Archiv | Dezember, 2012

Zweitjobs und andere Hobbies

25 Dez

Liebe Freunde und Fussballinteressierte,

wir von FUPPES 95 haben uns schon oft gefragt, wie Fussballer bei ihren doch
so bescheidenen Einkünften in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu
bestreiten. Wir haben recherchiert – und zwar ohne Pardon. Wir haben in
unserem investigativen Wahnsinn Mülleimer durchwühlt, Behörden
abgeklappert, Mütter befragt und Liebhaberinnen und Liebhaber erpresst. Wir
sind zu teilweise schockierenden Erkenntnissen gelangt und haben für Euch
herausgefunden, welche Zweitjobs prominente Figuren der Fussballwelt
angenommen haben und welchen Hobbies sie nachgehen. Ihr werdet Euren
Augen nicht trauen…

Diese Enthüllungen werden wir Euch in täglichen Updates präsentieren – denn
sonst hält man datt im Kopp nit aus. Jetzt, da Eure Adventskalenderfensterchen
alle offen und die schokoladigen Inhalte verputzt sind, liefern wir Euch bis
Sylvester neue tägliche Highlights mit täglich vier investigativen Leckerbissen.

An dieser Stelle bitten wir um Euer Mitwirken: Falls auch Ihr Informationen
dieser Art zu anderen Fuppessanern habt und von spannenden Enthüllungen
gehört habt, weist uns unbedingt auf diese hin.

TEIL 7 (31.12.12)

Marko Marin - Zweitjobs

Carlo Werner - Zweitjobs

Lothar Matthäus - Zweitjobs

Sepp Blatter - Zweitjobs

TEIL 6 (30.12.12)

Carlos Tevez - Zweitjobs

Paul Freier - Zweitjobs

Xavi - Zweitjobs

Nando Rafael - Zweitjobs

TEIL 5 (29.12.12)

Kevin Kuranyi - Zweitjobs

Mats Hummels - Zweitjobs

Patrick Zoundi - Zweitjobs

Peter Crouch - Zweitjobs

TEIL 4 (28.12.12)

Zweitjobs: Mario Gomez - Haubentaucher

Gerrit Wegkamp - Josh Homme

Michael Frontzeck - Zweitjobs

TEIL 3 (27.12.12)

Stefan Effenberg- Zweitjobs

Andriy Voronin - Zweitjobs

Dante - Zweitjobs

Ruud Gullit - Zweitjobs

TEIL 2 (26.12.12)

Paul Breitner - Zweitjobs

Philip Lahm - Zweitjobs

Timothy Chandler - Zweitjobs

Ronaldinho - Zweitjobs

TEIL 1 (25.12.12)

Michael Preetz - Zweitjobs

Rainer Calmund - Zweitjobs

Leon Balogun - Zweitjobs

Leon Balogun


Wolf Werner - Zweitjobs

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Verdient rausg’schmisse wodde von dä Kiggähs aus Offebach

19 Dez

Nach einer guten Anfangsphase lässt unser Team alles – aber auch wirklich alles – vermissen, was es stark macht. Norbert Meier (ver-)wechselt sich ein mal mehr und der 4.000 Mann Anhang peitscht aus bekannten Gründen das Team nicht zum Aufwachen an. Die schwächste Saisonleistung wird mit einem 0-2 und dem Aus im Pokal quittiert.

Nach angenehmer Busfahrt im U95-Shuttle und einem wirklich freundlichen Empfang der Offenbachäh Polizei („Liebe Fans däh Fortuna, die Offenbachäh Polizei heißt Sie häzlisch willkomme. Sie laufe jetz dursch den Erholungspark zum Stadion!“) fühlten sich nicht wenige an das Pokaltrauma bei TuS Koblenz erinnert. Der An- und Abmarsch zum Stadion damals war keinen Deut besser. Wir hatten auch in Offenbach einen langen, matschigen Weg durch „Blairwitch Project“-ähnliche Wälder zu betreiten. An jeder Abzweigung des Weges standen eine Hand voll Bullerei, angeleuchtet von ihren hinter sich geparkten Minibussen, sodass man nur Konturen von breit gepolsterten Polizisten und manchem Platz machenden Hund sah. Dies sollten durchaus Vorboten eines absolut verkorksten Fußballabends werden.

Die Besonderheit im schnuckeligen, ganz netten Stadion des OFC ist sicher die Gegentribüne als Stehplatzbereich. Herrlicherweise treffen sich so die Gästefans und Heimsteher dadurch im rechten Winkel der Nordtribüne – welch‘ ein Sicherheitskonzept… Klar, es ist genug Platz dazwischen und ein großes Netz verhindert, dass man sich gegenseitig mit Kuscheltieren, BHs, oder eben gefüllten Bierbechern bewirft. Da es nur alkoholfreies Gebräu gab, wollten ohnehin viele ihre Becher nach drei, vier Schlücken lieber loswerden. Andererseits ist diese Nähe eigentlich gut geeignet, um sich gegenseitig in Grund und Boden zu singen. Und ohne jeden Zweifel hätten die 4.000 Fortunen den Bieberer Berg zum Bibbernden Berg gemacht, wenn es koordinierten Support unter Beteiligung aller Fan-Gruppierungen gegeben hätte. Wir konnten uns immerhin alle zusammentun, um aus voller Verzweiflung „Aufhören, Aufhören!“ zu rufen, als etwa ein OFC-Song angelehnt an Robbie Williams‘ „Angel“ angestimmt wurde. Da müsse mer sagge: des war läschählisch!

Aufwärmprogramm und veränderte Startaufstellung

Die Kiggähs begannen ihr Aufwärmprogramm gute 10-15 Minuten vor den Fortunen. Eher scherzhaft sagte mancher im Block, dass sich darin bereits zeige, wer hier wirklich gewillt ist, etwas zu reißen. Doch so chaotisch, wie die OFCler da über den Platz liefen – mancher mit Ball, mancher ohne, kreuz und quer und rundherum – machten sie nicht einen allzu professionellen und beängstigenden Eindruck. Und so lachten wir sie wieder aus. Als endlich unsere Jungs auftauchten – sie standen wohl lange im Stau -, stellten wir fest, dass in der Startelf unsere Defensivmaschine „Bodze“ fehlte und Bellinghausen für Kruse weichen musste. Es freute uns zudem, dass Malezas nach einer Ewigkeit zumindest wieder im Kader ist. Dass er noch nicht fit genug ist, um Levels als Innenverteidiger zu vermeiden, darf einen durchaus ärgern. Aber ein Offensivverbund mit Kruse, Reisinger, Ilsö und Schahin wirkte doch eigentlich vielversprechend…

Den Regler nur auf 70% gedreht

Unsere Truppe begann wirklich gut. Denn die ersten 20 – 30 Minuten konnte man den Klassenunterschied sehen. Der Ball lief gut und ein paar schöne Spielzüge waren zu sehen. Doch es schien zu einfach zu sein. Mancher Kruse oder Ilsö schlugen lieber noch einen Haken statt einen einfachen Ball zu spielen. Dadurch ging die notwendige Konsequenz verloren, um in dieser starken Anfangsphase in Führung zu gehen. Ilsö zimmerte ein Mal ein Pfund auf’s Tor, doch der OFC Keeper parierte diesen „Torwartball“. Die Offebachäh zogen sich zurück und zeigten durchaus Respekt. Sie verloren aber ihre Ordnung nicht. Und, da wir eben deutlich weniger gaben als erforderlich, gelang kein Schlag durch die OFC-Defensive. Gegen tief stehende Gegner muss man natürlich den Ball auch eine Zeit lang einfach laufen lassen. Sieht öde und einfallslos aus, muss aber leider sein, um dann den entscheidenden Moment auszumachen, in dem man das Spiel schnell machen oder den Gegner zu Fehler zwingen kann. Das gelang aber unserem Team zu keinem Zeitpunkt. In der 2 HZ kam zu dieser fehlenden Konsequenz auch noch fußballerisches Unvermögen hinzu. Anspiele waren langsam, unpräzise und teilweise (ohne Witz) auf Kehlköpfhöhe gespielt. So kann man einfach kein Tempo aufnehmen. Das spürten die Kiggähs und drehten langsam aber sicher ihrerseits auf. Und da funktionierte dann unsere Defensive nicht. Juanan und Levels spielten nicht gut zusammen, wirkten mit den manchmal orientierungslosen Außenverteidigern vdB und Balogun wie der berühmt berüchtigte Hühnerhaufen. Besonders, weil der OFC das Spiel nun schnell machte. Sie legten das an Einsatz und Entschlossenheit drauf, was unserer Fortuna abhanden gekommen war. Unser hochgeschätzter U95-Kollege, Fränkie, beklagte völlig zurecht, dass die Fortuna als Underdog doch eigentlich wissen müsse, wie ein Underdog spielt. Sie hätten doch wissen müssen, wie man einen schwächeren Gegner in seine Schranken weisen muss. Marcel Reif (jaja, Scheiß-Sky und so – schon verstanden) sagte mal treffend, dass der Stärkere dem Schwächeren auch zeigen muss, dass das so ist. Genau das versäumte die Fortuna in der 1 HZ und wurde zum Ende der 2 HZ dann regelrecht überrannt.

Vermeierte Wechsel – mangels Alternativen?

Man durfte sich wieder mächtig ärgern über Norbert Meier’s Wechsel. Muss man gegen einen Drittligisten wirklich einen Stürmer für einen Stürmer bringen? Kann man nicht mit beiden auf dem Platz Gas geben? Noch weniger Verständnis hatten wir für die Einwechslung von Cha für Ilsö – erst recht nach dem Irrsinn (sorry, es muss so deutlich sein), den Cha auf dem Platz verrichtete. Er ließ sich fast schon peinlich den Ball nach einer Brustannahme von hinten abluchsen, weil er ewig braucht, um weiterzuspielen. Bei einem Konterversuch rennt er fast schon hysterisch vor drei Offenbachern weg ins Seitenaus. Er, der keinen Antritt hat, keine enge Ballführung und ebenso wenig Dribbeln kann, sucht den Weg des Sololaufs statt eine Anspielstation zu suchen. Diese Szene sah so aus wie das Durchdrücken der „Turbotaste“ auf der Konsole bei FIFA oder PES, mit dem man ebenso herrlich Spieler ins Aus steuern kann. Schaut man sich aber auch die Bank an, muss man sich fragen, wen Meier hätte bringen sollen. Wegkamp sollte schon vor dem 0-2 kommen. Da aber der Ball einfach nicht ins Aus wollte, kam er erst so spät rein. Aber beim Kollektivversagen derjenigen, die für den Spielaufbau zuständig waren, konnte nicht davon ausgegangen werden, dass ihn auch nur ein vernünftiger Ball erreicht. Abgesehen von Schahins Kopfball in der 49. Minute hatten wir nicht eine Torchance in der 2. HZ – gegen einen Drittligisten. Lumpi war am Ball wie so oft zu langsam. Fink völlig ideenlos. Kruse rannte sich durchgehend fest. Reisinger ebenfalls. Balogun und vdB konnten trotz einiger Flanken keine Offensivakzente setzen und waren hinten nicht konsequent. Ilsö versuchte viel, zeigte aber wieder, dass er auch gegen schwächere Gegner viele, viele Anläufe braucht. Levels riss Löcher in die Abwehr, die Juanan allein nicht stopfen konnte. Hätte man wirklich nicht Malezas spielen lassen können? Gegen einen schwächeren Gegner wäre das doch eine gute Gelegenheit gewesen. Tja, und Giefer… Der Junge hielt wieder, was irgendwie im Ansatz zu halten war und war der einzige Fortune in Normalform.

Hinrundenabschluss versalzen – nicht nur auf dem Platz

Die Freude über die grandiose Hinrunde und die 21 Punkte in der Liga wurde nicht unbedingt wegen des Ausscheidens gedämpft, sondern vor allem wegen des Auftretens der Mannschaft. Das grenzte an Arroganz in der 1. HZ und an erschreckendem Unvermögen in der 2. HZ. Wir verloren so gegen Offenbach wie wir gegen den HSV selber noch gewannen. Wir fuhren die Regler ähnlich zurück wie gegen Nürnberg, wobei der Club wenigstens von Anfang an richtig gut spielte. Wir taten dem Underdog alle Gefallen, die uns selbst stärkere Gegner oft getan haben. Das ist das Enttäuschende am Ausscheiden. Es ist schade, dass die Jungs so in die Winterpause gehen. Wir alle haben gehofft, dass Meier sie so richtig zusammenschnauzt nach dem Spiel, Straftraining anordnet und sicherstellt, dass dies eine Lektion für die Mannschaft ist und bleibt. Denn nach der gestrigen Leistung müssen wir froh sein, sehr früh in der Saison gegen Augsburg und Fürth gespielt zu haben. Sonst hätten wir uns gegen die wohl auch gehen lassen. Zuguterletzt müssen wir aber auch der Mannschaft eingestehen, dass sie sehr intensive Wochen und Monate hinter sich hat – mental und körperlich mussten sie stets an ihr Limit gehen; das ist keine Entschuldigung, aber womöglich eine Erklärung.

Tja, und auf den Rängen ist es bei uns eben auch eher traurig im Moment. Zum Glück kam es zu keinerlei Zwischenfällen im Block, obwohl ein beachtlicher Teil versuchte, die Mannschaft zu supporten. Die Episode um Paul Jäger wird jetzt nochmal für ordentlich explosiven Gesprächsstoff gesorgt haben. So sehr unsere Vereinsführung dafür zu kritisieren ist, wie sie sich bei der Abstimmung zum DFL-Papier verhalten hat, so lobenswert ist dieses zeitnahe, ausführliche Statement von Jäger. Es ist gut, dass wir jetzt Winterpause haben. Die Gemüter müssen und werden sich hoffentlich beruhigen. Wir können nur anregen, dass jeder Einzelne nun den Zynismus runterfährt und an einer Annährung der Positionen arbeitet. Wir halten daher fest: die oft zu Unrecht allein gescholtenen ULTRAS sind bei allem, wofür man sie auch berechtigt kritisieren kann, unverzichtbar für den Support. Damit dieser aber auch richtig scheppert, sind ebenso weitere Fanggruppierungen und der unorganisierte Teil der F95-gemeinde unverzichtbar. Scheppernder Support wiederum ist absolut unverzichtbar für die Mannschaft. Deswegen müssen alle Beteiligten daran arbeiten, dass wir schnell wieder unsere Mannschaft vereint anpeitschen können. Denn auf sie kommen im ersten Halbjahr 2013 noch mächtig schwere Aufgaben zu.

Winterpause Olé

Da unsere Fortuna erst wieder am 20. Januar ein Pflichtspiel bestreitet, müssen wir jetzt erst mal keine Spiele mehr diskutieren. Wir haben uns aber schon andere Dinge überlegt, mit denen wir uns im Laufe der Winterpause beschäftigen wollen. Schaut daher regelmäßig hier vorbei, um die schwere Zeit ohne Pflichtspiele unserer Jungs besser ertragen zu können.

Trotz des Dämpfers haben wir die Hinrunde genossen und Ihr sicher auch.

In diesem Sinne – 95OLÉ

Ingo & Adnan

Wenn 95 mehr als 96 ist…

16 Dez

Welch ein toller Hinrundenabschluss! Unsere F95 stellt (fast) alle Fehler vom Nürnberg-Spiel ab und präsentiert sich über die gesamte Spieldauer bundesligareif. Da selbst nach dem Ausgleichstreffer noch echter Siegeswille zu spüren ist, gewinnt unser Team verdient mit 2-1 gegen eine spielstarke Mannschaft internationalen Formats.

Das Wichtigste zuerst: Wir haben zum Ende der Hinrunde sage und schreibe 21 Punkte gesammelt – hinzu kommt ein ordentliches Punktepolster auf den Relegationsplatz und die direkte Abstiegszone, in der sich Fürth und Augsburg in fast schon bemitleidenswerter Weise auch noch gegenseitig Punkte wegnehmen. Sowohl die Punkteausbeute als auch die ordentliche Tordifferenz (so wertvoll wie ein weiterer Punkt) zum „Bergfest“ sind ein beachtlicher Teilerfolg unserer Mannschaft. Dabei lief nun wahrlich nicht alles wie am Schürchen. Kaum war die Defensive stabil, brach mit Malezas erst die eine und kurz darauf mit Langeneke die andere zentrale Säule weg. Der vermeintliche Transfer-Coup, Voronin, entwickelte sich zu einer Farce. Das Verletzungspech weitete sich auf alle Mannschaftsteile aus. Davon ist unser Team aber weitestgehend unbeeindruckt geblieben. Dank des unerschütterlichen Spielsystems von Norbert Meier schaffen es die Reservisten, Ausfälle positionsgetreu zu ersetzen und sich in persona Leon Balogun sogar einen Stammplatz zu erarbeiten. Darauf können wir mächtig stolz sein. Und am Dienstag kann – ja muss eigentlich – dieser Teilerfolg mit dem Viertelfinaleinzug im DFB-Pokal gekrönt werden. Rundum: tolle Aussichten, oder?

Mutig, beweglich, gallig

Beim Spiel gegen Hannover präsentierte sich unsere Mann sehr entschlossen – nach vorne und nach hinten. Sie wirkte von Anfang an gewillt, hier was zu reißen, Hannover aber gar nicht erst ihr gefürchtetes, technisch versiertes Kombinationsspiel entwickeln zu lassen. Gleich von Beginn an verteidigten unsere Offensivleute schon am gegnerischen Sechzehner. Das mag durchaus eine Lehre aus Nürnberg sein, wo unseren Jungs durchgehend weder Zeit noch Raum zur Spielgestaltung gegeben wurde. Und so kam in der 1. HZ Hannover eigentlich nur durch zwei haarsträubende Unachtsamkeiten von Bodzek gefährlich vor unser Tor. Was unsere neue Defensiv-Festung „Bodze“ da geritten hat, sollte besser sein Geheimnis bleiben – ein ordentlicher Anschiss von den Teamkollegen blieb aus. Aber, da Bodzek davor und vor allem danach wieder sehr stark spielte, kann man ihm diese Aktionen auch einfach vergessen. Sein Kollege in der Innenverteidigung, Juanan, blieb wie so oft zuletzt fehlerfrei. Van den Bergh steigerte sich um fast 100% gegenüber der „Unleistung“ in Nürnberg, verteidigte seine Seite ganz ordentlich und brachte sich offensiv ein, als er bspw. nach anschaulichem Flügelspiel mit einer Flanke auf den zweiten Pfosten „Reise“ bediente, der wiederum den Mut hatte, die Kirsche trotz spitzem Winkel Volley zu nehmen. Überhaupt war es schön zu sehen, dass unser Team sehr mutig war. Nichts war zu sehen von der „Hauptsache nicht verlieren“-Attitüde mancher Saisonspiele. Diese Galligkeit verkörpert Reisinger auf rechts immer wieder: sein kampfstarkes, dynamisches  und wuchtiges Spiel ist eine echte Bereicherung und seine mittlerweile typischen Soli eine gefährliche Waffe. Wie einst „Mücke“ alias Bud Spencer pflügt er durch die gegnerischen Reihen und räumt mit dynamischen Körpereinsatz die Gegenspieler reihenweise aus dem Weg. Er wirkt auf seine Gegner offenbar so, als würde er gleich zum „Bud-Spencer-Fontanellen-Hammer“ ausholen. Anders ist deren Schockstarre manchmal nicht zu erklären. Aber auch andere zeigen unbedingten Siegeswillen.

Echte Stürmertore hüben wie drüben

Wie schon gegen Frankfurt gelingt unserer Mannschaft in der 39. Minute der Führungstreffer. Der besonders in der 1HZ emsige Bellinghausen orientiert sich etwas zentraler und schickt Balogun rechts Richtung Grundlinie. Dieser hat dann wahrlich alle Zeit der Welt, kann sich noch ausrechnen, dass mit Schmiedebach und Cherundolo nicht gerade große Hannoveraner am zweiten Pfosten stehen und flankt butterweich rüber. Und, gerade als Ken „der Facebook-Entertainer“ Ilsö dachte „Oh, is siesse jeds meinen Supertor!“, flog ihm ein sprunggewaltiger Dani Schahin mit den Worten „Ich jetzt, Du später“ dazwischen und wuchtet einen präzisen Kopfballaufsetzer gegen die Laufrichtung des chancenlosen R. R. Zieler. Jawollski! 1-0! Toll, dass Schahin bei seinem ersten Spiel von Anfang an seit langem wieder trifft. Er hat sich in seinen 60 Minuten für die Stammelf empfohlen, da er viele Abschläge in der Luft verwerten und ihm zugspielte Bälle gut verwalten und ablegen konnte. Erfreulich war es auch, dass sich Balogun einen weiteren Scorerpunkt geholt hat. Dass er wieder von Anfang an ran darf, war nach Nürnberg nicht ganz so sicher. Super, dass ihm Meier vertraut hat und er dieses Vertrauen durch eine tolle Leistung bestätigt hat. Seitdem Balogun auf dem Platz ist, kassieren wir über rechts keine Buden mehr. Die Gegentore können Bellinghausen und Jojo derzeit nicht verhindern. Aber Supertore wie das von Diouf kann man halt kriegen. Schmiedebach flankt diagonal in den 16er, wo Diouf den Ball im Lauf mit der Brust annimmt und als Dropkick mit rechts reinknülzt. Richtig geil gemacht – keine Frage. Das Tor fällt in einer Phase der zweiten 2.HZ, in der Hannover einen Gang drauflegt.

Eine weitere Reifeprüfung bestanden

Eine Saison zeichnet sich durch bestimmte Prüfungssituationen aus: Wie verhält sich die Mannschaft bei einem Rückstand? Bei einer Führung? Bei einem Ausgleichstreffer? Bei einer Verletzung? Bei Über- oder Unterzahl? Und, und, und… Diesmal stellte sich die Frage, was die Jungs nach dem Ausgleichstreffer machen würden. Hannover wurde gerade stärker – ist ja klar, dass die in der 2. HZ eine Schippe drauflegen würden. Und so wäre es gut möglich gewesen, dass Meier das Team zur Punktewahrung beordert. Und ein 1-1 gegen Hannover wäre ja auch ein gutes Ergebnis. Doch diesmal zeigte unser Team (wie bereits oben geschrieben) echten Siegeswillen. Das Spiel entwickelte sich zeitweise zu einem regelrechten Schlagabtausch. In der 79. Minute rollte ein schon in der Entstehung gefährlicher anmutender Angriff der Hannoveraner, Balogun kann einen Pass in die Mittelfeldzentrale nicht verhindert. Schiedebach hat viel Zeit, Lumpi kommt nicht ran und so kommt ein gefährlicher Distanzschuss auf Giefer. Er muss den Ball abprallen lassen und bringt Diouf zu einer 100%igen Torchance. Vermutlich jeder im Stadion und am Bildschirm hat es dann eigentlich klingeln sehen, doch Giefer springt auf und baut sich innerhalb von Milisekunden so imposant vor Diouf auf, dass dieser vergessen muss, dass das Tor 7,32m breit und 2,44m hoch ist. Im Stile eines Eishockey-Torwarts pariert Giefer Dioufs Schuss mit dem rechten Bein und die Arena tobt fast wie bei einem Tor. Eine unfassbar starke Szene unseres Keepers, der seit einigen Spielen auch noch gute Abschläge und Abstöße hinbekommt und somit eigentlich keine Schwäche mehr zu haben scheint. Unnachahmlich etwa die Szene, in der er nach einer Flanke im Sechzehner hochsteigt, von Ya Konan im 5er angegriffen wird, aber den Ball seelenruhig fängt und den Stürmer einfach an sich abtropfen lässt. Schön, dass Fabi immer wieder einen drauflegt. Und nach seiner Glanztat gegen Diouf kommt es wenige Minuten später zum erlösenden Siegtreffer: „Reise“ tankt sich wieder kraftvoll auf rechts durch und wird vor dem 16er zu Fall gebracht. Endlich war in einer solchen Situation kurz vor Spielschluss noch ein gefährlicher Standardschütze auf dem Platz. Und „Ilse“ gelang endlich wieder ein richtig schönes Freistoß-Tor. Klar, die Hannoveraner Mauer wird von einigen Fortunen – allen voran Rafael – aufgemischt. Aber das gehört inzwischen zum „guten Ton“ und so braucht es uns nicht jucken, dass Rafael Herrn Pinto den Stollen auf den Mittelfuß schraubt. Freuen wir uns einfach über ein gefühlvoll getretenen, unhaltbaren Freistoß durch unsere Nummer 10.

Ein Team, das sich für die Arbeit belohnt und Freude am Feiern hat

Klar, jede Mannschaft, die einen Sieg einfährt, feiert. Jede Fankurve macht eine „Humba“ mit ihrer Mannschaft. Jeder Fan ist verzückt und vermutet das pure Glück und die reine Freude vor allem beim eigenen Verein. Doch schaut man sich an, wie bei uns die gesamte Truppe mitsamt der Dauerreservisten beim Feiern dabei ist und wie Spieler ihre Teamkollegen feiern – Rafael stimmt ein baritones „Fabi Giefer“ an, während dieser später „Lumpi Lambertz Fußballgott“ skandiert – kann man nicht anders, als von einer besonders intakten Mannschaft zu sprechen. Und das sieht man vorher auch auf dem Platz. Jeder ruft ab, was er bringen kann. Klar, Lumpi unterlaufen weiterhin Fehler; und er braucht jedes Mal ein bis zwei Sekunden zu lange. Doch so, wie er gegen Hannover in die Zweikämpfe gekommen ist, gewinnt man den Eindruck, dass er in die Liga wächst. Er hat mehrere Male entscheidend Angriffsversuche der Hannoveraner mit seinem berühmten „Ausfallschritt“ geblockt und gestört. Bellinghausen gelang vor allem in der 2. HZ. nicht mehr viel. Oft scheint es, er ist leicht auszuspielen. Wenn er aber mal im Nahkampf ist, direkt am Mann um den Ball kämpft, setzt er sich oft genug durch. Ilsö bietet sich überall im Mittelfeld an. Seine Spielweise ist nun mal so, dass seine Aktionen spielzugsentscheidend sind. Dadurch fallen seine Fehler sehr auf. Dass er aber stets anspielbar ist und das Spiel schnell machen kann, zeigte er gegen Hannover wieder. Du-Ri Cha hat nach seiner Hereinnahme mehr überzeugen können als sonst. Auch er jagte einen Schussversuch ins Seitenaus. Aber er machte durchaus über links Druck und leitete eine Torchance von Rafael ein. Auch, wenn wir uns sehr wundern, warum es Garbuschewski nicht mal mehr auf die Bank schafft, ist es erfreulich zu sehen, das Cha an Wert für die Mannschaft gewinnt. Ein richtig gutes Gefühl hatten wir, als Levels kurz vor Schluss reinkam und auf die 6er Position beordert wurde. Er scheint für eine solche Aufgabe – Führung gegen eine spielstarke Mannschaft verwalten – wie geschaffen. Zwar musste er jetzt nicht mehr allzu viel verrichten. Doch es ist gut, zu wissen, dass man eine Kampfsau zum kompromisslosen Aufräumen noch bringen kann.

Nie vergessen, für wen wir singen…

Zum Abschluss müssen wir auf die Fanproteste eingehen. Dabei möchten wir eigentlich nur auf einen uns wichtigen Punkt hinweisen. Einer unserer Gesänge besagt, dass wir Lieder „nur für Dich“ singen – und wir machen mit „Oh Fortuna! Oh Fortuna, drum siege heut‘ für mich!“ auch klar, wen wir mit „Dich“ meinen: Unsere Mannschaft! Von daher möchten wir anregen, dass berechtigter Protest gegen strukturelle Eingriffe auf unsere Fankultur nicht dazu führen sollte, dass wir unser wichtigstes Gut – den Support – einstellen. Schließlich singen wir ja nicht für DFB/DFL oder unseren Vorstand, dass wir die jetzt mit Support-Entzug bestrafen wollen. Wir hoffen, dass die vielen heftigen Diskussionen, die es nun in verschiedenen Foren und Gruppen gibt, zu einem positiven Punkt kommen. Erfreulich war in jedem Fall, dass der Support in der Arena wesentlich besser war, als erwartet werden konnte. Natürlich ging durch das Fehlen der Trommeln etwa viel in Sachen Wucht und Koordination verloren. Dafür schallte es oft stimmungsvoll durch die Arena. Wer weiß, vielleicht gibt fortan jeder Einzelne in der Butze etwas mehr.

Nun können wir die Blicke durchaus hoffnungsvoll auf Dienstag Abend richten. Der Viertelfinaleinzug sollte machbar sein. Und dann hat uns die Fortuna wirklich reich beschenkt in der Weihnachtszeit. Aber noch brennen erst drei Kerzen – mal sehen, was unsere Jungs zum vierten Advent eingefahren haben.

Wir verbleiben mit einem feuchtfröhlichen 95OLÉ und freuen uns auf Dienstag,

Ingo und Adnan

Die Diva „launt“ in Nürnberg

10 Dez

Ein auf unser Team optimal eingestellter „Club“ schlägt uns mit unseren eigenen Waffen und kauft unseren Jungs den über die Englische Woche teuer erkauften Schneid zu einem Schnäppchenpreis ab. Da in diesem Spiel niemand außer Fabian Giefer annähernd Normalform erreicht, geht die F95 verdient mit einer 0-2 Niederlage vom Platz.

Dabei waren wir doch alle guter Dinge. Wir hatten allen Grund, mächtig stolz auf unsere Fortönnski zu sein; nach dem, was sie uns in der Englischen Woche geboten hatte. Wir dachten, dass unser Team mit einer Menge Selbstvertrauen aus diesen Spielen hervorgehen und nach den Frankfurter Würstchen nun eben auch ein paar Nürnberger Würstchen grillen oder zumindest anbraten würde. Leider haben wir da aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn der 1. FC Nürnberg hat sich von allen bisherigen Gegnern am besten auf die Fortuna eingestellt. Und, wenn man gelesen hat, was im Vorfeld des Aufeinandertreffens von Seiten des Vereins aber auch der Fans über uns geschrieben wurde, ist das wenig überraschend.

Der FCN mit fortunesker Attitüde

Waren wir nicht stolz auf unser Team, wie es gegen Frankfurt den Verlust von Robbie Kruse wegsteckte und dennoch offensiv mächtig Alarm machte? Diesen „Kruse-Effekt“ erlebten die „Clubberer“ in persona Kiyotake – ihrem munter scorenden Flügelspieler. Sein Ausfall, hofften wir, würde Nürnbergs Offensive kritisch treffen. Doch die Sportskameraden Feulner und Frantz kompensierten den Ausfall leider viel zu gut und alle anderen Nürnberger wussten, dass sie einen Ticken mehr geben müssen. So waren sie hellwach, spritzig, mutig und jederzeit präsent. Jedweder Versuch des Spielaufbaus unserer Jungs wurde umgehend gestört und versucht, sofort im Keim zu ersticken. Dem Ballführenden wurde kaum Raum oder Zeit gegeben – und davon brauchen einige unserer Jungs ja bekanntlich etwas mehr. Dieses „Eng-am-Mann-stehen“ hat die Nürnberger viel Laufarbeit gekostet. Überhaupt haben die Franken genau die Leidenschaft und Laufbereitschaft an den Tag gelegt, die stets unser Team auszeichnet – eine Spielweise, die man bei anderen Clubs vor allem dann sieht, wenn sie super motiviert gegen „große“ Gegner spielen. Und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Nürnberg hat die Fortuna als Gegner total ernst genommen – als Mitkonkurrent gegen den Abstieg, den man zu Hause unbedingt besiegen muss. Das Ergebnis: aggressives Pressing bei Ballbesitz Fortuna und resolutes Gegenpressing, sobald man selbst bei Angriffsversuchen den Ball verloren hat. Oder um es in der Fortuna-Erfolgsformel auszudrücken: organisierte Defensive + Laufbereitschaft + Zweikampfstärke + schnelle Konter = SIEG dum dum dumdum dum dum SIEG!

Axel macht den „Ehren-Mario-Gomez“ – Nürnberg „poltert“

Nach diesem Lobgesang auf die Nürnberger müssen wir nun aber unsere Jungs ordentlich lang machen – schließlich haben die so schwach performt, dass Norbert Meier nach der Niederlage richtig sauer war. Bis auf unseren, sich auf dem besten Weg zum Torwart-Gott befindenden, Fabi Giefer, erreicht leider kein Fortune im Spiel gegen den FCN die Form der letzten Spieltage. In der Defensive gerät besonders unsere linke Seite um Jojo und Axel das ein ums andere Mal in arge Bedrängnis und bekommt den starken Feulner einfach nicht in den Griff. Nach vorne fehlten Präzision und Konzentration. Symbolisch für die dadurch verlorengegangene Effektivität ist wohl eine spielentscheidende Situation in der 20. Minute: Van den Bergh hat dabei seine beste Szene des Spiels, setzt sich dynamisch auf links durch und zieht in den Strafraum. Dort erspäht er den freien Bellinghausen und legt diesem das Spielgerät ideal auf. Aber was macht der Axel? Anstatt, wie gegen Frankfurt, die Kirsche einfach in die Maschen zu ballern, ernennt er sich selbst zum „Ehren-Mario-Gomez“. Die aberwitzige Diskrepanz zwischen dem von Bellinghausen geschätzten und dem tatsächlichen Aufenthaltsort des Balles und der daher völlig in die Dutten gehenden Ausführung dessen, was ein Torschuss sein soll, mündet in eine kläglich vergebene Großchance, in Führung zu gehen. Einfacher gesagt: Pille über’n Schlappen jerutscht! (Apropos Schlappen: Bellinghausen war zuletzt einer der wenigen Fußballer, die noch schwarze Stiefel trugen. Wieso trug er diesmal Gelbe?) Klar: Hätte der gesessen, hätten wir ein ganz anderes Spiel gesehen – aber „hätte, hätte liecht im Bette!“ Und so kam es genau, wie es kommen musste: Nürnberg kütt über rechts mit dem leider bestens aufgelegten Feulner. An dessen flacher Hereingabe in den 16er grätscht Bodzek knapp vorbei, sodass die einzige Nürnberger Sturmspitze den Ball „reinPoltert“. Boom. 0-1! Vermeidbar war dieses Tor vor allem in der Entstehung über die linke Abwehrseite. Die Links-Achse Jojo-Axel funzte überhaupt nicht . Besonders van den Bergh dürfte seine schwächste Saisonleistung abgeliefert haben. Aber auch bei Ecken war Nürnberg gefährlich. Nach einer Ecke von der „Jojo-Axel-Seite“ fischt Giefer einen starken Kopfball von Ballitsch sensationell aus dem Tor und hält uns so im Spiel.

„Vermeierte“ Wechsel zur 2. HZ.

Dass Norbert Meier zur Halbzeit Stefan Reisinger rausnahm, wunderte uns. Muss man einen Spieler mit den jüngst gezeigten Topleistungen nicht länger auf dem Feld lassen, selbst wenn er eine schwache HZ gespielt hat? Bellinghausen war auf der linken Seite für uns offensiv und defensiv schwächer. Aber gut – vielleicht hatte „Reise“ muskuläre Probleme oder Meier sah ihn Gelb-Rot gefährdet. Es kam mit Schahin immerhin ein Stürmer. So durfte Kruse wieder auf die rechte Seite, in die er aber ohnehin immer wieder abdriftet, obwohl er als Sturmspitze aufgestellt ist. Das Team wirkt leider auch in in der 2. HZ gehemmt und ohne Biss. Sinnbildlich dafür waren Körperspsrache und Gestik bei den Spielern. Man konnte ihnen (im TV) ansehen, dass positiver Spirit fehlte. Nürnberg trat mit effektiv wirkendem Matchplan auf. Hecking wechselte zudem defensiv und überlässt der Fortuna jetzt das Spiel, wohlwissend, dass sie sich genau damit schwer tut. Es scheint grundsätzlich, als würde es unsere Jungs mit der Zeit nervös machen, wenn ein paar gute Angriffe nicht gleich in ein Tor münden. Es geht dann immer mehr Präzision verloren. Ein Schussversuch von Ilsö wird von Timm Klose in bester Bodzek-Manier geblockt. Und so schiebt Raphael Schäfer eine recht entspannten Nachmittagsschicht zwischen den Pfosten. Den gefährlichen Kopfball von Schahin entschärft Timothy Chandler (aka „Körper-Klaus“, „Enten-Po“, „Mann mit Kofferraum“) auf der Linie. Dann bringt Meier Du-Ri Cha und wir müssen uns erneut fragen: Warum? Ist er nicht eher der Mann, den man zur Absicherung bringt? Zwar kommt Cha ein Mal über rechts gut durch, spielt aber etwas unpräzise auf Schahin, der dann zu lange braucht, um den Ball unter Kontrolle zu bekommen, so dass Chandler klären kann. Eine clevere Freistoßvariante über rechts endet nach dem Zuspiel vom ausführenden Ilsö auf Fink in eine Pirouette mit Luftloch – ja, durch genau den Fortunen mit dem Zauberfuß von letztem Spieltag. Und es setzt sich dieses unangenehme Gefühl ein: Es könnte noch Stunden weitergehen; heute trifft das Team einfach nicht. Das änderte sich auch nicht mit der Hereinnahme von Nando Rafael. Nürnberg stand zu gut und konterte zunehmend gefährlich. Giefer hielt, was eigentlich nicht zu halten ist, musste dann aber bei Feulner’s Sonntagsschuss in der Nachspielzeit einsehen, dass es wirklich unhaltbare Schüsse gibt… Endstand 0-2!

Kleinlicher Schiedsrichter vergilbt uns

Ganz sicher hat uns Schiedsrichter, Marco Fritz, nicht verpfiffen. Er hat aber bei uns nahezu jede Möglichkeit, Gelb zu zeigen, genutzt. 6:1 Gelbe Karten bei einem auf beiden Seiten hart umkämpften Spiel, ist etwas arg einseitig. Wobei man aber auch sagen muss, dass unsere Taktischen Fouls ’nen Ticken offensichtlicher waren. Und, als die Bodzek’sche Waldaxt in der 57. Minute Timo Gebhart von den Beinen holte,  fühlte man sich doch gleich wieder an „Bodzes“  Grätsch- & Umholz-Symphonien mit gepaarter Gelbfolge aus besten Zweitligatagen erinnert. Völlig überrascht waren wir, dass Kruse bereits seine fünfte Gelbe Karte sah – watt macht der Jung denn ständig? Jedenfalls fehlt er uns nun kommendes Wochenende gegen Hannover. So müssen wir also wieder auf den oben genannten „Kruse-Effekt“ setzen.

Hoffen auf 1895% Leistungssteigerung der Diva und des 12. Mannes

Alles in allem vermiest uns ein solcher Spieltag lange nicht das, was wir in dieser Hinrunde bis jetzt erleben durften. Dafür stehen wir zu sehr im Soll. Die Diva hat halt wieder mal ihre Laune gezeigt. Und, Dank der Verlässlichkeit von Fürth, Augsburg und Hoffenheim haben wir trotz Platz #15 ein angenehmes Punktepolster auf die „Rote Zone“ – noch. Hannover ist ein Gegner von internationalem Format, und allein die Namen Diouf, Ya Konan, Abdellaoue und Huszti (trotz Formkrise) können beeindrucken. Aber solche Aufgaben hat die Fortuna eigentlich immer gut gelöst. Von daher blicken wir zuversichtlich auf das letzte Heimspiel dieses Jahres und hoffen auf das Vorweihnachtsgeschenk von 21 Punkten aus der Hinrunde. Dafür muss sich auch der 12. Mann nach der wohl schlechtesten Saisonleistung in Nürnberg am Riemen reißen. Wir reisen da mit 3.500 Mann an und sind leiser als… ja, genau die, die wir immer besingen, wenn andere Kurven so leise sind. Zu allem Überfluss haben wir es uns auch nicht nehmen lassen, nach 12:12 in Nürnberg zu zündeln. Das dürfte in etwa so sinnvoll gewesen sein, wie nach einer Diät tagelang Bauchspeck mit Avocado-Gorgonzola-Hollandaise-Sauce mit Bratis zu fressen. Wir sind sehr gespannt, was nun am Mittwoch, 12. Dezember, auf uns zukommt. Gilt nur zu hoffen, dass sich alle Fortunen in der Kurve (ob zu Hause oder auswärts) wieder auf das besinnen, wofür sie Blut, Schweiss und Tränen investieren: Unsere Effümmenöinzisch!

Alles wird besser kommenden Samstag, woll? In diesem Sinne.

95 Olé,

Ingo & Adnan

Verleihung des ersten Watt-denn-Awards

6 Dez

 And the winner is:  Wolf Werner…und…

Wie es der Zufall so will, kommt der erste Preisträger des hoch geschätzten Watt-denn-Awards direkt aus Düsseldorf. Für sein engagiertes Eingreifen nach dem überraschenden und grandios erkämpften Remis in Dortmund, als Wolf Werner unseren Kapitän, Lumpi Lambertz, vor laufenden Kamaras aus einem Sky-Interview riss, verdient es unser sportlicher Leiter mehr als zurecht, mit dem W-d-A ausgezeichnet zu werden. Denn diese Aktion  besagt: „Wir lassen uns von Euch nicht auf der Nase rumtanzen!“, und das ist ganz im Sinne dieser Rubrik. Den F95-Spirit, auf den weiter unten ausführlich eingegangen wird, bekommen eben auch diejenigen zu spüren, die meinen, sie könnten der Fortönn doof kommen: Watt denn Sky?

Aber nun ist es Zeit, die ´63ger Dom Perignon Magnum-Pullen zu köpfen und sich anzuschnallen, denn es wird noch besser: Da dieses Statement aus dem mühsam erarbeiteten Selbeswusstsein der letzten Jahre resultiert, gebührt der erste Watt-denn-Award ebenso dem con-genialen „Yang“ zu Wolf Werner: Unserem Trainer Norbert Meier! Ebenso wie unser sportlicher Leiter hatte Meier in der vergangenen Woche einen besonderen Watt-denn-Moment, bei dem er seinen gegenüber wissen ließ, dass er sich nicht alles gefallen lässt. Als die Frankfurter Trainer-Heulsuse unseren Norbert Meier während des Spiels anschrieh, da dieser sich über Matmour’s überhartes Einsteigen gegen Bodzek aufregte, keifte unser Trainer mit einem für den geübten Lippenleser gut erkennbaren „Watt willst Du denn?“ zurück. Daher geht der erste Watt-denn-Award verdientermaßen an die beiden Messiasse des neuen F95-Spirits. Herzlichen Glückwunsch an Wolf Werner und Norbert Meier!

award werner  + meier final

 

Mai 2008, Erinnern wir uns kurz zurück:

„Sehr viele Traditionsvereine sind längst verschwunden, oder wollen wir jetzt Fortuna Düsseldorf zurück in die Bundesliga holen?“ Diese Worte von Dietmar Hopp standen sinnbildlich für die Wahrnehmung der Fortuna in Fußball-Deutschland noch vor wenigen Jahren. Wir spielten gegen internationale Top-Clubs wie Kickers Emden und als im DSF-Doppelpass die Aussagen des IT-Milliardärs vom getunten Retorten-Dorf-Club diskutiert wurden, erntete die Entwicklung der Fortuna entweder nur trauriges Kopfschütteln oder dämliche Kalauer. Obwohl wir den Niederungen der 4.Liga schon wieder entkommen waren, galten wir in der Fußballwelt nur als klägliches Beispiel dafür, wie man es denn bitteschön nicht machen sollte. Unser Fuppes-Selbstwertgefühl war schwer angeschlagen; teilweise am Boden.

November 2012: Wir sind die Fortuna – Wir sind wieder da!

Wir beenden den Monat November mit einer Ausbeute von sieben Toren und sieben Punkten in sieben Tagen und spielen gegen traditionsreiche Bundesligisten mindestens auf Augenhöhe – obwohl deren Kaderwert jeweils mind. doppelt so hoch ist wie der unsrige. Die Arena ist bei Heimspielen voll und bebt sogar bei einer 0:5 Klatsche wie gegen die Bayern vor guter Laune. Selbst auswärts haben wir schon oft vielzählig und völlig zu recht, die ein- oder anderen Heimfans mit „Ihr seid leiser, als Fortuna Köln!“ verhöhnt.

Watt-denn-Award Werner

Der 4:0 Erfolg gegen Frankfurt, als Krönung der letzten Woche, ist in vielerlei Hinsicht ein hervorragendes Beispiel für die schleichende Renaissance des Selbstbewußtseins- und die famose, ja fast schon traumhafte Auferstehung der Fortuna. Wenn wir uns einmal vor Augen halten, dass unter den 14 eingesetzten Spielern, die gegen Frankfurt auf dem Platz standen, acht Neuverpflichtungen waren und zudem vier wichtige Stammkräfte fehlten, ist die Art und Weise des Sieges umso bemerkenswerter. Mit welchen finanziellen Mitteln Wolf Werner Jahr für Jahr eine schlagfertige und konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellt, verdient aller höchsten Respekt. Dabei haben unsere beiden Preisträger zum Glück für alle Fortunen begriffen, dass eine Mannschaft von Teamplayern mit leidenschaftlichem Kampfgeist, starkem Willen und Laufbereitschaft den Funken zum Publikum über springen lässt, so dass zusammen über Jahre eine starke Einheit entsteht, die auch in schlechten Tagen zueinander steht. Zudem versteht es unser Trainer blendend, den Spielern höchste Systemdisziplin einzuimpfen, was ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil des Erfolges ist. Wenn gerade die neuen Spieler merken, dass das System funktioniert und sich jeder für den anderen zerreißt, ja dass sogar der Ausfall von zahlreichen Stammkräften gut kompensiert werden kann, dann entsteht so viel Selbstvertrauen, Spass und Loyalität in der Truppe, dass uns als leidgeprüften Fortuna-Fans das Fußball-Herz aufblüht, wenn wir eine Fuppes-Woche wie die letzte erleben dürfen. (Ähnlich wie bei einer verkrüppelten Wüstenwurzel, die sich nach Jahren der Dürre in einem Regenschauer zu einer strahlenden rot-weissen Blüte erhebt.)

award meier final

Schlucke und der Werthers-Echte-Opa

Auch wenn Wolf Werner und Norbert Meier optisch schon ein etwas ulkiges Pärchen abgeben – Werner wirkt manchmal  so, als hätte er den freundlichen Werthers-Echte-Opa im 90ger Jahre Werbespot mimen können und Meier erinnert ein wenig an Schlucke, alias Martin Semmelrogge aus dem Kultstreifen „Bang Boom Bang“ –  gebührt beiden nicht nur der Watt-denn-Award sondern ein Denkmal, ähnlich wie Sir Alex Ferguson in Manchester. Zumindest zum Ritter schlagen sollte man sie für ihre Verdienste. Die beiden leben in so herrlicher Weise diesen besonderen Spirit vor, der mittlerweile die ganze Stadt erfasst hat. Fortuna steht für Teamgeist, Zusammenhalt, Leidenschaft und gute Laune. Diesen Tugenden in der Bundesliga freien Lauf zu lassen und sie zusammen mit Verein, Mannschaft, Fans und eigentlich ganz Düsseldorf immer wieder auf’s Neue zu zelebrieren, ist zu großen Teilen der Verdienst von Norbert Meier und Wolf Werner. Vielen Dank dafür!

Hals- und Beinbruch,

Ingo

 

Adnan-Fairness-Preis Nr. 1 geht an: Benedikt Höwedes (S04)

4 Dez

Ja, et iss soweit… Adnan möchte und wird einen Spieler für eine wahrhaftig sportlich faire Geste auszeichnen. Als erster Fuppessaner überhaupt wird Benedikt Höwedes – seines Zeichens Kapitän vom FC Schalke 04 – mit dem unermesslich renommierten „Adnan-Fairness-Preis“ ausgezeichnet. Dafür wird ihm der „A-F-P-Heiligenschein“ verliehen (wie unschwer auf dem Foto zu erkennen ist).

 

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Sein Verdienst: Sportsgeist in höchst angespannter Spielsituation

Vergangenen Dienstag, am 14. Spieltag, war Schalke beim HSV zu Gast. Nachdem in der 80. Minute der Anschlusstreffer zum 1-2 aus Schalker Sicht gelang, schmiss das Team alles nach vorne, um den Ausgleich zu schaffen. Höwedes sah diesen auch schon vor seinem geistigen Auge: In der 90. Minute bringt Christian Fuchs einen gelungenen Freistoß aus kurzer Distanz aufs Tor, Höwedes stürmt in den 16er, um einen möglichen Abpraller zu verwerten, ärgert sich dann aber mit einem fast schon rührenden Luftsprung, da René Adler das Ding sensationell um den Pfosten lenkt. Und genau dann zeigt Höwedes echte Größe: Er landet nach seinem Luftsprung genau neben Adler, beugt sich dann zum ihm nieder, um ihn für seine großartige Parade zu loben. Dabei stand noch eine Ecke aus – doch, so viel Zeit musste sein: Hut ab, Herr Höwedes, und „auf“ den Heiligenschein.

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Das Erinnert an die (für mich) Mutter aller Sportsmannsgesten. Es war vor mehreren Jahren bei einem Championsleague-Spiel zwischen Bayern München und Read Madrid. Damals schoss David „der Brad Pitt des Fußballs“ Beckham einen Freistoß, den Oliver Kahn großartigst aus dem Winkel fischte. Und niemand Geringerer als Senor Raúl lobte Kahn sofort im Anschluss mit Daumen hoch, Applaus und einem Blick der Anerkennung. Wenn man bedenkt, welchen Egopush besonders Torhüter bei solchen Gesten erhalten, ist diese Respektsbekundung während des Spiels wert zu schätzen.

Es ist schön, wenn bei all der aberwitzigen Millionenschwere des Fußballs und dem teilweise erbitterte Kampf um Punkte weiterhin Zeit und Gedanken für solche Gesten bleiben. So viele Luiz Adrianos gibt es ja zum Glück doch nicht…

Für’s Erste kriegt also Herr Höwedes den „Adnan-Fairness-Preis“ verdientermaßen verliehen. Mal sehen, wer als Nächstes kütt…

Bin halt doch für Fairplay,

Adnan

Fortuna „vehgt“ Zwietracht Zankfurt vom Platz

2 Dez

„Sieben Tage, sieben Punkte: Fortuna!“ – Nach dem höchsten Erstliga-Sieg seit 1990 darf man festhalten, dass unsere Mannschaft nun in der Bundesliga angekommen ist. Konzentriert, konsequent, leidenschaftlich und mit breiter Brust setzt die F95 ein eindrucksvolles Signal, dass sie in diese Liga gehört.

Die Erinnerung an Armin’s „Vehden“ gegen Sascha Rösler und die von Bruchhagen seinerzeit beheulte „Methodik mit Erfolch“ sind noch recht frisch und kochten im Vorfeld der Partie wieder hoch. Garniert wurde diese gehässige Vorfreude auf das Wiedersehen mit dem grandiosen „Haus vom Veh“-Song. Großartig, dass Opa, der Stadion-DJ, den Song vor Anpfiff spielt, und die vielen Tempotaschentücher im Stadion machten diesen „netten“ Gruß an Herrn Veh perfekt. Es fiel fast schon schwer, danach 12 Minuten und 12 Sekunden die Schnüss zu halten. Doch auch dafür hatte unser „Opa“ was parat und spielte „Enjoy the Silence“ an – sehr passend. 12:12 funzte auch bei uns – wenn auch nicht ganz so imposant wie in Dortmund. Leider muss aber wohl gesagt werden, dass das Zündeln im Frankfurt-Block den Effekt dieser breit angelegten Aktion torpediert hat. Ja, DFL und DFB raffen viele Dinge einfach nicht – die Schwachmaten, die ab 12:13 Bengalos und Rauchbomben anzünden aber leider ebenso wenig. Sie tun den wahrlich unbeliebten Funktionären einen Riesengefallen. Leider.

Breite Brust vs. taumelnde Euphoriekicker

Mit nur einer Änderung zum grandiosen Dortmund-Spiel (Fink für Paurevic) schickte Norbert Meier ein Team aufs Feld, das durch die jüngsten Ergebnisse Mut getankt hatte, während der Gegner nach dem furiosen Saisonstart mehr und mehr ins Taumeln gerät, verletzungsgeschwächt ist (ebenso wie wir) und nach einer herben Heimniederlage gegen den Mainzer Lokalrivalen den euphorisierenden „Mojo“ vorerst verloren zu haben scheint. Von daher war es eigentlich genau richtig, der Eintracht erst mal das Spiel zu überlassen. Sollen se doch erst mal kommen! Je nach Angriffsseite der Frankfurter wurde unsere hintere Abwehrreihe zu einer Fünfer-Kette, indem Bellinghausen links bzw. Reisinger rechts die Außenverteidiger unterstützten. Dass darunter das Umschaltspiel aber keineswegs litt, hat viel mit dem immer besser werdenden Spielverständnis unserer Flügelspieler zu tun. Die Achse van den Berg-Bellinghausen hat ebenso gut funktioniert wie Balogun-Reisinger. Und so war nicht nur das gefürchtete Frankfurter Spiel von außen gänzlich entschärft, sondern auch von unseren Außen stets Action nach vorne zu sehen. Als dann noch der übermotivierte Karim „Sieben-Tage-Vier-Gelbe-Karten“ Matmour etwas zu beherzt zu Werke ging, trat sie wieder ein: die gefürchtete Überzahl! Aber diesmal sollte es gut gehen – da waren wir uns auf den Rängen alle einig.

Fehler in der Matrix und die zärtliche Ballbehandlung mit Links

Auch unser Team machte deutlich, dass diesmal die Dinge anders laufen sollten. Und sie erhöhte den Druck. Es ereignete sich in der 38. Minute eine Szene, die man doch eigentlich schon kannte: „Reise“ schnappt sich die Pille auf halbrechts, tankt sich mehr kraftvoll als elegant durch diverse Abwehrbeine, guckt sich den Torwart aus und vollendet in aller Ruhe. Deja-vu? Tagtraum? Fehler in der Matrix? Nein: das 1-0 gegen den Tabellenfünften! Die elektrisierten Fans machten mächtig Alarm und die Jungs zeigten sofort, dass sie hier nachlegen wollen. Vier Minuten später begab sich auf rechts „Reise“ auf die selbige, flankte hinein. Kempf wehrt schwach mit dem Kopf ab und Fink sichert sich gegen Rode elegant und kraftvoll mit der Hacke den Ball, um diesem unmittelbar danach eine sanfte Liebeserklärung mit dem linken Fuß abzugeben… Unser neben Adnan sitzender Kumpel, Niko, sprang schon zum Torjubel auf, als der Ball Fink’s Fuß gerade verlassen hatte – er konnte ahnen, dass Trapp chancenlos sein würde und die Pille mit toller Flugkurve den Weg ins Tor findet. Ein traumhaftes Tor zu einem super Zeitpunkt. Gerade für Oliver Fink ist das ein enorm wichtiger Treffer. Vor seiner Verletzung spielte er ein furchtbares, von Fehlpässen durchsetztes Spiel gegen Hoffenheim. Auch in diesem Spiel fing er nicht gut an, leistete sich Fehler und war in seinen Aktionen langsam. Das Tor war dann aber die absolute Katharsis – im Anschluss gehörte er zu den besten Akteuren.

Taktisch clever den Zeitpunkt zum K.O. gesucht – und gefunden

Eine Überzahl am Ende einer Englischen Woche hat natürlich noch mal eine besondere Note. Darum war es noch wichtiger, das Feld breit zu machen, den Gegner laufen und ackern zu lassen. Zwar wirkte es zu Beginn der zweiten Halbzeit so, als würden wir die Frankfurter zu sehr ins Spiel kommen lassen. Wenn man aber sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit inzwischen Juanan und Bodzek innen, Balogun und van den Bergh außen sowie Monsieur Giefer im 16er die Kontrolle bewahren, geht das durchaus in Ordnung. Und schließlich werden so Räume für Angriffe geschaffen, welche die Mannschaft – anders als noch gegen Hoffenheim – zuende gespielt hat. Balogun marschiert in der 58. Minute kraftvoll auf rechts los und flankt hinein – denn er kann es. Und, da die Frankfurter die Kirsche wieder nicht rauskriegen, befördert Rafael sie gekonnt mit irgendwas zwischen Schienbein und Knöchel unter den begleitenden Blicken von Fink ins Tor. Boom! Da habta! 3-0! Wende is heut‘ net, liebe Frankfurtää. Egal, wie Rafael den Ball reinkriegt. Es ist sein Tor. Tja, und neben Fink erlebte noch einer seine persönliche Katharsis: Unser Axel! Wieder kommt eine Flanke von rechts. Wieder schwache Frankfurter Abwehrversuche – diesmal, vor die Füße von Bellinghausen, der in vollem Lauf mit links draufzimmert und Kevin Trapp mit einem satten Flachschuss tunnelt. Sein Torjubel zeigt, welche Last von ihm abfällt. Endlich hat Axel sein Erfolgserlebnis nach den bis dato mäßigen, teilweise schwachen Wochen. Kein Wunder, dass er später die vielleicht schönste Humba in der Esprit-Arena feiert und „Fortuna ist der geilste Club der Welt“ anstimmt.

Mannschaftsleistung deluxe: Vier Tore, vier Torschützen & echte Fortschritte

Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn es bei hohen Siegen möglichst viele verschiedene Torschützen gibt. So holt sich jeder sein persönliches Erfolgserlebnis und tankt neben dem mannschaftlichen Erfolg ordentlich Ego. Besonders für Fink und Bellinghausen (wie oben beschrieben) dürften diese Tore auch mittel- und langfristig echte Kräfte freisetzen. „Reise“ schien die gesamte Hinrunde abschreiben zu müssen und dreht jetzt mächtig auf. Drei Tore in drei Spielen sind gerade für Stürmer enorm aufbauend. Auch für Rafael war es wichtig, zu zeigen, dass er da ist, wenn man ihn braucht. Er hat das gesamte Spiel über viel gearbeitet – viele Bälle mit starkem Körpereinsatz behauptet. Aber es sind nun mal Tore, die man auf seiner Position vorweisen muss. Ken Ilsö wirkte etwas unglücklich in manchen Aktionen – ihm wollte nichts Großes gelingen. Trotzdem leistete er viel für den Spielaufbau: Er war enorm viel unterwegs und immer anspielbar. Lumpi arbeitet sich stellvertretend für die ganze Mannschaft an Liga 1 ran. Ja, er braucht immer noch sehr lange für seine Aktionen, aber es unterlaufen ihm keine groben Patzer oder allzu überflüssigen Ballverluste mehr. Tja, und jetzt möge uns mal einer sagen, wann Freund Bodzek eigentlich sein Gelbe-Karte-Abo gekündigt hat. Er foult einfach nicht mehr, gewinnt aber fast jeden Zweikampf – in der Luft und auf dem Boden. Schlichtweg beeindruckende Entwicklung des früher eher Hajto-esk anmutenden Defensivspielers. Juanan hat schon gegen Dortmund gezeigt, dass er endlich aklimatisiert ist in der Bundesliga. Auch er ist eine echte Bank geworden. Erfreulich ist zudem, dass van den Bergh wieder voll in Fahrt ist und an die Leistungen zu Beginn der Saison anknüpft. Unser Giefer strahlt inzwischen mit einer Selbstverständlichkeit die Ruhe und Sicherheit aus, die man sich von einer echten Nummer 1 wünscht. Nur noch unter Bedrängnis gehen seine Abschläge gelegentlich ins Aus. Mit manch gezieltem Abschlag leitete er Angriffe über die Außen ein. Als wäre es nichts, steckte das Team zudem den kurzfristigen Ausfall ihres bis dato stärksten Offensivmanns, Robbie Kruse, weg. Sowas kann der Mannschaft einen Knacks geben – nicht aber unserer Fortuna. Hut ab! Bei so viel Fortschritt kann man nur zufrieden sein. Darf man da noch einen Einzelnen hervorheben…? Ja, man muss… Also, wir müssen…

Balogung auf höherem Level(s) unterwegs

Leon Balogung ist der personifizierte Erfolgsfall dieser Englischen Woche. In seinen zweieinhalb Einsätzen hat er unserer Meinung nach Levels auf die Bank verwiesen. Mit Überlegenheit und Ruhe verteidigt er ohne unnötig zu foulen. Mit Übersicht, Mut und Präzision leistet er seinen Beitrag zum Offensivspiel. Er hat nicht unbedingt einen starken Antritt, gewinnt aber Dank seiner Größe im Sprint ordentlich an Tempo. Das macht ihn offensiv gefährlich und… er kann flanken! Der Assist zum 3-0 gehört ihm: seine erster Scorerpunkt. Ihn 20 Minuten vor Schluss gegen Cha auszuwechseln, machte dreifach Sinn: 1. Balogun hatte kurz vorher für sein gefühlt erstes Foul Gelb gesehen. 2. Meier gibt Du-Ri Cha so das Zeichen, dass er trotz Ronny, Levels, Reisinger und jetzt auch noch Balogun für die rechte Seite nicht abgeschrieben ist. 3. Leon hat als BuLi-Neuling in der Englischen Woche auf einer extrem laufintensiven Position viel leisten müssen und hatte die Auswechslung schlichtweg verdient. Bezeichnend jedoch, dass erst nach seiner Auswechslung Frankfurt über Fortuna’s rechte Seite zum Flanken kam…

Hinrunde mit 20+ Punkten möglich

Der Blick auf die Tabelle zeigt, dass sich die Fortuna nach ganz unten ein ordentliches Polster aufgebaut und sogar die internationale Ränge in Reichweite hat. Unsere Tordifferenz von -1 ist um Längen besser als die des derzeit Tabellensiebten, VfB Stuttgart (-7), und alles, was sich hinter uns tummelt. Das ist enorm wertvoll. So können wir mit noch breiterer Brust zum (Phrasenschwein-Alarm) „Sechspunktespiel“ nach Nürnberg fahren. Und mit dem Eindruck aus der Englischen Woche müssen wir uns auch nicht vor Hannover fürchten, die es in Überzahl gegen Mainz nicht schafften, zu punkten. So ist also tatsächlich denkbar, dass wir mit mehr als 20 Punkten und dem Viertelfinalticket des DFB-Pokals in die Weihnachtszeit gehen. Aber… gut, wir warten vielleicht doch noch ein wenig ab. In jedem Fall blicken wir frohen Mutes und mit Zuversicht auf die verbleibenden drei Pflichtspiele in diesem Jahr.

Leistungstief des 12. Mannes

Um noch mal etwas Selbstkritik zu üben… Gegen Frankfurt hatten wir das erste Mal das Gefühl, dass uns die Gästekurve zeitweise an die Wand gesungen hat – das ließ deutlich nach aufgrund des Spielverlaufs. Wir müssen uns aber ranhalten, um das nicht noch mal zuzulassen. Beim Stand von 3-0 herrschte manchmal minutenlang Ruhe. Und das wird jetzt nicht nur auf die Ultras und die bereits erwähnten Machtkämpfe geschoben. Da ist jeder Stadiongänger gefragt, mitanzustimmen, wenn ein Lied aus der Südkurve erklingt. Klar, wir motzen hier auf hohem Niveau, denn es war durchaus was los in der Arena – aber es heißt doch so schön: Wir sind Fortuna. Wir können alles! Also können wir jede noch so starke Gästekurve in die Schranken weisen – gemeinsam!

Mit Vorfeude und Spannung fiebern wir dem nächsten Spiel in Nürnberg entgegen. Kommende Woche werden wir hier zudem zum ersten Mal den Adnan-Fairness-Preis sowie den Watt-denn-Award verleihen. Also, schaut unbedingt wieder rein.

Fortuna ist der geilste Club der Weeeeelt,
Ingo & Adnan

PS: Wir haben Kleinigkeiten korrigiert, Freunde. Moritz Trapp heißt eigentlich Kevin. Und Hass trifft auf Funktionäre nicht zu, dafür sind sie zu egal – eher Unbeliebtheit. Außerdem musste noch Kruse’s Ausfall erwähnt werden…