Tag Archives: Auswärtsniederlage

0 Durchblick. 0 Spirit. 0 Punkte.

31 Aug

Unsere Fortuna präsentiert sich desolat im Brutkasten der Nürnberger, bleibt über das gesamte Spiel ideenlos und kann mal wieder das entscheidende Gegentor nicht verhindern. Rote Laterne Olé!

Letzter der Rückrunde-Tabelle und nach dem 5. Spieltag nun auch letzter der neuen Spielzeit. Das Wort mit den fünf Buchstaben, das mit KRI anfängt und mit SE aufhört, setzt sich bedrohlich zusammen und ist kaum noch zu leugnen. Nein, man steht hier nicht vor einem Ruin und noch ist absolut gar nichts über den Verlauf der Saison gesagt. Wenn man jedoch sieht, wie orientierungslos die Mannschaft auf dem Platz wirkt, sieht man nicht so recht, warum es Grund zu Zuversicht und Hoffnung auf bessere Zeiten geben sollte. Abstieg? Ach Quatsch! Dritte Liga Mannschaft? Schlechter Kader? Nein!! – System? Konzept? Vision? Passende Rollenverteilung auf dem Platz? Leider auch nein! Die heutige Aufstellung machte das deutlich:

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Kramer hält Axel immernoch für einen Gewinn im Team. Diesmal lässt er ihn als LV auflaufen. Da er das aber nicht ganz so gut macht, soll ihm Ya Konan, der diesmal als LM spielen muss, hinten aushelfen. Ya Konan? Der erfahrene Mittelstürmer, unser designierter Goalgetter soll hinten aushelfen? Hat der nicht andere Aufgaben? Die soll van Duinen erfüllen. Er wird auf die #9 gestellt. Bodzek ist nicht mal im Stadion. Haben wir erst mal nichts gegen. Koch und Sobottka bilden das junge ZDM-Duo. Rechts außen darf Bolly düsen. Tja, und dann das erste Fragezeichen: Warum 4-2-3-1 mit einem 10er?? ML10 wird verkauft. Unter anderem, weil es heißt, Kramer spiele nicht mit einem 10er. Aber genau da stellt er Sararer hin – der Mann, der die besten Spiele vom linken oder rechten Flügel kommend spielte. Er Vorbereiter, kein „Abschließer“. Okay, kann man versuchen… Muss man aber wirklich nicht, denken wir.

Nürnberg darf auch 11 Mann aufs Feld schicken. Aber deren Mannschaft ist auf Schlüsselpositionen dünn besetzt. Vor allem die Abwehr hat sich zuletzt super wackelig angestellt. Das kann ja dann nur bedeuten: VOLLGAS UND ÜBERRENNEN und den Gegner zu Fehlern zwingen. Als Zweck- und Daueroptimisten glaubten wir sogar dran…

HZ1: Nichts zu sehen. Nichts zu erkennen.

Als die Mannschaften den Platz betreten wird Folgendes klar: Man sieht vor lauter dunkler Trikots die Teams nicht. Bei senkrecht stehender Sonne und zwei Mannschaften mit dunklen Trikots erkennt man fast durchgehend gar nicht recht, wer eigentlich wer ist. Für uns unbegreiflich, wie man so etwas überhaupt anpfeiffen kann. Hätte Nürnberg nicht wenigstens weiße Hosen und Stutzen tragen können? Es war in sehr vielen Situationen mit zur Aktion eines Spielers kaum ersichtlich, welche Mannschaft einen Zweikampf gewann, die Kirsche führte oder bei einem Luftduell in aussichtsreicherer Position steht.

Aber wir waren in puncto „fehlendem Durchblick“ nicht allein: Unsere Jungs auf dem Platz wussten auch nicht, was zu tun ist. Und das lag wirklich nur bedingt an den Trikotfarben. Das lag viel eher daran, dass von Anfang deutlich wurde, wie wenig jeder einzelne weiß, was er eigentlich tun soll. Und noch schlimmer: Spieler sollen Aufgaben erfüllen, von denen man eigentlich wissen müsste, dass sie es nicht können. Oder aber – sie kommen nicht dazu, die Dinge zu tun, die sie gut können, weil sie anders aufgestellt werden. Hierbei vor allem Ya Konan und Sararer. YK is eine Wühlmaus, ein Strafraumspieler und jemand, der sich – in seinen besten Tagen – dadurch hervorhebt, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht und Hereingaben verwertet. Was bitte soll er, der weder dribbelstark ist und noch nicht mal einen starken Antritt hat, auf dem Flügel? Schlimmer noch: Was soll er in der Defensive? Wie oft war er an der eigenen Grundlinie oder in der Nähe des eigenen 16ers, um Axel hinten zu unterstützen? Und der Gegner war ja nun mal nicht gerade Douglas Costa, den man zu zweit bearbeiten müsste…

Der zweite Fall von falsche Aufgaben für den falschen Mann: Sararer macht Alarm, wenn er mit Ball am Fuß außen ins 1-gegen-1 geht, Tempo entwickelt und im besten Fall einen Kollegen bedient. Aus der Mitte als #10er hat er noch nie glänzen können – vielleicht mal in der F-Jugend; oder gegen eine F-Jugend. Und dennoch wird er genau dort hingestellt. Dort wird er aber nicht steilgeschickt. Hat überhaupt keinen Raum und muss sich ein gänzlich neues Rollenverständnis zulegen.

Bolly kommt in diesem Spiel nicht in Fahrt. Er muss sich die Bälle hinten holen, weil er keine Zuspiele kriegt. Und in der 41. Minute trabt er plötzlich zur Seitenlinie. Auswechslung. So schlecht war er nicht, als dass er ausgewechselt werden müsste. Also muss wieder ein Muskel gezwickt haben. Nach viereinhalb Spielen sollten wir uns also auf die erste Verletzungspause von Bolly – einem der wenigen Highlights dieser bisherigen Saison – vorbereiten. Für ihn kommt Bebou. Ihm hatte Kramer zuletzt keine wirkliche Chance gegeben. Somit freuen wir uns, ihn zu sehen.

Aber weiterhin… Hier geht spielerisch überhaupt nichts. Keine Kombinationen. Standards und Ecken werden lächerlichst vergeigt. Dass sowohl Nürnberg als auch unsere Jungs regelkonforme Tore schießen, erscheint einem irgendwie an so einem Tag egal. Erwähnen müssen wir es aber. Denn wenigstens hat Koch einen schönen Flachschuss ausgepackt, der kurz vor der Halbzeit die Führung bedeutet hätte, hätte, hätte liecht im Bette…

HZ2: Formvollendete Harmlosigkeit

Auch die zweite Halbzeit war öde und langweilig, aber vielleicht einen Ticken besser – zumindest zeitweise. Unsere Jungs hatten mehr vom Spiel (Ballbesitzt) – aber gelenkt haben sie das Spiel trotzdem nicht. Zu keinem Zeitpunkt. So harmlos wie unsere Jungs nach vorne Spielen, könnten die Nürnberger auch getrost einen Feldspieler ins Tor stellen. Die Idee, man könne ja mal eine generell wackelige Abwehr überrennen, geht halt nicht auf, wenn man gar nicht erst weiß, wie man einen Angriff aufbauen kann/will/soll/muss. Kick and rush war zeitweise die Devise. Macht nur keinen Sinn, wenn vorne kein Sturmtank solche Bälle verwerten kann.

Nürnberg beschloss irgendwann dann noch mal, etwas für einen möglichen Sieg zu tun. Und in der 67. Minute klingelte es, nachdem es zuerst mächtig schäpperte: Irgendein Heini (Mähwald? Möhwald?) hält volle Suppe drauf, trifft den Pfosten, von wo das Spielgerät einem Spielkollegen vor die Füße tröpfelt, der die Kirsche dann locker einschiebt. Kein Vorwurf an niemanden. Einfach geiler Torschuss. Sie machen’s halt…

Und jetzt? Die Antwort? Pustekuchen! Es geht immernoch nichts. Doch wenig später kam der größte Aufreger für uns: Die Auswechslung von Bebou. Mal ganz abgesehen davon, dass van Duinen vorne so absolut gar nicht stattfand und viel eher hätte Platz machen müssen, ist es für einen Youngster wie Bebou einfach die Höchststrafe, in der 41. ein- und in der 76. wieder ausgewechselt zu werden. Bebou ist neben Bolly und Sararer der einzige im Team, der mal mit Ball am Fuß Dynamik entwickeln und für Unruhe sorgen kann. Aber nein! Er muss runter – Herr Kramer wird sich was dabei gedacht haben.

Für ihn kam unsere neue #10 Demirbay zu seinem Debut. Er durfte auch gleich mal einen Standard aus dem linken Halbfeld ausführen – doch das Resultat? Er trifft die 1-Mann-Mauer… Auch der neueste Neuzugang kann nichts für unser Spiel tun. Natürlich fehlt ihm noch jedwede Bindung. Ya Konan kommt kurz vor Schluss noch mal am 16er in gute Schussposition, jagt den Ball aber an die Latte – kommt uns bekannt vor, hm?! Ansonsten bleibt unser Team bis zuletzt völlig harmlos. Und so geht das vierte Spiel in Folge verloren. Die Negativserie steht.

Szene des Spiels

Sararer erobert in der Nähe des Mittelkreises den Ball nach schlampigen Nürnberger Pässchen. Er marschiert Richtung Clubberaner 16er. Er marschiert, marschiert, marschiert, marsch… Niemand, der sich anbietet, keine Idee, was er machen soll, und so wird ihm der Ball abgeluchst. Was hier NICHT stattgefunden hat, war Umschaltspiel. Unsere Mannschaft wusste NICHTS mit einem eklatanten Fehlpass des Gegners mitsamt viiiieel Platz anzufangen. Besorgniserregend.

Fazit

Diese Mannschaft hat noch überhaupt kein Grundsystem. Spieler werden in Systeme und Aufgaben gesteckt, die sie nicht erfüllen können. Wenn der Vorstand zu geizig ist, ins Spieler zu investieren, dann muss eben das System den Spielern angepasst werden und nicht andersum. ABER: Unser Trainer sollte für die Länderspielpause alle Zeit und Ruhe der Welt bekommen, um echte Feinjustierungen in der Mannschaft vorzunehmen. Noch immer ist nichts passiert – Fehlstarts sind dafür da, das Feld von hinten aufzurollen. Sollte sich aber ein oder zwei Spiele nach der Pause immer noch nichts ändern, und die Mannschaft sich so präsentieren wie gegen Heidenheim oder nun gegen Nürnberg, kann auch Kramer nicht die Antwort auf unsere Trainerseuche sein.

Ausblick: ohne Durchblick in der Personalie?

Die Personalie Liendl ist bei uns FUPPESinhos auch noch nicht verdaut. Ein begnadeter Kicker, der weder Konkurrenz, noch klare Rollenzuteilung bekam, und aus diesen Gründen genauso uneffektiv war wie der Rest. Fortuna schafft es einfach nicht, schwierige Spielertypen zu integrieren. Wenn man so ein Potenzial in einem Spieler sieht, muss es doch gelingen, dieses aus ihm herauszukitzeln. Denn trotz all dem war er Topscorer der vergangenen Saison – ganz egal, wie viele Elfmeter dabei waren. Seine Assists sprechen für ihn. Jetzt ist er bei einem Ligakonkurrenten. Stellt Euch mal vor, er blüht dort auf – das wird ein direkter Nachteil.

Und wir haben eine neue 10. Aber wieder ohne Konkurrenz. Ohne klare Rollenzuteilung. Oder sollen er und Sararer jetzt um die 10 kämpfen? Und wer spielt dann links? Axel? Aber der soll doch hinten…? Aber dann muss Ya Konan ja helfen… Und Schmitz will ja lieber ins zentrale Mittelfeld… Aber da ist ja jetzt Sobottka neben Koch – aber der ist zu jung… Und Fink? Kann Grätschen, aber nicht Spiel aufbauen… Ah ja: Bodzek! Ne, doch nicht. Moment, klar: der Gartner! Gut, aber weiß Kramer überhaupt, was der kann? Koch ist wohl als Einziger gesetzt. Rechts Bolly… Oh, der hat schon wieder Muskeln kapott – okay, dann Bebou… neee: dem hat man ja mal gerade so richtig einen reingewürgt. Vorne van Duinen – oder Pohjanpalo… Oder doch Ya Konan – aber der muss doch hinten Links dem Axel helfen… Oder macht das Demirbay, weil ja doch Sararer auf die 10 muss…? Aber ach, wir wollen ja ohne 10 Spielen. Und wo spielt dann überhaupt Akpoguma? Ach… Da ist doch Schauerte – der geht aber nicht nach vorne…. Also muss sich Bolly die Bälle hinten holen, aber… Ach, der fällt jetzt sicher aus. Also doch wieder Bebou!?

Ihr seht: Wir blicken nicht mehr durch. Und wir sind besorgt. Trainerdiskussion? Ne! Kriegen Sie es einfach hin, Herr Kramer. Länderspielpause nutzen. Sonst wird’s Mitte nächsten Monats ungemütlich. Eine Drohung? Nein: Das hier ist nur Fußball.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Advertisements

Knapp den Knappen unterlegen

24 Feb

Unsere Jungs spielen anfangs zwar zu ängstlich, aber dafür durchgehend höchst konzentriert gegen motivierte S-Null-Vierer, sind zeitweise die spielbestimmende Mannschaft und bringen sich doch aufgrund zweier Standardsituationen um den verdienten Lohn.

Zähneknirschend mussten wir beide hinnehmen, nicht gemeinsam mit 5.000 weiteren Fortunen vor Ort unserem Gastspiel auf Schalke folgen zu können. So waren wir dazu verdammt, die SKY-Übertragung zu verfolgen. Adnan war immerhin in geselliger Runde mit den Berliner Havelpralinen in der von Fortunen eingenommenen Kreuzberger Kneipe USCHI Nation. Per modernster Mobiltechnologie (ja, auch Ingo & Adnan nutzen sie 🙂 ), tickerten wir zwei munter bei wichtigen Szenen hin und her.

Nu isset ja so: Je mehr Freunde und Bekannte Fans der gegnerischer Mannschaft sind, umso voller nimmt man im Vorfeld der Partie de Schnüss. Und, da es ja durchaus Sinn machte, zuversichtlich dieser Partie entgegenzufiebern, tönten wir ausgiebigst rum: „Die Scheiss-Knappen sind fällig!“ oder „Nach der Pleite gegen uns muss Euer Trainer gehen!“. Doch als die Aufstellung der Schalker eingeblendet wurde, mussten wir einander ein „krasses S04-Mittelfeld, Alter“ mobil zutexten: Neustädter, Jones als zentrale Defensiv-Strategen, sowie Bastos, Draxler und Farfan als Offensivtrio mit Huntelaar als Sturmspitze sind auf dem Papier echt mal ’ne Ansage. Statt aber in Ehrfurcht die Hosen voll zu kriegen, glaubten wir daran, dass unsere Jungs mit der richtigen Attitüde und Präsenz auf dem Platz eben diesen Sportskameraden das Leben äußerst schwer machen würden. Bei der graphischen Einblendung unserer F95-Elf musste ein gewaltiger FACEPALM her, als unsere Nummer #28 vorgestellt wurde. Diese Praktikanten bei SKY haben einfach mal das Gesicht von Timo Furuholm bei Martin Latka eingeblendet. Dieser besagte Prakti wird den Kader in seinem Kicker-Sonderheft durchgeschaut und Furuholm mit der #28 entdeckt haben – dass sie aber inzwischen ein Anderer trägt (nämlich Hannibal Latka aka Bane aka The Rock aka Valujev), muss ihm entgangen sein. Seltsam, solche Peinlichkeiten… Und auch sonst könnte man jetzt über diese unsäglich Experten-Runde mit Matthäus & Co. zeilenlang abkotzen. Wir machen’s aber mal nicht…

S04-Lawine überstanden – „standardisierter“ Rückstand

Kommen wir lieber zum Spiel: Vor Anpfiff war bereits klar, was auf uns in der Anfangsphase zu kommen würde: Eine menge Druck! Wenn ein Team wie Schalke am Mittwoch ein schweres CL-Auswärtsspiel in Istanbul hatte und danach ein Aufsteiger zu Gast im eigenen Stadion ist, versucht eine clevere Truppe bereits im ersten Spieldrittel den Sack zu zumachen. Folgerichtig entscheidet sich Norbert Meier für eine sehr defensive und laufstarke Startelf, um die Schalker auf Granit beißen zu lassen. Für Schahin (der nach 11 Minuten Reisinger ersetzte) und den grippegeschwächten Kruse, rücken die zuvor gelbgesperrten Bodzek und Lamberts zurück ins Team. Schlacke beginnt mit wütenden Angriffen und attackiert die Fortuna bereits am eigenen 16er. Unsere Jungs wirken, ähnlich wie beim Hinspiel, arg eingeschüchtert von der Gelsenkirchener Spielfreude und Angriffslust; Draxler, Bastos, Farfan und Huntelaar sind ja nunmal nicht irgendwelche Halunken. Allein diese vier Spieler haben einen fast doppelt so hohen Transferwert wie der gesamte Kader der Fortuna. So stemmen sich die tief stehenden Mannen um Capt’n Lumpi mit Laufbereitschaft, Team-Spirit und Leidenschaft gegen die Schalker Angriffslawinen, die auf den Düsseldorfer Strafraum hereinbrechen. Folgerichtig bekommen wir bis auf wenige Ausnahmen in der ersten halben Stunde wenig bis nichts nach vorne zu Stande. Aber Schalke hat aus dem Spiel heraus gegen unsere gut geordnete Mannschschaft Probleme. Wirklich gefährlich wird es nur, wenn es schnell geht, wie bei Farfans Pfostenschuss in Minute 19. Unsere beste Chance ist Dani Schahins Geschoss in der 24. Minute, das ein schönes Tor des Monats abgegeben hätte, wenn, ja wenn die Kirsche 50 cm tiefer im Torwinkel der Schalker eingeschlagen wäre, anstatt über die Latte zu zischen. Beinahe haben wir das erste, schwierige Drittel des Spiels überstanden, als es leider eine Freistoß-Flanke von Farfan gibt, die Matip nach einer Kopfball-Ablage durch Jones über die Torlinie drückt. Leider war anhand der Spielanteile die Führung verdient; aber trotzdem ärgerlich. Die Hereingabe von Farfan war richtig stark, denn so ein Ball treibt die Defensive an den Rand des 16ers, und wenn dann ein Kopfballduell verloren wird und die Kirsche ins Zentrum zurückkommt, wird es eben gefährlich – und sowatt können die Schalker nun mal…

Mit Kampf und Passspiel das Zepter in die Hand genommen

Nach der Führung passiert genau das, worauf wir gehofft hatten: Schalke lockert etwas die Zügel und die Fortuna findet langsam ins Spiel – wie im Hinspiel. Nach dem Halbzeittee werden wir mutiger und stehen auch nicht mehr so tief – dies liegt aber auch daran, dass man den „Knappen“  langsam das physisch und psychisch anspruchsvolle Mittwoch-Spiel ankmerkt. Unser Spielaufbau wird nicht mehr so bissig gestört und Konzentrationsfehler häufen sich bei den Schlackern. In dieser Phase wird das Spiel immer ausgeglichener. Nur über Bastos und Farfan wird es ab und an gefährlich, aber unsere Außenverteidiger lösen ihre Aufgaben gegen diese Kaliber richtig gut. Da durch die Ausfälle von Kruse und Reisinger Fortunas stärkste Solisten nicht dabei sind, werden wir hauptsächlich durch Passstaffetten (hört, hört!) gefährlich und sorgen so für Entlastung, da diese mit zunehmender Spieldauer immer besser gelingen. Besonders Axel knüpft an seine Leistungen aus dem Führt-Spiel an. Sogar seine zidanesquen Dribbel-Pirouetten funktionieren nun und er scheitert nicht wie in der Hinrunde an seinen eigenen Beinen oder seiner spürbaren Aufregung. Als er mal ins Abseits gelaufen ist, wurde in der Zeitlupe klar, warum genau er im Abseits war: Er sprintet im unvergleichlich nach vorn gebeugten Stil, als würde er einen Bob anschieben und gleich reinspringen wollen. Ihm scheint die kurze (und von uns geforderte 😉 ) Pause von der Startelf gut getan zuhaben. Zu seiner vorbildlichen Einstellung gesellt sich nun merklich mehr Ruhe und Freude am Spiel. Seine Wille, Verantwortung zu übernehmen, wirkte bis dato zu verbissen, doch das scheint er hinter sich gelassen zu haben. Der neue/alte Axel ist es dann auch, der uns den viel umjubelten Ausgleich beschert. Er vernascht Höger auf links, schmeißt den Turbo an und peitscht in der 56. nach Zuspiel von Malezas die Seitenlinie entlang. Schahin zeigt ihm per Handzeichen in Strafraumnähe an, wo er die Pille hinhaben will. Axel folgt maßgenau und schickt unseren besten Torschützen mit Flanken-Auftrag zur Grundlinie. Während Schahin das Spielgerät scharf und flach in den Strafraum spielt und unser Kapitän im Volltempo auf den langen Pfosten zuhält, spurtet Axel in gespannter Erwartung zum Fünfmeterraum durch. Danis Zuspiel erreicht tatsächlich Lumpi und dieser ballert in bester Mario-Basler-Manier das Leder als flache Flanke zurück in die Mitte auf den heranstürmenden Axel, der das Runde nur noch eben ins Eckige buchsieren muss. Ein herrlich herausgespielter Treffer! Es freut uns sehr, dass  gerade Lumpi und Axel diese schöne Kombination erfolgreich abgeschlossen haben. Auch Lumpi (kongenialer Kampfsaupartner von Axel) wächst immer mehr in das Bundesliga-Tempo hinein und reduziert kontinuierlich seine Fehlerquote. Unvergessen eine Szene Mitte der ersten Halbzeit, als er im Stile einer Abrissbirne einfach den ewig langen Ballbesitz der Schalker am rechten Flügen durchbrach und den Ball in der Schalker Hälfte eroberte. Wenn man dem Jong beim Ackern zuschaut, weiß man, warum bei uns der Funken überspringt und die Mannschaft selbst bei Niederlagen mit Respekt und Wohlwollen behandelt wird. Da können sich einige Fußballprofis ’ne Scheibe abschneiden- schönen Gruß nach Hoffenheim!

Rückkehr der Standardiritis?

Dass wir im Endeffekt doch keine Punkte aus der Fällt-hin-Arena mitnehmen können, liegt am an dem Abend viel zu torgefährlichen Joel Matip, der uns erneut in die Suppe spuckt. Zwar gelingt es der Fortuna mit zunehmender Spieldauer, die Schalker weiter unter Druck zu setzen und spielt gegen die immer müder werdenden Gastgeber auf Sieg, aber durch ihre individuelle Klasse bleiben die Ruhrpottler stets brandgefährlich. Für Draxler wird der in der Vergangenheit von Todesangst geplagte Ex-Herthaner Raffael eingewechselt, der bei den Schalkern neue Impulse setzen soll; dies gelingt nur bedingt. Viel mehr erinnert seine gezogene Flappe nach einer mißglückten Aktion an die Miene eines Dreijährigen, der seinen Kuschelhasen verloren hat. Tja, und, wenn aus dem Spiel nichts gelingt, müssen halt Standards her – und es scheint, als schleiche sich erneut so etwas wie eine Standardiritis bei uns ein. Nach einer Ecke (KORREKTUR: Es war in Freistoß aus dem rechten Halbfeld – Danke für Hinweis, Daniel Bonner) in der 81. Minute vermiest uns Matip dann gänzlich den Tag. Der Ball landet bei Bastos, der nahezu den ganzen Fortuna-Kader im Strafraum auf sich zieht. Die Ordnung geht komplett verloren. Bastos schießt – das Leder wird von Malezas abgefälscht und hoppelt dem am 5er wartenden, von allen Fortunen allein gelassenen und von Balogun nicht ins Abseits gestellten Matip genau vor die Füße. Mit augenthalerischer Bierruhe dreht sich dieser noch auf dem Bierdeckel, zieht die Hose kurz hoch, während Giefer schon zum Hechtsprung ansetzt und netzt zur zu dem Zeitpunkt völlig unverdienten Führung für Schalke ein. Giefer, der sich im Laufe des Spiels wieder einige male auszeichnen konnte, trifft bei beiden Treffern keine Schuld. Später holt er sich noch Gelb nach wichtigem, taktischen Foul an Hildebrand und der Verhinderung eines Schalker Konters auf’s leere Tor. Das hat uns unsere Tordifferenz gesichert – muss man auch sehen. Meier hatte zuvor erst Omae und später Ilsö für die Schlussoffensive gebracht. Beide kommen recht spät und finden nicht so recht rein. Grund zum Wechseln hatte Meier aber eigentlich auch nicht – denn eigentlich lief unser Spiel ganz gut…

An unsere Grenzen gestoßen?

Was hätten unsere Jungs besser machen können? Klar, Standards besser verteidigen. Aber an irgendeinem Punkt sind gute Fußballer nunmal schwer zu verteidigen. Vielleicht hätte Balogun Matip vor dem 1-2 Abseits stellen können – andererseits geht das alles so schnell, dass man diesen Vorwurf nur schwerlich stehen lassen kann. Tja, und offensiv? Es scheint weiter der berühmte letzte präzise Pass, oder ein gefährlicher Abschluss – wenn auch mal aus der Distanz – einfach (noch) nicht möglich. Eigentlich liegt genau hierin die noch bleibende Schwäche der Fortuna – auch zu sehen, nachdem in der 1. HZ Balogun zu einem imposanten Offensivsolo ansetzte, den Schalker Verteidiger „reisingeresk“ per Bauerntrink überwand, dann aber niemandem im 16er auflegen konnte. Fink war von einem Schalker abgelaufen worden. Oder aber auch Jojo, der die Technik und die Sprintstärke besitzt, auf dem Flügel richtig Gas zu geben; dann aber, wenn es darauf ankommt, weder flanken, noch maßgenau passen oder aber auf’s Tor zimmern kann. Man hatte sich in dieser Hinsicht ein wenig was von Tesche verhofft. Leider hat seine Passqualität nach dem Freiburg-Spiel etwas nachgelassen. Wir wollen bei all dem aber eines nicht vergessen: das sind Fortunen. Und, wenn irgendwann Grenzen der Fähigkeiten erreicht sind, nimmt es ihnen niemand übel. Erst recht nicht, solange sie alles geben. Und das haben sie – alle. Fink und Bodzek haben wieder phantastisch abgeräumt und ebenso wie Latka und Malezas (bis auf sein Luftloch) mit sehr gutem Stellungsspiel und Zweikampfstärke aufgetrumpft. Ihnen und dem Außenverteidiger Duo ist es zu verdanken, dass Schalke trotz ihrer Qualität in der Offensive aus dem Spiel heraus kaum bis gar nicht gefährlich wurden. Dies ist auch der Grund, warum unsere Tordifferenz so viel besser ist, als die anderen Clubs da unten.

Wir halten fest: Wir haben Dank Tordifferenz vier Spieltage Vorsprung auf den Relegationsplatz, aber nur 1 Spieltag Rückstand auf Rang #11. Mit den schweren Spielen, die nun anstehen, ist das ein zunächst mal gutes Polster. Schon jetzt gegen Mainz wird es schwierig – sehr schwierig. Die sind nicht arrogant; lassen sich ihre Spielfreude nicht so leicht rauben wie etwa Schalke. Aber bestehen kann unsere Fortuna auch gegen die allemal – erst recht in der heimischen Bude. Also – peitschen wir sie an, damit noch mehr als 100% auf dem Rasen möglich sind.
In diesem Sinne, 95OLÉ
Adnan & Ingo

Mut schöpfen aus der Pleite gegen Glattspack

27 Jan

Wieder verpennt unserer Fortuna die Anfangsphase einer Partie. Ein Eigentor und eine Einladung samt ausgerolltem rotem Teppich führen Glattspack zum Sieg. Meier’s Mut überforderte die Mannschaft zu Beginn. Doch sie fing sich. Das lässt auf die kommenden Wochen hoffen; darum schmerzt das 1-2 gar nicht so sehr.

Auf geht’s: Derbytime! Es stehen sich 30km voneinander entfernte Städte, Teams und leidenschaftliche Fanlager gegenüber. Und trotzdem ist die Glattspacker Spilunke namens „Borussia Park“ nicht ausverkauft. Der unsägliche Tom Bayer von SKY merkte an, dass rund 4.000 Plätze frei geblieben sind und begründete es damit, dass dieses Derby offenbar nicht soooo sehr Leidenschaft entfache. Diesem Experten von Kommentator, der nicht wenige von uns auch beim FIFA-Zocken („Da will er jetzt den Zweikampf!“) regelmäßig nervt, scheint es nicht in den Sinn zu kommen, dass Ticketpreise von bis zu 48,oo EUR für den Gästebereich viele leidenschaftliche – wenn nicht sogar die besonders leidenschaftlichen – Supporter dazu zwingt, zu Hause zu bleiben. Wie schon bei den unverschämten Preiserhöhungen in Vizekusen’s Aspirin-Bude herrschte auch diesmal Boykott-Stimmung gegen diese offen fanfeindliche Preispolitik. Wir können nur hoffen, dass die Verantwortlichen früh genug zu spüren bekommen, dass ihnen solche Maßnahmen wirtschaftlichen Schaden zuführen. Dass ein solches Spiel in der immernoch international sehr fanfreundlich darstehenden Bundesliga nicht ausverkauft ist, sollte ihnen ein Warnsignal sein.

Meier’s Mut überfordert Anfangs die Mannschaft

Viele haben es sich gewünscht, wenige haben es erwartet: Meier hat auf gleich vier Positionen umgestellt. Mit Latka kam ein Mann zum Einsatz, der noch keine 10 Tage in Düsseldorf angekommen ist. Zusammen mit Juanan stellte er das mittlerweile fünfte (!) Innenverteidiger-Duo dieser Saison dar. Zudem durfte Balogun als RV wieder ran. Dass es da am Anfang an Abstimmung und Ordnung fehlt, ist leider nachvollziehbar. Und, wenn dann der Gegner auch noch schnell spielen kann, ist man schlichtweg überfordert. Das bedeutet aber nicht, dass die Veränderungen „falsch“ waren. Das trifft auch auf die Änderungen im Mittelfeld zu: Ein wieder vielversprechend agierender Tesche wird allerdings ebenfalls noch ein, zwei Partien brauchen, bis er die Laufwege seiner Vorderleute und das Abwehrverhalten der Defensivreihe ausreichend verinnerlicht hat. Diese Zeit sollte er bekommen. Fink und Bodzek haben ihre neu (bzw. wieder) zugewiesenen Positionen nur halbherzig umgesetzt. Bodzek stand sehr, sehr tief – Fink häufig zu zentral. Van den Bergh hatte so über links niemanden, mit dem er offensiv arbeiten konnte – auch defensiv fehlte ihm Unterstützung. Schahin wieder von Anfang an zu bringen, ist sicher auch richtig. Dass er selten gefährlich für den Gegner wurde, liegt nicht nur an ihm, sondern ebenso an den Zuspielen, die er bekommt. Als krasser Vergleich: Madzukic oder Gomez machen die Hütten bei den Bayern oft, weil sie perfekt bedient werden und nur den Fuß oder Kopf hinhalten müssen. Schahin bekommt selten einen Ball in den Lauf oder eine wirklich gute Flanke. Deshalb würden wir ihn (nicht nur wegen seines sicher verwandelten Elfmeters) nicht als Hauptgrund für unsere harmlose Offensive sehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, nach Omae auch Ilsö etwas früher reinzubringen. Vier Minuten sind für Spielertypen wie ihn zu wenig, um ins Spiel zu finden. Man muss Meier aber auch zugute halten, dass sich der Rest der Bank lediglich zur Ergebnisverwaltung geeignet hätte. Somit diesmal kein Gemecker über seine Wechsel…

„Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh!“

Unser WM-Finale-1990-Elfmeter-Held und Linksverteidiger-Veteran, Andreas Brehme, fasste mal die Kontinuität an misslungenen Aktionen und Slapstick-Einlagen mit der vortrefflichen Formel: „Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh!“ zusammen. Diese Weisheit dürfte derzeit verkörpert sein in der Person Juanan. Gab er gegen den FCA(rsch) noch einen unfreiwilligen Assist zum 0-1, so netzte er gestern selber unglücklich ins eigene Tor ein. Doch wie auch in der letzten Partie spielte Juanan nach dieser Aktion gar nicht schlecht. Die gesamte Defensive war (wie oben beschrieben) überfordert und unsortiert. Da wiegt unserer Meinung nach der ausgerollte rote Teppich von Jojo, der unbedrängt einen fatalen Fehlpass spielt, etwas schwerer. Denn, dass zum Zeitpunkt eines solchen Lapsus die Innenverteidigung nach vorne orientiert ist und das blitzartig entstehende 0-2 nicht abwenden kann, darf man weder Latka noch Juanan anlasten. Völlig absurd und nahezu unverschämt sind dann Schlagzeilen wie „Pannen-Mann Juanan verschenkt Sieg“. Überhaupt hat sich doch – und das gilt es lobend anzuerkennen – die Mannschaft nach dieser erschreckenden Anfangsviertelstunde überhaupt nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Unsere Jungs kamen immer besser ins Spiel und haben deutlich gemacht, dass sie sich nicht so billig verkaufen wollen. Der endlich mal wieder richtig starke Fortuna-Anhang hat die Jungs auch entsprechend nach vorne gepeitscht. Darum war es genau richtig und wichtig von Meier, in keinen Aktionismus zu verfallen und dieselbe Truppe, die Glattspack zwei Tore geschenkt hat, auch in der 2. HZ beginnen zu lassen. Es war offensichtlich, dass sich jeder Einzelne besser und besser zurechtfand. Okay: Wir blieben in der Summe zu harmlos. Ter Stegen (geh‘ doch Barca, Junge) kam nicht in Bedrängnis, weil wir nichts Gefährliches aufs Tor brachten. Da fehlt es dann einfach an Qualität bei uns – aber auch an greifenden Automatismen und Stabilität. Die Kollegen von direkt-verwandelt.de merken völlig richtig an, dass zu den vielen Verletzungssorgen auch Leistungsschwankungen von Leistungsträgern wie Fink oder van den Bergh hinzukommen. Das kriegt ein Aufsteiger mit Mini-Etat einfach wirklich nicht mehr kompensiert. Das mag ein Grund dafür sein, dass man der Fortuna manche Niederlage irgendwie nicht wirklich verübeln kann. Solange die Konkurrenz (allen voran Fürth, Nürnberg und Hoffenheim) nicht punktet, schmerzt es auch sportlich nicht so sehr.

Charakterstärke unserer Mannschaft schafft Zuversicht

Es gab jede Menge Erschreckendes in den ersten 15-20 Minuten. Alles ging zu langsam, keiner war gallig, viele verunsichert. Doch unser Team erholt sich davon – in jedem Spiel. Wenn man sich die Endphase der 1. HZ und vor allem die Minuten 45 – 70 anschaut, sieht man, welchen Wandel unser Team innerhalb einer Partie hinbekommt. Man mag sich dann zwar noch mehr über die verschlafene Anfangsphase ärgern, kann aber ebenso Mut daraus schöpfen, wie unsere Jungs in der Lage sind, sich zusammenzureißen und den Gegner einzuschüchtern. Die Art und Weise, mit der das von Tesche geleitete Mittelfeld Bälle zu Beginn des Glattspacker Aufbauspiels eroberte, machte deutlich, zu was unser Team imstande ist, wenn – ja, wenn – die nötige Wachsamkeit und Sicherheit da ist. Gerade in diesem Punkt merkt man, wie sehr Langeneke fehlt. Jens hat stets so viel gebrüllt wie er Zweikämpfe gewonnen hat. Diese Art der Kommunikation fehlt völlig. Es geht auch um das wie. Levels’sches am Kragen packen (von Juanan) oder Voronins „Motzen“ seinerzeit wirkten eher einschüchternd statt motivierend. Da weder Lumpi noch Bellinghausen in diese Rolle schlüpfen konnten, muss man sich fragen, wer diese Rolle übernehmen kann. Bodzek vielleicht? Da das derzeit fehlt und niemand die Jungs rechtzeitig wecken kann, geht der Gegner wiederholt früh und zu hoch in Führung. Doch in puncto Charakterstärke dürfen wir uns in jedem Fall über unsere Nummer 1 freuen: Fabi Giefer hat gestern in keiner Situation auch nur den Anschein von Verunsicherung gegeben. Im Gegenteil. Seine „Spagat-Flug-Grätschen-Rettungstat“ gegen Cigerci war so unendlich riskant, dass das nur ein Torwart machen kann, der wirklich überzeugt ist, so klären zu können. Kommt er auch nur eine Sekunde zu spät, fliegt er mit Rot vom Platz. Toll, dass ihn manch bescheuertes Pressefeedback nach dem Spiel gegen Ausgburg völlig kalt gelassen hat.

Startelf umstellen gegen Stutzfart?

Es besteht kein Zweifel, dass die Niederlage gegen BMG absolut vermeidbar war und auf eine total verpennte Anfangsphase zurückzuführen ist. Doch die Gesamtleistung der Mannschaft hat bis auf die fehlende Torgefahr gepasst. Meier wird in der Trainingswoche schauen müssen, ob der eigentlich als Nummer 4 der IV (hinter Malezas, Langeneke, Soares) eingeplante Juanan vielleicht mal eine Pause braucht, um den Kopf frei zu kriegen. Latka hat vor allem in der Luft, im Zweikampf am Mann und im Spielaufbau überzeugen können. Stellungsspiel und Abstimmung mit dem IV-Partner werden ohne jeden Zweifel schon beim zweiten Einsatz besser werden. Im Spiel nach vorne war der linke Flügel mit Fink zu schwach besetzt. Er ist zentral einfach besser und könnte mit Tesche sicher gut harmonieren. Nach der Einwechslung von Omae stellte Meier auf 4-4-2 um. Vielleicht braucht Schahin die Unterstützung eines zweiten Stürmers und Reisinger könnte vorne drin mit seiner Ruhe womöglich unmittelbarere Torgefahr ausstrahlen und Schahin etwas mehr Platz verschaffen, indem er Verteidiger auf sich zieht. Vieles ist denkbar und noch lange, lange zeichnet sich nicht ab, dass die Fortuna in einen gefährlichen Strudel gerät. Meier muss und wird aufgrund der Verletzungen und der fehlenden Konstanz mancher Spieler immer wieder etwas Neues ausprobieren. Das erfordert auch von uns Fans Geduld. Darin ist der Fortune doch eigentlich geübt. Also bewahren wir Ruhe und glauben an die Leistungssteigerung kommenden Samstag bei uns zu Hause gegen Stutzfart.

Auf dass auch wir Fans Positives und viel Energie von der Supportperformance in MG schöpfen,
Ingo & Adnan

Verdient rausg’schmisse wodde von dä Kiggähs aus Offebach

19 Dez

Nach einer guten Anfangsphase lässt unser Team alles – aber auch wirklich alles – vermissen, was es stark macht. Norbert Meier (ver-)wechselt sich ein mal mehr und der 4.000 Mann Anhang peitscht aus bekannten Gründen das Team nicht zum Aufwachen an. Die schwächste Saisonleistung wird mit einem 0-2 und dem Aus im Pokal quittiert.

Nach angenehmer Busfahrt im U95-Shuttle und einem wirklich freundlichen Empfang der Offenbachäh Polizei („Liebe Fans däh Fortuna, die Offenbachäh Polizei heißt Sie häzlisch willkomme. Sie laufe jetz dursch den Erholungspark zum Stadion!“) fühlten sich nicht wenige an das Pokaltrauma bei TuS Koblenz erinnert. Der An- und Abmarsch zum Stadion damals war keinen Deut besser. Wir hatten auch in Offenbach einen langen, matschigen Weg durch „Blairwitch Project“-ähnliche Wälder zu betreiten. An jeder Abzweigung des Weges standen eine Hand voll Bullerei, angeleuchtet von ihren hinter sich geparkten Minibussen, sodass man nur Konturen von breit gepolsterten Polizisten und manchem Platz machenden Hund sah. Dies sollten durchaus Vorboten eines absolut verkorksten Fußballabends werden.

Die Besonderheit im schnuckeligen, ganz netten Stadion des OFC ist sicher die Gegentribüne als Stehplatzbereich. Herrlicherweise treffen sich so die Gästefans und Heimsteher dadurch im rechten Winkel der Nordtribüne – welch‘ ein Sicherheitskonzept… Klar, es ist genug Platz dazwischen und ein großes Netz verhindert, dass man sich gegenseitig mit Kuscheltieren, BHs, oder eben gefüllten Bierbechern bewirft. Da es nur alkoholfreies Gebräu gab, wollten ohnehin viele ihre Becher nach drei, vier Schlücken lieber loswerden. Andererseits ist diese Nähe eigentlich gut geeignet, um sich gegenseitig in Grund und Boden zu singen. Und ohne jeden Zweifel hätten die 4.000 Fortunen den Bieberer Berg zum Bibbernden Berg gemacht, wenn es koordinierten Support unter Beteiligung aller Fan-Gruppierungen gegeben hätte. Wir konnten uns immerhin alle zusammentun, um aus voller Verzweiflung „Aufhören, Aufhören!“ zu rufen, als etwa ein OFC-Song angelehnt an Robbie Williams‘ „Angel“ angestimmt wurde. Da müsse mer sagge: des war läschählisch!

Aufwärmprogramm und veränderte Startaufstellung

Die Kiggähs begannen ihr Aufwärmprogramm gute 10-15 Minuten vor den Fortunen. Eher scherzhaft sagte mancher im Block, dass sich darin bereits zeige, wer hier wirklich gewillt ist, etwas zu reißen. Doch so chaotisch, wie die OFCler da über den Platz liefen – mancher mit Ball, mancher ohne, kreuz und quer und rundherum – machten sie nicht einen allzu professionellen und beängstigenden Eindruck. Und so lachten wir sie wieder aus. Als endlich unsere Jungs auftauchten – sie standen wohl lange im Stau -, stellten wir fest, dass in der Startelf unsere Defensivmaschine „Bodze“ fehlte und Bellinghausen für Kruse weichen musste. Es freute uns zudem, dass Malezas nach einer Ewigkeit zumindest wieder im Kader ist. Dass er noch nicht fit genug ist, um Levels als Innenverteidiger zu vermeiden, darf einen durchaus ärgern. Aber ein Offensivverbund mit Kruse, Reisinger, Ilsö und Schahin wirkte doch eigentlich vielversprechend…

Den Regler nur auf 70% gedreht

Unsere Truppe begann wirklich gut. Denn die ersten 20 – 30 Minuten konnte man den Klassenunterschied sehen. Der Ball lief gut und ein paar schöne Spielzüge waren zu sehen. Doch es schien zu einfach zu sein. Mancher Kruse oder Ilsö schlugen lieber noch einen Haken statt einen einfachen Ball zu spielen. Dadurch ging die notwendige Konsequenz verloren, um in dieser starken Anfangsphase in Führung zu gehen. Ilsö zimmerte ein Mal ein Pfund auf’s Tor, doch der OFC Keeper parierte diesen „Torwartball“. Die Offebachäh zogen sich zurück und zeigten durchaus Respekt. Sie verloren aber ihre Ordnung nicht. Und, da wir eben deutlich weniger gaben als erforderlich, gelang kein Schlag durch die OFC-Defensive. Gegen tief stehende Gegner muss man natürlich den Ball auch eine Zeit lang einfach laufen lassen. Sieht öde und einfallslos aus, muss aber leider sein, um dann den entscheidenden Moment auszumachen, in dem man das Spiel schnell machen oder den Gegner zu Fehler zwingen kann. Das gelang aber unserem Team zu keinem Zeitpunkt. In der 2 HZ kam zu dieser fehlenden Konsequenz auch noch fußballerisches Unvermögen hinzu. Anspiele waren langsam, unpräzise und teilweise (ohne Witz) auf Kehlköpfhöhe gespielt. So kann man einfach kein Tempo aufnehmen. Das spürten die Kiggähs und drehten langsam aber sicher ihrerseits auf. Und da funktionierte dann unsere Defensive nicht. Juanan und Levels spielten nicht gut zusammen, wirkten mit den manchmal orientierungslosen Außenverteidigern vdB und Balogun wie der berühmt berüchtigte Hühnerhaufen. Besonders, weil der OFC das Spiel nun schnell machte. Sie legten das an Einsatz und Entschlossenheit drauf, was unserer Fortuna abhanden gekommen war. Unser hochgeschätzter U95-Kollege, Fränkie, beklagte völlig zurecht, dass die Fortuna als Underdog doch eigentlich wissen müsse, wie ein Underdog spielt. Sie hätten doch wissen müssen, wie man einen schwächeren Gegner in seine Schranken weisen muss. Marcel Reif (jaja, Scheiß-Sky und so – schon verstanden) sagte mal treffend, dass der Stärkere dem Schwächeren auch zeigen muss, dass das so ist. Genau das versäumte die Fortuna in der 1 HZ und wurde zum Ende der 2 HZ dann regelrecht überrannt.

Vermeierte Wechsel – mangels Alternativen?

Man durfte sich wieder mächtig ärgern über Norbert Meier’s Wechsel. Muss man gegen einen Drittligisten wirklich einen Stürmer für einen Stürmer bringen? Kann man nicht mit beiden auf dem Platz Gas geben? Noch weniger Verständnis hatten wir für die Einwechslung von Cha für Ilsö – erst recht nach dem Irrsinn (sorry, es muss so deutlich sein), den Cha auf dem Platz verrichtete. Er ließ sich fast schon peinlich den Ball nach einer Brustannahme von hinten abluchsen, weil er ewig braucht, um weiterzuspielen. Bei einem Konterversuch rennt er fast schon hysterisch vor drei Offenbachern weg ins Seitenaus. Er, der keinen Antritt hat, keine enge Ballführung und ebenso wenig Dribbeln kann, sucht den Weg des Sololaufs statt eine Anspielstation zu suchen. Diese Szene sah so aus wie das Durchdrücken der „Turbotaste“ auf der Konsole bei FIFA oder PES, mit dem man ebenso herrlich Spieler ins Aus steuern kann. Schaut man sich aber auch die Bank an, muss man sich fragen, wen Meier hätte bringen sollen. Wegkamp sollte schon vor dem 0-2 kommen. Da aber der Ball einfach nicht ins Aus wollte, kam er erst so spät rein. Aber beim Kollektivversagen derjenigen, die für den Spielaufbau zuständig waren, konnte nicht davon ausgegangen werden, dass ihn auch nur ein vernünftiger Ball erreicht. Abgesehen von Schahins Kopfball in der 49. Minute hatten wir nicht eine Torchance in der 2. HZ – gegen einen Drittligisten. Lumpi war am Ball wie so oft zu langsam. Fink völlig ideenlos. Kruse rannte sich durchgehend fest. Reisinger ebenfalls. Balogun und vdB konnten trotz einiger Flanken keine Offensivakzente setzen und waren hinten nicht konsequent. Ilsö versuchte viel, zeigte aber wieder, dass er auch gegen schwächere Gegner viele, viele Anläufe braucht. Levels riss Löcher in die Abwehr, die Juanan allein nicht stopfen konnte. Hätte man wirklich nicht Malezas spielen lassen können? Gegen einen schwächeren Gegner wäre das doch eine gute Gelegenheit gewesen. Tja, und Giefer… Der Junge hielt wieder, was irgendwie im Ansatz zu halten war und war der einzige Fortune in Normalform.

Hinrundenabschluss versalzen – nicht nur auf dem Platz

Die Freude über die grandiose Hinrunde und die 21 Punkte in der Liga wurde nicht unbedingt wegen des Ausscheidens gedämpft, sondern vor allem wegen des Auftretens der Mannschaft. Das grenzte an Arroganz in der 1. HZ und an erschreckendem Unvermögen in der 2. HZ. Wir verloren so gegen Offenbach wie wir gegen den HSV selber noch gewannen. Wir fuhren die Regler ähnlich zurück wie gegen Nürnberg, wobei der Club wenigstens von Anfang an richtig gut spielte. Wir taten dem Underdog alle Gefallen, die uns selbst stärkere Gegner oft getan haben. Das ist das Enttäuschende am Ausscheiden. Es ist schade, dass die Jungs so in die Winterpause gehen. Wir alle haben gehofft, dass Meier sie so richtig zusammenschnauzt nach dem Spiel, Straftraining anordnet und sicherstellt, dass dies eine Lektion für die Mannschaft ist und bleibt. Denn nach der gestrigen Leistung müssen wir froh sein, sehr früh in der Saison gegen Augsburg und Fürth gespielt zu haben. Sonst hätten wir uns gegen die wohl auch gehen lassen. Zuguterletzt müssen wir aber auch der Mannschaft eingestehen, dass sie sehr intensive Wochen und Monate hinter sich hat – mental und körperlich mussten sie stets an ihr Limit gehen; das ist keine Entschuldigung, aber womöglich eine Erklärung.

Tja, und auf den Rängen ist es bei uns eben auch eher traurig im Moment. Zum Glück kam es zu keinerlei Zwischenfällen im Block, obwohl ein beachtlicher Teil versuchte, die Mannschaft zu supporten. Die Episode um Paul Jäger wird jetzt nochmal für ordentlich explosiven Gesprächsstoff gesorgt haben. So sehr unsere Vereinsführung dafür zu kritisieren ist, wie sie sich bei der Abstimmung zum DFL-Papier verhalten hat, so lobenswert ist dieses zeitnahe, ausführliche Statement von Jäger. Es ist gut, dass wir jetzt Winterpause haben. Die Gemüter müssen und werden sich hoffentlich beruhigen. Wir können nur anregen, dass jeder Einzelne nun den Zynismus runterfährt und an einer Annährung der Positionen arbeitet. Wir halten daher fest: die oft zu Unrecht allein gescholtenen ULTRAS sind bei allem, wofür man sie auch berechtigt kritisieren kann, unverzichtbar für den Support. Damit dieser aber auch richtig scheppert, sind ebenso weitere Fanggruppierungen und der unorganisierte Teil der F95-gemeinde unverzichtbar. Scheppernder Support wiederum ist absolut unverzichtbar für die Mannschaft. Deswegen müssen alle Beteiligten daran arbeiten, dass wir schnell wieder unsere Mannschaft vereint anpeitschen können. Denn auf sie kommen im ersten Halbjahr 2013 noch mächtig schwere Aufgaben zu.

Winterpause Olé

Da unsere Fortuna erst wieder am 20. Januar ein Pflichtspiel bestreitet, müssen wir jetzt erst mal keine Spiele mehr diskutieren. Wir haben uns aber schon andere Dinge überlegt, mit denen wir uns im Laufe der Winterpause beschäftigen wollen. Schaut daher regelmäßig hier vorbei, um die schwere Zeit ohne Pflichtspiele unserer Jungs besser ertragen zu können.

Trotz des Dämpfers haben wir die Hinrunde genossen und Ihr sicher auch.

In diesem Sinne – 95OLÉ

Ingo & Adnan