Archiv | Februar, 2014

Gegenseitiges „Rumgeharmlose“ in Bochum

24 Feb

Und wieder ein Unentschieden. Diesmal ohne große Unterschiede in den Halbzeiten. Denn in Bochum waren beide Spielhälften echte Nullnummern.

Das gestrige Gastspiel beim VfL Bochum könnte im Saisonrückblick als ein bedeutungsschweres Spiel gedeutet werden. Es war ein Spiel, das offenbarte, was wir von dieser Saison noch erwarten dürfen. Und die bittere Antwort lautet: herzlich wenig. Und was genau heißt „hezrlich wenig“? Nun, im Grunde all das nicht, was im Fußball Spaß macht: Dramatik, Spannung, Hektik, Erfolg, Spektakel, Kampf, Leidenschaft, Euphorie, Konzept und Strategie. Wobei es letzteres eigentlich gibt: Das Konzept unter Chefcoach Köstner lässt sich unter dem einfachen Slogan „Nur nicht verlieren!“ zusammenfassen. Denn um nichts Anderes geht es einem Trainer, der gegen spielerisch limitierte Gegner ab der 60. Minute defensiv einwechselt.

Die gute Nachricht bei all dem: Wir werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Denn unser Team ist nicht so einfach zu schlagen. Die schlechte Nachricht: Wir werden irgendwo im elendig egalen Tabellenmittelfeld rumkrebsen – so zwischen Rang #13 und #8. Das Traurige daran: In dieser Tabellenregion waren wir schon lange nicht mehr und sind uns nicht gewahr, wie wenig Hektik, Nervenkitzel und Emotionen dort herrschen. Es ist eben dieses uninspiriert bedeutungslose Tabellenmittelfeld. Natürlich kann in all dem auch ein Wert liegen. Nämlich dann, wenn der Plan ist, aus einer gesicherten Zweitligaexistenz in dieser Saison ein zukunftsweisendes ab der kommenden Saison zu starten. Aber mal ehrlich: Seht Ihr dafür Anzeichen…?

Halten wir kurz fest. Die Partie gestern war ja gar nicht mal die schlechteste Saisonleistung. Weit entfernt von manchem Grauen der bisherigen Spiele. Aber es war so unendlich öde und harmlos. Und das Ganze wurde besonders schlimm, weil der Gegner exakt Dasselbe fabrizierte – mit dem Unterschied, dass die Bochumer zwei, drei Mal gefährlich vor unsere Bude kamen. Und, gerade weil das alles so öde war, gibt es diese Woche auch keinen wirklichen Spielbericht – da weigern wir uns einfach. Für diejenigen, die das Spiel nicht gesehen haben, vielleicht einfach mal folgende Abfolge der Geschehenisse:

Giefer spielt einen Abstoß kurz rechts auf Levels. Levels geht zwei Schritte, beschließt aber doch lieber querzulegen auf Bodzek. Der spielt kurzerhand zurück auf Levels. Erat kommt ihm entgegen und kriegt den Ball, spielt zentral zu Fink. Der legt wieder ab auf Bodzek, der rüberspielt zu Latka, der dann die Kirsche weiterleitet zu Weber. Der denkt sich, dass die Pille ja eigentlich mal nach vorne müsste und wagt einen langen, hohen Ball. Der fliegt einen halben Meter über den möglichst hoch springenden Benschop hinweg und landet beim Gegner. Dieser versucht dann, mit seinen ebenfalls recht beschränkten Möglichkeiten, das Spiel irgendwie ins Rollen zu bringen. Da unsere Jungs aber recht zweikampfstark sind und Deniz Aytekin uns irgendwie mag, nehmen wir ihnen angenehm fix das Spielgerät weg. Darauf starten wir so etwas wie einen Versuch des Umschaltspiels. Benschop hatte, gerade doch extrem clever antizipierend, einen Pass abgefangen und leitet einen Angriff aus der eigenen Hälfte ein. Schmidtgal düst links los. Rechts Lumpi und weiter rechts Erat. Doch es will Benschop einfach nicht gelingen, auch nur einen seiner Teamkollegen bei dieser Konterchance anzuspielen. Sein Zuspiel auf Schmidtgal geht kläglich ins Seitenaus. Unsere Jungs waren viel in Ballbesitz und eigentlich nie brenzlich unter Druck. Und dennoch ist es zu keinem Zeitpunkt gelungen, mal einen ordentlichen Angriff zu spielen, oder überhaupt mal zum Torabschluss zu kommen. Das Spiel war derartig ohne Highlights, dass Sky-Moderator, Uli Potowski, sogar die Zeit hatte, sich mit Blick auf unsere Nummer #8 darüber zu freuen, „dass heute auch mal jemand Heinrich heißt; und nicht Kevin“.

Wir betonen gerne noch mal: Das war keine katastrophale Leistung. Mitnichten. Wir haben alle schon viel Schlimmeres gesehen. Aber es passierte einfach nichts Interessantes. Tja, aber da, wo nix passiert, bleiben auch fatale Böcke aus. Und das ist auch wirklich das Einzige, das bei unseren Jungs besser geworden ist. Es bleiben seit Köstner (zumindest bisher) die Aussetzer, die zu Toren führen, aus. Klar, Giefer muss sich ganz schnell fangen. Das Gegentor bei 1860 ist noch frisch im Gedächtnis. Ansonsten werden wir nicht mehr überrannt. Aber wie denn auch… Wir riskieren ja auch nichts mehr. Unter Interimscoach Oli Reck hat man teilweise Feuer nach vorne gesehen. Logischerweise wird man dann aber auch anfällig. Und so ist die alle erste Maßregel unter Köstner: Hinten dicht machen.

Es mag aus einem Bauchgefühl kommen; und es mag auch alles anders werden. Aber so macht es wirklich nur bedingt Freude, der Mannschaft zuzusehen. Fehlervermeidung als oberste Maxime ist eben vor allem nur eines: langweilig. Jungs auf dem Platz zu sehen, die gallig auf Gewinnen sind… Das wünscht man sich eher.

Symptomatisch für diese Marschroute unter Köstner war der Wechsel in der 90. Minute (Balogun kam für Lumpi). Wechsel zu diesem Zeitpunkt dienen eigentlich IMMER dem Zeitspiel, um ein Ergebnis über die Zeit zu retten. Das 0-0 war also das zu rettende Ergebnis. Und das, obwohl es nie in Gefahr war…

Am kommenden Spieltag erwartet uns ein etwas überraschendes Wiedersehen mit Norbert Meier. Dann ist wenigstens emotional ein wenig was los.

In diesem Sinne, 95 OLÉ
Adnan & Ingo

 

Advertisements

Die Eisernen wieder aus dem Sack gelassen…

16 Feb

Unsere Jungs geben ein Spiel, das sie mit cleverer Taktik in der ersten Hälfte dominierten aus der Hand. Das 1-1 ist leider ein gerechtes Ergebnis; und wieder wurden Punkte verschenkt.

Mit dem Punkt aus München konnte man eigentlich allseits gut leben. Und der Auswärtspunkt zu Beginn des Restprogramms der Saison 2013/14 war ein guter Start – naja, aber vielleicht auch nur, wenn man dann auch ordentlich nachlegen würde. So hofften wir darauf, dass uns gegen Union Berlin wieder ein deutliches Zeichen zur Überwindung der 2013er Fortuna-Tristesse gezeigt werden würde. Die „Köpekicker“ spielen mal wieder oben mit und waren daher auf dem Papier favorisiert. Und was hatten wir dagegenzusetzen…?

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Chefcoach Köstner nahm nur dort eine Änderung vor, wo er dies auch tun musste: In der Innenverteidigung. Dort kehrte der zuvor gelbgesperrte Levels zurück und ersetzte den nun gelbgesperrten Bodzek. Sonst sahen wir die selbe Truppe wie bei 1860. Es macht durchaus Sinn, den Versuch zu unternehmen, eine stabil, Woche für Woche auftretende Startelf zu formen – Verletzungen und gravierende Leistungsschwankungen hatten dies zuletzt unmöglich gemacht. Und man muss durchaus sagen, dass dies aufzugehen schien…

HZ 1: Souveränes Bollwerk mit Traumtor

Wie schon gegen die 60er überlassen unsere Jungs dem Gegner das Spiel und sehen zu, sortiert zu stehen und nichts zuzulassen. Hierbei wurde der Gegner – bekanntlich fußballerisch keine Übermannschaft der Liga – zu erstaunlich vielen Abspielfehlern gezwungen. Durch sehr gutes Stellungsspiel und Einsatzwillen wird unterbunden, was Union aufzubauen versucht. Gleichzeitig verstehen es unsere Jungs, schnelles Umschaltspiel zu betreiben und einige erste, gefährliche Angriffe zu fahren. Noch in den ersten 10 Minuten kommen wir zu guten Chancen: Ein Mal kommt Benschop einen Schritt zu spät nach Flanke von Erat; und später kann Halloran den Abpraller nach einem Benschop-Freistoß nicht nutzen. Da hätte es durchaus schon klingeln können.

Ab der der 20. Minute wird die Gangart merklich härter. Es wird auf beiden Seiten beherzt „zugegrätscht“, sodass der bereits gelbverwarnte Berliner Antisympathikus Köhler bereits in der 22. Minute von seinem Trainer vom Feld geholt wird, bevor dies der Schiedsrichter mit einem Platzverweis veranlasst. Unsere Jungs stehen weiter diszipliniert und geordnet in zwei Viererketten auf dem Platz. Der Ballführende Gegner wird sofort gedoppelt. Kein Durchkommen für Union, das recht planlos gegen unsere Defensive anrennt. Dafür wird die Fortuna aber immer wieder durch schnell vorgetragene Konter gefährlich. Liendl verteilt die Bälle in gutem Tempo und mit Präzision; Halloran und besonders Erat machen das Spiel an der Seitenlinie schnell. In der 32. Minute gibt´s dann eine schöne Doppelchance der Fortuna: Zuerst versucht es „Tuggi“ Erat mit einem schönen Schuss, der jedoch nach vorne abgewehrt wird. Unmittelbar danach ledert Lumpi ab, aber der gute Gästekeeper Haas kann leider den mittlerweile verdienten Torerfolg unserer Jungs vereiteln. Nur drei Minuten später gibt es dann aber Grund zum jubeln.

Union-Verteidiger Schönheim versucht am 16er kläglich die Kirsche aus der Gefahrenzone zu befördern und legt dabei dem schlitzohrigen Erat das Spielgerät fast auf den Fuß. Unsere Nr. 25 nimmt (gefühlt zu lange) Maß und schlenzt die Murmel unhaltbar in den rechten oberen Torwinkel: Ein Traumtor! Bei seinem Jubel läuft er an allen ausgebreiteten Armen der Trainerbank vorbei und herzt statt dessen den auf der Bank schmorenden Hoffer! Was ein toller Junge, dieser Erat. Und wieder so ein kleines Indiz dafür, dass es in der Truppe stimmt. Bis zur Pause geht es dann eigentlich ohne weitere große Höhepunkte weiter, Fortuna steht hinten sicher, sorgt bei Kontern immer wieder für Gefahr und Union bekommt nix gebacken. Wir haben die Unioner schlichtweg im Sack!

HZ 2: Umgedrehtes Déja vu

Hatte am Montag noch LGK die Handbremse seines Teams in der Pause gelöst, übernimmt Gästetrainer Neuhaus diesmal diesen Job. Denn die „Eisernen“ kommen wie verwandelt aus der Kabine und schnüren die Fortuna erstmal in der eigenen Hälfte ein. In der 50. Minute senkt sich eine verunglückte Flanke gefährlich und landet auf der Latte – Giefer wäre wohl zu spät gekommen. Die Fortuna bekommt in dieser Phase irgendwie kein Bein auf die Erde, statt Spielaufbau, wird der Ball nur noch unkontrolliert nach vorne gebolzt. Ecken bleiben völlig harmlos. Berlin nimmt jetzt Fahrt auf und in der 54. Minute haben wir Glück, dass Latka gerade noch seinen Schlappen in den Schuss von Mattuschka hält und das Leder gerade noch an den Außenpfosten lenkt. Nur vier Minuten später wird aber die Passivität der Fortuna bestraft: namentlich durch Sören Brandy (na dann Prost!), der in unserem Fünfmeterraum einen von Fink unglücklich verlängerten Ball gekonnt annimmt und für Giefer unhaltbar zum Ausgleich in die Maschen versenkt.

Kurzzeitig gibt es nun ein Aufbäumen unserer Jungs, Latka köpft nach einer Ecke nur knapp am Tor vorbei. Unser Trainer wechselt nun offensiv und bringt Hoffer für Liendl. Obwohl wir die Einwechslung von Jimmy begrüßen, finden wir es doch schade, dass gerade unser neuer Ballverteiler vom Platz muss. Liendl hatte zwar nicht so einen starken Auftritt wie in München, doch hatten wir uns von seiner Passsicherheit für die Schlussphase noch einiges erwartet und erhofft. Die Auswechslung verpufft auch erstmal völlig und Berlin ist weiterhin am Drücker. Gerade über unsere rechte Seite kommt Union immer wieder gefährlich in die Nähe von Giefers Kasten. In der 74. Minute gibt es aber doch nochmal einen sehr kurzen Freudentaumel, als Erat zum zweiten Mal einnetzt – Pustekuchen, Abseits. Bei unserer Fortuna fehlt in dieser Phase der absolute Wille, dieses Ding zu gewinnen. Und die weiteren Einwechslungen von Köstner deuten leider auch darauf hin: Paurevic für Halloran und später Schmidtgal für Lumpi.

In den letzten zehn Minuten scheint den Berlinern etwas die Puste auszugehen, aber leider können unsere bei Konter spritziger wirkenden Jungs daraus kein Kapital schlagen. In der Nachspielzeit hätte Hoffer zum Helden werden können. Er leitet von der Mittellinie aus einen gefählrlichen Konter ein, läuft in gutem Tempo auf den Gästekasten zu. Doch man merkt schnell, dass er nicht so recht weiß, wie er das Ding jetzt abschließen will. Er verzettelt er sich dann in ein Dribbling, und statt den Ball auf den frei stehenden Benschop zu legen, tritt er zum Schlussakkord noch einen Berliner um – in short: Stürmerfoul statt Torchance! Dann ist auch sehr bald Schluss und man muss eher enttäuscht die Arena verlassen.

Fazit

Unsere Fortuna schien genau wieder den Fußball spielen zu wollen – und zu können – der sie vor allem in der Bundesligahinrunde so stark gemacht hatte: Gegner ausgucken, sicher stehen, zu Fehlern zwingen und dann schnelles Umschalt- und Konterspiel. So hatten sie Union über 45 Minuten im Sack. Und es sah tatsächlich nach einem richtigen Spielkonzept aus – etwas, das wir so lange nicht mehr erleben durften… Tja, und was ist dann passiert? Okay, wir sehen ein: Es gehören zwei Mannschaften zu einem Spiel und Union kam echt verwandelt aus der Kabine. Aber warum bekamen wir den nichts mehr in den Griff? Warum verloren wir plötzlich die Zweikämpfe, die wir in der 1HZ noch in einer Vielzahl für uns entschieden? Genau dies war der Schlüssel – denn plötzlich konnte Union das Mittelfeld spielerisch überbrücken statt wir. Es gab wieder Phasen und Minuten, in denen unsere Jungs schlichtweg nicht an den Ball kamen. Waren sie platt? Überrascht? Beeindruckt?? Schwer zu sagen – in jedem Fall war es unendlich schade, denn die erste Halbzeit hatte Hoffnung und sogar Spaß gemacht. Hoffen wir, dass es wertvolle Erkenntnisse für LGK gegeben hat.

Personelles & Ausblick

Giefer bekam kaum etwas auf’s Tor, sah bei der Bogenlampe von Mattuschka unglücklich aus, konnte aber das Tor nicht verhindern. Unsere Abwehrreihe stand eigentlich gut. Ab und zu passierten vor allem Balogun im Spiel nach vorne unnötige Fehler. Doch die Defensive hatten sie im Griff. So auch Lumpi und Fink, die aber beide in der zweiten Halbzeit stark nachließen – vor allem Fink. Halloran und Erat sind durchweg offensiv gefährlich und sorgen mit ihren Rochaden für Verwirrung. Liendl bewies wieder seinen Wert im Spielaufbau und wurde nach seiner Auswechslung durchaus vermisst. Benschop blieb erneut ungefährlich vor dem Tor – leider. Dies traf aber auch völlig auf den eingewechselten Hoffer zu. Generell ließen die Wechsel einige Fragen offen – man muss aber auch bedenken, dass Wechsel nicht nur dazu da sind, einen Spieler zu ersetzen, der nachlässt. Wechsel dienen auch dem Zweck, anderen Spielern eine Chance zu geben, sich zu präsentieren. Diese Chance haben Hoffer, Paurevic und Schmidtgal (kurzer Einsatz) nicht wirklich genutzt.

Man vermisst ein wenig das Gefühl, dass die Mannschaft auf Sieg spielt. Sie scheinen da wirklich nicht dran zu glauben – oder der Trainer tut es nicht. Anders sind diese eher defensiven Wechsel nicht zu deuten.

Nun denn – schauen wir, was in Bochum so geht. Mit Blick nach unten muss man da durchaus punkten. Drin ist es allemal.

Bis nächste Woche – 95 OLÉ,
Ingo & Adnan

Versöhnliche Punktlandung bei den Löwen

13 Feb

Unsere Jungs holen sich nach einem insgesamt soliden Auftritt einen Auswärtspunkt bei 1860 München. Nach einer voll auf Sicherheit ausgelegten 1. HZ traut sich unsere Fortuna etwas mehr und egalisiert einen Rückstand nach schönem Treffer von Ben Halloran.

Gute Güte… Diese gähnende Leere während der Winterpause. Ist das eigentlich noch zeitgemäß? In jedem Fall hat es unendlich lange gedauert. Aber nun geht es wieder los. Woche für Woche werden wir wieder das Spektakel um unsere Jungs verfolgen.

Spiele gegen 1860 sind immer unangenehm. Die Truppe ist stets ein Störenfried in den oberen Rängen der Zweiten Liga – auch wenn sie lange nichts mehr mit dem Aufstieg zu tun hatten. Ein „latenter Kandidat“ für das Aufstiegsrennen bleiben sie immer. Somit dürfte es Maßgabe gewesen sein, sich bei der Truppe von Friedhelm Funkel erst mal nach hinten zu sortieren, bevor überhaupt etwas nach vorne gewagt wird. Und es stand dabei die große Frage im Raum, was LGK in seinem Debut als Fortuna-Trainer personell vorhaben würde. Wir haben viel gelesen über die Notwendigkeit einer Hierarchie im Team. Gleichzeitig haben wir viel gelesen über die Notwendigkeit, junge Spieler heranzuführen. Doch schnell wird klar, für das eine braucht man das andere… Deshalb leuchtete schnell ein: LGK wird versuchen, unsere vermeintlichen Routiniers in die Pflicht zu nehmen. Und die Aufstellung bestätigte dies.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Mal wieder sehen wir eine komplett neue Abwehrreihe: Außen spielen Weber (LV) und Balogun (RV) und innen Latka (RIV) und Rückkehrer Bodzek (LIV). Besonders für Bodzek ist es sicher ein gutes Zeichen, dass Köstner ihn unmittelbar einsetzt, sobald er wieder fit ist. Er könnte durchaus ein Gewinn für den Spielaufbau sein – eine vermeintliche Schwäche von Malezas, der auf der Bank Platz nehmen musste. ZDM spielten Lumpi und Fink. Das war durchaus überraschend, da Christian Gartner sich sehr gut präsentiert hatte. Aber so stand bereits die komplette Fortuna-Routine auf dem Feld: Weber, Lumpi, Fink, Bodzek! Davor aber dann Jungspund-Alarm: Halloran und Erat wechselten sich auf den Flügeln ab. Debutant Liendl quasi als #10 und davor Charli Benschopp. Die Devise musste also lauten: In aller Ruhe hinten absichern – und aus der daraus resultierenden Sicherheit nach vorne agieren.

1. HZ:  Vorsicht ist die Mutter der Fortuna-Kiste

Sofort nach dem Anstoß wird deutlich, dass unsere Jungs erstmal darauf bedacht sind, in der Defensive nichts anbrennen zu lassen. Die Münchner beginnen ganz im Stile einer Mannschaft, die sich für Rückrunde eine Menge vorgenommen hat. Trotzdem ist beiden Teams auch erstmal die lange Pause anzumerken, denn Nervosität und Hektik im Spielaufbau ist beiden Teams in der Anfangsphase noch anzumerken. Für den neutralen Beobachter ein Albtraum von einem Fußballspiel…

Die Löwen sind aber in der ersten Hälfte eher zu einem ordentlichen Spielaufbau in der Lage; bei unseren Jungs geht es erstmal nach dem Credo: Die Null muss stehen! So kommt es dann auch, dass sich die 60er an unserer Abwehrreihe die Zähnchen ausbeißen. Wer hier aggressiver auftritt, ist jedoch sofort zu erkennen. Die Fortuna fightet – Lumpi ist mal wieder gut dabei; denn spielerisch geht nämlich zunächst gar nix. Unserem neu verpflichteten Spielmacher, Michael Liendl, ist sofort gute Ballbehandlung und Passsicherheit zu attestieren. So kommt es dann auch, dass unsere neue Nr. 5 in der 20. Minute zum ersten Mal den Schlabberbuxen-Routinier, Gabor Kiraly, mit einem beherzten Linksschuss vom 16er prüft. Der folgende Eckstoss wird dann in „altbewährter“ F95-Hinrunden-Manier abgeschlossen und endet mit einem Foul für 60, da Halloran den Gegenspieler umnietet. Das müssen wir einfach noch lernen.

Einige Minuten später wird es aber vor unserem Kasten gefährlich: Der neu Löwen-Japaner, Osako, wird in unserem 5er angespielt, aber Christian Weber grätscht den Ball mit der Rettungs-Aktion des Tages gerade noch ins Aus. Fabian Giefer beglückwünscht unser Außenverteidiger mit solch einer Inbrunst, dass ihm glatt die Sabber vom Kinn tropft! Sehr schön zu sehen, wie sich die Jungs gegenseitig stark machen. Ein paar Minuten später bekommt Bodze seine 5. Gelbe Karte gezeigt, da es dem Schiri mittlerweile zu viel geworden ist. Allerdings war der gute Herr Kampa doch sehr kleinlich in seiner Regelauslegung, denn beinahe jeder Körperkontakt wurde abgepfiffen, was bei unserer aggressiven und defensiven Spieleinstellung doch eher zum Nachteil wurde. Die erste Hälfte endet also 0:0. De Effümmenöinzisch stand in guter Ordnung und auf Sichern bedacht, sodass 1860 trotz besserer Spielanlage zu kaum nennenswerten Chancen gekommen ist.

2. HZ: Mehr Mut zum Risiko

In der Pause muss LGK bei den Jungs wohl die Handbremse gelöst haben, denn wir sehen sofort eine Fortuna, die jetzt nicht nur sicher verteidigt, sondern auch mutiger nach vorne spielt. Sofort gibt es in der 48. eine wirklich schöne Kombination über Balogun und Benschop zu sehen, die Erat aber leider übers Tor der Löwen jagt. Von den Münchnern ist in dieser Phase nach vorne nichts mehr zu sehen. Sie wirken gezähmt und wie leicht verschüchterte Schmusekätzchen. In der 55. Minute lässt unser Ösi-Regisseur Liendl seine technische Klasse mal wieder aufblitzen, zieht mehrer Münchner auf sich und schafft es trotzdem noch einen blitzsauberen Pass zu Benschop zu spielen. Der bedient direkt Lumpi und, auch wenn nur eine Ecke rausspringt, merkt man, dass sich da etwas regt im Team. Weitere fünf Minuten später ist es wieder Lumpi, der blank vor Kiraly auftaucht. Nach feinem Pass von Sturmtank Charli geht Monsieur Lambertz mittig aufs gegnerische Tor zu und verzieht aus aussichtsreicher Position leider mit seinem linken Schlappen recht kläglich rechts neben das Tor. Die beste Chance des Spiels bis jetzt…

Kurz darauf macht Löwen-Trainer Funkel beim Spielerwechsel in der 62. Minute alles richtig. Mit seinem ersten Ballkontakt schieß Moritz Stoppelkamp einen scharf angeschnittenen Flachschuss nach einem Eckball auf unser Tor. Giefer kann die fies angeschnittene Murmel nicht festhalten und 1860-Debütant Osako staubt am grätschenden Bodzek zur Führung ab! 0:1. Giefers Ding? Ja, eigentlich schon. Aber kein Fortune lässt den Kopf hängen – ganz im Gegenteil. Die Jungs scheinen zu wissen, dass hier was zu holen ist – vor allem in der 2. HZ. In der 66. vergeben wir die nächste Großchance, als Erat nach schöner Weber-Flanke von links frei im Strafraum zum Kopfball kommt. Den setzt er aber leider direkt in die Hände des Schlabberhosen-King Kiraly. Nur vier Minütchen später ist es aber soweit und wir können uns über das erste Fortuna-Tor 2014 freuen…

Halloran initiiert im Mittelfeld einen Vorstoß und passt den Ball auf die linke Seite. Während sich seine Mitspieler gekonnt die Kugel hin- und herpassen, startet er in die große Lücke des Münchner Strafraums. Am 16ner angekommen, flankt Liendl quer auf den nun frei stehenden Halloran, der die Kugel annimmt und dem anstürmenden Kiraly durch die Hosenträger spiel. Ausgleich! Voll verdient und obendrein noch schön gemacht. Unmittelbar danach zieht sich die Fortuna aber leider etwas mehr zurück und Köstners Auswechslungen bestätigen, dass man mit der Punkteteilung völlig zufrieden ist. In den letzten fünf Minuten geht das dann aber beinahe sogar noch in die Hose. 1860 möchte nun doch die drei Punkte haben und kommt zu mindestens zwei gefährlichen Abschlüssen. Doch es bleibt dabei. Ein Punkt bei den Löwen – kann man wohl machen…

Personelles & Ausblick

Ja, klar… Giefer sieht beim dem Schuss von Stoppelkamp blöd aus. Und jedes Mal, wenn seine Wechselgerüchte wieder aufkochen, geht die Fanschar sehr hart mit ihm ins Gericht. Das Ding ist definitiv sein Fehler. Den Ball fängt er wohl an anderen Tagen, aber bleiben wir fair: Er wirkte sonst im Spiel sehr sicher und kommunizierte viel mit seinen Teamkollegen. Er wirkt weit entfernt von der Aufgeregheit der Bundesliga-Rückrunde. Da braucht man sich keine Sorgen machen. Bodzek war in der ersten Halbzeit der Mann mit den meisten Ballkontakten und holte sich früh seine fünfte Gelbe Karte. Doch zusammen mit Lakta hatten sie die Defensive später gut im Griff. Balogun und Weber waren außen völlig unauffällig. Nix Tolles; nix Schlimmes! Lumpi und Fink waren für ihre Verhältnisse zuletzt wirklich verbessert. Vor allem Lumpi eroberte viele Bälle. Bei Fink bleibt es dabei: Er ist nicht der Gestalter, den einer der beiden 6er einfach markieren muss. Dazu ist er weiterhin zu langsam. Halloran und Erat haben etwas gebraucht, um ins Spiel zu finden. Doch in der offensiveren Zweiten Halbzeit kam auch über die beiden mehr. Unserer #23 wird das Tor sehr, sehr gut getan haben. Wenn die Außenverteidiger hinter ihnen etwas stärker werden, dürfte unser Flügelspiel wieder ein Kontergarant sein. Tja, und Liendl… Das war teilweise toll anzusehen. Ballbehandlung, Übersicht und Ruhe wirkten beeindruckend. Sein Assist war Zucker. Hoffen wir, dass er genau so weitermacht und in Fahrt kommt. Benschop blieb zwar insgesamt zu ungefährlich, besticht aber durch sein mannschaftsdienliches, laufstarkes Spiel. Er wird eine echte Säule für das Team bleiben.

Nach dieser Punktlandung in München darf man sich auf den nächsten starken Gegner freuen: Union Berlin. Die mischen weiterhin fröhlich in den oberen Rängen mit. Wir müssen schauen, dass wir durch weitere Punkte den Abstand nach unten vergrößern – es sind nur vier bedrohliche Punkte und ein mieses Torverhältnis. Auch gegen Union dürfte es erst mal um Sicherheit gehen. Das macht Sinn, da die Fehler in der bisherigen Spielzeit einfach zu „teuer“ waren…

Köstner muss auf Bodzek verzichten. Malezas dürfte somit wieder reinrücken. Levels hat die Gelbsperre abgesessen und wäre Kandidat für Rechts oder auch auf links. Da meldet aber auch Schmidtgal sicher Ansprüche an. Nach Gartners Verletzung dürfte klar sein, dass Lumpi und Fink wieder zentral auflaufen. Vielleicht festigt sich endlich mal eine Startformation.

Naja, warten wir’s ab – dauert ja gar nicht mehr so lange.

In diesem Sinne – 95 OLÉ

Ingo & Adnan