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Ein Sieg ist ein Sieg ist ein Sieg!

19 Okt
Unseren Jungs gelingt endlich wieder ein Heimsieg. Keine Gala, nein. Aber vom Spirit her 100%ig bei der Sache überzeugt unser Team gegen harmlose und limitierte Bielefelder.
Der Krampf hatte uns längst eingeholt. Wieder mussten wir während einer Länderspielpause hoffen, dass sich etwas tut bei der Forteng und endlich Wege gefunden werden, Lockerheit, Zuversicht und Teamgeist in diese Mannschaft zu impfen. Doch dann ist da dieser Lärm im Vorstand des Vereins. Kaum einer blickt da noch durch und wir erleben den klassischen Fall, dass ein unruhiges Umfeld in der Vereinsführung sich negativ auf die Saison auswirkt. Die Stimmung unter den Fans ist angespannt, und auf dem Platz will der Knoten einfach nicht platzen. Schon wieder so unendlich viele Dinge, um die man sich Gedanken machen muss, statt sich einfach nur auf 34 Saisonspiele zu freuen. Nun denn – das ist Fortuna; auch 2015. Da müssen wir jetzt durch. Ein Blick auf die Aufstellung machte deutlich, dass Kramer sich ebenfalls ein paar Gedanken gemacht hatte…
Aufstellung und Taktik
Für die dringend nötigen Optimierungen zauberte Coach Kramer einige Änderungen in der Startaufstellung aus dem Hut. Bereits in der Viererkette gab es ersten Änderungen. Als RV begann Julian Koch und Schauerte wurde auf die linke Seite verschoben; die Innenverteidigung bildeten die Routiniers Haggui und Bodzek, der nun erst mal Strohdiek verdrängt zu habe scheint. Auf der Bank fand man keinen Lukas Schmitz – hier wird gerüchteweise gemunkelt, dass es zwischen Schmitz und Kramer gekracht hatte! Im Mittelfeld wurden unsere Fortunen auch ordentlich durcheinandergewürfelt; zentral standen Sobottka und Dermirbay und auf den Außenpositionen kehrten die beiden Tempomacher Bolly und Sararer zurück. Durch die Aufstellung der beiden Stürmer Pohjanpalo und Ya Konan ergab sich somit eine 4-4-2 Formation – ohne 10er, mit zwei Stürmern. Und wir erlauben uns zu schreiben, dass wir genau diese Formation zuletzt gefordert hatten 🙂 Unser Ex-Trainer Norbert Meier – mit Applaus begrüßt – und seine Aufsteigertruppe aus Bielefeld bot keine allzu bekannten Namen auf. Außer dieser Riese Klos vorne, der schon die ein oder andere Bude gemacht hatte. Auf dem Papier also mal wieder eine eindeutige Sache.
 
HZ1: Der Selbsttunnel
Der Spielstart ist dann wirklich keine große Überraschung – Bielefeld zieht sich weit zurück, überlässt der Fortuna mehr oder weniger das Spielfeld und hofft darauf, dass unsere Jungs wie in den Spielen zuvor gegen „Maurer“ verzweifeln und die Gäste somit selbst durch Konter zum Erfolg kommen können. Die Fortönn macht aber zunächst erstmal selbst einen gemächlichen Eindruck und rennt nicht wie in den letzten Spielen krampfhaft nach vorne, um sofort den Sieg erzwingen zu wollen. Daraus ergeben sich erstmal 20 Minuten Mittelfeldgekicke ohne nennenswerte Chancen. Zumindest ist aber zusehen, dass sich die Jungs ins Zeug legen und konzentriert sind. Beide Teams werden nach und nach wacher. Innerhalb von zwei Minuten bollert erst Linksfuß Demirbay zum ersten Mal nennenswert auf den Kasten von Gästekeeper Hesl und im direkten Gegenzug muss auch Rensing zum ersten Mal in diesem Spiel einen Kopfball aus kurzer Distanz parieren.
Wenig später gibt es dann endlich Dank Ballkünstler-Sercan Grund zum Jubeln! Zusammen mit Julian Schauerte setzt sich der Deutsch-Türke auf der linken Seite durch und zwei Bielefelder beteiligen sich freundlicherweise  (aber wohl unfreiwillig) am Kombinationsspiel, da ihre Klärungsversuche wie perfekte Zuspiele auf die beiden Fortunen wirken. Am Ende dieser etwas kuriosen Kombination tankt sich Sararer bis zur Grundlinie durch und läßt ein flaches Zuspiel in die Mitte folgen; der Winkel ist für einen gefährlichen Pass in den Rücken der Abwehr eigentlich schon viel zu spitz aber wir können uns über die freundliche Beihilfe des gegnerischen Keepers bedanken, da sich Hesl nach der Hereingabe Sararers mit der eigenen Hacke irgendwie selbst tunnelt und die Kirsche im Tor versenkt. So was nennt man: Tor erzwingen. Bravo, Sercan!
Ein paar Minuten später „feiern“ wir den obligatorischen Alu-Treffer des Spiels, als Schauerte deftig aus der 2.Reihe drauf pöhlt. Leider schmettert das Pfund gegen die Latte – schade! Die Gäste probieren es nun hin und wieder auch mal mit einem Torabschluss aber Rensing ist auf dem Posten und auch die Feldspieler schmeißen sich im Kollektiv zum Blocken bereitwillig in die abgegebenen Schüsse der Gäste. So passiert dann bis zum Pausenpfiff nicht mehr besonders viel Erwähnenswertes, da auch die Offensivbemühungen (besonders durch Unruheherd Sararer) der Fortuna nicht Zählbares mehr hervorbringen.
HZ2: Als Team die Führung verteidigt
Die Teams kommen unverändert aus der Kabine; zumindest was des Personal betrifft, denn in puncto taktischer Marschroute kann man schon die ein oder andere Änderung wahrnehmen. Bielefeld versucht nun selbst, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, während die Fortuna auf Konterspiel setzt. Bis aber mal gefährliche Konterattacken durch Demirbay und unseren Didi zu Ende gespielt werden, dauert es bis zur 70. Minute. Dass diese dann nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt am guten Gästekeeper Hesl. Auf der anderen Seite verteidigt die Fortuna als Team und macht es diesmal richtig gut. Zwar kommen die Bielefelder ein paar Mal zum Torabschluss, aber spätestens bei Rensing ist Schluss – der Mann ist wirklich konstant eine Bank. Die beste Chance der zweiten Hälfte sollte dann unser „Iceman“-„Palimpalim“ Pohjanpalo beisteuern, der in der 86. Minute nach einem dynamischen Lauf aufs Gästetor zimmert, aber Torhüter Hesl nicht überwinden kann.
Da eine Ein-Tore-Führung immer eine gewisse Unruhe in der Schlussphase mit sich bringt, sind wir heilfroh darüber, dass die Fortuna sich diesmal eben NICHT den Schneid am Ende abkaufen lässt, sondern genau das zeigt, was wir sehen wollen – leidenschaftlichen Kampf! Die Jungs unterstützen sich gegenseitig und bügeln etwaige Fehler des Mitspielers bereitwillig aus! Coach Kramer entschließt sich in der Schlussphase dann dazu die Kampfkraft des Teams zu erhöhen und den Fortuna-Beton zu kräftigen und bringt mit Akpoguma und Strohdiek weitere Absicherungen. Auch Fink soll das defensive Mittelfeld stärken und macht es diesmal wieder richtig klasse. Wie wichtig dieser dreckige Sieg für den Teamspirit und die Ruhe in der Mannschaft und im Verein ist, kann man jedem einzelnen Spieler am Gesicht ablesen. Dass dies aber nur EIN Schritt in die richtige Richtung ist, scheint diesmal jedem klar zu sein, da Aussagen über Siegesserien etc. nicht getätigt wurden!
Szene des Spiels
Diesmal hat Ballkünstler-Sercan die Szene des Spiels geliefert. In der ersten Hälfte – es war nach seinem Tor – bekam er ein weites Zuspiel aus dem rechten Flügel. Der Ball kam hoch und war lange unterwegs. Während die Kugel auf dem Weg zu ihm war und er sich auf die Annahme vorbereite, winkte er in derbst cooler Manier Schauerte aus der Außenverteidigung zu sich heran, damit dieser ihn direkt überlaufen kann. Nach gelungener Annahme rechnete so ziemlich JEDER (inkl. uns) mit einem Pass in den Lauf von Schauerte. Doch Sercan schob die Kirsche in die Mitte, wo sowohl Pohjanpalo als auch Ya Konan, wenn sie denn bloß aufmerksam gewesen wären, frei in Szene gesetzt worden wären. Dies ist so ein genialer Moment, der nur dann funktioniert, wenn das im Team jemand antizipiert. Wir können hoffen, dass das noch kommt. Aber es macht auf ein Neues deutlich: Sercan ist immer für ein geiles Ding gut.
Personelles & Fazit
In diesem Spiel konnten eigentlich alle überzeugen. Rensing auf der Linie bärenstark. Koch machte seine Sache als RV unauffällig. Dass über rechts nicht viel ging, hat aber natürlich auch mit ihm zu tun. Bodzek bot eine ordentliche Partie und hat teilweise gute lange Bälle auf Sararer gespielt. In dieser Form, dürfte er Strohdiek auf die Bank verweisen. Schauerte war zusammen mit Sercan Aktivposten auf Links. Sobottka gehörte zu den Gewinnern dieser Partie. Gutes Auge, unauffällig, aber beherzt ging er zur Sache. Der wird in seine Rolle reinwachsen. Demirbay defensiver aufzustellen, hat sich ausgezahlt. Er konnte wesentlich früher im Spielaufbau das Spiel an sich reißen. Sein Wechselspiel mit Sobottka funktionierte gut. Bolly war unauffällig, hat aber fleißig hinten ausgeholfen. Ihm hat nach vorne der Druck des RV gefehlt – sehen wir es Koch als RV-Debüttanten nach. Pohjanpalo und Ya Konan waren beide sehr viel unterwegs. Sie verteidigten sehr gut mit, ließen nach vorne bis auf wenige Szenen jedoch Torgefahr missen. ABER – auch sie beteiligten sich am kompakten Defensivspiel, was diesmal ein Erfolgsgarant war. Von den Einwechselspielern möchte wir Fink hervorheben. Er packte zwei Mal seine unnachahmliche Grätsche aus und leitete bei einer Szene auch eine gute Torchance ein, indem er einen Traumpass auf Pohjanpalo spielte, der jedoch von den Verteidigern gestellt wurde.
Es gab sehr viel Positives und nur wenig zu meckern. Das ist ein erheblicher Fortschritt. Ein Sieg ist und bleibt ein Sieg. Egal, ob es nun ein Eigentor war, Bielefeld harmlos spielte, oder was auch immer… Solche Spiele haben unsere Jungs auch schon verloren. Daher sagen wir: einfach nur stolz auf diesen Sieg und die Mannschaft sein. Und weil es so schön ist, dann bitte Freitag Abend gegen den letzten Rotz von einem Reagenzglasclub aus Leipzig auswärts punkten.
In diesem Sinne – 95 Olé,
Ingo & Adnan

Mit drei Punkten zum Zoch!

7 Mrz

Unsere Jungs schlagen in recht „biederer“ Manier hochgradig blasse Westfalen und setzen sich von der Gefahrenzone der Tabelle etwas ab. Benschop und Hoffer treffen wieder im Doppelpack und hinten steht die Null. Na, immerhin.

Nee, nee, nee… Das Spiel in Bochum hatte uns alle doch arg genervt. Der uninspirierte „Auf-Nummer-sicher-Fußball“ hatte für einigen Unmut in den Fanforen und Facebook-Seiten gesorgt. Gleichzeitig raubte das Spiel wohl noch dem letzten Enthusiasten die Hoffnung, dass unsere Forteng diese Saison noch irgendwie oben mitspielen könnte. Das dürfte also die Erwartungen etwas senken. Doch eines war vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld klar: Gegner wie Bochum, Bielefeld und nun auch Dresden müssen besiegt werden, um sich ein ausreichendes Polster auf die Gefahrenzone zu sichern. Es würde also die Frage aufkommen, ob unser Chefcoach denn wenigstens gegen diese Gegner etwas offensiver spielen würde.

Aufstellung und taktische Ausrichtung

Altmeister Köstner entschied sich nach dem Schnarch-Kick gegen Bochum für eine offensivere Aufstellung für das Heimspiel gegen die Arminia. Anstelle des bisher gespielten 4-2-3-1 stellte unser neuer Trainer auf 4-4-2 mit Raute um. Für Latka (5.Gelbe) rückte Soares in die Innenverteidigung – Malezas? Nichtmal auf der Bank! Levels und Weber verteidigten außen; Fink gab diesmal den einzigen 6er, denn Lumpi  beackerte zusammen mit Erat die Außenbahnen. Liendl spielte hinter den beiden Spitzen Benschop und Hoffer, der es mal wieder in die Startaufstellung geschafft hatte – er sollte uns allen (und besonders seinem Trainer) zeigen, dass dies die absolut richtige Entscheidung war.

HZ1: The „Schnarch“ continues

Beim Einlauf in die Arena wird Neu-Gäste-Trainer Norbert Meier (völlig zu recht) herzlich von den Fortunen empfangen, aber ab Anstoß gibt es nichts mehr geschenkt. Irgendwie bekommen wir dann auch erstmal genau das geboten, was wir erwartet hatten. Unter Norbert Meier überzeugte F95 meist durch eine gute Defensive und spritzige Konter; in den ersten Spielen unter LGK war das gleiche Spielprinzip zu beobachten und da unser „Ex“ vorhat, ein Team im Abstiegsstrudel zu stabilisieren, wurde hier in guter Tradition auch erstmal auf „Hinten sichern“ gesetzt. Demnach waren die ersten 20 Minuten nicht gerade mit vielen Höhepunkten gespickt. Taktisch disziplinierter Defensivfussball auf beiden Seiten – nicht gerade ein Augenschmaus für den Spektakel-Liebhaber! Obwohl die erste halbwegs nennenswerte Chance von Christian Weber vorgetragen wird, nimmt danach doch eher Bielefeld das Heft in die Hand. Die Fortuna steht zwar noch recht sicher, aber es hagelt Standardsituationen für die Jungs von der Alm, die das Spiel immer besser in den Griff bekommen. Unsere Jungs bekommen kaum mal einen ordentlichen Angriff auf die Reihe, wieder mal zu viele Ungenauigkeiten und Fehler im Aufbauspiel. In der 34. Minute muss dann auch noch unser Kapitän mit Rippenprellung vom Platz, dafür schickt Köstner Ivan Paurevic auf’s Feld, dadurch übernimmt Lindl Lumpis Außenbahnrolle und „Paure“ rückt ins Zentrum. Nach sieben weiteren (eher unspektakulären)  Minuten gibt´s dann aus dem Nichts auf einmal Grund zum Jubeln! Der agile Hoffer steckt nach Fehler der „Biederfelder“ auf halblinks dem durchstartenden Benschop die Murmel zu –  perfekt in den Lauf – Charly nimmt den Ball an und zieht in einer Bewegung sofort ab – „Rubbeldibumms“ –  kein Strahl von einem Schuss, aber sehr platziert und schon rappelt’s  im Kasten der Arminia! Sehr schöne Vorarbeit von Jimmy und schon der 9. Saisontreffer von Benschop: so kanns weitergehen! Vor der Pause wird es aber noch mal kurz gefährlich, Gäste-Stürmer Klos knapp neben Giefers Gehäuse köpft. Doch die letzte Aktion gehört uns: Liendl zieht einen Freistoß aus spitzem Winkel scharf an den langen Pfosten, doch das Ding jagt vorbei. Jutes Jefühl – aber auch nur wegen der Führung. Sonst war es eine maue Halbzeit…

HZ2: Deckel drupp und ab zur Humba!

In der Halbzeitpause ging dann bei uns schon wieder die Sorge um: Führung zur Halbzeit = Angst vor der eigenen Courage für den Rest des Spiels! Aber diesmal sollte uns diese leidige Erfahrung (zur Freude aller Fortunen) erspart bleiben. Dem offensiven Unvermögen der Bielefelder sei es gedankt, dass diese im zweiten Durchgang wenig Gefährliches auf die Reihe bekommen sollten. Selbst Ecken und Freistöße bekamen sie nicht mehr. Immer wieder versucht die Elf von Norbert Meier Stürmer Klos mit langen Bällen in Szene zu setzen, da aber Soares und Bodzek beim Kopfballspiel ihre Stärken haben, sind die Angriffsversuche der Westfalen doch ziemlich harmlos. Besser noch, da das Defensivkonzept von Köstner aufgeht, verteidigt die komplette Mannschaft eng gestaffelt und diszipliniert, so dass die Bielefelder auf gute Distanz zu Giefer gehalten werden. Eigene Chancen spielen unsere Jungs zwar nicht wirklich heraus, trotzdem kontrollieren sie weitesgehend das Geschehen auf dem Rasen. In der 68. Minute wird es Norbert Meier dann entweder zu bunt oder zu langweilig. Auf jeden Fall bringt er mit Przybylko einen zweiten Stürmer, um an seiner alten Wirkungsstätte vielleicht doch noch etwas Zählbares mitzunehmen. Zu Chancen kommt der DSC aber trotzdem nicht.

Ganz im Gegenteil: In Minute 74 schnappt sich Hoffer auf der linken Seite einfach mal die Kugel und setzt zum Solo an. Mit nicht ganz so enger Ballführung zieht er im Tempodribbling nach innen und dabei an der überforderten Bielefelder Abwehrreihe vorbei. Am 16er angekommen, vollendet er seinen Lauf mit einem platzierten Flachschuss gegen die Laufrichtung des Keepers, der keine Chance zur Abwehr hat. Wieder ein Kullerball, aber platziert: 2-0. Nicht zu fassen: Die Fortuna macht mal den Deckel drupp! Die Gäste glauben wohl  wegen unserer Defensivstärke selbst nicht mehr an eine erfolgreiche Aufholjagd. So erleben wir eine recht enspannte Schlussphase ohne größere Höhepunkte und der Sieg wird in trockene Tücher gebracht. Tja… Und dann schallte auch endlich mal wieder „an Tagen wie diesen“ durch die Arena und eine ausgelassene Humba folgte: diesmal von Jimmy. Mit diesem Sieg hatten sich unsere Jungs dann auch ihre feucht-fröhliche Rosenmontagssause verdient!

Fazit & Ausblick

Und nochmal… Nee, nee, nee… Das war jetzt kein überzeugender Sieg. Fußball-Leckerli sehen anders aus. Letztlich haben zwei beherzte Aktionen unserer Stürmer gereicht, um Bielefeld zu besiegen. Aber nun gut – wir müssen das zu schätzen wissen. Denn immerhin hat unser Team nichts zugelassen. Und das, obwohl es gefühlt 15 gut getretene Standards in unseren Strafraum geregnet hat. Sicher, Bielefeld hat nix draus gemacht. Aber wir standen auch recht gut. Das Ziel, eine solide auflaufende Stammelf zu formieren – als Grundlage für ein selbstbewusst auftretendes Team – scheint in greifbarer Nähe. Nun hat sich Lumpi verletzt – wohlgemerkt, nach einem Faul am Gegner. Paurevic dürfte gute Chancen bekommen, ihn zu ersetzen. Beim Auswärtsspiel in Dresden wird LGK vermutlich nicht den offensiveren Halloran auf links aufstellen, während Liendl und Fink die Zentrale beackern und Hoffer und Benschop vorne stürmen. Aber man darf ja dennoch hoffen 🙂

Unter der Woche lasen wir von Trainingsverletzungen bei Weber und Bodzek. Richtig fies hat es Freund Balogun bei seinem Länderspieldebut für Nigeria getroffen: Diagnose „Mittelfußbruch“. Das gefährdet unter Umständen seinen Einsatz bei der WM. Hoffen wir für ihn das Beste. So könnte also in Dresden eine völlig neue Abwehrreihe auflaufen (von rechts nach links): Levels, Soares, Latka, Schmidtgal. Vielleicht werden die Herren Bodzek und Weber aber noch rechtzeitig fit – denn gerade bei Bodzek muss man sagen, dass der Gute sich wieder zu der Bank entwickelt, die er lange Zeit gewesen ist. Auch Fink war gegen Bielefeld mal wieder auf besserem Wege.

Schauen wir nun mal, was die Jungs am Sonntag bei Dünamö so zaubern – sicherlich eines der unangenehmeren Auswärtsspiele, denn die Dynamo-Fans sind zu Hause verdammt stimmgewaltig. Da heißt: Charakter zeigen, um die Kellerkinder der Tabelle weiter auf Distanz halten.

In diesem Sinne – 95Olé

Ingo & Adnan

Gegenseitiges „Rumgeharmlose“ in Bochum

24 Feb

Und wieder ein Unentschieden. Diesmal ohne große Unterschiede in den Halbzeiten. Denn in Bochum waren beide Spielhälften echte Nullnummern.

Das gestrige Gastspiel beim VfL Bochum könnte im Saisonrückblick als ein bedeutungsschweres Spiel gedeutet werden. Es war ein Spiel, das offenbarte, was wir von dieser Saison noch erwarten dürfen. Und die bittere Antwort lautet: herzlich wenig. Und was genau heißt „hezrlich wenig“? Nun, im Grunde all das nicht, was im Fußball Spaß macht: Dramatik, Spannung, Hektik, Erfolg, Spektakel, Kampf, Leidenschaft, Euphorie, Konzept und Strategie. Wobei es letzteres eigentlich gibt: Das Konzept unter Chefcoach Köstner lässt sich unter dem einfachen Slogan „Nur nicht verlieren!“ zusammenfassen. Denn um nichts Anderes geht es einem Trainer, der gegen spielerisch limitierte Gegner ab der 60. Minute defensiv einwechselt.

Die gute Nachricht bei all dem: Wir werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Denn unser Team ist nicht so einfach zu schlagen. Die schlechte Nachricht: Wir werden irgendwo im elendig egalen Tabellenmittelfeld rumkrebsen – so zwischen Rang #13 und #8. Das Traurige daran: In dieser Tabellenregion waren wir schon lange nicht mehr und sind uns nicht gewahr, wie wenig Hektik, Nervenkitzel und Emotionen dort herrschen. Es ist eben dieses uninspiriert bedeutungslose Tabellenmittelfeld. Natürlich kann in all dem auch ein Wert liegen. Nämlich dann, wenn der Plan ist, aus einer gesicherten Zweitligaexistenz in dieser Saison ein zukunftsweisendes ab der kommenden Saison zu starten. Aber mal ehrlich: Seht Ihr dafür Anzeichen…?

Halten wir kurz fest. Die Partie gestern war ja gar nicht mal die schlechteste Saisonleistung. Weit entfernt von manchem Grauen der bisherigen Spiele. Aber es war so unendlich öde und harmlos. Und das Ganze wurde besonders schlimm, weil der Gegner exakt Dasselbe fabrizierte – mit dem Unterschied, dass die Bochumer zwei, drei Mal gefährlich vor unsere Bude kamen. Und, gerade weil das alles so öde war, gibt es diese Woche auch keinen wirklichen Spielbericht – da weigern wir uns einfach. Für diejenigen, die das Spiel nicht gesehen haben, vielleicht einfach mal folgende Abfolge der Geschehenisse:

Giefer spielt einen Abstoß kurz rechts auf Levels. Levels geht zwei Schritte, beschließt aber doch lieber querzulegen auf Bodzek. Der spielt kurzerhand zurück auf Levels. Erat kommt ihm entgegen und kriegt den Ball, spielt zentral zu Fink. Der legt wieder ab auf Bodzek, der rüberspielt zu Latka, der dann die Kirsche weiterleitet zu Weber. Der denkt sich, dass die Pille ja eigentlich mal nach vorne müsste und wagt einen langen, hohen Ball. Der fliegt einen halben Meter über den möglichst hoch springenden Benschop hinweg und landet beim Gegner. Dieser versucht dann, mit seinen ebenfalls recht beschränkten Möglichkeiten, das Spiel irgendwie ins Rollen zu bringen. Da unsere Jungs aber recht zweikampfstark sind und Deniz Aytekin uns irgendwie mag, nehmen wir ihnen angenehm fix das Spielgerät weg. Darauf starten wir so etwas wie einen Versuch des Umschaltspiels. Benschop hatte, gerade doch extrem clever antizipierend, einen Pass abgefangen und leitet einen Angriff aus der eigenen Hälfte ein. Schmidtgal düst links los. Rechts Lumpi und weiter rechts Erat. Doch es will Benschop einfach nicht gelingen, auch nur einen seiner Teamkollegen bei dieser Konterchance anzuspielen. Sein Zuspiel auf Schmidtgal geht kläglich ins Seitenaus. Unsere Jungs waren viel in Ballbesitz und eigentlich nie brenzlich unter Druck. Und dennoch ist es zu keinem Zeitpunkt gelungen, mal einen ordentlichen Angriff zu spielen, oder überhaupt mal zum Torabschluss zu kommen. Das Spiel war derartig ohne Highlights, dass Sky-Moderator, Uli Potowski, sogar die Zeit hatte, sich mit Blick auf unsere Nummer #8 darüber zu freuen, „dass heute auch mal jemand Heinrich heißt; und nicht Kevin“.

Wir betonen gerne noch mal: Das war keine katastrophale Leistung. Mitnichten. Wir haben alle schon viel Schlimmeres gesehen. Aber es passierte einfach nichts Interessantes. Tja, aber da, wo nix passiert, bleiben auch fatale Böcke aus. Und das ist auch wirklich das Einzige, das bei unseren Jungs besser geworden ist. Es bleiben seit Köstner (zumindest bisher) die Aussetzer, die zu Toren führen, aus. Klar, Giefer muss sich ganz schnell fangen. Das Gegentor bei 1860 ist noch frisch im Gedächtnis. Ansonsten werden wir nicht mehr überrannt. Aber wie denn auch… Wir riskieren ja auch nichts mehr. Unter Interimscoach Oli Reck hat man teilweise Feuer nach vorne gesehen. Logischerweise wird man dann aber auch anfällig. Und so ist die alle erste Maßregel unter Köstner: Hinten dicht machen.

Es mag aus einem Bauchgefühl kommen; und es mag auch alles anders werden. Aber so macht es wirklich nur bedingt Freude, der Mannschaft zuzusehen. Fehlervermeidung als oberste Maxime ist eben vor allem nur eines: langweilig. Jungs auf dem Platz zu sehen, die gallig auf Gewinnen sind… Das wünscht man sich eher.

Symptomatisch für diese Marschroute unter Köstner war der Wechsel in der 90. Minute (Balogun kam für Lumpi). Wechsel zu diesem Zeitpunkt dienen eigentlich IMMER dem Zeitspiel, um ein Ergebnis über die Zeit zu retten. Das 0-0 war also das zu rettende Ergebnis. Und das, obwohl es nie in Gefahr war…

Am kommenden Spieltag erwartet uns ein etwas überraschendes Wiedersehen mit Norbert Meier. Dann ist wenigstens emotional ein wenig was los.

In diesem Sinne, 95 OLÉ
Adnan & Ingo

 

Die Talfahrt geht weiter – ohne Büskens!

1 Dez

Unsere Jungs zeigen im Ansatz die beste Leistung der vergangenen Horror-Wochen, lassen aber erneut viele Chancen zu. Zwei davon nutzt der KSC. Und da Bolly total austitscht, gibt es auch in Unterzahl keine Aufholjagd. Wir sind in der Abstiegszone angekommen.

Manchmal ist es gut, wenn nach einem Katastrophenspiel nicht viel Zeit vergeht. So gibt es schnell Gelegenheit, Schlimmes in Vergessenheit zu schießen. Und jedes Gott verdammte Mal sieht man den Jungs beim Aufwärmen zu und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Erfolgserlebnis. Für sie. Für uns! Heute, so denkt man, könnte es doch endlich klappen. Doch es sollte wieder nicht sein. Wir haben zeitweise richtig gute Ansätze gezeigt – hier und da echte Lichtblicke. Eigentlich war es doch das beste Spiel unserer Jungs seit vielen, Wochen. Aber das Ergebnis…? Ein bitteres 0-2 gegen eiskalte aber keineswegs starke Karlsuher. Am Morgen danach wird dann auch noch Mike Büskens rausgeschmissen. Arbeiten wir mal alles der Reihe nach auf.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Und wieder versuchte Mike Büskens personell was Neues. Levels, Weber, Bolly und Halloran kamen für Balogun, Ramirez, Paurevic und Bancé. Hinzu kam noch das Startelf-Debüt von Michael Rensing. Aus dem 4-1-3-2 (der klassischen Raute) wurde wieder ein 4-4-2 mit zwei Sechsern und zwei Flügelspielern. Auch wenn Veränderungen zu begrüßen sind, durfte man sich erneut Sorgen um die „Abstimmung“ machen,  denn die Umstellungen betrafen wieder alle Mannschaftsteile: zwei neue Flügelpärchen, ein neues zentrales Mittelfeld mit Fink und Gartner sowie ein neues Offensivduo. Die Außenverteidigerpositionen wurden ebenfalls komplett neu besetzt.

1. HZ: Gewillt aber ungefährlich

Als das Spiel losgeht, werden wir in den ersten 15 Minuten ob unserer nicht-existenten Erwartungshaltung positiv überrascht. Die Fortuna zeigt eine Leistung wie zu Beginn der Saison. Unsere Jungs WOLLEN und versuchen den Karlsruhern ihr Spiel aufzudrücken. Die Fortuna greift an und zeigt wahrlich nette Spielzüge, die jedoch zu keiner Zeit wirklich gefährlich werden. Immerhin scheint die Einstellung zu stimmen. Außerdem scheinen die Jungs daran erinnert worden zu sein, dass man, um Tore zu schießen, auch mal auf’s Tor schießen muss! Aus nahezu jeder Lage wird draufgepöhlt – wenn auch erfolglos. Wir sind zu diesem Zeitpunkt richtig optimistisch, haben aber trotzdem durchgehend das morsche Nervengerüst unserer Truppe im Hinterkopf. Zu oft schon in den letzten Monaten hatte die Fortuna kurzzeitig gute Ansätze gezeigt, es aber dabei verpasst, sich durch Tore selbst zu belohnen und den Gegner dann bei wachsender Unsicherheit durch Fehler zu Toren einzuladen.

Die erste Chance für den KSC versetzt dann unserer Zuversicht sofort einen Knacks. In der 16. Minute läßt Hennings auf unserer rechten Seite Tobi Levels ziemlich alt aussehen und flankt flach in den Strafraum. Soares rutscht irgendwie unter den Ball und nur die „EM2008-Gomez’sche“ Ballverwertung von van der Biezen verhindert den frühen Rückstand. Der Karlsruher Stürmer trifft aus einem Meter das Tor nicht. In der Folge wirkt unsere Mannschaft wieder gehemmt und der KSC, der sich zuvor nur auf sicheres Defensivspiel konzentriert hatte, fängt auf einmal an, gefährlich zu kontern. Innerhalb von zehn Minuten spielen die Gäste drei, vier Angriffe heraus, die allesamt mehr Gefahr ausstrahlen, als die Offensivbemühungen der Fortuna. In der 27. Minute kann Halloran gerade noch per Kopf auf der Linie klären und nur eine Minute später bricht der Frust wieder über uns und allen Fortunen ein. Wieder kann unsere rechte Seite eine flache Hereingabe nicht verhindern und der am 16ner lauernde Alibaz ballert die Kugel per Direktabnahme brachial unter die Latte. Keine Chance für Rensing. 0:1. Doch angesichsts der guten Anfangsphase bleiben wir zuversichtlich. Noch sind über 60 Minuten zu spielen und die Truppe fällt auch nicht sofort auseinander.

Zwar fehlt unseren Jungs merklich die Sicherheit der Anfangsviertelstunde, doch sind die Fortunen immer noch gewillt, den Spieß umzudrehen. Karlsruhe steht aber diszipliniert und bringt unsere Jungs so zur Verzweiflung; außer ein paar unplatzierten Distanzschüssen kriegen wir nämlich recht wenig gebacken. In der 44.Minute wird es aber vor unserem Tor noch mal brandgefährlich: Levels schaltete viel zu spät, als ein Abpraller von Fink zur gefährlichen Vorlage für einen Karlsruher Angriff wird. Zwar gelingt es Levels zunächst, seinen Gegenspieler zu stellen, doch dieser läßt ihn mit einer einfachen Körpertäuschung stehen und kann maßgenau auf Peitz flanken, der aus bester Position knapp über das Gehäuse köpft. Beachtlich ist dann, was Bolly macht: Voller Wut schreit er aus dem Fünfmeterraum den völlig verdutzten Levels zusammen und stutzt ihn wild gestikulierend zurecht. Zu diesem Zeitpunkt war es ein positives Zeichen, so viel Leben in Bolly zu sehen. Dann geht es auch schon in die Kabine.

2. HZ: Der Würgeschubser

Die zweite Hälfte geht dann im Grunde genauso weiter. Die Fortuna will, kommt aber auf keinen grünen Zweig. Dafür sind unsere Angriffe zu unpräzise und mit zu vielen individuellen Unzulänglichkeiten gespickt. Und unsere Abwehr steht einfach nicht sicher. Latka, der Garant für Ruhe und Sicherheit, holt sich zuletzt immer wieder Gelbe Karten – so auch diesmal. Büskens reagiert und nimmt ihn vom Feld – für ihn bringt er aber nicht Nationalverteidiger Malezas, sondern Freund Balogun. Seltsame Entscheidung.

Nun denn – unsere Jungs suchen irgendwie den Weg nach vorne, doch Karlsruhe steht tief und sicher in der eigenen Hälfte und raubt so der Fortuna, ganz geduldig, den letzten Nerv… ganz offensichtlich den von Mathis Bolly! Nach einer Chance für Karlsruhe in der 69. Minute, die durch Rensing zur Ecke geklärt wird, gerät der ivorische Norweger mit Gegenspieler Klingmann aneinander. Wie bei Michael Douglas in „Falling Down“ brennt  ihm dabei der komplette Sicherungskasten durch. Zuerst wird Klingmann beim Weggehen von hinten gestoßen, als er sich dann umdreht, setzt Bolly zum „Würgeschubser“ an, packt den Gegner mit beiden Händen am Hals, drückt ein bisserl zu und stößt ihn um. Deutlicher und dummer kann man keine Rote Karte erhalten! Bolly schreitet unter Pfiffen in die Katakomben. Danach fällt natürlich auch noch sofort der zweite Treffer der Gäste durch einen Kopfball von Dominic „Domme“ Peitz.

Der Ausdruck „Bärendienst“ ist für diese Aktion viel zu schwach, denn dieser Ausraster von Bolly ist der „Game Breaker“. Nichts geht mehr – rien ne va plus – das Selbstbewußtsein ist auf Höhe der Kreidemarkierungen auf dem Spielfeld. Mike Büskens versucht noch einmal Akzente zu setzen und bringt mit Bancé und Hoffer  zwei frische Stürmer. Aber jedem leidenden Zuschauer und Akteur ist für die Schlussphase klar: das war’s. Der Rest ist kaum noch zu beschreiben. Konsternierte Spieler traben auf dem Platz herum. Und auf den Rängen wird in aller Ironie „Oh, wie ist das schön!“ angestimmt. Der Schlusspfiff war leider eine echte Erlösung.

Was… erlaube… Bolly???

Mathis Bolly gehörte in den vergangenen Monaten zu den besonders fragwürdigen Personalentscheidungen von Mike Büskens. Immer und immer wieder bekam er seine Chance. Das Problem ist nur: Nicht ein einziges Mal seit seinem Treffer gegen Wolfsburg im vergangenen März (!) konnte Bolly beweisen, dass er eine echte Option ist. Und dennoch wurde er immer wieder aufgestellt. Auch bei Einwechslungen war er stets erste Wahl. Das kann und muss man kritisieren. Gleichzeitig, so dachten wir, ist es auch mal wichtig, einem Spieler volles Vertrauen zu schenken – etwas, das Kenia, Halloran oder Gianniotas auch mal brauchen könnten. Daher ist es umso BESCHÄMENDER, dass sich Bolly im gestrigen Spiel diesen Aussetzer leistet. So geht man schließlich nicht mit Vertrauen um. Und das Spiel war echt noch nicht gelaufen; unsere Truppe weiter gewillt, das Ding zu drehen. Bei den unterirdischen Partien gegen Paderborn, gegen Aalen, in Aue, wo absolut gar nichts lief, mag es Restverständnis für einen solchen Aussetzer geben. Ja, selbst in der 88. Minute bei aussichtslosem Rückstand. Aber so…? Nein! Da hat der gute Bolly sich, dem Trainer und der Mannschaft einen fürchterlichen Bärendienst erwiesen. Da es zudem eine klare Tätlichkeit war, dürfte er drei bis vier Spiele gesperrt sein. Sein Standing wird lange beschädigt bleiben.

Aus für Büskens und die Frage des Zeitpunkts!

Dass es mit Mike Büskens und unserer Mannschaft nicht funktioniert, war die vergangenen Wochen nun wirklich deutlich zu sehen. Daher war sein Rauswurf letztlich nur eine Frage der Zeit. Und während der Vorstand nach den Blamagen gegen Paderborn, Aalen und Aue nichts unternahm, wurde jetzt nach einer im Vergleich passablen Partie – die aber ebenfalls verloren ging – die Reißleine gezogen. Diese Niederlage fühlte sich eigentlich besser an als der Sieg gegen Sandhausen – so absurd es klingt. Die Mannschaft wirkte einfach anders. Und so muss man sich fragen: War das der richtige Zeitpunkt? Es gab wirklich einige Lichtblicke: Gartner, Halloran, Weber, Ansätze von Kombinationsspiel… Die entscheidende Frage ist nun: Hat das die Mannschaft von sich aus hinbekommen oder hatte Büskens neue Wege gefunden? Sollte Letzteres der Fall sein, wird genau das nun im Keim erstickt, was die Jungs zu einer besseren Spielanlage verholfen hatte. Klar – wir können nur spekulieren. Doch es mutet seltsam an, einen Trainer genau dann abzusägen, wenn wenigstens ein Fünkchen Hoffnung auf tatsächliche Änderung zu sehen war. Daher an dieser Stelle schon unsere erste „Frage der Woche“:

An den Häppchen verschluckt – die Brocken vor Augen!

Die vergangenen Wochen durften wir gegen die komplette Palette (unter-)durchschnittlicher Zweitligateams ran: Ingolstadt, Paderborn, Aalen, Sandhausen, Aue und Karlsruhe: 6 Punkte und 4:13 Tore sind die Bilanz. Jetzt kommen die Brocken: Kaiserslautern, Cottbus, Köln – im neuen Jahr 1860, Bochum und später St. Pauli. Eins ist klar: Nur wenn die Mannschaft an die wenigen Lichtblicke gegen den KSC anknüpft, wird sie gegen diese Gegner eine Chance haben. Das wird in aller erster Linie eine Kopfsache. Es ist unabdingbar, zu erkennen, dass dieses letzte Spiel trotz der Niederlage ein Schritt nach vorne war – spielerisch wohlgemerkt. Mit angeknackstem Ego geht man auf dem Betze unter…

Egal, wer jetzt die Jungs coacht: Er muss ihnen Mut, Mut und nochmals Mut zusprechen. Doch wer genau soll genau das tun? Uwe Klein? Oliver Reck? Ist das der Moment für Sascha Rösler, sich einzubringen? Sollte ein Jens Langeneke tatsächlich zurückgeholt werden? Der eine Rückkehrer, Christian Weber, hat seinen Part bestens erfüllt. Dadurch wird vor allem eines deutlich: Auch Fußball findet im Kopf statt. Mit klarem Kopf stärkt man die Mannschaft. Allein aus diesem Grund ist dieser Tage vor allem ein mental und psychisch gut ausgebildeter Trainer gefragt. Einer, der die Jungs da unten aus ihrem Loch rausholt. Wir können nur hoffen, dass man diesen jemand alsbald findet.

Aufgrund der Ereignisse in dieser Woche haben wir sogar noch eine zweite Fragen an Euch:

Wir schreiben & lesen uns in einer Woche,

Ingo & Adnan

Unsere Bundesligasaison in der Retrospektive

3 Jun

Knapp zwei Wochen sind seit dem bitteren Last-Minute-Abstieg der Fortuna vergangen. In dieser Zeit versuchten Vorstand und Aufsichtsrat, die Gründe des Rückrunden-Absturzes zu analysieren. Dabei machte die Chefetage der Fortuna trotz bester Absichten keine glückliche Figur. Auf der Zielgeraden der Saison 12/13 stolpert die Fortuna über die eigenen Füße und sieht die zur Saisonhälfte meilenweit entfernte Konkurrenz freudentrunken an sich vorbeiziehen. Das Relegationsdrama zum Aufstieg und die „Maulwurfaffäre“ zum Abstieg rahmen diese Saison „fortunesk“ ein. Die launische Diva vom Rhein macht ihrem Ruf auch nach Jahren der Bundesligaabstinez wieder alle Ehre.

Als „Anfang vom Ende“ können getrost das verlorene Pokalspiel gegen Offenbach und die unnötige Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Augsburg betrachtet werden. In beiden Begegnungen kam unsere Mannschaft mit der Favoritenbürde nicht zurecht, leistete sich gegen Offenbach einen streckenweise arroganten Auftritt. Und gegen Augsburg taten wir irgendwie alles, um ihnen klarzumachen, dass für sie noch alles drin ist. Das war dumm und ärgerlich. Denn in der Hinrunde begeisterten uns unsere Jungs und überraschten die gesamte Liga mit diszipliniertem Defensivspiel und effizientem Konterfußball. So konnten sie den spielerisch eigentlich immer überlegenen Gegnern 21 Punkte abluchsen. Aber wie auch schon in der Rückrunde der Aufstiegssaison begann das Nervenkostüm der Protagonisten mit der steigenden Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und des Umfeldes zu bröckeln. Angst vor der eigenen Courage nennt man wohl so etwas! Gegen Offenbach war die Mannschaft damit überfordert, einem unterklassigen Gegner klarzumachen, wer hier der fußballerische Boss ist – wir ließen „unsere“ Tugenden missen, mit denen aber die Kickers in die Partie gingen und uns genau aus diesem Grund besiegten. Die Überheblichkeit, die wir dort zeigten, war einigen Bundesligisten in der Hinrunde gegen uns bereits zum Verhängnis geworden – Hochmut kommt schließlich vor dem Fall! Die dämlich bis dramatische Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen die Pupsburger Augenkiste sollte leider ein warnendes Beispiel für die gesamte Rückrunde werden: F95 baut den Gegner durch eigene Fehler auf, semmelt sich die Gegentore im „The Three Stooges“-Style teilweise selbst slapstickartig in die Maschen; hohe Fehlpassquoten, Konzentrationsmängel und technische Defizite nagen am Selbstvertrauen. Die Mannschaft wacht zudem erst in der Schlussphase auf und scheitert dann äußerst knapp daran, noch etwas zählbares mitzunehmen – na, kommt Euch dieses Muster bekannt vor…? Auch das vom Schiedsichter fälschlicherweise anulierte Ausgleichstor in der Nachspielzeit durch Reise ist ebenfalls ein gutes Beispiel für einige unglückliche Schiedsrichterentscheidungen, die gegen uns entlang der Rückrunde getroffen wurden. Gegen Dortmund und Nürnberg wurden uns im Endspurt zwei eindeutige Elfmeter verweigert – Stichwort „wahre Tabelle“. Bei anderen Spielen (Frankfurt, Hamburg) standen einer erfolgreich abgeschlossenen Aufholjagd die eigene fehlende Präzision und Qualität oder einfach auch nur Pech im Weg…

Aber das war ja lange nicht alles… Die unerträgliche Verletztenmisere tat ihr Übriges und zwang die sportliche Leitung an beinahe jedem Spieltag dazu, Umstellungen in der Startelf vorzunehmen. Zahlreiche Spieler fielen mehrfach mit Muskelverletzungen aus, so dass immer wieder wichtige Säulen und Alternativen in der Truppe kurz- bis mittelfristig wegbrachen. Diese Häufigkeit zu kompensieren, würde auch Top-Teams der Liga schwer fallen. Bei einem Aufsteiger und Verein mit dem geringsten Kaderwert der Liga ist diese Anzahl an Ausfällen mitsamt ihrer fast schon peinlichen Regelmäßigkeit fatal.

Was aber jeden Fortunen am heftigsten schockierte, war diese vermaledeite Lethargie und „Blutleere“, mit der die Mannschaft in der Rückrunde teilweise auftrat. Das, was die Mannschaft unter Norbert Meiers Leitung eigentlich immer ausgezeichnet hatte, schien auf einmal gestört. Seit dem Abstieg und durch das damit verbundene Medienchaos sind nun diverse Gerüchte öffentlich geworden. Es habe Risse in Mannschaftsgefüge und Trainerteam gegeben, heißt es. Wer genauer hinsieht, konnte dies auf dem Platz, beim Aufwärmen und auch nach den Spielen von der Tribüne aus erkennen. Da war irgendetwas gebrochen. Negativer Höhepunkt hierzu bleibt das Ausbleiben jedweder Gratulation für Dani Schahin, als er in Frankfurt den Anschlusstreffer zum 1-2 erzielte. Wie wichtig der mannschaftliche Zusammenhalt ist, und wie wertvoll die Floskel „11 Freunde müsst Ihr sein!“ ist, zeigten – ja, Ihr müsst jetzt stark sein – die Bayern auf recht beeindruckende Weise. Klar, das fällt einem leicht, wenn man erfolgreich ist. Aber Erfolgsdruck kann auch zermürbend sein. Wenn man sieht, wie die Bayern mit Zusammenhalt, Hingabe und Leidenschaft die Übermacht FC Barcelona in Grund und Boden spielten, wird deutlich, dass es auf allen (Qualitäts-)Ebenen notwendig ist, Einsatzwillen zu zeigen und über sich hinauszuwachsen. Bei unseren Jungs war gerade zum Ende der Saison einfach jedwede Galligkeit weg. Überzeugung und Selbstvertrauen zeichnen den Profi neben technischen Fertigkeiten aus. Im Falle unserer Jungs sind aber gerade diese „softskills“ weggebrochen.

Understatement – oder der Drang, sich selbst schwach zu reden.

In den letzten Spielzeiten sind wir eigentlich immer als Underdog gestartet. Zumindest aus eigener Sicht. Die Strategie des Understatements funktionierte ja auch prächtig: zwei Aufstiege in fünf Jahren sind eine eindrucksvolle Bilanz. Dabei wurde eine sparsame Transferpolitik an den Tag gelegt, die den Verein in der Zwischenzeit auch noch finanziell gesunden ließ. Es wurden keine Sprüche gekloppt – weder im Erfolg, noch in der Krise. Man war sich immer bewusst, wo man herkommt. Diese Einstellung ist an sich sehr löblich und sympathisch – das eigene Licht aber zu oft unter den Scheffel zustellen, birgt auch eine gewisse psychologische Gefahr in sich: dass man sich nicht wirklich vergegenwärtigt, wo man im hier und jetzt eigentlich steht.

Da zeigen die letzten zwei Jahre des Auf- und Abstiegs deutliche Parallelen: In der Aufstiegssaison 11/12 spielte die Fortuna eine Rekordhinrunde. Als Spitzenreiter mit bis dato unerreichter Punktzahl waren wir klarer Favorit auf den direkten Aufstieg. Das entwickelte sich aber für unsere Jungs zu einer Bürde; anstatt die Herausforderung anzunehmen und Selbstbewußtsein zu demonstrieren, wurde betont „dass wir nicht aufsteigen müssen“ und wir doch wirklich „gar nichts zu verlieren“ hätten. Der Verein versäumte zudem, dem Rösler-Veh-Theater etwas entgegenzusetzen und der Transferwirbel um Leistungsträger wie Beister und Luki kamen erschwerend hinzu: die Jungs wirkten weniger fokussiert und die spielerischen Dinge, die Wochen zuvor noch funktionierten, misslangen nun. Es schien beinahe, als würde das „Aufstiegsgespenst“ rumgeistern. Am Ende retteten wir uns nur durch das um vier Treffer besser Torverhältnis in die Relegation. Damals funktionierte es, von Spieltag zu Spieltag „auf pump“ durchzukommen… Warum dieser Rückblick auf 2011/12, fragt Ihr vielleicht. Naja, weil die Ähnlichkeit zu der gerade beendeten Spielzeit fast schon erschreckend ist. Der entscheidende Unterschied ist aber eine andere psychologische Ausgansposition und das andere Klassement: im letzten Jahr ging es in der Endphase gegen Union, Führt und den MSV, mit der Möglichkeit vor Augen, in die Bundesliga aufzusteigen. Also immer noch mit einem positiven Ziel vor Augen und gegen Gegner, die von der Qualität her im höchsten Fall auf Augenhöhe waren. Diesmal sollten es nun mal Hamburg, Dortmund, Frankfurt, Nürnberg und Hannover sein…

2012/13 erkämpften wir uns als Abstiegskandidat Nr.1 grandiose 21 Punkte in der Hinrunde und waren 12 Punkte von #17 entfernt. Längst hatte unser Team unter Beweis gestellt, dass es in diese Liga gehört. Auch diesmal bleibt die Fortuna bescheiden und erzählt jedem, der es nicht hören will, dass das aber nochmal eng werden wird. Natürlich muss man Realist bleiben. Gerade in Düsseldorf und bei der Fortuna, denn bei manchen erwachten schon Phantasien zur Euro-League-Teilnahme! Aber die psychologische Message an die eigenen Spieler war dann eine falsche; zumindest wirkte es so bei uns. Statt dem Team und der Öffentlichkeit klar zu machen, dass wir gekommen sind, um zu bleiben, wurden Unsicherheiten geweckt. Deplatzierte Demut könnte man das nennen. Von Spieltag zu Spieltag, von Misserfolg zu Misserfolg schien das Gesamtego schwächer zu werden und Norbert Meier verlor den Zugang. Die Mannschaft baute auch in puncto Zusammenhalt ab. Kloppereien im Training waren da der negative Höhepunkt. Da hatte unser Chefcoach die Jungs bereits nicht mehr im Griff und konnte kein Feuer, kein Selbstbewusstsein und keine Willensstärke mehr entfachen. Dies führt bei der hohen Qualität in der Bundesliga leider nun mal zum Abstieg. Die Frankfurter Eintracht ist mal mit 26 Punkten aus der Hinrunde abgeschmiert… „Auf Pump“ von Spieltag zu Spieltag krebsen, ist nicht. Denn so geht erste Liga einfach nicht.

Aber einen nicht zu verachtenden Mosaikstein zum Abstieg haben leider auch wir Fans geliefert. Die aus dem Platzsturm resultierenden, zwei halben Geisterspiele zu Beginn der Saison führten zu Unruhe unter den Fans, der zwischenzeitliche Supportrückzug der Ultras im Zuge der Diskussionen um das Sicherheitspapier und die damit verbundenen Reibereien zwischen den verschiedenen Fangruppen (mit peinlichsten Medienberichten und Foreneinträgen) haben den Support in wichtigen Phasen „zerknüsselt“ und fatal beeinträchtigt. Die Fans waren teilweise zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben sich nicht auf das Wesentliche – das Supporten – konzentriert. In diesem Punkt haben sich Mannschaft und Fans durchaus geähnelt. Dabei ist der Schulterschluss bei uns so enorm wichtig. Wir mögen unsere Gründe gehabt haben – zweifellos – sollten uns aber auch einer gewissen Mitverantwortung stellen.

Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg!

Seit letzter Woche ist es nun amtlich, Norbert Meier ist nicht mehr unser Chefcoach. Wie es die Spatzen schon seit Tagen von den Dächern plärren, ist der Düsseldorfer Jong, Mike Büskens, nach einheitlichen Medienberichten, der neue Mann auf unserer Trainerbank. Wir finden: Das passt wie die Faust auf’s Auge! In der Saison 89/90 standen wir als halbwüchsige Pimpfe Fahnen schwenkend im 36er des zugigen und kläglich unterbesetzten Rheinstadions. Ein blonder Jüngling spielte sich auf der linken Seite der Fortuna direkt in unsere Herzen. In seinen Jahren als Fortuna-Stütze war Büskens der Axel Bellinghausen seiner Zeit und dazu noch in Flingern geboren. Er ist einer von uns. Dynamik, Laufbereitschaft und Leidenschaft auf dem Spielfeld zeichneten den späteren Europapokal-Sieger aus. Diese Tugenden vermittelte er als Trainer den Fürthern (davor ewig Zweitligavierter), die in der Saison 11/12 unter ihm souverän und einen guten Ball spielend, in die Bundesliga aufgestiegen…

Die Aussicht auf Büskens als Chefcoach weckt die Lust auf die neue Saison, in der wir nun seit Jahren auch ENDLICH mal wieder den Kölnern schöne Derbyniederlagen zufügen können. Der Kader der Fortuna ist für die 2. Liga hervorragend aufgestellt. Mit Latka und Malezas haben wir zwei Bomben-Innenverteidiger für’s Unterhaus; mit Bolly, Garbuschewski, Omae, Axel, Lumpi und dem neuen Aussi-Flitzer Halloran schon einige Spieler, die die Offensive ankurbeln werden; Bodzek ist als 6er ’ne echte Bank und Reisinger und Schahin haben das Zeug, in der 2. Liga um die Torjägerkanone mitzuballern. Mit den Neuzugängen Rensing und Schmidtgal hat die sportliche Leitung die Abgänge von Almer und Jojo mehr als kompensiert. Wenn sich Wolf Werner und Mike Büskens noch auf 1-2 Zugänge einigen, die den Kader gezielt in der qualitativen Spitze verstärken (wir hätten ja gerne Occean oder Poté), kriegen wir die Truppe richtig rund. Gleichzeitig sollten aber manche Neuzugänge dieser Saison noch ihre Chance bekommen – Wegkamp und Garbuschewski allen voran. Schaut an sich aber dieses Team an, haben wir gute Chancen, nächstes Jahr um diese Zeit wieder den Aufstieg zu feiern. … und vielleicht diesmal ohne Relegationsdrama!  🙂
Hechzlischen Dank

Zu guter Letzt wollen wir uns nach dieser spannenden Saison und des Starts unseres Blogs explizit bei Norbert Meier bedanken. Für die viele sagenhaft schönen Momente und eine „geile Zeit“, wie er selbst so schön gesagt hat. Die Reinkarnation von F95 ist eng mit seinem Namen verbunden und er wird uns allen als positiver Meilenstein der Fortunageschichte in Erinnerung bleiben.

Danke auch an Euch, die Ihr sogar mal zu zweieinhalbtausenden (!) unsere Spielberichte gelesen habt. Das macht uns mächtig stolz und befeuert die Motivation, unseren Blog kommende Saison fortzuführen. Also: bleibt uns als Leserschaft erhalten!

Vorerst verbleiben wir mit einem inbrünstigen 95 OLÉ

Ingo & Adnan

Ende des Abenteuers Bundesliga

19 Mai

Das war’s. Nach dem 0-3 in Hannover und den Siegen von Augsburg und Hoffenheim ist unser Schicksal besiegelt. Es geht wieder ins Unterhaus. Gerade unser letztes Spiel zeigte jedoch deutlich, dass wir da sportlich auch hingehören.

34 Spieltage bedeuten 3060 Minuten „Abenteuer Bundesliga“. Von diesen 3060 Minuten verbrachten wir satte 3006 oberhalb der Gefahrenzone. Und erst nach 3052 Minuten – nur 8 Minuten vor Ende der Saison – rutschten wir plötzlich unwiderruflich auf einen direkten Abstiegsplatz. Natürlich wirkte dieser Absturz am gestrigen Tag hochgradig brutal. Nur wird wohl kaum ein Fortune leugnen, dass es sich in den vergangenen Wochen und Monaten abgezeichnet hatte – gestern wurde lediglich eiskalt abgerechnet. Das Ganze wurde emotional dadurch zugespitzt, dass wir in gewisser Weise unseren „Schalke-Moment“ erlebten, als plötzlich die Nachricht des Dortmunder Ausgleichtreffers einging und sich alle nach und nach in Armen lagen, Spieler plötzlich wieder ihre Fäuste ballten. Doch wenig später sickert durch, dass dieser Treffen nicht gegeben worden ist. Ähnlich war es zu Beginn des Spiels mit dem Elfmeter von Fürth, der wiederholt werden musste. Auch da kam erst Jubel auf, der dann wieder im Keim erstickt werden musste. Und so realisierten nach dem Spiel ca. 6.000 Fortunen auf den Rängen und die Mannschaft unten auf dem Feld, dass es nun aus ist. Viele hatte Tränen in den Augen, andere ihre Gesichter hinter Händen und Schal versteckt. Wiederum andere blickten mit blassen Gesichtern Richtung Mannschaft und hätten wohl am liebsten jeden Einzelnen umarmt. Viele von unseren Spielern weinten bitterlich. Diese Momente des nervösen Wartens auf die anderen Ergebnisse haben die Jungs da unten und uns auf den Rängen, ebenso wie die daheimgebliebenen vor Fernsehern und Leinwänden in der Alstadt nah zueinandergeführt. Überhaupt erlebte unsere Mannschaft in Hannover wieder einen Support, der vom Allerfeinsten war. Unmittelbar vor Spielbeginn hat es vermutlich einen der emotionalsten Momente dieser Saison gegeben – als es zwischen Mannschaft und Fans einen Schulterschluss gab, der manchem bereits zu dem Zeitpunkt die Tränen in die Augen schießen ließ: Nach der Platzwahl wurde auf dem Rasen – wie üblich – untereinander abgeklatscht. Doch dann liefen unsere Jungs geschlossen und mitsamt der Ersatzspieler auf unsere Kurve zu (hier im Clip ab 07.30min zu sehen). Gebfalle Fäuste, kampfbereite, leidenschaftliche Blicke und Schreie erfolgten in unsere Richtung – und die Kurve antwortete mit den lautesten „Fortuna, Fortuna, Fortuna“-Rufen, die man an diesem Tag erleben sollte. Nach diesem Moment hatte man wahrlich das Gefühl, nun gemeinsam Berge versetzen zu können…

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Motiviert, engagiert, aber leider zu harmlos.

Zum Spiel: In die Kategorie „Muskelverletzung“ gesellte sich kurzerhand noch Stelios Malezas, sodass unser Chefcoach Einiges umzustellen hatte. Er entschied sich dazu, Bodzek und Langeneke in der Innenverteidigung beginnen zu lassen und stellte überraschend Paurevic und Fink ins zentrale Mittelfeld. Bolly und Schahin sollten in der Offensive für Gefahr sorgen, Lumpi und Weber (ein gefeierter Rückkehrer) übernahmen die rechte Seite. Unser Trainer versprach sich von dieser Aufstellung die Umsetzung seines taktischen Konzepts: aus einer sicheren Defensive heraus schnell über die Außen in die Spitze zu spielen, um so mit schnellem Umschaltspiel zu Torchancen zu kommen. Mit diesem System sind wir aufgestiegen und haben in der Hinrunde dieser Saison 21 Punkte geholt. Leider ist aber das Spielsystem von H96 Trainer Mirko Slomka identisch und ihm stehen zudem die besseren Einzelspieler zur Verfügung. Slomkas „10 Sekunden-Philosophie“ – max. 10 Sekunden von Balleroberung bis Torabschluss – ist bei den Hannoveranern in Mark und Bein übergegangen. Dass die 96er zusätzlich noch den psycholgischen Vorteil auf ihrer Seite hatten und uns kommen lassen konnten, sollte es für uns noch schwieriger machen. Aber unsere Fortunen präsentieren sich vom Anpfiff weg mutig und gut organisiert. Sie versuchen das Heft in die Hand zu nehmen. Der Gegner zieht sich zurück und schaut sich erstmal an, was wir in der Offensive so zu bieten haben. Es dauert allerdings recht lang, bis wir zum ersten mal gefährlich vor Zieler auftauchen. Mächtige Aufregung gibt es allerdings schon, da Fürth in Augsburg in der 3. Minute einen Elfer bekommt und diesen auch verwandelt. Die Kurve, wo Adnan zugegen war, freut sich, und die Altstadt, die Ingo mit massig Fortunen in einen virtuellen Auswärtsblock verwandelt hatte, tobt. Bis wir merken, dass selbiger Elfmeter wiederholt und verschossen wird – welch ein Elend. Doch dann kommen endlich unsere Jungs mit zwingender Aktion. In der 25. Minute, schlägt der überzeugende Weber eine der wohl besten Flanken, die wir in dieser Saison erleben durften, auf unseren Kapitän, der jedoch leider am Tor vorbei köpft. Aber wir schöpfen Mut. Unsere Jungs kommen immer wieder gut über’s Mittelfeld, doch danach fehlen Ideen, Vermögen und Entschlossenheit. Und die Hannoveraner setzen in der 36. Minute zum ersten Mal das Spielsystem ihres Trainers an diesem Nachmittag perfekt um. Freistoss für die 96er am eigenen 16er, Pinto verlängert auf Cherundolo, dieser passt in den Lauf von Diouf, Bodzek kann nicht ausreichend stören und der Stürmer schiebt den Ball ganz simpel an Giefer vorbei ins Tor. Schnell, einfach, effektiv in unter 10 Sekunden – Slomka dürfte mit der Zunge geschnalzt haben. Alle Fortunen kommen bei diesem Angriff, den Hannover direkt und eiskalt vorträgt, zu spät. Trotz des Rückstands stecken die Fortunen aber nicht auf. Wenig später nach schönem Pass von Paurevic läuft Bolly mit gelungener Ballannahme alleine auf des Gegners Tor zu, umspielt Zieler, wird dabei aber zu stark nach aussen gedrängt, so dass sein Torschuss vom zurückgeeilten Djourou auf der Linie per Hüfte geblockt wird. Es wäre ein so guter Zeitpunkt… Ach… lassen wir die „wäre, hätte“-Geschichten gleich bleiben – wir haben den ganzen Keller voll davon… DENNOCH: Zur Halbzeitpause haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Hannover liegt nur mit einem Tor vorne, wir erspielen uns Chancen, Augsburg führt auch nur mit einem Treffer gegen Fürth und der BVB liegt gegen Hoffenheim in Führung.

Erst verlässt uns die Hoffnung, dann das Verlassen auf Andere

Die Zweite Hälfte beginnt auch wieder ganz ordentlich; die Fortuna setzt den Gegner unter Druck, schafft es aber weiter nicht, wirklich gefährlich vors Tor zu kommen. Wie schlecht es um unsere Abschlussqualitäten bestellt ist, offenbarte besonders die vergebene Chance vom eingewechselten Reisinger in der 55. Minute: Reise bekommt den Ball am Strafraum, legt ihn an zwei Gegnern vorbei und schießt den im Abseits stehenden Schahin an… Einfach bitter! Die 96er setzen die Philosopie ihres Trainers in Minute 61 hingegen erneut viel zu gut um. Mit drei schnellen Pässen wird unsere gesamte Defensive ausgehebelt und Ya Konan erhöht den Rückstand um ein weiteres Tor. Der Stimmung versetzt dies leider einen empfindlichen Schlag. Zwei bis drei Tore sind unseren Jungs wahrhlich nicht mehr zuzutrauen. Die Hoffnung schwindet. In der 67. Minute wird’s allerdings noch einmal für einen Moment spannend: Diouf spielt einen recht fragwürdigen Rückpass, der beim allein auf Ziegler zustürmenden Reisinger landet. Ein echtes Geschenk. Doch dessen in diesem Moment leider nicht existente Ballbeherrschung (bei FIFA und PES würde man sagen „Turbotaste durchgedrückt“) verhindert unseren Anschlusstreffer. Wieder ein Beispiel für die viel zu zahlreichen Unkonzentriertheiten bei der Fortuna. Der Gegner macht es zu unserem Leidwesen besser und schließt in der 76. Minute erneut eine schnelle Kombination durch den Ivorer Ya Konan zum 3:0 Endstand ab. Spätestens zu diesem Zeitpunkt bleibt nur noch der Blick nach Dortmund, wo in genau diesen Minuten der Ausgleich für „Plastik FC Sinsheim“ fällt. Mit Entsetzen vernehmen wir wenig später auch noch die Nachricht der Hoffenheimer Führung. In der Kurve fliegen Becher. Die Altstadt-Meute wirkt wie gelähmt. Kann es wirklich sein, dass sich die Dortmunder das Vergnügen nehmen lassen, die verhassten Hoppis aus der Liga zu schießen??? Als ob das nicht genug wäre, zeigt uns das Schicksal erneut den Stinkefinger! Schmelzer erzielt in der 94. Minute den Ausgleich – die Bolkerstraße dreht durch; in der Kurve kommt Hoffnung auf – das dann wiederum schleichende Entsetzen, als bekannt wird, dass das Dortmunder Tor nicht zählt, haut uns alle dann gänzlich und final um.

Momente, die verbinden!

Bei all der Dramatik war die Nähe zwischen Mannschaft und Fans in diesen Momenten von besonderem Wert. Diese Nähe wird es zulassen, dass nach einiger Zeit, in der die Enttäuschung und Trauer versackt ist, langsam aber sicher die Vorfreude auf eine neue Saison mit dem geilsten Club der Welt wieder hervorsteigen wird. ABER: Die Enttäuschung darf und muss man zulassen. Das haben die Spieler auch getan. Zweckoptimismus und Schönrederei braucht man nicht. Wir haben’s einfach nicht gepackt, sind aber die letzten Minuten dieser Saison ganz nah bei der Mannschaft gewesen…

Tja… So kommt auch der letzte Spielbericht unserer ersten Blogsaison zum Ende. Wir werden uns in den kommenden Tagen zusammensetzen und an einer Gesamtanalyse der Saison 12/13 arbeiten. Wir möchten von unserer Perspektive erarbeiten, was, wann, wie und warum geschehen ist und dabei einige für uns wichtige Punkte und Gründe des Abstiegs darstellen.

Bis dahin wünschen wir, dass Ihr ebenso wie wir schnell über die Enttäuschung hinweggkommt.

In diesem Sinne,

Ingo & Adnan

PS: Jetzt sind wir übrigens geschlossen für die Bayern im CL-Finale
PPS: Da hilft auch Kloppos netter Kommentar nix.

Ohne Leidenschaft Richtung Relegation

12 Mai

Unsere Jungs zeigen 40 Minuten lang Abstiegskampf und erzwingen die Führung. Doch dann brechen sie ein und laden Nürnberg zum ersten Sieg nach vier Niederlagen ein. Von Gegenwehr und Leidenschaft leider keine Spur.

Letzte Woche hatten wir die Schnauze gestrichen voll von Durchhalteparolen. Diese Woche, so müssen wir einräumen, haben wir keinen Bock auf Wiederholungen: blutleer, leidenschaftslos, ängstlich, unkreativ, unkonzentriert, inkonsequent… Diese Adjektive nutzten wir zuletzt in inflationäre Weise. Darum wollen wir es heute bei einem, die deutsche Sprache so unendlich bereichernden Wort zur Beschreibung des Spiels belassen: SCHEISSE!

Anfangs lag etwas in der Luft

Vor Anpfiff und während sich beide Teams aufwärmten, spürte man im Stadion wirklich eine zuversichtliche „JETZT PACKEN WIR’S“-Stimmung. Als die Startelf zum Warmlaufen auf das Feld kam, erschallte ein lautes „FORTUNA-FORTUNA“. Endlich erklangen mal wieder aus unserer Südtribüne Supportgesänge lange vor Anpfiff. Mit zwei großen Bannern stimmten die Ultras das Team zudem deutlich lesbar auf das KÄMPFEN und SIEGEN ein. Und pünktlich zum Einlauf der Teams bekam Lumpi eine wirklich sehenswerte Choreo gewidmet, in der er als Legende gefeiert wurde. Das musste doch alles Mut machen, oder?

1. HZ: Nur 40 Minuten lang Abstiegskampf

Es schien wirklich zu helfen. Die Mannschaft begann mit Biss und die Körpersprache stimmte. Fußballerisch mochte unseren Jungs, die sichtlich darum bemüht waren, das Spiel zu machen, nicht sonderlich viel gelingen. Was aber deutlich besser war als die vergangenen Spiele, war die Verbissenheit, mit der Bälle noch in der Nürnberger Hälfte gewonnen wurden. Besonders Bodzek, aber auch Tesche, Lumpi und Bellinghausen gefielen in dieser Hinsicht. Langeneke zeigte mal wieder sein hervorragendes Stellungsspiel. Bodzek spielte einige, richtig gute Pässe, die spieleröffnend waren, weil sie nicht nur den Mitspieler erreichten, sondern auch noch so in den Lauf gespielt wurden, sodass die Offensivaktion unentwegs hätte starten können. Doch es kam das, was diese Halbzeit für neutrale Beobachter so qualvoll werden ließ: Beide Teams spielten konzept- und kopflos nach vorne und überboten sich zudem gelegentlich in Hektik und aberwitziger Harmlosigkeit. Dennoch: Die Präsenz unserer Truppe stimmte. Man fühlte es: Die Mannschaft ist mental auf Linie. Und dann wird sie sogar dafür belohnt. Es ist der durch die Choreo verehrtet Kapitän, der sich in seiner unnachahmlichen Art gegen den Abstieg stemmt. Lumpi wuselt sich am Strafraum der Nürnberger durch, rutscht aus (ja, die Hand war auch mit im Spiel – so what?), steht wieder auf und passt den Ball am Boden liegend noch steil in den Fünfmeterraum des Gegners. Kruse verpasst, aber der freundliche Herr Balitsch tut uns einen Gefallen und buchsiert die Kirsche ins eigene Netz! GENAU DAS hatte dem Team gefehlt in den letzten Wochen: GLÜCK! Und niemand Geringerer als Lumpi hat’s erzwungen. Folgt jetzt der Ruck, der Orkan, der losbricht und die Nürnberger in Schutt und Asche legt…? Nein – stattdessen: GAR NICHTS. Denn die Verunsicherung wird nun minütlich spürbarer und zieht mit unsichtbarer Hand die Bremse an. Die Offensivabteilung findet bis zur Pause folglich nicht mehr statt und hinten laden wir die wirklich erschreckend schwachen Gäste sogar noch zwei Mal zu Schüssen ein, die beide aber neben dem Kasten von Giefer landen. So begannen wir, Nürnberg pünktlich zum Halbzeitpfiff langsam und solide aufzubauen.

2. HZ: Mit vollen Hosen den Gegner zum Sieg geführt

Schon während der Pause fällt uns auf, dass Co-Trainer Uwe Klein den wiedergenesenen Mathis Bolly auf seinen Einsatz vorbereitet. Wir hoffen auf einen Tausch mit Kruse, dessen Leistung in der 1. HZ wirklich unterirdisch war. Leider muss aber unser Capitano verletzt in der Kabine bleiben, sodass Kruse auf die rechte Seite rückt und der schnelle Norweger sich zu Schahin in die Spitze gesellt. Dennoch kommt Hoffnung auf, dass mit Bolly mehr Spritzigkeit ins Offensivspiel kommt. Doch, machen wir es kurz: Die Mannschaft hat sich in der zweiten Halbzeit präsentiert, als wäre sie schon seit Wochen abgestiegen. So spielt keine Truppe, die selbst noch die Kohlen aus dem Feuer holen kann. Das wirklich Erschreckende an der gestrigen Partie gegen den 1. FCN war die Erkenntnis, dass die Fortuna selbst im Falle einer Führung – eines ERFOLGSERLEBNISSES – ihre Tugenden nicht wachrufen kann: Bis auf wenige Ausnahmen ist nichts zu sehen oder zu spüren von Leidenschaft, Dynamik,Laufbereitschaft und Kampfeswille. Das kommt im Abstiegskampf einem Offenbarungseid nahe. Den Jungs sind die Eier flöten gegangen. Und so kommt plötzlich der seit vier Spielen punktlose Club ins Rollen. Wie aus einem Skript erfolgt dann logisch der Ausgleich in der 58. Minute. Langeneke klärt per Kopf einen Ball, der von den Franken direkt wieder in den Strafraum befördert wird. Alle Fortunen befinden sich schon in der Vorwärtsbewegung, um die Gegner Abseits zustellen – leider ist jedoch der gute Axel hierbei einen Schritt zu langsam. Der nicht im Abseits stehende Mak bekommt den Ball und schießt ansatzlos an Axel und Giefer vorbei ins Tor. Unter den im vermeintlich „passiven Abseits“ befindlichen Nürnbergern blockiert jedoch einer Axels Laufweg. Durch diesen entscheidenden Eingriff ins Spiel ist der Nürnberger aber auch nicht mehr „passiv“, sondern „aktiv“ im Abseits. Also, ein irreguläres Tor. Aber, Pustekuchen: Ausgleich! Es ist sofort zu sehen, wie sich Langeneke die Seele aus dem Leib schreit und die Jungs aufzubauen versucht. Doch es tat sich gar nichts. Die Nürnberger, denen mit Chandler, Nilsson und Kiyotake wichtige Stammspieler fehlten – spielten jetzt plötzlich kombinationssicher und unsere Jungs kamen schlichtweg nicht mehr hinterher. Standen sie den Nürnbergern in der 1. HZ noch auf den Füßen, ließen sie ihnen jetzt Platz ohne Ende. Mak dribbelte sich in einen Rausch und musste, nachdem Bodzek einfach nicht hinterherkam, von Langeneke gemäht werden. Es tritt der zur Halbzeit für Esswein eingewechselte Plattenhardt an. Nach Sahin und Alex Meier darf sich nun auch eben dieser Plattenhardt über ein Traumtor Marke „Sonntagsschuss“ gegen uns freuen. Er zirkelt das Ding unhaltbar aus 20 Metern rein. Fink wird dabei gekonnt in der Mauer von einem Nürnberger beim Hochspringen behindert – es fehlen genau diese Zentimeter. Axel brüllt nun noch als Einziger. Er bittet zudem die Nürnberger inständig darum, ihre Jubeltraube aufzulösen. Nebenbei sei bemerkt, dass der Club seit 2011 kein Auswärtsspiel mehr gedreht hatte. Dies sollte ihnen bei uns gelingen. Was dann folgte ist bestenfalls halbherziges Aufbäumen. Abstiegskampf sieht anders aus.

Keine Mannschaft. Kein Kampf. Kein Klassenerhalt

Die an diesem vorletzten Spieltag (!) offenbarten Missstände in unserer Mannschaft sind so zahlreich, dass man kaum auf alle eingehen kann. Eklatant ist jedoch Eines: der fehlende mannschaftliche Zusammenhalt. Nehmen wir nur mal das Zusammenspiel von Jojo und Axel. Dass sie sich in erschreckender Häufigkeit einfachste Bälle in den Rücken spielen, ist das Eine. Dass sie dann aber nicht miteinander kommunzieren – z.B: der Eine hebt die Hand, der Andere klatscht aufmunternd, etc. – ist das wirklich Erschreckende. Niemand wird vom Anderen aufgebaut, motiviert, angespornt. Und Meier? Wenig ist zu erkennen von einem Trainer, der sich die Kehle während des Spiels wundbrüllt. Aber, was soll man auch sagen, wenn sich die Jungs Bälle auf Oberschenkel- oder Kehlkopfhöhe zuspielen. Wie soll da auch nur ansatzweise Spielfluss entstehen? Was soll man sagen, wenn Schahin Bälle gut annimmt, behauptet, aber dann einfach nicht weiß, wohin, weil KEINER brüllt „Schick‘ mich!“ oder dergleichen. Festzuhalten ist, dass bei der Fortuna derzeit weder das Spiel mit, noch das Spiel ohne Ball stimmt. Konsequenz: Annahme dauert zu lange + Niemand bietet sich an = Ballverlust. Ein solcher Auftritt wird am letzten Spieltag ganz sicher nicht reichen. Da kann man noch so sehr die Dinge selbst in der Hand haben. Ohne den notwendigen Willen, rutschen einem genau dieselben Dinge unentwegt wieder aus den Fingern.

F95: Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

Keine Frage: Als Fortuna Fan hat man das Leiden mit in die Wiege gelegt bekommen. Wer die Fortuna liebt, hat gelernt, Niederlagen zu verzeihen. Wer Fortuna liebt, glaubt bis zuletzt, dass alles gut wird. Doch „an (Spiel-)Tagen wie diesen“ geht auch uns Fans die Puste aus. So wunderte es nicht, dass nach Abpfiff der Partie erschreckende Stille im Stadion herrschte. Einige Spieler sanken zu Boden, andere blickten leer durch die Gegend. Besonders schmerzhaft war es, Jens Langeneke zu beobachten. Er wird vermutlich sein letztes Spiel für die Fortuna zu Hause bestritten haben. Und dann sowas. Er weinte offensichtlich, zog sich das Trikot über den Kopf und verschwand fast taumelnd Richtung Kabine. Wir als Fans müssen ihn in Hannover eigentlich noch mal explizit besingen. Der Rest der Mannschaft verteilte sich auf dem Rasen und auf der Auswechselbank. Einige applaudierten Richtung Südtribüne. Diesmal – und das war auch gut so – blieb die obligatorische Ehrenrunde aus. Das Publikum verließ sehr langsam die Ränge. Auch da herrschte greifbare Leere. Das war mehr als eine Niederlage. Die letzten Spiele waren ein regelrechter Vertrauensverlust. 11 Mal in Folge nicht zu gewinnen, ist wahrlich bitter. Was aber wirklich schmerzt, ist, dass sich die Jungs weitestgehend nicht mehr wehren. Das muss ihnen auch nicht verziehen werden – es tut einem vielmehr für diejenigen leid, die sich dagegenstemmen. Am kommenden Samstag müssen es 11 Mann sein, die genau das tun.

Fakten, Fakten, Fakten

Bei aller Betroffenheit und Enttäuschung – Fakt ist: Wir sind noch nicht abgestiegen. Dies hat Meier bei seinem Auftritt im Aktuellen Sportstudio mit Nachdruck klargestellt. Unsere Ausgangssituation durch die hohen Niederlagen von Augsburg und Hoffenheim ist groteskerweise sogar besser als nach dem 32. Spieltag. Den Abstieg als beschlossene Sache zu erachten, ist genau so daneben wie das Runterbeten von Floskeln und Durchhalteparolen. Sollte unsere Mannschaft in Hannover 90 Minuten so spielen wie die ersten 40 gegen Nürnberg, können wir gewinnen. Eine Mannschaft, die nichts mehr zu gewinnen oder verlieren hat, spielt nur dann auf, wenn es Spaß macht. Den müssen wir ihnen nehmen. Und zwar exakt so wie anfangs gegen Nürnberg. Wenn wir dann ein Tor erzwingen, und durch konzentriertes Verteidigen ENDLICH MAL WIEDER ZU NULL spielen, wird es reichen. So, und nur so wird es gehen. Sonst droht das 96/97 erlebte Szenario

Wir als Fans müssen die Hoffnung bewahren; denn es bleibt uns nichts Anderes übrig!

In diesem Sinne,
Ingo & Adnan