Archiv | Dezember, 2013

Derbes Derby und die Vorfreude auf 2014

24 Dez

Gegen leider viel zu eiskalte Kolner geht unsere Fortuna zu Hause im Derby leer aus. Doch die zwischenzeitliche Aufholjagd und die generelle Spielanlage einer im Mitteldfeld runderneuerten F95 lassen auf die Zukunft hoffen.

Ja, verdammt – es tat sehr weh. Jedes Gott verdammte Tor der *ölner glich einem Stich ins Herz – der ausgelassene Jubel des lautstarken Gästeanhangs war kaum zu ertragen. Unsere Bude wurde eingenommen und die Party feierte der Gast. So’n Bisschen sollte von vornherein ein wenig der Wurm drin sein: Der Anpfiff wurde um 30 Minuten verlegt – eigentlich egal. Dann das absolute Unvermögen des Videoleinwandanimateurs (oder wie nennt man ihn?). Erst kam der Depp/die Deppin bei der Bekanntgabe der Scheißbock-Elf gar nicht hinterher. Noch viel schlimmer: Als unser Olli Reck bei der Startelfverkündung durch André Scheidt eingeblendet werden sollte, kam erst mal lange nichts… Und dann wurde Herr Lehmann von den *ölnern eingeblendet. Die Peinlichkeit war dann aber am größten, als statt Taskin bei der #26 unser Monsieur TIMO FURUHOLM eingeblendet wurde. Wer hatte denn da zu viel Glühwein getrunken??? So, und dann noch das: Unsere Jungs wurden angehalten, in Türkis zu spielen. Angeblich war das rote Heimtrikot dem Kolner Auswärtstrikot zu ähnlich… Öhm, WIE BITTE? Rotes Trikot, rote Hose, rote Stutzen gegen weißes Trikot, weiße Hose, weiße Stutzen… Wo bitte war denn hier das Problem? Da fahren wir eine geile Choreo auf, bei der es um die Vereinsfarben ROT und WEISS geht und unser Team spielt in Türkis? Hm, nerviger Umstand – sicherlich hatte das alles keine Auswirkung auf das Spiel, aber das Auge isst ja nun mal mit. Aber kommen wir zum sportlichen Teil des Spektakels…

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Wie erwartet, wechselte Olli Reck nur auf einer Position im Vergleich zur Partie in Cottbus: Nach abgesessener Gelbsperre durfte Fink wieder ran, sodass Paurevic auf die Bank wich. Es war durchaus denkbar, dass Lumpi eine Option für die linke Seite gewesen wäre. Schließlich war Halloran einer der Schwächeren; und gegen den Lokalrivalen würde so eine Figur wie Lumpi symbolisch viel bedeuten. Doch es wird klar, dass Reck auf solche Dinge nicht viel gibt. Und das ist auch gut so. Die Formation bleibt ein 4-4-2, bei dem sich Benschop immer wieder fallen lässt und Hoffer die vorderste Wuselmaus darstellt. Wir waren gespannt, wie sich Dustin Bomheuer diesmal machen würde, und ob sich unsere Abwehrreihe insgesamt etwas stabilisiert. Es war klar, dass das bitter nötig sein würde, denn die Offensivabteilung des Gegners ist mit Ujah, Helmes, Halfar und Risse leider sehr stark aufgestellt – eigentlich ein echtes Bundesligaquartett, wenn man ehrlich ist.

1. HZ: Vorsichtiges Abtasten & Malezas‘ Aussetzer

Es war deutlich zu sehen, dass beide Mannschaften erst mal alles daran setzen, ruhig ihr Spiel aufzuziehen. Mal arbeiteten unsere Jungs gemächlich am Spielaufbau, mal taten es die *ölner. Torraumszenen gab es so gut wie keine. Der Ball erreichte in der ersten halben Stunde kaum einen 16er. Erst ein (mal wieder) fataler Ballverlust von Fink in der eigenen Hälfte bot Helmes die erste große Chance, die er glücklicher Weise versemmelte. In der 29. Minute passierte es dann aber. Bomheuer ließ sich von Risse auf unserer linken Abwehrseite vernaschen. Dessen Hereingabe wurde ein fürchterlich langsamer Kullerball, den Malezas aufgrund einer Milisekunde des Zögerns nicht erreichen konnte. Helmes startet durch und flankt kurz der Torauslinie vor’s Tor. Dort steht der Torriecher-König Ujah goldrichtig und bezwingt im Zweikampf Levels und nickt zum 0-1 ein. Es ist fast schon rührend, wie Beschop sofort zu Malezas rennt und ihn verzweifelt fragt, warum er die Kirsche nicht einfach rausgehauen hat. Keine 10 Minuten später macht es uns die *ölner Verteidigung eigentlich vor und drischt einen Düsseldorfer Angriffsversuch aus dem eigenen 16er raus. Auf Höhe der Mittellinie wird das Kopfballduell verloren und plötzlich sieht sich Malezas im Laufduell mit Ujah. Statt den Ball einfach auf Giefer zu spielen, will Malezas die Nummer spielerisch lösen und bringt sich dabei um Kopf und Kragen: Denn neben Ujah ist nun auch Helmes zur Stelle. Er tanzt gekonnt Latka aus und zieht furztrocken ins rechte untere Ecke ab. Unhaltbar für Giefer: 0-2. Natürlich wirken die Jungs beeindruckt. Von Schockstarre ist aber keine Spur. Und so darf man auf die zweite Hälfte hoffen. Mit einer cleveren Auswechslung und der entsprechenden Halbzeitansprache könnte was gehen…

2. HZ: Aufholjagd & ein fataler Abwehrpatzer

Eines muss in aller Deutlichkeit betont werden: Olli Reck überzeugt mit Mut und Konsequenz. Fink gehörte zu den schwächsten in der 1. HZ. Doch als Kapitän lässt man so jemanden trotzdem mal drin. Nicht so Olli Reck. Und würde er nun Lumpi bringen? Immerhin ist Derby und er würde sicher rennen, rennen, rennen… Nein, Reck bleibt seiner Linie treu und schenkt Eren Taskin das Vertrauen, sein Debüt bei den Profis in solch einem wichtigen Spiel zu feiern. Und die Aufholjagd sollte gelingen. Gartner setzt im rechten Halbfeld unweit des *ölner 16ers gekonnt nach, erobert den Ball und bedient Hoffer mit einer butterweichen Flanke. „Jimmy“ trifft im dritten Spiel in Folge mit einem platzierten Kopfball. 1-2. Alles tobt. Jetzt geht es los. Erat wedelt mit den Armen und stachelt die Ränge an. Jeder glaubt nun daran, dass hier noch was geht. Und es dauert nur 7 weitere Minuten bis die Arena regelrecht explodiert. Freistoß aus 18 Metern. Gartner mit Gefühl oder Benschop mit Gewalt. So die Alternativen. Benschop macht genau das Richtige: Flach und scharf jagt er die Kirsche durch die Mauer. So einfach, so effektiv. 2-2! Ausgelassene Freude lässt die Arena beben. Schon zu diesem Zeitpunkt ist klar: Diese Truppe zeigt genau den Spirit, den wir seit Wochen und Monaten vermissten.

Der nach der bequemen Führung etwas träge Gast wachte jetzt allerdings auf. Sie wurden wieder präsenter. Zudem bringt *öln mit Peszko für Risse einen weiteren Wirbelwind. Und genau er macht dem für Bomheuer eingewechselten Weber direkt das Leben schwer. Einen verzogenen Abschlag von Giefer nimmt Peszko mustergültig an und startet seinen Flügellauf. Weber kommt nicht hinterher. Den Pass in die Mitte holt sich der gedankenschnellere Halfar und bedient Ujah – tja, und der weiß einfach, wie man vor dem Tor eiskalt ist und platziert den Ball erneut unhaltbar ins Eck. Wieder müssen wir die nicht zu bändigende Freude der *ölner ertragen. Irgendwie war klar, dass diese Truppe das jetzt nicht erneut aus der Hand geben wird. Und, auch wenn wir mit Latkas Kopfball noch mal ganz nah am Ausgleich sind, müssen wir uns eingestehen, dass der Spitzenreiter verdient als Sieger vom Platz geht.

Personelles & Ausblick

Diese Derbyniederlage tut sehr weh – keine Frage. Aber mal ehrlich: Kommt bei Euch nicht auch eine große Vorfreude auf das kommende Jahr auf? Ist das neue Mittelfeld nicht absolut vielversprechend? Wir hatten in der zweiten Halbzeit die jungen Gartner (19), Erat (21), Taskin (21) und Halloran (21) am Werk – wie sehr mussten wir uns zuletzt ärgern über die zweifellos unendlich sympathischen aber spielerisch so enttäuschenden Lumpi, Fink, Bodzek und Bellinghausen (auch wenn Letztere nun länger verletzt gewesen sind). Benschop und Hoffer spielen vorne immer besser zusammen und sie treffen regelmäßig. Stellt Euch vor: Schmidtgal wird zurückkommen. Und es gibt ja auch noch Gianniotas, der in diese Riege im Mittelfeld ebenfalls wunderbar passt. Und wer weiß – vielleicht bringt unser neuer Sportdirektor Schulte noch eine gute Verstärkung mit. Insgesamt scheint aber, dass die Mannschaft nun im Begriff ist, ihre Identität zu finden. Auf dem Platz wird viel mehr kommuniziert. Benschop ist dabei sehr agil; und ebenso der junge Erat. Natürlich bereitet einem die Abwehrreihe etwas Sorgen. Latka und Malezas sind zeitweise nicht wiederzuerkennen. Bomheuer ist schlicht und ergreifend kein Außenverteidiger. Seine Schulterverletzung wird ihn aber ohnehin pausieren lassen müssen – leider hat es auch Weber fies erwischt. Mal sehen ob Levels, Schmidgtal, Ramirez und Balogun als etatmäßige Außenverteidiger ihre Rollen ausfüllen können.

Der Mut von Olli Reck, die Jungspunde in die Pflicht zu nehmen, wurde bereits belohnt. Das kann – bzw. muss – der Weg in die Zukunft sein. Viel zu lange ist es her, dass wir aus der eigenen Jugend Spieler an die Profimannschaft herangeführt und etabliert haben. Erat und Taskin sind großartige Beispiele dafür, wie es gehen könnte. Vielleicht gesellen sich Ilhas Bebou im Sturm, oder Mo Karpuz in der Verteidigung bald dazu. Das hier soll kein Schönrede-Blabla sein: Wir freuen uns wirklich auf 2014, da uns die Truppe in den letzten drei Spielen das Gefühl gegeben hat, wieder mit Leben erfüllt zu sein. Hoffen wir, dass sich dieser neue Spirit entlang der Winterpause manifestiert und die Mannschaft als eingeschworene Truppe nach der Winterpause mit Vollgas in die verbleibenden 15 Spieltage geht.

Es ist wohl ganz gut, dass das recht beschissene Fortuna-Jahr 2013 nun zuende geht. Nach vier, fünf tollen Jahren musste wir wieder mal viel Fußballleid ertragen. Auf dass es nun im Jahr 2014 besser wird – Grund zur Zuversicht gibt es allemal

Rockt Weihnachten und kommt gut ins neue Jahr: 95 OLÉ

Ingo & Adnan

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Die Fortuna tankt Punkte und Energie in Cottbus.

16 Dez

Unsere Jungs nehmen weiter Fahrt auf. In der Lausitz gelingt der zweite Auswärtserfolg in Folge. Zwar lassen die Jungs weiterhin enorm viel zu. Doch ein wieder erstarkter Giefer und die Tore von Hoffer, Benschop und Erat lassen die Rot-Weißen jubeln. Das Derby kann kommen.

Ist das zu fassen? Unsere Jungs haben D3R3E3I Tore erzielt. Das erste Mal seit dem Heimsieg gegen den VfB Stuttgart am 2. Februar (!) ist dies unserer Mannschaft gelungen. Überleeecht mal. Auch diese statistische Realität macht diesen Sieg besonders. Hinzu kommt, dass wir ein Spiel gedreht haben. Tja, und dass ein Jungspund aus der „Zwoten“ mit Assist und eigener (megafrechen) Bude wesentlichen Anteil hatte. Zudem waren die ersten beiden Tore … Achtung … richtig gut herausgespielt! Ja, aus diesen und sicherlich noch anderen Gründen fühlt sich dieser Sieg richtig gut an. Aber sortieren wir mal alles:

Startaufstellung – taktische Ausrichtung

Nach dem erfolgreichen Auftritt in Kaiserslautern vertraute Oliver Reck für die Partie gegen Kotzbus so ziemlich genau der gleichen Startelf; lediglich Paurevic (nicht Lumpi!) ersetzte den gelbgesperrten Fink. Dass Bomheuer wieder links ran durfte, war nach dessen mäßiger Partie zwar überraschend, aber vielleicht soll sich die Abwehrreihe mal einspielen können. Taktisch konnte die Fortuna ebenfalls auf Bewährtes zurückgreifen, denn die mit dem Rücken-zur-Wand stehenden Brandenburger waren als Tabellen-Schlusslicht zum Siegen verdammt. Unsere Jungs konnten sich also wieder entspannt auf’s Verteidigen und Kontern konzentrieren.

HZ1: Früher Rückstand, schnelle Antwort!

Das Spiel beginnt direkt kampfbetont und unsere Jungs knüpfen direkt an den Spirit vom Betze an. Aber schon während der anfänglichen Abtastphase wackelt unsere Abwehr und es gibt auch gleich einen empfindlichen Leberhaken: Nach einem Ballverlust auf unserer rechten Seite in des Gegners Hälfte enteilt Bickel allen Forunen und stürmt mit Ball über links in unseren 16er. Tobias Levels kommt einfach nicht hinterher, Latka muss übernehmen und rückt raus. Der Cottbusser Schwede Affane sieht die Lücke, sprintet hinein, bekommt das Zuspiel und überwindet Giefer mit einem überraschenden Schuss aus spitzem Winkel. Boom!! Wir liegen 0:1 hinten! Die Zeitlupe zeigt leider wie orientierungslos unsere Truppe in dieser Situation gewesen ist.

Trotzdem sind wir auf unserer Couch irgendwie wenig beeindruckt. Die Körpersprache unserer Fortunen zeigt, dass sie voll bei der Sache sind und nicht Gefahr laufen, nach diesem frühen Rückschlag einzuknicken. Und schon in der 11. Minute, vier Minuten nach der gegnerischen Führung nimmt „Jimmy“ nach rasantem Zuspiel über Gartner und feinem Lupferpass von Paurevic den Ball auf der rechten Seite des 16ners an, schirmt ihn gegen Abwehrspieler Möhrle (sieht der nicht aus wie Peter Fox???) ab, verzögert kurz und nutzt dann die sich bietende Lücke für einen beherzten Linksschuss, der unhaltbar links unten einschlägt! Herrlich – Viva Austria! Forza Fortuna – eine schnelle Antwort auf einen Rückstand kütt immer joot.
Nach der anfänglichen Aufregung werden beide Teams aber nun wieder etwas vorsichtiger und Chancen sind auf beiden seiten erstmal Mangelware. Trotzdem bleibt die Partie unterhaltsam, da Einsatz und Wille bei beiden stimmen und unsere Jungs beherzt in die Zweikämpfe gehen. In der letzten Viertelstunde vor der Pause wird die Energie aber wieder stärker und drängt auf die erneute Führung. Unsere Abwehr bleibt alles andere als sattelfest und so werden die Angriffversuche der Hausherren wiederholt gefährlich. Besonders Affane macht unserer Verteidigung das Leben schwer und es scheint, als würde die Lücke, die sonst Fink mit seinen sagenumwobenen Grätschen schließt, heute eine echte Problemzone zu sein. Auch ist Levels wiederholt überfordert mit seinem Gegenspieler. Fabian Giefer hingegen strahlt eine beeindruckende Sicherheit aus. Wie schon in Lautern scheitert der Gegner an Giefer oder an sich selbst. Es geht also mit dem 1:1 in die Kabinen. Wir sind guter Dinge, denn hier ist noch was drin!

HZ2: Endlich mal wieder den Sack zu gemacht!
Nach der Pause geht’s erst Mal so weiter: Cottbus ist feldüberlegen und spielt sich mehr Chancen heraus. Verdammt – wir lassen immer noch zu viel zu. Nochmal: Levels ist wackelig wie lange nicht mehr. Bomheuer bleibt eine Nummer zu unbeweglich für die AV-Position. Aber auf Fabian Giefer ist weiter absoluter Verlass, bei seiner „Doppelparade“ gegen Bickel liegt er quer in der Luft und rettet uns vor einem erneuten Rückschlag. Das ist sie – die Giefer-Leistung der Bundesliga-Hinrunde, als er pro Spiel mehrere Unhaltbare parierte. Doch die Fortuna kämpft und verteidigt aufopferungsvoll, während Cottbus an sich hadert. Zwischendurch gelingen uns aber auch gefährliche Konter und in der 63. Minute wird einer davon auch mustergültig zu Ende gespielt…

Der erneut äußerst fleißige Benschop passt das Leder auf Höhe der Mittelfeldlinie zu Erat und startet durch zum gegnerischen Strafraum. Der junge „Tuggi“ löst das dann ganz hervorragend: auf halb-links nimmt er den Ball ein paar Meter mit, zieht nach innen, lässt Benschop in Position laufen und spielt dann das Leder unter Bedrängnis und mit Präzision und Schärfe an zwei Gegenspielern vorbei zurück zum Karibik-Holländer. Dieser nimmt den maßgenauen Pass dankend und mit gekonnter Drehung an und legt sich das Spielgerät zum Schuss vor… gegen den unspektakulären aber umso platzierteren Flachschuss hat Ex-Fortune Almer (Viva Austria!) keine Chance – wir führen 2:1! Jawoll, et geht doch! Riesenfreude kommt auf, gepaart mit der Sorge, dass die Schlussphase furchtbar werden würde.

Die Lausitzer wirken so, als hätten sie gerade einen empfindlichen Tritt in die „Kronjuwelen“ bekommen – sie sind zunächst komplett  von der Rolle. Benschop (der endlich auch mal durchspielen kann) nutzt das wenige Minuten später sogar fast zu seinem zweiten Treffer. Doch die Hausherren fangen sich und versuchen, auf den Ausgleich zu spielen. In der 83. Minute passiert dann ein schönes Kuriosum: Nach einer eigentlich völlig ungefährlichen Situation am Cottbusser 16er (oder wie bewerten wir 1 Lumpi gegen 5 Cottbusser?), bringen sich die Gastgeber selbst durch dämliche Mißverständnisse und eigene Unzulänglichkeiten in Gefahr und vertendeln den Ball kurz vor der Torauslinie im eigenen Strafraum. Erat sprintet ausgefuchst dazwischen und ballert die Kirsche aus kurzer Distanz und spitzem Winkel an Almer vorbei ins Tor! JAAAHHH! WAHNSINN! Eine Bude die zeigt, was einem Team gelingt, bei dem es gerade läuft und was ein Team kassiert, bei dem gerade gar nichts läuft.

Tuggi Erat macht seine erstes Tor für die Fortuna und hilft ihr, endlich mal wieder den Sack bei einer Führung zuzumachen! Die Freude nimmt Überhand; vor dem TV kugeln erwachsene Männer ausgelassen über den Teppich; es wird gejubelt, geschrien und gefeiert! Danach ist der Drops gelutscht und die Messe gelesen und unsere Jungs können endlich mal ein Spiel wieder souverän und ohne Zittern zu Ende spielen und sich nach dem Abpfiff berechtigt am Zaun feiern lassen.

Personelles & Ausblick

Monsieur Giefer hat verdammt großen Anteil an den letzten Siegen. Das steht außer Frage. Denn hinten haben wir weiterhin viiiiiiiiiiel zu viel zugelassen. Doch unser Fabi ist wieder der Alte. Er hat sein Tief überwunden und mit Hilfe von Olli Reck wieder zu alter Form gefunden. Er hält wieder Unhaltbare. Das gibt dem gesamten Team Sicherheit. Es ist etwas seltsam, dass Levels derzeit schwächelt. Er ist häufig gedanklich zu langsam, kommt dann nicht hinterher und lässt sich generell derzeit sehr leicht ausspielen. Weber wäre wohl eine Option. Gartner dürfte nunmehr der 6er mit Einsatzgarantie sein. Bravo und erneut: Viva Austria! Paurevic wirkt zwar manchmal ungelenk, hat aber hier und da auch gute Aktionen gezeigt. Dennoch dürfte Fink nach abgesessener Gelbsperre wieder drin sein – auch, um die Abwehrreihe zu entlasten. Halloran war etwas blass auf links. Doch erneut hat dies auch mit Bomheuer zu tun, der einfach keinen Offensivdrang hat. Sollte Gianniotas wieder fit sein, könnter er über links Alarm machen. Denn Lumpi hat selbst nach seiner Einwechslung nicht gezeigt, dass er derzeit Ansprüche auf mehr als eine Einwechslung zum Absichern eines Ergebnisses haben könnte. Aber das bleibt abzuwarten. Benschop und Hoffer harmonieren immer besser. Vielleicht sind sie ja nun das richtige Sturmduo diese Saison. Tja, aber die wohl größte Freude haben wir an Tugrul Erat: Welch ein Einstand. Seine unbekümmerte Art ist es, die dem Team gut tut. Und sein freches Nachhaken vor dem 3-1 und die „Dreistigkeit“ einfach unbehelligt draufzuzimmern wird dann im Fußball einfach belohnt. Er klettert hinterher noch auf den Zaun und schenkt sein sympathisches Lächeln denen, die unsere Fortuna durch diese so schweren Wochen getragen haben: den Fans. Großartig, dass so viel positiver Spirit jetzt vor dem Derby erwächst.

Tja, und jetzt… ist es Zeit für COLOOOOOOOOOGNE, COLOOOOOOOOOOOOOGNE, DIE SCHEISSÖÖÖÖÖÖÖÖ VOM DOOOOOOM!

Was hätten wir mehr verdient als einen versöhnlichen Abschluss eines sehr schwierigen Jahres. Keine Frage: Ein Derby muss gewonnen werden. Doch die Aufgabe ist unendlich schwer. Unsere Bude wird voll sein. Die Lautstärke wohl alles Bisherige übertreffen. Bereiten wir unseren Jungs eine Kulisse, die sie über das Feld trägt und den Geißböcken einen vierten Advent beschert, an dem vor allem ihre Abwehr brennt.

AUF GEHT’S FORTUNA, KÄMPFEN UND SIEGEN!!! Okay, okay… es ist erst Montag Abend 🙂

Bis Sonntag,

Ingo & Adnan

PS: Heute wollen wir zudem von Euch wissen, was Ihr über die Zukunft von Olli Reck denkt:

Angenehmer Rollentausch am Betze

11 Dez

Unsere Jungs fahren am Betzenberg einen Auswärtssieg ein, der sich wahrlich gut anfühlt. Es war sicherlich viel Glück dabei. Doch das hat sich das Team durchaus erarbeitet. Oliver Reck feiert einen gelungen Einstand Dank Hoffers Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Endlich mal wieder ein Spiel, bei dem die Fortuna einfach mal Fortuna sein darf: So, wie sie es kann. Die Jungs waren die komplette Vorrunde mit der Favoritenrolle als Bundesligaabsteiger absolut überfordert. Die Vorgabe der Verantwortlichen, dominanten Fußball zu spielen, stellte die Jungs vor größte Probleme. Schließlich war es der selbe Kader, mit dem man zuvor auf Konter spielte. Jahrelang war es die Mannschaft unter Meier gewohnt, den Gegner das Spiel machen zu lassen und selber auf Gegenangriffe zu setzen. Bereits in der Aufstiegssaison, als wir die Rückrunde in der Zweiten Liga als Aufstiegsaspirant bestritten, taten wir uns unendlich schwer. Doch eben diese Außenseiter-Rolle durfte unsere Truppe nun in Lautern wieder aufnehmen; schließlich war der Hausherr klarer Favorit.

Aufstellung & Formation

Tja, und wen sollte (Interims?)Trainer Oliver Reck beim heißen Tanz auf dem Betzenberg nun aufs Feld schicken? Wir waren gespannt wie Flitzebögen! Nach seinem mystischen Bankdrückertum fand Stelios Malezas endlich wieder  den Weg in die Innenverteidigung neben Latka; Levels verteidigte auf Rechts und etwas überraschend spielte der wiedergenesene Bomheuer den linken Part der Viererkette. Wie gegen den KSC übernahmen Fink und Gartner das zentrale Mittelfeld. Ben Halloran bepflügte die linke Außenbahn und mit Tugrul Erat durfte im rechten Mittelfeld ein echter Jung-Fortune ran, der großen Anteil am derzeitigen Höhenflug der „Zwoten“ hat (stolze 12 Scorerpunkte – darunter vier Tore). Kurzum: ein hoch verdientes Debut. Hoffer und Benschop komplettierten die Startelf und es entstand ein 4-4-2 mit zwei echten, wenn auch flexibel und beweglichen Stürmern; taktisch war die Mannschaft trotzdem sehr defensiv eingestellt. Das war aber auch in Ordnung so, denn FCK Trainer Kosta Runjaic hatte  sein mit 2.Liga Top-Spielern (Idrissou, Occean, Löwe, Fortounis, Dick) gespiektem Team eher eine offensive Marschroute eingeimpft.

1. HZ: Catanacio Deluxe & „italienische“ Effizienz

Direkt ab Anpfiff machen sich die taktischen Ausrichtungen sofort bemerkbar: Lautern setzt komplett auf Angriff- und unsere neuformierte Abwehr sofort unter Druck. In den ersten 20 Minuten spielen eigentlich nur die „Roten Teufel“, die Fortuna steht tief in der eigenen Hälfte und attackiert den Gegner erst ab der Mittellinie. Aber man merkt zu Beginn, dass sich die Jungs erstmal finden müssen. In dieser Phase spielt sich der Gegner einige gute Chancen heraus, die aber allesamt leichtfertig oder glücklos vergeben werden. Giefer steht zudem absolut sicher. Danach werden unsere Jungs auf einmal sicherer und ziehen einen klassischen Catanacio auf, während Lautern anfängt, an dem angerührten Fortuna-Beton zu verzweifeln. Der handlungsschnelle und passsichere Gartner und „Grätschmeister“ Fink machen die Mitte dicht und beginnen nun auch, das Konterspiel anzukurbeln. Benschop rackert wieder für Zwei und selbst Hoffer merkt man an seiner alten Wirkungsstätte an, dass er besser im Spiel ist als bei seinen bisherigen Auftritten für die Fortuna. Die Angriffe der Lauterer werden zusehends ratloser, denn es wird immer öfter das hohe Anspiel in die Spitze probiert, aber Fabian Giefer, der an diesem Tag eine exzellente Strafraumbeherrschung zeigt, fängt die Pfälzer Bemühungen ab.

In der 31. Minute wird dann der erste gefährliche Angriff von der Fortuna direkt in Zählbares umgemünzt. Bei den Gastgebern versagt die Abseitsfalle kläglich und Benschop schickt seinen österreichischen Sturmpartner mit einem Traumpass in die Gasse Richtung Tor: „Jimmy“ macht das dann richtig klasse: gute Ballannahme, schneller Antritt, Torwart Sippel beim Rauslaufen schön ausgeguckt und mit einem satten und flachen Linksschuss markiert er dann sein erstes Liga-Tor für F95! Der Treffer tut unseren Jungs merklich gut und spielt uns taktisch bestens in die Karten. Mittlerweile sitzt die Abwehr sattelfest und wir haben gezeigt, dass wir vorne watt hinkriegen. Die Fehlerrate ist überraschend gering und Lauf- und Kampfbereitschaft stimmen auch. Die Fortuna zieht nun die Betonwand sogar noch ein Stück höher,  Benschop ist so oft beim Aushelfen am eigenen Strafraum zu finden – fast so, als wäre er etatmäßiges Mitglied der Viererkette. Wir müssen jedoch festhalten, dass unsere Defensive enorm viel zulässt; aber die Belzebuben waren einfach nicht konsequent. Also: Führung zur Pause!

2. HZ: Lauterer Verzweiflung und ein bißchen Glück 

Oliver Reck war schon während der ersten Halbzeit ein echter Aktivposten in der Coachingzone; Anfeuern, Dirigieren und Verbessern, alles dabei; lautstark und dynamisch coacht er die Jungs von der Seitenlinie. In einer exemplarischen Szene gestikuliert er zu seinen Spielern, sie sollen mit breiter Brust auf dem Platz agieren. Ein wichtiges Signal und es scheint zu fruchten: Denn unsere Jungs sind genau so entschlossen wie in der ersten Halbzeit und strahlen insgesamt wesentlich mehr Sicherheit aus. Lautern versucht zwar sofort wieder das Heft in die Hand zu nehmen, findet aber weiterhin kein Mittel, unseren Kasten wirklich zu gefährden. Als dann in der 68. Minute (für uns zunächst etwas überraschend) Paurevic für Benschop eingewechselt wird, findet der Gegner in unserer Hälfte noch weniger Raum. Und wir verstehen es, immer besser, Konter zu setzen. Erat und Hoffer verpassen es leider, den Sack frühzeitig zu zumachen. Sippel pariert zwei Mal stark. FCK-Trainer Runjaic leitet mit den Einwechslungen von den Offensivakteuren Zoller und Ex-Fortune Marcel Gaus die Schlussoffensive ein und wird dafür sogar fast noch belohnt. In der 86. Minute erzielt Zoller nach einem Zuspiel von Olivier „Billy“ Occean den eigentlich regulären Ausgleichstreffer… aber auch wir haben mal Glück: Das gute (weil ansonsten sehr unscheinbare) Schiedsichtergespann entscheidet auf Abseits! Puh – Schwein gehabt! In der Nachspielzeit zelebriert dann der überragende Giefer noch eine kleine Flugeinlage – als Zoller knapp am Tor vorbei semmelt, dann: Abpfiff, Erleichterung, Jubel!

Personelles & Ausblick

Klar, Lautern hat eine Chancenverwertung an den Tag gelegt, die fast schon peinlich anmutete. Jedoch hat Giefer einen enorm starken Auftritt hingelegt. Die Wechselgeschichte zu Schalke wurde wieder ausgebuddelt – fast exakt ein Jahr nach den ersten Spekulation. Doch diesmal war er unbeirrt und strahlte beeindruckende Präsenz aus. Er hat einen großen Anteil am „zu null“. Dahingegen ist Latka noch weit von Normalform entfernt. Er foult viel häufiger als sonst und ist auch nicht mehr so eine Bank im Zweikampf. Hoffen wir, dass er sich mit Malezas, der im Vergleich sicherer war, schnell wieder einspielt. Levels war auf Rechts unauffällig, Bomheuer hingegen machte in vielen Szenen klar, dass er kein Außenverteidiger ist. Er wurde häufig ausgespielt, da er auf den Punkt den Zweikampf suchte, statt den Gegner im Lauf zu „stellen“. Garnter dürfte sich seinen Stammplatz nun sicher erarbeitet haben. Fink war „okay“. Kurz vor Schluss leistete er sich aber erneut einen fatalen Ballverlust, den der 1. FCK an anderen Tagen gerne zum last-minute-Ausgleich genutzt hätte. Erat hat ein riesiges Debut gespielt. Er harmonierte gut mit Levels und konnte gefährliche Offensivakzente setzen. Halloran war da etwas blasser. Das mag aber eben auch an seinem Partner auf link gelegen haben. Bomheuer tat eben nichts für die Offensive. Benschop ist wirklich ein unermüdliches Arbeitstier, der nach 60-70 Minuten völlig ausgepumpt ist. Sein Assist auf Hoffer war spitze – und Jimmy hätte es eigentlich verdient gehabt, vor Jubel zu explodieren. Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber tat er es jedoch nicht.

Kommenden Samstag geht es zur krisengebeutelten Kotzbusser Energie. Auch wenn wir auf dem Papier dann nicht mehr Außenseiter sind, sollten wir die Hausherren ebenso wie in Lautern einfach kommen lassen. Schließlich sind die mächtig unter Zugzwang. Mit dem Aufwind aus Kaiserslautern könnten wir auch dort dann wieder gezielt zustechen. Fink hat seine Fünfte Gelbe bekommen. Somit dürfte Lumpi wieder ins Team rücken. Gianniotas dürfte auch wieder fit sein. Vielleicht darf auch er sich Chancen ausrechnen – für Halloran? Hinten links war Christian Weber wesentlich stärker als Bomheuer. Mal sehen, was sich Olli Reck da einfallen lässt.

Wir können nur hoffen, dass unsere Jungs den Geist vom Betze positiv aufgreifen und sich weiterhin stärken, um am 22. Dezember… Ja, Ihr wisst schon 😉 Aber jetzt erst mal den Blick nach Cottbus richten, richtig? Richtig! In diesem Sinne – 95 OLÉ

Adnan & Ingo

Die Talfahrt geht weiter – ohne Büskens!

1 Dez

Unsere Jungs zeigen im Ansatz die beste Leistung der vergangenen Horror-Wochen, lassen aber erneut viele Chancen zu. Zwei davon nutzt der KSC. Und da Bolly total austitscht, gibt es auch in Unterzahl keine Aufholjagd. Wir sind in der Abstiegszone angekommen.

Manchmal ist es gut, wenn nach einem Katastrophenspiel nicht viel Zeit vergeht. So gibt es schnell Gelegenheit, Schlimmes in Vergessenheit zu schießen. Und jedes Gott verdammte Mal sieht man den Jungs beim Aufwärmen zu und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Erfolgserlebnis. Für sie. Für uns! Heute, so denkt man, könnte es doch endlich klappen. Doch es sollte wieder nicht sein. Wir haben zeitweise richtig gute Ansätze gezeigt – hier und da echte Lichtblicke. Eigentlich war es doch das beste Spiel unserer Jungs seit vielen, Wochen. Aber das Ergebnis…? Ein bitteres 0-2 gegen eiskalte aber keineswegs starke Karlsuher. Am Morgen danach wird dann auch noch Mike Büskens rausgeschmissen. Arbeiten wir mal alles der Reihe nach auf.

Aufstellung & taktische Ausrichtung

Und wieder versuchte Mike Büskens personell was Neues. Levels, Weber, Bolly und Halloran kamen für Balogun, Ramirez, Paurevic und Bancé. Hinzu kam noch das Startelf-Debüt von Michael Rensing. Aus dem 4-1-3-2 (der klassischen Raute) wurde wieder ein 4-4-2 mit zwei Sechsern und zwei Flügelspielern. Auch wenn Veränderungen zu begrüßen sind, durfte man sich erneut Sorgen um die „Abstimmung“ machen,  denn die Umstellungen betrafen wieder alle Mannschaftsteile: zwei neue Flügelpärchen, ein neues zentrales Mittelfeld mit Fink und Gartner sowie ein neues Offensivduo. Die Außenverteidigerpositionen wurden ebenfalls komplett neu besetzt.

1. HZ: Gewillt aber ungefährlich

Als das Spiel losgeht, werden wir in den ersten 15 Minuten ob unserer nicht-existenten Erwartungshaltung positiv überrascht. Die Fortuna zeigt eine Leistung wie zu Beginn der Saison. Unsere Jungs WOLLEN und versuchen den Karlsruhern ihr Spiel aufzudrücken. Die Fortuna greift an und zeigt wahrlich nette Spielzüge, die jedoch zu keiner Zeit wirklich gefährlich werden. Immerhin scheint die Einstellung zu stimmen. Außerdem scheinen die Jungs daran erinnert worden zu sein, dass man, um Tore zu schießen, auch mal auf’s Tor schießen muss! Aus nahezu jeder Lage wird draufgepöhlt – wenn auch erfolglos. Wir sind zu diesem Zeitpunkt richtig optimistisch, haben aber trotzdem durchgehend das morsche Nervengerüst unserer Truppe im Hinterkopf. Zu oft schon in den letzten Monaten hatte die Fortuna kurzzeitig gute Ansätze gezeigt, es aber dabei verpasst, sich durch Tore selbst zu belohnen und den Gegner dann bei wachsender Unsicherheit durch Fehler zu Toren einzuladen.

Die erste Chance für den KSC versetzt dann unserer Zuversicht sofort einen Knacks. In der 16. Minute läßt Hennings auf unserer rechten Seite Tobi Levels ziemlich alt aussehen und flankt flach in den Strafraum. Soares rutscht irgendwie unter den Ball und nur die „EM2008-Gomez’sche“ Ballverwertung von van der Biezen verhindert den frühen Rückstand. Der Karlsruher Stürmer trifft aus einem Meter das Tor nicht. In der Folge wirkt unsere Mannschaft wieder gehemmt und der KSC, der sich zuvor nur auf sicheres Defensivspiel konzentriert hatte, fängt auf einmal an, gefährlich zu kontern. Innerhalb von zehn Minuten spielen die Gäste drei, vier Angriffe heraus, die allesamt mehr Gefahr ausstrahlen, als die Offensivbemühungen der Fortuna. In der 27. Minute kann Halloran gerade noch per Kopf auf der Linie klären und nur eine Minute später bricht der Frust wieder über uns und allen Fortunen ein. Wieder kann unsere rechte Seite eine flache Hereingabe nicht verhindern und der am 16ner lauernde Alibaz ballert die Kugel per Direktabnahme brachial unter die Latte. Keine Chance für Rensing. 0:1. Doch angesichsts der guten Anfangsphase bleiben wir zuversichtlich. Noch sind über 60 Minuten zu spielen und die Truppe fällt auch nicht sofort auseinander.

Zwar fehlt unseren Jungs merklich die Sicherheit der Anfangsviertelstunde, doch sind die Fortunen immer noch gewillt, den Spieß umzudrehen. Karlsruhe steht aber diszipliniert und bringt unsere Jungs so zur Verzweiflung; außer ein paar unplatzierten Distanzschüssen kriegen wir nämlich recht wenig gebacken. In der 44.Minute wird es aber vor unserem Tor noch mal brandgefährlich: Levels schaltete viel zu spät, als ein Abpraller von Fink zur gefährlichen Vorlage für einen Karlsruher Angriff wird. Zwar gelingt es Levels zunächst, seinen Gegenspieler zu stellen, doch dieser läßt ihn mit einer einfachen Körpertäuschung stehen und kann maßgenau auf Peitz flanken, der aus bester Position knapp über das Gehäuse köpft. Beachtlich ist dann, was Bolly macht: Voller Wut schreit er aus dem Fünfmeterraum den völlig verdutzten Levels zusammen und stutzt ihn wild gestikulierend zurecht. Zu diesem Zeitpunkt war es ein positives Zeichen, so viel Leben in Bolly zu sehen. Dann geht es auch schon in die Kabine.

2. HZ: Der Würgeschubser

Die zweite Hälfte geht dann im Grunde genauso weiter. Die Fortuna will, kommt aber auf keinen grünen Zweig. Dafür sind unsere Angriffe zu unpräzise und mit zu vielen individuellen Unzulänglichkeiten gespickt. Und unsere Abwehr steht einfach nicht sicher. Latka, der Garant für Ruhe und Sicherheit, holt sich zuletzt immer wieder Gelbe Karten – so auch diesmal. Büskens reagiert und nimmt ihn vom Feld – für ihn bringt er aber nicht Nationalverteidiger Malezas, sondern Freund Balogun. Seltsame Entscheidung.

Nun denn – unsere Jungs suchen irgendwie den Weg nach vorne, doch Karlsruhe steht tief und sicher in der eigenen Hälfte und raubt so der Fortuna, ganz geduldig, den letzten Nerv… ganz offensichtlich den von Mathis Bolly! Nach einer Chance für Karlsruhe in der 69. Minute, die durch Rensing zur Ecke geklärt wird, gerät der ivorische Norweger mit Gegenspieler Klingmann aneinander. Wie bei Michael Douglas in „Falling Down“ brennt  ihm dabei der komplette Sicherungskasten durch. Zuerst wird Klingmann beim Weggehen von hinten gestoßen, als er sich dann umdreht, setzt Bolly zum „Würgeschubser“ an, packt den Gegner mit beiden Händen am Hals, drückt ein bisserl zu und stößt ihn um. Deutlicher und dummer kann man keine Rote Karte erhalten! Bolly schreitet unter Pfiffen in die Katakomben. Danach fällt natürlich auch noch sofort der zweite Treffer der Gäste durch einen Kopfball von Dominic „Domme“ Peitz.

Der Ausdruck „Bärendienst“ ist für diese Aktion viel zu schwach, denn dieser Ausraster von Bolly ist der „Game Breaker“. Nichts geht mehr – rien ne va plus – das Selbstbewußtsein ist auf Höhe der Kreidemarkierungen auf dem Spielfeld. Mike Büskens versucht noch einmal Akzente zu setzen und bringt mit Bancé und Hoffer  zwei frische Stürmer. Aber jedem leidenden Zuschauer und Akteur ist für die Schlussphase klar: das war’s. Der Rest ist kaum noch zu beschreiben. Konsternierte Spieler traben auf dem Platz herum. Und auf den Rängen wird in aller Ironie „Oh, wie ist das schön!“ angestimmt. Der Schlusspfiff war leider eine echte Erlösung.

Was… erlaube… Bolly???

Mathis Bolly gehörte in den vergangenen Monaten zu den besonders fragwürdigen Personalentscheidungen von Mike Büskens. Immer und immer wieder bekam er seine Chance. Das Problem ist nur: Nicht ein einziges Mal seit seinem Treffer gegen Wolfsburg im vergangenen März (!) konnte Bolly beweisen, dass er eine echte Option ist. Und dennoch wurde er immer wieder aufgestellt. Auch bei Einwechslungen war er stets erste Wahl. Das kann und muss man kritisieren. Gleichzeitig, so dachten wir, ist es auch mal wichtig, einem Spieler volles Vertrauen zu schenken – etwas, das Kenia, Halloran oder Gianniotas auch mal brauchen könnten. Daher ist es umso BESCHÄMENDER, dass sich Bolly im gestrigen Spiel diesen Aussetzer leistet. So geht man schließlich nicht mit Vertrauen um. Und das Spiel war echt noch nicht gelaufen; unsere Truppe weiter gewillt, das Ding zu drehen. Bei den unterirdischen Partien gegen Paderborn, gegen Aalen, in Aue, wo absolut gar nichts lief, mag es Restverständnis für einen solchen Aussetzer geben. Ja, selbst in der 88. Minute bei aussichtslosem Rückstand. Aber so…? Nein! Da hat der gute Bolly sich, dem Trainer und der Mannschaft einen fürchterlichen Bärendienst erwiesen. Da es zudem eine klare Tätlichkeit war, dürfte er drei bis vier Spiele gesperrt sein. Sein Standing wird lange beschädigt bleiben.

Aus für Büskens und die Frage des Zeitpunkts!

Dass es mit Mike Büskens und unserer Mannschaft nicht funktioniert, war die vergangenen Wochen nun wirklich deutlich zu sehen. Daher war sein Rauswurf letztlich nur eine Frage der Zeit. Und während der Vorstand nach den Blamagen gegen Paderborn, Aalen und Aue nichts unternahm, wurde jetzt nach einer im Vergleich passablen Partie – die aber ebenfalls verloren ging – die Reißleine gezogen. Diese Niederlage fühlte sich eigentlich besser an als der Sieg gegen Sandhausen – so absurd es klingt. Die Mannschaft wirkte einfach anders. Und so muss man sich fragen: War das der richtige Zeitpunkt? Es gab wirklich einige Lichtblicke: Gartner, Halloran, Weber, Ansätze von Kombinationsspiel… Die entscheidende Frage ist nun: Hat das die Mannschaft von sich aus hinbekommen oder hatte Büskens neue Wege gefunden? Sollte Letzteres der Fall sein, wird genau das nun im Keim erstickt, was die Jungs zu einer besseren Spielanlage verholfen hatte. Klar – wir können nur spekulieren. Doch es mutet seltsam an, einen Trainer genau dann abzusägen, wenn wenigstens ein Fünkchen Hoffnung auf tatsächliche Änderung zu sehen war. Daher an dieser Stelle schon unsere erste „Frage der Woche“:

An den Häppchen verschluckt – die Brocken vor Augen!

Die vergangenen Wochen durften wir gegen die komplette Palette (unter-)durchschnittlicher Zweitligateams ran: Ingolstadt, Paderborn, Aalen, Sandhausen, Aue und Karlsruhe: 6 Punkte und 4:13 Tore sind die Bilanz. Jetzt kommen die Brocken: Kaiserslautern, Cottbus, Köln – im neuen Jahr 1860, Bochum und später St. Pauli. Eins ist klar: Nur wenn die Mannschaft an die wenigen Lichtblicke gegen den KSC anknüpft, wird sie gegen diese Gegner eine Chance haben. Das wird in aller erster Linie eine Kopfsache. Es ist unabdingbar, zu erkennen, dass dieses letzte Spiel trotz der Niederlage ein Schritt nach vorne war – spielerisch wohlgemerkt. Mit angeknackstem Ego geht man auf dem Betze unter…

Egal, wer jetzt die Jungs coacht: Er muss ihnen Mut, Mut und nochmals Mut zusprechen. Doch wer genau soll genau das tun? Uwe Klein? Oliver Reck? Ist das der Moment für Sascha Rösler, sich einzubringen? Sollte ein Jens Langeneke tatsächlich zurückgeholt werden? Der eine Rückkehrer, Christian Weber, hat seinen Part bestens erfüllt. Dadurch wird vor allem eines deutlich: Auch Fußball findet im Kopf statt. Mit klarem Kopf stärkt man die Mannschaft. Allein aus diesem Grund ist dieser Tage vor allem ein mental und psychisch gut ausgebildeter Trainer gefragt. Einer, der die Jungs da unten aus ihrem Loch rausholt. Wir können nur hoffen, dass man diesen jemand alsbald findet.

Aufgrund der Ereignisse in dieser Woche haben wir sogar noch eine zweite Fragen an Euch:

Wir schreiben & lesen uns in einer Woche,

Ingo & Adnan