(H)aue im (Schm)erzgebirge

26 Nov

Und der nächste Tiefschlag… Was wurde nicht alles nach außen kommuniziert. Über Zusammenhalt. Entschlossenheit und die notwendige Ruhe, um sich zu besinnen. Das mag ja alles stimmen. Umso erschreckender, wenn man dann 0-3 gegen limitierte Veilchen untergeht.

Es gibt Tage, an denen trifft man einfach falsche Entscheidungen. Adnan hatte nach anfänglicher Skepsis schließlich doch beschlossen, aus Berlin ins Erzgebirge zu fahren. Passenderweise wurde das Wetter von Kilometer zu Kilometer düsterer – Nebel kam auf, die Temparatur sank stetig. Garniert wurde das Ganze mit leichtem Schneeregen bei der Ankunft im schnuckeligen, eigentlich ganz gemütlich gelegenen Erzgebirgestadion. Zum Parken ging es in die beschauliche Platten-Siedlung Lößnitz; ein weiteres Highlight… Da hatte es Ingo etwas auf der Couch bei einem Kumpel angenehmer. Wobei auch er letztlich lieber nicht zugeschaut hätte. Tja, und die vielen, vielen Fans, die den Weg aus Düsseldorf auf sich genommen haben… Meine Güte… Welch ein Einsatz und welch ein Ertrag…

Wir Fortunen mögen ja leidgeprüft sein. Ein wenig ist der Grund unserer Liebe genau das – das Leiden. Doch es ist wirklich nicht mehr zu ertragen, wie bitter sich unsere Mannschaft derzeit präsentiert. Das wirklich Traurige: Sie scheinen durchaus zu wollen – das sah man in den ersten Minuten; auch wenn ihnen nichts gelang, wirkten sie gewillt, sich gegen die Krise zu stemmen und an den dreckigen Sieg gegen Sandhausen anzuschließen. Aber das misslang kläglich.

Startaufstellung & Formation

Man kann Mike Büskens auch nicht mehr vorwerfen, nicht experimentierfreudig zu sein. Er spielte diesmal mit einer Raute. Nur bestand diese aus vier (!) Sechsern. Endlich kam Christian Gartner mal zum Einsatz. Er spielte vor der Abwehr ein gutes Debüt. Fink und Lumpi wurden dorthin geschickt, wo sie eigentlich noch nie glänzen konnten: auf die Flügel. So mussten auf ein Neues nicht eingespielte Flügelachsen ran: Lumpi & Ramirez auf links; Fink und Balogun auf Rechts. Erwartungsgemäß funktionierte das nicht. Etwas seltsam mutete Paurevics Position hinter den Spitzen an. Eine Position, bei der enge Ballführung, Blitzgedanken und technisches Geschick vonnöten sind – weil es da eben zur Sache geht vor dem 16er – ist doch nun wirklich für unsere groß und bullig gewachsene Nr. 15 gemacht. In der Innenverteidung bekam wieder Soares den Vorzug vor Malezas – die Frage nach dem WARUM lassen wir mal jetzt getrost liegen.

1 HZ: Gewillt, aber orientierungslos!

Wie bereits weiter oben angedeutet: Die Jungs wirkten zu Beginn gewillt. Es wurde aber auch ebenso deutlich, dass ihnen jedweder Ansatz fehlte. Erschreckend war aber auch, wie leicht Aue vor unser Tor kam. Allein in der Anfangsphase hatten sie drei Eckbälle, nachdem sie unsere Abwehr auf leichtestem Wege überrannt hatten. Tja, und dann kam leider wieder ein echter Fink. Auf Höhe der Mittellinie setzt er zum Dribbling an, verliert völlig vorhersehbar dabei den Ball und ermöglichte so den Auer Gegenangriff. Zwischen erfolgreichem Abschluss und Ballverlust von Fink vergingen wohl keine 10 Sekunden. Und trotzdem: Wieso kann man diesen Ball nicht zurückerobern? Und wie kann es sein, dass unseren Gegnern IMMER gelingt, ein solches Ding erfolgreich zuendezuspielen? Nun denn – 0:1 und allen Grund, Frust zu schieben. Wieder eine Bude verschenkt. Bitter war dann zudem, dass es überhaupt nicht danach aussah, dass daraus ein „AUFWACHEN!“-Ruck durch die Mannschaft geht. Aber wer auf dem Platz soll sie auch wecken? Es kam aber noch schlimmer. Soares versemmelt eine Rückgabe per Kopf ohne jede Bedrängnis und bringt seinen Keeper in selbige. Giefer muss das heranstürmende Veilchen unsanft an der Torchance hindern und sieht glatt Rot. Bancé muss runter, damit Rensing ins Tor kann. Den fälligen Elfer kann der debütierende Rensing nicht halten 0-2. Eigentlich war klar: Das Ding ist gelaufen. Ist derzeit einfach nicht denkbar, dass sich unsere Jungs aus so einem Sumpf noch befreien. Halbzeitfazit: Erst nix hinbekommen; dann noch dem Gegner die Buden geschenkt. Kennt man, oder?

2. HZ: Null Zugriff!

In der zweiten Hälfte ändert sich eigentlich nichts: Unser in jedweder Hinsicht unverändertes Team findet weiter keinen Ansatz, um das Spiel an sich zu reißen. Der Trainer sendet auch keine Signale durch Auswechslungen. Aue spielt nun ein bequemes Heimspiel und schafft ohne größeren Aufwand noch das 3-0. Dem Tor ging ein Ballverlust nach versuchtem Hackentrick von Lumpi in der eigenen Hälfte voraus. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnt man, Mitleid mit den Akteuren auf dem Feld zu fühlen. Sie wirken schlichtweg hilflos. Lumpi rennt und rennt – aber wohin? Wofür? Auch Benschop frisst Kilometer – versucht als Einziger das Team nach dem 0-3 aufzumuntern. Er ist es auch, der noch zwei, drei Mal draufhält. Alles harmlos – aber immerhin. Was soll man auch sonst über diese zweite Halbzeit sagen oder schreiben? Vielleicht noch etwas zur Einwechslung von Christian Weber. So sehr wir ihn alle mögen. Was war das für ein Wechsel? Gibt man ein Spiel schon so früh komplett verloren als Trainer, dass man anfängt zu testen, wie sich ein Weber so im Pflichtspiel der Profis macht? Wäre es nicht vielleicht besser, die im Testspiel von Bochum ach so überzeugenden Hoffer und Halloran reinzubringen? Zumindest sendet man an die Mannschaft so das Signal als Trainer, dass man sich hier gefälligst noch mal reinhängen soll. Stattdessen wurde quasi nach dem 0-3 regelrecht abgeschaltet. Auch in der Kurve ging nichts mehr. Auch dort herrschte Leere. Aber dafür war es wenigstens kalt und (eis-)regnerisch…

Wie soll das weitergehen?

Es war Länderspielpause. Es gab Zeit, viel nachzudenken, sich zu aufzurütteln und die sportliche Plage von sich zu schütteln. Am Mittwoch noch gab es emotionalen, historisch aufgeladenen Input in Form der gemeinsam gefeierten Kinopremerie von Fortunas Legenden (Gruß an Berlin-Aue-Reisekollege, Lars Pape). Besser kann man dem Profikader nicht vermitteln, für welchen Verein und für welche Stadt es auf den Platz geht. Es soll sehr positiv gewirkt haben, beteuerten Spieler und Trainer gleichermaßen. Es ist aber nun mal Fakt, dass die Truppe rein gar nichts daraus machen konnte. Immerhin… Die Aufwärmübungen vor Anpfiff waren andere. Die ersten Übungen machten alle gemeinsam – Startelf & Reservisten. Das mag helfen, um sich gemeinsam einzuschwören. Aber nichts davon wird auf den Platz getragen. Leider.

Keine Maßnahme vor Schulte denkbar

Diese Mannschaft sucht ihre Identität. Wie soll sie die auch finden, wenn Woche für Woche eine andere Startelf aufläuft. Das hat viel mit Verletzungen zu tun – aber auch damit, dass viel ausprobiert wird, weil nichts funzt. Und so kann man eigentlich nur resümmieren, dass es einfach nicht passt zwischen Büskens und der Mannschaft- in SPORTLICHER Sicht. Das mag weder an ihm noch an der Mannschaft liegen. Aber augenscheinlich geht da nichts. Das ist unverständnlich, weil wir zu Beginn der Saison teilweise stark gespielt haben – mit exakt diesem Kader. Das nährt die Vermutungen derer, die behaupten, das Team würde gegen den Trainer spielen. Das würde aber ein echtes Zerwürfnis voraussetzen, das es jedoch wirklich nicht zu geben scheint. Und dennoch muss man sich doch fragen, was getan werden kann oder muss. Dabei wird aber schnell klar: Es kann im Grunde nichts passieren, bis unser neuer Sportdirektor Helmut Schulte bei uns ist – zumindest wäre es etwas seltsam, ihm einen neuen Trainer vorzusetzen. Dabei stellt sich auch unmittelbar die Frage: wen denn??? Es scheint schwer vorstellbar, dass man jetzt vor der Winterpause noch etwas Sinnvolles hinbekommt – tja, und Aktionismus braucht wohl auch keiner…

Möglichst sicher in die Winterpause stolpern

Daher scheint die einzige Möglichkeit die zu sein, ohne allzu großen Schaden – vor allem sportlich gesehen – in die Winterpause zu gelangen. Erst dann haben die Verantwortlichen (Vereinsführung, Trainerstab und Mannschaft) die Möglichkeit, sich in Ruhe Gedanken zu machen, wie man diesen an allen Ecken und Enden wankenden Verein (abgesehen von den schwarzen Zahlen natürlich) wieder in die Spur bekommt.

Die Fangemeinde ist zurecht sauer. Es werden Kilometer gefresse ohne Ende und man kriegt eine wahrlich schwache Leistung dargeboten. Nochmal: Erfolg ist nicht wichtig. Leistung aber sehr wohl. Natürlich geht es maßlos zu weit, wenn man Spieler auffordert, ihr Trikot auszuziehen. Ihnen aber deutlich zu machen, dass man dieses sportliche Elend nicht länger mit ansehen will und kein „An Tagen wie diesen!“ mehr singen möchte, ist absolut richtig. Dennoch: Die Verunsicherung bei den Spielern ist enorm groß. Man hat es in Aalen brennen lassen und ihnen die unsägliche Trikot-Her!-Nummer aufgedrückt und sie nicht in die Kurve gelassen. Mit anderen Worten: Wir haben ihnen klargemacht, was in uns als Fangemeinde abgeht. Mehr Druck sollten auch wir nicht auf sie üben. Zumindest nicht bis zur Winterpause – vier Partien sind es noch. Gut, dass bis zum Derby noch etwas Zeit vergeht.

Bis nächste Woche,

Ingo & Adnan

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5 Antworten to “(H)aue im (Schm)erzgebirge”

  1. lars 26. November 2013 um 22:26 #

    auch ich war bei der filmprämiere am vergangenen mittwoch dabei, zwei reihen vor mir der (mehr oder weniger) gesamte aktuelle kader. klar war hier ein wenig zuviel pathos und vergangenheitsbewältigung im spiel, dennoch wurde man von anfang an vom film emotional unterspült. wenn man aber in die gesichter der spieler gesehen hat, war davon nichts zu erkennen. noch fragen, woran es derzeit hapert?

    • joey 27. November 2013 um 14:11 #

      Also hab ich dich richtig verstanden wenn du sagst das ein erster Torschuss in der 72min gegen einen ,unter normal Bedungen, vermutlich schwächeren Gegner deiner Meinung nach darauf zurück zu führen ist,dass sie sich nicht emotional an die Fortuna gebunden fühlen,was du wiederum nur von der Reaktion der Spieler auf einen Film ableitest?
      leider fällt es mir auch schwer Lösungsvorschläge zu bringen aber wäre es nicht eine gute Idee es nochmal mit denen zu probieren die gegen Fürth so stark gespielt haben (die 1HZ wird hierbei ignoriert) und grade Lumpi zumindest mal für den Anfang auf die Bank zu setzen?

  2. balok95 28. November 2013 um 09:25 #

    Das Elend hat schon vor langer Zeit begonnen. Jahrelang wurde konsequent die Mission der wirtschaftlichen Konsolidierung mit erstaunlichem Erfolg verfolgt. Ganauso konsequent wurden andere Ziele zur Seite geschoben, vor allem die spielerische Entwicklung des Kaders. Das schwere sportliche Erbe der Aera Werner – Meier wurde durch den wundersamen Aufstieg letztes Jahr vernebelt, denn in der Bundesliga kann man mit gut verteidigen und kämpfen einiges reissen.
    Aber nicht auf Dauer. Jetzt treten die Defizite deutlich hervor. 15 Tore in 16 Spielen. Bei Fehlpässen und herausgespielten Torchancen unter den schlechtesten Teams der 2.Liga. Keine 20 Sekunden lang Ballbesitz, ausser das Spiel ist schon gelaufen. Eine total verunsicherte Mannschaft. Das riecht nach Abstieg.

    Büskens muss das ausbaden, aber ihm fällt nichts ein. Die Nummer mit Paurevic und den Aussenbahnen in Aue habt ihr treffend beschrieben. Mental ist die Mannschaft in einem erbärmlichen Zustand. Jetzt den Trainer zu teeren und federn hat keinen Sinn. Spuckend am Zaun hängen oder Trikots ausziehen fordern auch nicht. Wir sind hier nicht in Sofia.

    Die Saison ist sowieso gelaufen. Büskens Nachfolger kann in der Rückrunde genug Punkte sammeln um nicht ab zu steigen. Dann muss konsequent die spielerische und taktische Entwicklung angegangen werden. Es ist an Neuzugang Schulte das zu regeln.
    Wie das geht wird man am Freitag sehen können. Zwei Drittel der Spieler im Kader des KSC sind Jahrgang 90 oder jünger. Der Etat ist die Hälfte. Alle rennen sich die Lunge aus dem Hals. Wie Bellinghausen, nur schneller. Das schafft man nicht in ein paar Wochen. Fortuna wird wieder “alles probieren” und an den begrenzten Möglichkeiten scheitern. Der Mob wird wieder destruktiv. Büskens trauert der einen vergebenen Chance hinterher und der Vorstand rettet sich in die Winterpause weil immer noch nicht geklärt ist wie es da weiter gehen soll. Besserung ist nicht in Sicht.

    Oder vielleicht doch. Büskens springt über seinen Schatten und versucht wirklich mal was neues. Es läuft eine Elf auf, die mit der bedingungslosen Unterstützung der Fans den Gegner in die Knie zwingt. Weil sie sich den Arsch aufreisst UND spielen kann. Und so sieht sie aus:
    Rensing Levels Bomheuer Malezas Weber Gianniotas Gartner Piette Lambertz Bebou Benschop
    Dann gibt es echt eine Wende, dann kommt das Selbstvertrauen wieder zurück, dann kommt die Serie.
    Und dann wache ich auf.

    Und dann kommt Köln.

    • fuppes95 28. November 2013 um 21:43 #

      danke dir für deinen langen beitrag! von solcher beteiligung lebt ein blog!!

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