1:0 zuende „gefürth“

18 Feb

Was zählt, ist Zählbares. Und darum braucht niemand den liegen gelassenen Chancen nachheulen, oder sich darüber ärgern, warum wir denn so zittern mussten. Wir haben mit unserem Sieg gegen Kräuter Fürth den Punkteabstand zu einem Konkurrenten weiter ausgebaut und sind der Mission „Klassenerhalt“ am 22. Spieltag einen gehörigen Schritt näher gekommen: 27 Punkte und Rang #13!

Diesmal müssen wir alten Haudegen zu Beginn direkt mal uns selbst zitieren – tut  ja sonst keiner 🙂 Am Ende unseres Berichts zum Spiel in Freiburg wiesen wir mit Blick auf das „Sechspunktespiel“ gegen Kräuter Fürth darauf hin, dass unsere „launische Diva“ gerade solche Spiele gerne mal versemmelt. Wir merkten jedoch orakelesk an: „Diesmal wird es anders. Zu frisch ist die Pleite gegen Augsburg; und auch die Niederlage in letzter Sekunde gegen Freiburg wird die Mannschaft wach halten.“ – hinzufügen könnte man hier noch die Sperren von Bodzek und Lumpi, weshalb das Team insgesamt etwas wachsamer sein dürfte. Kurzum – und mit dreifachem Tusch – wir hatten Recht! Und so freuen wir uns über 3 unendlich wichtige Punkte. Wir haben diesmal unsere Mannschaft auch endlich wieder ordentlich angepeitscht. Wir zwei strahlten über beide Ohren, als kurz vor Anpfiff die Trommeln aus dem 42er wieder ertönten. Wir haben es schon mal gesagt, und sagen es wieder: UD ist für scheppernden Support unverzichtbar. Ja, man mag jetzt über die Songauswahl und das Timing (während der Ausführung des Elfmeters?!?!?!?) diskutieren. In puncto Lautstärke und Gesamtdruck schaffen wir mit aktiver UD aber einfach mehr. Also: Bleibt bitte an den Trommeln, Jungs!!!

Kommen wir zum Spiel: Norbert Meier ersetzte die gesperrten Bodzek und Lumpi durch Fink und den von uns schon des öfteren gescholtenen Axel. Zudem brachte unser Trainer Schahin für Ilsö. Und taktisch? Unsere Jungs waren auf aggressives Pressing eingestellt und setzten es mit Ausnahme des nach dem Elfer sichtlich „gebrochenen“ Schahin sehr gut um. Sie standen vor allem zu Beginn recht hoch. Während sich Bodzek gegen Stussgart und Freiburg für den Spielaufbau auf eine Reihe mit den beiden Innenverteidigern fallen ließ und die beiden Außenverteidiger aufrückten, überließen Tesche und Fink den Spielaufbau gegen die „Kleeblätter“ – wie uncool ist es eigentlich, nach einem Unkraut benannt zu sein und dann noch nicht mal vier Blätter zu haben? – den beiden Innenverteidigern allein. Besonders unsere Nummer #28 wusste in dieser Hinsicht zu überzeugen.

Und wir begannen wirklich ordentlich: In der ersten Offensivaktion des Spiels nach etwa 100 Sekunden schnappt sich Kruse das Leder aus der eigenen Hälfte und soliert wie in Zeitlupe eine gefühlte Ewigkeit ganz entspannt durch die Reihen der Fürther und wird schließlich vom ungeschickten, fränkischen Verteidiger Zimmermann (Namen merken) im Strafraum zu Fall gebracht. Der sofort für sympathisch befundene  Schiedsrichter Welz zeigt umgehend auf den Punkt – Elfmeter! Da Langeneke leider immer noch nicht wieder fit ist, greift sich Schahin das Spielgerät und überzeugt die heran eilenden Kollegen Fink und Reisinger davon, dass er derjenige ist, welcher. Gegen Glattspack hatte es ja auch schon gefunzt. Unnötigerweise wurde bereits während der Ausführung im Stadion gefeiert – das macht man doch nicht, oder? Denn: Pustekuchen! Wie gegen Glattspack wählt Dani die linke Ecke. Leider hat der Kräuter-Keeper Hesl wohl auch die Sportschau gekuckt und wirft sich genau dorthin. Zudem war Dani’s Schuss unpräzise und nicht scharf genug. Somit, Riesenchance zum Vorteil vertan. Doch der Support worde umso lauter fortgesetzt. Danach entwickelt sich ein leidenschaftliches Spiel. Tempo war zeitweise auch drin, aber – wie es sich für ordentlichen Abstiegskampf gehört – waren ebenso fehlende Präzision und Missgeschicke auf beiden Seiten ständige Begleiter dieses Spiels.

Giefer’s Assist, Axel’s Tunnel und Fortunesker Spielverlauf

Die ersten gefährlichen Strafraumszenen nach dem verschossenen Elfer sollte aber „Nürnberg für Arme“ haben. Innerhalb von zwei Minuten treffen Nehrig und Schalke-Schreck Djurdjic  in der 15. und 16. düsseldorfer Aluminium und wir schrammen nur Dank Giefer und unserer Namenspatronin knapp an einem Rückstand vorbei. Und genau in diesen Minuten (es war die 18.) leitet unser Fabi mit einen Abschlag schon die Entscheidung des Spiels ein. Er schickt Axel steil, dieser nimmt den Ball mit der Brust mit und legt ihn sich ein Stück zu weit in Richtung gegnerisches Tor vor. Der zuvor durch Tolpatschigkeit aufgefallenen Sportskamerad Zimmermann (da isser wieder) drängt sich zwischen Axel und Ball. Und gerade, als wir dachten: „Schade, das hätte ja durchaus interessant werden können“, spielt der unter Druck nervös werdende Zimmermann einen viel zu gefühlvollen Rückpass zu seinem Keeper, den Bellinghausen dankend mitnimmt. Kalt wie ’ne Hundeschnauze tunnelt Axel Monsieur Hesl zum 1-0. Wir erinnern uns: Derselbe Giefer, der zu Beginn der Saison 4 von 5 Abschlägen ins Aus jagte und den Ball lieber ablegt, als ihn aus der Hand abzuschlagen, hat genau so seinen nächsten Scorerpunkt gesammelt. Kurz vor Wiederanpfiff nach dem 1-0 konnte man beobachten, wie Jojo Giefer gratulierte, indem er seinen Abschlag nachahmte und auch Latka gratulierte unserem Keeper mit Applaus und geballter Faust zu seinem Assist – das ist Teamspirit. In der Folge haben wir die Partie im Griff und spielen sicher, bis… ja, bis ein Fürther in der 38. Minute (in der Minute flog auch der Krankfurzer, oder) frühzeitig zum Duschen geschickt wird. Überzahl ist nicht unser Ding. So wird aus der Sicherheit nach der Führung gefühlte Unsicherheit nach Überzahl – diese Saison leider die Regel; bis auf die Partie gegen Krankfurz. In der 2. HZ verlassen wir uns fast nur noch auf’s Kontern. Man hat das Gefühl, unsere Jungs lassen Fürth zu viel Raum. Manche Passstaffettem vor dem eigenen 16er wirken zudem arg leichtsinnig. Es mag aber sein, dass man bezweckte, dass Fürth kommt und sich in eigenem Ballbesitz müde spielt. Und, wenn man bedenkt, wie viele Torchancen wir hatten, war es ja so dumm auch nicht. Warum allerdings Schahin, Kruse (neben Latka und Axel bester Mann), Ilsö und Reisinger keine der fünf, sechs hochkarätigen Chancen reinmachen, muss man nicht verstehen. Und, weil im Fuppes IMMER ein Tor fallen kann, bleiben die Zuschauer nervös. Pfiffe ertönen – zwei Mal. Doch beide Male schreit die Südtribüne mit inbrünstigen „Fortuna, Fortuna“-Rufen diese unsägliche Unmutsäußerung nieder. Sicher gibt es enttäuschte Zuschauer, die kein Torspektakel sondern dreckigen Abstiegskampf sahen und mit dem Sieg nur bedingt glücklich waren. Nur können wir auf die keine Rücksicht nehmen. Die Freude über diese drei Punkte ist riesig.

Ruhepol & Dirigent: Latka wächst zu einer F95-Größe heran

Dieser Martin Latka… Watt ’n Typ! Mit seinem kahlrasrierten Schädel, der Statur eines Dock-Arbeiters und der furchteinflößenden Maske ist die Freude der Stürmer auf einen Zweikampf mit ihm sicher vergleichbar mit der Euphorie eines Lachses, der flussaufwärts schwimmend einem Grizzly Bären in die Pranken springt. Dass unser Martin die Stutzen ganz knapp über die Schienbeinschoner trägt, passt bestens zu ihm – er würde vermutlich am liebsten in bester Matthias Herget- oder Hans-Peter Briegel-Manier ganz auf Schienbeinschoner verzichten… Diese Veteranen in den Schatten stellend hat Latka gegen Führt die ideale Interpretation des modernen Innenverteidigers regelrecht zelebriert. Mit grandiosem Stellungsspiel, resolutem Zweikampfverhalten und regelrechter Unantastbarkeit im Luftkampf ist er für unsere Defensive eine absolute Bereicherung. Da Latka aber auch über einen wohl dosierten Offensivdrang verfügt, sicher im Passspiel ist und zudem das Auge für Mitspieler hat (Herhören, Robbie Kruse!), besticht der tschechische Abwehrschrank auch als ideenreicher Initiator im Spielaufbau. Das ist aber bei weitem nicht alles: mit seinem Einsatzwillen und der „Chuzpe“,  seinen maskierten Schädel auch dahin zu halten, wo es weh tut, präsentiert sich unsere Nummer #28  als waschechter Fortune, der die nötigen charakterlichen Eigenschaften mitbringt, eine neue Größe für den Verein und eine Riesenhilfe im Abenteuer Bundesliga für uns zu sein. Dass er seine Nebenleute so gekonnt mit Gesten dirigiert und nach wenigen Wochen in Düsseldorf schon die Rolle der kommunikativen Schaltzentrale übernimmt, ist schlichtweg beeindruckend. Ihm ist nicht eine einzige Aktion misslungen. Von daher war er für uns ganz klar der Mann des Spiels – weiter so, Martin!

Axel zeigt Größe während und vor allem nach dem Spiel

Ja, wir FUPPES95iger haben in unserem letzten Bericht die leise Hoffnung geäußert, Axel würde nicht eingesetzt werden. Da wir aber keine auf Rechthaberei pochenden Klugscheißer sind, freuen wir uns natürlich riesig über Axels bis dato bestes Spiel für uns. Ja, wir spielten gegen die mit Abstand schlechteste Mannschaft, die wir bei uns in dieser Saison zu Gast hatten. Ja, Zimmermanns Lapsus hat Axel zum Tor verholfen. Dennoch: Auch Fürth muss man in Grund und Boden rennen – und das hat er fulminant gelöst. Nicht gerade sportlich, aber als Signal umso geiler war seine Aktion kurz vor Schluss in der Hälfte der Fürther. Nachdem er auf dem linken Flügel ein etwas arrogant anmutendes Dribbling ins Seitenaus gurkte, nahm er dem Fürther die Kirsche weg, täuschte an, ihm den Ball im Volleyball-Stil zuzuschmettern, um ihn dann über ihn zu lumpfen. Die Fürther ärgerten sich zurecht maßlos – wir genossen diese Augenblicke, und der Schiri…? Muss es verpasst haben. Aber selbst die Gelbe Karte wäre es wert gewesen, den Gegner so zu ärgern. Tja, und was für ein großartiger Typ uns Axel ist, zeigte er vor allem nach dem Spiel eindrucksvoll. Alles bereitete sich auf die Humba vor, als er das Mikro ergriff und darum bat, aufgrund des Verlustes des viel zu früh verstorbenen Fortunen, Cedi, diesmal darauf zu verzichten: Großer MENSCHLICHER Sport, lieber Axel!

Auf Schalke geht Einiges

Blicken wir zum Abschluss kurz nach vorn: Die Punkte gegen Fürth werden noch wertvoller, wenn wir uns die kommenden Spiele und Gegner ansehen: Schalke (A), Mainz (H), Bayern (A), WOB (A), Leverkusen (H). Aber besonders auf Schalke ist viel drin – ein Punktgewinn allemal; vielleicht sogar mehr. Wenn wir mal so richtig tief in die Analysekiste greifen, kommt es uns sogar zugute, dass Schalke in Mainz noch zum Ausgleich gekommen ist. Sonst hätte sich womöglich das WOB-Szenario mit dem Trainerwechsel eines kriselnden Vereins vor dem Spiel gegen uns noch wiederholt. Es sind eigentlich solche Spiele, in denen wir uns wohl fühlen: Große Teams, die arg verunsichert sind. Und, was Kräuter Fürth auf Schalke schafft, können wir doch allemal, oder? Glauben wir also dran, denn es ist möglich.

Wir sehen und lesen uns nächste Woche – bis dahin: 95 OLÈ

Ingo & Adnan

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2 Antworten to “1:0 zuende „gefürth“”

  1. 50centauskaiserswerth 21. Februar 2013 um 08:36 #

    Moin Ihr 2 Nüsse,
    zuerst einmal ein dickes und fettes Lob zu dem Blog. Ich schätze Eure dauerhaft rot-weiss geschwängerten Retrospektiven sehr. Im Gegensatz zu vielen Flachköppen im Stadion und an den Stammtischen scheint Ihr das Geschehen auf dem grünen Karree tatsächlich zu lesen, zu analysieren und selbstbewusst zu bewerten. Macht weiter so.
    Beste Grüße
    50centauskaiserswerth

    • fuppes95 21. Februar 2013 um 14:51 #

      Danke, Du Nuss 🙂 Werden unerschrocken weitermachen.

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