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Alarmstufe Rot-Weiß!

29 Sep

Unsere Fortuna holt in den „Englischen Wochen“ nur 2 Punkte von möglichen 9 und verliert gegen Sandhausen mal wieder ein Heimspiel. Besonders dieser letzte Auftritt sorgt für tiefe Sorgenfalten.

Mit einem gellenden Pfeiffkonzert endete vergangenen Freitag die „Englische Woche“. Unsere Forteng hatte soeben ihr Heimspiel gegen ein erstaunlich spielschwaches Team aus der Fußball-Weltstadt Sandhausen verloren. Damit war all die positive Energie, die nach dem Heimspiel gegen 1860 und der Auswärtspartie gegen Bochum getankt wurde, fast schon wieder in Gänze aufgebraucht. Eine Mannschaft auszupfeiffen, weil ihr nichts gelingt, ist und bleibt das Allerletzte. Dass die Fans gefrustet sind, ist jedoch nachzuvollziehen. Immer und immer wieder hat man das Gefühl – und natürlich die Hoffnung – dass die Mannschaft endlich ins Rollen kommt. Doch dann setzt es wieder diese Rückschläge. Dabei schien doch eigentlich eine stabile Startelf gefunden.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

In beiden Partien griff Frank Kramer auf das gute alte (bisweilen jedoch schon nervende) 4-2-3-1 zurück. Rechts hinten wechselten sich Schauerte und Akpoguma ab. Hinten links etablierte sich Axel. In der Mitte steht das konkurrenzlose Innenverteidiger-Duo Strohdiek und Haggui. In der Zentrale hat sich Schmitz neben Koch festgespielt. Die Flügel bedienen Sararer und Bebou (oder Bolly, wenn er fit ist) und vorne stürmt Ya Konan – oder aber zuletzt Pohjanpalo. Auf der #10 hatte Demirbay bereits Monsieur Liendl mehr als ersetzt. Auf vielen Positionen gibt es auf der Bank adäquaten Ersatz. Insofern fällt es zumindest uns sehr schwer, die Probleme unseres Teams am Kader festzumachen. Und so ist es klar, dass unser Team in den meisten Spielen die spielbestimmende Mannschaft ist bzw. sein muss. Und genau hier liegt wohl das entscheidende Problem. Igelt sich ein Gegner ein, kütt unser Team nit klar.

Was schief lief gegen KSC und Sandhausen

Es lässt sich recht simpel sagen, woran konkret es derzeit hapert: Fehlt unserer Mannschaft der Raum im Mittelfeld und vor dem gegnerischen Sechzehner findet sie kein Mittel, durch eine zündende Idee, den gegnerischen Abwehrriegel zu knacken. Das Spiel ist zu durchsichtig, weist überhaupt keine Überraschungsmomente auf und entbehrt jedwedem genialen Moment eines Einzelspielers, der sich durch einen Traumpass oder einem Dribbling hervortun würde. Flanken, Ecken und Standardsituationen sind zu nahezu 100% harmlos. Dabei sind Haggui, Strohdiek, Koch oder auch Akpoguma groß gewachsene Spieler und Ya Konan, Pohjanpalo oder van Duinen (noch im Angebot „fan düinen“?) wuchtig und sprunggewaltig. Doch auch da passiert nichts.

Dies führt dazu, dass unsere Truppe sehr viel Ballbesitz hat, aber absolut nichts Zählbares daraus machen kann. In Bochum war es anders. Da spielte sich das Team Chancen um Chancen heraus, scheiterte aber an Luthe und Latte. Entscheidend war in Bochum jedoch, dass unsere Jungs gegen eine Mannschaft spielten, die ihrerseits nach vorne spielte. Es entstand so sehr viel Raum für das zwar gefällige, aber auf großen Räumen angewiesen Fortuna-Dreiecks-Passspiel. Stellt ein Gegner diese Räume zu, geht nichts mehr. Hier sind dann die Herren Sararer, Demirbay und Bebou (oder Bolly) gefragt. An ihnen liegt es, mit verrückten Moves den Gegner auszuspielen. Und das will einfach nicht gelingen.

Ballkünstler-Sercan hatte uns bis jetzt durchaus gezeigt, dass er bisweilen in der Lage ist, uns eine Sararer-Torte zu servieren. Bebou hat mit seiner engen Ballführung das Zeug, mehrere Gegner hinter sich zu lassen, ist aber im Laufduell wegen seiner Statur leicht abzudrängen. Im Stand kriegt er den Ball gut abgeschirmt, aber im Sprint hat er oft das Nachsehen. Bolly hingegen muss erst in Fahrt kommen, um unaufhaltsam zu sein. Ein 1 gegen 1 gewinnt er aus dem Stand zu selten. Und Demirbay muss aus seiner beachtlichen Präsenz (immer anspielbar) noch mehr machen, schneller wissen, wann er wie wen bedienen kann. Doch dafür müssen sich die Mitspieler aber auch in Position bringen.

Doppelsechs veraltet? #10 oder falsche #9? Doppelsturm?

Insgesamt scheint es problematisch, dass unsere #10 eher als falsche #9 aufläuft. Dadurch ist Demirbay einfach zu weit vorne. Und wenn er sich zurückfallen lässt, überschneidet sich sein Raum mit Koch und/oder Schmitz. Zwischen den beiden ist auch nicht ganz so klar, wer jetzt der Holzer/Abräumer und wer der Stratege ist. Schmitz spielte grandios gegen 1860 im Spiel nach vorne und Koch zeichnete sich durch Fink’sche Abwehrarbeit aus. Doch davon ließen beide zu viel missen. Koch holt sich zudem in bester Bodzek-Manier zu viele Gelbe Karten. Zudem muss die Frage erlaubt sein, ob die Doppelsechs denn nun wirklich zeitgemäß ist? Sind zwei zentrale Mittelfeldspieler, die eher defensiv stark sind, nicht einfach zu viel? Vor allem dann, wenn sie einem #10er, der das Spiel machen soll, den entscheidenden Raum zum Umschaltspiel eher wegnehmen? Überlegenswert scheint daher, mal zu versuchen, mit zwei echten Stürmern aufzulaufen. Ein 4-4-2 mit der klassischen Raute (ein #6er, ein 10#er), oder die Variante mit einem #6er und einem #8er in der Zentrale wären mal einen Versuch wert.

Pohjanpalo war gegen Sandhausen einer der Besten. Er war unheimlich viel unterwegs, hat sehr viele Kopfballduelle gewonnen und nach Eroberung hoher Bälle sehr gut die Außen bedient. Er im Zusammenspiel mit Ya Konan könnten vorne für mehr Wucht und Durchschlagskraft sorgen als jeweils alleine.

Ständiges Anlaufen bis Frust entsteht und das Gegentor-Abo!

Denn ohne diese Durchschlagskraft entsteht genau der Frust, den wir gegen Sandhausen gesehen haben. Irgendwann glauben die Spieler selber nicht mehr dran, dass es ihnen gelingt, eine echte Chance herauszuspielen – geschweigedenn ein Tor zu schießen. Besonders gegen Sandhausen wirkten die Jungs in der zweiten Halbzeit irgendwann fast schon apathisch und hilflos. Ständig nach vorne zu spielen, ohne dabei irgendwas Gefährliches zu produzieren, ist eben hochgradig frustrierend. Vor allem dann, wenn man in nahezu jedem Spiel das obligatorische Gegentor kassiert. Allesamt bedingt durch zum Teil gravierende Abwehrfehler. Vor allem gegen den KSC (Monsieur Strohdiek) und gegen Sandhausen (Senor Rensing) führten eklatante individuelle Fehler zum Gegentor. Das darf man Einzespielern nicht übel nehmen – schon gar nicht, wenn sie wie bei Rensing wochenlang konstant Leistung gebracht haben. Nur ist dieses Gegentor-Abo ein weiterer Grund, warum unsere Jungs DRINGEND an der Effizienz ihres Offensivspiels arbeiten müssen.

Besorgniserregende Szenen der Partie gegen Sandhausen

Es gab drei Szenen – beides Standardsituationen – die deutlich machten, dass noch viel Arbeit vor Coach Kramer steht.

Die erste Szene zeigte das Fehlen des Verhaltens einer verschworenenen, intakten Truppe. Bebou, unser Youngster, wird recht früh im Spiel vor dem Sechszehner der Sandhausener gefoult. Der #17er der Sandhausener kassiert die Gelbe Karte, regt sich tierisch auf, beugt sich auf den noch am Boden liegenden Bebou und schnauzt ihn in aggressiver Manier an. Hier nun die Frage: Wo waren die Axels, Hagguis, Kochs, Sararers, Strohdieks und Schmitzs, die dazwischengehen und dem Gegner in dieser Sekunde mal so richtig in die Schranken weisen – getreu dem Motto: „Alter, verpiss Dich und mach‘ meinen Teamkollegen nicht an, sonst kriegst Du Ellebogen und Sohle zu schmecken!“ Warum richtet sich Bebou nicht sofort auf, giftet den Gegner zurück und zeigt ihm, wer hier eigentlich Heimspiel hat? Hier bedarf es noch einer ganzen Portion Gift und Galle. Was war noch mal der Job von Sascha Rösler…?

Die zweite Szene war der unfassbar schlecht ausgeführte Freistoß aus gut 20 Metern vor dem Sandhausener Tor. Sarerer, Schmitz und Ya Konan stehen zum Ausführen bereit. Schmitz tupft den Ball zu Sararer, der denkbar schlecht weiterleitet zu Ya Konan, der aufgrund der unfassbar schlechten Vorlage aus ungünstiger Schussposition draufhält und die Kirsche elendig weit vorbeidonnert.

Die zweite Szene erschreckte uns jedoch weitaus mehr. Wir waren bereits in der Endphase des Spiels, lagen zurück und hatten kaum noch 10 Minuten auf der Uhr, als wir eine Ecke erhielten. Sararer war im 16er, Demirbay stand kurz davor. Demirbay signalisiert zu Sararer, er möge doch die Ecke ausführen – von links vom Tor weg reinzirkeln. Sararer machte aber deutlich, dass Demirbay doch bitte die Ecke ausführen solle – von links mit Links in den 16er reinzirkeln. Drei, vier Sekunden lang gestikulierten die beiden und stritten darüber, wer die Ecke ausführen soll. Solange, bis Axel die Faxen dicke hatte und im Vollsprint zur Ausführung der Ecke düste – sichtlich geladen und mit hochroter Birne. Hier stellt sich die Frage: Was bitte geht in den Herren Sararer und Demirbay vor, dass sie in einer solchen Situationen meinen, sich darüber streiten zu können, wer den jetzt die Ecke ausführt? Zeit hatten wir da schon wahrlich nicht mehr. Da muss Trainer Kramer die Zuständigkeiten ganz klar definieren und durchsetzen.

Kramer unter Druck? Ja! Trainerdiskussion? Nein!

Wir sind felsenfest der Überzeugung, dass Diskussionen über einen Trainerwechsel jetzt völlig unnütz sind. Mit Kramer und Manager Azzouzi ist im Kader ein Umbruch erfolgt. Dieser zeigt noch überhaupt keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Doch wurde zeitweise deutlich, dass diese Mannschaft zu tollem Fußball imstande ist. Ja, viel zu selten. Ja, noch geht viel zu viel schief. Doch würde das abgestellt, wenn jemand Neues käme? Wir lesen hier Rufe nach Norbert Meier. Leute, geht es noch…? Sind wir so rückwärtsgewandt und nostalgisch, dass wir denken, früher war alles besser und daher müssen wir die Uhren rückwärts drehen? Checken wir nicht, dass sich Zeiten ändern? Anderenorts hoffen Leute auf Zorniger, weil der ja wohl bald beim VfB Stuttgart fliegen wird. Zorniger? Der Retortenclubschafshirte? Wirklich? Der Mann, dessen Aufgabe es war, aus einem Haufen von Leuten ohne jedwede Vereinsbindung in einem Reagenzglasprojekt ein Fußballteam zu formen? Wollen wir das? Naja, und dann wäre ja noch Lucien Favre… Klar… Das entbehrt jedwedem weiteren Kommentar.

Nein, nein, nein. Wir haben das so bestellt und das wird jetzt so gegessen (es lebe Volker Pispers). Wir müssen unsere Ansprüche runterschrauben. Die Mission Aufstieg für zwei, drei Jahre verschieben und nun erst mal schauen, dass eine stabile, konstant spielstark auftretende Mannschaft in unseren Vereinsfarben aufläuft. Ein Team, das ein oder zwei Mal oben am Aufstiegsplatz schnuppert, bis es dann auch mal wirklich klappt. Solange wir mal erstligareif und dann wieder auf VfB Hilden Niveau spielen, hat noch keine Identität. Schaut Euch den Kader an. Welcher Zweitliga-Club kann damit mithalten? Das Potenzial ist da. Lasst uns die Fortuna wieder als Langzeitprojekt wahrnehmen. Und hierfür denken wir, ist Kramer der Richtige.

Und dennoch: Es müssen Punkte her, um nicht unten den Anschluss an das Tabellenmittelfeld zu verlieren. Kommenden Freitag geht es auf den Betze. Da spielten wir eigentlich immer ordentlich. Da muss ein Auftritt wie gegen Bochum her. Von der Ausgangslage her und der zu erwartenden Spielweise der Lauterer könnte diese Partie schon wieder unsere Forteng liegen.

Also, punkten, Charakter zeigen, Brust raus, Ego tanken, liebe F95er!!

In diesem Sinne,

Adnan & Ingo

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Mehr als nur ein Punkt!

20 Sep

Unsere Jungs präsentieren sich beim Tabellenführer aus Bochum von ihrer bislang besten Seite. Kampf, Wille, Orientierung nach vorne. Und das wurde in allerletzter Sekunde belohnt – mit einem Unentschieden.

Und dann war er doch fällig… der Luthe. In der 92. Minute konnten weder er, noch Aluminium den Angriffsbemühungen unserer Forteng etwas entgegensetzen. Ballkünstler-Sercan hatte butterweich mit Links geflankt und unser neuer #9er van Duinen (fan deunen? fan daunen? fan deinen? wie spricht man ihn denn nun aus???) wuchtig ins linke obere Eck eingeköpft. Luthe konnte nur hinterhergucken – Pfosten und Latte sich nicht mal mehr verbiegen, um das Tor zu verhindern. Die Fortuna-Kurve explodierte und das Team rannte geschlossen in die Arme von Frank Kramer, der den Punktegarant des Abends eingewechselt hatte. Denn dieser Punkt war weitaus mehr als nur eine abgewendete Niederlage: Dieser Punkt machte deutlich, dass die Chemie in der Mannschaft stimmt, und dass das Glück zur Not eben erzwungen werden muss. Unser Coach hatte den Jungs aber auch wirklich die richtige Devise mit auf den Weg gegeben.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Auflaufen durfte die exakt gleich Elf wie gegen die 60er. Bellinghausen war erfreulicherweise rechtzeitig wieder fit, sodass Kramer niemanden ersetzen musste. Sehr gefreut hat uns auch, dass Bolly auf der Bank auftauchte – Ihr wisst schon: Wir rechneten damit, dass man wochenlang nichts von ihm hören würde. So war also klar, dass eine Mannschaft auflaufen würde, die noch ein kollektives Erfolgserlebnis verbuchen konnte. Wie wichtig das ist, zeigte sich mit Anpfiff des Spiels…

…ach Moment. Bochum schickte auch 11 Jungs in blau aufs Feld. Terrodde ist wieder in der Form eines Topstürmers. Also musste man sich vor ihm fürchten. Die restlichen Celozzis, Terrazzinos und Uluts kann man kennen, muss man aber nicht. Aber einer sollte uns wahnsinnig machen: Herr von und zu Luuuuuuuthe!

HZ1 & HZ2: Einbahnstraßenfußball gegen Luthe und Gebälk

Eigentlich lässt sich das Spiel der beiden Halbzeiten wunderbar in einem Satz zusammenfassen: Die Fortuna rennt an, spielt sich Chancen heraus und scheitert am Ende am überragenden Luthe oder schepperndem Aluminium. Manchmal verzogen die Jungs auch mal (Sararer, Ya Konan), oder schossen unplatziert auf den Torwart (van Duinen). Bochum kam sehr früh zu einer Chance, die Rensing entschärfen konnte. Danach hatten sie eigentlich nur noch die eine hochkarätige Chance, die Hogland (richtig geschrieben? Keine Ahnung. Egal!) sehenswert verwertete. Schauerte hatte zu kurz geklärt. Haggui kam nicht beherzt genug zum Zweikampf, wobei wohl auch jede noch so sanfte Berührung bei der Wucht, mit der Sportskamerad Hogland herangedüst kam, zu einem Elfer geführt hätte. Egal – er versenkt das Ding und überall lange Gesichter.

Gleichwohl man sagen muss, dass zumindest wir keinen Zweifel hatten, dass die Forteng nach dem, was sie in den ersten 25 Minuten gezeigt hatte, noch lange nicht geschlagen worden war. Zwar musste sich unser Team fangen; aber es ging dann weiter unaufhaltsam nach vorne. Es schien, als hätte sich die Fortuna bereits in der ersten Halbzeit mehr Chancen erarbeitet, als in der gesamten Rückrunde der Vorsaison.

Und es ging in beiden Halbzeiten unheimlich schnell. Zweikampfsicher eroberten entweder Monsieur Koch oder Schmitz die Kirsch, oder aber Schauerte, Haggui, Axel und Strohdiek machten einen Strich durch Bochumer Angriffsbemühungen. Und dann ging es in der Regel schnell nach vorne. Der gute Demirbay war dabei genau der Mittelfeldmotor, den wir so sehr in ML10 vermisst haben – klar, die Vergleicherei nervt; zumal wir ja eigentlich Liendl-Befürworter sind. Aber dieses eine Mal musste es noch sein, da man den Unterschied wirklich deutlich sehen konnte. Und seine Standards waren ebenfalls erste Sahne. Zwei Freistöße brachte er brandgefährlich aufs Tor. Die Ecken kamen scharf in den 16er. Jetzt muss man aber erst mal abwarten, ob er diese Form halten kann – falls ja, sollten wir alle den Hut vor Azzouzi ziehen für diesen Transfer.

Als Kramer merkte, dass man in dieser Partie wohl auch drei Stunden spielen könne, ohne zu treffen, schickte er Pohjanpalo, Bolly und van Duinen ins Rennen. Raus gingen Axel, Bebou und Ya Konan. Und ALLE DREI EINGEWECHSELTEN machten mächtig Alarm. Pohjanpalo aka Iceman aka Palimpalim zeigte, dass er als Joker ein echter Garant ist. Turbo-Mathis düste auch wieder mächtig rum auf rechts, führte ein Übersteigertänzchen am Bochumer 16er auf und drosch den Ball mit Gewalt gegen das Quergebälk, dass selbst die Kneipenbesitzer im Bochumer Bermuda-Dreieck dachten, hier stürze etwas ein.

Und van Duinen… Erst vergab er eine riesige Chance als es ein 3 gegen 2 vor dem Bochumer Tor gab und er schwach und mittig draufhielt, statt rechts den völlig freien Bolly zu bedienen. Doch gaaaanz kurz vor Schluss sollte es dann gelingen. Die Fortuna schickte einen Ball nach dem anderen in den 16er. Mal über rechts, mal über links. Die Bochumer Verteidigung, sichtlich kaputt vom vielen Hinterherrennen, versuchte nur noch den Sieg zu halten und mauerte sich ein. Doch bei dieser einen punktgenauen Flanke von Sercan auf van Duinen, war keiner mehr zur Stelle und vor den Augen der Bochumer Fankurze passierte, was unsere Jungs sich verdient hatten. Das F95-Tor des Abends.

Fazit & Ausblick

Wie oben angedeutet, war die ausgelassene Freude in der Fortuna-Szene sehr viel mehr als die Freude über einen Punkt beim Ligaspitzenreiter. Die Freude, die uns alle vereinte und zu einer wahnsinnig guten Stimmung beim 2000-3000 Mann starken Anhang führte, galt der rundum kampfbereiten Leistung unserer Mannschaft. Bezeichnend war, dass die Kurve gerade ihre Liebe zur Fortuna besang, als das 1-1 fiel. Denn eines ist klar: Wir hätten weitergesungen, auch wenn die Mannschaft verloren hätte. Denn sie hatte unsere Herzen gewonnen: Durch einen über 90 Minuten beherzten Auftritt! Alles hat gestimmt. Alle waren stark. Keine Ausfälle. Eine echte Teamleistung von insgesamt 14 Spielern, die an diesem Abend für unseren Verein spielen durften.

Nun geht alles ganz schnell: Dienstag schon geht es nach Karlsruhe zum sehr schwach gestarteten KSC (bloß keinen Trainerwechsel vor Dienstag bitte!!) und am Freitag kommt Sandhauen zu uns ins Wohnzimmer. Angesichsts der Tatsache, dass wir noch immer nur 16er sind, muss man mindestens vier Punkte fordern dürfen. Das tun wir hiermit auch 🙂

Wir freuen uns in jedem Fall wie Bolle (oder eben Bolly), dass unsere Jungs im zweiten Spiel nacheinander für ECHTE Freude gesorgt haben. Weiter so und unsere Liebe wird nicht mehr so weh tun wie zuletzt.

In diesem Sinne – 95 Olé

Adnan & Ingo

Die Löwen zum Ego-Fraß gemacht!

15 Sep

Unsere Jungs legen einen rundum zufriedenstellenden Auftritt hin und schicken kriselnde 1860er mit einem satten 3-0 wieder nach Hause. Der längst fällige, erste Saisonsieg ist gesichert!

Ja Mensch, Jongens… Et jeeeeeht doch! Was war das schön, eine 1-0 Führung zu sehen, die zunächst auf 2-0 ausgebaut wird, um dann nicht nur noch 3-0 zu sehen, sondern auch noch hinten die Null zu halten. Souverän nennt man solche Siege. Und in der Tat hatten die Münchner bis auf erschreckend gute Chancen in den ersten 6-7 Minuten absolut nichts zu melden. Wie oft waren wir schon Aufbau-Gegner für schwächelnde Teams – hah, diesmal haben wir uns am Gegner aufgebaut. Und so haben wir’s gemacht:

Aufstellung und Taktik
Die Ruhe der Länderspielpause hatte Frank Kramer dazu nutzen wollen, die Abläufe und Automatismen einzustudieren. Im Vergleich zum letzten Spiel in Nürnberg wechselte unser Trainer auf drei Positionen das Personal. Mit freudiger Überraschung erblickten wir auch den Namen „Bebou“ in der Aufstellung, der den angeschlagenen Bolly auf dem rechten Flügel ersetzen sollte – schön, dass der Junge nach der „Backpfeife von Nürnberg“ sofort von Kramer die Chance bekam zu zeigen, was er drauf hat! Im offensiven Mittelfeld kam zusätzlich Demirbay zu seinem ersten Startelfeinsatz, wodurch Sararer wieder auf den linken Flügel rückte, wo er unserer Meinung nach ohnehin besser aufgehoben ist. Neben Koch durfte nicht erneut Sobottka, oder Fink oder Bodzek, sondern Lukas Schmitz ran – wollte er ja immer schon. Jetzt durfte er. Als einziger Stürmer wurde Didi Ya Konan ins Rennen geschickt. Kramer griff diesmal wieder auf die beliebte 4-2-3-1-Grundordnung zurück. Bei den Löwen kam unser ehemaliger 10er Liendl zum Einsatz – dass sein Bild bei der Aufstellung der Fortuna auf der Anzeigetafel erschien, kann man entweder als Versehen, Verbundenheit oder Inkompetenz werten – sucht Euch was aus! 😉

HZ1:
Früh im Spiel kriegen wir einen Freistoß aus dem Halbfeld. Demirbay tritt an und es geschieht das, was uns in in unserer Bundesligarückrunde auszeichnete: Aus eigenen Standards entstanden Chancen des Gegners. Schlimme, schlimme flache Hereingabe von Demirbay und der Konter läuft. Es ist gerade erst die 4. Minute als Neu-Löwe Liendl von rechts flankt und Rensing nach einem gefährlichen Kopfball großartigst reagieren muss. Erste großen Chance des Spiels, und nur drei Minuten später wird Rensing bereits erneut geprüft – eieiei, wenn unser Keeper hier genauso geschlafen hätte wie seine Vorderleute, wären unsere Jungs zum sechsten Mal im sechsten Saisonspiel in Rückstand geraten und die Negativspirale hätte wieder Fahrt aufgenommen. Diesmal ist aber das „Hätte-hätte-leck-mich-fette“ auf unserer Seite, denn Rensing ist auf der Höhe! Und dann? Wir können es fast gar nicht glauben: Axel schaltet sich auf seiner linken Seite mit in den Angriff ein und lässt ein perfektes und butterweiches Flänkchen folgen. Rehabiliteur Bebou nutzt seine gefühlten 35kg Körpergewicht ideal ein und setzt sich nach seinem Sprint in die Mitte des gegnerischen 16ers im Sprungduell gegen zwei Löwen durch. Er wuchtet die axelsche Hereingabe per Kopf in die Maschen! Wir sind in Führung – watt is denn hier los? Dass sich Ilhas die Pille dabei irgendwie an den eigenen Arm köpft, ist vollkommen Wurscht und der Protest von Gäste-Keeper Eicher wird zurecht von Schiri Gräfe müde lächelnd abgeblockt.

Nun macht die Fortuna wieder Spaß und man spürt förmlich das Platzen sämtlicher Selbstbewußtseins-Knoten. Mutig und überzeugt spielen unsere Fortunen, die Maschine kommt langsam ins Rollen. Die Pässe kommen besser an, die Jungs trauen sich wieder etwas und die Defensive steht auch gut. Die Münchner werden von Rensings Arbeitsplatz ferngehalten und unser zentrales Mittelfeld übernimmt die Regie des Spiels. Auf Links gefällt das Duo Sararer / Axel, die zusammen die 60er vor das ein oder andere Problemchen stellen. Kein Wunder also, dass genau diese beiden dann auch für die Vorbereitung des nächsten Paukenschlags sorgen: Sararer geht auf dem Flügel ins Dribbling, fällt dabei hin und wir denken uns mhhmmm – aber, Kollege Sercan steht wieder auf und holt sich den Ball in der gleichen Bewegung zurück – mittlerweile hat Axel seinen Mitspieler und zwei Löwen-Verteidiger hinterlaufen und wartet auf den Pass, der aber erstmal nicht kommt. Wir denken uns wieder mhhmmm, denn Sararer spielt nicht ab und bindet den dritten Löwen mit seinem Dribbling. Dabei fällt er wieder hin und wir denken uns erneut mhmmm; als dann der vierte Gegner dazu kommt, erkämpft sich der türkische Deutsch-Spanier die Kirsche wieder zurück und passt sie auf den wartenden Axel. Bellinghausen nimmt in gewohnter Manier Fahrt auf und passt flach in den Strafraum auf Sturmspitze Didi, der kompromisslos draufhält. Keeper Eicher bekommt zwar noch seine Wurstfinger an den Ball, kann diesen jedoch nicht mehr abwehren! Die Fortuna führt 2:0! Schalalalahhhh. In bester Inzaghi-Manier war Ya Konan genau so lange im Abseits, bis der entscheidene Pass kam. Das verrafften die Verteidiger auch damals schon beim pathologischen Schwalbenkönig des AC Mailand.

Zwischenzeitlich haben die Münchner zwar die ein- oder andere Halb-Möglichkeit, aber man merkt den Gästen an, dass bei  ihnen nun Hektik herrscht und die Nerven blank liegen. Zum einen daran, dass im Sturm nicht wirklich was zusammen passt aber auch, dass es gerade auf der linken Seite zwischen Axel und Gegenspieler Claasen immer wieder rappelt. Dann ist aber Halbzeit und wir genehmigen uns endlich mal wieder mit richtig guter Laune den Halbzeittee.

HZ2: Deckel drupp und feddich!

Herrlich, dass unsere Jungs nach dem Wiederanpfiff genaaaauso weitermachen, wie sie vor der Pause aufgehört hatten! Schade nur, dass Axel angeschlagen draußen bleiben muss, denn so wie er wieder die Linie runtergeaxelt ist, hätten wir ihm in diesem Spiel noch mindesten 2 Hattricks und 15 weitere Vorlagen zugetraut! 😉 Für Bellinghausen bringt unser Chefcoach Akpoguma von der Bank und bietet somit dem nächsten Jungspund die Möglichkeit, seine Sache besser zu machen, als bei vorherigen Einsätzen. Gut so, Trainer! Kramer scheint zudem in der Kabine die richtige Ansprache gewählt zu haben, denn unsere Fortunen machen deutlich, dass sie nicht die Absicht haben, sich hier noch die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Schmitz macht auf der 6 ein richtig gutes Spiel, bestimmt das Tempo und leitet immer wieder gute Angriffe ein; sein Nebenmann Koch fällt eher durch körperliche Präsenz und gutes Defensivspiel auf, was in Kombination dem Gegner echt zu schaffen macht. Demirbay bringt in dieser zweiten Spielhälfte das auf den Rasen, was man von einem 10er erwartet – Dynamik, Kreativität, und auch Torabschlüsse. Es funktioniert zwar nicht alles, aber die Ansätze sind doch sehr vielversprechend. In der 66. Minute ist es dann nämlich genau so ein Torabschluss des Linksfußes, der die Führung der Fortuna weiter ausbaut. Demirbay bollert nach tollem Zusammenspiel mit Ya Konan schön von der Strafraumgrenze drupp, Keeper Eichner hat erneut ärgste Mühe das Spielgerät zu kontrollieren, lässt es nach vorne abprallen und unser Didi steht genau da, wo ein Torjäger zu stehen hat und köpft den Abpraller per Aufsetzer zum 3:0 ins Tor! Herrlich, viel zu lange mussten wir auf so einen Moment warten! Aber dies sollte noch nicht alles sein, denn unsere Jungs wollen einen torreichen Befreiungsschlag aus der misslichen Tabellensituation und vorherigen Stimmungslage! Wie in den Spielen zuvor hat aber das Torgestänge etwas dagegen und Pfosten und Latte verhindern weitere gute Tormöglichkeiten von Sararer und Ya Konan.

Ein bisschen mulmig wird uns, und wohl allen anderen auch, als der eingewechselte Okotie in der 73.Minute im Strafraum zuckend zusammenbricht und kurze Zeit später bewußtlos vom Feld transportiert wird. Gut, dass es hier wohl keine gesundheitlichen Folgen für den österreichischen Stürmer gibt, da er nach einer Untersuchung im Krankenhaus die Heimreise antreten konnte. Voraus gegangen war ein Zusammenstoß mit Rensing bei einem Eckball, als unser Keeper beim Wegfausten der Murmel den Stürmer mit dem Ellenbogen am Kopf getroffen hatte. Das Wechselkontingent der Münchner ist erschöpft.
Nachdem also die Löwen nur noch neun Feldspieler auf dem Spielfeld haben und noch genügend Spielzeit übrig ist, hoffen wir natürlich noch darauf, dass noch das ein oder andere Törchen zu unseren Gunsten fällt. Da dies aber dann doch nicht passiert, geht das Spiel vollkommen verdient mit 3:0 für die Fortuna aus und wir können endlich mal wieder einen gelungenen Auftritt unserer Jungs feiern. Dies machen dann die Spieler auch und kommen zur HUMBA in die Kurve. Wir können froh sein, dass Ya Konan an diesem Tag das Toreschießen besser drauf hatte, als Buchstabieren, denn in seinem „Job“ als Humba-Vorsänger fabrizierte der Ivorer einen Buchstabensalat aller erster Sahne! Hoffentlich bringt er sich selbst noch öfter in die Lage, die richtigen Buchstaben in die Kurve zu schmettern und läßt noch ein paar Doppelpacks folgen! 😉

Szene des Spiels: Gipfel der Unverantwortlichkeit nach Okotie-Zusammenprall

Vieles war super in diesem Spiel, aber auch eine Sache wirklich fürchterlich: Es ist absolut unverantwortlich, dass die medizinische Abteilung der Münchner Okotie nach dem Zusammenstoß mit Rensing wieder aufs Feld geschickt hatte. Denn am leeren Blick des Stürmers konnte selbst ein Laie am TV erkennen, dass er ordentlich einen mitbekommen hatte und immernoch benebelt war. Hier sollte die Gesundheit der Spieler doch klar vorgehen und nicht das bereits ausgeschöpfte Wechselkontingent Priorität haben. Da darf sich auch ruhig mal Löwen-Trainer Fröhling hinterfragen, anstatt im Anschluss für den Zusammenprall einen Elfer zu fordern. So sieht’s aus!

Fazit

Dieses Spiel hat richtig Hoffnung gemacht. Wie WICHTIG der Sieg in dieser Höhe war, zeigte die Spielertraube nach dem 3-0, zu der sogar Rensing rauseilte. Es wäre so wichtig, wenn sich jetzt ein Team einspielen würde. Wenn Sararer-Demirbay-Bebou-YaKonan unsere „Offensivachse of Doom“ bilden würden.

Es wäre toll, wenn Koch und Schmitz weiterhin so gut Aufgabenverteildung im zentralen Mittelfeld hinbekämen. Hinten wird es Wechsel geben müssen. Axel fällt eine Weile aus. Hat nun die Stunde von Holthaus geschlagen? Akpoguma war ja leider erneut nicht sehr überzeugend – so könnte Schauerte zurück nach Rechts und Holthaus könnte Freitag direkt mal gegen seine alten Kollegen ran. Bochum hat leichte Federn gelassen und ist doch eigentlich genau am kommenden Spieltag fällig für die erste Saisonniederlage, oder?? Aber hey, selbst ein Punkt in Bochum, die super in die Saison gestartet sind, wäre schon was.

Jedenfalls kann man sich endlich wieder auf die Fortuna freuen – und das ist sehr viel wert.

Auf dass es so bleibt, 95 OLÉ

Euer Adnan & Ingo

0 Durchblick. 0 Spirit. 0 Punkte.

31 Aug

Unsere Fortuna präsentiert sich desolat im Brutkasten der Nürnberger, bleibt über das gesamte Spiel ideenlos und kann mal wieder das entscheidende Gegentor nicht verhindern. Rote Laterne Olé!

Letzter der Rückrunde-Tabelle und nach dem 5. Spieltag nun auch letzter der neuen Spielzeit. Das Wort mit den fünf Buchstaben, das mit KRI anfängt und mit SE aufhört, setzt sich bedrohlich zusammen und ist kaum noch zu leugnen. Nein, man steht hier nicht vor einem Ruin und noch ist absolut gar nichts über den Verlauf der Saison gesagt. Wenn man jedoch sieht, wie orientierungslos die Mannschaft auf dem Platz wirkt, sieht man nicht so recht, warum es Grund zu Zuversicht und Hoffnung auf bessere Zeiten geben sollte. Abstieg? Ach Quatsch! Dritte Liga Mannschaft? Schlechter Kader? Nein!! – System? Konzept? Vision? Passende Rollenverteilung auf dem Platz? Leider auch nein! Die heutige Aufstellung machte das deutlich:

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Kramer hält Axel immernoch für einen Gewinn im Team. Diesmal lässt er ihn als LV auflaufen. Da er das aber nicht ganz so gut macht, soll ihm Ya Konan, der diesmal als LM spielen muss, hinten aushelfen. Ya Konan? Der erfahrene Mittelstürmer, unser designierter Goalgetter soll hinten aushelfen? Hat der nicht andere Aufgaben? Die soll van Duinen erfüllen. Er wird auf die #9 gestellt. Bodzek ist nicht mal im Stadion. Haben wir erst mal nichts gegen. Koch und Sobottka bilden das junge ZDM-Duo. Rechts außen darf Bolly düsen. Tja, und dann das erste Fragezeichen: Warum 4-2-3-1 mit einem 10er?? ML10 wird verkauft. Unter anderem, weil es heißt, Kramer spiele nicht mit einem 10er. Aber genau da stellt er Sararer hin – der Mann, der die besten Spiele vom linken oder rechten Flügel kommend spielte. Er Vorbereiter, kein „Abschließer“. Okay, kann man versuchen… Muss man aber wirklich nicht, denken wir.

Nürnberg darf auch 11 Mann aufs Feld schicken. Aber deren Mannschaft ist auf Schlüsselpositionen dünn besetzt. Vor allem die Abwehr hat sich zuletzt super wackelig angestellt. Das kann ja dann nur bedeuten: VOLLGAS UND ÜBERRENNEN und den Gegner zu Fehlern zwingen. Als Zweck- und Daueroptimisten glaubten wir sogar dran…

HZ1: Nichts zu sehen. Nichts zu erkennen.

Als die Mannschaften den Platz betreten wird Folgendes klar: Man sieht vor lauter dunkler Trikots die Teams nicht. Bei senkrecht stehender Sonne und zwei Mannschaften mit dunklen Trikots erkennt man fast durchgehend gar nicht recht, wer eigentlich wer ist. Für uns unbegreiflich, wie man so etwas überhaupt anpfeiffen kann. Hätte Nürnberg nicht wenigstens weiße Hosen und Stutzen tragen können? Es war in sehr vielen Situationen mit zur Aktion eines Spielers kaum ersichtlich, welche Mannschaft einen Zweikampf gewann, die Kirsche führte oder bei einem Luftduell in aussichtsreicherer Position steht.

Aber wir waren in puncto „fehlendem Durchblick“ nicht allein: Unsere Jungs auf dem Platz wussten auch nicht, was zu tun ist. Und das lag wirklich nur bedingt an den Trikotfarben. Das lag viel eher daran, dass von Anfang deutlich wurde, wie wenig jeder einzelne weiß, was er eigentlich tun soll. Und noch schlimmer: Spieler sollen Aufgaben erfüllen, von denen man eigentlich wissen müsste, dass sie es nicht können. Oder aber – sie kommen nicht dazu, die Dinge zu tun, die sie gut können, weil sie anders aufgestellt werden. Hierbei vor allem Ya Konan und Sararer. YK is eine Wühlmaus, ein Strafraumspieler und jemand, der sich – in seinen besten Tagen – dadurch hervorhebt, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht und Hereingaben verwertet. Was bitte soll er, der weder dribbelstark ist und noch nicht mal einen starken Antritt hat, auf dem Flügel? Schlimmer noch: Was soll er in der Defensive? Wie oft war er an der eigenen Grundlinie oder in der Nähe des eigenen 16ers, um Axel hinten zu unterstützen? Und der Gegner war ja nun mal nicht gerade Douglas Costa, den man zu zweit bearbeiten müsste…

Der zweite Fall von falsche Aufgaben für den falschen Mann: Sararer macht Alarm, wenn er mit Ball am Fuß außen ins 1-gegen-1 geht, Tempo entwickelt und im besten Fall einen Kollegen bedient. Aus der Mitte als #10er hat er noch nie glänzen können – vielleicht mal in der F-Jugend; oder gegen eine F-Jugend. Und dennoch wird er genau dort hingestellt. Dort wird er aber nicht steilgeschickt. Hat überhaupt keinen Raum und muss sich ein gänzlich neues Rollenverständnis zulegen.

Bolly kommt in diesem Spiel nicht in Fahrt. Er muss sich die Bälle hinten holen, weil er keine Zuspiele kriegt. Und in der 41. Minute trabt er plötzlich zur Seitenlinie. Auswechslung. So schlecht war er nicht, als dass er ausgewechselt werden müsste. Also muss wieder ein Muskel gezwickt haben. Nach viereinhalb Spielen sollten wir uns also auf die erste Verletzungspause von Bolly – einem der wenigen Highlights dieser bisherigen Saison – vorbereiten. Für ihn kommt Bebou. Ihm hatte Kramer zuletzt keine wirkliche Chance gegeben. Somit freuen wir uns, ihn zu sehen.

Aber weiterhin… Hier geht spielerisch überhaupt nichts. Keine Kombinationen. Standards und Ecken werden lächerlichst vergeigt. Dass sowohl Nürnberg als auch unsere Jungs regelkonforme Tore schießen, erscheint einem irgendwie an so einem Tag egal. Erwähnen müssen wir es aber. Denn wenigstens hat Koch einen schönen Flachschuss ausgepackt, der kurz vor der Halbzeit die Führung bedeutet hätte, hätte, hätte liecht im Bette…

HZ2: Formvollendete Harmlosigkeit

Auch die zweite Halbzeit war öde und langweilig, aber vielleicht einen Ticken besser – zumindest zeitweise. Unsere Jungs hatten mehr vom Spiel (Ballbesitzt) – aber gelenkt haben sie das Spiel trotzdem nicht. Zu keinem Zeitpunkt. So harmlos wie unsere Jungs nach vorne Spielen, könnten die Nürnberger auch getrost einen Feldspieler ins Tor stellen. Die Idee, man könne ja mal eine generell wackelige Abwehr überrennen, geht halt nicht auf, wenn man gar nicht erst weiß, wie man einen Angriff aufbauen kann/will/soll/muss. Kick and rush war zeitweise die Devise. Macht nur keinen Sinn, wenn vorne kein Sturmtank solche Bälle verwerten kann.

Nürnberg beschloss irgendwann dann noch mal, etwas für einen möglichen Sieg zu tun. Und in der 67. Minute klingelte es, nachdem es zuerst mächtig schäpperte: Irgendein Heini (Mähwald? Möhwald?) hält volle Suppe drauf, trifft den Pfosten, von wo das Spielgerät einem Spielkollegen vor die Füße tröpfelt, der die Kirsche dann locker einschiebt. Kein Vorwurf an niemanden. Einfach geiler Torschuss. Sie machen’s halt…

Und jetzt? Die Antwort? Pustekuchen! Es geht immernoch nichts. Doch wenig später kam der größte Aufreger für uns: Die Auswechslung von Bebou. Mal ganz abgesehen davon, dass van Duinen vorne so absolut gar nicht stattfand und viel eher hätte Platz machen müssen, ist es für einen Youngster wie Bebou einfach die Höchststrafe, in der 41. ein- und in der 76. wieder ausgewechselt zu werden. Bebou ist neben Bolly und Sararer der einzige im Team, der mal mit Ball am Fuß Dynamik entwickeln und für Unruhe sorgen kann. Aber nein! Er muss runter – Herr Kramer wird sich was dabei gedacht haben.

Für ihn kam unsere neue #10 Demirbay zu seinem Debut. Er durfte auch gleich mal einen Standard aus dem linken Halbfeld ausführen – doch das Resultat? Er trifft die 1-Mann-Mauer… Auch der neueste Neuzugang kann nichts für unser Spiel tun. Natürlich fehlt ihm noch jedwede Bindung. Ya Konan kommt kurz vor Schluss noch mal am 16er in gute Schussposition, jagt den Ball aber an die Latte – kommt uns bekannt vor, hm?! Ansonsten bleibt unser Team bis zuletzt völlig harmlos. Und so geht das vierte Spiel in Folge verloren. Die Negativserie steht.

Szene des Spiels

Sararer erobert in der Nähe des Mittelkreises den Ball nach schlampigen Nürnberger Pässchen. Er marschiert Richtung Clubberaner 16er. Er marschiert, marschiert, marschiert, marsch… Niemand, der sich anbietet, keine Idee, was er machen soll, und so wird ihm der Ball abgeluchst. Was hier NICHT stattgefunden hat, war Umschaltspiel. Unsere Mannschaft wusste NICHTS mit einem eklatanten Fehlpass des Gegners mitsamt viiiieel Platz anzufangen. Besorgniserregend.

Fazit

Diese Mannschaft hat noch überhaupt kein Grundsystem. Spieler werden in Systeme und Aufgaben gesteckt, die sie nicht erfüllen können. Wenn der Vorstand zu geizig ist, ins Spieler zu investieren, dann muss eben das System den Spielern angepasst werden und nicht andersum. ABER: Unser Trainer sollte für die Länderspielpause alle Zeit und Ruhe der Welt bekommen, um echte Feinjustierungen in der Mannschaft vorzunehmen. Noch immer ist nichts passiert – Fehlstarts sind dafür da, das Feld von hinten aufzurollen. Sollte sich aber ein oder zwei Spiele nach der Pause immer noch nichts ändern, und die Mannschaft sich so präsentieren wie gegen Heidenheim oder nun gegen Nürnberg, kann auch Kramer nicht die Antwort auf unsere Trainerseuche sein.

Ausblick: ohne Durchblick in der Personalie?

Die Personalie Liendl ist bei uns FUPPESinhos auch noch nicht verdaut. Ein begnadeter Kicker, der weder Konkurrenz, noch klare Rollenzuteilung bekam, und aus diesen Gründen genauso uneffektiv war wie der Rest. Fortuna schafft es einfach nicht, schwierige Spielertypen zu integrieren. Wenn man so ein Potenzial in einem Spieler sieht, muss es doch gelingen, dieses aus ihm herauszukitzeln. Denn trotz all dem war er Topscorer der vergangenen Saison – ganz egal, wie viele Elfmeter dabei waren. Seine Assists sprechen für ihn. Jetzt ist er bei einem Ligakonkurrenten. Stellt Euch mal vor, er blüht dort auf – das wird ein direkter Nachteil.

Und wir haben eine neue 10. Aber wieder ohne Konkurrenz. Ohne klare Rollenzuteilung. Oder sollen er und Sararer jetzt um die 10 kämpfen? Und wer spielt dann links? Axel? Aber der soll doch hinten…? Aber dann muss Ya Konan ja helfen… Und Schmitz will ja lieber ins zentrale Mittelfeld… Aber da ist ja jetzt Sobottka neben Koch – aber der ist zu jung… Und Fink? Kann Grätschen, aber nicht Spiel aufbauen… Ah ja: Bodzek! Ne, doch nicht. Moment, klar: der Gartner! Gut, aber weiß Kramer überhaupt, was der kann? Koch ist wohl als Einziger gesetzt. Rechts Bolly… Oh, der hat schon wieder Muskeln kapott – okay, dann Bebou… neee: dem hat man ja mal gerade so richtig einen reingewürgt. Vorne van Duinen – oder Pohjanpalo… Oder doch Ya Konan – aber der muss doch hinten Links dem Axel helfen… Oder macht das Demirbay, weil ja doch Sararer auf die 10 muss…? Aber ach, wir wollen ja ohne 10 Spielen. Und wo spielt dann überhaupt Akpoguma? Ach… Da ist doch Schauerte – der geht aber nicht nach vorne…. Also muss sich Bolly die Bälle hinten holen, aber… Ach, der fällt jetzt sicher aus. Also doch wieder Bebou!?

Ihr seht: Wir blicken nicht mehr durch. Und wir sind besorgt. Trainerdiskussion? Ne! Kriegen Sie es einfach hin, Herr Kramer. Länderspielpause nutzen. Sonst wird’s Mitte nächsten Monats ungemütlich. Eine Drohung? Nein: Das hier ist nur Fußball.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Zwei Punkte lethargisch verschenkt!

16 Sep

Wie schon so oft in dieser Saison, verpasst es die Fortuna nach einer Führung den Sack zuzumachen und sich selbst an den Haaren aus dem drohenden Abstiegssumpf zu ziehen. Dafür nutzt ein eigentlich schwacher Gegner in der Schlussphase durch einen Joker die Düsseldorfer Passivität und Lethargie zum Torerfolg und die Fortuna verschenkt im Umkehrschluss wichtige Punkte gegen den Tabellenletzten.

Die Fortuna hatte sich für das Spiel gegen Dynamo Dresden viel vorgenommen – drei Punkte sollten, ja mussten sogar her. In diversen Gazetten war davon zu lesen “wie geil das Projekt Fortuna” (Büskens) sei, da die Fans die Mannschaft auch in der 2. Bundesliga bedingungslos und zahlenstark unterstützen. Auch diesmal war die Arena wieder mit knapp 36.000 Zuschauern ziemlich gut gefüllt; aber auf das, was die Fortuna nach dem Führungstreffer präsentierte, können wir eigentlich nur noch mit vollkommenem Unverständnis reagieren. Diesmal ist Adnan allerdings leider auf Reisen und unser guter Freund Niko unterstützt Fuppes95 bei der Analyse.

Offensiv ins Kellerduell


Als wir die Aufstellung gesehen haben, waren wir guter Dinge: Mike Büskens schickte eine sehr offensive Startelf auf den Platz. Mit Reisinger auf der rechten Seite und den beiden Neuzugängen Hoffer und Bancé in der Zentrale, befanden sich gleich drei gelernte Stürmer in der Anfangsformation. Auf der linken Seite hatte sich Gianniotas seinen ersten Einsatz von Beginn an verdient und das Mittelfeld wurde in der Defensive von Fink und Lumpi komplettiert; Bodzek saß erstmal etwas überraschend auf der Bank. In der Innenverteidigung gab Soares nach seiner ewig langen Verletzungsodyssee sein Startelfdebüt und ersetzte unseren Abwehrchef Latka; mit Bomheuer, Ramirez und Levels war die Viererkette also komplett. Der neue Gästetrainer Janßen (übrigens Levels‘ Onkel) schickte sein Team ebenfalls mit einer 4-4-2 Formation ins Rennen, was direkt darauf schließen ließ, dass sich die Dresdner bei uns nicht verstecken wollten.

Dies wird auch sofort nach Anpfiff deutlich, denn mit aggressivem Pressing stehen die Sachsen unseren Jungs in den ersten fünf Minuten ganz schön auf den Socken. Dann kommt aber auch die Fortuna so langsam ins Spiel und zeigt den Gästen erstmal wer hier Herr im Hause ist. Es fällt früh auf, dass der Spielaufbau der Fortuna diesmal anders gestaltet wird, als in den letzten Partien. Zumeist wird Bancé hoch angespielt, um den Ball auf einen nachrückenden Mittelfeldspieler abzulegen, erst danach gesellt sich der neue Sturmtank zu Hoffer in die Spitze. Dies klappt Anfangs auch hin und wieder ganz ordentlich. In der zehnten Minute gibt es dann die erste Chance für F95, als “dat Astrid” vom rechten Strafraumeck zum ersten mal auf‘s Tor schießt; der ansonsten recht schwache Keeper Kirsten verkürzt aber in dieser Situation geschickt den Winkel und wehrt die Kugel ab. Fünf Minuten später hat Hoffer wohl seine stärkste Aktion des Spiels, als er drei Gegner an deren Strafraum vernascht – den Ball schießt er dann aber leider ins Aus. Unsere Jungs geben in dieser Phase richtig Gas, Levels setzt sich auf seiner Seite zweimal gut mit Flankenläufen in Szene und unsere Greenhorn-Connection auf Links, mit den quirligen Ramirez und Gianniotas, stellt die Dresdner vor einige Probleme. Der junge Grieche ist es dann auch, der unsere Führung in der 18. Minute einleitet. Nach seiner abgewehrten Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld kommt Giannis erneut ans Leder und zirkelt das Spielgerät mit viel Spin in den gegnerischen Fünfmeterraum, Kirsten wehrt den Ball ab, der dann im Strafraum auf den wartenden Fink zuhoppelt. Unser Grätschmeister schießt den Ball per Dropkick ins rechte Toreck – 1:0! Schöne Bude, wichtige Führung, alles wunderbar – und jetzt bitte mal nachlegen!

Allerdings wird schnell deutlich: Ganz so einfach wird es nicht. Denn “Dü-Dü-Dühnamöh” gibt sich nicht so leicht geschlagen und die Sachsen versuchen unsere Defensive unter Druck zu setzen. Dass sich dennoch keine echte Gefahr entwickelt, liegt eher am Unvermögen der Gäste, als an einer sattelfesten Abwehr. Soares gewinnt zwar im Laufe des Spiels an Sicherheit, lässt allerdings im Vergleich mit Latka deutlich Souveränität und Ruhe im Aufbauspiel vermissen. Dies ist nach seiner langen Verletzungspause jedoch nicht sonderlich überraschend. Was nun passiert, ist allerdings nur schwer zu begreifen: Fortuna zieht sich zurück, verkriecht sich regelrecht und kommt ca. 15 Minuten lang fast gar nicht mehr an den Ball, und falls doch, landet dieser direkt nach irgendeiner kopflosen Aktion wieder beim Gegner. In dieser Phase, als kurzer Lichtblick sozusagen, bekommt die Fortuna dennoch in der 31. Minute die Möglichkeit, ihre Führung auszubauen: Gianniotas und Bancé zelebrieren an der linken Seite des gegnerischen Strafraums ein schönes Zusammenspiel und hebeln die sächsische Abwehr aus, leider trifft unser griechischer U20-Nationalspieler mit seinem Schuss aber lediglich die Latte. Nur eine Minute später stockt uns allerdings kurz der Atem: Der wirklich schnelle und trickreiche Ouali kommt nach einem Ballverlust von Bancé an den Ball, lässt mal eben drei, vier Fortunen wie Slalomstangen hinter sich und zieht in den Strafraum, Fink kommt gerade noch rechtzeitig und klärt die Situation mit einer gutgetimten und mutigen Grätsche – wie aus dem Lehrbuch! Der Spielaufbau unserer Jungs wird zur Pause hin leider immer zerfahrener.

Lethargisches Gedümpel


So weit so gut, denken wir als die Spieler aus den Kabinen zurück auf den Platz kommen. Aber wie schon gegen Bielefeld, betritt unser Gegner mit mehr Selbstvertrauen das Spielfeld als er es nach der ersten Hälfte verlassen hat. Die Fortuna, als Heimmannschaft mit einer Führung im Rücken, wirkt verunsichert und in ihren Aktionen zögerlich bis unbeholfen. Die Sachsen mausern sich auf einmal zur spielbestimmenden Mannschaft und unsere Jungs setzten dem nur Passivität und Lethargie entgegen. Während die Spieleröffnung mit langen Zuspielen auf Bancé in der ersten Halbzeit teilweise gut funktionierte, wird nun kaum noch ein Ball über die Mittellinie gebracht. Unser neuer Sturmbrecher kann die Bälle jetzt weder behaupten noch präzise weiterspielen, “Reise” und Hoffer tauchen komplett ab. Die Fortuna wird immer weiter in der eigenen Hälfte eingeschnürt, wo besonders Levels von Ouali vor immer mehr Probleme gestellt wird und besonders in Sprintduellen klar das Nachsehen hat. Unsere Jungs stehen zu weit vom Gegner weg, das Pressing funktioniert auch nicht mehr, da die Dresdner erst in unserer Hälfte attackiert werden und die bekannten Probleme unseres zentralen Mittelfelds häufen sich wieder beängstigend. Geordneter Spielaufbau, Leidenschaft und Selbstbewußtsein sind nicht mehr existent. In der 54. Minute gibt es den ersten gefährlichen Warnschuss durch Koch, der nach einem geschlagenen Luftloch von Reise an die Kirsche kommt, selbige aber über die Latte drischt. Es ist zum Mäuse melken, denn bei uns geht GAR NICHTS MEHR! In der 62. Minute reagiert Büskens und bringt für den abgetauchten Hoffer den genesenen Bebou, der aber leider auch ziemlich glücklos bleiben wird. Eine Minute später gibt es zumindest für eine Millisekunde Grund zur Freude. Nach einer Freistossflanke von Gianniotas (der einzige Mann, der in unseren Reihen Standards kann!) aus dem rechten Halbfeld drückt Bancé das Leder mit der Stirn über die gegnerische Torlinie… aber leider Abseits! Wir hoffen inständig darauf, dass dies der Weckruf für die Fortuna ist und die Jungs jetzt endlich aufwachen! Pustekuchen! Dynamo wird weiterhin herzlich eingeladen, auf Giefers Tor zu spielen. In der 70. Minute kommt dann Bodzek für Reisinger, der weder offensiv noch defensiv irgendetwas in Halbzeit Zwei auf die Kette bekommen hatte. Etwas später kommt dann noch Kenia für Gianniotas (Standards adé…), aber auch dieser Wechsel verpufft vollkommen wirkungslos. Dann kommt es, wie es kommen muss, wenn man den Gegner regelrecht zu Torabschlüssen einlädt: Levels läßt Ouali flanken, Dedic köpft den Ball ungehindert an den Pfosten, Joker Müller bekommt den Abpraller und vernascht im Fünfmeterraum Soares und Giefer. Ausgleich, nicht einmal unverdient. Dass bei der Aktion Koch im Abseits steht und der Treffer somit irregulär ist, ist uns in diesem Moment schnuppe! Denn wir ärgern uns viel mehr über die Einstellung unserer Jungs, als über das Schiedsrichtergespann. Eine wirkliche Aufholjagd kommt in den letzten Minuten dann auch nicht mehr zustande und das Spiel endet vollkommen unnötig unentschieden.

Personelles und die Frage nach dem Warum


Unser Torhüter hatte eigentlich nicht sonderlich viel zu tun, da sich Dresden, trotz Überlegenheit in der zweiten Hälfte, wenige gefährliche Torchancen erspielen konnte. Dennoch muss man feststellen, dass unser Schlussmann in seinen Leistungen bestenfalls stagniert, teilweise sind diese sogar eher rückläufig. Wie einleitend erwähnt, hatte er nicht besonders viel zu tun, hätte aber von sich aus mehr tun können und sogar müssen. Hier wollen wir noch einmal ein leidiges Thema ansprechen: Giefer zeigt eklatante Schwächen in der Spieleröffnung, verpasst häufig den Moment und damit das sprichwörtliche Momentum eines schnellen Abschlags oder Abwurfs, selbst wenn seine Mitspieler den Ball fordern und ihm deutlich signalisieren “Her mit der Kirsche!”. Dies hat gestern in der einen oder anderen Situation zu kurzen aber dennoch lautstarken Reibereien zwischen ihm und seinen Jungs geführt. Dieser Makel unseres Torhüters schwächt unsere Konter-/Angriffsperformance zusätzlich und mittlerweile merklich und muss auch als einer der Faktoren betrachtet werden, weswegen es bei uns in der Spieleröffnung und Vorwärtsorientierung häufig hakt.

Die Innenverteidigung mit Soares und Bomheuer hat ihre Sache ganz ordentlich gemacht, bloß den geordneten Spielaufbau etwas vernachlässigt. Der Brasilianer hat nach etwas unsicherer Anfangsphase besser ins Spiel gefunden, aber leider beim Gegentreffer zu früh auf dem Boden gelegen, so dass Müller recht locker einnetzen konnte. Ramirez war o.k. und Levels hat in der ersten Hälfte ein richtig gutes Match gemacht. Mit fortlaufender Spieldauer setzte sich aber sein schneller Gegenspieler Ouali immer öfter gegen ihn durch, auch weil Reisinger seine eigenen Defensivaufgaben immer mehr vernachlässigte und Levels darum oft im Regen stand. Gianniotas war besonders in der ersten Halbzeit ein Lichtblick und ist endlich mal jemand in unserem Kader, der es versteht gefährliche Flanken und Freistösse zu schießen. Fink und Lumpi hatten in der ersten Minuten gute Momente, wurden dann aber zu fahrig. Beide hingen dem Anspruch Führungsspieler zu sein, meilenweit hinterher – wo waren sie in der ersten Halbzeit nach unserer Führung, als unser Spiel in sich zusammen gefallen ist??? Die beiden neuen Stürmer Bancé und Hoffer haben zu Beginn einige gute Aktionen gehabt, sind danach aber, wie der Rest der Truppe, auf Tauchstation gegangen und hatten kaum noch erwähnenswerte Momente.

Die Personalie die uns aber am meisten auffiel, ist unser Trainer. Als Büskens noch bei Greuther Fürth das Zepter schwang, war er kaum zu bändigen: Wie Rumpelstilzchen sprang er an der Seitenlinie hin und her. Voller Biss und Leidenschaft peitschte er seine Elf nach vorne, wenn es nicht lief und war die Ausgeburt der Euphorie, wenn seinen Spielern gute Aktionen gelangen. Gestern klebte er genauso lethargisch und teilnahmslos auf seinem Pattex-Stuhl, wie sich die Fortunen auf dem Platz präsentierten. „Warum?“, fragen wir uns. Sind es nicht genau solche Momente, in denen der Trainer eingreifen und Motivation entfachen muss? Wenn es schon auf dem Platz niemand hinbekommt, muss dann nicht der Chef auch mal ordentlich dazwischen hauen und die Jungs mit Gesten und Gebrülle wachrütteln? Was liegt denn da schief? Darf er nicht, wie er will, oder will er nicht, wie er darf? Nicht, dass Ihr uns falsch versteht; auf verunsicherte Spieler prügelt man nicht ein und wir wollen bestimmt auch keinen Schreihals á la Werner “Beinhart” Lorant, aber ein wenig mehr Emotionen vorleben dürfte es gerade in solchen Momenten schon sein.

Fazit


Es ist uns absolut unbegreiflich, wie man einfach aufhört irgendwas zu investieren, wenn man in einem so wichtigen Heimspiel 1:0 gegen einen derart schwachen Gegner führt. Da lädt man die Verunsicherung und den Gegner gleichzeitig ein, um die erspielte Führung wieder aus der Hand zu geben. Der Dresdner Keeper Kirsten hat – wie schon der Bielefelder Schlussmann – große Probleme bei Distanzschüssen gezeigt. Warum hält da keiner einfach mal drauf? Bringt man Bebou wirklich bei diesem Spielstand und Spielverlauf? Nicht lieber bei klarer Führung oder Rückstand? Wenn man mit VIER Stürmern spielt, warum spielt man dann 70 Minuten auf Halten – und auf wessen Veranlassung? Sofort nach dem Führungstor erschien es so (und hier nicht zum ersten Mal, man denke nur an ähnliche Situationen in der abgelaufenen Saison), als geriete die Fortuna komplett aus der Fassung und in eine sehr zerbrechliche Phase, in der sie ungeheuer verwundbar wirkt. Sie taumelt wie ein angeschlagener Boxer, obwohl sie selber „getroffen“ hat. Eine eigentlich absurde Frage drängt sich beinahe auf: Kommt die Fortuna (aus welchen Gründen auch immer!) ”nervlich” nicht mit einer eigenen Führung zurecht!!?? Auch hat kein “Führungsspieler” unsere Jungs dazu bringen können, aus der „Schockstarre“ auszubrechen (Axel wäre vermutlich ein Kandidat dafür gewesen, wenn er nicht verletzt gewesen wäre), sein Team mitzureissen. Hier war nichts außer einer spürbaren, riesengroßen Leere. Das ist dramatisch. Wie Ihr seht, wachsen uns gerade ziemlich viele graue Haare, die wir uns gleichzeitig bis zum Erbrechen raufen. Wir sind ob der gezeigten Darbietung der Fortuna mittlerweile ziemlich ratlos, wie der Karren nun aus dem Dreck gezogen werden soll. Dass der Umbruch nach dem Abstieg Zeit in Anspruch nehmen würde, war wohl allen Fortunen klar, dafür gab es einfach zu viele neue Elemente und Verletzungssorgen in dieser noch jungen Spielzeit und das Selbstvertrauen muss und mußte neu erarbeitet werden. Wenn man aber so fahrlässig mit einer guten Ausgangsposition, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit, umgeht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Karren immer tiefer im (Abstiegs-)Sumpf stecken bleibt. Den Fans wird es mittlerweile auch zu bunt, denn zum ersten mal gab es deutliche Pfiffe nach Spielschluss. Jubelarien waren da nur von den lauten Fans der Sachsen zu hören, die ihr Team während der gesamten Partie vorbildlich unterstützt haben – Kompliment dafür, was für eine Power!

Das einzig positive an der derzeitigen Situation ist, dass es nur drei Punkte Abstand bis zu den vorderen Plätzen in der Tabelle sind. Kurzer Rückblick: Letzte Saison in Liga 1 haben nicht wenige Fortuna-Fans und -Interessierte auch bis in die Rückrunde hinein darüber gesprochen, dass es bis zu den Europa-League-Plätzen ja nur 5-6 Punkte seien. Mehr dazu an dieser Stelle nicht. Wenn sich jedoch Trainer, Spieler und Team besinnen und zu ihren Stärken zurück finden, kann es bei der Konstellation aber durchaus schnell gehen, dass die Niederungen der Tabelle wieder verlassen werden – das Potenzial dafür haben wir im Kader ja nach wie vor. Dies wird aber bestimmt nicht passieren, wenn das Team am nächsten Montag gegen St.Pauli an die Leistung des gestrigen Spiels anknüpft.

Zu guter Letzt würden wir gerne (und auch etwas provokativ) in unserer Frage der Woche von Euch wissen, ob es Mike Büskens schafft, das Ruder rumzureissen.

Hoffen wir auf Besserung beim Reeperbahn-Club!
95 Olé!
Ingo & Niko (sowie Adnan im Geiste!) 

Startschuss Olé!

19 Jul

So, werte F95-Community! Bitte anschnallen, denn es geht endlich in die neue Saison! Ärgernis und Trauer über den vermutlich vermeidbarsten Abstieg unserer Vereinsgeschichte sind vollends verflogen. Denn die Vorfreude auf eine neue Saison mit unserer geliebten FORTUNA hat ihr Maximal-Level erreicht. Niemand kann mehr warten, bis die Kirsche endlich wieder rollt. Es hat sich in den vergangenen Wochen viel getan bei unserer Mannschaft und man darf gespannt sein, wie sich das sportlich auswirken wird. Um mal etwas zu sortieren, wie wir nun aufgestellt sind und was man von unseren Jungs erwarten kann, nehmen wir uns in unserem Eröffnungsblog der Saison 13/14 einen ausgedehnten Kadercheck vor. Anschließend sollten wir in der Lage sein, zu formulieren, mit welcher Zielsetzung unsere Jungs an den Start gehen. Und los geht das…

Im Tor: Luxusproblem oder heikler Zweikampf zwischen den Pfosten?

Wir hatten ja schon vergangene Saison wirklich starke Keeper in unseren Reihen. Mit dem Weggang von Robert Almer und dem Neuzugang Michael Rensing hat sich unsere Situation dahingehend aber sogar noch verbessert. Er und Giefer sind erstligataugliche Torhüter – Rensing gar mit Erfahrung auf Topniveau. Während Giefer bei hohen Bällen und auf der Linie riesiges Potenzial gezeigt hat, ist Rensing wohl der Bessere bei Spieleröffnung und Abstimmung mit der Abwehrreihe. Es ist zu hoffen und durchaus denkbar, dass Giefer und Rensing einander zu Bestleistungen drängen.

Mit zwei solchen Knaller-Keepern gesegnet zu sein, birgt aber auch eine gewisse Gefahr in sich. Jürgen Klinsmann kann da bestimmt ein Liedchen von zwitschern, wenn man sich ein Mal an die medialen Kahn-Lehmann-Tumulte zurückerinnert. Giefer und Rensing sind beide selbstbewusst; der Eine mit überdurchschnittlichem Talent; der Andere mit überdurchschnittlicher Erfahrung. Beide sind zu 100% davon überzeugt, die klare Nummer 1 zu sein. Hoffen wir mal, dass Torwarttrainer Oliver Reck und Chefcoach Mike Büskens diesen potentiellen Unruheherd schon im Keim ersticken und sich die Jungs auch untereinander respektvoll verhalten; denn stänkernde Bankdrücker könnten für das Teamgefüge und die Konzentration bei der Mission Wiederaufstieg doch recht kontraproduktiv sein.

Kurzum: Wir sind im Tor top aufgestellt! Andere Zweitliga-Clubs und gar mancher Erstligist dürften uns darum beneiden.


Die Abwehrreihe: Innen massiv; außen rasant!

Schauen wir uns zunächst unsere Innenverteidiger an: Hier finden wir eine gute Mischung aus Erfahrung und Talent vor. Mit Martin Latka – dem Königstransfer der letzten Winterpause – und Stelios Malezas haben wir zwei Nationalspieler. Über Latkas Qualitäten muss man nichts mehr sagen: schlichtweg grandioser Abwehrspieler. Gut, dass er bei uns bleibt. Malezas hatte nun Verletzungspech, ist aber in Normalform auch ein wirklich sicherer Rückhalt. Dustin Bomheuer hat im Testspiel gegen AS Monaco viele beeindruckt: gutes Stellungsspiel, reaktionsschnell und sogar flink auf den Beinen. Die Abstimmung mit Latka passte. Dahinter hätten wir dann noch Bruno Soares, dem zu wünschen ist, dass er endlich länger verletzungsfrei bleibt; und eben noch Juanan, dessen Leistung in der Bundesliga arg durch seine eineinhalb Eigentoren verzerrt wurde – er hat teilweise sehr solide Spiele gezeigt und wird in der zweiten Liga locker bestehen können. Er dürfte aber dritte oder vierte Wahl sein.

Kommen wir zu den Außenverteidigern: im Vorbereitungsspiel gegen Monaco waren die taktischen Änderungen im Spiel der Fortuna unter Mike Büskens am deutlichsten bei den AV sichtbar. Insgesamt standen sie viel höher als noch in der letzten Spielzeit. Balogun, Ramirez und später auch Levels schalteten sich immer wieder in Angriffe ein und setzten die Monegassen ordentlich unter Druck; daraus resultierten das 1:0 durch Reisinger und der Elfmeter nach dem Doppelfoul an Gianniotas und Levels. Nach der Verpflichtung von Heinrich Schmidtgal waren wir uns absolut darüber einig, dass der Ex-Fürther alles mitbringt, um die linke Seite der Fortuna zu beackern. Da „Heini“, das Kraftpaket, sich aber leider noch mit einer älteren Verletzung rumplagte und somit großteilig die Vorbereitung verpasste, gelang es dem im Winter verpflichteten Ramirez sich für die Erste Elf wärmstens zu empfehlen. Was der junge Ecuadorianer im Test gegen Monaco auf den Platz brachte, war schon sehr beeindruckend. Quirlig, schnell, passsicher, technisch stark und zudem ordentlich bissig und trotz seiner Größe zweikampfstark. Wenn der Junge das Gezeigte in den ersten Ligaspielen bestätigt, wird es für Schmidtgal nicht einfach in die Startelf zukommen. Auf der rechten Seite wird die Entscheidung für Büskens wohl ähnlich schwer wie die Beantwortung der Torwartfrage. Levels und Balogun bewegen sich auf sehr ähnlichem Niveau. Beide machten gegen Monaco nach vorne Dampf und standen auch nach hinten gut; beide haben sich bei vergleichsweise wenig Stockfehlern gut ins Kombinationsspiel eingeschaltet. Balogun hat im direkten Vergleich sicherlich Vorteile bei der Schnelligkeit und im Kopfballspiel, während Levels der Bissigere der Beiden ist. Wenn man sich mal erinnert, welche WAHNSINNS-QUALITÄT  bei den Gegenspielern unserer AV in der Bundesliga am Start war (Ribery, Farfan, Reus, Kuba, Elia, Schürrle, blablabla) sieht das Ganze in der zweiten Liga weitaus entspannter aus. Dem sind unsere Jungs ganz sicher gewachsen.

Kurzum: Wir verfügen über eine richtig starke Abwehrreihe. Auch hier dürften wir ligaweit am besten besetzt sein.


Das defensive Mittelfeld
: Staubsauger, Kampfschweine, Laufwunder, Techniker?

Streng genommen verfügt Mike Büskens über vier Spieler, die für das zentrale, eher defensive Mittelfeld in Frage kommen. Adam Bodzek war bis auf seine verletzungsbedingte Auszeit in der vergangenen Saison einer unserer konstantesten und besten Akteure. Er gewinnt enorm viele Bälle an strategisch wichtigen Punkten und hat gelernt, viel weniger zu foulen. Wenn er jetzt noch stärker im Spielaufbau werden würde, stellt er einen kompletten „Sechser“ dar. Lumpi wird stets neben oder leicht vor ihm auflaufen. Ohne Zweifel wird das Leben für Lumpi in der Zweiten Liga leichter – es geht alles nicht so schnell und auch physisch dürften die Gegner nicht mehr so stark sein. Neben Bodzek wird er seinen Startplatz erst mal sicher haben. Oliver Fink hat es versäumt, konstant seine technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Mal blitzten sie auf, doch dann zeigte er wieder durchwachsene Leistungen. Vielleicht war aber auch für ihn und seinem eher offensiver ausgerichteten Spiel in der Mittelfeldzentrale die Bundesliga eine Nummer zu groß. Bleibt noch Ivan Paurevic. Er kam tatsächlich noch mal am letzten Spieltag gegen Hannover zum Einsatz. Er wird seine Chance bekommen – gerne auch mal als Einwechslung, wenn einer der 6er schon die Gelbe Karte gesehen hat.

Es gibt aber noch einen fünfte Mann für das zentrale Mittelfeld: Neuzgang Christian Gartner ist ein potentielles Top-Talent im Kader – als 8er oder auch als 10er denkbar. Der Österreicher aus dem beschaulichen Mattersburg war in seiner Entwicklung durchgehend ein Eckpfeiler und sogar Kapitän diverser U-Mannschaften seines Landes; neben einem guten „Auge“ und Spielintelligenz wird dem 19-jährigen auch ein sehr präzises Passspiel nachgesagt – alles Qualitäten, die wir auch in der letzten Saison gut hätten gebrauchen können. Wenn sich Gartner eingelebt und akklimatisiert hat, wird er zur ernsten Konkurrenz vor allem für Lumpi. Wenn sich seine Entwicklung bestätigt und die Fortuna in Zukunft ihr Heil in der Offensive sucht, dann passt Gartner als passsicherer 8er eventuell besser ins System als unser verehrter Kapitän, der seine Stärken eher in der Balleroberung hat. Das wird spannend.

Kurzum: Wir sind in der Mittelfeldzentrale gut aufgestellt. Entscheidend wird die Frage sein, ob das grundsolide Abwehrverhalten auch in kreativen Spielaufbau münden wird. Dann wären wir nicht nur gut, sondern verdammt gut aufgestellt.


Das offensive Mittelfeld

Für das  offensive Mittelfeld hat Wolf Werner die meisten Neuverpflichtungen präsentiert. Für die beiden  äußeren Mittelfeldpositionen wurden als Konkurrenten für Bolly und Bellinghausen der Australier Ben Halloran und der griechische U-20 Nationalspieler Giannis Gianniotas verpflichtet. Beide haben in etwa die gleichen Stärken und sind echte „Dampfmacher“. Im Spiel gegen die neu(wieder)reichen Steuergünstlinge hinterließen beide einen guten Eindruck; gerade der junge Grieche, der nach der gespielten U-20 Weltmeisterschaft eigentlich gar keinen Urlaub hatte und direkt ins zweite Trainigslager zur Mannschaft gestoßen war, stellte selbst erfahrene Championsleague-Gewinner wie Eric Abidal mit seinen Tempodribblings vor Probleme.

In der letzten Saison waren Voronin und Ilsö als kreative Vorlagengeber für die Zentrale der Fortuna auserkoren und versagten zu unser aller Leidwesen auf ganzer Linie. Aber neue Liga, neues Glück! Mit Lewan Kenia haben wir einen hochtalentierten neuen 10er, der vom ehemaligen Bundesligatrainer Klaus Toppmöller über den grünen Klee gelobt wurde. Der gleiche Toppi hat übrigens in Leverkusen Ballack und Lucio zu Weltklassespielern geformt und über den damals noch ziemlich unbekannten Dimitar Berbatov so ziemlich das Gleiche gesagt, wie auch über Kenia. Hoffen wir mal, dass Toppmöller Recht behält und Kenia nach seiner langen Verletzung bei uns sein Talent ausschöpft. Dann hätte er das Zeug, die Fortuna zurück in die erste Liga zuführen.

Kurzum: Besonders auf diesen Positionen haben wir sehr viele Talente – allerdings muss sich dieses Talent erst entwickeln. Somit ist die Offensivabteilung im Mittelfeld noch kein Garant. Da werden wir abwarten müssen.


Abteilung ATTACKE: Die jungen Wilden und der „Reise“

Geben wir es zu: Wir haben uns einen Knipser gewünscht. Jemanden, bei dem klar ist: Hat der die Pille, knülzt er sie rein. Aber Fakt ist leider auch, dass das europaweit übernommene 4-2-3-1 System genau diesen Spielertypen aussterben lässt. Alles kommt über außen – selbst die Torschützen. Da werden gute Stürmer für die klassische 9er Position Mangelware. An Poté waren wir dran; ebenso an Olivier Occean und sogar Gerald Asamoah – angeblich. Nun ist unser Neuzugang Charliston Benschop. Großgewachsen, bullig, aber dennoch beweglich. Im letzten Test gegen Büderich hat er sich gut in Szene gesetzt. Wir sind gespannt, was er reißen kann. Zweitliga-Format sollte er in jedem Fall haben. Von fürchterlichem Pech war die Überraschungsentdeckung der Vorbereitung verfolgt: Ilhas Bebou, eine echte Perle aus unserer Jugend. Er hat in den Testspielen richtig Alarm gemacht. Es ist zu hoffen, dass er schnell den Anschluss an das Mannschaftstraining findet und ihm Mike Büskens dann auch wieder die Chance gibt, sich zu zeigen – das muss unseren Trainer von Norbert Meier unterscheiden.

Unter Meier hatte Gerrit Wegkamp die Möglichkeit, ein paar Minütchen Bundesligaluft zuschnuppern – allerdings auch nicht mehr. Für seinen Neuanfang unter Büskens scheint er sich viel vorgenommen zuhaben, denn in der Vorbereitung hat er sich als treffsichere Alternative präsentiert. Gerade die Chemie mit Stefan „Reise“ Reisinger scheint in der Offensive zu stimmen. Gegen Monaco erzielten sie immerhin alle Tore und haben auch ganz ordentliches Pressing gespielt. Reisinger ist im Kader sicherlich der Stürmer mit der größten Erfahrung und dürfte in der zweiten Liga für eine zweistellige Torquote gut sein.

Kurzum: Ein Reise in Normalform und ein Durchstarter unter unseren Jungspunden da vorne könnten viel Freude bereiten. Torgranaten haben wir weiterhin nicht. Aber, wer hat die schon in Liga 2…?

Der Glaube an junge Talente!

Insgesamt ist es schön zu beobachten, dass wir uns diesmal gleich mehrere talentierte Jungspunde geangelt und (bis auf Benschop) alle auch fest verpflichtet haben – angeblich sogar ohne Ausstiegsklauseln! Da hat der Verein aus der Vergangenheit, als wir die Harniks, Beisters, Kruses und Lukimyas ziehen lassen mussten, gelernt. Die Fortuna hat mit Bomheuer, Gartner, Kenia, Halloran und Gianniotas gleich fünf äußerst talentierte Youngster verpflichtet; falls nur zwei davon den „Maxi Beister“ machen und bei uns richtig durchstarten, werden wir viel Freude an ihnen haben. Dazu kommen ja noch aus dem letzten Jahr Ramirez, Wegkamp, Omae und Bolly, die ebenfalls noch eine Menge Entwicklungspotential in Petto haben und zu guter letzt hat der Verein ein paar Toptalente der eigenen Jugendabteilung mit Verträgen ausgestattet. Es scheint so, als wäre es Wolf Werner und Mike Büskens gelungen, eine gute Mischung aus routinierten (aber nicht alten) Profis und jungen Wilden zusammenzustellen. Es bleibt allerdings auch abzuwarten, wie schnell sich die Neuen integrieren. Hier muss man gerade bei jungen Spielern geduldig sein.

Ausgangssituation & Konkurrenz: Alles auf Wiederaufstieg?

Die Konkurrenz schläft nicht – in diversen Umfragen zur zweiten Liga sind sich die Experten einig, dass es in der Jubiläumssaison (Allet Jute zum Vierzigsten!) ein ziemliches Hauen und Stechen um die Aufstiegsplätze geben wird, bei dem die halbe Liga beteiligt sein wird. Gehen wir mal durch, wer ganz oben mitspielen dürfte:

Natürlich ist der 1. FC Kaiserlautern als Drittplatzierter der Vorsaison zu nennen. Da Braunschweig und die verschissene Hertha eine überragende Saison gespielt hatten, konnten die Roten Teufel nur abgeschlagen Dritter werden. Doch man sah in den Relegationsspielen gegen Hoffenheim, dass den Lauterern letztlich eine Menge gefehlt hat. Einzig Baumjohann zeigte erstligataugliche Qualitäten – und der ist jetzt weg. Es stellt sich daher die Frage, wer Mo Idrissou und den Frisch „verteufelten“ Olivier Occean versorgen soll. Daher ist Lautern auf dem Papier zwar stark; es ist aber denkbar, dass sie der Weggang von Baumjohann stark schwächt. Mitabsteiger Greuther Fürth muss hingegen allein schon aufgrund des selbst in der Bundesliga stets gezeigten Offensivfußballs als Topfavorit gelten. Sie spielen seit Jahren offensiv und haben in der Bundesliga lediglich zu viele Buden hinten kassiert und vorne die Dinger nicht gemacht. Der Qualitätsabfall in der Zweiten Liga wird besonders der Fürther Spielphilosophie zugute kommen – zudem ist die Truppe eingespielt. Leider müssen wir an dieser Stelle auch die Unaussprechlichen aus _ #+%öln nennen. „Däh Effzeh“ hat in der letzten Saison unter Stanislawski etwas zu spät die Kurve gekriegt und ist lustigerweise dem Aufstieg aus dem Weg gegangen. Auch das Team scheint sehr eingespielt. Dank ihres Verbleibs in Liga 2 werden wir endlich wieder richtige Derbys bekommen, wo wir denen am besten zwei Mal zeigen werden, wer am Rhein das Sagen hat! Trotzdem werden sie es uns schwer machen. Mit Ujah, Risse und Halfer wurde die Offensive gut verstärkt und mit Schmadkte ist ihnen leider wirklich der echte Coup gelungen. Wenn sie ihn lassen, wird er aus unserem Nachbarn einen wirklich ernstzunehmenden Gegner im Aufstiegsrennen machen. Eine absolute Variable ist hierbei aber noch der neue Trainer Stöger.

Als Geheimfavoriten könnte man den VFL Bochum bezeichnen. Unter Schnäutzerlegende Peter Neururer ist denen wirklich alles zuzutrauen. Mit Christian Tiffert haben die Ruhrpottler zudem einen sehr cleveren Transfer eingetütet und einen neuen Leader verpflichtet und mit Sukuta-Pasu, der seit Jahren als Top-Talent im deutschen Fußball gehandelt wird, hat sich ein weiterer sehr interessanter Stürmer den Bochumern angeschlossen. Nicht vergessen sollten wir bei all dem Union Berlin, FSV Frankfurt, Energie Cottbus und 1860 München. Die spielen eigentlich immer wieder irgendwie da oben mit, gleichen manchmal einer Wundertüte. Also: Obacht!

Jetzt darf es aber auch bitte losgehen!

Nun gut – wir haben nun genug rumsinniert. Auch wir wollen jetzt einfach nur noch den Anpfiff hören und unsere Jungs in Rot anpeitschen. Wir freuen uns wie Bolle (und Bolly) auf die neue Saison und hoffen, Euch Woche für Woche interessante Diskussionen und Analyen zu den Spielen zu liefern. Über 23.000 verkaufte Dauerkarten machen deutlich, dass das Herz der Stadt weiter für die Fortuna pocht – denn Liebe kennt keine Liga!

Der Countdown läuft – in diesem Sinne!

Ingo & Adnan