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Unsere Bundesligasaison in der Retrospektive

3 Jun

Knapp zwei Wochen sind seit dem bitteren Last-Minute-Abstieg der Fortuna vergangen. In dieser Zeit versuchten Vorstand und Aufsichtsrat, die Gründe des Rückrunden-Absturzes zu analysieren. Dabei machte die Chefetage der Fortuna trotz bester Absichten keine glückliche Figur. Auf der Zielgeraden der Saison 12/13 stolpert die Fortuna über die eigenen Füße und sieht die zur Saisonhälfte meilenweit entfernte Konkurrenz freudentrunken an sich vorbeiziehen. Das Relegationsdrama zum Aufstieg und die „Maulwurfaffäre“ zum Abstieg rahmen diese Saison „fortunesk“ ein. Die launische Diva vom Rhein macht ihrem Ruf auch nach Jahren der Bundesligaabstinez wieder alle Ehre.

Als „Anfang vom Ende“ können getrost das verlorene Pokalspiel gegen Offenbach und die unnötige Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Augsburg betrachtet werden. In beiden Begegnungen kam unsere Mannschaft mit der Favoritenbürde nicht zurecht, leistete sich gegen Offenbach einen streckenweise arroganten Auftritt. Und gegen Augsburg taten wir irgendwie alles, um ihnen klarzumachen, dass für sie noch alles drin ist. Das war dumm und ärgerlich. Denn in der Hinrunde begeisterten uns unsere Jungs und überraschten die gesamte Liga mit diszipliniertem Defensivspiel und effizientem Konterfußball. So konnten sie den spielerisch eigentlich immer überlegenen Gegnern 21 Punkte abluchsen. Aber wie auch schon in der Rückrunde der Aufstiegssaison begann das Nervenkostüm der Protagonisten mit der steigenden Erwartungshaltung der Öffentlichkeit und des Umfeldes zu bröckeln. Angst vor der eigenen Courage nennt man wohl so etwas! Gegen Offenbach war die Mannschaft damit überfordert, einem unterklassigen Gegner klarzumachen, wer hier der fußballerische Boss ist – wir ließen „unsere“ Tugenden missen, mit denen aber die Kickers in die Partie gingen und uns genau aus diesem Grund besiegten. Die Überheblichkeit, die wir dort zeigten, war einigen Bundesligisten in der Hinrunde gegen uns bereits zum Verhängnis geworden – Hochmut kommt schließlich vor dem Fall! Die dämlich bis dramatische Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen die Pupsburger Augenkiste sollte leider ein warnendes Beispiel für die gesamte Rückrunde werden: F95 baut den Gegner durch eigene Fehler auf, semmelt sich die Gegentore im „The Three Stooges“-Style teilweise selbst slapstickartig in die Maschen; hohe Fehlpassquoten, Konzentrationsmängel und technische Defizite nagen am Selbstvertrauen. Die Mannschaft wacht zudem erst in der Schlussphase auf und scheitert dann äußerst knapp daran, noch etwas zählbares mitzunehmen – na, kommt Euch dieses Muster bekannt vor…? Auch das vom Schiedsichter fälschlicherweise anulierte Ausgleichstor in der Nachspielzeit durch Reise ist ebenfalls ein gutes Beispiel für einige unglückliche Schiedsrichterentscheidungen, die gegen uns entlang der Rückrunde getroffen wurden. Gegen Dortmund und Nürnberg wurden uns im Endspurt zwei eindeutige Elfmeter verweigert – Stichwort „wahre Tabelle“. Bei anderen Spielen (Frankfurt, Hamburg) standen einer erfolgreich abgeschlossenen Aufholjagd die eigene fehlende Präzision und Qualität oder einfach auch nur Pech im Weg…

Aber das war ja lange nicht alles… Die unerträgliche Verletztenmisere tat ihr Übriges und zwang die sportliche Leitung an beinahe jedem Spieltag dazu, Umstellungen in der Startelf vorzunehmen. Zahlreiche Spieler fielen mehrfach mit Muskelverletzungen aus, so dass immer wieder wichtige Säulen und Alternativen in der Truppe kurz- bis mittelfristig wegbrachen. Diese Häufigkeit zu kompensieren, würde auch Top-Teams der Liga schwer fallen. Bei einem Aufsteiger und Verein mit dem geringsten Kaderwert der Liga ist diese Anzahl an Ausfällen mitsamt ihrer fast schon peinlichen Regelmäßigkeit fatal.

Was aber jeden Fortunen am heftigsten schockierte, war diese vermaledeite Lethargie und „Blutleere“, mit der die Mannschaft in der Rückrunde teilweise auftrat. Das, was die Mannschaft unter Norbert Meiers Leitung eigentlich immer ausgezeichnet hatte, schien auf einmal gestört. Seit dem Abstieg und durch das damit verbundene Medienchaos sind nun diverse Gerüchte öffentlich geworden. Es habe Risse in Mannschaftsgefüge und Trainerteam gegeben, heißt es. Wer genauer hinsieht, konnte dies auf dem Platz, beim Aufwärmen und auch nach den Spielen von der Tribüne aus erkennen. Da war irgendetwas gebrochen. Negativer Höhepunkt hierzu bleibt das Ausbleiben jedweder Gratulation für Dani Schahin, als er in Frankfurt den Anschlusstreffer zum 1-2 erzielte. Wie wichtig der mannschaftliche Zusammenhalt ist, und wie wertvoll die Floskel „11 Freunde müsst Ihr sein!“ ist, zeigten – ja, Ihr müsst jetzt stark sein – die Bayern auf recht beeindruckende Weise. Klar, das fällt einem leicht, wenn man erfolgreich ist. Aber Erfolgsdruck kann auch zermürbend sein. Wenn man sieht, wie die Bayern mit Zusammenhalt, Hingabe und Leidenschaft die Übermacht FC Barcelona in Grund und Boden spielten, wird deutlich, dass es auf allen (Qualitäts-)Ebenen notwendig ist, Einsatzwillen zu zeigen und über sich hinauszuwachsen. Bei unseren Jungs war gerade zum Ende der Saison einfach jedwede Galligkeit weg. Überzeugung und Selbstvertrauen zeichnen den Profi neben technischen Fertigkeiten aus. Im Falle unserer Jungs sind aber gerade diese „softskills“ weggebrochen.

Understatement – oder der Drang, sich selbst schwach zu reden.

In den letzten Spielzeiten sind wir eigentlich immer als Underdog gestartet. Zumindest aus eigener Sicht. Die Strategie des Understatements funktionierte ja auch prächtig: zwei Aufstiege in fünf Jahren sind eine eindrucksvolle Bilanz. Dabei wurde eine sparsame Transferpolitik an den Tag gelegt, die den Verein in der Zwischenzeit auch noch finanziell gesunden ließ. Es wurden keine Sprüche gekloppt – weder im Erfolg, noch in der Krise. Man war sich immer bewusst, wo man herkommt. Diese Einstellung ist an sich sehr löblich und sympathisch – das eigene Licht aber zu oft unter den Scheffel zustellen, birgt auch eine gewisse psychologische Gefahr in sich: dass man sich nicht wirklich vergegenwärtigt, wo man im hier und jetzt eigentlich steht.

Da zeigen die letzten zwei Jahre des Auf- und Abstiegs deutliche Parallelen: In der Aufstiegssaison 11/12 spielte die Fortuna eine Rekordhinrunde. Als Spitzenreiter mit bis dato unerreichter Punktzahl waren wir klarer Favorit auf den direkten Aufstieg. Das entwickelte sich aber für unsere Jungs zu einer Bürde; anstatt die Herausforderung anzunehmen und Selbstbewußtsein zu demonstrieren, wurde betont „dass wir nicht aufsteigen müssen“ und wir doch wirklich „gar nichts zu verlieren“ hätten. Der Verein versäumte zudem, dem Rösler-Veh-Theater etwas entgegenzusetzen und der Transferwirbel um Leistungsträger wie Beister und Luki kamen erschwerend hinzu: die Jungs wirkten weniger fokussiert und die spielerischen Dinge, die Wochen zuvor noch funktionierten, misslangen nun. Es schien beinahe, als würde das „Aufstiegsgespenst“ rumgeistern. Am Ende retteten wir uns nur durch das um vier Treffer besser Torverhältnis in die Relegation. Damals funktionierte es, von Spieltag zu Spieltag „auf pump“ durchzukommen… Warum dieser Rückblick auf 2011/12, fragt Ihr vielleicht. Naja, weil die Ähnlichkeit zu der gerade beendeten Spielzeit fast schon erschreckend ist. Der entscheidende Unterschied ist aber eine andere psychologische Ausgansposition und das andere Klassement: im letzten Jahr ging es in der Endphase gegen Union, Führt und den MSV, mit der Möglichkeit vor Augen, in die Bundesliga aufzusteigen. Also immer noch mit einem positiven Ziel vor Augen und gegen Gegner, die von der Qualität her im höchsten Fall auf Augenhöhe waren. Diesmal sollten es nun mal Hamburg, Dortmund, Frankfurt, Nürnberg und Hannover sein…

2012/13 erkämpften wir uns als Abstiegskandidat Nr.1 grandiose 21 Punkte in der Hinrunde und waren 12 Punkte von #17 entfernt. Längst hatte unser Team unter Beweis gestellt, dass es in diese Liga gehört. Auch diesmal bleibt die Fortuna bescheiden und erzählt jedem, der es nicht hören will, dass das aber nochmal eng werden wird. Natürlich muss man Realist bleiben. Gerade in Düsseldorf und bei der Fortuna, denn bei manchen erwachten schon Phantasien zur Euro-League-Teilnahme! Aber die psychologische Message an die eigenen Spieler war dann eine falsche; zumindest wirkte es so bei uns. Statt dem Team und der Öffentlichkeit klar zu machen, dass wir gekommen sind, um zu bleiben, wurden Unsicherheiten geweckt. Deplatzierte Demut könnte man das nennen. Von Spieltag zu Spieltag, von Misserfolg zu Misserfolg schien das Gesamtego schwächer zu werden und Norbert Meier verlor den Zugang. Die Mannschaft baute auch in puncto Zusammenhalt ab. Kloppereien im Training waren da der negative Höhepunkt. Da hatte unser Chefcoach die Jungs bereits nicht mehr im Griff und konnte kein Feuer, kein Selbstbewusstsein und keine Willensstärke mehr entfachen. Dies führt bei der hohen Qualität in der Bundesliga leider nun mal zum Abstieg. Die Frankfurter Eintracht ist mal mit 26 Punkten aus der Hinrunde abgeschmiert… „Auf Pump“ von Spieltag zu Spieltag krebsen, ist nicht. Denn so geht erste Liga einfach nicht.

Aber einen nicht zu verachtenden Mosaikstein zum Abstieg haben leider auch wir Fans geliefert. Die aus dem Platzsturm resultierenden, zwei halben Geisterspiele zu Beginn der Saison führten zu Unruhe unter den Fans, der zwischenzeitliche Supportrückzug der Ultras im Zuge der Diskussionen um das Sicherheitspapier und die damit verbundenen Reibereien zwischen den verschiedenen Fangruppen (mit peinlichsten Medienberichten und Foreneinträgen) haben den Support in wichtigen Phasen „zerknüsselt“ und fatal beeinträchtigt. Die Fans waren teilweise zu sehr mit sich selbst beschäftigt und haben sich nicht auf das Wesentliche – das Supporten – konzentriert. In diesem Punkt haben sich Mannschaft und Fans durchaus geähnelt. Dabei ist der Schulterschluss bei uns so enorm wichtig. Wir mögen unsere Gründe gehabt haben – zweifellos – sollten uns aber auch einer gewissen Mitverantwortung stellen.

Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg!

Seit letzter Woche ist es nun amtlich, Norbert Meier ist nicht mehr unser Chefcoach. Wie es die Spatzen schon seit Tagen von den Dächern plärren, ist der Düsseldorfer Jong, Mike Büskens, nach einheitlichen Medienberichten, der neue Mann auf unserer Trainerbank. Wir finden: Das passt wie die Faust auf’s Auge! In der Saison 89/90 standen wir als halbwüchsige Pimpfe Fahnen schwenkend im 36er des zugigen und kläglich unterbesetzten Rheinstadions. Ein blonder Jüngling spielte sich auf der linken Seite der Fortuna direkt in unsere Herzen. In seinen Jahren als Fortuna-Stütze war Büskens der Axel Bellinghausen seiner Zeit und dazu noch in Flingern geboren. Er ist einer von uns. Dynamik, Laufbereitschaft und Leidenschaft auf dem Spielfeld zeichneten den späteren Europapokal-Sieger aus. Diese Tugenden vermittelte er als Trainer den Fürthern (davor ewig Zweitligavierter), die in der Saison 11/12 unter ihm souverän und einen guten Ball spielend, in die Bundesliga aufgestiegen…

Die Aussicht auf Büskens als Chefcoach weckt die Lust auf die neue Saison, in der wir nun seit Jahren auch ENDLICH mal wieder den Kölnern schöne Derbyniederlagen zufügen können. Der Kader der Fortuna ist für die 2. Liga hervorragend aufgestellt. Mit Latka und Malezas haben wir zwei Bomben-Innenverteidiger für’s Unterhaus; mit Bolly, Garbuschewski, Omae, Axel, Lumpi und dem neuen Aussi-Flitzer Halloran schon einige Spieler, die die Offensive ankurbeln werden; Bodzek ist als 6er ’ne echte Bank und Reisinger und Schahin haben das Zeug, in der 2. Liga um die Torjägerkanone mitzuballern. Mit den Neuzugängen Rensing und Schmidtgal hat die sportliche Leitung die Abgänge von Almer und Jojo mehr als kompensiert. Wenn sich Wolf Werner und Mike Büskens noch auf 1-2 Zugänge einigen, die den Kader gezielt in der qualitativen Spitze verstärken (wir hätten ja gerne Occean oder Poté), kriegen wir die Truppe richtig rund. Gleichzeitig sollten aber manche Neuzugänge dieser Saison noch ihre Chance bekommen – Wegkamp und Garbuschewski allen voran. Schaut an sich aber dieses Team an, haben wir gute Chancen, nächstes Jahr um diese Zeit wieder den Aufstieg zu feiern. … und vielleicht diesmal ohne Relegationsdrama!  🙂
Hechzlischen Dank

Zu guter Letzt wollen wir uns nach dieser spannenden Saison und des Starts unseres Blogs explizit bei Norbert Meier bedanken. Für die viele sagenhaft schönen Momente und eine „geile Zeit“, wie er selbst so schön gesagt hat. Die Reinkarnation von F95 ist eng mit seinem Namen verbunden und er wird uns allen als positiver Meilenstein der Fortunageschichte in Erinnerung bleiben.

Danke auch an Euch, die Ihr sogar mal zu zweieinhalbtausenden (!) unsere Spielberichte gelesen habt. Das macht uns mächtig stolz und befeuert die Motivation, unseren Blog kommende Saison fortzuführen. Also: bleibt uns als Leserschaft erhalten!

Vorerst verbleiben wir mit einem inbrünstigen 95 OLÉ

Ingo & Adnan

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Die Wölfe (fast) zum Heulen gebracht

16 Mrz

Unsere Jungs sichern sich einen Punkt in Passat-City. Sicher war mehr drin, aber man muss die Punkte nehmen, wie sie kommen. Da beiden Teams im Spiel nach vorne nicht sonderlich viel einfällt, geht das 1-1 wohl in Ordnung.

Wir werden heute mit einer satten Hasstirade anfangen. Während Adnan mit einem imposanten Mob bestehend aus 70 Fortunen aus Berlin (Videoclip) nach Golfsburg reiste, musste Ingo mal wieder Sky gucken. Und so bekommen WOB und SKY erst mal, was sie verdienen: HASS!

Adnan scheißt auf WOB: Um 18.20 am Hauptbahnhof angekommen, hatte man das Gefühl, diese Stadt sei weiträumig evakuiert worden – nichts war da los. Sämtliche Gebäude drumherum waren hässlich, eckig, maximal 30 Jahre alt, seelenlos und irgendwie meist mit einem kleinen VW-Logo versehen. Die Arena sieht einfach mal aus wie eine zu groß geratene Niederlassung – im Prinzip wie ein riesiges Bürogebäude mit Spielwiese in der Mitte. Und innen drin ist mal GAAAAR NICHTS los. Mit peinlichen Animationen mit Wolfsgeheule und irgendeinem Blödsinn mit Vollmond auf der Anzeigetagetafel wurde versucht, für Atmo zu sorgen. Die gab es aber ausschließlich bei der Schweigeminute, welche die WOB-Mannschaft Arm in Arm vor ihrer Fankurve abhielt. Das gefiel. Alles Andere war erbärmlich. Wenn man sich nun auch die Geschichte dieser Stadt durchliest (der Führer wünschte sich in der Hochzeit des Nationalsozialismus eine Residenz in dieser Stadt), kann man verstehen, dass kein wirklicher Stolz von der Tribüne hervorschallt. Zu allem Überfluss war es ARSCHKALT in dieser seelenlosen Arena. Wenigstens hat unsere Kurve aber mächtig Alarm gemacht und für ein Heimspiel in Polo-Town (Videoclip) gesorgt.

Ingo scheißt auf SKY: Der allseits beliebte Bezahl-Sender Sky schaffte es auch diesmal, bereits vor dem Spiel massivst zu nerven: In dem halbstündigen Vorbericht zum Spiel muss man unter anderem ein stümperhaft langweiliges Interview mit Naldo und Diego in schlimmsten „Denglisch“ ertragen, welches die Finger magisch auf die „Mute-Taste“ der Fernbedienung zu ziehen scheint. Die Mannschaftsaufstellung der Fortuna wird in diesen 30 Minuten zwei Mal eingeblendet: Erst schafft es Latka gleich doppelt (?) in die Startelf, doch die taktische Darstellung wird uns leider vorenthalten – schade, wäre mit dem doppelten Latka sicher spannend geworden. Kurz vor Anpfiff dann ein zweiter Versuch: Leider werden die Grafiken aber so schnell durchgejagt, dass sie während des ersten Griffs in die Chipstüte schon wieder verschwunden sind. Immerhin gibt es diesmal keine Talk-statt-Experten-Runde und der Kommentator war nicht ganz so schrecklich wie der gute, alte Fritz vom letztem Mal. Doch diese amerikanisierte Aufbereitung der Spielübertragung ist echt zum Kotzen. Alle paar Sekunden wird wild zwischen den 400 Kameras hin- und hergeswitched, bei Kontern und Sprints auf den ballführenden Spieler gezoomt, sodass man einfach nicht mitbekommt, wer vielleicht sonst noch so mit läuft und anspielbar ist. In den kleinsten Unterbrechungen werden Zeitlupen von Nebensächlichkeiten aus 25 Blickwinkeln zelebriert, während das Spiel längst weiter läuft. Eine weite „Totale“ gehört leider zu den absoluten Seltenheiten. So kommt der Taktikfuchs höchst selten auf seine (viel zu hohen) Kosten. Kurz gesagt: Diese Übertragungsform ist zum Haare raufen und rausreißen!

1. HZ: Erst lahm, dann brutal effizient!

Unsere Mannen um Ersatz-Kapitän Bodzek starten mit der Elf wie gegen Bayern – außer dem Einsatz von Ilsö für den verletzten Lumpi. Sie verschlafen die ersten zehn Minuten komplett und rennen eigentlich nur Gegner und Ball hinterher; trotzdem stehen wir gut und machen alle Räume zu. Wie gegen den FCB ziehen wir uns weit zurück und attackieren erst in der eigenen Hälfte. Dass das Wolfsburger Rudel ohne Diego, ihr Alphatier, ziemlich planlos wirkt, zeichnet sich recht früh ab. Da fehlen Ideen, sich aus der Enge zu befreien. Die erste gute Offensiv-Szene der Fortuna kommt durch unseren neuen Norweger zustande, der auf dem linken Flügel zu einem Sprint mit Ball ansetzt und zwei VWs wie Trabis aussehen läßt. Leider kommt nicht viel dabei rum, aber solche Aktionen von Bolly machen Lust auf mehr und bauen ihn Stück für Stück auf. Die Fortuna ist jetzt im Spiel angekommen und versucht durch bewährtes Konterspiel dem Gegner gefährlich zu werden, die Wölfchen haben das Spiel aber weitesgehend unter Kontrolle. Da es beiden Mannschaften an Kreativität und Präzision fehlt, dümpelt das Spiel ohne große Höhepunkte vor sich. Unsere Schrecksekunden passierten aus dem Nichts. Etwa in der 17. Minute, als Balogun in Höhe der Mittellinie einen Rückpass durchschliddern lässt. Der wieselflinke Orozco düst dankend mit Ball Richtung Tor. Doch Balogun rast hinterher. Seine Denkblase über’m Kopf konnte man erkennen: „Das MUSS ich wieder gut machen, sonst spielt Levels nächstes Mal!“ Mit einer Wahnsinns-Schrittlänge spurtet er dem Wolfsburger Zwergnase hinterher, überholt ihn nach 25 Metern, sichert abgeklärt und ohne Foul denn Ball und passt Selbigen nach vorne. Schön wieder ausgebügelt! Zwei Minuten später schrecken wir jedoch erneut auf: Rodriguez fasst sich ein Herz und ballert aus 30 Metern einfach mal auf Giefers Tor. Der fiese Aufsetzer klatscht allerdings nur laut an den Pfosten und wir haben Schwein gehabt. In der 31.Minute bekommen wir dann mal einen Freistoß in aussichtsreicher Position halblinks zugesprochen. Ilse schnappt sich das Leder und unsere (vermeintlichen) Kopfballungeheuer versammeln sich im 16er. Aber wat macht Ilse? Er spielt einen furchtbar unpräzisen Pass in den Rücken von Tesche, der den Ball nicht vernünftig annehmen kann und es entsteht ein Konter für die Wölfe, die zum Glück nichts draus machen… Eine haarsträubende Situation – die Idee ist sicher nicht schlecht, aber da muss doch wenigstens der Pass von Ilsö auf Tesche gut kommen. Merkwürdig sowas. In Minute 37 ist es dann aber so weit. Wir kommen endlich mal schnell und zielstrebig vor’s gegnerische Tor und Bolly macht mit seinem zweiten Torschuss in der Liga seine zweite Bude. Bei einem Konter über  die linke Seite nimmt Axelao Bellinghausinho die Kirsche zuckerhut-esk mit der Hacke mit und chippt das Leder somit in den Lauf von Kruse, der den Turbo anschmeisst. Dutt-Träger, Simon Kjaer, der optisch auch wunderbar in die Frauenfußball-Mannschaft der Wolfsburger passen würde, hat das Nachsehen und kann Robbie nicht am Hereinziehen in den 16ner an der Auslinie hindern. Bolly läuft im Rückraum der Abwehr mit und schleicht sich genau im richtigen Moment aus dem Schatten des Abwehrspielers. So heißt es wie schon gegen Bayern für ihn: Fuß hingehalten und eingenetzt. So kann’s weitergehen, Mathis!

Eine 2. Halbzeit zum gegenseitigen Vergessen

Die Halbzeitpause nutzt Dieter Hecking dazu mit Dost einen zweiten Stürmer zu bringen; unsere Trainer wechselt den sehr enttäuschenden Ilsö aus und bringt dafür Reisinger. Taktisch hat dies zur Folge, dass Bolly vermehrt die rechte Seite übernimmt, während Kruse und Reisinger durch die Mitte kommen. An der Spielqualität ändern diese Wechsel jedoch wenig. Zwar fällt bereits in der 51. Minute durch einen schnell gespielten Angriff der Ausgleich durch „Ibiza“ Olic – der bei der Konzernabteilung für Bewegungssport als einziger für so etwas wie Leidenschaft und Kampfgeist steht – aber ansonsten gelingt es beiden Seiten nicht, ein halbwegs ertragreiches Angriffsspiel aufzuziehen. Beide Mannschaften scheitern innerhalb ihrer taktischen Ausrichtung an fehlender Konzentration und Präzision, so dass sich das Spiel mit vielen Fehlpässen und Abstimmungsschwierigkeiten fortsetzt und bis auf wenige Höhepunkte (z.B. der Lattenkracher von Tesche) so dahin eiert. Wenige Sekunden vor dem Abpfiff haben wir sogar noch eine richtig gute Chance, doch Benaglio kann den unplatzierten Ball von Schahin nach Flanke von Balogun parieren. Betrachtet man den Spielverlauf, all die Unzulänglichkeiten hüben wie drüben, geht das Ergebnis sicher in Ordnung. Hätten unsere Jungs, die vielen Kontermöglichkeiten besser zuende gespielt und nicht so erschreckend oft unpräzise Zuspiele, harmlose Flanken und Torschüsse wie Rückpasse fabriziert, wäre mal wieder mehr drin gewesen…

Personelles

Ken Ilsö hat gestern wahrhaftig eine Chance vergeigt, seinen Wert für die Mannschaft in Erinnerung zu rufen. Dass er keine Kämpfersau und Defensivmaschine ist, sieht man ihm dann nach, wenn er wenigstens technisch versiert für Kreativität sorgt. Das ist ihm gestern (wie auch zuletzt) absolut nicht gelungen. Nicht nur der oben angesprochene Gau beim Freistoß; auch seltsam schwache Ballannahmen und eine Reihe weiterer ungenauer Zuspiele lassen einen etwas fraglos erscheinen – watt is da los? Da Reise in der zweiten Halbzeit auch nichts hinbekommen hat, fiel die Auswechslung von Ilsö nicht sonderlich auf – beide waren schwach. Robbie Kruse, der den sehenswerten Treffer durch Bolly aufgelegt hat, war bereits ab der 60. Minute anzumerken, dass ihm langsam die Kraft zu schwinden scheint. Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich auch bei ihm immer mehr Konzentrationsfehler ein. Den Spielerwechsel mit Omae hätte NM durchaus zehn Minuten eher erwägen können. Als Kruse rausging, verweigerte er den Handschlag mit dem Trainer und schmiss seine Trainingsjacke wütend auf den Boden. Er hatte kurz vorher schwache Szenen gehabt und dürfte sich darüber noch geärgert haben; oder aber er war sauer, weil er früher oder gar nicht rauswollte, oder aber nix von dem stimmt 🙂 Leider werden ihn in der Länderspielpause anderweitige Aufgaben und Reisestrapazen erwarten. Ansonsten täte ihm eine längere Pause wohl mal ganz gut. Mathis Bolly hingegen hat sich mit diesem Spiel definitiv für die Startelf empfohlen – bis er in der 75. Minute total ausgepowert und mit Krämpfen ausgewechselt wurde, konnte er einige Male andeuten, was Wolf Werner da für einen Knallertransfer zum Schnäppchenpreis für die Fortuna eingetütet hat. Pfeilschnell, torgefährlich, dribbelstark und dazu Dank seiner Statur auch brauchbar für Kopfbälle und Ballbehauptung. Wie er in der 59. Minute die halbe Hintermannschaft von WOB mit seinem Sprintdribbling auf engstem Raum vernaschte, war schon beeindruckend – und er kam sogar zum Abschluss; wenn auch leicht verzogen. Da scheint es uns, wir erleben gerade die Inkarnation des Bröker 2.0 …allerdings mit mehr fußballerischer Klasse. Im Laufe der zweien Halbzeit wurde dafür ein anderer Fortune immer stärker: Stelios Malezaz. Während sich Martin Latka erneut als bärenstarker Abwehrchef mit gutem Auge präsentierte, kam unser Grieche im Laufe des Spiels zur Form seiner ersten Bundesligaspiele. Das letzte Spieldrittel klärte er so häufig, dass man gar nicht mehr mitzählen konnte. Er pfiff Balogun und Reisinger mehrmals an, da die beiden die links Angriffseite der WOBs munter flanken ließen – sie verließen sich wohl auf die Innenverteidiger. Mit diesen beiden Granaten wird es für unseren Jens schwierig, wieder ins Team zu kommen. So leid es uns persönlich für ihn tut (da er ja nur aus Verletzungsgründen pausieren musste), so erfreulich ist es doch, dass wir dennoch eine solche Innenverteidigung haben.

Augsburg muckt weiter da unten und Nürnberg gewinnt völlig unnötig gegen Schalke. Fünf Punkte Vorsprung sind definitiv kein Ruhepolster. Aber das ist auch in Ordnung so. Da soll sich bloß keiner ausruhen – das stand unserer Forteng noch nie gut zu Gesicht. Jetzt ist erst mal Länderspielpause angesagt. Dann folgt das sicherlich sauschwierige Spiel zu Hause gegen Vizekusen. Fest steht: Wir freuen uns darauf!

Bis dahin,

Adnan & Ingo

Knapp den Knappen unterlegen

24 Feb

Unsere Jungs spielen anfangs zwar zu ängstlich, aber dafür durchgehend höchst konzentriert gegen motivierte S-Null-Vierer, sind zeitweise die spielbestimmende Mannschaft und bringen sich doch aufgrund zweier Standardsituationen um den verdienten Lohn.

Zähneknirschend mussten wir beide hinnehmen, nicht gemeinsam mit 5.000 weiteren Fortunen vor Ort unserem Gastspiel auf Schalke folgen zu können. So waren wir dazu verdammt, die SKY-Übertragung zu verfolgen. Adnan war immerhin in geselliger Runde mit den Berliner Havelpralinen in der von Fortunen eingenommenen Kreuzberger Kneipe USCHI Nation. Per modernster Mobiltechnologie (ja, auch Ingo & Adnan nutzen sie 🙂 ), tickerten wir zwei munter bei wichtigen Szenen hin und her.

Nu isset ja so: Je mehr Freunde und Bekannte Fans der gegnerischer Mannschaft sind, umso voller nimmt man im Vorfeld der Partie de Schnüss. Und, da es ja durchaus Sinn machte, zuversichtlich dieser Partie entgegenzufiebern, tönten wir ausgiebigst rum: „Die Scheiss-Knappen sind fällig!“ oder „Nach der Pleite gegen uns muss Euer Trainer gehen!“. Doch als die Aufstellung der Schalker eingeblendet wurde, mussten wir einander ein „krasses S04-Mittelfeld, Alter“ mobil zutexten: Neustädter, Jones als zentrale Defensiv-Strategen, sowie Bastos, Draxler und Farfan als Offensivtrio mit Huntelaar als Sturmspitze sind auf dem Papier echt mal ’ne Ansage. Statt aber in Ehrfurcht die Hosen voll zu kriegen, glaubten wir daran, dass unsere Jungs mit der richtigen Attitüde und Präsenz auf dem Platz eben diesen Sportskameraden das Leben äußerst schwer machen würden. Bei der graphischen Einblendung unserer F95-Elf musste ein gewaltiger FACEPALM her, als unsere Nummer #28 vorgestellt wurde. Diese Praktikanten bei SKY haben einfach mal das Gesicht von Timo Furuholm bei Martin Latka eingeblendet. Dieser besagte Prakti wird den Kader in seinem Kicker-Sonderheft durchgeschaut und Furuholm mit der #28 entdeckt haben – dass sie aber inzwischen ein Anderer trägt (nämlich Hannibal Latka aka Bane aka The Rock aka Valujev), muss ihm entgangen sein. Seltsam, solche Peinlichkeiten… Und auch sonst könnte man jetzt über diese unsäglich Experten-Runde mit Matthäus & Co. zeilenlang abkotzen. Wir machen’s aber mal nicht…

S04-Lawine überstanden – „standardisierter“ Rückstand

Kommen wir lieber zum Spiel: Vor Anpfiff war bereits klar, was auf uns in der Anfangsphase zu kommen würde: Eine menge Druck! Wenn ein Team wie Schalke am Mittwoch ein schweres CL-Auswärtsspiel in Istanbul hatte und danach ein Aufsteiger zu Gast im eigenen Stadion ist, versucht eine clevere Truppe bereits im ersten Spieldrittel den Sack zu zumachen. Folgerichtig entscheidet sich Norbert Meier für eine sehr defensive und laufstarke Startelf, um die Schalker auf Granit beißen zu lassen. Für Schahin (der nach 11 Minuten Reisinger ersetzte) und den grippegeschwächten Kruse, rücken die zuvor gelbgesperrten Bodzek und Lamberts zurück ins Team. Schlacke beginnt mit wütenden Angriffen und attackiert die Fortuna bereits am eigenen 16er. Unsere Jungs wirken, ähnlich wie beim Hinspiel, arg eingeschüchtert von der Gelsenkirchener Spielfreude und Angriffslust; Draxler, Bastos, Farfan und Huntelaar sind ja nunmal nicht irgendwelche Halunken. Allein diese vier Spieler haben einen fast doppelt so hohen Transferwert wie der gesamte Kader der Fortuna. So stemmen sich die tief stehenden Mannen um Capt’n Lumpi mit Laufbereitschaft, Team-Spirit und Leidenschaft gegen die Schalker Angriffslawinen, die auf den Düsseldorfer Strafraum hereinbrechen. Folgerichtig bekommen wir bis auf wenige Ausnahmen in der ersten halben Stunde wenig bis nichts nach vorne zu Stande. Aber Schalke hat aus dem Spiel heraus gegen unsere gut geordnete Mannschschaft Probleme. Wirklich gefährlich wird es nur, wenn es schnell geht, wie bei Farfans Pfostenschuss in Minute 19. Unsere beste Chance ist Dani Schahins Geschoss in der 24. Minute, das ein schönes Tor des Monats abgegeben hätte, wenn, ja wenn die Kirsche 50 cm tiefer im Torwinkel der Schalker eingeschlagen wäre, anstatt über die Latte zu zischen. Beinahe haben wir das erste, schwierige Drittel des Spiels überstanden, als es leider eine Freistoß-Flanke von Farfan gibt, die Matip nach einer Kopfball-Ablage durch Jones über die Torlinie drückt. Leider war anhand der Spielanteile die Führung verdient; aber trotzdem ärgerlich. Die Hereingabe von Farfan war richtig stark, denn so ein Ball treibt die Defensive an den Rand des 16ers, und wenn dann ein Kopfballduell verloren wird und die Kirsche ins Zentrum zurückkommt, wird es eben gefährlich – und sowatt können die Schalker nun mal…

Mit Kampf und Passspiel das Zepter in die Hand genommen

Nach der Führung passiert genau das, worauf wir gehofft hatten: Schalke lockert etwas die Zügel und die Fortuna findet langsam ins Spiel – wie im Hinspiel. Nach dem Halbzeittee werden wir mutiger und stehen auch nicht mehr so tief – dies liegt aber auch daran, dass man den „Knappen“  langsam das physisch und psychisch anspruchsvolle Mittwoch-Spiel ankmerkt. Unser Spielaufbau wird nicht mehr so bissig gestört und Konzentrationsfehler häufen sich bei den Schlackern. In dieser Phase wird das Spiel immer ausgeglichener. Nur über Bastos und Farfan wird es ab und an gefährlich, aber unsere Außenverteidiger lösen ihre Aufgaben gegen diese Kaliber richtig gut. Da durch die Ausfälle von Kruse und Reisinger Fortunas stärkste Solisten nicht dabei sind, werden wir hauptsächlich durch Passstaffetten (hört, hört!) gefährlich und sorgen so für Entlastung, da diese mit zunehmender Spieldauer immer besser gelingen. Besonders Axel knüpft an seine Leistungen aus dem Führt-Spiel an. Sogar seine zidanesquen Dribbel-Pirouetten funktionieren nun und er scheitert nicht wie in der Hinrunde an seinen eigenen Beinen oder seiner spürbaren Aufregung. Als er mal ins Abseits gelaufen ist, wurde in der Zeitlupe klar, warum genau er im Abseits war: Er sprintet im unvergleichlich nach vorn gebeugten Stil, als würde er einen Bob anschieben und gleich reinspringen wollen. Ihm scheint die kurze (und von uns geforderte 😉 ) Pause von der Startelf gut getan zuhaben. Zu seiner vorbildlichen Einstellung gesellt sich nun merklich mehr Ruhe und Freude am Spiel. Seine Wille, Verantwortung zu übernehmen, wirkte bis dato zu verbissen, doch das scheint er hinter sich gelassen zu haben. Der neue/alte Axel ist es dann auch, der uns den viel umjubelten Ausgleich beschert. Er vernascht Höger auf links, schmeißt den Turbo an und peitscht in der 56. nach Zuspiel von Malezas die Seitenlinie entlang. Schahin zeigt ihm per Handzeichen in Strafraumnähe an, wo er die Pille hinhaben will. Axel folgt maßgenau und schickt unseren besten Torschützen mit Flanken-Auftrag zur Grundlinie. Während Schahin das Spielgerät scharf und flach in den Strafraum spielt und unser Kapitän im Volltempo auf den langen Pfosten zuhält, spurtet Axel in gespannter Erwartung zum Fünfmeterraum durch. Danis Zuspiel erreicht tatsächlich Lumpi und dieser ballert in bester Mario-Basler-Manier das Leder als flache Flanke zurück in die Mitte auf den heranstürmenden Axel, der das Runde nur noch eben ins Eckige buchsieren muss. Ein herrlich herausgespielter Treffer! Es freut uns sehr, dass  gerade Lumpi und Axel diese schöne Kombination erfolgreich abgeschlossen haben. Auch Lumpi (kongenialer Kampfsaupartner von Axel) wächst immer mehr in das Bundesliga-Tempo hinein und reduziert kontinuierlich seine Fehlerquote. Unvergessen eine Szene Mitte der ersten Halbzeit, als er im Stile einer Abrissbirne einfach den ewig langen Ballbesitz der Schalker am rechten Flügen durchbrach und den Ball in der Schalker Hälfte eroberte. Wenn man dem Jong beim Ackern zuschaut, weiß man, warum bei uns der Funken überspringt und die Mannschaft selbst bei Niederlagen mit Respekt und Wohlwollen behandelt wird. Da können sich einige Fußballprofis ’ne Scheibe abschneiden- schönen Gruß nach Hoffenheim!

Rückkehr der Standardiritis?

Dass wir im Endeffekt doch keine Punkte aus der Fällt-hin-Arena mitnehmen können, liegt am an dem Abend viel zu torgefährlichen Joel Matip, der uns erneut in die Suppe spuckt. Zwar gelingt es der Fortuna mit zunehmender Spieldauer, die Schalker weiter unter Druck zu setzen und spielt gegen die immer müder werdenden Gastgeber auf Sieg, aber durch ihre individuelle Klasse bleiben die Ruhrpottler stets brandgefährlich. Für Draxler wird der in der Vergangenheit von Todesangst geplagte Ex-Herthaner Raffael eingewechselt, der bei den Schalkern neue Impulse setzen soll; dies gelingt nur bedingt. Viel mehr erinnert seine gezogene Flappe nach einer mißglückten Aktion an die Miene eines Dreijährigen, der seinen Kuschelhasen verloren hat. Tja, und, wenn aus dem Spiel nichts gelingt, müssen halt Standards her – und es scheint, als schleiche sich erneut so etwas wie eine Standardiritis bei uns ein. Nach einer Ecke (KORREKTUR: Es war in Freistoß aus dem rechten Halbfeld – Danke für Hinweis, Daniel Bonner) in der 81. Minute vermiest uns Matip dann gänzlich den Tag. Der Ball landet bei Bastos, der nahezu den ganzen Fortuna-Kader im Strafraum auf sich zieht. Die Ordnung geht komplett verloren. Bastos schießt – das Leder wird von Malezas abgefälscht und hoppelt dem am 5er wartenden, von allen Fortunen allein gelassenen und von Balogun nicht ins Abseits gestellten Matip genau vor die Füße. Mit augenthalerischer Bierruhe dreht sich dieser noch auf dem Bierdeckel, zieht die Hose kurz hoch, während Giefer schon zum Hechtsprung ansetzt und netzt zur zu dem Zeitpunkt völlig unverdienten Führung für Schalke ein. Giefer, der sich im Laufe des Spiels wieder einige male auszeichnen konnte, trifft bei beiden Treffern keine Schuld. Später holt er sich noch Gelb nach wichtigem, taktischen Foul an Hildebrand und der Verhinderung eines Schalker Konters auf’s leere Tor. Das hat uns unsere Tordifferenz gesichert – muss man auch sehen. Meier hatte zuvor erst Omae und später Ilsö für die Schlussoffensive gebracht. Beide kommen recht spät und finden nicht so recht rein. Grund zum Wechseln hatte Meier aber eigentlich auch nicht – denn eigentlich lief unser Spiel ganz gut…

An unsere Grenzen gestoßen?

Was hätten unsere Jungs besser machen können? Klar, Standards besser verteidigen. Aber an irgendeinem Punkt sind gute Fußballer nunmal schwer zu verteidigen. Vielleicht hätte Balogun Matip vor dem 1-2 Abseits stellen können – andererseits geht das alles so schnell, dass man diesen Vorwurf nur schwerlich stehen lassen kann. Tja, und offensiv? Es scheint weiter der berühmte letzte präzise Pass, oder ein gefährlicher Abschluss – wenn auch mal aus der Distanz – einfach (noch) nicht möglich. Eigentlich liegt genau hierin die noch bleibende Schwäche der Fortuna – auch zu sehen, nachdem in der 1. HZ Balogun zu einem imposanten Offensivsolo ansetzte, den Schalker Verteidiger „reisingeresk“ per Bauerntrink überwand, dann aber niemandem im 16er auflegen konnte. Fink war von einem Schalker abgelaufen worden. Oder aber auch Jojo, der die Technik und die Sprintstärke besitzt, auf dem Flügel richtig Gas zu geben; dann aber, wenn es darauf ankommt, weder flanken, noch maßgenau passen oder aber auf’s Tor zimmern kann. Man hatte sich in dieser Hinsicht ein wenig was von Tesche verhofft. Leider hat seine Passqualität nach dem Freiburg-Spiel etwas nachgelassen. Wir wollen bei all dem aber eines nicht vergessen: das sind Fortunen. Und, wenn irgendwann Grenzen der Fähigkeiten erreicht sind, nimmt es ihnen niemand übel. Erst recht nicht, solange sie alles geben. Und das haben sie – alle. Fink und Bodzek haben wieder phantastisch abgeräumt und ebenso wie Latka und Malezas (bis auf sein Luftloch) mit sehr gutem Stellungsspiel und Zweikampfstärke aufgetrumpft. Ihnen und dem Außenverteidiger Duo ist es zu verdanken, dass Schalke trotz ihrer Qualität in der Offensive aus dem Spiel heraus kaum bis gar nicht gefährlich wurden. Dies ist auch der Grund, warum unsere Tordifferenz so viel besser ist, als die anderen Clubs da unten.

Wir halten fest: Wir haben Dank Tordifferenz vier Spieltage Vorsprung auf den Relegationsplatz, aber nur 1 Spieltag Rückstand auf Rang #11. Mit den schweren Spielen, die nun anstehen, ist das ein zunächst mal gutes Polster. Schon jetzt gegen Mainz wird es schwierig – sehr schwierig. Die sind nicht arrogant; lassen sich ihre Spielfreude nicht so leicht rauben wie etwa Schalke. Aber bestehen kann unsere Fortuna auch gegen die allemal – erst recht in der heimischen Bude. Also – peitschen wir sie an, damit noch mehr als 100% auf dem Rasen möglich sind.
In diesem Sinne, 95OLÉ
Adnan & Ingo

Mut schöpfen aus der Pleite gegen Glattspack

27 Jan

Wieder verpennt unserer Fortuna die Anfangsphase einer Partie. Ein Eigentor und eine Einladung samt ausgerolltem rotem Teppich führen Glattspack zum Sieg. Meier’s Mut überforderte die Mannschaft zu Beginn. Doch sie fing sich. Das lässt auf die kommenden Wochen hoffen; darum schmerzt das 1-2 gar nicht so sehr.

Auf geht’s: Derbytime! Es stehen sich 30km voneinander entfernte Städte, Teams und leidenschaftliche Fanlager gegenüber. Und trotzdem ist die Glattspacker Spilunke namens „Borussia Park“ nicht ausverkauft. Der unsägliche Tom Bayer von SKY merkte an, dass rund 4.000 Plätze frei geblieben sind und begründete es damit, dass dieses Derby offenbar nicht soooo sehr Leidenschaft entfache. Diesem Experten von Kommentator, der nicht wenige von uns auch beim FIFA-Zocken („Da will er jetzt den Zweikampf!“) regelmäßig nervt, scheint es nicht in den Sinn zu kommen, dass Ticketpreise von bis zu 48,oo EUR für den Gästebereich viele leidenschaftliche – wenn nicht sogar die besonders leidenschaftlichen – Supporter dazu zwingt, zu Hause zu bleiben. Wie schon bei den unverschämten Preiserhöhungen in Vizekusen’s Aspirin-Bude herrschte auch diesmal Boykott-Stimmung gegen diese offen fanfeindliche Preispolitik. Wir können nur hoffen, dass die Verantwortlichen früh genug zu spüren bekommen, dass ihnen solche Maßnahmen wirtschaftlichen Schaden zuführen. Dass ein solches Spiel in der immernoch international sehr fanfreundlich darstehenden Bundesliga nicht ausverkauft ist, sollte ihnen ein Warnsignal sein.

Meier’s Mut überfordert Anfangs die Mannschaft

Viele haben es sich gewünscht, wenige haben es erwartet: Meier hat auf gleich vier Positionen umgestellt. Mit Latka kam ein Mann zum Einsatz, der noch keine 10 Tage in Düsseldorf angekommen ist. Zusammen mit Juanan stellte er das mittlerweile fünfte (!) Innenverteidiger-Duo dieser Saison dar. Zudem durfte Balogun als RV wieder ran. Dass es da am Anfang an Abstimmung und Ordnung fehlt, ist leider nachvollziehbar. Und, wenn dann der Gegner auch noch schnell spielen kann, ist man schlichtweg überfordert. Das bedeutet aber nicht, dass die Veränderungen „falsch“ waren. Das trifft auch auf die Änderungen im Mittelfeld zu: Ein wieder vielversprechend agierender Tesche wird allerdings ebenfalls noch ein, zwei Partien brauchen, bis er die Laufwege seiner Vorderleute und das Abwehrverhalten der Defensivreihe ausreichend verinnerlicht hat. Diese Zeit sollte er bekommen. Fink und Bodzek haben ihre neu (bzw. wieder) zugewiesenen Positionen nur halbherzig umgesetzt. Bodzek stand sehr, sehr tief – Fink häufig zu zentral. Van den Bergh hatte so über links niemanden, mit dem er offensiv arbeiten konnte – auch defensiv fehlte ihm Unterstützung. Schahin wieder von Anfang an zu bringen, ist sicher auch richtig. Dass er selten gefährlich für den Gegner wurde, liegt nicht nur an ihm, sondern ebenso an den Zuspielen, die er bekommt. Als krasser Vergleich: Madzukic oder Gomez machen die Hütten bei den Bayern oft, weil sie perfekt bedient werden und nur den Fuß oder Kopf hinhalten müssen. Schahin bekommt selten einen Ball in den Lauf oder eine wirklich gute Flanke. Deshalb würden wir ihn (nicht nur wegen seines sicher verwandelten Elfmeters) nicht als Hauptgrund für unsere harmlose Offensive sehen. Vielleicht wäre es besser gewesen, nach Omae auch Ilsö etwas früher reinzubringen. Vier Minuten sind für Spielertypen wie ihn zu wenig, um ins Spiel zu finden. Man muss Meier aber auch zugute halten, dass sich der Rest der Bank lediglich zur Ergebnisverwaltung geeignet hätte. Somit diesmal kein Gemecker über seine Wechsel…

„Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh!“

Unser WM-Finale-1990-Elfmeter-Held und Linksverteidiger-Veteran, Andreas Brehme, fasste mal die Kontinuität an misslungenen Aktionen und Slapstick-Einlagen mit der vortrefflichen Formel: „Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh!“ zusammen. Diese Weisheit dürfte derzeit verkörpert sein in der Person Juanan. Gab er gegen den FCA(rsch) noch einen unfreiwilligen Assist zum 0-1, so netzte er gestern selber unglücklich ins eigene Tor ein. Doch wie auch in der letzten Partie spielte Juanan nach dieser Aktion gar nicht schlecht. Die gesamte Defensive war (wie oben beschrieben) überfordert und unsortiert. Da wiegt unserer Meinung nach der ausgerollte rote Teppich von Jojo, der unbedrängt einen fatalen Fehlpass spielt, etwas schwerer. Denn, dass zum Zeitpunkt eines solchen Lapsus die Innenverteidigung nach vorne orientiert ist und das blitzartig entstehende 0-2 nicht abwenden kann, darf man weder Latka noch Juanan anlasten. Völlig absurd und nahezu unverschämt sind dann Schlagzeilen wie „Pannen-Mann Juanan verschenkt Sieg“. Überhaupt hat sich doch – und das gilt es lobend anzuerkennen – die Mannschaft nach dieser erschreckenden Anfangsviertelstunde überhaupt nicht aufgegeben. Im Gegenteil: Unsere Jungs kamen immer besser ins Spiel und haben deutlich gemacht, dass sie sich nicht so billig verkaufen wollen. Der endlich mal wieder richtig starke Fortuna-Anhang hat die Jungs auch entsprechend nach vorne gepeitscht. Darum war es genau richtig und wichtig von Meier, in keinen Aktionismus zu verfallen und dieselbe Truppe, die Glattspack zwei Tore geschenkt hat, auch in der 2. HZ beginnen zu lassen. Es war offensichtlich, dass sich jeder Einzelne besser und besser zurechtfand. Okay: Wir blieben in der Summe zu harmlos. Ter Stegen (geh‘ doch Barca, Junge) kam nicht in Bedrängnis, weil wir nichts Gefährliches aufs Tor brachten. Da fehlt es dann einfach an Qualität bei uns – aber auch an greifenden Automatismen und Stabilität. Die Kollegen von direkt-verwandelt.de merken völlig richtig an, dass zu den vielen Verletzungssorgen auch Leistungsschwankungen von Leistungsträgern wie Fink oder van den Bergh hinzukommen. Das kriegt ein Aufsteiger mit Mini-Etat einfach wirklich nicht mehr kompensiert. Das mag ein Grund dafür sein, dass man der Fortuna manche Niederlage irgendwie nicht wirklich verübeln kann. Solange die Konkurrenz (allen voran Fürth, Nürnberg und Hoffenheim) nicht punktet, schmerzt es auch sportlich nicht so sehr.

Charakterstärke unserer Mannschaft schafft Zuversicht

Es gab jede Menge Erschreckendes in den ersten 15-20 Minuten. Alles ging zu langsam, keiner war gallig, viele verunsichert. Doch unser Team erholt sich davon – in jedem Spiel. Wenn man sich die Endphase der 1. HZ und vor allem die Minuten 45 – 70 anschaut, sieht man, welchen Wandel unser Team innerhalb einer Partie hinbekommt. Man mag sich dann zwar noch mehr über die verschlafene Anfangsphase ärgern, kann aber ebenso Mut daraus schöpfen, wie unsere Jungs in der Lage sind, sich zusammenzureißen und den Gegner einzuschüchtern. Die Art und Weise, mit der das von Tesche geleitete Mittelfeld Bälle zu Beginn des Glattspacker Aufbauspiels eroberte, machte deutlich, zu was unser Team imstande ist, wenn – ja, wenn – die nötige Wachsamkeit und Sicherheit da ist. Gerade in diesem Punkt merkt man, wie sehr Langeneke fehlt. Jens hat stets so viel gebrüllt wie er Zweikämpfe gewonnen hat. Diese Art der Kommunikation fehlt völlig. Es geht auch um das wie. Levels’sches am Kragen packen (von Juanan) oder Voronins „Motzen“ seinerzeit wirkten eher einschüchternd statt motivierend. Da weder Lumpi noch Bellinghausen in diese Rolle schlüpfen konnten, muss man sich fragen, wer diese Rolle übernehmen kann. Bodzek vielleicht? Da das derzeit fehlt und niemand die Jungs rechtzeitig wecken kann, geht der Gegner wiederholt früh und zu hoch in Führung. Doch in puncto Charakterstärke dürfen wir uns in jedem Fall über unsere Nummer 1 freuen: Fabi Giefer hat gestern in keiner Situation auch nur den Anschein von Verunsicherung gegeben. Im Gegenteil. Seine „Spagat-Flug-Grätschen-Rettungstat“ gegen Cigerci war so unendlich riskant, dass das nur ein Torwart machen kann, der wirklich überzeugt ist, so klären zu können. Kommt er auch nur eine Sekunde zu spät, fliegt er mit Rot vom Platz. Toll, dass ihn manch bescheuertes Pressefeedback nach dem Spiel gegen Ausgburg völlig kalt gelassen hat.

Startelf umstellen gegen Stutzfart?

Es besteht kein Zweifel, dass die Niederlage gegen BMG absolut vermeidbar war und auf eine total verpennte Anfangsphase zurückzuführen ist. Doch die Gesamtleistung der Mannschaft hat bis auf die fehlende Torgefahr gepasst. Meier wird in der Trainingswoche schauen müssen, ob der eigentlich als Nummer 4 der IV (hinter Malezas, Langeneke, Soares) eingeplante Juanan vielleicht mal eine Pause braucht, um den Kopf frei zu kriegen. Latka hat vor allem in der Luft, im Zweikampf am Mann und im Spielaufbau überzeugen können. Stellungsspiel und Abstimmung mit dem IV-Partner werden ohne jeden Zweifel schon beim zweiten Einsatz besser werden. Im Spiel nach vorne war der linke Flügel mit Fink zu schwach besetzt. Er ist zentral einfach besser und könnte mit Tesche sicher gut harmonieren. Nach der Einwechslung von Omae stellte Meier auf 4-4-2 um. Vielleicht braucht Schahin die Unterstützung eines zweiten Stürmers und Reisinger könnte vorne drin mit seiner Ruhe womöglich unmittelbarere Torgefahr ausstrahlen und Schahin etwas mehr Platz verschaffen, indem er Verteidiger auf sich zieht. Vieles ist denkbar und noch lange, lange zeichnet sich nicht ab, dass die Fortuna in einen gefährlichen Strudel gerät. Meier muss und wird aufgrund der Verletzungen und der fehlenden Konstanz mancher Spieler immer wieder etwas Neues ausprobieren. Das erfordert auch von uns Fans Geduld. Darin ist der Fortune doch eigentlich geübt. Also bewahren wir Ruhe und glauben an die Leistungssteigerung kommenden Samstag bei uns zu Hause gegen Stutzfart.

Auf dass auch wir Fans Positives und viel Energie von der Supportperformance in MG schöpfen,
Ingo & Adnan

Verdient rausg’schmisse wodde von dä Kiggähs aus Offebach

19 Dez

Nach einer guten Anfangsphase lässt unser Team alles – aber auch wirklich alles – vermissen, was es stark macht. Norbert Meier (ver-)wechselt sich ein mal mehr und der 4.000 Mann Anhang peitscht aus bekannten Gründen das Team nicht zum Aufwachen an. Die schwächste Saisonleistung wird mit einem 0-2 und dem Aus im Pokal quittiert.

Nach angenehmer Busfahrt im U95-Shuttle und einem wirklich freundlichen Empfang der Offenbachäh Polizei („Liebe Fans däh Fortuna, die Offenbachäh Polizei heißt Sie häzlisch willkomme. Sie laufe jetz dursch den Erholungspark zum Stadion!“) fühlten sich nicht wenige an das Pokaltrauma bei TuS Koblenz erinnert. Der An- und Abmarsch zum Stadion damals war keinen Deut besser. Wir hatten auch in Offenbach einen langen, matschigen Weg durch „Blairwitch Project“-ähnliche Wälder zu betreiten. An jeder Abzweigung des Weges standen eine Hand voll Bullerei, angeleuchtet von ihren hinter sich geparkten Minibussen, sodass man nur Konturen von breit gepolsterten Polizisten und manchem Platz machenden Hund sah. Dies sollten durchaus Vorboten eines absolut verkorksten Fußballabends werden.

Die Besonderheit im schnuckeligen, ganz netten Stadion des OFC ist sicher die Gegentribüne als Stehplatzbereich. Herrlicherweise treffen sich so die Gästefans und Heimsteher dadurch im rechten Winkel der Nordtribüne – welch‘ ein Sicherheitskonzept… Klar, es ist genug Platz dazwischen und ein großes Netz verhindert, dass man sich gegenseitig mit Kuscheltieren, BHs, oder eben gefüllten Bierbechern bewirft. Da es nur alkoholfreies Gebräu gab, wollten ohnehin viele ihre Becher nach drei, vier Schlücken lieber loswerden. Andererseits ist diese Nähe eigentlich gut geeignet, um sich gegenseitig in Grund und Boden zu singen. Und ohne jeden Zweifel hätten die 4.000 Fortunen den Bieberer Berg zum Bibbernden Berg gemacht, wenn es koordinierten Support unter Beteiligung aller Fan-Gruppierungen gegeben hätte. Wir konnten uns immerhin alle zusammentun, um aus voller Verzweiflung „Aufhören, Aufhören!“ zu rufen, als etwa ein OFC-Song angelehnt an Robbie Williams‘ „Angel“ angestimmt wurde. Da müsse mer sagge: des war läschählisch!

Aufwärmprogramm und veränderte Startaufstellung

Die Kiggähs begannen ihr Aufwärmprogramm gute 10-15 Minuten vor den Fortunen. Eher scherzhaft sagte mancher im Block, dass sich darin bereits zeige, wer hier wirklich gewillt ist, etwas zu reißen. Doch so chaotisch, wie die OFCler da über den Platz liefen – mancher mit Ball, mancher ohne, kreuz und quer und rundherum – machten sie nicht einen allzu professionellen und beängstigenden Eindruck. Und so lachten wir sie wieder aus. Als endlich unsere Jungs auftauchten – sie standen wohl lange im Stau -, stellten wir fest, dass in der Startelf unsere Defensivmaschine „Bodze“ fehlte und Bellinghausen für Kruse weichen musste. Es freute uns zudem, dass Malezas nach einer Ewigkeit zumindest wieder im Kader ist. Dass er noch nicht fit genug ist, um Levels als Innenverteidiger zu vermeiden, darf einen durchaus ärgern. Aber ein Offensivverbund mit Kruse, Reisinger, Ilsö und Schahin wirkte doch eigentlich vielversprechend…

Den Regler nur auf 70% gedreht

Unsere Truppe begann wirklich gut. Denn die ersten 20 – 30 Minuten konnte man den Klassenunterschied sehen. Der Ball lief gut und ein paar schöne Spielzüge waren zu sehen. Doch es schien zu einfach zu sein. Mancher Kruse oder Ilsö schlugen lieber noch einen Haken statt einen einfachen Ball zu spielen. Dadurch ging die notwendige Konsequenz verloren, um in dieser starken Anfangsphase in Führung zu gehen. Ilsö zimmerte ein Mal ein Pfund auf’s Tor, doch der OFC Keeper parierte diesen „Torwartball“. Die Offebachäh zogen sich zurück und zeigten durchaus Respekt. Sie verloren aber ihre Ordnung nicht. Und, da wir eben deutlich weniger gaben als erforderlich, gelang kein Schlag durch die OFC-Defensive. Gegen tief stehende Gegner muss man natürlich den Ball auch eine Zeit lang einfach laufen lassen. Sieht öde und einfallslos aus, muss aber leider sein, um dann den entscheidenden Moment auszumachen, in dem man das Spiel schnell machen oder den Gegner zu Fehler zwingen kann. Das gelang aber unserem Team zu keinem Zeitpunkt. In der 2 HZ kam zu dieser fehlenden Konsequenz auch noch fußballerisches Unvermögen hinzu. Anspiele waren langsam, unpräzise und teilweise (ohne Witz) auf Kehlköpfhöhe gespielt. So kann man einfach kein Tempo aufnehmen. Das spürten die Kiggähs und drehten langsam aber sicher ihrerseits auf. Und da funktionierte dann unsere Defensive nicht. Juanan und Levels spielten nicht gut zusammen, wirkten mit den manchmal orientierungslosen Außenverteidigern vdB und Balogun wie der berühmt berüchtigte Hühnerhaufen. Besonders, weil der OFC das Spiel nun schnell machte. Sie legten das an Einsatz und Entschlossenheit drauf, was unserer Fortuna abhanden gekommen war. Unser hochgeschätzter U95-Kollege, Fränkie, beklagte völlig zurecht, dass die Fortuna als Underdog doch eigentlich wissen müsse, wie ein Underdog spielt. Sie hätten doch wissen müssen, wie man einen schwächeren Gegner in seine Schranken weisen muss. Marcel Reif (jaja, Scheiß-Sky und so – schon verstanden) sagte mal treffend, dass der Stärkere dem Schwächeren auch zeigen muss, dass das so ist. Genau das versäumte die Fortuna in der 1 HZ und wurde zum Ende der 2 HZ dann regelrecht überrannt.

Vermeierte Wechsel – mangels Alternativen?

Man durfte sich wieder mächtig ärgern über Norbert Meier’s Wechsel. Muss man gegen einen Drittligisten wirklich einen Stürmer für einen Stürmer bringen? Kann man nicht mit beiden auf dem Platz Gas geben? Noch weniger Verständnis hatten wir für die Einwechslung von Cha für Ilsö – erst recht nach dem Irrsinn (sorry, es muss so deutlich sein), den Cha auf dem Platz verrichtete. Er ließ sich fast schon peinlich den Ball nach einer Brustannahme von hinten abluchsen, weil er ewig braucht, um weiterzuspielen. Bei einem Konterversuch rennt er fast schon hysterisch vor drei Offenbachern weg ins Seitenaus. Er, der keinen Antritt hat, keine enge Ballführung und ebenso wenig Dribbeln kann, sucht den Weg des Sololaufs statt eine Anspielstation zu suchen. Diese Szene sah so aus wie das Durchdrücken der „Turbotaste“ auf der Konsole bei FIFA oder PES, mit dem man ebenso herrlich Spieler ins Aus steuern kann. Schaut man sich aber auch die Bank an, muss man sich fragen, wen Meier hätte bringen sollen. Wegkamp sollte schon vor dem 0-2 kommen. Da aber der Ball einfach nicht ins Aus wollte, kam er erst so spät rein. Aber beim Kollektivversagen derjenigen, die für den Spielaufbau zuständig waren, konnte nicht davon ausgegangen werden, dass ihn auch nur ein vernünftiger Ball erreicht. Abgesehen von Schahins Kopfball in der 49. Minute hatten wir nicht eine Torchance in der 2. HZ – gegen einen Drittligisten. Lumpi war am Ball wie so oft zu langsam. Fink völlig ideenlos. Kruse rannte sich durchgehend fest. Reisinger ebenfalls. Balogun und vdB konnten trotz einiger Flanken keine Offensivakzente setzen und waren hinten nicht konsequent. Ilsö versuchte viel, zeigte aber wieder, dass er auch gegen schwächere Gegner viele, viele Anläufe braucht. Levels riss Löcher in die Abwehr, die Juanan allein nicht stopfen konnte. Hätte man wirklich nicht Malezas spielen lassen können? Gegen einen schwächeren Gegner wäre das doch eine gute Gelegenheit gewesen. Tja, und Giefer… Der Junge hielt wieder, was irgendwie im Ansatz zu halten war und war der einzige Fortune in Normalform.

Hinrundenabschluss versalzen – nicht nur auf dem Platz

Die Freude über die grandiose Hinrunde und die 21 Punkte in der Liga wurde nicht unbedingt wegen des Ausscheidens gedämpft, sondern vor allem wegen des Auftretens der Mannschaft. Das grenzte an Arroganz in der 1. HZ und an erschreckendem Unvermögen in der 2. HZ. Wir verloren so gegen Offenbach wie wir gegen den HSV selber noch gewannen. Wir fuhren die Regler ähnlich zurück wie gegen Nürnberg, wobei der Club wenigstens von Anfang an richtig gut spielte. Wir taten dem Underdog alle Gefallen, die uns selbst stärkere Gegner oft getan haben. Das ist das Enttäuschende am Ausscheiden. Es ist schade, dass die Jungs so in die Winterpause gehen. Wir alle haben gehofft, dass Meier sie so richtig zusammenschnauzt nach dem Spiel, Straftraining anordnet und sicherstellt, dass dies eine Lektion für die Mannschaft ist und bleibt. Denn nach der gestrigen Leistung müssen wir froh sein, sehr früh in der Saison gegen Augsburg und Fürth gespielt zu haben. Sonst hätten wir uns gegen die wohl auch gehen lassen. Zuguterletzt müssen wir aber auch der Mannschaft eingestehen, dass sie sehr intensive Wochen und Monate hinter sich hat – mental und körperlich mussten sie stets an ihr Limit gehen; das ist keine Entschuldigung, aber womöglich eine Erklärung.

Tja, und auf den Rängen ist es bei uns eben auch eher traurig im Moment. Zum Glück kam es zu keinerlei Zwischenfällen im Block, obwohl ein beachtlicher Teil versuchte, die Mannschaft zu supporten. Die Episode um Paul Jäger wird jetzt nochmal für ordentlich explosiven Gesprächsstoff gesorgt haben. So sehr unsere Vereinsführung dafür zu kritisieren ist, wie sie sich bei der Abstimmung zum DFL-Papier verhalten hat, so lobenswert ist dieses zeitnahe, ausführliche Statement von Jäger. Es ist gut, dass wir jetzt Winterpause haben. Die Gemüter müssen und werden sich hoffentlich beruhigen. Wir können nur anregen, dass jeder Einzelne nun den Zynismus runterfährt und an einer Annährung der Positionen arbeitet. Wir halten daher fest: die oft zu Unrecht allein gescholtenen ULTRAS sind bei allem, wofür man sie auch berechtigt kritisieren kann, unverzichtbar für den Support. Damit dieser aber auch richtig scheppert, sind ebenso weitere Fanggruppierungen und der unorganisierte Teil der F95-gemeinde unverzichtbar. Scheppernder Support wiederum ist absolut unverzichtbar für die Mannschaft. Deswegen müssen alle Beteiligten daran arbeiten, dass wir schnell wieder unsere Mannschaft vereint anpeitschen können. Denn auf sie kommen im ersten Halbjahr 2013 noch mächtig schwere Aufgaben zu.

Winterpause Olé

Da unsere Fortuna erst wieder am 20. Januar ein Pflichtspiel bestreitet, müssen wir jetzt erst mal keine Spiele mehr diskutieren. Wir haben uns aber schon andere Dinge überlegt, mit denen wir uns im Laufe der Winterpause beschäftigen wollen. Schaut daher regelmäßig hier vorbei, um die schwere Zeit ohne Pflichtspiele unserer Jungs besser ertragen zu können.

Trotz des Dämpfers haben wir die Hinrunde genossen und Ihr sicher auch.

In diesem Sinne – 95OLÉ

Ingo & Adnan