch einer ganzen Portion Gift und Galle. Was war noch mal der Job von Sascha Rösler…?

Die zweite Szene war der unfassbar schlecht ausgeführte Freistoß aus gut 20 Metern vor dem Sandhausener Tor. Sarerer, Schmitz und Ya Konan stehen zum Ausführen bereit. Schmitz tupft den Ball zu Sararer, der denkbar schlecht weiterleitet zu Ya Konan, der aufgrund der unfassbar schlechten Vorlage aus ungünstiger Schussposition draufhält und die Kirsche elendig weit vorbeidonnert.

Die zweite Szene erschreckte uns jedoch weitaus mehr. Wir waren bereits in der Endphase des Spiels, lagen zurück und hatten kaum noch 10 Minuten auf der Uhr, als wir eine Ecke erhielten. Sararer war im 16er, Demirbay stand kurz davor. Demirbay signalisiert zu Sararer, er möge doch die Ecke ausführen – von links vom Tor weg reinzirkeln. Sararer machte aber deutlich, dass Demirbay doch bitte die Ecke ausführen solle – von links mit Links in den 16er reinzirkeln. Drei, vier Sekunden lang gestikulierten die beiden und stritten darüber, wer die Ecke ausführen soll. Solange, bis Axel die Faxen dicke hatte und im Vollsprint zur Ausführung der Ecke düste – sichtlich geladen und mit hochroter Birne. Hier stellt sich die Frage: Was bitte geht in den Herren Sararer und Demirbay vor, dass sie in einer solchen Situationen meinen, sich darüber streiten zu können, wer den jetzt die Ecke ausführt? Zeit hatten wir da schon wahrlich nicht mehr. Da muss Trainer Kramer die Zuständigkeiten ganz klar definieren und durchsetzen.

Kramer unter Druck? Ja! Trainerdiskussion? Nein!

Wir sind felsenfest der Überzeugung, dass Diskussionen über einen Trainerwechsel jetzt völlig unnütz sind. Mit Kramer und Manager Azzouzi ist im Kader ein Umbruch erfolgt. Dieser zeigt noch überhaupt keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Doch wurde zeitweise deutlich, dass diese Mannschaft zu tollem Fußball imstande ist. Ja, viel zu selten. Ja, noch geht viel zu viel schief. Doch würde das abgestellt, wenn jemand Neues käme? Wir lesen hier Rufe nach Norbert Meier. Leute, geht es noch…? Sind wir so rückwärtsgewandt und nostalgisch, dass wir denken, früher war alles besser und daher müssen wir die Uhren rückwärts drehen? Checken wir nicht, dass sich Zeiten ändern? Anderenorts hoffen Leute auf Zorniger, weil der ja wohl bald beim VfB Stuttgart fliegen wird. Zorniger? Der Retortenclubschafshirte? Wirklich? Der Mann, dessen Aufgabe es war, aus einem Haufen von Leuten ohne jedwede Vereinsbindung in einem Reagenzglasprojekt ein Fußballteam zu formen? Wollen wir das? Naja, und dann wäre ja noch Lucien Favre… Klar… Das entbehrt jedwedem weiteren Kommentar.

Nein, nein, nein. Wir haben das so bestellt und das wird jetzt so gegessen (es lebe Volker Pispers). Wir müssen unsere Ansprüche runterschrauben. Die Mission Aufstieg für zwei, drei Jahre verschieben und nun erst mal schauen, dass eine stabile, konstant spielstark auftretende Mannschaft in unseren Vereinsfarben aufläuft. Ein Team, das ein oder zwei Mal oben am Aufstiegsplatz schnuppert, bis es dann auch mal wirklich klappt. Solange wir mal erstligareif und dann wieder auf VfB Hilden Niveau spielen, hat noch keine Identität. Schaut Euch den Kader an. Welcher Zweitliga-Club kann damit mithalten? Das Potenzial ist da. Lasst uns die Fortuna wieder als Langzeitprojekt wahrnehmen. Und hierfür denken wir, ist Kramer der Richtige.

Und dennoch: Es müssen Punkte her, um nicht unten den Anschluss an das Tabellenmittelfeld zu verlieren. Kommenden Freitag geht es auf den Betze. Da spielten wir eigentlich immer ordentlich. Da muss ein Auftritt wie gegen Bochum her. Von der Ausgangslage her und der zu erwartenden Spielweise der Lauterer könnte diese Partie schon wieder unsere Forteng liegen.

Also, punkten, Charakter zeigen, Brust raus, Ego tanken, liebe F95er!!

In diesem Sinne,

Adnan & Ingo

Der Fortuna-Express rollt weiter

23 Apr

Unsere Jungs fahren in Sandhausen einen fulminanten Auswärtssieg ein und zeigen dabei, wie viel Spielfreude in ihnen steckt.

Ist das zu fassen? Nach nicht mal 10 Minuten führte unsere Truppe schon 2-0. Wann bitte hat es das denn zuletzt gegeben? Herrschte vor nicht allzu langer Zeit noch ein richtiger Schwulst im Magen vor einem weiteren Auftritt der Diva, können wir uns dieser Tage regelrecht drauf freuen. Der Knoten ist endgültig geplatzt. Von einem „geplatzten Knoten“ kann gerade deshalb gesprochen zu werden, weil es zu einem großen Teil die exakt identische Mannschaft ist, die auf dem Feld steht.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Naja, fast die selbe Elf: Etwas überraschend stand Michael Rensing anstelle von Fabian Giefer im Kasten und wurde von Olli Reck somit wohl für Trainingsfleiß und ausbleibendes Aufmucken belohnt; ansonsten gab es mit Cristian Ramirez, der den angeschlagenen Weber vertrat, nur ein weiteres neues Gesicht in der Startelf. Der (Interims)Trainer unserer Fortuna konnte also auf ein mittlerweile eingespieltes Ensamble zurückgreifen. Das System, auf ein Neues, das nun bewährte 4-1-3-2.

HZ1: Direkt voll auffe Zwölf!

Vor dem Spiel wurde einem im  Medienwald überall um die Ohren gekloppt, dass Sandhausen hinter den Unaussprechlichen aus der Domstadt die beste Abwehr der Liga hat und man sich darauf einzustellen habe, dass es mit dem Toreschießen gegen die Gastgeber schwer werden könnte. Gott-sei-Dank haben unsere Jungs da wohl nicht so genau aufgepasst, denn kaum ist das Spiel angepfiffen, gehen wir schon in Führung! Liendl spielt einen wunderschönen Pass auf seinen Landsmann Hoffer; Jimmy wird von den gastgebenden Abwehrspielern in Ruhe gelassen und legt das Spielgerät im 5-Meterraum quer auf Halloran, der die Kirsche nur noch über die Linie wemmsen muss! Wir liegen 1-0 vorne; Wahnsinn, was für ein Start!

Die Fortuna, die eh schon mit guter Körpersprache begonnen hat, strotzt nun vor Selbstvertrauen und Sicherheit. In der achten Minute kommt Sandhausen das erste mal vor Rensings Gehäuse, als über unsere linke Seite eine flache Flanke den Weg in unseren Strafraum findet. Bruno Soares mäht Jovanovic rustikal und elfmeterreif um und der Ball wird geklärt – zu unserem Glück bleibt der Pfiff des Schiris aus! Was dann folgt, haben wir in den ersten 30 Spielen dieser Saison fast überhaupt nicht zu Gesicht bekommen: Umschaltspiel vom Feinsten! Der Konter wird so schnell vorgetragen, dass Sandhausen überhaupt nicht hinterher kommt und vollkommen unsortiert ist; Hoffer bekommt den Ball, bedient im Strafraum Benschop und dieser legt die Pille mustergültig per Kopf auf Liendl ab, der von allen Sandhäusern so dermaßen allein gelassen, dass er gleich zwei Versuche bekommt, seine erste Bude für die Fortuna zu machen. Keine 10. Minuten und schon 2-0!!! Beim Gegner liegen nun die Nerven blank, denn Torwart Riemann und Abwehrrecke Olajengbesi wollen sich gegenseitig an die Gurgel und wirken eher wie zwei verfeindete Boxer bei der Pressekonferenz als zwei Teamkollegen! Aber bevor der Schiedsrichter beide wegen Unsportlichkeit mit Rot vom Platz stellt, schreitet unser Caribbean Sunnyboy Benschop zur Tat und trennt die Streithähne.

Der Spielstand spielt der Fortuna natürlich perfekt in die Karten; nun wir das unter Köstner perfektionierte Defensivspiel (muss auch mal Erwähnung finden) aufgezogen und der Gastgeber ist zum Spielmachen verurteilt. Damit ist Sandhausen aber komplett überfordert und schafft es nicht ansatzweise, unsere Abwehr ins Schwitzen zu bringen. Leider muss bereits in der 20.Minute Benschop mit einer Muskelverletzung (was sonst?) vom Spielfeld; dafür bringt Reck mit Golley unseren neuesten Jungspund-Shooting Star – gut so! Auffällig ist in unserem Spiel die Ball- und Passsicherheit, die gerade unsere beiden Österreicher Gartner und Liendl zur Schau stellen. Ebenso das sehr effektive Pressing. Kurz vor der Pause wird es aber bei einer Ecke für Sandhausen noch mal kurz richtig brenzlig, aber beim ersten Schuss hält Liendl auf der Linie zur Abwehr die Rübe hin und der Nachschuss wird spektakulär von Rensing über’s Quergebälk gelenkt. Geiles Ding, Herr Rensing. Vollkommen zufrieden gehen wir also in die Halbzeitpause.

HZ2: Deckel drupp und feddich & der „Finki-Schock“

Die zweite Hälfte geht direkt wieder richtig gut los; die Gastgeber rennen sich bei einem Angriffsversuch in unserer Defensive fest und dann nimmt ein Bilderbuch-Konter seinen Lauf: Ösi-Juwel Gartner spielt einen Traumpass auf den rechten Flügel auf Dynamikus Halloran; der zieht bis zur Grundlinie und spielt eine flache Flanke in den Rücken der Abwehr; Golley lässt die Kirsche geistesgegenwärtig durch und der im Rückraum anrauschende Liendl hat absolut freie Bahn, erneut viel Zeit und kann seelenruhig zum 3:0 einschieben! Perfekter Spielzug zum idealen Zeitpunkt! DAS ist Fußball!!

Zehn Minuten später nimmt Olli Reck dann den starken Hoffer vom Feld und schickt Bancé für die letzte halbe Stunde des Spiels auf den Platz. Die Erfolgserlebnisse der letzten Wochen spiegeln sich im Spiel der Fortuna nun absolut wider. Die Jungs trauen sich mehr zu und nahezu alles funktioniert auch. Ein gutes Beispiel hierfür ist Ramirez; war der kleine Ecuadorianer unter Köstner komplett von der Bildfläche verschwunden, wird der Südamerikaner nun in Drucksituationen angespielt und passt die Murmel trotzdem, ohne die Nerven zu verlieren, präzise weiter zum Mitspieler. So macht die Fortuna wieder Spass!

Aber auch ein weiterer Abwehrmann, der in HZ1 ja fast einen Elfer fabriziert hatte, verdient mal ein Extralob: in der 62.Minute vollzieht Soares mit spielerischer Leichtigkeit einen ansehnlichen Doppelblock, der Jovanovic und Hübner ziemlich alt aussehen lässt. In der Folgezeit sehen wir einige wirklich schöne Kombinationen unserer Jungs, die das Fortuna-Herz aufblühen lassen; Volleyschüsse, Hackentricks und One-Touch-Passstaffetten – alles dabei!

In der 74.Minute stockt uns aber der Atem. Der bärenstarke Fink bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen, nachdem er sich übel das Knie verdreht hat… Es geht nicht weiter für ihn und man befürchtet gleich das Schlimmste. Die niederschmetternde Diagnose: Innen- und Kreuzbandriss! (Gute Besserung!!!) Diesen Schock verdaut das Team soweit ganz gut. Nur drei Minuten später ist die Aufmerksamkeit schon wieder einer komplett anderen Situation gewidmet: Der Keeper der Gastgeber räumt kurz vor der Auslinie im eigenen Strafraum vollkommen dämlich Timm Golley ab, und der Schiedsrichter entscheidet zu Recht auf Elfmeter! Michael Liendl schnappt sich den Ball und hat wohl schon den Hattrick vor Augen. Vermutlich überlegt er schon wie er den Torjubel zelebriert. Aber der Schuss ist leider nicht wirklich gut (genau so schwach wie Benschop in der Vorwoche) und Riemann kann seinen Fehler wieder gut machen und wehrt ab. Weil bei der Nachschussmöglichkeit Golley und Liendl behindern, kann auch diese Einschussmöglichkeit nicht genutzt werden. Aber EGAAAAAAL! Die Fortuna ist mit dem Ergebnis zufrieden und Sandhausen schmeißt die Flinte ins Korn, so dass nicht mehr besonders viel passiert und es bei dem absolut verdienten 3-0 für die Fortuna bleibt!

Personelles & Fazit

Rensing bekam nicht allzu viel zu tun, zeichnete sich aber kurz vor der Halbzeit mit einer tollen Parade nach gefährlicher Ecke aus. Besser konnte er es an diesem Spieltag nicht machen. Unsere Abwehrreihe hat wieder überzeugt. Gewinner der Abwehr war aber wohl Cristian Ramirez. Er weiß seine Chance zu nutzen und gewinnt zunehmend an Sicherheit. Fink und Gartner spielten erneut großartig zusammen. Es ist wirklich jammerschade um Fink. Es ist WIRKLICH zu hoffen, dass er die bestmögliche medizinische Versorgung bekommt – am Besten nicht bei uns!! – sonst kann es bei einem Kreuzbandrissmit 31 auch schon vorbei sein. Unter Umständen werden wir ihn erst in 2015 wieder auf dem Platz sehen. Wir wünschen ihm das Allerbeste! Das Offensivquartett Liendl-Halloran-Benschop-Hoffer funktioniert bestens und Golley passt da wunderbar rein. Seine Laufwege und sein Antritt sind beachtlich. An ihm könnten wir noch richtig viel Freude gewinnen.

Die Mannschaft blüht merklich unter Oliver Reck auf – besonders in der Offensive. Allerdings sollte auch einmal festgehalten werden, dass die Stabilität in der Defensive wohl das Werk von Lorenz-Günther Köstner ist. Wir wissen nicht, ob dies die Egos oder die vertragliche Situation der beiden Trainer zulässt, aber vielleicht wäre ja nach der Gesundung von „LGK“ auch eine Doppelspitze mit Köstner UND Reck möglich. Das haben ja schon einige Fans gefordert und es wurde sehr viel darüber diskutiert. Zeit also, ein Stimmungsbild einzufangen: Was haltet Ihr von der Zwei-Trainer-Lösung?

 

Wir freuen uns auf den nächsten Spieltag,

95 Olé

Ingo & Adnan

 

Die Diva ist endlich wieder gut zu uns!

16 Apr

Unsere geliebte Diva hat sich wieder eingekriegt. Sie landet ein absolut überzeugenden Sieg und beschenkt uns zeitweise mit anschaulichem Fußball.

Lang, lang ist es her, dass unsere Mannschaft mal so richtig überzeugend einen Gegner nach Hause geschickt hat. Gegen Aalen war es nun wieder so weit. Rekordverdächtige drei Buden haben wir zu Hause geschossen. Das hat es seit weit über einem Jahr (damals 3-1 gegen den VfB Stuttgart) nicht mehr gegeben. Der Aufwärtstrend geht weiter. Und auch diesmal stand Olli Reck an der Seitenlinie. Er sorgte dafür, dass wir eine Mannschaft gesehen haben, die voll auf Sieg gespielt hat und richtig dominant als Hausherr aufgetreten ist. Klar: Der Gegner war „nur“ Aalen. Aber, wir haben schon gegen schwächere Teams wesentlich schlechter ausgesehen. Davon war diesmal keine Spur. Wir erlebten eine Truppe, die selbstbewusst aufgetreten ist.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Reck schickte die gleiche Mannschaft aufs Feld wie gegen Paderborn. Im 4-1-3-2 System spielte Fink wieder als alleiniger Sechser. Liendl und Halloran wechselten sich auf den Flügeln ab. Gartner und Benschop sollten über die Mitte Druck machen. Wuselmaus Hoffer durfte wieder vorne wirbeln. Deutlich wurde, dass Levels und Weber eine wesentlich offensivere Version des Außenverteidigers spielen sollten bzw. durften. Aus dieser Ausrichtung heraus entwickelte das Team von Beginn an Druck.

1. HZ: Hier regiert die Fortuna!

Wie oft mussten wir mit ansehen, wie unsere Mannschaft – egal, wer der Gegner war – das Spiel dem Gegner überließ und nur mehr oder (meistens) weniger überzeugend auf Konter spielte…? Das sieht unter Reck ganz anders aus. Die ersten 20 Minuten entwickelte unsere Mannschaft sehr guten Druck und nahm das Spiel komplett an sich. Sie spielte dabei ein hochgradig effektives Pressing. Der Gegner wurde schnell zu Fehlern gezwungen; Pässe wurden schnell abgefangen. Oliver Fink zeigte bereits in dieser frühen Phase des Spiels, dass er die hierfür notwendige Spielintelligenz für Antizipation und Stellungspiel besitzt. Er scheint unter Reck besser zu wissen, was genau seine Aufgabe auf dem Feld ist. Die Defensivarbeit war wirklich eine geschlossene Mannschaftsleistung, an der sich auch etwa Benschop und Halloran von Anfang an beteiligten.

Der Ball lief bei Offensivbemühungen unserer Jungs durchgehend gut. Einzig die Herausarbeitung wirklicher Torchancen wollte und wollte nicht gelingen. Richtig ansehenlich wurde es nach 19 Minuten. Levels, der offensiv eines seiner besten Spiele machte, setzte Liendl auf rechts super ein. Seine scharfe Hereingabe verpasste Benschop aber leider. Das haben wir diese Saison schon öfter erlebt – vielleicht liegt der Grund darin, dass einfach allzu selten solche Bälle reinkommen und weder Benschop noch Hoffer solche Zuspiele antizipieren können. Dann legten unsere Jungs eine kleine Verschnaufpause ein. Für gute 15-20 Minuten ging nicht mehr so viel nach vorne und Aalen wurde etwas mehr das Feld überlassen. Obwohl der Gegner nie richtig gefährlich wurde, musste man ein wenig besorgt sein. Umso erleichterter waren wir, als es kurz vor der Pause doch noch klingelte: Liendl gab eine Ecke von links herein. Und endlich E N D L I C H landete der zweite Ball bei einem Fortunen; namentlich Ben Halloran. Er hält einfach mal drauf und tunnelt den recht unglücklich aussehenden Aalener Keeper Fejzic. Schön kurz vor der Pause belohnt. 1-0 zum Pausentee nach der guten Leistung stimmte zufrieden.

2. HZ: Ein kleines Offensivspektakel

Unsere Jungs kommen mit breiter Brust aus der Kabine. Besonders Fink, Gartner, Liendl und Halloran scheinen unter Reck aufzublühen und viele Blockaden abgeworfen zu haben. Gartner und Liendl zeigen in einzelnen Spielsituationen zu was sie technisch in der Lage sind. Mal befreien sie sich gekonnt aus gegnerischem Pressing, mal spielen sie richtig ansehnliche Pässe. Halloran traut sich verstärkt ins 1 gegen 1. Zeitweise kriegen wir richtig guten Fußball geboten. Es wird klar, dass diese Mannschaft endlich mal wieder einen ordentlichen Sieg einfahren will. Dann nimmt Reck einen interessanten Doppelwechsel vor: Für den blassen Erwin Hoffer bringt er unsere neue Offensivwaffe, Timm Golley. Für Christian Weber darf Cristian Ramirez ran, dem Reck mal wieder Spielpraxis geben möchte. Unsere Jungs spielen weiter mutig nach vorne und WIEDER entsteht aus einer Ecke etwas Zählbares. Im Kopfballduell im 16er wird Bodzek mit dem Ellebogen angegangen: Tadaaaaaa Elfmeter! Benschop tritt an, schießt denkbar schlecht, doch die Pille landet von Fejzics Hüfte abgeprallt im Tor. Benschop widmet seinen Jubel Fabi Giefer und rennt zielstrebig auf unseren Keeper zu. Schließlich war es Giefer, der uns wenige Minuten zuvor noch mit einer starken Parade die Führung erhielt.

Keine 10 Minuten später sehen wir das 3-0 nach einem super gespielten Angriff. Aus einer Kontersituation heraus hat Liendl auf Höhe der Mittellinie die Kirsche. Rechts und links düsen Golley und Benschop los – beide latent im Abseits. Liendl muss daher abwarten, entscheidet sich dann aber, den Ball rechts auf Benschop zu spielen, der den rechten Flügel runterpest. Auf halblinks rast Golley gen 16er und macht Benschop deutlich, wohin er die Kirsche haben will. Und siehe da: Der Angriff wird erfolgreich zuende gespielt. Benschop bedient Golley in Perfektion mit einer halbhoher Flanke. Golley hält den Fuß hin und bietet eine artistische Flic-Flac-Salto-Rückwärts-Einlage. Dieser Angriff, dieses Tor, diese Zirkus-Nummer von Golley kommen für die geschundene Fortuna-Seele einem regelrechten Offensivspektakel gleich. Einfach eine geile Bude.

Dass wir dann noch das 3-1 kassieren liegt vielleicht ein wenig daran, dass Ramirez seine linke Seite defensiv nicht so richtig im Griff hat und Hereingaben nicht verhindern kann. Aber mal ehrlich… Dieses Gegentor ist so egal wie Aalen als Stadt (oder Dorf?) egal ist. Wir alle freuen uns über einen überzeugenden Sieg und erleben mal wieder eine Humba in der Arena.

Personelles & Fazit

Es ist absolut offensichtlich wie unsere Schlüsselspieler unter Reck aufblühen und die richtige Lust am Spiel zurückgewinnen. Fink hatte eine Präsenz auf dem Platz, die an einen Michael Ballack erinnerte. Seine Defensivarbeit war schlichtweg hervorragend. Nur müsse er mal seine Gelbe-Karte-Flatrate abbestellen. Er kassierte seine neunte. Gartner darf jetzt endlich das tun, was er kann und hat den bärenstark agierenden Fink als Rückendeckung. So kann er das Offensivspiel dirigieren und sich immer wieder in eine anspielbare Position bringen. Liendl ist kein wirklicher Flügelspieler, interpretiert aber diese Rolle sehr gut – er gestaltet das Offensivspiel aus dem Halbfeld. Halloran scheint am bisherigen Höhepunkt seines Selbstbewusstseins anzukommen und wird immer aktiver. Levels hat unheimlich viel nach vorne gearbeitet, mindestens drei, vier gute Flanken geschlagen und auch sonst seinen Flügelpartner wiederholt gut eingesetzt. Sein fulminantes Solo in den 16er muss ihn selbst auch überrascht haben – so sah es zumindest am Ende aus 🙂 Die Truppe wirkte kompakt und eingespielt. So kann es weitergehen.

Die Fangemeinde war so glücklich an diesem Sonntag, weil sie wieder eine Mannschaft sah, die Spielfreude entwickelte, Siegeswillen ausstrahlte und mit vollem Enthusiasmus zu Werke ging. Der Sieg war da fast zweitrangig. Dass wir nun 40 Punkte haben ist schön, war aber kaum jemandem wichtig. Wirklich wichtig war der Auftritt der Mannschaft; denn solange die LEISTUNG stimmt, sieht man selbst ausbleibenden ERFOLG einem Team nach. Kommt beides zusammen, strahlt die Fanseele.

Auf dass uns der Abschluss der Saison weiter Freude bereitet. Warum nicht gleich morden morgen in Sandhausen?

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Zwei Punkte lethargisch verschenkt!

16 Sep

Wie schon so oft in dieser Saison, verpasst es die Fortuna nach einer Führung den Sack zuzumachen und sich selbst an den Haaren aus dem drohenden Abstiegssumpf zu ziehen. Dafür nutzt ein eigentlich schwacher Gegner in der Schlussphase durch einen Joker die Düsseldorfer Passivität und Lethargie zum Torerfolg und die Fortuna verschenkt im Umkehrschluss wichtige Punkte gegen den Tabellenletzten.

Die Fortuna hatte sich für das Spiel gegen Dynamo Dresden viel vorgenommen – drei Punkte sollten, ja mussten sogar her. In diversen Gazetten war davon zu lesen “wie geil das Projekt Fortuna” (Büskens) sei, da die Fans die Mannschaft auch in der 2. Bundesliga bedingungslos und zahlenstark unterstützen. Auch diesmal war die Arena wieder mit knapp 36.000 Zuschauern ziemlich gut gefüllt; aber auf das, was die Fortuna nach dem Führungstreffer präsentierte, können wir eigentlich nur noch mit vollkommenem Unverständnis reagieren. Diesmal ist Adnan allerdings leider auf Reisen und unser guter Freund Niko unterstützt Fuppes95 bei der Analyse.

Offensiv ins Kellerduell


Als wir die Aufstellung gesehen haben, waren wir guter Dinge: Mike Büskens schickte eine sehr offensive Startelf auf den Platz. Mit Reisinger auf der rechten Seite und den beiden Neuzugängen Hoffer und Bancé in der Zentrale, befanden sich gleich drei gelernte Stürmer in der Anfangsformation. Auf der linken Seite hatte sich Gianniotas seinen ersten Einsatz von Beginn an verdient und das Mittelfeld wurde in der Defensive von Fink und Lumpi komplettiert; Bodzek saß erstmal etwas überraschend auf der Bank. In der Innenverteidigung gab Soares nach seiner ewig langen Verletzungsodyssee sein Startelfdebüt und ersetzte unseren Abwehrchef Latka; mit Bomheuer, Ramirez und Levels war die Viererkette also komplett. Der neue Gästetrainer Janßen (übrigens Levels‘ Onkel) schickte sein Team ebenfalls mit einer 4-4-2 Formation ins Rennen, was direkt darauf schließen ließ, dass sich die Dresdner bei uns nicht verstecken wollten.

Dies wird auch sofort nach Anpfiff deutlich, denn mit aggressivem Pressing stehen die Sachsen unseren Jungs in den ersten fünf Minuten ganz schön auf den Socken. Dann kommt aber auch die Fortuna so langsam ins Spiel und zeigt den Gästen erstmal wer hier Herr im Hause ist. Es fällt früh auf, dass der Spielaufbau der Fortuna diesmal anders gestaltet wird, als in den letzten Partien. Zumeist wird Bancé hoch angespielt, um den Ball auf einen nachrückenden Mittelfeldspieler abzulegen, erst danach gesellt sich der neue Sturmtank zu Hoffer in die Spitze. Dies klappt Anfangs auch hin und wieder ganz ordentlich. In der zehnten Minute gibt es dann die erste Chance für F95, als “dat Astrid” vom rechten Strafraumeck zum ersten mal auf‘s Tor schießt; der ansonsten recht schwache Keeper Kirsten verkürzt aber in dieser Situation geschickt den Winkel und wehrt die Kugel ab. Fünf Minuten später hat Hoffer wohl seine stärkste Aktion des Spiels, als er drei Gegner an deren Strafraum vernascht – den Ball schießt er dann aber leider ins Aus. Unsere Jungs geben in dieser Phase richtig Gas, Levels setzt sich auf seiner Seite zweimal gut mit Flankenläufen in Szene und unsere Greenhorn-Connection auf Links, mit den quirligen Ramirez und Gianniotas, stellt die Dresdner vor einige Probleme. Der junge Grieche ist es dann auch, der unsere Führung in der 18. Minute einleitet. Nach seiner abgewehrten Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld kommt Giannis erneut ans Leder und zirkelt das Spielgerät mit viel Spin in den gegnerischen Fünfmeterraum, Kirsten wehrt den Ball ab, der dann im Strafraum auf den wartenden Fink zuhoppelt. Unser Grätschmeister schießt den Ball per Dropkick ins rechte Toreck – 1:0! Schöne Bude, wichtige Führung, alles wunderbar – und jetzt bitte mal nachlegen!

Allerdings wird schnell deutlich: Ganz so einfach wird es nicht. Denn “Dü-Dü-Dühnamöh” gibt sich nicht so leicht geschlagen und die Sachsen versuchen unsere Defensive unter Druck zu setzen. Dass sich dennoch keine echte Gefahr entwickelt, liegt eher am Unvermögen der Gäste, als an einer sattelfesten Abwehr. Soares gewinnt zwar im Laufe des Spiels an Sicherheit, lässt allerdings im Vergleich mit Latka deutlich Souveränität und Ruhe im Aufbauspiel vermissen. Dies ist nach seiner langen Verletzungspause jedoch nicht sonderlich überraschend. Was nun passiert, ist allerdings nur schwer zu begreifen: Fortuna zieht sich zurück, verkriecht sich regelrecht und kommt ca. 15 Minuten lang fast gar nicht mehr an den Ball, und falls doch, landet dieser direkt nach irgendeiner kopflosen Aktion wieder beim Gegner. In dieser Phase, als kurzer Lichtblick sozusagen, bekommt die Fortuna dennoch in der 31. Minute die Möglichkeit, ihre Führung auszubauen: Gianniotas und Bancé zelebrieren an der linken Seite des gegnerischen Strafraums ein schönes Zusammenspiel und hebeln die sächsische Abwehr aus, leider trifft unser griechischer U20-Nationalspieler mit seinem Schuss aber lediglich die Latte. Nur eine Minute später stockt uns allerdings kurz der Atem: Der wirklich schnelle und trickreiche Ouali kommt nach einem Ballverlust von Bancé an den Ball, lässt mal eben drei, vier Fortunen wie Slalomstangen hinter sich und zieht in den Strafraum, Fink kommt gerade noch rechtzeitig und klärt die Situation mit einer gutgetimten und mutigen Grätsche – wie aus dem Lehrbuch! Der Spielaufbau unserer Jungs wird zur Pause hin leider immer zerfahrener.

Lethargisches Gedümpel


So weit so gut, denken wir als die Spieler aus den Kabinen zurück auf den Platz kommen. Aber wie schon gegen Bielefeld, betritt unser Gegner mit mehr Selbstvertrauen das Spielfeld als er es nach der ersten Hälfte verlassen hat. Die Fortuna, als Heimmannschaft mit einer Führung im Rücken, wirkt verunsichert und in ihren Aktionen zögerlich bis unbeholfen. Die Sachsen mausern sich auf einmal zur spielbestimmenden Mannschaft und unsere Jungs setzten dem nur Passivität und Lethargie entgegen. Während die Spieleröffnung mit langen Zuspielen auf Bancé in der ersten Halbzeit teilweise gut funktionierte, wird nun kaum noch ein Ball über die Mittellinie gebracht. Unser neuer Sturmbrecher kann die Bälle jetzt weder behaupten noch präzise weiterspielen, “Reise” und Hoffer tauchen komplett ab. Die Fortuna wird immer weiter in der eigenen Hälfte eingeschnürt, wo besonders Levels von Ouali vor immer mehr Probleme gestellt wird und besonders in Sprintduellen klar das Nachsehen hat. Unsere Jungs stehen zu weit vom Gegner weg, das Pressing funktioniert auch nicht mehr, da die Dresdner erst in unserer Hälfte attackiert werden und die bekannten Probleme unseres zentralen Mittelfelds häufen sich wieder beängstigend. Geordneter Spielaufbau, Leidenschaft und Selbstbewußtsein sind nicht mehr existent. In der 54. Minute gibt es den ersten gefährlichen Warnschuss durch Koch, der nach einem geschlagenen Luftloch von Reise an die Kirsche kommt, selbige aber über die Latte drischt. Es ist zum Mäuse melken, denn bei uns geht GAR NICHTS MEHR! In der 62. Minute reagiert Büskens und bringt für den abgetauchten Hoffer den genesenen Bebou, der aber leider auch ziemlich glücklos bleiben wird. Eine Minute später gibt es zumindest für eine Millisekunde Grund zur Freude. Nach einer Freistossflanke von Gianniotas (der einzige Mann, der in unseren Reihen Standards kann!) aus dem rechten Halbfeld drückt Bancé das Leder mit der Stirn über die gegnerische Torlinie… aber leider Abseits! Wir hoffen inständig darauf, dass dies der Weckruf für die Fortuna ist und die Jungs jetzt endlich aufwachen! Pustekuchen! Dynamo wird weiterhin herzlich eingeladen, auf Giefers Tor zu spielen. In der 70. Minute kommt dann Bodzek für Reisinger, der weder offensiv noch defensiv irgendetwas in Halbzeit Zwei auf die Kette bekommen hatte. Etwas später kommt dann noch Kenia für Gianniotas (Standards adé…), aber auch dieser Wechsel verpufft vollkommen wirkungslos. Dann kommt es, wie es kommen muss, wenn man den Gegner regelrecht zu Torabschlüssen einlädt: Levels läßt Ouali flanken, Dedic köpft den Ball ungehindert an den Pfosten, Joker Müller bekommt den Abpraller und vernascht im Fünfmeterraum Soares und Giefer. Ausgleich, nicht einmal unverdient. Dass bei der Aktion Koch im Abseits steht und der Treffer somit irregulär ist, ist uns in diesem Moment schnuppe! Denn wir ärgern uns viel mehr über die Einstellung unserer Jungs, als über das Schiedsrichtergespann. Eine wirkliche Aufholjagd kommt in den letzten Minuten dann auch nicht mehr zustande und das Spiel endet vollkommen unnötig unentschieden.

Personelles und die Frage nach dem Warum


Unser Torhüter hatte eigentlich nicht sonderlich viel zu tun, da sich Dresden, trotz Überlegenheit in der zweiten Hälfte, wenige gefährliche Torchancen erspielen konnte. Dennoch muss man feststellen, dass unser Schlussmann in seinen Leistungen bestenfalls stagniert, teilweise sind diese sogar eher rückläufig. Wie einleitend erwähnt, hatte er nicht besonders viel zu tun, hätte aber von sich aus mehr tun können und sogar müssen. Hier wollen wir noch einmal ein leidiges Thema ansprechen: Giefer zeigt eklatante Schwächen in der Spieleröffnung, verpasst häufig den Moment und damit das sprichwörtliche Momentum eines schnellen Abschlags oder Abwurfs, selbst wenn seine Mitspieler den Ball fordern und ihm deutlich signalisieren “Her mit der Kirsche!”. Dies hat gestern in der einen oder anderen Situation zu kurzen aber dennoch lautstarken Reibereien zwischen ihm und seinen Jungs geführt. Dieser Makel unseres Torhüters schwächt unsere Konter-/Angriffsperformance zusätzlich und mittlerweile merklich und muss auch als einer der Faktoren betrachtet werden, weswegen es bei uns in der Spieleröffnung und Vorwärtsorientierung häufig hakt.

Die Innenverteidigung mit Soares und Bomheuer hat ihre Sache ganz ordentlich gemacht, bloß den geordneten Spielaufbau etwas vernachlässigt. Der Brasilianer hat nach etwas unsicherer Anfangsphase besser ins Spiel gefunden, aber leider beim Gegentreffer zu früh auf dem Boden gelegen, so dass Müller recht locker einnetzen konnte. Ramirez war o.k. und Levels hat in der ersten Hälfte ein richtig gutes Match gemacht. Mit fortlaufender Spieldauer setzte sich aber sein schneller Gegenspieler Ouali immer öfter gegen ihn durch, auch weil Reisinger seine eigenen Defensivaufgaben immer mehr vernachlässigte und Levels darum oft im Regen stand. Gianniotas war besonders in der ersten Halbzeit ein Lichtblick und ist endlich mal jemand in unserem Kader, der es versteht gefährliche Flanken und Freistösse zu schießen. Fink und Lumpi hatten in der ersten Minuten gute Momente, wurden dann aber zu fahrig. Beide hingen dem Anspruch Führungsspieler zu sein, meilenweit hinterher – wo waren sie in der ersten Halbzeit nach unserer Führung, als unser Spiel in sich zusammen gefallen ist??? Die beiden neuen Stürmer Bancé und Hoffer haben zu Beginn einige gute Aktionen gehabt, sind danach aber, wie der Rest der Truppe, auf Tauchstation gegangen und hatten kaum noch erwähnenswerte Momente.

Die Personalie die uns aber am meisten auffiel, ist unser Trainer. Als Büskens noch bei Greuther Fürth das Zepter schwang, war er kaum zu bändigen: Wie Rumpelstilzchen sprang er an der Seitenlinie hin und her. Voller Biss und Leidenschaft peitschte er seine Elf nach vorne, wenn es nicht lief und war die Ausgeburt der Euphorie, wenn seinen Spielern gute Aktionen gelangen. Gestern klebte er genauso lethargisch und teilnahmslos auf seinem Pattex-Stuhl, wie sich die Fortunen auf dem Platz präsentierten. „Warum?“, fragen wir uns. Sind es nicht genau solche Momente, in denen der Trainer eingreifen und Motivation entfachen muss? Wenn es schon auf dem Platz niemand hinbekommt, muss dann nicht der Chef auch mal ordentlich dazwischen hauen und die Jungs mit Gesten und Gebrülle wachrütteln? Was liegt denn da schief? Darf er nicht, wie er will, oder will er nicht, wie er darf? Nicht, dass Ihr uns falsch versteht; auf verunsicherte Spieler prügelt man nicht ein und wir wollen bestimmt auch keinen Schreihals á la Werner “Beinhart” Lorant, aber ein wenig mehr Emotionen vorleben dürfte es gerade in solchen Momenten schon sein.

Fazit


Es ist uns absolut unbegreiflich, wie man einfach aufhört irgendwas zu investieren, wenn man in einem so wichtigen Heimspiel 1:0 gegen einen derart schwachen Gegner führt. Da lädt man die Verunsicherung und den Gegner gleichzeitig ein, um die erspielte Führung wieder aus der Hand zu geben. Der Dresdner Keeper Kirsten hat – wie schon der Bielefelder Schlussmann – große Probleme bei Distanzschüssen gezeigt. Warum hält da keiner einfach mal drauf? Bringt man Bebou wirklich bei diesem Spielstand und Spielverlauf? Nicht lieber bei klarer Führung oder Rückstand? Wenn man mit VIER Stürmern spielt, warum spielt man dann 70 Minuten auf Halten – und auf wessen Veranlassung? Sofort nach dem Führungstor erschien es so (und hier nicht zum ersten Mal, man denke nur an ähnliche Situationen in der abgelaufenen Saison), als geriete die Fortuna komplett aus der Fassung und in eine sehr zerbrechliche Phase, in der sie ungeheuer verwundbar wirkt. Sie taumelt wie ein angeschlagener Boxer, obwohl sie selber „getroffen“ hat. Eine eigentlich absurde Frage drängt sich beinahe auf: Kommt die Fortuna (aus welchen Gründen auch immer!) ”nervlich” nicht mit einer eigenen Führung zurecht!!?? Auch hat kein “Führungsspieler” unsere Jungs dazu bringen können, aus der „Schockstarre“ auszubrechen (Axel wäre vermutlich ein Kandidat dafür gewesen, wenn er nicht verletzt gewesen wäre), sein Team mitzureissen. Hier war nichts außer einer spürbaren, riesengroßen Leere. Das ist dramatisch. Wie Ihr seht, wachsen uns gerade ziemlich viele graue Haare, die wir uns gleichzeitig bis zum Erbrechen raufen. Wir sind ob der gezeigten Darbietung der Fortuna mittlerweile ziemlich ratlos, wie der Karren nun aus dem Dreck gezogen werden soll. Dass der Umbruch nach dem Abstieg Zeit in Anspruch nehmen würde, war wohl allen Fortunen klar, dafür gab es einfach zu viele neue Elemente und Verletzungssorgen in dieser noch jungen Spielzeit und das Selbstvertrauen muss und mußte neu erarbeitet werden. Wenn man aber so fahrlässig mit einer guten Ausgangsposition, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit, umgeht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Karren immer tiefer im (Abstiegs-)Sumpf stecken bleibt. Den Fans wird es mittlerweile auch zu bunt, denn zum ersten mal gab es deutliche Pfiffe nach Spielschluss. Jubelarien waren da nur von den lauten Fans der Sachsen zu hören, die ihr Team während der gesamten Partie vorbildlich unterstützt haben – Kompliment dafür, was für eine Power!

Das einzig positive an der derzeitigen Situation ist, dass es nur drei Punkte Abstand bis zu den vorderen Plätzen in der Tabelle sind. Kurzer Rückblick: Letzte Saison in Liga 1 haben nicht wenige Fortuna-Fans und -Interessierte auch bis in die Rückrunde hinein darüber gesprochen, dass es bis zu den Europa-League-Plätzen ja nur 5-6 Punkte seien. Mehr dazu an dieser Stelle nicht. Wenn sich jedoch Trainer, Spieler und Team besinnen und zu ihren Stärken zurück finden, kann es bei der Konstellation aber durchaus schnell gehen, dass die Niederungen der Tabelle wieder verlassen werden – das Potenzial dafür haben wir im Kader ja nach wie vor. Dies wird aber bestimmt nicht passieren, wenn das Team am nächsten Montag gegen St.Pauli an die Leistung des gestrigen Spiels anknüpft.

Zu guter Letzt würden wir gerne (und auch etwas provokativ) in unserer Frage der Woche von Euch wissen, ob es Mike Büskens schafft, das Ruder rumzureissen.

Hoffen wir auf Besserung beim Reeperbahn-Club!
95 Olé!
Ingo & Niko (sowie Adnan im Geiste!) 

Ein kleines Debakel in Bielefeld!

31 Aug

Nach einer Anfangsphase mit herausgestreckter Brust und drückender Überlegenheit verlassen 11 Fortunen mit hängenden Köpfen den Platz. 2-4 heißt das bittere Ergebnis gegen Arminia Bielefeld.

Es gibt Niederlagen, die nimmt man hin, weil der Gegner einfach besser war. Es gibt Niederlagen, über die ärgert man sich, weil (Achtung Phrasenschwein!) „mehr drin gewesen ist“. Tja, und es gibt Niederlagen, die einem weh tun – und zwar, weil die Mannschaft einen einfach ratlos werden lässt. Bei einem Spiel wie dem Gestrigen macht uns ein Liganeuling vor, wie man zielstrebig Tore schießt – und zwar vier Stück. Ein Gegner, der anfangs überfordert zu sein scheint und zu Fehlern gezwungen wird, feiert so am Ende einen grandiosen Abend…

Aber mal der Reihe nach: Durch den Ausfall von Benschop rückte Bolly wieder auf seine angestammte rechte Seite, so dass Reisinger die Position des zentralen Stürmers übernahm. Ansonsten schickte Mike Büskens das gleiche Team auf den Platz wie in der letzten Begegnung gegen Bochum. Halloran ist erstmals auf der Bank. Und bei Bielefeld? Wir haben nicht einen einzigen Spieler von deren Startelf gekannt. Nur mal für’s Protokoll, mit was für einem Gegner wir es hier zu tun hatten.

1. HZ: Dominanz & Bielefelder Slapstick

Vom Anpfiff an wirkt unsere Truppe extrem motiviert. Ballsicher und selbstbewusst machen die Jungs deutlich, dass sie die stärkere Mannschaft bilden. Spektakuläres entsteht dabei jedoch zunächst nicht. Abgesehen von der Präsenz unseres Teams sind die ersten zehn Minuten nicht weiter erwähnenswert, denn sie bestehen aus gegenseitigem, nervösen Abtasten der Kontrahenten. In der zwölften Minute wird es dann aber zum ersten mal interessant, als Kenia den recht unsicher wirkenden Arminia-Torhüter Platins zum ersten mal an diesem Abend mit einem scharf angeschnittenen Freistoß prüft, den dieser nach vorne abprallen lässt – leider steht aber kein Fortune in der Nähe, um diesen Lapsus zur Führung zu nutzen. Wenig später muss Bolly, der wieder einige Male unglücklich agierte, verletzt raus. Für ihn kommt unser dynamischer Wusel-Helene Gianniotas auf’s Feld, der wieder sofort Präsenz zeigt. In der 20. Minute jubeln wir dann etwas ungläubig… Bielefeld schenkt uns ein Eigentor, welches so auch in der letzten Rückrunde von uns hätte produziert worden sein können: Lumpi fängt einen gegnerischen Pass an der Mittellinie ab, legt sich den Ball einen gefühlten Kilometer vor und spurtet hinterher, in der Zentrale geht Kenia mit. Anstatt den Ball auf Höhe des 16ers auf unsere Nummer 10 abzulegen, probiert’s unser Kapitän einfach selbst und schießt mit Links: Platins zeigt wieder seinen Signature-Move und läßt den Ball nach vorne abprallen. Der anstürmende Kenia bekommt die Kirsche zwar nicht mehr unter Kontrolle, doch dafür schießen sich  zwei Arminia-Verteidiger gegenseitig an und der Ball plumpst ins Tor. Endlich beschert uns mal der GEGNER einen Slapstick-Moment, der uns auch noch die Führung einbringt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir guter Dinge und sind sicher: Das wird heute deutlich. Der Knoten ist geplatzt. In den folgenden Minuten gewinnt die Fortuna merklich an Sicherheit und wird dominanter. Doch dann platzt uns allerdings die Hutschnur, denn der absolut unfassbar schlechte Schiri Siebert entscheidet vollkommen unverständlich auf Handelfmeter für Bielefeld, nachdem der Ball an Levels‘ angelegten Arm (er zieht sogar noch merklich die Hand nach hinten!!!) springt. Egal wie man die Handregel auslegt: Dies war eine krasse Fehlentscheidung! Den geschenkten Elfmeter verwandelt Hübner souverän indem er Fabian Giefer klassisch verlädt und das Spielgerät locker versenkt.

Doch es vergehen aber nur zwei Minuten bis es wieder Grund zur rot-weißen Freude gibt. Nachdem Ramirez im Halbfeld umgenietet wird, schnappt sich Gianniotas die Pille. Seine scharfe Hereingabe titscht ein Mal auf und landet direkt im Tor – weder ein Fortune, noch ein Bielefelder war dran. Wieder ein Geschenk der gegnerischen Abwehr zur erneuten Führung. Die Fortuna hat das Spiel nun weitesgehend unter Kontrolle. Wir haben weit über 60% Ballbesitz. Bielefeld spielt unfassbar schwach. Das Aufbauspiel der Westfalen ist  in der ersten Halbzeit gelinde gesagt miserabel. Mit dem Halbzeitpfiff gibt es aber nochmal Aufregung an unserem Strafraum, da der gegnerische Stürmer Klos mal eben voll durchzieht, als Giefer den Ball rausschlägt und unseren Keeper dabei noch fies und unnötig einen mitgibt. Der Schiri gibt immerhin Gelb…

2. HZ: Den Gegner stark gemacht!

Arminia Trainer Krämer hat allem Anschein nach seinen Mannen in der Kabine einen verbalen Einlauf verpasst. Seine Truppe kommt nicht nur mit zwei neue Spielern, sondern auch mit einer komplett anderen Einstellung zurück auf den Platz und nimmt nun den Kampf um die Punkte an. Dies zahlt sich dann auch schon bereits nach zwei Minuten (!) aus. Nach einem Einwurf auf unserer rechten Seite geht’s für unsere Jungs (die wohl noch mit dem Kopf in der Kabine sind) etwas zu schnell. Der gerade eingewechselte Jerat flankt den Ball in den Strafraum. Da Bomheuer offensichtlich die Situation den entscheidenden Tick zu spät erkennt, lässt ihn Klos alt aussehen und bezwingt Giefer per Kopf… So, ne Driss.  Aber wagemutig sagen wir uns, dass wir dann halt 3-2 oder 4-2 gewinnen werden, denn Gianniotas und Kenia treiben unser Spiel weiter an. Allerdings wird die Partie mit fortlaufender Dauer immer ruppiger. Der verdammte Schiri pfeift wirklich unsäglich und verteilt die gelben Karten hauptsächlich an unsere Jungs. In der 58. Minute gibt es dann die Schrecksekunde: Reisinger wird von hinten übel weggegrätscht und scheidet verletzt aus. Er konnte nach dieser Szene nicht mal mehr auftreten. Das sah nach einer bösen Verletzung aus (Gute Besserung!). Übeltäter Salger kriegt lächerlicher Weise nur Gelb und wird fortan zur Persona Non Grata unseres Fortunablocks. Bei jedem Ballkontakt wird er verdientermaßen ohrenbetäubend ausgepfiffen. Für den verletzten Reise kommt Erwin „Jimmy“ Hoffer zu seinem Debüt für die Fortuna, welches aber leider ziemlich blass ausfällt.

Kraftlos, kampflos, kopflos!

Und in der Folge wird diese zweite Halbzeit leider zu einem absoluten Graupenkick. Von beiden Teams wird nur noch Gerumpel, Gehakel und Getrete geboten. Die Fortuna verliert zudem immer mehr Zweikämpfe und die Fehlpassquote erhöht sich bedenklich. Dabei zeigen die Biefelelder ihrerseits oft, wie unfassbar begrenzt ihre Fähigkeiten sind. Jedoch nur bis die 87. Minute schlägt, denn da setzen wir zwei  zum Synchronbrechen an: Unsere Jungs stehen hoch aufgerückt in des Gegners Hälfte. Bodzek leitet den Ball und leistet sich einen mehr als unnötigen Ballverlust im Aufbauspiel nach peinlich durchschaubarem Versuch, einen Verteidiger auszuspielen; die Arminia schaltet sofort um und leitet schnell den Konter ein. Die Laufwege stimmen, der Moment der Abspiele passt und die finale Flanke kommt präzise: Kurzum: alles passt. Tor. 2-3! Büskens reagiert und schickt den großgewachsenen Soares für die Schlussoffensive auf´s Spielfeld. Warum er aber Kenia dafür rausnimmt und nicht etwa Fink, Bodzek oder Lumpi bleibt einem schleierhaft. Doch es bringt nix: Denn, obwohl wir zahlreiche Ecken haben, findet (wie so oft) keine davon den Mitspieler und so kommt es, dass wir ein weiteres Mal zum Kanon-Kotzen ansetzen: Monsieur Fink vertendelt elendig den Ball am gegnerischen Sechzehner und dann geht es wieder schnell: Der eingeleitete Konter wird rasant gespielt und nach schwachem Zweikampfsverhalten von Ramirez erneut von Joker Hille zum 2-4 Endstand abgeschlossen; der einzige Fortune, der den langen Weg bis in den eigenen Strafraum noch mitgeht, ist übrigens Levels.

Personelles und jede Menge Fragen

Unser werter Herr Giefer konnte für keines der Tore etwas. Aber kann er nicht mal bitte wieder Unhaltbare halten…? Levels entwickelt sich zu einem der konstantesten Spieler. Doch warum muss wieder ihm so ein Kack untergejubelt werden? Latka dirigiert fleißig, gewinnt seine Zweikämpfe und steht immer richtig. Aber wie soll er die Fehler des defensiven Mittelfelds geradebiegen? Bomheuer zeigt zweifelsohne, dass er ein Großer werden kann. Wie aber kann er beim 2-2 wie schon gegen Union (beim 0-2) im 16er einen erneuten Sekundenschlaf einlegen? Ramirez zeigt maximal 60% von dem, was er gegen Cottbus und Köln gespielt hat. Wo ist sein freches und erheiterndes Spiel hin? Die Herren Bodzek und Fink: Wenn Ihr – der Kern unserer Truppe – solche Böcke schießt, auf wen ist dann noch Verlass? Zu Lumpi nur eines: Warum spielt er noch? Kenia, unser 10er, muss in noch zu vielen Situationen wissen, wann es Zeit für ein Abspiel ist – dabei jedoch die Frage: Bringen sich die Anderen in Position? Reise wird wohl mit etwas Glück gegen Dynamo Dresden wieder zur Verfügung stehen. Aber warum bleibt auch er häufig so harmlos? Bei Bolly muss man sich nicht nur fragen, wann er Ballführung gelernt hat, sondern auch, wie es sein kann, dass er sich schon wieder einen Muskelfaserriss zugezogen hat – nach 13 Minuten (Wir wünschen gute Besserung!). Gianniotas muss fortan in der Startelf stehen. Er kriegt Tempo auch mit enger Ballführung hin und er und Kenia harmonieren gut. Die Herren Halloran, Gartner, Wegkamp und Paurevic… Ach, wir sind müde, es zu fordern….

Völlig schleierhaft ist uns natürlich auch die Schiedsrichterleistung. Wie kann so einer Bundesliga (wenn auch Zweite) pfeiffen? Völlig ohne Linie gepfiffen, keine Kontrolle über einfach gar nix und eine klare Benachteiligung bei der Kartenvergabe und dem Pfeiffen von Fouls. Aber auch da… Es gibt Mannschaften, die gehen dann mit einem (Achtung, noch mal Phrasenschwein) „JETZT ERST RECHT!“ zur Sache und zeigen es nicht nur dem Gegner und seinen Fans, sondern auch dem blöden Schiri. Nicht aber unsere Jungs.
Wir hoffen sehr, dass dieses kleine Debakel für mächtig Unmut sorgt, damit man sich mal ein paar Gedanken über den bisherigen Auftritt in dieser Saison macht. Denn bei allem „Liebe kennt keine Liga!“ und „Marmor, Stein und Eisen bricht…“ und „Wir singen bis zum Tod…“ und „Einmal Fortuna, immer Fortuna“ fühlt man sich doch echt bisweilen verarscht. Das ist keine launische Diva mehr – das ist eine „dämliche Diva“.

Um Positiv zu schließen… Vielleicht kommt die Länderspielpause gerade recht und es wird ein kleines Zwischenfazit gezogen. Statt Aktionismus auf dem Transfermarkt, wäre das Feilen an der eigenen Grundstruktur und dem Konzept der Elf vonnöten. Solange es also kein Kevin Prince Boateng ist, muss keiner kommen; sondern viel mehr die bestehende Truppe funktionieren.

Die Pause wird gut tun, denn noch sind wir fertig…

In diesem Sinne – 95Ohje!

Ingo & Adnan

PS: Diese Woche geht an Euch die Frage nach der Gesamtsituation. Wie nehmt Ihr sie wahr? Alarm oder doch „ruhig Blut“?

Ein „kenialer“ Moment reicht!

26 Aug

Unsere Jungs fahren einen unheimlich wichtigen Heimsieg ein und stoppen die Negativserie. Ein wahrhaftig genialer Moment von Levan Kenia und eine Dank Latka wieder stabilisierte Abwehr bescheren uns ein 1-0 gegen die „graue Maus“.

Nach dem tristen Auftritt bei Union Berlin vergangenen Montag konnte man etwas besorgt sein über das, was uns nun bevorstehen könnte: eine andauernde Negativserie, schlechte Stimmung in der Mannschaft, auf den Rängen, in den Medien… Aber nichts da!! Mehr als 37.000 Zuschauer waren beim gestrigen Spiel in der Arena. Das ist nach drei Pflichtspielniederlagen in Folge beachtlich. Und sie sollten bereits vor dem Anpfiff etwas zu sehen bekommen, das sie so schnell nicht vergessen werden…

Großartige Kulisse Dank phantastische Choreo

Die Ultras Düsseldorf und jede Menge weitere Akteure aus der aktiven Fanszene haben eine wahrhaftig sensationelle Choreographie dargeboten. Vor der Südkurve wurde zunächst eine gigantisch große Zeichnung der Düsseldorfer Skyline hochgezogen, bevor kurz darauf eine der ulkigen, beige-gelben Straßenbahnen vorgefahren wurde. Dort sprühten zwei wirklich seeeehr angsteinflößend aussehende Jungens live in großen Lettern ULTRAS drauf und in etwas kleineren Buchstaben daneben F95 und FUCK KÖLN. In den Fenstern der Bahn waren weitere Fan-Gruppierungen namentlich erwähnt. Als wenn das nicht schon genug Choreo wäre, wurde die gesamte Südtribüne beim Einlaufen der Mannschaften in Rot und Weiß getränkt. Es sah einfach riesig aus. Das wird über unsere Stadtgrenzen hinaus für Respekt und Wertschätzung sorgen. Alle in der Arena Anwesenden werden froh sein, das miterlebt zu haben. An alle Medienmacher und Journalisten, die hier gerade mitlesen: Wenn Ihr auch nur 10% Eurer Energie für Negativschlagzeilen über Fußballfans in die Berichterstattung solcher (über drei Monate hinweg vorbereitete) Aktionen stecken würde, müsste der dämliche DFL nicht ein dummes (Un-)Sicherheitspapier entwickeln. In jedem Fall gab dieses Bild eine großartige Kulisse, die mit Sicherheit unseren Jungs auf dem Rasen noch mal einen Extra-Kick verpasst haben dürfte.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Im Vergleich zum unsäglichen Auftritt in Berlin nahm Mike Büskens einige Änderungen in der Startelf vor. Für den verletzten Axel rückte Lumpi auf die linke Seite und Oliver Fink übernahm dessen Position im zentralen Mittelfeld. Der ENDLICH genesene Abwehrchef Latka rückte neben Bomheuer in die Innenverteidigung und Tobi Levels übernahm die Rechtsverteidigerposition. Nach seinem wirklich schwachen spiel gegen Union fand sich zudem Bolly zunächst auf der Ersatzbank wieder und „Reise“ sollte mit seiner Dynamik die rechte Seite beackern. Taktisch wurde wieder im 4-2-3-1 begonnen, wobei Kenia viele Freiheiten genoss und sich auch immer wieder zurückfallen ließ, um das Spiel aus dem Mittelfeld heraus mit anzukurbeln. In der Anfangsformation von Rotzbremsen-Ikone Neururer fanden sich neben Ex-Fortune Ilsö auch zahlreiche weitere Akteure mit Erstligaerfahrung wieder. Hobbit, Paul Freier, ist so ein wenig wie der deutsche Paul Scholes – ist der nicht schon 44? Gespannt waren wir vor allem auf Sukuta-Pasu – einem der vielen Talente unserer U17 bis U21-Nationalmannschaften, der aber nie so recht den Durchbruch schaffte – vielleicht ja in Bochum.

1. HZ: Vollgas, Entsetzen, Ausrasten, Verwalten!

Das Spiel geht richtig gut los, man merkt sofort, dass sich die Jungs für die Partie Einiges vorgenommen haben. Der Gegner wird früh gestört und jeder Fortune wirkt sehr fokussiert. Unser Angriffsmotor läuft sich direkt warm und es gibt bereits nach 8 Minuten was zu Feiern: Nach einem langen Zuspiel von Bomheuer setzt sich Benschop nahe der gegnerischen Eckfahne äußerst geschickt gegen zwei Ruhrpottler durch und spitzelt den Ball zu Kenia, der seinerseits einen weiteren Bochumer vernascht und die Kirsche in die Mitte spielt. Die Bochumer zelebrieren den Hühnerhaufen und kriegen die Situation nicht geklärt. Stefan Reisinger wähnt seine Chance, setzt zum Sprint an und nutzt all seine Erfahrung gegen Heiko Butscher und holt clever einen 11er raus. Hand auf’s Herz: Es war zwar keine Schwalbe; aber auch alles Andere als ein klarer Strafstoss. „Reise“ rennt bewusst in den Bochumer Verteidiger und plumpst hin. Aber: Elfmeter ist nun mal, wenn der Schiri (diesmal ein echt Guter) pfeifft – wenn auch nach leichtem Zögern. Unser Schlitzohr schnappt sich selbst den Ball, kriegt noch einen ermutigenden Klapps von Benschop und will wie schon gegen Cottbus den Elfmeter als Gefoulter verwandeln – zum Teufel mit den Fußballweisheiten. So erleben wir 23 Sekunden absolute Gefühlsachterbahn:

Reisinger zielt etwas zu genau. VfL Torwart Luthe wird gekonnt verladen aber der Pfosten leider nicht. Die (völlig unverständlich) vor dem Elfer erklungenen Freudengesänge verstummen. Die Bochum-Kurve tobt. Eine Kurzohnmacht legt sich über Fans, Coach Büskens und vor allem Reisinger selbst. Sofort schießen einem Gedanken in den Kopf: Das macht die Jungs jetzt fertig. Selbstbewusstseins-Dämpfer hatten wir in den letzten Monaten wahrlich genug! Tja, und Bochum startet sofort über Hobbit Freier den Konter. Doch seinen Pass in der gegnerischen Hälfte entschärft Abfangjäger Bodzek durch eine wohlgetimte Grätsche. Lumpi kriegt den Ball und spielt ihn sofort auf den nahe stehenden Kenia weiter (Umschaltspiel Olé!). Der macht sich dann aus der eigenen Hälfte auf zu einem herrlichen Sololauf. Er tanzt während seiner Reise durch die Bochumer Hintermannschaft im Tempodribbling drei Verteidiger aus und schließt diesen magischen Moment perfekt ab, indem er – am 16er angelangt – seine Reise beendet und auf den vogelfreien Elfmetervergeiger „Reise“ passt, der dann wiederum ungehindert zur 1:0 Führung eintütet! Ein absolutes Knaller-Tor! Balleroberung, Umschalten, Vorbereitung und Torabschluss erfolgten in nur wenigen Sekunden.

Wie sehr dieser Treffer die aufgestaute Verkrampfung löst, ist bestens an unserem Trainer zu erkennen. „Buyo“ rastet komplett aus und bespringt wie im Wahn mit einer Mischung aus Abklatschen, Pogo und Umarmen seinen Betreuerstab. Im Anschluss setzen die Jungs dem Gegner zu und spielen weiterhin aggressives Pressing. Allen voran Benschop, der die gegnerische Abwehr vor größte kämpferische Probleme stellt. Die Bochumer geben sich allerdings nicht einfach so ihrem Schicksal hin und versuchen immer wieder, ihren Sturm-Tank Sukuta-Pasu gefährlich in Position zu bringen. Da aber unser Abwehr-Koloss Latka endlich zurück ist und neben ihm auch Bomheuer wieder bärenstark verteidigt, gelingt es dem VfL einfach nicht, gefährlich vor unsere Bude zu kommen. Nur ein Mal entwischt Freier über unsere linke Seite und jagt den Ball an den Pfosten. Durchatmen – nix passiert. Levan Kenia zeigt im ersten Durchgang, was wir uns alle von ihm erhofft haben: er ist die Art Spieler, die der Fortuna lange Zeit gefehlt hat: ballsicher, immer anspielbar und mit genialen Ideen gesegnet. In der 42. Minute legt er fast ein weiteres Tor auf. Lumpi erkämpft sich den Ball. Dieser prallt Richtung Kenia und er geht wieder mit hohem Tempo auf den gegnerischen 16er und die zwei verbleibenden Abwehrspieler zu; auf links geht Lumpi mit, rechts begibt sich Benschop in aussichtsreiche Position. Kenia legt unserem Niederländischen Vorkämpfer den Ball (etwas zu weit) auf und Benschop drischt die Kirsche gegen den Außenpfosten. Das benschop’sche Geschoss schäppert zwar gewaltig; aber eben nicht zum 2-0…

2. HZ: Drücken, Verwalten, Verteidigen, Siegen!

Nach dem Seitenwechsel gestaltet sich die Partie etwas ausgeglichener. Wir beginnen zwar wieder druckvoll – markieren aber einfach nicht das 2-0. Und nach und nach wird Bochum stärker. Ab der 60. Minute stellt Monsieur Neururer sein Team um und bringt einen weiteren Stürmer – für’s Protokoll: Ilsö kriegt auch bei der „grauen Maus“ nix Großes hin. Die nächste dicke Chance gehört aber wieder uns: Levels spielt eine starke Manni-Kaltz-Gedächtnis-Flanke in den Strafraum, Lumpi setzt sich im richtigen Moment von seinem Gegner ab, steht in bester Position vor dem 7,32m x 2,44m großen Tor und köpft… meterweit daneben ins Aus! Büskens´ Reaktion spricht erneut Bände. Er sinkt auf die Knie und verweilt einige Sekunden auf allen Vieren in Schockstarre. Sorry Lumpi, aber den MUSS man machen! Fortan lässt sich die Fortuna immer mehr hinten reindrängen. In der 67. Minute verlässt der wirklich starke Kenia den Platz und Bolly bekommt einen weiteren Einsatz. Wenig später muss leider auch noch Benschop verletzt vom Platz (bitte, bitte kein langer Ausfall!!!) und wird durch Paurevic ersetzt. Die Einwechslung macht deutlich, dass unser Trainer die drei Punkte unbedingt verwalten und verteidigen möchte. Denn mit Bodze, Lumpi, Fink und Paurevic stehen direkt vier defensive Mittelfeldspieler auf dem Platz. Vielleicht hätte Gianniotas für mehr Entlastung sorgen können? Bochum versucht es nun mit der Brechstange, scheitert aber immer wieder am Fortuna-Bollwerk. Wir kommen durch Entlastungsangriffe auch noch zwei mal gefährlich vor das gegnerische Tor, aber ein weiterer Treffer bleibt uns versagt. So zittern wir uns bis zum Abpfiff und können dann endlich den verdienten zweiten Saisonsieg feiern.

Personelles

Ohne Zweifel: Dieser Sieg ist unendlich viel wert. Für alle! Giefer musste nicht hinter sich greifen. Er war bei Standards sicher, auch wenn er ein Mal etwas zu übermotiviert rauskam und dabei fast Bodzek verletzte. Latka und Bomheuer bildeten eine bärenstarke Innenverteidigung. Man merkt, dass der junge Bomheuer von Latka’s Ruhe profitiert. Levels machte nun auch als Rechtsverteidiger ein tolles Spiel. Er war offensiv sogar aktiver als Ramirez, der zuletzt etwas abtaucht. Das mag aber auch an seinem Partner auf der linken Seite gelegen haben. Lumpi  ist qualitativ wirklich abgeschmiert gegen den Rest auf dem Platz. Zwar hat auch Fink unverständlich viele Fehlpässe gespielt, strahlt aber im zentralen Mittelfeld einfach mehr Ruhe als unser Kapitän aus. Bodzek hat offenbar wieder sein Gelbe-Karte-Abo gebucht. Auch er leistet sich viele unnötige Fehlpässe, stabilisiert aber die Abwehrreihe durche Zweikampfstärke und Präsenz. Kenia bot eine tolle Leistung. Er holte sich die Bälle oft auf Höhe der Mittellinie und gestaltete das Spiel von dort. Das wird das richtige Mittel sein. Spieler wie er bleiben bei 5 von 6 Versuchen im Dribbling hängen. Doch das eine Mal reicht, wie wir gesehen haben 🙂 Benschop hat unglaublich mannschaftsdienlich gespielt. Es muss vorne noch besser in der Abstimmung laufen, damit auch er mehr Torchancen bekommt. Reise war als Hans-Dampf auf Rechts gut unterwegs und hat mit Levels das stärkere Flügelspiel gegenüber Ramirez und Lumpi gezeigt.

Auf der Spieler-Loge waren Halloran, Gartner, Karpuz, Wegkamp und einige andere unserer Jungspunde zu sehen. Auch wenn wir nun gewonnen haben, und mit Gianniotas und Hoffer noch Hochkaräter auf der Bank sitzen, wäre es zu wünschen, dass besonders Halloran (auf links) und Gartner (Zentrales Mittelfeld) mal ihre Chancen bekommen. Zu guter letzt (oder „Sukuta-Letzt“) sei Eure Aufmerksamkeit noch auf einen Ex-Fortunen gerichtet, den Adnan in bester Paparazzo-Manier während der Ehrenrunde der Mannschaft in der Spieler-Loge entdeckte:

Kruse_at_SpielerLoge

Krönender Abschluss war die HUMBA, die nach lautstarker Forderung diesmal Tobi Levels abfeierte. Wir Fans haben mit Tobi zusammen die bestmögliche Reaktion auf die beschämenden Pfiffe gegen ihn gegeben. Darauf dürfen wir als Fortunen echt stolz sein. Denn es hat nur 16 Tage gedauert, um aus einer extrem beschissenen Situation eine wahrlich schöne, versöhnliche Geschichte zu machen.

Auf den Start einer Serie und den nächsten Dreier kommenden Freitag in Bielefeld.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Ingo & Adnan

PS: Uuuund, hier noch unsere Frage der Woche. Sieg ist ja nicht gleich Sieg. Daher wieder mal ein Stimmungsbarometer 🙂