Archiv | Juli, 2013

1 Punkt geklaut. 2 Punkte liegen gelassen.

30 Jul

Nur einen Punkt haben wir aus der Stadt mit der siamesischen Kirche geklaut. Dabei haben unsere Jungs 50-55 Minuten richtig dominiert. Doch statt die verdiente Führung auszubauen, bauten sie den Gegner auf und kassierten den Ausgleich. Dass es dann bei der Punkteteilung blieb, ist Fabian Giefer zu verdanken. Doch nach zwei ausgelassenen Riesenchancen und eineinhalb nicht gegebenen Elfmetern ist dieses sicherlich gute Ergebnis im Nachklang ein wenig ärgerlich.

Seit der Wiederauferstehung unserer Fortuna haben wir uns alle das gewünscht, was wir Sonntag nach 14 Jahren wieder endlich bekamen: ein Pflichtspiel gegen die Scheiße vom Dom. Nicht Wenige tröstete dieser Umstand sogar über den Abstieg hinweg. Und so war die Vorfreude exorbitant riesig. „All in weiß“ war die Parole – und es ging wunderbar auf. Unser Fußmarsch ab Benrath löste allseits Diskussionen, Nervösität, unsägliche Hassschriften und unzählige Provokationen aus. Natürlich war genau das der Plan. Das Polizeiaufgebot war folgerichtig riesig und die Anfahrt zum Stadion entwickelte sich zu einem elendig ewigen Unterfangen. Vermutlich war es notwendig, denn 14 Jahre lang hat sich durchaus was angestaut hüben wie drüben… Unsere Kurve war bis auf paar rote Tröpfelchen komplett weiß und vor allem in der ersten Halbzeit unfassbar laut. Die Choreo der Geißbockfetischisten war sicherlich ganz nett, aber sie sollten wohl mal lieber ihr Liederrepertoir etwas auffrischen statt bunte Fähnchen zu malen. Bis zum Ausgleich wirkte deren Support doch eher putzig – ganz wie der andere Club aus ihrer Stadt, der sich auch unbedingt Fortuna nennen will und immer so leise ist. Unfassbar erbärmlich waren ja wohl die Cheerleader vor Spielbeginn auf dem Platz. Also, so ’ne Driss braucht doch echt kein Mensch. Aber auch wir Fortunisten haben uns echten Driss geleistet: Zum Anpfiff jagen wir aus der Kurve unendlich fahrlässig Leuchtraketen durch die Gegend. Wir können heilfroh sein, dass das eine Geschoss, das Richtung Gegentribüne flog, exakt in den Eingangsbereich des Blocks niederging und keinen Zuschauer traf. Es war so scheiße knapp! Aber nun gut – wir wollen ja hier über Fuppes reden…

Kleine Änderung in der Startelf. Keine Änderung in der taktischen Formation.

Mike Büskens hatte eigentlich keinen Grund seine Startauftellung zu ändern, zu gut hatte sich die Fortuna gegen Cottbus präsentiert. Leider, leider war da aber die Verletzung von Latka (Bitte, bitte, schnell wieder fit werden!!!), sodass unser Trainer notgedrungen die Abwehr umstellen musste. Anstelle der beiden zu erwartenden Innenveteidiger Juanan und Soares fand sich ein wenig überraschend Tobi Levels als Abwehrcheff in der Innenveteidigung wieder und Balogun rutschte dafür als RV ins Team. Taktisch wurde die Truppe schön variabel eingestellt; während bei eigenem Ballbesitz in einer 3-5-2 Staffelung gespielt wurde (die AV rücken in die Hälfte des Gegners auf, Bodzek läßt sich zwischen die Innenverteidiger fallen), rückte die Mannschaft ins 4-4-2 System wenn der Gegner am Ball war. Was die Domstadt-Boys aufs Feld schickten, interessierte uns nicht sonderlich. Außer, dass wir zunächst froh waren, dass Halfar nicht in der Startelf war. Aber Ujah stand leider direkt auf dem Platz. Natürlich war noch „unser“ Bröker in deren Reihen – aber auch das interessierte keinen wirklich…

1. HZ: Gespielt und supportet wie bei einem Heimspiel

Die Fortuna beginnt aberwitzig dominant, ließ Ball und Gegner laufen, schob sich entspannt die Kirsche zu und machte deutlich, dass jeder weiß, wo der andere steht. Sobald die ÄffZehler in Ballbesitz waren, setzten unsere Jungs sie so unter Druck, dass denen nichts weiter einfällt, als hohe, unpräzise Pässe aus der Abwehrmitte nach vorne zu kloppen – dementsprechend harmlos gestaltet sich deren Angriffsspiel. Wir stehen richtig gut und lassen dem Gegner keine Räume; zudem wird der ballführende Kolner sofort aggressiv angelaufen, um konzentriertes Aufbauspiel zu unterbinden. „Reise“ und Benschop haben dabei mächtig Kilometer gefressen. Wir sehen eine Fortuna, die von unserem Trainer optimal auf dieses Derby eingestellt wurde – sie ist motiviert bis in die Haarspitzen und will gewinnen. Und so verteidigen wir nicht nur extrem gut, sondern spielen gekonnt, spielerisch das Mittelfeld überbrückend nach vorne. Nach den teilweise debakulösen Auftritten in der Rückrunde mit gebrochenem Selbstvertauen ist es einfach herrlich, unsere Jungs so selbstbewußt auf dem Platz zu erleben. Da steht allein von der Ausstrahlung her eine ganz andere Truppe auf dem Platz. Der Spirit unserer Mannschaft wird bereits in der 12. Minute belohnt: Geißbock Hector verliert die Kugel an Bolly, der eine wunderschöne Flanke von der rechten Seite in die Mitte bringt, Reise steht perfekt am langen Pfosten (diese Saison steht da auch mal einer!). Er geht zum Kopfball hoch und drückt den Ball ideal nach unten… leider genau auf den Geißbock-Keeper, der die Kirsche abwehren kann. Charliston Benschop reagiert aber blitzschnell und drischt die Kirsche kompromisslos und mit reichlich Schmackes aus zwei Metern unter die Latte. TOOOOR!! Die Kurve tobt! Die Daheimgebliebenen liegen sich in den Armen. So setzt man Zeichen: Aggressiv gepresst, Ball erobert, Traumflanke und ein richtiges Torjäger-Tor! Debut-Treffer für Benschop im Derby. Was für ein Auftakt! Unser Jungs sind jetzt „on fire“ und eine Angriffswelle nach der anderen schlägt über den sichtlich überforderten und ungeordneten Gegner ein. Die Mannschaft verpasst es aber, bereits in dieser Phase noch einen draufzusetzen. Einige Bälle bekommen wir gefährlich auf das gegnerische Tor – und Reise muss das Ding kurz vor der Pause eigentlich machen. Unsere Abwehr wird in der 1.HZ überhaupt nicht gefordert. Wir stehen einfach zu gut und Köln ist schlichtweg zu schlecht, um uns ernsthaft zu gefährden. Unsere Verteidiger rücken beim Spielaufbau sogar teilweise bis zur Mittellinie auf – das ist Dominanz. Die Fitzel von Angriffsversuchen der Domstadtbewohner, entschärfen Ersatz-Abwehrchef Levels und Bomheuer ohne Schwierigkeiten. Man wähnt sich (zurecht) in Sicherheit.

2. HZ: Führung nicht ausgebaut. Gegner aufgebaut.

Geißbock-Hofnarr Stöger – Exkurs: In seinem nostalgischen FC-Schnür-Shirt sah der neue Geißbock-Trainer Peter Stöger aus, als hätte er sich in der Jahreszeit geirrt und sich schon für Karneval verkleide. Nur die Narrenkappe fehlte, um das Kostüm als Hofnarr perfekt abzurunden. Aber die hätten unsere Jungs ihm ja beinahe noch aufgesetzt, denn die von ihm eingestellte Mannschaft wurde von unserern Jungs überrant. Exkurs Ende – war natürlich nicht wirklich zufrieden mit dem Auftritt seiner Truppe und brachte mit Lehmann und Halfar (wir ahnen Böses) direkt zwei Neue. Den anderen Spielern muss er in der Kabine kräftig in den Allerwertesten getreten haben: Da hatten die Geißbock-Popos wohl ordentlich Kirmes, denn es kommt ein anderer Gegner zurück auf den Platz. Besonders Halfar macht direkt Alarm. Sie wehren sich plötzlich und spielen sich viel öfter einfache Bälle zu und gewinnen so Sicherheit. Aber auch wir kommen gut aus der Kabine, halten weiter das Zepter in der Hand und spielen auf das zweite Tor hin. Und wir hatten wirklich gute Gelegenheiten. In der 59. Minute gibt es zunächst das nächste Pflichtspieldebüt in unseren Reihen: Levan Kenia wird für „Reise“ eingewechselt. Er hatte kurz zuvor noch eine Riesenmöglichkeit ausgelassen, als ihm im Fünfmeterraum bei hohem Tempo der Innenverteidiger in letzter Sekunde das Leder gegen’s Bein schnippte und er kurz vor der Torlinie den Ball verstolperte – wir wissen ja, ein Filigrantechniker isser nit. Kenia kommt also rein und hinterlässt einen super Eindruck. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung setzt er sich im kolner Strafraum gekonnt durch und will den Ball von der linken Seite in die Mitte spielen. Der Geißbock-Verteidiger kommt mit krakenartigen Arm-Ruder-Bewegungen auf ihn zugestürmt und bekommt den Ball wohin? Natürlich ganz klar an die Hand. Doch das ach so erfahrene Schiri-Team um Knut Kircher sieht es nicht. Überhaupt war dieses Gespann wirklich total daneben – in so vielen Situationen. JEDER im Stadion hat gesehen, dass das ein glasklarer Elfer war, bloß die buchstäblichen Pfeifen des Spiels machen ihrem Hauptinstrument alle Ehre und wir bekommen nur eine Ecke zugesprochen. Idioten! Wir regen uns ab, denn nur vier Minuten später ist es wieder Kenia, der sich auf der linken Seite durchsetzt und das Spielgerät mit einem Traumpass auf unseren bärenstarken Kapitän spielt. Lumpi legt den Ball perfekt für Bolly auf, der sofort schießen müsste… macht er aber leider nicht! Statt dessen versucht er den Ball vorher nochmal anzunehmen, bietet dem Torwart so die Zeit sich vor ihm aufzubauen und schießt dann etwas ungekonnt eben diesen Torwart an. Überlegt mal: Vor der eigenen Kurve hätte sich Bolly so in die Herzen geschossen und Kenia wäre – zusammen mit der Elfmetersituation vorher – zum Derbyheld geworden. Doch NATÜRLICH gehören solche Versäumnisse dazu und der junge Bolly war hinterher sichtlich geknickt.

Das Spiel kippt! Unsere Jungs sind aus der Puste.

Mit der vergebenen Chance sehen wir plötzlich ein anderes Spiel. Koln, das durch die Einwechslungen an Passsicherheit und Selbstvertrauen gewinnt, setzt nun der Fortuna zu und bereits in der 67. Minute zahlt sich leider das Geißbock-Pressing aus. Matuschyk klaut Bodze (ausgerechnet Bodze!!!) in der Vorwärtsbewegung den Ball. Der Ex-Leihfortune schickt Hector, der flankt rein und Ujah versenkt nach geschicktem Laufweg mit einem Flugkopfball das Leder – unhaltbar für Giefer. In der Folge übernehmen die Hausherren das Kommando und die Fortuna wirkt in der Schlussphase auf einmal aufgeregt und ungeordnet. Levels hatte bis hierhin Abwehrchef Latka gut und zweikampfstark vertreten, aber in dieser Phase fehlt die Ruhe und die ordnende Hand des routinierten Tschechen, um den aufgeschreckten Hühnerhaufen zu beruhigen. Die Bälle werden nur noch nach vorne gebolzt. Giefer jagt Abschläge ins Aus. Nun wird selbst das Karnevalspublikum laut. Es gibt keine Entlastung durch eigene Angriffe mehr, unserer linken Seite gehen die Kräfte aus und es entstehen klaffende Lücken. Ein wenig riecht es sogar nach dem 2-1. Ungefähr ab der  75. Minute fragen wir uns, wann Büskens wohl Gianniotas für Bolly bringt, denn der junge Grieche hatte gegen Cottbus ja durchaus nochmal für Wirbel und Entlastung in der Schlussphase gesorgt. Zudem war Bolly nach einem laufintensiven Spiel einfach platt – bezeichnend ist seine Aktion in der Schlussphase, als er einen Pass in den Lauf gespielt bekommt: Der Gegenspieler steht zwar besser zum Ball und rennt los. Doch Bolly senkt im Stile eines Sprinters den Kopf, heizt los und ist gefühlte fünf Minuten eher am Ball. Leider ist er aber konditionell schon so feddich, dass er keinen vernünftigen Pass mehr spielen kann und verweilt nach seinem Fehlpass erstmal für eine Weile kopfübergebeugt keuchend in des Gegners Hälfte. Auch kann er Balogun hinten nicht mehr aushelfen. Und so stürmen die *ölner weiter. Schließlich rettet uns Fabi Giefer nach einem Kopfball von Ujah mit sensationeller Parade den Punkt. Auch wenn sicherlich mehr drin war – Mike Büskens macht es während der PK deutlich – muss man wohl wegen der letzten 20-25 Minuten zufrieden sein mit dem Unentschieden.

Personelles und der Blick nach vorne!

Es ist sehr erfreulich, dass Levels erneut eine starke Partie gespielt hat. Das gibt ihm und dem Team Sicherheit und bringt Ruhe rein. Auf ihn kann gezählt werden und Büskens hat ihn explizit gelobt, um Levels auch mental zu puschen. Bomheuer stand wieder sehr gut, zeigte am Ende aber, dass er unter massivem Druck eben noch etwas anfällig ist. Ramirez ist wieder ordentlich abgegangen. Am Ende stand er häufig zu offensiv, sodass seine Seite etwas offen stand. Mag auch konditionell bedingt gewesen sein. Bodzek leistete sich leider einen Riesenbock (bitte nur 1 Mal „Bockzek“), der zum Ausgleich führte. Ansonsten ordnet er das Spiel gut und hatte auch diesmal eine echt starke Präsenz auf dem Platz. Lumpi gehörte zu den stärksten auf dem Platz. Seine sensationelle Abwehraktion gegen Ujah wurde völlig zu Unrecht als Foul gewertet. Er hat nicht nur viele Bälle erobert, sondern auch gute Bälle verteilt. Aber auch er zeigte am Ende unter Druck die typischen Abspielschwächen. Benschop dürfte ebenfalls zu den Stärksten gezählt haben. Nicht nur wegen des Tores. Er hat super mitverteidigt – aber er braucht noch etwas mehr Fitness, um das 90 Minuten lang durchzustehen. Auf einen dürfen wir gespannt sein: Levan Kenia. Der hat das Zeug, das Spiel an sich zu reißen und richtig schnell zu machen. Hoffen wir nur, dass er fit bleibt. Dann dürfte er auf der #10 (die er nicht ohne Grund trägt) noch für mächtig Wirbel sorgen.

Vielleicht eignet sich das Pokalspiel dazu, offensiv einiges auszuprobieren. Das Potenzial unserer Vorderleute ist absolut sichtbar. Wenn sie sich jetzt noch richtig abstimmen und die jeweiligen Laufwege und Ideen besser antizipieren, dürfte Einiges abgehen. Wir sind zuversichtlich und gespannt.

Zum Abschluss möchten wir Euch gerne fragen, wie Ihr (nach zwei Nächten drüber Schlafen) das Derby erlebt habt. Ein Stimmungsbild wäre sicher mal interessant – siehe Umfrage unten.

So, und nun alles auf DFB-Pokal. Warum auch nicht?

Gruß,

Ingo & Adnan

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Vom Punkt drei Punkte zum Auftakt

24 Jul

Der Saisonauftakt ist gelungen. Unsere Jungs bezwingen Energie Cottbus nach einer richtig guten Partie mit 1-0. Dabei feiern besonders die drei Neuen auf dem Platz ein großartiges Pflichtspieldebut. Das Wiedersehen mit Robert Almer war indes zum Verzweifeln schön…

Jaaaaaa, verdammt!!! Nach 26 Wochen (= einem HALBEN Jahr) haben wir endlich wieder unsere Mannschaft Siegen sehen. Das Schöne daran: Es war ein wirklich verdienter Sieg. Wir begannen topmotiviert und mit offensichtlichem Vorwärtsdrang. Und es war einfach nur dem aberwitzig gut aufgelegten Robert Almer geschuldet, dass wir nicht in Führung gegangen sind und es sich erst nach einem Elfer „ausgealmert“ hatte. Natürlich war er bis in die Handschuhspitzen motiviert, an seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu zeigen, was für ein guter Torwart er ist. Und natürlich dachte manch einer sofort „Boah, hätte der mal die Rückrunde gespielt!“, blaaablaablaa. Müßiger, spekulativer Unsinn. Wir sind im Hier und Jetzt. Und eben diese Gegenwart fühlt sich gut an, weil das Stadion trotz Zweite Liga und Montagsspiel mit 34.000 sehr gut gefüllt war und die Stimmung teilweise alle Blöcke ergriff. Dass dann Cristian Ramirez bei seinem allerersten Pflichtspiel gleich als gefühlter „man of the match“ die Humba machen darf, krönt einen wundervollen Abend. Schauen wir uns aber mal genauer den ersten Auftritt unserer Jungs an:

Wer, warum, wo auf dem Platz stand!

Nachdem sich Mike Büskens also in der Torwartfrage für Fabian Giefer als neue Nummer 1 entschieden hatte, gab es für die Startaufstellung im 4-4-2 System eigentlich nur noch zwei, drei weitere Positionen, die offen waren: Wer spielt hinten rechts (RV)? Wer vorne rechts (RM)? Und wer stürmt neben Reise? Als RV setzte sich Levels gegen Balogun durch und komplettierte die Viererkette um Abwehrchef Latka, neben dem mit Ramirez und Bomheuer gleich zwei vielversprechenden Abwehrtalente ein großartiges Debut für die Fortuna gaben. Auf den Außen begannen als RM Bolly (der den Vorzug vor Giannotas bekam) und Bellinghausen. Die Mittelfeldzentrale war, wie zu erwarten, mit Bodzek und Lumpi besetzt. Als Sturmpartner für „Reise“ durfte Neuzugang Benschop ran. Auf Seiten der Gäste stellte Fortuna-Ikone und Cottbus-Trainer Rudi Bommer eine Truppe auf, die schon aufgrund der Namen auf dem Spielbericht zu den Geheimfavoriten der Saison zählen dürfte. Mit Jendrisek, Sanogo, Kruska, Möhrle und Takyi haben die Lausitzer einige Spieler in ihren Reihen, die auch schon ihre Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt haben. Mit Robert Almer haben sie zudem einen erstligataugliche Torhüter, der gegen seine alten Kollegen zur (fast) unüberwindbaren Nemesis werden sollte.

1. HZ Offensivdrang und Torchancen!

In den ersten Minuten der Partie ist der Fortuna deutlich ihre große Motivation, aber auch Nervösität anzumerken. Es ist viel Hektik im Spiel und die misslungenen Passstaffetten („Fortuna-Tiki-Taka“) erinnern ein wenig an die letzte Saison. Dies ist aber auch dem guten Pressing der Cottbusser geschuldet, die unsere Jungs gerade in der Mitte früh unter Druck setzen. Es dauert ein paar Minuten, bis die Fortuna die Nerven in den Griff bekommt und echter Spielfluss entsteht. Bomheuer gelingen nun sehr gute, schlichte Spieleröffnungen – mal ein hoher Ball; mal flach gespielt. Und besonders unsere linke Seite mit Ramirez und Axel setzt der Energie ordentlich zu. Bei der wohl schönsten Kombination spielen die beiden in hohem Tempo einen Doppelpass am gegnerischen Strafraum; der Ball wird auf den starken Benschop in den Strafraum gespielt, der dann die Pille mit der Hacke in den freien Raum legt, wo der anpesende Axel die Kirsche gekonnt in Richtung Strafraummitte mitnimmt und auf’s Tor zimmert. Ex-Fortune Almer zeigt aber in dieser Situation einen tollen Reflex und pariert, obwohl der Ball gegen seine Laufrichtung kommt. Die Aktion hätte echt ein Tor verdient gehabt. Aber solche Szenen machen uns Mut – für das Spiel und die gesamte Saison. Denn in der ersten Halbzeit gibt es noch weitere Darbietungen unserer Jungs, die dem Liebhaber der filigranen Ballkunst ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern und tausendfache „Jawoll!!!“ und „Sauber, Junge!!!“ Aufschreie in der Arena ertönen lassen. Bis zum Ende der Halbzeit erspielt sich die Fortuna 4-5 richtig gute Chancen und scheitert eben nur am überstark parierenden Almer. Der Junge war so gut aufgelegt, dass „Reise“ ihm zwei Mal zu seinen Paraden gratulierte (nominiert für den Adnan-Fairness-Preis!). Es gab nach etwa 25 Minuten eine kleine Schwächephase, in der sich unser Team etwas gehen ließ und Cottbus Spielanteile gewann. Doch bis auf einen satten Distanzschuss kam nichts Gefährliches auf Giefers Tor.

2. HZ: Noch mehr Offensivpower und echter Siegeswille

Auch in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff ist die Partie etwas zerfahren und unsere Jungs brauchen wieder eine (kurze) Weile, um sich auf den Gegner einzustellen und über die Außen in Fahrt zu kommen. Dies gelingt dann aber immer besser. Es spielt nach 50-55 Minuten eigentlich nur noch die Fortuna. Die Gäste werden hinten eingeschnürt. In der 64. Minute ist es dann endlich so weit und wir machen uns bereit für den ersten Torjubel der Saison – Elfmeter – und zwar völlig zurecht. Bellinghausen kommt über die linke Seite angestürmt und spielt einen wirklich guten Pass in die Tiefen des Strafraums; „Reise“ bekommt den Ball und wird aber von seinem Gegenspieler Schulze ziemlich unbedarft umgeholzt. Dem Totalausfall von einem Schiri bleibt da nichts anderes als der Elfer-Pfiff übrig. Wider der alten Weisheit „der Gefoulte soll nicht selbst schießen“, tritt Reisinger zum Elfmeterduell gegen seine alten Spezi Almer an und trifft souverän. Dabei war es amüsant, dass sich Almer für genau die Ecke entscheidet, in die „Reise“ seinen Elfer gegen Monaco verwandelt hatte. Pech gehabt, Robert! 😉 Es hat schon einen Elfmeter gebraucht, um ihn zu überwinden. Nach der verdienten Führung wechselt Büskens zum ersten Mal und bringt für Bolly Neuzugang Gianniotas (ausgesprochen: Janjotas). Dieser bringt sich sofort und ohne große Anlaufschwierigkeiten in das Spiel ein und macht über die rechte Seite mächtig Dampf – mit Zug zum Tor. Nur wenige Minuten später geht Benschop nach toller Leistung, ausgepumpt und mit Wadenkrämpfen vom Platz. Für ihn kommt Youngster Wegkamp. Unsere Jungs drücken weiter und erarbeiten sich weitere Chancen. Allein Gianniotes suchte zwei Mal den Abschluss. Die wollten noch einen drauflegen. Aber Cottbus wollte nun auch nicht so leicht die Punkte hergeben. In der Schlussphase holen sie die Brechstange (hohe Bälle) raus, um doch noch den benötigten Ausgleichstreffer zu erzielen. Dabei besitzt die Fortuna aber in diesem Spiel das Glück des Tüchtigen und fängt sich nach einer starken mannschaftlichen Leistung eben KEINEN Treffer mehr, so dass die drei Punkte absolut verdient in Düsseldorf bleiben.

Tolle Debutanten und „Ramirez, ooohoooh! Ramirez ooohohoho!“

Beim ersten Spiel der Saison gab es schon einige Dinge, die uns hoffnungsvoll auf den weiteren Saisonverlauf blicken lassen, denn die Handschrift des neuen Trainers ist direkt erkennbar – Fortuna ist viel offensiver ausgerichtet als in den letzten Jahren. Das Team wirkt zudem insgesamt passsicherer. Alle Neuen haben beim Debut einen richtig guten Eindruck hinterlassen; Charliston Benschop (alias Will Smith) hat eigentlich in allen relevanten Belangen überzeugt. Ballan- und mitnahme, Schnelligkeit, Passspiel und Handlungsschnelligkeit haben gut ausgesehen; zudem hat er ordentlich gepresst und auch nach hinten gearbeitet. Seine geschmeidige Kopfballverlängerung nach Freistoß von Bellinghausen hätten andere Torhüter nicht rausgefischt. Auch Dustin Bomheuer war richtig stark. Er strahlt für sein Alter eine Wahnsinns-Souveränität aus und spielt neben Latka, als hätte er nie etwas Anderes getan. Er hat sehr gute Ansätze im Spielaufbau gezeigt. Unsere für Bolly eingewechselte #22 Gianniotas hat deutlich gemacht, dass er sich für die Startelf empfehlen wird. Er war sofort in der Partie, hat zu Flügelläufen angesetzt und war torgefährlich. Wer allerdings am meisten rausgestochen hat, ist der kleine Ecudorianer auf links: Cristian Ramierz lässt allein mit seiner Körpersprache und dem absolut fokussierten Gesichtsausdruck auf ein riesiges Selbstvertrauen schließen, das er am Montag auch auf dem Platz gezeigt hat. Die Szene an der Seitenlinie, als er mit seinem Gegenspieler aneinander rasselt und in die cottbusser Trainerbank semmelt, sprach Bände: Beide Spieler drängeln und rempeln, fallen hin; der Cottbusser stürmt auf Ramirez zu und baut sich wild gestikulierent vor ihm auf – aber was macht unser Jungspund? Vermeintlich südländisches Temparament zeigen? Nix da! Er bleibt einfach stehen, verzieht keine Miene, die Brust raus und das Kreuz durchgestreckt und schaut dem Gegner mit eiskaltem Blick in die Augen! Cooler und abgezockter geht nicht – und das mit 18 Jahren, beim Pflichtspieldebut in der Arena – Hut ab!!! Ohne jetzt die Erwartungen zu hoch hängen zu wollen, aber Cristian Ramirez erinnert einen doch irgendwie an David Alaba. Zwar ist er Linkfüßer, aber kann auch mit rechts passen oder die Pille führen. Neben dem Selbstvertrauen (bitte auf keinen Fall mit Arroganz verwechseln), bringt Ramirez Schnelligkeit, Cleverness, Zweikampfstärke und eine dicke Portion fußballerische Qualität auf den Platz – der Junge ist mehr als ein Rohdiamant. Wie viele andere Talente, muss dieser aber noch von unserem Coach geschliffen werden, dies ist unserem Trainer aber absolut zuzutrauen. Vor allem wenn man sich mal anschaut, wie sehr Mike Büskens jetzt schon auf die Jugend baut und ihr Selbstvertrauen durch Einsätze und Zuspruch gibt. Herzerwärmend war auch die Szene nach Abfiff, als sich Büskens zum Jubeln auf Ramirez stürzte. Dass unsere „Young Guns“ auf ihrem Weg auch den ein- oder anderen Fehler machen werden, wird nicht zu vermeiden sein, aber bei der Freude, die sie uns bereiten,  werden Verein und Fans ihnen vieles nachsehen.

Keine Zeit für Eklats und Theater, denn ES IST DERBY-TIME!

Das Beste am sogenannten Eklat von Montag ist, dass er eigentlich schon wieder vorbei ist. Rensing hat sich entschuldigt, und jut is‘! All diejenigen, die ihn jetzt am liebsten suspendiert sehen wollen, sollen echt mal… ähm, Moment. Abhaken, feddich!! Blicken wir lieber mit UNFASSBARER Vorfreude auf den kommenden Sonntag: Nach einer EWIGKEIT geht es endlich wieder in einem Pflichtspiel gegen die Scheiße vom Dom. Eine absolut sensationelle Einstimmung ist der FORTUNA KLAUT KOLN PUNKTE Clip. Absolut gewaltfrei und ohne Palaver unter der Gürtellinie und dennoch entwürdigend – so geht Fanrivalität!

Oft werden ja Spieler und ganze Mannschaften dafür kritisiert, während eines Spiels mit den Köpfen schon beim nächsten Spiel zu sein. Diesmal könnte man uns Fans diesen Hut aufsetzen 🙂 Schon vor Abpfiff unseres Spiels gegen Cottbuss brüllten wir AUSWÄRTSSIEG, AUSWÄRTSSIEG! Und selbst die obligatorische Feier-Hymne unserer Hosen mussten wir mit „Cologne, Cologne, die Scheiße vom Dom!“ übersingen. Ist doch aber super so. Diese Freude ist vollkommen berechtigt und lässt so ein wenig die Frage aufkommen: Wer oder was ist dieser Abstieg?

Wir freuen uns auf das Derby und können es kaum abwarten, darüber zu schreiben. Ja, auch wir sind schon beim nächsten Spiel 🙂

In diesem Sinne

Adnan & Ingo

PS: Ab sofort gibt es eine „Frage der Woche“, zu der wir unbedingt Eure Antworten wissen wollen. Los geht das:

Startschuss Olé!

19 Jul

So, werte F95-Community! Bitte anschnallen, denn es geht endlich in die neue Saison! Ärgernis und Trauer über den vermutlich vermeidbarsten Abstieg unserer Vereinsgeschichte sind vollends verflogen. Denn die Vorfreude auf eine neue Saison mit unserer geliebten FORTUNA hat ihr Maximal-Level erreicht. Niemand kann mehr warten, bis die Kirsche endlich wieder rollt. Es hat sich in den vergangenen Wochen viel getan bei unserer Mannschaft und man darf gespannt sein, wie sich das sportlich auswirken wird. Um mal etwas zu sortieren, wie wir nun aufgestellt sind und was man von unseren Jungs erwarten kann, nehmen wir uns in unserem Eröffnungsblog der Saison 13/14 einen ausgedehnten Kadercheck vor. Anschließend sollten wir in der Lage sein, zu formulieren, mit welcher Zielsetzung unsere Jungs an den Start gehen. Und los geht das…

Im Tor: Luxusproblem oder heikler Zweikampf zwischen den Pfosten?

Wir hatten ja schon vergangene Saison wirklich starke Keeper in unseren Reihen. Mit dem Weggang von Robert Almer und dem Neuzugang Michael Rensing hat sich unsere Situation dahingehend aber sogar noch verbessert. Er und Giefer sind erstligataugliche Torhüter – Rensing gar mit Erfahrung auf Topniveau. Während Giefer bei hohen Bällen und auf der Linie riesiges Potenzial gezeigt hat, ist Rensing wohl der Bessere bei Spieleröffnung und Abstimmung mit der Abwehrreihe. Es ist zu hoffen und durchaus denkbar, dass Giefer und Rensing einander zu Bestleistungen drängen.

Mit zwei solchen Knaller-Keepern gesegnet zu sein, birgt aber auch eine gewisse Gefahr in sich. Jürgen Klinsmann kann da bestimmt ein Liedchen von zwitschern, wenn man sich ein Mal an die medialen Kahn-Lehmann-Tumulte zurückerinnert. Giefer und Rensing sind beide selbstbewusst; der Eine mit überdurchschnittlichem Talent; der Andere mit überdurchschnittlicher Erfahrung. Beide sind zu 100% davon überzeugt, die klare Nummer 1 zu sein. Hoffen wir mal, dass Torwarttrainer Oliver Reck und Chefcoach Mike Büskens diesen potentiellen Unruheherd schon im Keim ersticken und sich die Jungs auch untereinander respektvoll verhalten; denn stänkernde Bankdrücker könnten für das Teamgefüge und die Konzentration bei der Mission Wiederaufstieg doch recht kontraproduktiv sein.

Kurzum: Wir sind im Tor top aufgestellt! Andere Zweitliga-Clubs und gar mancher Erstligist dürften uns darum beneiden.


Die Abwehrreihe: Innen massiv; außen rasant!

Schauen wir uns zunächst unsere Innenverteidiger an: Hier finden wir eine gute Mischung aus Erfahrung und Talent vor. Mit Martin Latka – dem Königstransfer der letzten Winterpause – und Stelios Malezas haben wir zwei Nationalspieler. Über Latkas Qualitäten muss man nichts mehr sagen: schlichtweg grandioser Abwehrspieler. Gut, dass er bei uns bleibt. Malezas hatte nun Verletzungspech, ist aber in Normalform auch ein wirklich sicherer Rückhalt. Dustin Bomheuer hat im Testspiel gegen AS Monaco viele beeindruckt: gutes Stellungsspiel, reaktionsschnell und sogar flink auf den Beinen. Die Abstimmung mit Latka passte. Dahinter hätten wir dann noch Bruno Soares, dem zu wünschen ist, dass er endlich länger verletzungsfrei bleibt; und eben noch Juanan, dessen Leistung in der Bundesliga arg durch seine eineinhalb Eigentoren verzerrt wurde – er hat teilweise sehr solide Spiele gezeigt und wird in der zweiten Liga locker bestehen können. Er dürfte aber dritte oder vierte Wahl sein.

Kommen wir zu den Außenverteidigern: im Vorbereitungsspiel gegen Monaco waren die taktischen Änderungen im Spiel der Fortuna unter Mike Büskens am deutlichsten bei den AV sichtbar. Insgesamt standen sie viel höher als noch in der letzten Spielzeit. Balogun, Ramirez und später auch Levels schalteten sich immer wieder in Angriffe ein und setzten die Monegassen ordentlich unter Druck; daraus resultierten das 1:0 durch Reisinger und der Elfmeter nach dem Doppelfoul an Gianniotas und Levels. Nach der Verpflichtung von Heinrich Schmidtgal waren wir uns absolut darüber einig, dass der Ex-Fürther alles mitbringt, um die linke Seite der Fortuna zu beackern. Da „Heini“, das Kraftpaket, sich aber leider noch mit einer älteren Verletzung rumplagte und somit großteilig die Vorbereitung verpasste, gelang es dem im Winter verpflichteten Ramirez sich für die Erste Elf wärmstens zu empfehlen. Was der junge Ecuadorianer im Test gegen Monaco auf den Platz brachte, war schon sehr beeindruckend. Quirlig, schnell, passsicher, technisch stark und zudem ordentlich bissig und trotz seiner Größe zweikampfstark. Wenn der Junge das Gezeigte in den ersten Ligaspielen bestätigt, wird es für Schmidtgal nicht einfach in die Startelf zukommen. Auf der rechten Seite wird die Entscheidung für Büskens wohl ähnlich schwer wie die Beantwortung der Torwartfrage. Levels und Balogun bewegen sich auf sehr ähnlichem Niveau. Beide machten gegen Monaco nach vorne Dampf und standen auch nach hinten gut; beide haben sich bei vergleichsweise wenig Stockfehlern gut ins Kombinationsspiel eingeschaltet. Balogun hat im direkten Vergleich sicherlich Vorteile bei der Schnelligkeit und im Kopfballspiel, während Levels der Bissigere der Beiden ist. Wenn man sich mal erinnert, welche WAHNSINNS-QUALITÄT  bei den Gegenspielern unserer AV in der Bundesliga am Start war (Ribery, Farfan, Reus, Kuba, Elia, Schürrle, blablabla) sieht das Ganze in der zweiten Liga weitaus entspannter aus. Dem sind unsere Jungs ganz sicher gewachsen.

Kurzum: Wir verfügen über eine richtig starke Abwehrreihe. Auch hier dürften wir ligaweit am besten besetzt sein.


Das defensive Mittelfeld
: Staubsauger, Kampfschweine, Laufwunder, Techniker?

Streng genommen verfügt Mike Büskens über vier Spieler, die für das zentrale, eher defensive Mittelfeld in Frage kommen. Adam Bodzek war bis auf seine verletzungsbedingte Auszeit in der vergangenen Saison einer unserer konstantesten und besten Akteure. Er gewinnt enorm viele Bälle an strategisch wichtigen Punkten und hat gelernt, viel weniger zu foulen. Wenn er jetzt noch stärker im Spielaufbau werden würde, stellt er einen kompletten „Sechser“ dar. Lumpi wird stets neben oder leicht vor ihm auflaufen. Ohne Zweifel wird das Leben für Lumpi in der Zweiten Liga leichter – es geht alles nicht so schnell und auch physisch dürften die Gegner nicht mehr so stark sein. Neben Bodzek wird er seinen Startplatz erst mal sicher haben. Oliver Fink hat es versäumt, konstant seine technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Mal blitzten sie auf, doch dann zeigte er wieder durchwachsene Leistungen. Vielleicht war aber auch für ihn und seinem eher offensiver ausgerichteten Spiel in der Mittelfeldzentrale die Bundesliga eine Nummer zu groß. Bleibt noch Ivan Paurevic. Er kam tatsächlich noch mal am letzten Spieltag gegen Hannover zum Einsatz. Er wird seine Chance bekommen – gerne auch mal als Einwechslung, wenn einer der 6er schon die Gelbe Karte gesehen hat.

Es gibt aber noch einen fünfte Mann für das zentrale Mittelfeld: Neuzgang Christian Gartner ist ein potentielles Top-Talent im Kader – als 8er oder auch als 10er denkbar. Der Österreicher aus dem beschaulichen Mattersburg war in seiner Entwicklung durchgehend ein Eckpfeiler und sogar Kapitän diverser U-Mannschaften seines Landes; neben einem guten „Auge“ und Spielintelligenz wird dem 19-jährigen auch ein sehr präzises Passspiel nachgesagt – alles Qualitäten, die wir auch in der letzten Saison gut hätten gebrauchen können. Wenn sich Gartner eingelebt und akklimatisiert hat, wird er zur ernsten Konkurrenz vor allem für Lumpi. Wenn sich seine Entwicklung bestätigt und die Fortuna in Zukunft ihr Heil in der Offensive sucht, dann passt Gartner als passsicherer 8er eventuell besser ins System als unser verehrter Kapitän, der seine Stärken eher in der Balleroberung hat. Das wird spannend.

Kurzum: Wir sind in der Mittelfeldzentrale gut aufgestellt. Entscheidend wird die Frage sein, ob das grundsolide Abwehrverhalten auch in kreativen Spielaufbau münden wird. Dann wären wir nicht nur gut, sondern verdammt gut aufgestellt.


Das offensive Mittelfeld

Für das  offensive Mittelfeld hat Wolf Werner die meisten Neuverpflichtungen präsentiert. Für die beiden  äußeren Mittelfeldpositionen wurden als Konkurrenten für Bolly und Bellinghausen der Australier Ben Halloran und der griechische U-20 Nationalspieler Giannis Gianniotas verpflichtet. Beide haben in etwa die gleichen Stärken und sind echte „Dampfmacher“. Im Spiel gegen die neu(wieder)reichen Steuergünstlinge hinterließen beide einen guten Eindruck; gerade der junge Grieche, der nach der gespielten U-20 Weltmeisterschaft eigentlich gar keinen Urlaub hatte und direkt ins zweite Trainigslager zur Mannschaft gestoßen war, stellte selbst erfahrene Championsleague-Gewinner wie Eric Abidal mit seinen Tempodribblings vor Probleme.

In der letzten Saison waren Voronin und Ilsö als kreative Vorlagengeber für die Zentrale der Fortuna auserkoren und versagten zu unser aller Leidwesen auf ganzer Linie. Aber neue Liga, neues Glück! Mit Lewan Kenia haben wir einen hochtalentierten neuen 10er, der vom ehemaligen Bundesligatrainer Klaus Toppmöller über den grünen Klee gelobt wurde. Der gleiche Toppi hat übrigens in Leverkusen Ballack und Lucio zu Weltklassespielern geformt und über den damals noch ziemlich unbekannten Dimitar Berbatov so ziemlich das Gleiche gesagt, wie auch über Kenia. Hoffen wir mal, dass Toppmöller Recht behält und Kenia nach seiner langen Verletzung bei uns sein Talent ausschöpft. Dann hätte er das Zeug, die Fortuna zurück in die erste Liga zuführen.

Kurzum: Besonders auf diesen Positionen haben wir sehr viele Talente – allerdings muss sich dieses Talent erst entwickeln. Somit ist die Offensivabteilung im Mittelfeld noch kein Garant. Da werden wir abwarten müssen.


Abteilung ATTACKE: Die jungen Wilden und der „Reise“

Geben wir es zu: Wir haben uns einen Knipser gewünscht. Jemanden, bei dem klar ist: Hat der die Pille, knülzt er sie rein. Aber Fakt ist leider auch, dass das europaweit übernommene 4-2-3-1 System genau diesen Spielertypen aussterben lässt. Alles kommt über außen – selbst die Torschützen. Da werden gute Stürmer für die klassische 9er Position Mangelware. An Poté waren wir dran; ebenso an Olivier Occean und sogar Gerald Asamoah – angeblich. Nun ist unser Neuzugang Charliston Benschop. Großgewachsen, bullig, aber dennoch beweglich. Im letzten Test gegen Büderich hat er sich gut in Szene gesetzt. Wir sind gespannt, was er reißen kann. Zweitliga-Format sollte er in jedem Fall haben. Von fürchterlichem Pech war die Überraschungsentdeckung der Vorbereitung verfolgt: Ilhas Bebou, eine echte Perle aus unserer Jugend. Er hat in den Testspielen richtig Alarm gemacht. Es ist zu hoffen, dass er schnell den Anschluss an das Mannschaftstraining findet und ihm Mike Büskens dann auch wieder die Chance gibt, sich zu zeigen – das muss unseren Trainer von Norbert Meier unterscheiden.

Unter Meier hatte Gerrit Wegkamp die Möglichkeit, ein paar Minütchen Bundesligaluft zuschnuppern – allerdings auch nicht mehr. Für seinen Neuanfang unter Büskens scheint er sich viel vorgenommen zuhaben, denn in der Vorbereitung hat er sich als treffsichere Alternative präsentiert. Gerade die Chemie mit Stefan „Reise“ Reisinger scheint in der Offensive zu stimmen. Gegen Monaco erzielten sie immerhin alle Tore und haben auch ganz ordentliches Pressing gespielt. Reisinger ist im Kader sicherlich der Stürmer mit der größten Erfahrung und dürfte in der zweiten Liga für eine zweistellige Torquote gut sein.

Kurzum: Ein Reise in Normalform und ein Durchstarter unter unseren Jungspunden da vorne könnten viel Freude bereiten. Torgranaten haben wir weiterhin nicht. Aber, wer hat die schon in Liga 2…?

Der Glaube an junge Talente!

Insgesamt ist es schön zu beobachten, dass wir uns diesmal gleich mehrere talentierte Jungspunde geangelt und (bis auf Benschop) alle auch fest verpflichtet haben – angeblich sogar ohne Ausstiegsklauseln! Da hat der Verein aus der Vergangenheit, als wir die Harniks, Beisters, Kruses und Lukimyas ziehen lassen mussten, gelernt. Die Fortuna hat mit Bomheuer, Gartner, Kenia, Halloran und Gianniotas gleich fünf äußerst talentierte Youngster verpflichtet; falls nur zwei davon den „Maxi Beister“ machen und bei uns richtig durchstarten, werden wir viel Freude an ihnen haben. Dazu kommen ja noch aus dem letzten Jahr Ramirez, Wegkamp, Omae und Bolly, die ebenfalls noch eine Menge Entwicklungspotential in Petto haben und zu guter letzt hat der Verein ein paar Toptalente der eigenen Jugendabteilung mit Verträgen ausgestattet. Es scheint so, als wäre es Wolf Werner und Mike Büskens gelungen, eine gute Mischung aus routinierten (aber nicht alten) Profis und jungen Wilden zusammenzustellen. Es bleibt allerdings auch abzuwarten, wie schnell sich die Neuen integrieren. Hier muss man gerade bei jungen Spielern geduldig sein.

Ausgangssituation & Konkurrenz: Alles auf Wiederaufstieg?

Die Konkurrenz schläft nicht – in diversen Umfragen zur zweiten Liga sind sich die Experten einig, dass es in der Jubiläumssaison (Allet Jute zum Vierzigsten!) ein ziemliches Hauen und Stechen um die Aufstiegsplätze geben wird, bei dem die halbe Liga beteiligt sein wird. Gehen wir mal durch, wer ganz oben mitspielen dürfte:

Natürlich ist der 1. FC Kaiserlautern als Drittplatzierter der Vorsaison zu nennen. Da Braunschweig und die verschissene Hertha eine überragende Saison gespielt hatten, konnten die Roten Teufel nur abgeschlagen Dritter werden. Doch man sah in den Relegationsspielen gegen Hoffenheim, dass den Lauterern letztlich eine Menge gefehlt hat. Einzig Baumjohann zeigte erstligataugliche Qualitäten – und der ist jetzt weg. Es stellt sich daher die Frage, wer Mo Idrissou und den Frisch „verteufelten“ Olivier Occean versorgen soll. Daher ist Lautern auf dem Papier zwar stark; es ist aber denkbar, dass sie der Weggang von Baumjohann stark schwächt. Mitabsteiger Greuther Fürth muss hingegen allein schon aufgrund des selbst in der Bundesliga stets gezeigten Offensivfußballs als Topfavorit gelten. Sie spielen seit Jahren offensiv und haben in der Bundesliga lediglich zu viele Buden hinten kassiert und vorne die Dinger nicht gemacht. Der Qualitätsabfall in der Zweiten Liga wird besonders der Fürther Spielphilosophie zugute kommen – zudem ist die Truppe eingespielt. Leider müssen wir an dieser Stelle auch die Unaussprechlichen aus _ #+%öln nennen. „Däh Effzeh“ hat in der letzten Saison unter Stanislawski etwas zu spät die Kurve gekriegt und ist lustigerweise dem Aufstieg aus dem Weg gegangen. Auch das Team scheint sehr eingespielt. Dank ihres Verbleibs in Liga 2 werden wir endlich wieder richtige Derbys bekommen, wo wir denen am besten zwei Mal zeigen werden, wer am Rhein das Sagen hat! Trotzdem werden sie es uns schwer machen. Mit Ujah, Risse und Halfer wurde die Offensive gut verstärkt und mit Schmadkte ist ihnen leider wirklich der echte Coup gelungen. Wenn sie ihn lassen, wird er aus unserem Nachbarn einen wirklich ernstzunehmenden Gegner im Aufstiegsrennen machen. Eine absolute Variable ist hierbei aber noch der neue Trainer Stöger.

Als Geheimfavoriten könnte man den VFL Bochum bezeichnen. Unter Schnäutzerlegende Peter Neururer ist denen wirklich alles zuzutrauen. Mit Christian Tiffert haben die Ruhrpottler zudem einen sehr cleveren Transfer eingetütet und einen neuen Leader verpflichtet und mit Sukuta-Pasu, der seit Jahren als Top-Talent im deutschen Fußball gehandelt wird, hat sich ein weiterer sehr interessanter Stürmer den Bochumern angeschlossen. Nicht vergessen sollten wir bei all dem Union Berlin, FSV Frankfurt, Energie Cottbus und 1860 München. Die spielen eigentlich immer wieder irgendwie da oben mit, gleichen manchmal einer Wundertüte. Also: Obacht!

Jetzt darf es aber auch bitte losgehen!

Nun gut – wir haben nun genug rumsinniert. Auch wir wollen jetzt einfach nur noch den Anpfiff hören und unsere Jungs in Rot anpeitschen. Wir freuen uns wie Bolle (und Bolly) auf die neue Saison und hoffen, Euch Woche für Woche interessante Diskussionen und Analyen zu den Spielen zu liefern. Über 23.000 verkaufte Dauerkarten machen deutlich, dass das Herz der Stadt weiter für die Fortuna pocht – denn Liebe kennt keine Liga!

Der Countdown läuft – in diesem Sinne!

Ingo & Adnan