Archiv | September, 2013

Die Nullnummer gegen den FSV und die Frage des eigenen Anspruchs!

29 Sep

Unsere Jungs schieben fast neunzig Minuten lang den Ball langsam aus der eigenen Hälfte in die des Gegners. Doch nichts passiert. Keine zündende Idee, keine Kreativität. Da wir zudem einen Elfmeter vergweigert bekommen, und Giefer ein Mal gut pariert, endet die Partie gegen FSV Frankfurt 0-0. Ein Ergebnis, das unheimlich viel aussagt: Null Konzept! Null Spirit! Null Anspruch?

Fortuna Fan zu sein, bedeutet, trotzdem hinzugehen. Fortuna Fan zu sein bedeutet, immer wieder zu hoffen, dass diesmal der Knoten platzen und das Team uns begeistern wird. Fortuna Fan heißt, es zu begrüßen, dass jedes Spiel bei 0-0 anfängt. Doch damit einhergehend lebt auch die Hoffnung, dass die Null lediglich hinten steht und man etwas Zählbares mitnimmt. Naja, immerhin sind wir seit drei Spielen ungeschlagen. Wer weiß, wie wertvoll diese Punkte sind. Aber WELCHEM ANSPRUCH genügt das? Für WAS GENAU sind diese Punkte wertvoll? Für den Ligaerhalt? Oder für einen noch immer rechnerisch möglichen Kampf um den Aufstieg? Der Klärungsbedarf scheint dringender denn je. Das Publikum hat gestern völlig zurecht so genervt wie noch nie auf das Gegurke auf dem Rasen reagiert. Pfiffe aber auch Anfeuerung aus der Kurve zogen sich durch die gesamte Partie. Es liegt ein „Wir haben die Schnauze voll!“ in der Luft. Wir wollen mal beleuchten, was uns so dermaßen stinkt. Blicken wir erst mal auf das Spiel…

SPIELVERLAUF – DAS EWIG GLEICHE ELEND!

Aufgrund der Verletzungen aus dem Spiel gegen St.Pauli, ersetzte Gianniotas Lumpi auf der linken Seite und Bomheuer kam für Soares in der Innverteidigung. Ansonsten schickte Büskens die gleiche Truppe auf das Spielfeld wie in der Vorwoche… leider nicht die einzige Parallele. Wie schon in Hamburg spielt die Fortuna in der ersten Halbzeit zaghaft und ohne Mumm. Spielaufbau und Passspiel finden nur unzulänglich statt und haben mit ambitioniertem Profifussball wenig zu tun. Es ist kein Offensivkonzept zu erkennen. Während die Fortuna in den ersten Spielen unter Büskens noch versucht hat, Dominanz auszustrahlen, ist von diesem Ansatz mittlerweile nichts mehr zusehen. Frankfurt für Arme ging mit der liga-typischen Einstellung an dieses Spiel: Fortuna ist auf dem Papier der Favorit. Und so setzen die „kleineren“ Teams gegen uns auf eine starke Defensive und bauen Offensiv nur auf schnelles Umschaltspiel und Konter. Den Fachleuten auf den gegnerischen Trainerbänken ist natürlich nicht entgangen, was bei der Fortuna im Argen liegt. Die eklatanten fußballerischen Schwächen in unserem zentralen Mittelfeld laden den Gegner durch zu wenig Tempo und viel zu viele (unbedrängte) Fehler immer wieder zu gefährlichen Angriffen ein. Auch gegen den FSV sah es nicht anders aus.

Da aus dem Spielverlauf heraus kaum mal eine ansehnliche Passstaffette über mehr als zwei Stationen zustande kommt, ist Fortunas beste Chance im Spiel den fußballerischen Mängeln der Frankfurter geschuldet. Bancé setzt an der Mittellinie den Gegner gut unter Druck, der  den letzten Innenverteidiger mit einem hohem Ball in Bedrängnis bringt. Kenia stibitzt die Kirsche per Kung-Fu-Einlage und sprintet auf das Tor zu – die gesamte FSV-Abwehr hinterher. Kenia macht in diesem Moment eigentlich eine Menge richtig, denn er versucht das Spielgerät aus ca. 15 Metern flach Rechtesunten einzunetzen… Leider bekommt Gästekeeper Klandt aber noch die Fingerkuppen an den Ball und lenkt ihn an den Pfosten. Danach dümpelt das Spiel grottig vor sich hin und ist schlichtweg langweilig. In der 30. Minute erinnert sich Fink jedoch an seinen genialen Pass von letzter Woche und zeigt gegen Frankfurt nun auch mal EINEN! Auf Höhe der Mittellinie lupft er einen hohen Ball auf Gianniotas, der das Leder schön mitnimmt und im Strafraum dann an Gegenspieler und Torwart vorbeigeht; doch leider ist der Winkel zu spitz und Giannis zu sehr auf den Ball fixiert. Denn so sieht er den einschussbereiten Bancé am 11er-Punkt nicht…

Wenigstens steht die Abwehr stabil, was allerdings gegen so einen ungefährlichen Gegner kein Wahnsinns-Kunststück ist. Die einzige Szene, in der Giefer wirklich aktiv werden muss, ist die 39. Minute, in der Görlitz nach einem schnellen Spielzug der Gäste einen schönen Volleyschuss loslässt. Giefer hat ihn im Nachfassen. Mal von dem erheiternden Schiri-Bancé-Pogo, bei dem Schiedsrichter Leicher (zu dem kommen wir gleich noch) rückwärtslaufend in Bancé reinrennt und beide hinplumpsen, abgesehen, bietet diese Halbzeit nichts Ermutigendes. Der schnarchige und viel zu vorsichtige Auftritt der Fortuna wird beim Halbzeitpfiff mit Pfiffen belegt, die dann aber schnell in Anfeuerung aus der Kurve übergehen.

KURZES AUFWACHEN IN DER 2HZ – DOCH ES BLEIBEN DIE ALTEN SCHWÄCHEN

Aus der Pause kommt die Fortuna dann mit frischem Mut und für einige Minuten wird sogar so etwas wie Druck aufgebaut, aber so richtig gefährlich wird es für die Frankfurter trotzdem nicht. Leider dauert diese Phase dann auch nur ungefähr zehn Minuten, denn danach bekommt das Nervenkostüm wieder Risse. Die Fehlpässe häufen sich wieder, eine klare Linie ist nicht erkennbar und in der Abwehr kommt es zu immer mehr Unkonzentriertheiten, die der Gegner aber nicht für sich nutzen kann. So wird das Spiel immer grausamer für den Zuschauer und lediglich in der Schlussphase kommt noch mal etwas Feuer in die Partie. Dies liegt an dem bis dahin ziemlich unauffälligen Schiedsrichter Leicher, der ein Handspiel der Frankfurter im eigenen Strafraum nicht ahndet. Sofort gibt es einen Sündenbock! Klar, wieder mal eine Fehlentscheidung gegen uns! Dass bei den Fortunen wirklich die Nerven blank liegen, sieht man an den gelben Karten, die unsere Jungs dann noch für’s Meckern kassieren. Als dann der eingewechselte Hoffer in der Nachspielzeit noch im Strafraum zu Boden geht und es wieder keinen Elfer gibt (diesmal allerdings zurecht), reicht es den meisten Fortuna-Fans. Unter lauten Pfiffen wird das frustrierende Spiel beendet – wie viele dieser Pfiffe an den Schiedsrichter oder das eigene Team gerichtet waren, ist schwer zusagen. Verletzungsmisere hin oder her – mal wieder hat sich gezeigt, dass eklatante Mängel im Spielaufbau aus dem zentralen Mittelfeld herrschen. Das war schon in Bundesligarückrunde das größte Problem! Dies hätte WW in der Transferperiode angehen MÜSSEN – gerade, wenn mit Büskens ein Trainer mit neuer Spielphilosophie kommt, wo alles auf Ballbesitz und Dominanz ausgerichtet sein soll.

DIE FRAGE NACH DEM EIGENEN ANSPRUCH

Warum ist die Frage nach dem eigenen Anspruch so wichtig? Weil man nur, sofern der Anspruch klar definiert ist, sagen kann, ob man auf gutem Wege ist oder eben nicht. Mannschaft und Fans – das wagen wir jetzt mal so hierhin zu setzen – sprachen stets vom Wiederaufstieg; oder zumindest davon, oben mitzumischen. Die Stimmung unter den Fans konnten wir ja selber miterleben: im Stadion, in Fanforen, auf Facebook, etc. – und die Spieler vermittelten diesen Eindruck in ihren Interviews. Es fällt nun aber im Nachhinein auf, dass weder bei der sportlichen noch bei der geschäftlichen Leitung je klar definiert wurde, was man eigentlich will. Zumindest nicht öffentlich.

Vielmehr gab es ein Rumgeeiere, zu viel gleichzeitig und nichts ernsthaft: Einerseits Aufstiegsambitionen, gleichzeitig Neuanfang, ebenfalls Stabilität erreichen, junge Spieler aufbauen, etc. etc… Und was erleben wir? Nichts von all dem. Von den oberen Rängen sind wir spielerisch noch weiter entfernt als rechnerisch. Ein Neuanfang ist absolut nicht auf dem Platz zu erkennen, da wir genau so uninspiriert zu Werke gehen wie in der Rückrunde. Stabilität geht aufgrund der unzähligen Verletzungen und den absolut unzuverlässigen (angeblichen) Säulen der Mannschaft flöten. Aufbau junger Spieler? Ein bitterer Witz! Was muss bitte noch passieren, damit Halloran auf dem Flügel eine Chance bekommt? Wie viele Ballverluste müssen Fink, Bodzek und Lumpi fabrizieren, damit Paurevic oder Gartner mal zentral zum Einsatz kommen? Wie viele Chancen müssen vorne versiebt werden, bevor Bebou erneut und Wegkamp überhaupt mal zum Einsatz kommt? Wie kann Mike Büskens ein Spielsystem auf Biegen und Brechen fortsetzen, für welches er gar nicht die richtigen Spieler hat? Eine Doppelsechs erlahmt das Spiel, wenn die Spieler keinen Aufbau ankurbeln können. Wie oft muss er das noch beobachten, bevor er mal über nur EINEN defensiven Mittelfeldmann nachdenkt? Ein einzelner Stürmer bringt bei uns seit dem Abgang von Sascha Rösler keinerlei Gefahr mehr. Warum bitte kann man nicht mal mit zwei Sturmtanks ran? Und noch viel wichtiger: Wieso sind wir nicht in der Lage, uns bei der Systemfrage auch mal nach dem Gegner auszurichten? Vor und während es Spiels? Wenn man sieht, dass ein Team so tief steht wie der FSV, kann man doch bitte mal eine offensivere, taktische Ausrichtung oder einen Personalwechsel zur Halbzeit erwarten, der mehr Offensivgeist bringt…

Nein. Es ist einfach überhaupt kein Konzept zu erkennen. Wie sich jetzt endgültig zeigt, auch bei der Personalpolitik nicht. Statt sich punktuell clever zu verstärken, wurde wieder ein Rundumschlag vollzogen. Der Fokus auf Jungspunde war leider trügerisch. Denn sie kriegen keine Chance. Schaut Euch zum Vergleich nur mal die Personalpolitik des stinkenden EffZeh oder der verschissenen Hertha an. Manche Investition war natürlich übel riskant, zahlt sich aber unter Umständen genau so aus, wie es bei Eintracht Frankfurt geglückt ist. Keine Sorge. Wir wollen nicht den Verein tauschen. Aber wir müssen auch mal auf das schauen, was andere Vereine tun, um unsere eigenen Verantwortlichen bewerten zu können. Und leider sinkt das Vertrauen in deren Arbeit mehr und mehr…

AUSBLICK & UMFRAGE

Kommenden Montag kommt nun Kräuter Fürth. Die haben einen richtig guten Start hingelegt. Vermutlich liegt uns das Team viel eher als die bisherigen Gegner. Denn gegen die Fürzer werden unsere Jungs reagieren müssen – das war die vergangenen Jahre eigentlich immer unser Erfolgsgarant. Ihr merkt, die zu Beginn beschriebene Hoffnung TROTZ des desolate Zustands, lebt schon wieder auf… 😉

Und nun seid Ihr wieder dran. Lasst uns wissen, was Euer Anspruch an die Fortuna in dieser Saison ist. Lasst Euch dabei nicht davon „blenden“, wo wir in der Tabelle stehen. Gebt ruhig an, mit welchen Erwartungen Ihr an die Saison 2013/2014 gegangen seid. Denn dieses Stimmungsbild ist wichtig, um herauszufinden, ob der Verein in unseren Augen im Soll ist oder nicht.

Dem Allgemeinzustand angemessen gibt es diesmal zum Abschluss nur ein: 95OHJE

Ingo & Adnan

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Führung und Überzahl reichen mal wieder nicht!

26 Sep

Unsere Jungs geben mal wieder kurz vor Schluss einen Sieg her. Nach zwischenzeitlicher Führung durch Bancé gelingt es ihnen wie schon gegen Dresden nicht, die Null hinten zu halten.

Montagsspiele sind aus vielerlei Hinsicht ätzend – auch für uns Blogger. Die viele Zeit, die wir uns nehmen möchten, um das Spiel zu resummieren, Interessante Aspekte aufzugreifen und es möglichst lesbar aufzubereiten, ist unter der Woche gar nicht so leicht zu finden. Daher haben wir diesmal länger gebraucht als sonst. Seht es uns nach, Freunde. Kommendes Wochenende dürfte es wieder schneller gehen. Und WIR FORDERN, VERDAMMT NOCH MAL, dass wir uns mal wieder in voller Freude und Begeisterung zu Wort melden dürfen. Denn auch diesmal ist die Stimmungslage eher bescheiden. Kommen wir zu dem, was in Pauli abging…

Aufstellung: Routine statt Unbekümmertheit

Beim Blick auf die Mannschaftsaufstellung  haben wir uns erstmal etwas fragend an der Rübe gekratzt! Mike Büskens nahm den während der Woche  leicht angeschlagen Bomheuer aus der Startelf und brachte dafür den ENDLICH wieder genesenen Malezas in der Innenverteidigung neben Soares. Also direkt zwei ehemalige Langzeitverletzte mit wenig, bzw. gar keiner Spielpraxis in der Abwehrzentrale. Zudem rückte Bodzek wieder auf seine angestammte Position im defensiven Mittelfeld, wofür der eigentlich zuvor gute Gianniotas wieder auf der Bank Platz nehmen musste. Zu Bodzek gesellten sich mit Fink, Lumpi und Reisinger drei weitere Routiniers, so dass mit Kenia im Mittelfeld und Ramirez in der Viererkette nur zwei F95-Jungspunde in der Startelf standen. Sturmtank Bancé und RV Levels erhöhten dafür sogar noch den Erfahrungsfaktor in der Truppe. Besonders nach den schwachen Auftritten unserer Mittelfeld-Haudegen mit Erfahrung  in den letzten Spielen (wir zählen Reisinger auch ganz klar dazu!), waren wir etwas unglücklich über die von Büskens aufgebotene Elf. Allerdings konnten wir auch direkt seinen Ansatz verstehen, eine Mannschaft mit Erfahrung auf den Platz zuschicken, die den hohen nervlichen Anforderungen auf St. Pauli gewachsen sein würde. Zudem gab der Kader (siehe Verletztenliste) auch nicht mehr besonders viele Alternativen her.

1. HZ: Laaaaangweilig!

Das Spiel beginnt direkt mit einer guten Chance für die Fortuna. In der dritten Minute kommt Kenia im gegnerischen Strafraum an den Ball und verzögert etwas, um auf einen nachrückenden Mitspieler abzulegen. Bodzek meldet sich freiwillig und bekommt das Spielgerät von Kenia mustergültig aufgelegt. Aber obwohl „Bodze“ (relativ) viel Zeit hat, wählt er für den Torschuss seinen linken Fuß und fabriziert leider nur einen harmlosen Flachschuss, der in gefühlter Zeitlupe auf das Pauli-Tor zurollt. Da wäre echt mehr drin gewesen! Danach entwickelt sich ein Spiel das wenig Höhepunkte bereit hält. Die Fortuna-Routiniers machen ihre Sache in der Defensive recht souverän und lassen bei guter Ordnung wenig Tormöglichkeiten für den Gegner zu. In der Offensive gibt es hingegen wenig Souveränität von F95 zusehen. Besonders im Spielaufbau! Wenn wir uns angestrengt zurückerinnern, gab es in der gesamten ersten Halbzeit nur einen guten Spielzug über mehrere Stationen, der dann natürlich vom überforderten Schiedsrichter mit dem Halbzeitpfiff frühzeitig beendet wurde. Falls es für uns mal nach Vorne geht, ist dies eher dem versemmelten Spielaufbau der Hamburger geschuldet, welcher ähnlich viele Stockfehler, Fehlpässe und Unkonzentriertheiten enthält wie der Unsrige. In der Abwehr steht Pauli aber auch recht gut in der Ordnung, so dass Bancé nur einmal wirklich in Erscheinung tritt, als er in der 23. Minute einfach mal aus guten 35 Metern draufballert. Das Geschoss fliegt zwar knapp am Tor vorbei, aber wenigstens traut sich mal wieder einer etwas! Wenig später muss dann unser Kapitän angeschlagen vom Spielfeld, da er sich zuvor bei einem Block verletzt hatte. Für Lumpi kommt dann in der 35. Minute Gianniotas auf den Platz. Er wird wenig später Zeuge von Paulis größter Chance in im ersten Durchgang. Fin Bartels bereitet unsere Abwehr größte Probleme, ist aber zum Glück nicht abgewichst genug, um seinem sehenswerten Alleingang in der 39. Spielminute erfolgreich abzuschließen. So geht es ohne Tore und mit wenig positiven Höhepunkten in die Pause, dafür haben Zweikampfverhalten und Einstellung gestimmt.

2. HZ: Blitzstart, Knipsertor und der Fluch der Überzahl!

Diesmal scheint die Halbzeitansprache des Trainers wohl gefruchtet zu haben, denn nur eine Minute nach Wiederanpfiff geht die Fortuna etwas überraschend – und gar nicht mal verdient – in Führung. Zuerst spielt Fink völlig unbedrängt einen ganz grausamen Pass auf Ramirez, der im Seitenaus landet. Noch während unseres Frustausbruchs vor’m Bildschirm ob des Fink’schen Pass-Fails, kommt Monsieur „Finki“ erneut in Ballbesitz und macht es diesmal viel besser: nach schönem Zuspiel von Ramirez spielt er einen diesmal Xavi’esken hohen Pass präzise mit perfekter Flugkurve in die Sturmspitze. Aristide Bancé nimmt das Zuspiel bedrängt von zwei Verteidigern geschickt mit dem rechten Fuß an, legt sich den Ball kurz und knapp auf links und schließt aus 16 Metern mit links sein erstes Tor für die Fortönnski. Die Kirsche kommt flach und mit Spin und schlägt unhaltbar in der rechten untere Ecke des Tores ein. Ein echtes Knipsertor – humorlos und schnell. Annahme und Abschluss in einer Bewegung!

Wir freuen uns über die Führung, aber gleichzeitig wird uns bange. Denn mit einer Führung sind unsere Jungs in den letzten Wochen nicht besonders gut umgegangen. Aber obwohl St. Pauli jetzt merklich mehr investiert, scheinen die Fortunen trotzdem halbwegs Herr der Lage zu sein und nicht in sich zusammen zufallen wie zuletzt. Denn die Ordnung auf dem Platz stimmt weiterhin und man erkennt tatsächlich mehr Kampf; Löcher werden gestopft, der Gegner wird früh gestört und das Zweikampfverhalten stimmt. Pauli beißt auf Granit. Um die 70. Minute gibt es dann sogar durch Kenia und Bancé sogar noch gute Kontermöglichkeiten für unsere Jungs, die aber genauso liegen gelassen werden, wie in den Wochen zuvor, wenn sich die Chance bot, den Sack zuzumachen. Und so erliegen wir am Ende doch den drei chronischen Krankheiten der Fortuna. 1) Die Schlussphase eines Spiels liegt uns gar nicht; 2) Eine Führung über die Zeit zu bringen ebenso wenig; 3) Und Überzahl war in der jüngeren Geschichte der Forteng immer ein Nachteil. Und dann kommt auch noch Kringe. Bei seiner Einwechslung sagt Adnan noch „Immer, wenn der für Dortmund getroffen hat, waren das Megabuden.“ – im Nachhinein leuchtet ein, warum Ingo das mit einem „Alter, halt‘ doch de Schnüss!“ beantwortete. Das Publikum peitscht die Reeperbahn-Kicker infolge des völlig überzogenen Platzverweises lautstark nach vorne. Und wie soll es anders kommen…. In der 82.Minute, nur eine Minute nach der roten Karte für Thorandt, hämmert der eingewechselte Kringe aus über 20 Metern einen Sonntagsschuss in Giefers Maschen und stellt den 1:1 Endstand her. Die Schimpftiraden und verbalen Auswürfe, die uns dann über die Lippen gingen, müssen aus Sicherheitsgründen zensiert bleiben… Sagen wir es mal so: Wir ärgerten uns ein wenig.

Obwohl Die Hamburger von der Statistik her den Punkt verdient haben, fühlt sich dieses Unentschieden MAL WIEDER wie eine Niederlage an. Dabei geht es nicht um eine eventuell zu hohe Erwartungshaltung, sondern eher darum, dass die Jungs diesmal nicht eingebrochen sind oder den Gegner zu Toren eingeladen haben. Der Gegentreffer war eher ein Glückstreffer als ein Zeichen von Stärke des Gegners und nach der eigentlich überzeugenden Defensivleistung und dem betriebenen Aufwand wäre ein Sieg so wichtig gewesen. Es scheint aber derzeit für die Namensvettern der Glücksgöttin schwierig zu sein, das Glück zu erzwingen!

Personelles / Fragen / Ausblick

Zur Einzelleistung der Spieler lässt sich nicht allzu viel sagen. Alle waren recht blass. Erfreulich war sicherlich die augenblicklich starke Leistung von Stelios Malezas. Wir sehnen uns den Tag herbei, an dem er und Latka mehr als 2 oder 3 Spiele hintereinander das IV-Duo bilden. Das wird zusätzlich Stabilität bringen. Ramirez hat Defensiv überzeugt, macht aber keine Offensivläufe mehr. Das mag an seinen ständig wechselnden Partnern auf links liegen. Die Gesamtausrichtung der Mannschaft war sehr defensiv eingestellt. Und, wenn man MB vor dem Spiel hat reden hören, vernahm man seinen (vielleicht übertriebenen) Respekt vor St. Pauli. Wirklich positiv war „dat Astrid“ aka Aristid Bancé. Er hat endlich mal wieder ein echtes Knipsertor geschossen. MB sollte wirklich mal versuchen, mit einer Doppelspitze plus 10er dahinter zu spielen. B+B im Sturm bringen zusammen fast 4 Meter und 180 Kilo zustande. Daran könnte eine Abwehrreihe kapott jehen. Aber dazu würde eine Portion Mut gehören. MB wirkt derzeit jedoch etwas verunsichert. Bei allem Verständnis für die schwierigen Umstände – neues Team, Verletzungsmisere, etc. – da kann man von einem Coach durchaus mehr Souveränität erwarten. Seine Teilnahmslosigkeit am Spielfeldrand ist mitunter besorgniserregend. Er muss ja nicht gleich wie Klopp den Vierten Offiziellen bedrohen, aber doch zumindest mal Alarm machen. Alarmglocken ertönen derzeit nur bei den vielen neuen Hiobsbotschaften. Nun ist auch noch Gianniotas verletzt – unser mit Abstand bester Standardschütze. Wir bleiben dabei und wiederholen uns zum x-ten Mal: Das hat nicht mehr viel mit Pech zu tun… Da läuft methodisch etwas falsch.

Mit Blick auf kommenden Samstag würden wir gerne von Euch wissen, was Ihr vom Spiel gegen FSV Frankfurt erwartet. Seht Ihr positive Ansätze, auf die man bauen kann, oder erwartet Ihr die nächste Pleite? Lasst es uns (und Euch selbst) in der Umfrage wissen.

So, und nun bauen wir mal wieder daran, Hoffnung zu schöpfen.

95 Olé,

Ingo & Adnan

Zwei Punkte lethargisch verschenkt!

16 Sep

Wie schon so oft in dieser Saison, verpasst es die Fortuna nach einer Führung den Sack zuzumachen und sich selbst an den Haaren aus dem drohenden Abstiegssumpf zu ziehen. Dafür nutzt ein eigentlich schwacher Gegner in der Schlussphase durch einen Joker die Düsseldorfer Passivität und Lethargie zum Torerfolg und die Fortuna verschenkt im Umkehrschluss wichtige Punkte gegen den Tabellenletzten.

Die Fortuna hatte sich für das Spiel gegen Dynamo Dresden viel vorgenommen – drei Punkte sollten, ja mussten sogar her. In diversen Gazetten war davon zu lesen “wie geil das Projekt Fortuna” (Büskens) sei, da die Fans die Mannschaft auch in der 2. Bundesliga bedingungslos und zahlenstark unterstützen. Auch diesmal war die Arena wieder mit knapp 36.000 Zuschauern ziemlich gut gefüllt; aber auf das, was die Fortuna nach dem Führungstreffer präsentierte, können wir eigentlich nur noch mit vollkommenem Unverständnis reagieren. Diesmal ist Adnan allerdings leider auf Reisen und unser guter Freund Niko unterstützt Fuppes95 bei der Analyse.

Offensiv ins Kellerduell


Als wir die Aufstellung gesehen haben, waren wir guter Dinge: Mike Büskens schickte eine sehr offensive Startelf auf den Platz. Mit Reisinger auf der rechten Seite und den beiden Neuzugängen Hoffer und Bancé in der Zentrale, befanden sich gleich drei gelernte Stürmer in der Anfangsformation. Auf der linken Seite hatte sich Gianniotas seinen ersten Einsatz von Beginn an verdient und das Mittelfeld wurde in der Defensive von Fink und Lumpi komplettiert; Bodzek saß erstmal etwas überraschend auf der Bank. In der Innenverteidigung gab Soares nach seiner ewig langen Verletzungsodyssee sein Startelfdebüt und ersetzte unseren Abwehrchef Latka; mit Bomheuer, Ramirez und Levels war die Viererkette also komplett. Der neue Gästetrainer Janßen (übrigens Levels‘ Onkel) schickte sein Team ebenfalls mit einer 4-4-2 Formation ins Rennen, was direkt darauf schließen ließ, dass sich die Dresdner bei uns nicht verstecken wollten.

Dies wird auch sofort nach Anpfiff deutlich, denn mit aggressivem Pressing stehen die Sachsen unseren Jungs in den ersten fünf Minuten ganz schön auf den Socken. Dann kommt aber auch die Fortuna so langsam ins Spiel und zeigt den Gästen erstmal wer hier Herr im Hause ist. Es fällt früh auf, dass der Spielaufbau der Fortuna diesmal anders gestaltet wird, als in den letzten Partien. Zumeist wird Bancé hoch angespielt, um den Ball auf einen nachrückenden Mittelfeldspieler abzulegen, erst danach gesellt sich der neue Sturmtank zu Hoffer in die Spitze. Dies klappt Anfangs auch hin und wieder ganz ordentlich. In der zehnten Minute gibt es dann die erste Chance für F95, als “dat Astrid” vom rechten Strafraumeck zum ersten mal auf‘s Tor schießt; der ansonsten recht schwache Keeper Kirsten verkürzt aber in dieser Situation geschickt den Winkel und wehrt die Kugel ab. Fünf Minuten später hat Hoffer wohl seine stärkste Aktion des Spiels, als er drei Gegner an deren Strafraum vernascht – den Ball schießt er dann aber leider ins Aus. Unsere Jungs geben in dieser Phase richtig Gas, Levels setzt sich auf seiner Seite zweimal gut mit Flankenläufen in Szene und unsere Greenhorn-Connection auf Links, mit den quirligen Ramirez und Gianniotas, stellt die Dresdner vor einige Probleme. Der junge Grieche ist es dann auch, der unsere Führung in der 18. Minute einleitet. Nach seiner abgewehrten Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld kommt Giannis erneut ans Leder und zirkelt das Spielgerät mit viel Spin in den gegnerischen Fünfmeterraum, Kirsten wehrt den Ball ab, der dann im Strafraum auf den wartenden Fink zuhoppelt. Unser Grätschmeister schießt den Ball per Dropkick ins rechte Toreck – 1:0! Schöne Bude, wichtige Führung, alles wunderbar – und jetzt bitte mal nachlegen!

Allerdings wird schnell deutlich: Ganz so einfach wird es nicht. Denn “Dü-Dü-Dühnamöh” gibt sich nicht so leicht geschlagen und die Sachsen versuchen unsere Defensive unter Druck zu setzen. Dass sich dennoch keine echte Gefahr entwickelt, liegt eher am Unvermögen der Gäste, als an einer sattelfesten Abwehr. Soares gewinnt zwar im Laufe des Spiels an Sicherheit, lässt allerdings im Vergleich mit Latka deutlich Souveränität und Ruhe im Aufbauspiel vermissen. Dies ist nach seiner langen Verletzungspause jedoch nicht sonderlich überraschend. Was nun passiert, ist allerdings nur schwer zu begreifen: Fortuna zieht sich zurück, verkriecht sich regelrecht und kommt ca. 15 Minuten lang fast gar nicht mehr an den Ball, und falls doch, landet dieser direkt nach irgendeiner kopflosen Aktion wieder beim Gegner. In dieser Phase, als kurzer Lichtblick sozusagen, bekommt die Fortuna dennoch in der 31. Minute die Möglichkeit, ihre Führung auszubauen: Gianniotas und Bancé zelebrieren an der linken Seite des gegnerischen Strafraums ein schönes Zusammenspiel und hebeln die sächsische Abwehr aus, leider trifft unser griechischer U20-Nationalspieler mit seinem Schuss aber lediglich die Latte. Nur eine Minute später stockt uns allerdings kurz der Atem: Der wirklich schnelle und trickreiche Ouali kommt nach einem Ballverlust von Bancé an den Ball, lässt mal eben drei, vier Fortunen wie Slalomstangen hinter sich und zieht in den Strafraum, Fink kommt gerade noch rechtzeitig und klärt die Situation mit einer gutgetimten und mutigen Grätsche – wie aus dem Lehrbuch! Der Spielaufbau unserer Jungs wird zur Pause hin leider immer zerfahrener.

Lethargisches Gedümpel


So weit so gut, denken wir als die Spieler aus den Kabinen zurück auf den Platz kommen. Aber wie schon gegen Bielefeld, betritt unser Gegner mit mehr Selbstvertrauen das Spielfeld als er es nach der ersten Hälfte verlassen hat. Die Fortuna, als Heimmannschaft mit einer Führung im Rücken, wirkt verunsichert und in ihren Aktionen zögerlich bis unbeholfen. Die Sachsen mausern sich auf einmal zur spielbestimmenden Mannschaft und unsere Jungs setzten dem nur Passivität und Lethargie entgegen. Während die Spieleröffnung mit langen Zuspielen auf Bancé in der ersten Halbzeit teilweise gut funktionierte, wird nun kaum noch ein Ball über die Mittellinie gebracht. Unser neuer Sturmbrecher kann die Bälle jetzt weder behaupten noch präzise weiterspielen, “Reise” und Hoffer tauchen komplett ab. Die Fortuna wird immer weiter in der eigenen Hälfte eingeschnürt, wo besonders Levels von Ouali vor immer mehr Probleme gestellt wird und besonders in Sprintduellen klar das Nachsehen hat. Unsere Jungs stehen zu weit vom Gegner weg, das Pressing funktioniert auch nicht mehr, da die Dresdner erst in unserer Hälfte attackiert werden und die bekannten Probleme unseres zentralen Mittelfelds häufen sich wieder beängstigend. Geordneter Spielaufbau, Leidenschaft und Selbstbewußtsein sind nicht mehr existent. In der 54. Minute gibt es den ersten gefährlichen Warnschuss durch Koch, der nach einem geschlagenen Luftloch von Reise an die Kirsche kommt, selbige aber über die Latte drischt. Es ist zum Mäuse melken, denn bei uns geht GAR NICHTS MEHR! In der 62. Minute reagiert Büskens und bringt für den abgetauchten Hoffer den genesenen Bebou, der aber leider auch ziemlich glücklos bleiben wird. Eine Minute später gibt es zumindest für eine Millisekunde Grund zur Freude. Nach einer Freistossflanke von Gianniotas (der einzige Mann, der in unseren Reihen Standards kann!) aus dem rechten Halbfeld drückt Bancé das Leder mit der Stirn über die gegnerische Torlinie… aber leider Abseits! Wir hoffen inständig darauf, dass dies der Weckruf für die Fortuna ist und die Jungs jetzt endlich aufwachen! Pustekuchen! Dynamo wird weiterhin herzlich eingeladen, auf Giefers Tor zu spielen. In der 70. Minute kommt dann Bodzek für Reisinger, der weder offensiv noch defensiv irgendetwas in Halbzeit Zwei auf die Kette bekommen hatte. Etwas später kommt dann noch Kenia für Gianniotas (Standards adé…), aber auch dieser Wechsel verpufft vollkommen wirkungslos. Dann kommt es, wie es kommen muss, wenn man den Gegner regelrecht zu Torabschlüssen einlädt: Levels läßt Ouali flanken, Dedic köpft den Ball ungehindert an den Pfosten, Joker Müller bekommt den Abpraller und vernascht im Fünfmeterraum Soares und Giefer. Ausgleich, nicht einmal unverdient. Dass bei der Aktion Koch im Abseits steht und der Treffer somit irregulär ist, ist uns in diesem Moment schnuppe! Denn wir ärgern uns viel mehr über die Einstellung unserer Jungs, als über das Schiedsrichtergespann. Eine wirkliche Aufholjagd kommt in den letzten Minuten dann auch nicht mehr zustande und das Spiel endet vollkommen unnötig unentschieden.

Personelles und die Frage nach dem Warum


Unser Torhüter hatte eigentlich nicht sonderlich viel zu tun, da sich Dresden, trotz Überlegenheit in der zweiten Hälfte, wenige gefährliche Torchancen erspielen konnte. Dennoch muss man feststellen, dass unser Schlussmann in seinen Leistungen bestenfalls stagniert, teilweise sind diese sogar eher rückläufig. Wie einleitend erwähnt, hatte er nicht besonders viel zu tun, hätte aber von sich aus mehr tun können und sogar müssen. Hier wollen wir noch einmal ein leidiges Thema ansprechen: Giefer zeigt eklatante Schwächen in der Spieleröffnung, verpasst häufig den Moment und damit das sprichwörtliche Momentum eines schnellen Abschlags oder Abwurfs, selbst wenn seine Mitspieler den Ball fordern und ihm deutlich signalisieren “Her mit der Kirsche!”. Dies hat gestern in der einen oder anderen Situation zu kurzen aber dennoch lautstarken Reibereien zwischen ihm und seinen Jungs geführt. Dieser Makel unseres Torhüters schwächt unsere Konter-/Angriffsperformance zusätzlich und mittlerweile merklich und muss auch als einer der Faktoren betrachtet werden, weswegen es bei uns in der Spieleröffnung und Vorwärtsorientierung häufig hakt.

Die Innenverteidigung mit Soares und Bomheuer hat ihre Sache ganz ordentlich gemacht, bloß den geordneten Spielaufbau etwas vernachlässigt. Der Brasilianer hat nach etwas unsicherer Anfangsphase besser ins Spiel gefunden, aber leider beim Gegentreffer zu früh auf dem Boden gelegen, so dass Müller recht locker einnetzen konnte. Ramirez war o.k. und Levels hat in der ersten Hälfte ein richtig gutes Match gemacht. Mit fortlaufender Spieldauer setzte sich aber sein schneller Gegenspieler Ouali immer öfter gegen ihn durch, auch weil Reisinger seine eigenen Defensivaufgaben immer mehr vernachlässigte und Levels darum oft im Regen stand. Gianniotas war besonders in der ersten Halbzeit ein Lichtblick und ist endlich mal jemand in unserem Kader, der es versteht gefährliche Flanken und Freistösse zu schießen. Fink und Lumpi hatten in der ersten Minuten gute Momente, wurden dann aber zu fahrig. Beide hingen dem Anspruch Führungsspieler zu sein, meilenweit hinterher – wo waren sie in der ersten Halbzeit nach unserer Führung, als unser Spiel in sich zusammen gefallen ist??? Die beiden neuen Stürmer Bancé und Hoffer haben zu Beginn einige gute Aktionen gehabt, sind danach aber, wie der Rest der Truppe, auf Tauchstation gegangen und hatten kaum noch erwähnenswerte Momente.

Die Personalie die uns aber am meisten auffiel, ist unser Trainer. Als Büskens noch bei Greuther Fürth das Zepter schwang, war er kaum zu bändigen: Wie Rumpelstilzchen sprang er an der Seitenlinie hin und her. Voller Biss und Leidenschaft peitschte er seine Elf nach vorne, wenn es nicht lief und war die Ausgeburt der Euphorie, wenn seinen Spielern gute Aktionen gelangen. Gestern klebte er genauso lethargisch und teilnahmslos auf seinem Pattex-Stuhl, wie sich die Fortunen auf dem Platz präsentierten. „Warum?“, fragen wir uns. Sind es nicht genau solche Momente, in denen der Trainer eingreifen und Motivation entfachen muss? Wenn es schon auf dem Platz niemand hinbekommt, muss dann nicht der Chef auch mal ordentlich dazwischen hauen und die Jungs mit Gesten und Gebrülle wachrütteln? Was liegt denn da schief? Darf er nicht, wie er will, oder will er nicht, wie er darf? Nicht, dass Ihr uns falsch versteht; auf verunsicherte Spieler prügelt man nicht ein und wir wollen bestimmt auch keinen Schreihals á la Werner “Beinhart” Lorant, aber ein wenig mehr Emotionen vorleben dürfte es gerade in solchen Momenten schon sein.

Fazit


Es ist uns absolut unbegreiflich, wie man einfach aufhört irgendwas zu investieren, wenn man in einem so wichtigen Heimspiel 1:0 gegen einen derart schwachen Gegner führt. Da lädt man die Verunsicherung und den Gegner gleichzeitig ein, um die erspielte Führung wieder aus der Hand zu geben. Der Dresdner Keeper Kirsten hat – wie schon der Bielefelder Schlussmann – große Probleme bei Distanzschüssen gezeigt. Warum hält da keiner einfach mal drauf? Bringt man Bebou wirklich bei diesem Spielstand und Spielverlauf? Nicht lieber bei klarer Führung oder Rückstand? Wenn man mit VIER Stürmern spielt, warum spielt man dann 70 Minuten auf Halten – und auf wessen Veranlassung? Sofort nach dem Führungstor erschien es so (und hier nicht zum ersten Mal, man denke nur an ähnliche Situationen in der abgelaufenen Saison), als geriete die Fortuna komplett aus der Fassung und in eine sehr zerbrechliche Phase, in der sie ungeheuer verwundbar wirkt. Sie taumelt wie ein angeschlagener Boxer, obwohl sie selber „getroffen“ hat. Eine eigentlich absurde Frage drängt sich beinahe auf: Kommt die Fortuna (aus welchen Gründen auch immer!) ”nervlich” nicht mit einer eigenen Führung zurecht!!?? Auch hat kein “Führungsspieler” unsere Jungs dazu bringen können, aus der „Schockstarre“ auszubrechen (Axel wäre vermutlich ein Kandidat dafür gewesen, wenn er nicht verletzt gewesen wäre), sein Team mitzureissen. Hier war nichts außer einer spürbaren, riesengroßen Leere. Das ist dramatisch. Wie Ihr seht, wachsen uns gerade ziemlich viele graue Haare, die wir uns gleichzeitig bis zum Erbrechen raufen. Wir sind ob der gezeigten Darbietung der Fortuna mittlerweile ziemlich ratlos, wie der Karren nun aus dem Dreck gezogen werden soll. Dass der Umbruch nach dem Abstieg Zeit in Anspruch nehmen würde, war wohl allen Fortunen klar, dafür gab es einfach zu viele neue Elemente und Verletzungssorgen in dieser noch jungen Spielzeit und das Selbstvertrauen muss und mußte neu erarbeitet werden. Wenn man aber so fahrlässig mit einer guten Ausgangsposition, wie zu Beginn der zweiten Halbzeit, umgeht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Karren immer tiefer im (Abstiegs-)Sumpf stecken bleibt. Den Fans wird es mittlerweile auch zu bunt, denn zum ersten mal gab es deutliche Pfiffe nach Spielschluss. Jubelarien waren da nur von den lauten Fans der Sachsen zu hören, die ihr Team während der gesamten Partie vorbildlich unterstützt haben – Kompliment dafür, was für eine Power!

Das einzig positive an der derzeitigen Situation ist, dass es nur drei Punkte Abstand bis zu den vorderen Plätzen in der Tabelle sind. Kurzer Rückblick: Letzte Saison in Liga 1 haben nicht wenige Fortuna-Fans und -Interessierte auch bis in die Rückrunde hinein darüber gesprochen, dass es bis zu den Europa-League-Plätzen ja nur 5-6 Punkte seien. Mehr dazu an dieser Stelle nicht. Wenn sich jedoch Trainer, Spieler und Team besinnen und zu ihren Stärken zurück finden, kann es bei der Konstellation aber durchaus schnell gehen, dass die Niederungen der Tabelle wieder verlassen werden – das Potenzial dafür haben wir im Kader ja nach wie vor. Dies wird aber bestimmt nicht passieren, wenn das Team am nächsten Montag gegen St.Pauli an die Leistung des gestrigen Spiels anknüpft.

Zu guter Letzt würden wir gerne (und auch etwas provokativ) in unserer Frage der Woche von Euch wissen, ob es Mike Büskens schafft, das Ruder rumzureissen.

Hoffen wir auf Besserung beim Reeperbahn-Club!
95 Olé!
Ingo & Niko (sowie Adnan im Geiste!)