Archiv | März, 2013

1-4 gegen „Schürrling“

31 Mrz

Unsere Jungs verlieren nach beherzter Leistung etwas zu hoch gegen eine brutal effiziente Leverkusener Truppe. Wir stießen an die Grenzen dessen, was mit Siegeswillen und Leidenschaft allein gegen starke Gegner mit einem Topsturm zu holen ist.

Soooo, Länderspielpause überstanden. Die gute Nachricht, dass Latka, Kruse und Malezas ohne Verletzung von ihren Einsätzen zurückkehrten, wurde getrübt durch die Meldung, dass Bodzek gegen Leverkusen ausfallen würde. Er gehört mittlerweile zu den wirklich unersetzlichen Spielern bei uns. Und besonders gegen spielerisch stark aufgestellte Mannschaften, bedarf es eines Bodzek, um dem Gegner die (Spiel-)Laune zu verderben. Auch die Meldung, dass Soares‘ alte Verletzung wieder aufgetreten ist und er weitere Wochen ausfallen wird, wiegte schwer. Das muss für ihn die (sportliche) Hölle sein. Und nochmal darf man die Frage in den Raum werfen, was bei unserer medizinische Abteilung falsch läuft. Zumal wir lesen konnten, dass Wolf Werner Mathis Bolly gezielt zu Dr. Müller-Wohlfahrt nach München schickte, damit er endlich einsatzbereit ist. Nicht nur die Häufigkeit und Länge der Verletzungen scheint im Vergleich zu anderen Vereinen sehr hoch – auch die Rückfälle sind leider zahlreich. Sicherlich gehört auch so etwas zur Entwicklung hin zu einem Bundesligateam. Auch diese Dinge müssen erst wachsen. Und auch dafür soll unser Verein alle Zeit bekommen, die er braucht. Es dürfte jedoch klar sein, dass sich da was tun muss. Alles unter „Verletzungspech“ zu schieben, erscheint zu einfach…

1. HZ: Mit Mut beim Wiedersehen gegen Leverkusen

Wie schon im Hinspiel fiel gleich zu Beginn auf, dass die Bayer-Elf neben ihrer spielerischen Klasse körperlich sehr stark ist. Das sah man bei Kopfballduellen, bei Nahkämpfen um die Kirsche ebenso wie bei Sprintduellen. Allein aus diesem Grund fehlte Bodzek. Tesche und Lumpi waren als Sechser-Duo in vielen Situationen einfach zu klein, um Kopfballduelle zu gewinnen oder hier und da einen Fuß entscheidend dazwischen zu bekommen. Trotz alledem – und das ist die gute Seite des gesamten Spiels – versteckte sich unsere Mannschaft keineswegs. Es gelang zwar lange Zeit herzlich wenig; doch der Siegeswille war zu spüren. Hier wollte kein Fortune ausschließlich hinten dicht machen. Und manchmal überholt der Wille das eigene Vermögen. Das zeigte sich in der Entstehung des 0-1 in Form einer dreifach vorgetragenen Übermotivation von Lumpi, Bellinghausen und Balogun. Nach einer Düsseldorfer Ecke befreite sich Bayer und baute über deren linke Seite einen Angriff auf. Einen hoch ansegelnden Ball versuchte Lumpi brachial wegzudreschen – er zog nahezu blind durch, doch der unerschrockene Leverkusener blockte, und so wurde der Ball in die Düsseldorfer Hälfte geschickt, wo Bellinghausen – sichtlich von Lumpi’s Einsatz inspiriert – mit Schaum vor’m Mund angerannt kam, aber vor lauter Entschlossenheit versäumte, den Fuß im richtigen Moment an den richtigen Ort zu bringen. Balogun scheiterte in der unmittelbaren Folge im Kuddelmuddel um den Ball gegen Sam, der dann unaufhaltsam Fahrt aufnahm und in unseren 16er eindrang. Dieses Laufduell hatte wenige Minuten vorher Balogun an der Seitenlinie mit formidabler Grätsche noch für sich entschieden, doch diesmal senste er etwas zu ungeschickt und zu weit vom Ball weg. Klare Sache: Elfer! Natürlich hofften wir: Jetzt kann Giefer zeigen, was er für einer ist und gegen seine ehemaligen Kollegen… Nix da! Kießling verlädt ihn: 0-1. Für wenige Minuten kontrollierte der Gast nun die Partie, ließ die Kirsche laufen und unsere Jungs gleich mit. Doch wir fingen uns recht schnell und setzten nun eigene Akzente. Wie so oft sieht es aber nur bis etwa 20, 15 Meter vor dem gegnerischen Tor gut aus. Das absolute Ausbleiben von eigener Torgefahr ist mittlerweile zu einem echten Problem bei uns geworden. Und leider personifiziert es sich ein ums andere Mal in Robbie Kruse. Als nach ansehnlichem Angriff Axel in den Strafraum drang, aufgrund fehlender eigener Schlussmöglichkeit anhielt und auf Kruse ablegte, hatte dieser aus bester Position freie Schussbahn; doch er brachte nur einen kläglich Richtung Torauslinie kullernden Ball zustande. Es war so kläglich, dass Axel den konsternierten Robbie danach aufbaute, als hätte er gerade einen Elfer verschossen. Immerhin setzten die Jungs nach und zwangen Leverkusen zu Fehlern. Carvajal wollte van den Bergh an der Seitenlinie zum Narren machen und die Pille langsam ins Aus kullern lassen. Jojo setzte aber nach, eroberte den Ball und bediente Kruse. Der drang in den 16er und spielte quer. Und, da Schwaab den bereit stehenden Reisinger nicht die Arbeit überlassen wollte, beförderte er den Ball kurzerhand selber ins Tor. Die Stimmung in der Bude war nun großartig und unsere Jungs waren am Zug. Ein satter Distanzschuss von Tesche (warum macht er das bloß nicht öfter?) sorgte für echte Torgefahr. Und genau dieser Tesche schickte später von links mit rechts eine (ENDLICH MAL) schön scharfe Flanke in den 16er; die war so schön, dass Boenisch das Ding fast mit einem weiteren Eigentor belohnte. Doch Leno ersparte dem „Mini-Verräter“ – warum pfiffen wir ihn eigentlich nicht aus? – die Schmach. Dann war Halbzeit. Die Zeit nach dem Ausgleich machte Mut. Unsere Truppe hatte sich gefangen und ins Spiel gefunden, weshalb es eigentlich keinerlei Grund zum Wechseln gab…

 2. HZ: Wer vorne nicht austeilt, fängt sie sich selber!

…oder doch? Da Balogun beim Foul zum Elfmeter Gelb sah und mit Sam einen dribbelstarken und schnellen Gegenspieler hatte, ging Meier auf Nummer sicher und brachte…TROMMELWIRBEL…Levels. Nehmen wir es gleich vorweg: Tobi war sofort im Spiel und baute keinen Mist. Er hielt sogar zwei Mal auf’s Tor – wenn auch ungefährlich. Insgesamt zeigten Meier’s Jungs, dass sie hier was reißen wollen. Sie machten das Spiel, aber es zeigte sich in zu vielen Situationen, dass es an der notwendigen Qualität fehlt, Torchancen gegen dieser Bayer-Elf zu kreieren. Aber trotz fehlender Durchschlagskraft ließen unsere Jungs nicht nach. Sie verzagten nicht. Leverkusen ließ unsere Truppe kommen und lauerte zunehmend auf Konter. Leider waren Schürrle und Kießling („Schürrling“), wenn sie denn mal vor dem Tor auftauchten, gnadenlos. Nach einem Leverkusener Angriff über Rechts hielt erst Sam drauf, und nach mutigem Block von Jojo jagte Schürrle den Ball gekonnt in den rechten Winkel. Der erneute Rückstand tat weh, weil es zu einem Zeitpunkt kam, als wir mutig nach vorne agierten. Wie es bei uns glücklicherweise üblich ist, ertönten Sekunden nach dem Rückstand laute Anfeuerungsgesänge. Dieser Support stachelte unser Team weiter an. Meier brachte mit Schahin für Axel und Ilsö für Lumpi weitere Offensivkraft. Und, mal ehrlich… Unser Team versuchte alles: Es konnte einfach nicht mehr als das Gebotene. Als dann Tesche inmitten unserer Offensivbemühungen einen fatalen Fehlpass im Mittelfeld spielte, ging es blitzschnell. Kießling enteilte mit großen Schritten in den 16er, Latka und Levels wussten nicht so recht, wer sich wohin positionieren soll und so legte Kießling auf Schürrle zum 1-3 ab. Das Ding war entschieden. Dass in diesem Moment wieder mal (zu) viele Zuschauer das Stadion verließen, stieß diesmal besonders bitter auf und veranlasste sogar Peter Frymuth zu einer Unmutsäußerung. Immerhin hatten unsere Jungs wirklich alles gegeben. Dafür sang der Rest in der Arena nur noch Jubelgesänge auf unsere Mannschaft. Das wiederum ist jedes Mal wundervoll und lässt diejenigen, die früher gehen, einfach nichtig werden. Mitten in diese gesungenen Liebesbekundungen hinein fiel das 1-4 durch Kießling nach unfreiwilligem Assist durch Jojo. Aber: Scheiß drauf! Dieses Tor war egal, wenngleich es ein etwas zu hohes Ergebnis bedeutete.

Personelles und der Gedanke an ein System mit zwei Stürmern

Es ist schon etwas enttäuschend, wenn jemand wie Fink trotz Ausfall von Bodzek offenbar keine Alternative auf dessen Position darstellt. Er, der einer der Dienstältesten ist, seinen Vertrag gerade verlängert hat und überhaupt als „Mr. Zuverlässig“ gilt. Wenn man sieht, was Leverkusen allein physisch auf den Platz bringt, wäre die Statur und Präsenz eines formstarken Fink sicherlich von Vorteil gewesen. Da Lumpi zuletzt stark auf rechts spielte, hätte man sich Fink zentral mit Tesche vorstellen können. Gut, halten wir Meier zugute, dass er sich für eine recht offensive Variante entschieden hat. Aber, warum gelingt diesem Verbund da vorne so gut wie nichts Gefährliches (mehr)? Reise war komplett abgemeldet – über das ganze Spiel hinweg. Bolly zeigte hier und da, dass er wirklich nicht aufzuhalten ist, wenn er denn mal in Fahrt kommt, führt aber dafür den Ball noch nicht eng genug. Axel gehörte eigentlich zu den stärksten Fortunen gestern. Aber auch er spielt keinen tödlichen Pass. Bei den gestrigen Laufwegen muss sich aber auch fragen, auf wen!? Tja, und Kruse…? Mag sein, dass er gegen Wolfsburg und auch gestern wieder einen Assist fabriziert hat. Aber abgesehen davon, macht er offensiv eine oft unbeholfene Figur. Er bringt ohne jeden Zweifel Tempo in unser Spiel, zieht Verteidiger auf sich und holt auch mal einen Freistoß raus. Er verteidigt auch gut mit, dosiert seine Kräfte aber offenbar nicht gut. Spielentscheidene Offensivaktionen gelingen ihm so gut wie gar nicht mehr. Er hätte doch allen Grund, mit dick ausgestattetem Ego mal aufs Tor zu zimmern. Stattdessen zögert er immer wieder und nimmt sich dabei jedwede Explosivität. Das ist bitter, denn auf seine Leistung sind wir vorne ebenso angewiesen wie wir auf Beisters Explosivität und Röslers Torinstinkt in der Aufstiegssaison angewiesen waren und Probleme bekamen, als beide in ein Formtief stürzten. Diese Leistungstiefs sind deshalb so enttäuschend, weil man doch weiß, dass sie es besser können. Man ärgert sich zwar über die 143. misslungene Flanke von Jojo, weiß aber, dass er es halt nicht besser kann. Auch Lumpi’s Fehlpässe waren wieder zahlreicher. Aber auch bei ihm weiß man eigentlich, woran man ist. Wenn aber Spieler abtauchen und über Wochen ihrer Form hinterherrennen, ärgert man sich. Warum spielt etwa ein Tesche nicht mehr dieselben sicheren Pässe wie zu Anfang der Rückrunde? Warum geht ein Reise so unter und bringt keinerlei Dynamik mehr rein? Und so stellt sich auch die Frage, ob man im System nicht mal umdenken könnte. In unserem derzeitigen 4-2-3-1 spielen wir vorne im Prinzip mit vier Vorbereitern. Weder Bolly, noch Kruse, noch Reise sind Knipser bzw. Stoßstürmer – Axel sowieso nicht. Alle weichen allzugern auf die Flügel aus. Es sah etwas besser aus, als Meier auf 4-4-2 umstellte und Reise und Schahin ein echtes Sturmduo bildeten. Vielleicht wäre das die Möglichkeit, die fehlende Qualität für „tödliche Pässe“ zu kompensieren. Wenn sich zwei Stürmer im Sechszehner tummeln, kann man auch bei harmlos wirkenden Flanken vielleicht mal Gefahr erzeugen, oder sich gegenseitig Räume verschaffen. Kein Zweifel, dass sich Meier hierzu Gedanken machen wird. Andererseits lässt sich wohl kaum etwas machen, wenn Leistungsträger ihrer Form hinterherrennen und einem die Alternativen ausgehen…

Momentaufnahme und Ausblick

Tun wir mal das, was Meier nicht mag: Auf die Konkurrenz statt auf uns gucken. Und schon geht es einem besser. Ohne Zweifel tat Augsburg die Niederlage gestern mehr weh als uns unsere eigene. Immerhin hatten sie eine der auswärtsschwächsten Mannschaften der Liga zu Gast. Auch Hoffenheim ging beim S04 kapott. Stuttgart hat ebenfalls verloren, Bremen holte nur einen Punkt, während sich Wolfsburg und Nürnberg gegenseitig Punkte stehlen werden. So bleiben auch Teams über uns in Reichweite. Kommenden Freitag jibbet echten Abstiegskampf im verschissenen Sinsheim. Augsburg darf zum BVB und Wolfsburg nach Leverkusen. Somit stehen richtige big points für uns ausgeschrieben. Hoffenheim wird qualitativ weniger zu bieten haben als Leverkusen. Da werden wir Gelegenheiten zum Zubeißen bekommen. Auf dass unsere Jungs, dann die gehörige Portion „Cojones“ mitbringen. Die Auswärtsfahrer werden ihnen zweifellos lautstark den Rücken stärken und für ein Heimspiel in Sinsheim sorgen.

Bis nächstes Wochenende,
Ingo & Adnan

PS: Der Leverkusener Anhang war irgendwie… Also… Haben die andere Fans, wenn die Auswärts spielen? Tennispublikum bei Heimspielen und Fußballassis mit üblen Beleidigungen und Bengalos bei Auswärtsspielen? Komische Klientel… Gibt es da was von Bayer gegen?

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Die Wölfe (fast) zum Heulen gebracht

16 Mrz

Unsere Jungs sichern sich einen Punkt in Passat-City. Sicher war mehr drin, aber man muss die Punkte nehmen, wie sie kommen. Da beiden Teams im Spiel nach vorne nicht sonderlich viel einfällt, geht das 1-1 wohl in Ordnung.

Wir werden heute mit einer satten Hasstirade anfangen. Während Adnan mit einem imposanten Mob bestehend aus 70 Fortunen aus Berlin (Videoclip) nach Golfsburg reiste, musste Ingo mal wieder Sky gucken. Und so bekommen WOB und SKY erst mal, was sie verdienen: HASS!

Adnan scheißt auf WOB: Um 18.20 am Hauptbahnhof angekommen, hatte man das Gefühl, diese Stadt sei weiträumig evakuiert worden – nichts war da los. Sämtliche Gebäude drumherum waren hässlich, eckig, maximal 30 Jahre alt, seelenlos und irgendwie meist mit einem kleinen VW-Logo versehen. Die Arena sieht einfach mal aus wie eine zu groß geratene Niederlassung – im Prinzip wie ein riesiges Bürogebäude mit Spielwiese in der Mitte. Und innen drin ist mal GAAAAR NICHTS los. Mit peinlichen Animationen mit Wolfsgeheule und irgendeinem Blödsinn mit Vollmond auf der Anzeigetagetafel wurde versucht, für Atmo zu sorgen. Die gab es aber ausschließlich bei der Schweigeminute, welche die WOB-Mannschaft Arm in Arm vor ihrer Fankurve abhielt. Das gefiel. Alles Andere war erbärmlich. Wenn man sich nun auch die Geschichte dieser Stadt durchliest (der Führer wünschte sich in der Hochzeit des Nationalsozialismus eine Residenz in dieser Stadt), kann man verstehen, dass kein wirklicher Stolz von der Tribüne hervorschallt. Zu allem Überfluss war es ARSCHKALT in dieser seelenlosen Arena. Wenigstens hat unsere Kurve aber mächtig Alarm gemacht und für ein Heimspiel in Polo-Town (Videoclip) gesorgt.

Ingo scheißt auf SKY: Der allseits beliebte Bezahl-Sender Sky schaffte es auch diesmal, bereits vor dem Spiel massivst zu nerven: In dem halbstündigen Vorbericht zum Spiel muss man unter anderem ein stümperhaft langweiliges Interview mit Naldo und Diego in schlimmsten „Denglisch“ ertragen, welches die Finger magisch auf die „Mute-Taste“ der Fernbedienung zu ziehen scheint. Die Mannschaftsaufstellung der Fortuna wird in diesen 30 Minuten zwei Mal eingeblendet: Erst schafft es Latka gleich doppelt (?) in die Startelf, doch die taktische Darstellung wird uns leider vorenthalten – schade, wäre mit dem doppelten Latka sicher spannend geworden. Kurz vor Anpfiff dann ein zweiter Versuch: Leider werden die Grafiken aber so schnell durchgejagt, dass sie während des ersten Griffs in die Chipstüte schon wieder verschwunden sind. Immerhin gibt es diesmal keine Talk-statt-Experten-Runde und der Kommentator war nicht ganz so schrecklich wie der gute, alte Fritz vom letztem Mal. Doch diese amerikanisierte Aufbereitung der Spielübertragung ist echt zum Kotzen. Alle paar Sekunden wird wild zwischen den 400 Kameras hin- und hergeswitched, bei Kontern und Sprints auf den ballführenden Spieler gezoomt, sodass man einfach nicht mitbekommt, wer vielleicht sonst noch so mit läuft und anspielbar ist. In den kleinsten Unterbrechungen werden Zeitlupen von Nebensächlichkeiten aus 25 Blickwinkeln zelebriert, während das Spiel längst weiter läuft. Eine weite „Totale“ gehört leider zu den absoluten Seltenheiten. So kommt der Taktikfuchs höchst selten auf seine (viel zu hohen) Kosten. Kurz gesagt: Diese Übertragungsform ist zum Haare raufen und rausreißen!

1. HZ: Erst lahm, dann brutal effizient!

Unsere Mannen um Ersatz-Kapitän Bodzek starten mit der Elf wie gegen Bayern – außer dem Einsatz von Ilsö für den verletzten Lumpi. Sie verschlafen die ersten zehn Minuten komplett und rennen eigentlich nur Gegner und Ball hinterher; trotzdem stehen wir gut und machen alle Räume zu. Wie gegen den FCB ziehen wir uns weit zurück und attackieren erst in der eigenen Hälfte. Dass das Wolfsburger Rudel ohne Diego, ihr Alphatier, ziemlich planlos wirkt, zeichnet sich recht früh ab. Da fehlen Ideen, sich aus der Enge zu befreien. Die erste gute Offensiv-Szene der Fortuna kommt durch unseren neuen Norweger zustande, der auf dem linken Flügel zu einem Sprint mit Ball ansetzt und zwei VWs wie Trabis aussehen läßt. Leider kommt nicht viel dabei rum, aber solche Aktionen von Bolly machen Lust auf mehr und bauen ihn Stück für Stück auf. Die Fortuna ist jetzt im Spiel angekommen und versucht durch bewährtes Konterspiel dem Gegner gefährlich zu werden, die Wölfchen haben das Spiel aber weitesgehend unter Kontrolle. Da es beiden Mannschaften an Kreativität und Präzision fehlt, dümpelt das Spiel ohne große Höhepunkte vor sich. Unsere Schrecksekunden passierten aus dem Nichts. Etwa in der 17. Minute, als Balogun in Höhe der Mittellinie einen Rückpass durchschliddern lässt. Der wieselflinke Orozco düst dankend mit Ball Richtung Tor. Doch Balogun rast hinterher. Seine Denkblase über’m Kopf konnte man erkennen: „Das MUSS ich wieder gut machen, sonst spielt Levels nächstes Mal!“ Mit einer Wahnsinns-Schrittlänge spurtet er dem Wolfsburger Zwergnase hinterher, überholt ihn nach 25 Metern, sichert abgeklärt und ohne Foul denn Ball und passt Selbigen nach vorne. Schön wieder ausgebügelt! Zwei Minuten später schrecken wir jedoch erneut auf: Rodriguez fasst sich ein Herz und ballert aus 30 Metern einfach mal auf Giefers Tor. Der fiese Aufsetzer klatscht allerdings nur laut an den Pfosten und wir haben Schwein gehabt. In der 31.Minute bekommen wir dann mal einen Freistoß in aussichtsreicher Position halblinks zugesprochen. Ilse schnappt sich das Leder und unsere (vermeintlichen) Kopfballungeheuer versammeln sich im 16er. Aber wat macht Ilse? Er spielt einen furchtbar unpräzisen Pass in den Rücken von Tesche, der den Ball nicht vernünftig annehmen kann und es entsteht ein Konter für die Wölfe, die zum Glück nichts draus machen… Eine haarsträubende Situation – die Idee ist sicher nicht schlecht, aber da muss doch wenigstens der Pass von Ilsö auf Tesche gut kommen. Merkwürdig sowas. In Minute 37 ist es dann aber so weit. Wir kommen endlich mal schnell und zielstrebig vor’s gegnerische Tor und Bolly macht mit seinem zweiten Torschuss in der Liga seine zweite Bude. Bei einem Konter über  die linke Seite nimmt Axelao Bellinghausinho die Kirsche zuckerhut-esk mit der Hacke mit und chippt das Leder somit in den Lauf von Kruse, der den Turbo anschmeisst. Dutt-Träger, Simon Kjaer, der optisch auch wunderbar in die Frauenfußball-Mannschaft der Wolfsburger passen würde, hat das Nachsehen und kann Robbie nicht am Hereinziehen in den 16ner an der Auslinie hindern. Bolly läuft im Rückraum der Abwehr mit und schleicht sich genau im richtigen Moment aus dem Schatten des Abwehrspielers. So heißt es wie schon gegen Bayern für ihn: Fuß hingehalten und eingenetzt. So kann’s weitergehen, Mathis!

Eine 2. Halbzeit zum gegenseitigen Vergessen

Die Halbzeitpause nutzt Dieter Hecking dazu mit Dost einen zweiten Stürmer zu bringen; unsere Trainer wechselt den sehr enttäuschenden Ilsö aus und bringt dafür Reisinger. Taktisch hat dies zur Folge, dass Bolly vermehrt die rechte Seite übernimmt, während Kruse und Reisinger durch die Mitte kommen. An der Spielqualität ändern diese Wechsel jedoch wenig. Zwar fällt bereits in der 51. Minute durch einen schnell gespielten Angriff der Ausgleich durch „Ibiza“ Olic – der bei der Konzernabteilung für Bewegungssport als einziger für so etwas wie Leidenschaft und Kampfgeist steht – aber ansonsten gelingt es beiden Seiten nicht, ein halbwegs ertragreiches Angriffsspiel aufzuziehen. Beide Mannschaften scheitern innerhalb ihrer taktischen Ausrichtung an fehlender Konzentration und Präzision, so dass sich das Spiel mit vielen Fehlpässen und Abstimmungsschwierigkeiten fortsetzt und bis auf wenige Höhepunkte (z.B. der Lattenkracher von Tesche) so dahin eiert. Wenige Sekunden vor dem Abpfiff haben wir sogar noch eine richtig gute Chance, doch Benaglio kann den unplatzierten Ball von Schahin nach Flanke von Balogun parieren. Betrachtet man den Spielverlauf, all die Unzulänglichkeiten hüben wie drüben, geht das Ergebnis sicher in Ordnung. Hätten unsere Jungs, die vielen Kontermöglichkeiten besser zuende gespielt und nicht so erschreckend oft unpräzise Zuspiele, harmlose Flanken und Torschüsse wie Rückpasse fabriziert, wäre mal wieder mehr drin gewesen…

Personelles

Ken Ilsö hat gestern wahrhaftig eine Chance vergeigt, seinen Wert für die Mannschaft in Erinnerung zu rufen. Dass er keine Kämpfersau und Defensivmaschine ist, sieht man ihm dann nach, wenn er wenigstens technisch versiert für Kreativität sorgt. Das ist ihm gestern (wie auch zuletzt) absolut nicht gelungen. Nicht nur der oben angesprochene Gau beim Freistoß; auch seltsam schwache Ballannahmen und eine Reihe weiterer ungenauer Zuspiele lassen einen etwas fraglos erscheinen – watt is da los? Da Reise in der zweiten Halbzeit auch nichts hinbekommen hat, fiel die Auswechslung von Ilsö nicht sonderlich auf – beide waren schwach. Robbie Kruse, der den sehenswerten Treffer durch Bolly aufgelegt hat, war bereits ab der 60. Minute anzumerken, dass ihm langsam die Kraft zu schwinden scheint. Mit zunehmender Spieldauer schlichen sich auch bei ihm immer mehr Konzentrationsfehler ein. Den Spielerwechsel mit Omae hätte NM durchaus zehn Minuten eher erwägen können. Als Kruse rausging, verweigerte er den Handschlag mit dem Trainer und schmiss seine Trainingsjacke wütend auf den Boden. Er hatte kurz vorher schwache Szenen gehabt und dürfte sich darüber noch geärgert haben; oder aber er war sauer, weil er früher oder gar nicht rauswollte, oder aber nix von dem stimmt 🙂 Leider werden ihn in der Länderspielpause anderweitige Aufgaben und Reisestrapazen erwarten. Ansonsten täte ihm eine längere Pause wohl mal ganz gut. Mathis Bolly hingegen hat sich mit diesem Spiel definitiv für die Startelf empfohlen – bis er in der 75. Minute total ausgepowert und mit Krämpfen ausgewechselt wurde, konnte er einige Male andeuten, was Wolf Werner da für einen Knallertransfer zum Schnäppchenpreis für die Fortuna eingetütet hat. Pfeilschnell, torgefährlich, dribbelstark und dazu Dank seiner Statur auch brauchbar für Kopfbälle und Ballbehauptung. Wie er in der 59. Minute die halbe Hintermannschaft von WOB mit seinem Sprintdribbling auf engstem Raum vernaschte, war schon beeindruckend – und er kam sogar zum Abschluss; wenn auch leicht verzogen. Da scheint es uns, wir erleben gerade die Inkarnation des Bröker 2.0 …allerdings mit mehr fußballerischer Klasse. Im Laufe der zweien Halbzeit wurde dafür ein anderer Fortune immer stärker: Stelios Malezaz. Während sich Martin Latka erneut als bärenstarker Abwehrchef mit gutem Auge präsentierte, kam unser Grieche im Laufe des Spiels zur Form seiner ersten Bundesligaspiele. Das letzte Spieldrittel klärte er so häufig, dass man gar nicht mehr mitzählen konnte. Er pfiff Balogun und Reisinger mehrmals an, da die beiden die links Angriffseite der WOBs munter flanken ließen – sie verließen sich wohl auf die Innenverteidiger. Mit diesen beiden Granaten wird es für unseren Jens schwierig, wieder ins Team zu kommen. So leid es uns persönlich für ihn tut (da er ja nur aus Verletzungsgründen pausieren musste), so erfreulich ist es doch, dass wir dennoch eine solche Innenverteidigung haben.

Augsburg muckt weiter da unten und Nürnberg gewinnt völlig unnötig gegen Schalke. Fünf Punkte Vorsprung sind definitiv kein Ruhepolster. Aber das ist auch in Ordnung so. Da soll sich bloß keiner ausruhen – das stand unserer Forteng noch nie gut zu Gesicht. Jetzt ist erst mal Länderspielpause angesagt. Dann folgt das sicherlich sauschwierige Spiel zu Hause gegen Vizekusen. Fest steht: Wir freuen uns darauf!

Bis dahin,

Adnan & Ingo

Auswärtssieg der Herzen in München

10 Mrz

Unsere Jungs spielen richtig groß auf und führen zwei Mal gegen den FCB. Bolly trifft bei seinem Debut von Anfang an und Lumpi erzielt sein erstes Bundesligator. Und nur, weil der FCB alles abruft, verlieren wir denkbar knapp mit 2-3. Die Leistung unseres Teams lässt die Niederlage jedoch nebensächlich werden.

Wieder ein Mal waren wir gezwungen, ein Fortuna-Spiel auf SKY zu verfolgen. Wir müssen das jedes Mal betonen, weil es wirklich ätzend ist. Gut, ein wenig glücklich wurden wir, als Wolf Werner es sich im Interview nicht nehmen ließ, dem Schwiegersöhnchen-Typ-Interviewer einen Spruch zu drücken „Ihr habt uns ja als erste abgeschrieben!“ – und auch, als Jupp Heynckes vor dem Spiel lobende Worte für unser Team und die „hervorragende Arbeit“ von Norbert Meier fand, wurde uns warm ums Herz. AAAAAABER… Die Talkrunden – nein, wir nennen sie nicht Expertenrunden – und der Schwachsinn der Kommentatoren sind einfach unerträglich. Wir hatten es gestern mit Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar von Thurn und Taxis zu tun. Er wurde nicht müde, seine tiefe Zuneigung zum FCB durch die ständige Hoffnung kund zu tun, dass dieses Spiel noch zu Gunsten der Münchner ausgehen würde. Bei Fouls, selbst bei deutlichen Abseitssituationen zweifelte er nur dann am Schiri, wenn gegen die Bayern gepfiffen wurde. Zum Verständnis: Man soll also als Fußballfan Unmengen Geld für NICHT-objektive Berichterstattung zahlen?!?!? Aber was sollen wir machen? Wenn man nicht live vor Ort sein kann, bleibt einem ja keine gott-verdammte Möglichkeit mehr. Pixelige Internetstreams, die meist einem Daumenkino oder einer Diashow auf Speed gleichen, sind auch keine echte Alternative. Wenigstens kann zumindest in den Kneipen gute Stimmung herrschen. Und so haben wir es auch erlebt…

Mut zum mutig sein!

Es gibt ja die gerne bemühte Floskel: „Wir haben nichts zu verlieren!“ – wenn man dies hinausposaunt, kann man angeblich befreit aufspielen. Wahrscheinlich fährt mit solchen Gedanken besonders in dieser Saison jeder Club zum aberwitzig überragend spielenden Rekordmeister. Fakt ist jedoch, dass wir durchaus etwas zu verlieren hatten: Unser sehr gutes Torverhältnis. So torhungrig wie die Bayern diese Saison spielen, wäre es durchaus legitim gewesen, eine knappe Niederlage als Ziel auszusprechen. Es hätte kaum jemanden überrascht, wenn Norbert Meier ein mega-defensives Team aufgestellt hätte – zum Beispiel, indem er Fink für Schahin bringt und mit quasi vier Sechsern (Bodzek, Tesche, Fink, Lumpi) ins Rennen geht. Dafür gab es aber ein schönes Überraschungsmoment: Mathis Bolly bekam seinen ersten Einsatz von Anfang an. Gut möglich, dass ihn die Bayern nicht wirklich auf dem Zettel hatten. Das war sicher ein cleverer Schachzug von Meier. Gleichzeitig war es auch ein Signal an die Mannschaft, mutig zu sein; schließlich ist er es als Trainer ja auch. Und diesen Mut zeigte unsere Elf. Hier wurde nicht stumpf das Spiel der Bayern versucht, zu zerstören. Es sollte spielerisch „entschärft“ werden. Das kann in die Hose gehen; aber ein unnötiger Ballverlust durch das blinde Rausdreschen eines Balles kann ebenso fatal sein. Möglichst in Ballbesitz zu bleiben, erfordert, nach der Balleroberung Anspielstationen zu haben. Und damit es diese überhaupt gibt, müssen sich die Jungs beim Verteidigen unermüdlich gegenseitig helfen. Und das taten sie.

Großes Ego! Eiskaltes Umschaltspiel – und die leidigen Schlussphasen

Es war einfach nur enorm, wie viel Laufbereitschaft unsere Jungs zeigten. Der ballführende Bayer wurde teilweise mit drei Mann verteidigt – um eben in der Lage zu sein, den Ball auch zu behalten. Das gelingt nur, wenn man gewillt und imstande ist, sich mit 1-2 Mann von Gegner zu Gegner zu bewegen und allen ständig auf der Hacke zu stehen. Lumpi, Bodzek und Balogun etwa haben Monsieur Ribéry das Leben wahrlich schwer gemacht. Und auch zentral wurden Luis Gustavo, Schweinsteiger und Kroos vehement von Bodzek und Tesche gestört. Sie wurden zu Fehlpässen gezwungen. Erinnern wir uns ans Hinspiel: Da kamen unsere Jungs überhaupt nicht hinterher. Da war der Respekt zu groß und der Glaube an einen selbst wohl noch zu klein. Das Ego, mit dem unsere Jungs sich allerdings gestern vor dem FCB aufbauten, war begeisternd. Denn basierend auf diesem Ego gab sich unser Team nicht mit dem Verteidigen zufrieden. Es wurde munter und schnell umgeschaltet und wir zeigten durch erste Sololäufe von Bolly und Lumpi, dass wir hier ebenfalls Alarm machen werden. Tja, und gewaltiger Alarm brach nach 16. Minuten unter den 8.000 (!!!) mitgereisten Fortunen aus. Über links wurde Jojo bedient, er vernascht kurzerhand Thomas Müller und flankt auf den zweiten Pfosten; dort schraubt sich der ungedeckte Lumpi hoch, köpft ins Zentrum, wo Bolly bereit steht und mit seinem aller ersten Torschuss in der Bundesliga sein aller erstes Tor für uns erzielt. Dieses Tor war kein Zufallsprodukt. Dieses Tor war kein schwindeliger Standard-Treffer. Dieses Tor haben unsere Jungs großartig herausgespielt – ein wenig wie das 1:1 gegen Schalke. Was folgte, waren verzweifelt stürmende Bayern. Fabi Giefer hielt ein ums andere Mal gigantisch. Allerdings vergaben sie auch dicke Chancen. Unser Kumpel Niko jubelte bei jeder vergebenen Bayern-Chance und merkte völlig richtig an, dass genau diese vergebenen Chancen die Bayern in die Verzweiflung treiben könnten. Wir hofften, dass unsere Jungs dieses 1:0 in die Kabine tragen könnten. Es sah doch wirklich so aus. Naja, bis Luis Gustavo (KORREKTUR: Boateng war es) einen 40 Meter-Pass maßgenau auf Philipp Lahm schlug, dieser die Pille verdammt gekonnt annahm, Axel keine Chance ließ und Müller geschickt bediente. Malezas grätscht drüber, Giefer kütt nit dran… 1:1. Da machste nix – sie hatten nur viel größere Chancen liegen lassen. Egal, trotzdem tankten wir alle zur Halbzeit etwas Energie, denn, dass es so aufregend werden würde, wagte man ja nicht zu denken. Ein wenig durfte man Angst haben, dass unsere Jungs jetzt wütenden Bayern-Angriffen ausgesetzt werden würden. Man durfte auch daran zweifeln, ob unsere Jungs eine weitere Halbzeit so enorm viel Einsatz zeigen können. Wer jemals auf einem Fußballplatz gestanden hat, weiß, wie unendlich anstrengend Verteidigen ist – allein mental muss man so aberwitzig fokussiert sein, um gegen schnell spielende Gegner dagegenzuhalten. Und, da diese schmierigen Schiedsrichter im Zweifel Foul FÜR den FC Bayern pfeiffen, muss man auch noch gehörig aufpassen, sich keine unnötigen Freistöße oder Karten einzufangen. Das ist alles unfassbar anstrengend – Profis hin oder her. Das schlaucht. Aber unsere Jungs waren dann tatsächlich in der Lage einen draufzusetzen.

Lumpi, oh Lumpi!

Gerade, als die Bayern dem Führungstor immer näher kamen, fing Giefer nach großer Parade die nachfolgende Ecke ab. Die Kamera zoomte auf ihn. Er brüllte irgendwas und setzte zum Abschlag an. Der mittlerweile eingewechselte Fink setzte sich im ungleichen Kopfballduell gegen Lahm durch und schickte mittels Fontanelle-Verlängerung Lumpi steil. Da Alaba das Abseits aufhob, konnte sich Schweinsteiger seinen gehobene Arm sonst wohin stecken. Lumpi marschierte und mit aller Seelenruhe schob er den Ball ins kurze Eck. Es war die 73. Minute und spätestens jetzt glaubt manch einer an eine Sensation. Eine grüne Freudentraube auf dem Platz und eine gigantische Fortuna-Kurve in der Arena jubelten ausgelassen. Dass ausgerechnet Lumpi dieses Tor erzielt gegen den übermächtig geglaubten Gegner, ist wie gemalt. Jemand wie Ribéry hat einen Marktwert von 40 Lumpis. Für Schweinsteiger kann man sich auch getrost 30 Lumpis leisten. Doch Lumpi’s Spirit ist – verdammicheins – UNBEZAHLBAR! Gleichzeitig hat er aus diesem Spirit etwas Zählbares, nämlich sein erstes Bundesligator gemacht. Mit absoluter Sicherheit freut sich J-E-D-E-R Fortune darüber. Und solche Momente lassen irgendwie vergessen, was unmittelbar danach geschah…

Vollgas-Bayern und ihr unermüdlicher Siegeswille

Versetzen wir uns mal in die Lage unserer Mannschaft. Du machst in der 73. Minute das 2-1 in der Allianz-Arena und hast plötzlich eine echte Chance auf eine Sensation. Dass Dich in genau diesen Sekunden nach dem Führungstor unter Umständen etwas die Konzentration verlässt, ist völlig nachvollziehbar. Und so kassieren wir praktisch vom Wiederanstoß weg bereits den Ausgleichstreffer durch Ribéry. Die sind da aber auch eingefallen in unseren 16er, als gäb’s kein Morgen mehr. Pizarro und Ribéry hätten sich um ein Haar beim Abschluss gestört, aber leider hat es Ribéry dann doch brachial vollendet. Und sofort sah man, dass die das Ding gewinnen wollen und wir mussten hoffen, dass wir die anschließenden Angriffswellen überstehen würden – vielleicht doch noch sogar ein Konter für uns? Kurzum: Den Bayern gelang der Siegtreffer in der 87. Minute. Und, wenn man sich das Tor ansieht, muss man sagen, dass da ein Team einfach unbedingt gewinnen wollte. Trotz Riesenvorsprung auf Rang #2; trotz Arsenal am Mittwoch. Bei der Flanke von Lahm gehen mit Pizarro, Gomez und Torschütze Boateng gleich drei (!) baumhohe, kopfballstarke Bayern-Spieler zum Ball. Die wollen alle einfach Tore machen. Ihr merkt schon: Entgegen der Hasstiraden in anderen Beiträgen aus unserer Fan-Community (hier Rainer’sche Post), und auf die Gefahr hin, ein gellendes Pfeiffkonzerten vor den Bildschirmen auszulösen, hatte der nicht zu bändigende Siegeswille der Bayern für uns etwas ebenso Beeindruckendes wie unsere eigene Performance. Und wisst Ihr was? Das macht uns noch stolzer auf unser Team. Die Bayern mussten alles – aber auch wirklich alles – gegen uns abrufen. Nichts wurde uns geschenkt und wir haben sie trotzdem an den Rand einer Niederlage gebracht. Wir haben kein Glückstor wie Sydney Sam reingegurkt, oder wie de Bruyne beim Stand von 0:5 halt mal ein Tor gemacht. Wir haben den in dieser Saison unfassbar sieges- und torgeilen Bayern richtig Paroli geboten. Sie zu loben wirft unserer Ansicht nach ein noch positiveres Licht auf unsere Leistung.

Schönwetter-Wolfsburg darf sich auf was gefasst machen

Da das Augser Burg endlich mal wieder verloren hat, behalten wir 7 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Auch deshalb tut diese Niederlage nicht so weh. Sollte Stuttgart leer ausgehen, bleibt Rang #11 weiter in Reichweite. Die ätzenden Golfsburger haben fulminant Freiburg abgeschossen. Das ist aber gar nicht so schlecht. Denn diese Schönwetter-Söldner-Bande wird sich jetzt so sehr in Wohlgefallen ob der – zugegeben – geilen Tore und dem beeindruckenden Sieg suhlen, dass sie von uns so richtig hart rangenommen werden. WOB ist so ein Team, dass an der eigenen Arroganz erstickt – eine Arroganz, welche viele den Bayern unterjubeln wollen; dabei zelebrieren das inzwischen ganz andere Teams: zum Beispiel dieser doofe Autostadt-Werksverein. Auf dem Papier ein starker Kader. Im Kopp sind aber jede Menge Luschen dabei. Von daher ist ein großer Schritt Richtung Klassenerhalt drin. Unser wieder großartig auftrumpfender Fan-Support wird auch den VW-Angestellten zeigen, was wahre Unterstützung bedeutet.

Wir freuen uns drauf,
Euer Ingo & Adnan

Meins? Eins! Mainz? Eins!

4 Mrz

Unsere F95 holt einen Punkt gegen ZDF-City. An sich ist datt joot. Doch, wenn man sich das Spiel anschaut, ist es allzu verständlich, wenn Spieler, Trainer und Fans ein wenig enttäuscht sind. Aufgrund mangelhafter Chancenverwertung und einem unnötigen Gegentreffer verpasst unser Team einen allemal möglichen Sieg. Mit dem 1-1 kommen die Mainzer sehr gut weg.

Also, zu allererst: Der Titel für unseren Spielbericht musste sein. Bereits unmittelbar nach der Niederlage gegen Schalke fragte der unbändig nach vorne blickende Adnan den Ingo, was er, sofern Fortuna zu Hause 1:0 gegen Mainz gewinnt, die Überschrift „Meins? Eins! Mainz? Keins!“ halten würde. Breit grinsend und großzügig wie Ingo ist, beteuerte er sein Gefallen daran – und so hatten wir eigentlich Sicherheit, dass wir jetzt nur noch ein paar Leute bei DFB, Fortuna und Mainz schmieren müssten, damit es dann auch 1-0 ausgeht. Und die Mainzer taten ihren Job: Das Eigentor von Svensson hätte etwas unauffälliger sein können, aber so isset auch okay. Warum uns dann aber Fabi Giefer einen Strich durch die Rechnung ziehen musste… Wir werden mit ihm reden. In jedem Fall aber – und, da unsere Lobbyarbeit nichts nutzte – haben wir nun einfach das „k“ bei der zweiten „eins“ weggelassen und so berichten wir über ein 1-1 zu Hause gegen Mainz.

Neue Startelf-Gefühle

Als sich die Jungs warmmachten, und die Startelf zu sehen war, stellte sich ein interessantes Gefühl ein: Lumpi und Axel stehen in der Startelf und trotzdem wägen wir uns in absoluter Sicherheit. Das ist ein Zeichen für die zuletzt bärenstarke Leistung dieser beiden. Ja, wir haben ordentlich und zurecht, aber vielleicht auch mehr als andere die beiden kritisiert – und gerade deshalb möchten wir deren (Wieder-)Auferstehung so betonen. Denn es ist toll, dass aus dieser manchmal romantisierten Geschichte in Medien und Foren nun auch etwas fußballerisch Großartiges auf dem Platz wird. Nach der bitteren Verletzung von Reisinger war eigentlich klar, dass Schahin gesetzt und wieder in der Startelf stehen würde. Kruse kam nach auskurierter Grippe ebenfalls wieder zurück und sollte hinter Schahin Alarm machen. Bodzek und Tesche waren für das zentrale Mittelfeld zuständig, sodass Oliver Fink erneut auf die Bank musste. Interessant war wohl, dass mit Ken Ilsö und Robert Almer zwei „Konstante“ der Reserve nicht im Kader standen. Wir sparen uns jetzt aber Spekulationen daürber, warum das jetzt so war.

Mit breiter Brust auf Führung gespielt

Der Auftritt unserer Jungs war von Anfang an ansehnlich. Keine Spur von der Schiss-inne-Bux-Attitüde vom Gastspiel auf Schalke. Natürlich steht mit Mainz ein anderer Gegner auf dem Platz – aber auch die können tollen und schnellen Offensiv-Fußball spielen. Von daher war es das genau richtige Rezept, sofort mitzuspielen und Druck auszuüben. Die Mainzer wurden im Spielaufbau sehr früh gestört, teilweise gedoppelt und unsere Jungs stellten mit enormer Laufbereitschaft die Räume zu. Und bei Ballbesitz gelang auch sofort das Umschaltspiel. Es kam also nicht von ungefähr, dass wir die Mainzelmännchen quasi zu einem Eigentor drängten. Lumpi flankte über rechts, Schahin verlängerte eigentlich recht ungefährlich, doch Svensson sah sich gezwungen, dazwischen zu gehen, und düpierte mit einem Kopfball seinen eigenen Keeper, der seinem Namen nach auf der Toilette Glücksspiele betreibt. So gingen wir also früh in Führung und unser Team spielte weiter druckvoll auf Sieg. Da es weiterhin blitzschnell ging nach Balleroberungen im Mittelfeld, kamen wir auch zu Torchancen. Die Beste hatte zweifellos Axel, der von Kruse mit gutem Zuspiel aus dem rechten Halbfeld bedient wurde, mit vollem Tempo in den 16er drang und nur sehr knapp die Kugel rechts am Tor vorbeischob. Es waren diese Minuten, in denen man regelrecht spüren konnte, dass die Meier-Elf sofort nachlegen und Sicherheit erlangen wollte, statt das 1-0 zu halten.

Spielunterbrechung raubt Fortuna den Flow

In der 35. Minute gehen der Mainzer Zabavnik und Lumpi vor dem Düsseldorfer 16er ein Kopfballduell und verschaffen sich gegenseitig einen ordentlichen Brummschädel. Der Mainzer wird sogar bewusstlos. Es ist immer gruselig, wenn Spieler regungslos am Boden liegen und Schiri und Spieler etwas hektisch werden. Zabavnik wurde minutenlang behandelt und es machte sich allgemeine Erleichterung breit, als man sehen konnte, dass er wieder bei Bewusstsein ist. Schiri Brych (oder lieber „Brech“?) forderte Sanis und eine Trage. Was sich dann diese Sanis erlaubten, geht auf keine Kuhhaut. Gefühlt eine halbe Stunde brauchte der Mann mit der Trage, um über den Platz zu Zabavnik zu gelangen – solange, dass Zabavnik schon wieder auf den Beinen stand, als der Sani noch gute 10 Meter von ihm weg war. Was bitte war das denn? Was wäre denn gewesen, wenn der Mainzer dringende Behandlung gebraucht hätte? Keine Ahnung, ob der Sani seine „minutes of fame“ genießen wollte, oder verhindern wollte, auzurutschen… Aber so dahin zu spazieren, kann echt nicht sein. Jedenfalls erntete Zabavnik fairen Applaus vom Düsseldorfer Publikum und wurde durch Caligiuri ersetzt. Diese Spielunterbrechung tat der Fortuna irgendwie nicht gut. So ein wenig war die Anspannung, die absolute Präsenz kurzweilig abhanden gekommen – allzu verständlich, aber eben fatal. Denn der gerade noch eingewechselte Caligiuri drang über unsere rechte Abwehrseite in den Strafraum. Axel versuchte seinen Körper zwischen Gegner und Ball zu bringen und den Mainzer zu abzudrängen, doch die Flanke kam trotzdem. Giefer hatte den Anspruch, den Ball zu pflücken und festzuhalten, statt ihn über die Latte zu lenken – doch leider sollte das gänzlich misslingen. Ivan Klasnic stand goldrichtig (und leider allein) hinter Giefer und nickte den Ball aus nächster Nähe ins Tor. Van den Bergh war vorher noch bei Klasnic, ließ ihn dann aber gewähren. Unter’m Strich steht also drei Mal „hätte“: Axel hätte gewiefter verteidigen können, Giefer das Ding über die Latte lenken müssen und Jojo den Klasnic nicht allein lassen dürfen. Aber gut – das lässt sich hinterher wunderbar aufzählen. Es war gut, dass diese, erste Halbzeit dann recht fix vorüberging, denn man hatte das Gefühl, dass Mainz jetzt nachlegen wollte.

Bärenstarke 2. Halbzeit ohne Glücksmoment

Zur Halbzeitpause fragten wir uns, wie unser Team sich nun in den zweiten 45 Minuten präsentieren würde. Würde der Knacks nach der Verletzung Zabavniks und dem Ausgleichstreffer anhalten? Keineswegs! Zwar wollten die Mainzer jetzt auch was reißen, doch unser Team fand sofort in die Grundausrichtung zurück, verteidigte bärenstark und ließ nur noch eine Mainzer Chance durch einen Distanzschuss zu, den Giefer großartig parierte. Es war beeindruckend, wie gut sortiert unser Team war. Jeder Einzelne machte seine Aufgabe in der Defensivarbeit richtig gut. Und das schnelle Umschalten in die Offensive funktionierte beeindruckend. Axel war immer wieder mit Vollgas auf links unterwegs – Kruse über rechts. Lumpi – der nach dem Zusammenprall einen Original-Hoeneß-Turban trug – rannte, ackerte, klammerte, grätschte und erkämpfte Ball um Ball. Auch Bodzek glänzte in dieser Hinsicht. Etwas blass blieb erneut Tesche. Er spielte viel unauffälliger als zuletzt. Nichts ist derzeit zu sehen von seinem Offensivdrang der ersten Spiele, als er auch mal zu Soli ansetzte oder spieleröffnende Pässe spielte. Doch der mit Abstand schwächste Fortune war leider Dani Schahin. Einen Schüsselmoment gab es, als Axel zu Beginn der zweiten Halbzeit über links losstürmte und im Moment des Abspiels Schahin nicht weit genug vorgerückt war. Axel drehte zurecht durch und brüllte Dani vehement an. Fast schon lethargisch wirkte Schahin – fast so, als wolle er nicht dorthin, wo es um die Wurst geht. Es gab Szenen im Spiel ohne Ball, in denen der 15-20 Meter hinter Dani stehende Lumpi schneller nach vorne rückte. Und, als Schahin bei einem der vielen Konter viel zu behebig agierte und den Ball verlor auf Höhe der Mittellinie verloren gab, kriegte Meier zu viel. Gerade noch Bolly’s Einwechslung (für Tesche) angeordnet, gab er noch das Signal, Nando Rafael für Schahin bringen zu wollen. Und hier müssen wir auch mal Meier loben. Er hat volle Suppe auf Sieg eingewechselt. Während er in manchen Spielen diesen Punkt hätte halten wollen, schickte er diesmal sein Team unerschrocken nach vorne – denn der Sieg war möglich. Mainz kam gar nicht mehr zum Zug. Leute wie Nicolai Müller (für Klasnic eingewechselt), Szalai (ebenfalls eingewechselt), Parker, Ivanschitz, Baumgartlinger oder auch Neuzugang Zimling blieben völlig harmlos, weil sie großartig verteidigt wurden. Aber vorne… Was ist da los? Unsere Schüsse glichen teilweise Rückpässen. Wir arbeiteten uns ein ums andere Mal sehr gut nach vorne und blieben dann aber erschreckend harmlos. Äußerst sehenswert war der 40 Meter Pass von Axel auf Nando Rafael, der das Ding mit vollem Risiko verwerten wollte. Aber auch dieser Ball kam nicht auf’s Tor. Es wird wohl eine Mischung sein aus fehlender Routine und fehlender Spielpraxis. Instinktiv macht kaum ein Fortune vor dem Tor alles richtig derzeit. Wichtiger denn je scheint es deshalb momentan zu sein, zu null zu spielen, damit, falls wir mal treffen, diese Bude reicht.

Der Hype um Giefer

Niemand ist Fabi böse, dass er auch mal ein Tor verschuldet. Es häuft sich nur etwas in der Rückrunde: 2 Tore gegen Augsburg, 1 in Freiburg und nun dieses Ding gegen Mainz. Nie war er alleine Schuld und er rettete in jeder Partie auch weitere Hochkaräter des Gegners. Dennoch: Hier zeigt sich, was ein Hype um einen Spieler auslösen kann. Und, wenn man sich manche Dinge auf Fabi’s Facebook Auftritt ansieht, so sieht man, dass er selber (oder diejenigen, welche die Seite für ihn basteln) diesen Hype auch ein wenig mitmacht. Unvergessen diese komische „F wie Fabelhaft“ oder „G wie Gigant“ Aktion. Das wirkte ein wenig hochmütig. Daher sind diese Rückschläge für seine Karriere sicher gut – auch wenn sie für die Fortuna unter Umständen etwas teuer sind. Wir sind weit davon entfernt, ein echtes Problem mit solchen Gegentoren zu haben. Es ist nur zu hoffen, dass Fabi diese wichtige Phase seiner Entwicklung gut überbrückt und sich nicht verunsichern lässt. Wir erinnern uns daran, wie stark er gegen Gladbach parierte – unmittelbar nach der Nummer gegen Augsburg. Von daher muss man sich keine Sorgen um sein Selbstbewusstsein machen. Große Dienste erweist ihm auch Martin Latka. Er deutet Giefer immer an, wann er rauskommen soll und spielt so gut wie nie zurück zu ihm, um Fabi erst gar nicht in Verlegenheit zu bringen. So kann man den eigenen Keeper auch stützen und stärken.

UD wieder da!

Abschließend und in aller Kürze: Uns freut es sehr, dass die ULTRAS wieder aktiv sind. Noch mehr freut es uns, dass Niko wieder Capo ist. Das Rückkehr-Statement ist ähnlich stark wie das Pausen-Statement. Hut ab, dass das so schnell ging und unsere Fortuna die verbleibenden Spieltage auf unseren lautest möglichen Support setzen kann. Sie werden es brauchen.

Kommenden Samstag in München sollten wir eigentlich nur an die Wahrung unserer sehr guten Tordifferenz denken. Denn die ist so unendlich viel wert weiterhin (schaut Euch mal den 11.-platzierten Stuttgart mit -16 an). Augsburg muckt da unten ordentlich auf und punktet unentwegt. Fürth könnte die rote Laterne bald an Hoffenheim übergeben und fängt sich auch irgendwie. Dafür hat WOB uffe Schnüss gekriegt. Klar, wir sind noch lange nicht durch. Aber das ist selbst Hannover 96 mit 33 Punkten noch nicht. Es bleiben noch 10 Spieltage und noch 6-8 weitere Punkte könnten für uns in dieser Saison reichen. Das trauen wir unseren Jungs doch wohl zu, oder? Also, wir tun es 🙂

Nun verlebt erst mal eine schöne Woche und bis zum nächsten Spielbericht.

Adnan & Ingo